"Stabilität bei Stress ist zentral"

Robert Koch, Portfolio Manager Multi Asset bei Fisch Asset Management spricht im Interview mit Fondstrends über die Wichtigkeit von Stabilität im Stress und "intelligente Asset Allokation".
26.09.2016 10:40

Welche Anlagekonzepte empfehlen Sie in den gegebenen Marktkonstellationen?
Die derzeitige Marktlage kann sich schnell und unerwartet ändern. Somit sind Diversifikation, Flexibilität bei der Auswahl von Risikoprämien und Risikomanagement zentrale Erfolgsfaktoren. In solch einem Umfeld sind Multi-Asset-Konzepte besonders attraktiv.

Welche Lösungen bieten Sie in diesem Bereich an?
Im Multi-Asset-Bereich verwalten wir zwei Absolute-Return-Strategien. Den defensiven FISCH MultiAsset Manta Fonds sowie den opportunistischeren FISCH MultiAsset MantaPlus Fonds. Hervorzuheben ist, dass beide nach dem gleichen Anlageprozess gemanagt werden und sich somit ausschliesslich über ihr angestrebtes Risiko-/Ertragsprofil unterscheiden.

Welche Anlageziele verfolgen Sie konkret?
Das defensive FISCH MultiAsset Manta Portfolio strebt eine absolut positive Performance über 2 Kalenderjahre an. Zusätzlich soll über einen Zyklus eine Rendite von mindestens 2% über Geldmarkt erwirtschaftet werden – und dies bei einer sehr tiefen Volatilität von 2-3%. Der opportunistischere FISCH MultiAsset MantaPlus Fonds verfolgt ein Volatilitätsziel von 4-6%. Das erklärt auch warum hier eine Rendite von 4% über Geldmarkt angestrebt wird und über 3 Kalenderjahre eine absolut positive Performance erwirtschaftet werden soll.

Worin unterscheidet sich Ihr Multi-Asset Ansatz von anderen?
Durch 100%iges Eigeninvestment. Sämtliche Pensionskassengelder von Fisch Asset Management werden innerhalb des MantaPlus Portfolios verwaltet, während ein Grossteil der liquiden Mittel im Fisch Manta angelegt wird. Dieses ausgeprägte Commitment sorgt dafür, dass sich der Anleger sicher sein kann, dass wir stets unsere Anlageziele sehr genau im Auge behalten. Vor diesem Hintergrund nimmt das Risikomanagement mit Fokus auf Stabilität im Stress einen besonderen Stellenwert ein.

Warum ist Stabilität im Stress so zentral?
Der Zinseszins ist langfristig der stärkste Hebel und deshalb sind Absolute-Return-Produkte im derzeitigen Niedrigzinsumfeld so gefragt. Eine konstant positive Performance erzielt man nur, wenn grösstmögliche Stabilität im Stress gewährleistet werden kann. Das Spezielle an unserem Ansatz ist, dass diese Stabilität nicht durch einen Abbau von Risikopositionen innerhalb des Portfolios erreicht wird, sondern durch eine intelligente Asset Allokation. Damit sind wir im Anschluss an Stressphasen sehr schnell wieder in der Lage, Fahrt aufzunehmen.

Bitte erläutern Sie uns, was Sie unter "intelligenter Asset Allokation" verstehen?
Der Erfolg der Fisch Manta Strategie basiert im Wesentlichen auf einem stringent umgesetzten Investmentprozess, der auf drei Eckpfeilern aufbaut: Auswahl attraktiver Risikoprämien, Stabilität bei Stress durch den gezielten Einsatz von Stabilisatoren und Alpha innerhalb der einzelnen Anlageklassen. Anstatt in bestimmte vordefinierte Quoten zu investieren, liegt unser Hauptaugenmerk im erfolgreichen Zusammenspiel der oben genannten Bausteine.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Bei der Portfoliozusammensetzung achten wir darauf, dass pro Einheit Risiko eine möglichst attraktive Risikoprämie erzielt wird. Wir greifen auf in-house entwickelte Bewertungstools zurück, um Marktchancen frühzeitig zu erkennen sowie von Übertreibungen an den Märkten gezielt Abstand zu nehmen. So wird bereits vorab eine gewisse Asymmetrie gewährleistet. Ein sehr gutes Beispiel dafür sind Wandel- bzw. Hochzinsanleihen. Beide Anlageklassen weisen langfristig aktienähnliche Renditen auf, jedoch bei deutlich geringerem Rückschlagspotenzial. Das liegt einerseits daran, dass beide Anlageklassen von denselben Risikofaktoren (Veränderung der Wirtschaftsentwicklung und Liquidität) wie Aktien getrieben werden. Andererseits bieten Wandelanleihen wegen ihres Bondfloors und Hochzinsanleihen aufgrund des höheren Rangs in der Kapitalstruktur einen besseren Schutz als Aktien. Somit ist man in der Lage ein ökonomisches Aktienrisiko im Portfolio zu halten, ohne aber das gesamte Verlustrisiko in Kauf nehmen zu müssen.

Stabilität bei Stress bezieht sich auf die Tatsache, dass wir das maximale Verlustrisiko des Portfolios möglichst gering halten wollen. Das erreichen wir in dem wir über Risikofaktoren und nicht über Anlageklassen diversifizieren. Oft werden verschiedene Anlageklassen von denselben Risikofaktoren getrieben und eine reine Diversifikation über Anlageklassen bietet im Extremfall keinerlei Schutz. Aus diesem Grund setzen wir gezielt Stabilisatoren im Portfolio ein, die genau dann die Diversifikation erhöhen, wenn wir es am notwendigsten haben, nämlich im Stressfall.

Diese Stabilisatoren klingen interessant. Können Sie uns da ein Beispiel nennen?
Ein anschauliches Beispiel für solche Stabilisatoren sind die Risikoprämien Momentum und Zins. Hier konzentriert sich die Veranlagung vorwiegend auf Managed Futures und auf Staatsanleihen mit bester Bonität. Diese liefern in der Regel, insbesondere in Stressphasen, Rendite. Somit ist genau dann eine Kompensation gegeben, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Die heftigen Verlustphasen Anfang des Jahres zeigen dies deutlich.

Der letzte Baustein ist das Erzielen von Alpha. Was können Sie uns darüber erzählen?
Fisch Asset Management versteht sich als aktiver Manager. Das Alpha, also das Erzielen eines Mehrertrags aufgrund von geschickter Titel-, Sektor- beziehungsweise Regionenallokation, ist daher eine wesentliche Performancekomponente und stellt zugleich unsere Existenzberechtigung als unabhängige Investmentboutique dar. Diese Fähigkeit, Alpha zu generieren, bestätigten wir seit Lancierung der Strategie stetig.

Wie lange ist Ihre Strategie schon im Einsatz und welche Ergebnisse wurden dabei erzielt?
Seit Auflage im August 2009 konnte die Fisch Manta Strategie ein Sharpe Ratio von über 1.2 erzielen. Der maximale Verlust in diesem Zeitraum betrug lediglich 3.2%.

An wen richten Sie sich mit Ihren Strategien?
An alle Investoren, für die höchstes Commitment, Unabhängigkeit, Professionalität und nachhaltige Performance im Vordergrund steht. Erwähnenswert hierbei ist, dass aufgrund der Sparplanfähigkeit auch Private die Möglichkeit haben, Teil des Pensionskassenportfolios von Fisch Asset Management zu werden.

Noch ein paar Worte zu Ihrer Unternehmung?
Die Brüder Kurt Fisch und Dr. Pius Fisch gründeten im Jahr 1994 in Zürich Fisch Asset Management als unabhängige Asset Management Boutique. Wir bauten im Bereich Wandelanleihen eine global führende Stellung auf. Mit der gleichen Absicht starteten wir vor zehn Jahren das Management von Unternehmensanleihen mit Fokus auf High Yield und Emerging Market Corporate Bonds. Vor sieben Jahren wurde die Expertise mit den Produkten Absolute Return und Managed Futures erweitert. Das per Ende Juni 2016 mit 73 Mitarbeitenden verwaltete Kundenvermögen von CHF 9.4 Mrd (EUR 8.6 Mrd.) stammt mehrheitlich von institutionellen Anlegern. Die Firmenkultur prägen Unternehmergeist, Mitbestimmungsrecht und Unabhängigkeit.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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