Wachsende US-Verschuldung ruft Stagflationsängste hervor

Trumps Versprechen, mit der Steuersenkung genug Wachstum zum Ausgleich der Kosten zu generieren, hat sich in Luft aufgelöst. Die US-Staatsverschuldung steigt munter an, was sich gemäss Martina Müller-Kamp von der Graubündner Kantonalbank auf den Aktienmarkt auswirken wird.
19.02.2019 22:34

"Der Schreck der Aktienmarktentwicklung vom Jahresende sitzt noch tief in den Knochen der Anlegerinnen und Anleger. Mittlerweile haben jedoch die Aktienmärkte in diesem Jahr wieder mehr gewonnen, als sie im Dezember 2018 verloren haben", erklärt Martina Müller-Kamp, Leiterin Investment Center der Graubündner Kantonalbank. An den internationalen Aktienmärkten sei es seit Jahresbeginn zu kräftigen Kursfortschritten gekommen. Gründe für die Zuversicht der Anlegerinnen und Anleger seien einerseits die zurückhaltende Zinspolitik der US-Notenbank Fed und andererseits die Aussicht auf eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Die weiterhin eher schwach ausfallenden Konjunkturdaten und somit herrschenden konjunkturellen Risiken würden hingegen von den Marktteilnehmern weitgehend ignoriert.

Trumps Versprechen mit dem Steuergesetz hat sich nicht erfüllt
In der letzten Woche meldete sich Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank Fed von 1987 bis 2006, zu Wort. Er sehe das grösste Risiko für die USA in einem Szenario mit sehr geringen Wirtschaftswachstumsraten bei gleichzeitiger Inflation (sprich: Stagflation). Als Auslöser für ein solches Szenario nennt Greenspan das immer weiter steigende Budgetdefizit der USA. So liegt das Haushaltsdefizit der USA derzeit bei 779 Mrd. USD, wobei die Tendenz weiter steigend sei, wie Müller-Kamp anmerkt. Das Versprechen von US-Präsident Donald Trump, mit dem neuen Steuergesetz genügend Wirtschaftswachstum zu erzeugen, so dass sich die Kosten einer Steuersenkung ausgleichen, habe sich damit nicht erfüllt. Mittlerweile liege die Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandprodukt bei über 100%. "Damit befindet sich die USA in guter Gesellschaft mit Ländern wie Japan, Italien, Frankreich oder Spanien", so Müller-Kamp.

Hohe Staatsverschuldung resultiert in geringeren Wachstumsraten
"Das Problem ist, dass Länder mit einer sehr hohen Staatsverschuldung in der Regel geringere Wachstumsraten aufweisen", erklärt Müller-Kamp. Mit höherer Staatsverschuldung steige auch der Schuldendienst kontinuierlich an. Die hohe Nachfrage nach Refinanzierung durch den Staat treibe die Zinsen nach oben. Aufgrund der höheren Zinsen würden auch seitens Unternehmen und Privatpersonen weniger Investitionen getätigt, was sich wiederum negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirke. "Eine solche Entwicklung wird sich früher oder später auch an den Aktienmärkten zeigen", ist sich Müller-Kamp sicher.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
Verpassen Sie keine News aus der Fondsbranche. Fondstrends.ch liefert Ihnen wöchentlich die Zusammenfassung der Nachrichten und informieren Sie über Sesselwechsel und wichtige Veranstaltungen. Hier abonnieren