Unerschlossene Anlagechancen in Afrika

Bassel Khatoun des Franklin Templeton Emerging Markets Equity Teams erläutert, wie die Volatilität der Rohstoffpreise die Chancen für viele afrikanische Märkte erhöhen könnte und wie sich der Einfluss von China in den umfassenden Strukturreformen Kenias niederschlägt.
17.07.2018 22:33

Im Hinblick auf Investments in Afrika gilt bei vielen Anlegern Südafrika als wichtigster Markt des Kontinents. Nach Bassel Khatouns Auffassung bieten jedoch auch andere Länder der Region auf lange Sicht viel unerschlossenes Potenzial. Jedoch ist er sich im Klaren, dass Anleger geduldig sein und verstehen müssen, dass die Wirtschaft in diesen Märkten einige sehr spezifische Merkmale und auch Risiken aufweist.

Volatilität der Rohstoffpreise könnte Reformen befeuern
Da die weltweite Nachfrage nach harten und weichen Rohstoffen weiter steigt, sei Afrika, so Khatoun, mit den vielen natürlichen Ressourcen in einer beneidenswerten Position. Viele afrikanische Märkte verfügen nicht nur über erhebliche Öl- und Gasvorräte und andere harte Rohstoffe, sondern auch über die Mittel, um die Erzeugung weicher Rohstoffe zu steigern.

In den letzten Jahren stellte die Volatilität der Rohstoffpreise die afrikanischen Länder vor Herausforderungen, vor allem diejenigen, die von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängen. Die Rohstoffexporteure sahen sich nach dem drastischen Rückgang der Ölpreise 2014 und dem Schrumpfen ihrer Finanzpolster erheblichen Herausforderungen ausgesetzt, die das Wachstum in vielen Ländern beeinträchtigten.

Jedoch könnte diese Volatilität auch als Chance verstanden werden, glaubt der Experte, da diese Länder den dringenden Bedarf nach Reformierung und Diversifizierung ihrer Volkswirtschaften erkannten. Die Regierungen wurden zu Disziplin und einer Verbesserung der Einnahmenseite gezwungen. Volatilität ermutigt Länder überdies, Möglichkeiten zu einer Ausweitung ihrer Wirtschaft durch vielfältigere Projekte als den blossen Verkauf eines einzigen Rohstoffs zu suchen.

Chinas wachsender Einfluss in Afrika
Erstmals ist zu beobachten, dass eine Reihe von grossen multinationalen Unternehmen in Afrika eine Präsenz aufbauen, um sich Zugang zu den dortigen grossen, dynamischen und jungen Bevölkerungen zu verschaffen. Gemäss Khatoun gelte dies insbesondere für die Länder, in denen Verbesserungen bei Infrastruktur und Wirtschaftsbedingungen zu beobachten seien.

Insbesondere der Einfluss Chinas wird immer deutlicher, vor allem bei der Finanzierung des Baus von Strassen, Häfen, Flughäfen und Tunnels. Die Chinesen werden zu lokalen Partnern von afrikanischen Unternehmen, meint der Experte. Während für China die afrikanischen Rohstoffe von Interesse seien, blieben viele Unternehmer in Afrika und eröffnen dort eigene Ladengeschäfte.

Kenia als heller Stern
Ein Markt, in dem der Experte eine ganze Reihe von Chancen erkennt, ist Kenia. Im vergangenen Jahrzehnt unternahm Kenia erhebliche Strukturreformen, die das Wirtschaftswachstum steigerten. Seine Lage an der schnell wachsenden Ostküste Afrikas macht Kenia zu einem Knotenpunkt für Handels- und Investitionsströme vom Osten in den restlichen Kontinent. Die Exporte, vorwiegend Tee und Gartenpflanzen, legten deutlich zu. Auch der Tourismus erlebt durch ausländische Besucher eine starke Erholung.

Trotz einer Verlangsamung des BIP-Wachstums auf 5,5 % im Jahr 2017 aufgrund der gedämpften Kreditnachfrage, eines langen politischen Patts und einer Dürreperiode werde damit gerechnet, so Khatoun, dass sich die kenianische Wirtschaft durch umsichtige makroökonomische Massnahmen und einen stärkeren Konsum 2018 und 2019 auf 5,8 % beziehungsweise 6,1 % beschleunigt. Progressive geld-, fiskal- und wechselkurspolitische Massnahmen trugen zur Stabilisierung und zum Schutz der Konjunktur bei. Eine vielfältige, vor allem durch den Dienstleistungssektor angekurbelte Wirtschaft sorgt für Widerstandsfähigkeit gegenüber äusseren Faktoren und das Potenzial, eine der grössten Wachstumsstory des Kontinents zu sein.

Auch die Infrastruktur Kenias dürfte von der chinesischen Seidenstrassen-Initiative profitieren, die der Umsetzung der wirtschaftlichen und diplomatischen Interessen Chinas dienen soll. China richtete 2014 einen mehrere Milliarden Dollar schweren Spezialfonds zur Finanzierung verschiedener Infrastrukturprojekte entlang der Seidenstrassen-Routen ein. In Afrika gehört der Hafen im kenianischen Nairobi dazu.

Revolution der Finanzdienstleistungen in Afrika
Auch bei der Revolution im Mobile Banking, das die Finanzdienstleistungsbranche in Afrika umwälzt, ist Kenia führend. Eine weltweit beachtete Erfolgsgeschichte ist ein kenianischer Geldtransfer- und Finanzierungsservice auf Basis von Mobiltelefonen, der immer mehr Abonnenten verzeichnet und Nutzern ohne Zugang oder mit schlechtem Zugang zu Banken die sichere Überweisung von Geldern ermöglicht.

Die Zahl der Systemnutzer nahm seit der Gründung 2007 auf 28,6 Millionen registrierte Kunden rasant zu und brachte ein exponentielles Wachstum des Transaktionswerts mit sich. In der Folge verbreitete sich das Mobile Banking rasant in vielen weiteren Ländern der Region und förderte die finanzielle Inklusion erheblich.

Über Banking-Services hinaus verbinden Mobiltelefone die Nutzer mit anderen Sektoren der Wirtschaft, wie z. B. Einzelhandel, Bildung und Gesundheit, umgehen den Bedarf an herkömmlichen Niederlassungen und vernetzen die aufstrebende Bevölkerung in den Schwellenländern.

Breit gefächerter Ansatz für Afrika
Verständlicherweise dürfte Südafrika aus Sicht der Anleger weiterhin dominieren, wenn sie die Chancen in Afrika abschätzen. Die aktuellen makroökonomischen Indikatoren, darunter das BIP-Wachstum und eine Zinssenkung im März, sind allgemein positiv. Und es freut Khatoun, dass der demokratische Prozess weiter intakt ist.

Aber das sei nicht die einzige Story in der Region, meint der Experte. Aufgrund des besseren Investitionsumfelds, der besseren wirtschaftlichen Führung und der steigenden Nachfrage Chinas nach afrikanischen Ressourcen werde damit gerechnet, dass Afrika als Ganzes in den kommenden 20 Jahren um mehr als 5 % pro Jahr wächst. Mehr als 100 afrikanische Unternehmen erlösen Umsätze von über 1 Milliarde US-Dollar. Afrika besitzt auch beeindruckende Ressourcenvorräte, nicht nur an Mineralen, sondern auch an Nahrungsmitteln – 60 % der brachliegenden Ackerfläche weltweit befinden sich in Afrika.

Demografie wirkt sich auf Konsum aus
Das langfristige Wachstumspotenzial in konsumnahen Bereichen ist bei rund 1 Milliarde Einwohnern auf dem afrikanischen Kontinent ebenfalls sehr attraktiv. Vor allem dürften von dem prognostizierten Anstieg der Weltbevölkerung bis 2100 3,2 Milliarden Menschen auf Afrika entfallen und seine Erwerbsbevölkerung dabei um 2,1 Milliarden Menschen wachsen. Diese demografische Dividende bietet nicht nur die Chance auf transformatives Wachstum auf dem Kontinent, sondern hat überdies weltweit Auswirkungen auf den Konsum.

Nach Khatouns Auffassung hat eine ganze Reihe afrikanischer Länder das Potenzial für starkes Wirtschaftswachstum, was ein günstiges Umfeld für die Profitabilität von Unternehmen und das Gewinnwachstum entstehen lassen dürfte.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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