Wer will schon "Quotenfrauen"?

Dass Frauen in der Investment- und Fondsindustrie deutlich untervertreten sind, ist kein Geheimnis. In Deutschland machen die namentlich bekannten Fondsmanagerinnen gerade mal 6% aus. Anne Connelly, Gründerin des Netzwerks Fondsfrauen, gehört zu den ersten Frauen, die sich in der männerdominierten Finanzwelt in Spitzenpositionen behauptet hat. Am ersten regionalen Treffen der Fondsfrauen in Zürich sprach sie über Vorbildrollen, Karriere und Kinderwunsch.
23.09.2016 14:20

Anne Connelly verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Topmanagement und Vertriebspositionen bei Pioneer und Morningstar. Nun möchte sie den Fokus ihre Karriere jedoch ändern und sich voll und ganz auf das Netzwerk und Genderthemen konzentrieren. Mit der Mission „Netzwerk, Karriere, Inspiration“ engagiert sich Connelly zusammen mit den zwei Mitgründerinnen Anke Dembowski und Manuela Fröhlich für die Förderung von Frauen im Fondsgeschäft.

Nur Mut, liebe Damen
Kritikern nimmt Anne Connelly gleich zu Beginn ihrer Ansprache den Wind aus den Segeln. „Wir sind kein Prosecco trinkendes Strickgrüppchen, wie einige das Gefühl haben.“ Das Ziel sei es nicht, aus der Fondsbranche ein „Pink Ghetto“ zu machen. Doch sollen Frauen ermuntert werden, in die stark männerdominierte Branche einzutreten und sich ein Netzwerk aufzubauen. Als zweifache Mutter von Teenagern weiss Connelly um die Schwierigkeiten, mit welchen Frauen heutzutage im Berufsleben zu kämpfen haben. Sie weiss aber auch, dass Wille, Engagement und Unterstützung es möglich machen, Karriere und Nachwuchs unter einen Hut zu bringen.

Damit ist sie nicht die Einzige. Auch ihre beiden Kolleginnen und die Beiratsmitglieder der Fondsfrauen haben es (trotz Familie) in ansehnliche Positionen geschafft – mit Leistung und nicht als "Quotenfrauen". Der Konsens bezüglich Frauenquote ist eindeutig. Charlotte Bänninger, Leiterin Fixed Income Schweiz bei der UBS erklärt: „Frauen, welche sich ihre Position erarbeitet haben, bewähren sich tendenziell mehr.“ Schliesslich könne die Performance der Involvierten bis auf zwei Kommastellen genau gemessen werden. Viele Frauen würden durch eine Quote ins kalte Wasser geworfen, ihre Amtsdauer sei folglich meist kürzer als jene ihrer männlichen Kollegen.

Eine Frage des Wollens und des Könnens
Ein Hauptfaktor für die Zurückhaltung der Frauen dürfte das sogenannte Helfersyndrom sein. Dr. Anja Hochberg, CIO bei der Credit Suisse, meint: „Jobs wie Krankenpflegerin oder Lehrerin werden dem weiblichen Rollenbild viel eher gerecht.“ Weiter spielt die Ausbildung eine Rolle. Während in Spanien oder Finnland die Zahl der für die Finanzbranche prädestinierten Absolventinnen relativ hoch ist, beträgt die Frauenquote an Hochschulen wie der ETH oder der HSG gerade einmal 30%. So verwundert es nicht, dass das Verhältnis im Berufsleben nicht andersherum ist.

Um mehr Frauen für die Finanzwelt zu begeistern, gibt es verschiedene Ansätze. Dr. Fleur Platow, Autorin und Referentin an der HSG, gibt zu bedenken: „Es braucht viel mehr positive Vorbilder, um andere zu motivieren und ebenfalls in hohe Positionen zu ziehen.“ Die Gäste sind sich einig, dass bereits im Sekundarschulalter die „Angst vor Finanzen“ relativiert werden und für die Branche geworben werden sollte. Zudem können Unternehmen mit sogenannten Career Return Programmen oder Kinderbetreuung zum Aufstieg der Damen beitragen.

Da setzen auch die Fondsfrauen an: Mit regelmässigen, regionalen Netzwerktreffen, Workshops, Seminaren, Dialog mit Fondsgesellschaften und – dann eben doch – einem Gläschen Prosecco im Anschluss.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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