Starke Unternehmen gibt es auch in schwachen Regionen

Nick Payne, Leiter Emerging Markets bei Old Mutual Global Investors, untersucht die Gründe für die derzeitige Volatilität in den Emerging Markets und zeigt auf, was dies für Aktienanleger bedeutet.
27.07.2018 22:34

Im Gegensatz zur ungewöhnlichen Ruhe des letzten Jahres hat das Jahr 2018 eine Rückkehr zu volatileren Handelsbedingungen in globalen Schwellenländer-Aktien erfahren. Die Ursache dieser Volatilität ist auf die Bewegungen an den Devisenmärkten zurückzuführen, meint Nick Payne. Die Währungen von Indien bis Mexiko, von der Türkei bis Indonesien schwächten sich gegenüber dem US-Dollar ab, als die US-Long-Bond-Rendite im Februar die entscheidende 3%-Marke durchbrach.

"Während sich die Devisenmärkte aufgrund hoher Leistungsbilanzdefizite typischerweise abschwächen, ist die Volatilität der Währungen, die wir bisher gesehen haben, eher eine Funktion der sich verschärfenden US-Finanzbedingungen und weniger eine Funktion der sich verschlechternden Fundamentaldaten in den zugrundeliegenden Regionen", kommentiert Payne. Brasilien beispielsweise habe weder ein Leistungsbilanzdefizit noch ein Inflationsproblem, und dennoch ist der brasilianische Real in der Währungskrise gefangen.

Eine weitere Besonderheit dieser Volatilitätswelle war die Stärkung des Dollars im Gleichschritt mit dem Ölpreis. Für die Nettoimporteure von Erdöl – insbesondere für Länder wie die Türkei, Indien und Indonesien – hat sich das bereits verschärft und die Handelsungleichgewichte verschlechtert. Doch während viele Schwellenländer von Währungsschwierigkeiten und steigenden Ölpreisen betroffen sind, haben in Asien wachsende Handelsspannungen zwischen den USA und China zu negativen Schlagzeilen in den Medien beigetragen.

Kaufgelegenheiten in Sicht
Payne stellt sich also die Frage, wie man am besten auf solche Herausforderungen reagiert. Der MSCI Emerging Markets Index ist seit Jahresbeginn um über 6% in britischen Pfund und über 9% in Dollar gefallen. Deshalb bleibt er bei der Prüfung möglicher Kaufgelegenheiten weiterhin selektiv und geduldig und bevorzugt Unternehmen, die mit verschärften Finanzierungsbedingungen umgehen können. Was er nach wie vor vermeidet sind Unternehmen mit einem hohen Fremdkapitalanteil.

Bei den Bewertungskennzahlen favorisiert Payne weiterhin die Eigenkapitalrendite (ROE) eines Unternehmens als Mittel zur Qualitäts-Messung. Generell ist er der Meinung, dass gute Unternehmen auch in schlechten Regionen existieren können. Als Beispiel nennt der Experte Brasilien: Ohne eine entscheidende Reform der Altersvorsorge – in Brasilien ist die Pensionierung mit 55 Jahren die Regel – würde das Land auf eine Schuldenkrise zu steuern. Und doch seien gute Unternehmen mit gesunden Bilanzen auszumachen. Localiza, Brasiliens grösster Autovermieter, profitiert in erster Linie vom Wachstum im Autoleasing. "Als Beispiel für einen säkularen Wachstumswert wird die Profitabilität der Unternehmens-Gruppe durch Verhaltensänderungen angetrieben und nicht nur durch Veränderungen im Konjunkturzyklus bestimmt", so Payne.

Abgesehen von Brasilien sind auch in China säkulare Wachstumschancen gegeben. Das Wachstum des Landes verlangsamt sich, während die Spannungen im Handel zwischen den USA und China einen Schatten auf den Erfolg der Kampagne "Made in China 2025" werfen, einem Projekt zur Förderung der Robotik und der künstlichen Intelligenz. Aber die Neugewichtung des Wachstums Chinas von einer exportorientierten Wirtschaft hin zu einer auf die Steigerung des Binnenkonsums ausgerichteten Wirtschaft werde aus Paynes Sicht die Aussichten der Internet-Giganten Tencent und Alibaba nicht wesentlich beeinträchtigen. Beide Unternehmen erzielen hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital – seines Erachtens der Schlüssel zu langfristigen Investitionen. 

Aussichten intakt
Ungeachtet der kurzfristigen Marktvolatilität ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Investition seiner Meinung nach der Kauf von Qualitätsunternehmen zu vernünftigen Preisen. "In herausfordernden Zeiten ist eines der verlockendsten Dinge, die man als Fondsmanager tun kann, etwas zu tun - auch wenn diejenigen, die sich für die Vorteile einer langfristigen Investition einsetzen, glauben, dass eine Buy-and-Hold-Mentalität unbedingt vorzuziehen ist", so Payne. Zur weiteren Beruhigung der Nerven rät Payne, nicht zu vergessen, dass wir erst zwei Jahre in einem Unternehmensgewinn-Zyklus in den Schwellenländern sind, der normalerweise fünf Jahre dauert. Das globale Wachstum sei nach wie vor vernünftig, der Inflationshintergrund ungefährlich. "Der Gewinnzyklus in den Schwellenländern bleibt vorerst intakt, und Opportunitäten beginnen sich abzuzeichnen", schliesst der Experte.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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