Star-Investor verlässt die Bank Vontobel

Der Star-Fondsmanager Rajiv Jain und die Bank Vontobel gehen überraschend getrennte Wege. Jain verdiente etwa zehnmal mehr als der Vontobel-CEO.
08.03.2016 09:25
Von Daniel Hügli
Rajiv Jain in einem früheren Interview mit cash.
Rajiv Jain in einem früheren Interview mit cash.
Bild: cash

Lange war darüber spekuliert worden, aber nun kommt die Trennung aber doch überraschend: Nach 22 Jahren bei der Vontobel-Gruppe will Star-Fondsmanager Rajiv Jain eigene unternehmerische Pläne verfolgen. Das teilte Vontobel am Montagabend mit. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Matthew Benkendorf.

Jain wird schwierig zu ersetzen sein. Er leistete er einen großen Beitrag zum im Branchenvergleich überdurchschnittlichen Wachstum der Bank Vontobel in den vergangenen Jahren. Zuletzt verwaltete sein Bereich in New York mit knapp 70 Mitarbeitern rund 48 Milliarden Dollar oder über ein Drittel des Gesamtbestandes der Bank.

Namentlich managte Jain zwei der grössten Fonds der Bank Vontobel, den "Vontobel Fund Emerging Markets Equity" (über 5 Milliarden Dollar an Kundengeldern) und den "Vontobel Global Equity Fund" (etwa 1,5 Milliarden Dollar). Allein mit Jains Emerging-Markets-Fonds kassierte Vontobel jährlich Gebühren in Höhe von 114 Millionen Dollar, beim globalen Fonds 28,5 Millionen.

Jain erreichte mit seinem Schwellenmarkt-Fonds vor allem in den Jahren 2010 bis 2012 eine überdurchschnittliche Performance. Dann geriet der Motor ins Stottern. "In den letzten drei Jahren waren die Fonds durchschnittlich. Sie rechtfertigen den Star nicht", sagte Fondsexperte Martin Bürki in der "Bilanz". Während Jains Emerging-Markets-Fonds Ende letzten Jahres seit Ende 2012 leicht im Minus lagen, legten Schwellenländerfonds von RAM oder Hermes um 7 und 18 Prozent zu.

Über das Gehalt von Jain wurde immer wild spekuliert. Schätzungen von Fondsexpertenlagen lagen bei etwa 30 Millionen Dollar Entlöhnung im Jahr. Es wäre etwa das Zehnfache der Jahresvergütung von Vontobel-CEO Zeno Staub (3,2 Millionen Franken). Insofern entlastet der Abgang von Jain auch die Kostenbasis Vontobels.

Die Bank muss aber mit Abflüssen von Kundengeldern rechnen. Welche Folgen der Abgang eines prominenten Fondsmanagers auf die verwalteten Vermögen eines Instituts haben kann, zeigt das Beispiel der Allianz-Tochter Pimco. Dort hatten sich die Abflüsse nach dem Weggang des Fonds-Gründers Bill Gross im September 2014 beschleunigt.

(Mit Material  von Reuters)