"Wir verfügen über intelligente, gut strukturierte Anlageprozesse"

Vor fünf Jahren etablierte Investec Asset Management mit Reinhard Müller ihre physische Präsenz in der Schweiz. Im Alleingang schaffte er es, den global ausgerichteten Vermögensverwalter erfolgreich bei den institutionellen und privaten Anlegern in der Schweiz zu verankern.
13.06.2016 14:21

Herr Müller, welches sind die Ursprünge von Investec?

Reinhard Müller: Investec wurde 1974 in Südafrika als Leasing- und Finanzierungsgesellschaft gegründet. 1980 erhielt sie den Bankenstatus und wurde zuerst in Johannesburg und später, als sich die Gruppe global ausrichtete, auch in London kotiert. Das Asset Management wird seit 1991 als eigenständige Organisation betrieben, entstand also vor 25 Jahren. Unser CEO, Hendrik du Toit, war Gründungsmitglied und führt die Geschäfte immer noch, was unsere Konsistenz mitaufzeigt. Sowohl die Investec Bank als auch Investec Asset Management sind in der Schweiz vor Ort präsent.

Investec Asset Management feiert demnach gerade das 25-jährige Jubiläum!

Ja, ausserdem feiern wir fünf Jahre Präsenz in der Schweiz. 2011 wurde ich an Bord geholt, um das Schweizer Geschäft aufzubauen. Seit 2015 verfügen wir über eine Schweizer Vertriebslizenz.

Der Aufbau scheint Ihnen ja gelungen zu sein…

Dem darf ich bei aller Bescheidenheit zustimmen, vor allem wenn man bedenkt, dass ich hier zwar an einer guten Adresse arbeite, im Regus Business Center im Zürcher Seefeld, aber als One-Man-Show. In der Schweiz verwalten wir Vermögen im einstelligen Milliardenbetrag.

Auf welche Erfolgsfaktoren können Sie denn bauen?

Wir sind global ausgerichtet und werden als sympathischer Partner wahrgenommen, bei dem sich auch kleinere Kunden willkommen und geschätzt fühlen. Mit verwalteten Vermögen von mehr als 100 Mrd. können wir professionelles, umfassendes und effizientes Vermögensmanagement anbieten. Wir verfügen über intelligente sowie gut strukturierte Anlageprozesse und fokussieren auf unsere Kerngebiete wie 4Factor Equities, Quality Equities, Multi Asset und Emerging Market Debt.

Welche Anlagebedürfnisse stehen derzeit bei ihren Schweizer Kunden im Vordergrund?

Die institutionellen Anleger trachten danach, Negativzinsen und Kursverluste bei Festverzinslichen zu vermeiden. Sie suchen nach positiven Renditen. In diesem Umfeld gewinnen zum Beispiel Schuldpapiere aus Schwellenländern, also Emerging Market Debt, oder Kreditpapiere aus Industrieländern, also Developed Market Credit, an Beachtung. Nach wie vor gesucht sind qualitativ hochstehende, global diversifizierte Aktienportfolios. Unser globaler Qualitäts- und unser 4Factor-Ansatz haben sich in der Vergangenheit bewährt und überdurchschnittliche Renditen geliefert.

Was ist darunter zu verstehen?

Unser 25-köpfiges Global Quality Team unter Clyde Rossouw strebt mit Aktien von Hochqualitätsunternehmen einen langfristigen und nachhaltigen Kapitalaufbau mit niedriger Schwankungsbreite an. Ein gutes Beispiel dafür ist der Investec Global Franchise Fund, der sich auf überdurchschnittlich rentierende Unternehmen mit gutem Wachstum und hohem Cash Flow fokussiert. Über die letzten fünf Jahre wurde der Index jedes Jahr im Durchschnitt um brutto 4,9% übertroffen, bei einem Beta von 0,7.

Und der Faktoren-Ansatz?

Unser 4Factor-Team besteht aus rund 30 Spezialisten und wird von James Hand und Mark Breedon geleitet. Das Team pflegt auf der Grundlage der vier Faktoren Gewinnentwicklung, Strategie, Momentum und Value eine Liste mit aussichtsreichen Anlageideen. Neben globalen Portfolios bewirtschaftet das 4Factor Team auch regionale Strategien wie den Investec European Equity Fund. Dieser Fonds hat in den vergangenen fünf Jahren den Index jedes Jahr im Durchschnitt um brutto 7,4% geschlagen, bei einem Beta von nur 0,9. Es ist durchaus bemerkenswert, diese Outperformance in steigenden Märkten mit einem Portfoliobeta kleiner als eins zu erzielen.

Das klingt nach sehr aktivem Management. Erwächst Ihnen nicht zunehmend Konkurrenz durch passiv gemanagte Anlagen?

Das ist sicherlich ein Thema. Doch unsere Kunden sehen zunehmend auch die Grenzen solcher Anlagen. Ich geben Ihnen ein Beispiel: Bei Rückzahlungen an Kunden müssen physische Exchange Traded Fonds sowohl die liquiden wie auch die illiquiden Assets entlang der Benchmark-Gewichtung verkaufen. Gerade in Zeiten von Marktverwerfungen schnellen jedoch beispielsweise im Zinsbereich die Spreads von illiquiden Anlagen oft in die Höhe wodurch eine signifikante Underperformance zum Index resultieren kann. Ein aktiver Manager kann Rückzahlungen an Investoren jedoch selektiver angehen und Auszahlungen aus dem Verkauf liquiderer Segmente vornehmen. Auch sind ETFs nicht immer so günstig wie man meint. Es lauern oft substantielle Gebühren und Kosten. Im Weiteren sind ETFs für Pensionskassen oft nicht so steuereffizient wie beispielsweise ein segregiertes Account.

Wie beurteilen Sie den Schweizer Fondsmarkt?

Die Fonds-Selektionteams der Schweizer Privatbanken gehören weltweit eindeutig zur Spitze bezüglich Professionalität und Qualität. Ich glaube, das hat mit der langen Erfahrung im Private Banking in der Schweiz zu tun sowie mit der Tradition von Schweizer Gründlichkeit, welche ja auch die hiesige Industrie auszeichnet. Aber auch die institutionellen Anleger in der Schweiz sind weltweit führend, gerade bezüglich Gründlichkeit und Qualität der Managerauswahl. Während bei mittelgrossen Pensionskassen die Berater dominieren, verfügen die grössten Anlageeinrichtungen oft selber über substantielle und hochprofessionelle Anlageteams.

Letzte Frage zum Logo von Investec, das Zebra: Was symbolisiert es?

Das Zebra ist noch ein Überbleibsel aus unserer südafrikanischen Gründungsgeschichte. Es symbolisiert die friedliche Koexistenz von Schwarz und Weiss, ein Volk ohne Rassismus, nicht nur in Afrika, sondern weltweit.

Dieser Artikel wurde cash durch fondstrends.ch zur Verfügung gestellt.
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