Wirecard

242 posts / 0 new
Letzter Beitrag
Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Fall Wirecard: Opposition

Fall Wirecard: Opposition fordert von Regierung umfassende Aufklärung

Die Opposition hat die Bundesregierung zu einer umfassenden Aufklärung im Wirecard -Skandal aufgefordert. "Die Liste der offenen Fragen ist in den letzten Tagen nicht kürzer, sondern nur länger geworden", sagte die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus der Deutschen Presse-Agentur vor einer Sondersitzung des Finanzausschusses an diesem Mittwoch.

29.07.2020 06:35

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar sagte der dpa: "Entscheidend wird sein, ob man der Bundesregierung abnehmen und zutrauen darf, diesen beispiellosen Skandal umfassend aufzuklären." Daran seien erhebliche Zweifel angebracht. Die SPD forderte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf, mehr zur Aufarbeitung zu tun.

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Altmaier stellen sich am Nachmittag im Finanzausschuss Fragen der Abgeordneten. Die Sitzung ist nicht-öffentlich. Oppositionspolitiker erwägen einen Untersuchungsausschuss.

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht mittlerweile von einem "gewerbsmässigen Bandenbetrug" aus, und zwar seit 2015. Mehr als drei Milliarden Euro könnten verloren sein.

Der Skandal hatte auch die Bundesregierung in Erklärungsnot gebracht. Zentrale Fragen sind, wann genau sie von Unregelmässigkeiten wusste, ob sie zu wenig dagegen unternommen hat - und ob die Regierung womöglich Wirecard unterstützte, obwohl der Verdacht von Unregelmässigkeiten bereits im Raum stand.

"Wir müssen einen grossen Schritt bei der Aufklärung vorankommen", sagte Paus. "Wir brauchen volle Transparenz von allen Beteiligten: dem Finanz- und Wirtschaftsministerium und dem Kanzleramt." Es sei zu bedauern, dass sich Vertreter des Kanzleramtes trotz expliziter Einladung nicht den Fragen des Parlaments stellten. "So ist klar, dass dies nicht der letzte Termin gewesen sein wird. Statt politischer Spielchen und Vorwahlkampf brauchen wir jetzt Sachaufklärung." Es müsse jedes Mittel genutzt werden, um eine schnelle und umfassende Aufklärung voranzutreiben: "Das sind wird den Anlegerinnen und Anlegern sowie der deutschen Öffentlichkeit schuldig. Das kann bedeuten, dass am Ende auch ein Untersuchungsausschuss unvermeidbar ist."

Toncar sagte, Scholz und die gesamte Bundesregierung hätten sich vor allem selbst bescheinigt, nichts falsch gemacht zu haben. Viele Fragen aber seien nicht überzeugend beantwortet worden: "Die letzte Gelegenheit dafür sehe ich in der Sondersitzung. Die Bürger dürfen erwarten, dass hier jeder Stein umgedreht wird und das Fehler nicht aus Rücksicht auf Personen, auch nicht auf die Kanzlerambitionen von Olaf Scholz, unter den Teppich gekehrt werden."

Der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion Michael Theurer sagte am Dienstag: "Wenn die Abgeordneten in einer klärenden Ausschuss-Sitzung nicht korrekt informiert werden, schreit dies geradezu nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss." Scholz solle die Sitzung nutzen, "um seine Rest-Chance auf eine Kanzlerkandidatur zu wahren und endlich für Transparenz sorgen", sagte Theurer. "Dieser ausgewachsene Finanz- und Polit-Skandal lässt sich nicht weiter schön- und kleinreden."

Die SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe sagte der dpa: "Wirecard ist vor allem ein Skandal der Wirtschaftsprüfer. Minister Altmaier muss endlich erklären, wieso die Aufsicht der Wirtschaftsprüfer hier nicht eingeschritten ist." Altmaier müsse "raus aus der Deckung" und Verantwortung übernehmen. Ob ein Untersuchungsausschuss notwendig sei, werde der Verlauf der Sitzung zeigen. "Ich gehe davon aus, dass es mindestens weitere Sitzungen des Finanzausschusses zu dem Thema geben wird. Es wird auch eine Rolle spielen, wie transparent das Wirtschaftsministerium reagiert."

Ein grosses Wirtschaftsprüfungsunternehmen hatte für die Wirecard-Jahresabschlüsse von 2009 bis 2018 jeweils einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt. Manipulationen wurden nicht erkannt.

Scholz hatte als Konsequenz aus dem Skandal einen Aktionsplan vorgelegt. Um die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer zu stärken, soll ein Prüfunternehmen maximal zehn Jahre lang für eine Firma zuständig sein - dann ist eine Rotation fällig. Ausserdem soll die Rolle der Finanzaufsicht Bafin bei der Bilanzkontrolle gestärkt werden. Der Plan ist in der Regierung aber noch nicht abgestimmt.

Beim Wirtschaftsministerium ist die Aufsicht über die Wirtschaftsprüfer angesiedelt. Eine Sprecherin Altmaiers aber hatte betont, die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS sei eine unabhängige berufsrechtliche Aufsicht über Wirtschaftsprüfer. Regelungen für die Wirtschaftsprüfer und die Anforderungen an die Prüfungen lägen in der Zuständigkeit des SPD-geführten Justizministeriums./hoe/DP/zb

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard fliegt aus dem Dax -

Wirecard fliegt aus dem Dax - Delivery Hero steigt auf

Nach dem milliardenschweren Bilanzskandal fliegt der insolvente Zahlungsabwickler Wirecard aus dem Dax.

20.08.2020 06:37

Nachfolger im deutschen Leitindex wird der Essenslieferdienst Delivery Hero, wie die Deutsche Börse am Mittwoch mitteilte. Dessen Platz im Nebenwerteindex MDax nimmt der Anlagenbauer Aixtron ein. In den Kleinwerte-Index SDax steigt die Hornbach-Baumarkt-AG auf. Die Mutter der Baumarktkette, die Hornbach Holding, gehört bereits dem SDax an. Auch aus dem Technologieindex TecDax scheidet Wirecard aus und wird dort durch den Laser-Maschinenbauer LPKF Laser ersetzt. Die Änderungen werden am Montag wirksam. Die Börse hatte ihre Regeln extra wegen Wirecard geändert, um das insolvente Unternehmen schneller aus dem Dax zu verbannen.

Delivery Hero ist in über 40 Ländern weltweit unterwegs und will im laufenden Quartal auch in Japan aktiv werden. Zwar profitiert der Konzern in der Corona-Krise von der steigenden Nachfrage nach Essens-Lieferungen, doch wegen der Kosten des Expansionskurs schreibt das Unternehmen im operativen Geschäft noch Verluste. Manche Experten kritisieren, dass Delivery Hero nicht als Spiegelbild der deutschen Wirtschaft gilt, die der Dax abbilden soll. Das Unternehmen hat seinen Sitz zwar in Berlin, doch sein Deutschland-Geschäft hatte es an den Konkurrenten Just Eat Takeaway ("Lieferando") verkauft. Die Börse hat dem Arbeitskreis Aktienindizes allerdings vor einigen Jahren alle Spielräume zur Dax-Zusammensetzung genommen. Er entscheidet nur nach dem Börsenwert des Streubesitzes und dem Handelsumsatz.

Die neue Zusammensetzung der verschiedenen Dax-Auswahlindizes bleibt voraussichtlich nicht von langer Dauer. Bereits am 3. September folgt die reguläre Überprüfung der Zusammensetzung durch die Deutsche Börse. Für diesen Prozess gelten aber andere Regeln als bei dem jetzt erfolgten "Fast Exit" von Wirecard. Kommt es bei der regulären Überprüfung zu Änderungen, werden diese am 21. September wirksam.

Nach den alten Regeln wäre Wirecard auch erst an diesem Tag aus dem Dax gefallen. Der Druck der Marktteilnehmer, schneller zu reagieren, wurde aber immer größer. Die Börse änderte daher die Regeln, so dass Unternehmen nach einem Insolvenzantrag kurzfristig aus den Dax-Auswahlindizes fliegen.

(Reuters)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard verkauft britische

Wirecard verkauft britische Tochter an Railsbank

Der insolvente Zahlungsabwickler Wirecard hat einem Medienbericht zufolge einen Käufer für seine britische Tochter gefunden.

21.08.2020 09:31

Die Wirecard Card Solutions werde an den Konkurrenten Railsbank veräussert, berichtete die "Times" am Freitag. Die Transaktion beinhalte die Kartentechnologie sowie Kunden und Mitarbeiter. Das danach verbleibende Geschäft solle abgewickelt werden. Die Zeitung zitierte Railsbank-Chef Nigel Verdon mit der Aussage, er wolle Kunden eine gewisse Sicherheit geben und das Image seiner Firma nutzen, um das verlorene Vertrauen in den ganzen Payment-Sektor wieder herzustellen. Bei Wirecard und dem Insolvenzverwalter des Konzerns war zunächst niemand erreichbar.

(Reuters)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Radikaler Stellenabbau bei

Radikaler Stellenabbau bei Wirecard - 730 Mitarbeiter mit Kündigung

(neu: mehr Details) - Der einstige Dax -Konzern Wirecard soll nach seinem Absturz mit einem radikalem Stellenabbau und weiteren Ausverkauf zumindest in Teilen erhalten bleiben. Der insolvente Zahlungsabwickler kündigt 730 Mitarbeitern sowie dem Vorstand und setzt damit mehr als die Hälfte der Beschäftigten vor die Tür.

25.08.2020 19:02

Um eine Fortführung überhaupt möglich zu machen und die Option einer Verwertung des Kerngeschäfts der Wirecard AG aufrecht zu erhalten, seien "tiefgreifende Einschnitte erforderlich", teilte Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Dienstag in München mit. Es müssten für rund 730 Mitarbeiter Kündigungen ausgesprochen sowie Immobilienmiet- und Leasingverträge gekündigt werden. Rund 570 Arbeitnehmer, davon rund 350 in den insolventen Gesellschaften und rund 220 in der nicht insolventen Wirecard Bank AG, könnten dadurch jedoch am Standort Aschheim weiter beschäftigt bleiben.

Kevin Voss von der Gewerkschaft Verdi sagte, etwa 600 bis 700 der 1500 am Stammsitz Aschheim bei München beschäftigten Mitarbeiter habe am Montagabend die Mail erreicht, nach der sie unwiderruflich freigestellt wurden. "Ich habe so ein Verhalten von Arbeitgebern nur sehr selten erlebt. Bei allem, was passiert ist - es ist absolut daneben, wie hier mit Menschen umgegangen wird", sagte er.

Zwei Monate nach dem Insolvenzantrag von Wirecard hat das Amtsgericht München jetzt das Insolvenzverfahren über den Zahlungsabwickler eröffnet. Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und Insolvenz angemeldet. Ex-Vorstandschef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies. Der Schaden für die kreditgebenden Banken und Investoren könnte sich auf 3,2 Milliarden Euro summieren.

Die Verfügungsgewalt über das Vermögen der Wirecard AG und sechs deutscher Wirecard-Gesellschaften gingen nun auf den Insolvenzverwalter über, und sie müssten Löhne und Gehälter nun wieder selbst erwirtschaften und bezahlen, teilte Jaffé weiter mit. Unter der vorläufigen Insolvenzverwaltung sei es gelungen, "das laufende Geschäft zu stabilisieren und die Basis für eine weitere Fortführung zu schaffen".

Im Verkaufsprozess für das Kerngeschäft und die nicht insolvente Wirecard Bank AG "stehen wir aktuell mit mehreren namhaften Interessenten in Verhandlungen über einen Erwerb. Die Erlöse aus der Verwertung werden dabei den Gläubigern zugutekommen", sagte Jaffé. Die Verwertung weiterer Wirecard-Beteiligungen weltweit mache Fortschritte. Am 18. November finde die erste Gläubigerversammlung statt, voraussichtlich im Löwenbräukeller in München./rol/DP/nas

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Insolvenzverwalter

Wirecard-Insolvenzverwalter verkauft rumänische Tochter

Die Zerlegung des in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelten Zahlungsdienstleisters Wirecard schreitet voran. Insolvenzverwalter Michael Jaffé meldete am Montagabend den Verkauf der rumänischen Tochtergesellschaft Wirecard Romania an den portugiesischen Zahlungsdienstleister SIBS. Den Verkaufspreis gab Jaffé nicht bekannt. Laut Jahresabschluss 2018 machte die rumänische Tochter damals lediglich 2,3 Millionen Euro Gewinn.

29.09.2020 09:01

Allerdings ist bei Wirecard derzeit nicht bekannt, welche Bilanzzahlen der Realität entsprechen und welche nicht. Das Unternehmen soll mit Hilfe gefälschter Bilanzen von Banken und Investoren über drei Milliarden Euro erschwindelt haben. Der Käufer SIBS ist im Zahlungsgeschäft in Portugal, Polen, Malta und mehreren afrikanischen Ländern aktiv.

Fortgeschritten ist nach Angaben Jaffés auch der Verkaufsprozess bei drei südostasiatischen Wirecard-Gesellschaften in Indonesien und Vietnam./cho/DP/zb

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Fall Wirecard: Ministerien

Fall Wirecard: Ministerien verständigen sich offenbar auf Konsequenzen

Als Konsequenz aus dem mutmasslichen Milliardenbetrug beim Dax-Konzern Wirecard sollen Kapital- und Finanzmärkte in Deutschland stärker kontrolliert werden. Ein unter den beteiligten Ministerien abgestimmter Aktionsplan, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sieht unter anderem mehr Befugnisse für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vor, damit Bilanzbetrug effektiver bekämpft werden kann. Der Staat soll komplexe internationale Firmen-Konstrukte wirksamer im Auge behalten. Ausserdem sollen Wirtschaftsprüfer auch in Kapitalmarktunternehmen künftig alle zehn Jahre wechseln.

07.10.2020 11:34

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Sommer Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies. Mehr als drei Milliarden Euro könnten verloren sein. Die Bafin und eine private Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stehen in dem Fall in der Kritik. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte Ende Juli bereits einen Aktionsplan vorgelegt, der in der Bundesregierung allerdings noch nicht abgestimmt war.

Unter anderem soll die Bafin ein Prüfrecht gegenüber allen kapitalmarktorientierten Unternehmen bekommen. Bisher kann sie nur bei Finanzinstituten - wie bei der Tochter Wirecard Bank AG - direkt selbst Sonderprüfungen vornehmen. Es soll geprüft werden, wie Hinweise von Whistleblowern künftig stärker genutzt und Anreize für Hinweisgeber verbessert werden können. Ausserdem soll der Straftatbestand der Geldwäsche noch in diesem Jahr reformiert werden.

Finanzminister Olaf Scholz und Justizministerin Christine Lambrecht (beide SPD) wollen den Aktionsplan am Nachmittag vorstellen - einen Tag bevor im Bundestag ein Untersuchungsausschuss zum Fall Wirecard startet./tam/DP/stw

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirtschaftsprüfer wollen im

Wirtschaftsprüfer wollen im Wirecard-Ausschuss nicht aussagen

(Ausführliche Fassung) - Die vorgeladenen Wirtschaftsprüfer wollen im Untersuchungsausschuss zum Wirecard -Bilanzskandal in der kommenden Woche nicht aussagen. Das geht aus drei Anwaltsschreiben an den Ausschuss hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Demnach berufen sich die Mitarbeiter der Gesellschaft EY auf ihre Verschwiegenheitspflicht als Wirtschaftsprüfer. Dass der Insolvenzverwalter sie davon entbunden habe, ändere nichts, erklären die Anwälte in den Schreiben.

22.11.2020 15:22

EY hatte als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Jahresabschlüsse von Wirecard geprüft. Das Unternehmen steht in der Kritik, weil der Milliardenbetrug dabei nicht früher entdeckt wurde. Am kommenden Donnerstag sollten die Prüfer im Ausschuss befragt werden.

Die Vertreter von FDP, Grünen und Linken im Ausschuss kritisierten die Weigerung deutlich. EY spiele eine entscheidende Rolle, "vieles deutet auf ein Versagen auch bei der Abschlussprüfung hin", sagte der FDP-Abgeordnete Florian Toncar der dpa. Der Linken-Abgeordnete Fabio De Masi betonte: "Wer wie EY bei öffentlichen Aufträgen von der Bundesregierung immer vor der Tür steht, hat auch im Parlament zu erscheinen." Danyal Bayaz von den Grünen erklärte, die Prüfer sollten trotz ihrer Weigerung vor dem Ausschuss erscheinen - und bis dahin "in sich gehen, ob sie ihren Beitrag zur politischen Aufklärung tatsächlich verweigern möchten".

Die Abgeordneten kündigten an, alles rechtlich Mögliche zu tun, um eine Aussage der Wirtschaftsprüfer zu bekommen - auch, weil die Informationen wichtig seien, um ähnliche Fälle in Zukunft zu vermeiden.

Der Obmann der SPD-Fraktion im Untersuchungsausschuss, Jens Zimmermann, sagte, es sei fraglich, "ob und wenn ja wie weitreichend ein Auskunftsverweigerungsrecht vorliegt." Insbesondere die Sorge vor Schadenersatzforderungen von Anlegern und Kreditgebern reiche als Begründung nicht aus. EY solle die Möglichkeit zur Aussage nutzen, um einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten./tam/DP/fba

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
KPMG-Sonderprüfer: Wirecard

KPMG-Sonderprüfer: Wirecard hat uns Steine in den Weg gelegt

Der Wirtschaftsprüfer, der für die Sonderprüfung zum Bilanzbetrug beim früheren Dax -Unternehmen Wirecard verantwortlich war, hat deutliche Vorwürfe gegen Wirecard erhoben. "Im Verlauf der Untersuchung sind wir auf erhebliche Hürden und Hindernisse gestossen, die in der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Wirecard begründet lagen", sagte Alexander Geschonneck von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags. Dokumente seien teils mit mehrmonatiger Verspätung zur Verfügung gestellt, Interviewtermine verschoben und der Zugang zu IT-Systemen nicht ermöglicht worden.

26.11.2020 14:56

Das Ergebnis sei trotzdem klar gewesen: Für die Geschäfte mit Drittpartnern in Asien habe Wirecard keine ausreichenden Nachweise zur Existenz von Kundenbeziehungen und daraus angeblich erzielten Umsätzen vorgelegt. Diese Geschäfte sollen bei Wirecard zuletzt mehr als die Hälfte des Umsatzes und einen Grossteil des Gewinns ausgemacht haben. Es habe aber keine ausreichenden Nachweise zur Höhe der Umsätze, zu Kontoständen oder Zahlungseingängen gegeben, berichtete Geschonneck.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG war im Oktober 2019 mit der Sonderprüfung beauftragt worden, nachdem es mehrere Berichte über Unregelmässigkeiten bei dem Tech-Konzern gab. Ihr Untersuchungsbericht brachte den Skandal erst richtig ins Rollen. Im Sommer räumte der inzwischen insolvente Dax-Konzern dann Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro ein.

Das einst als deutsche Technologiehoffnung gehandelte Unternehmen machte nach bisherigem Stand der Ermittlungen jahrelang Verluste. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seit 2015 Scheingewinne auswiesen wurden. Allein Banken und Investoren verloren nach ihren Berechnungen mehr als drei Milliarden Euro./tam/DP/eas

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Insolvenzverwalter verkauft

Insolvenzverwalter verkauft südafrikanische Wirecard-Tochter

Die Zerschlagung des Skandalkonzerns Wirecard schreitet voran: Insolvenzverwalter Michael Jaffé meldete am Donnerstag den Verkauf der südafrikanischen Tochtergesellschaft Wirecard Solutions South Africa an den dortigen Zahlungsdienstleister Adumo. Den Kaufpreis nannte Jaffé nicht, der Anwalt sprach lediglich von einem "sehr guten Ergebnis für die Gläubiger".

17.12.2020 12:32

An Wirecard South Africa gab es laut Insolvenzverwalter Interesse auch internationaler Investoren, weil die Gesellschaft ihre eigene technische Plattform für die Abwicklung elektronischer Bezahlvorgänge hat. Adumo ist ein in 13 afrikanischen Ländern tätiges Unternehmen, das nach eigenen Angaben jährlich Zahlungen in Höhe von umgerechnet etwa 36 Milliarden Euro abwickelt.

Zuvor hatte Jaffé mit dem Verkauf von Wirecard-Tochtergesellschaften und Know-how etwa eine halbe Milliarde Euro erlöst. Damit hatte der Insolvenzverwalter die Erwartungen mancher Gläubigeranwälte schon vor dem Südafrika-Deal übertroffen.

Der Schuldenberg, den der in Untersuchungshaft sitzende frühere Vorstandschef Markus Braun und seine mutmasslichen Komplizen hinterlassen haben, ist jedoch weitaus höher. Nach Berechnungen der Münchner Staatsanwaltschaft haben Banken und Investoren mutmasslich mehr als drei Milliarden Euro verloren. Mittlerweile haben Gläubiger und Aktionäre im Insolvenzverfahren Forderungen in zweistelliger Milliardenhöhe angemeldet.

Abgesehen davon will Jaffé auch die mutmasslich betrügerischen Wirecard-Bilanzen gerichtlich annullieren lassen. Das sagte ein Sprecher Jaffés, zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet. Die Korrektur falscher Bilanzen ist bei Insolvenzen nach Betrugsfällen das übliches Vorgehen./cho/DP/jha

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

nachtfalter
Bild des Benutzers nachtfalter
Offline
Zuletzt online: 24.09.2021
Mitglied seit: 08.10.2013
Kommentare: 486
Dead cat bounce ?

Oder steckt da mehr dahinter?

 

CARPE NOCTEM

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Merkels Berater half Wirecard

Merkels Berater half Wirecard zu weitreichenden China-Kontakten

Der wirtschaftspolitische Berater im deutschen Kanzleramt, Lars-Hendrik Röller, ist im Fall von Wirecard gleich an zwei Fronten aktiv geworden.

13.01.2021 06:36

Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat er und seine Abteilung die China-Reise 2019 vorbereitet und Merkel Informationen zur geplanten Wirecard-Expansion zukommen lassen. Und für die chinesische Firma Mintech, die er durch seine Frau kannte, hat er eine Verbindung zu dem deutschen Bezahldienstleister hergestellt. Das erklärte Röller am Dienstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss geht der Frage eines möglichen politischen und aufsichtspraktischen Versagens im Wirecard-Skandal nach und wirft dabei auch ein Schlaglicht auf die politische Lobbyarbeit.

Merkels Wirtschaftsberater hat den Einsatz der Kanzlerin für Wirecard in China verteidigt, da Wirecards Anliegen "100 prozentig" mit den deutschen Interessen in China im Einklang gestanden habe. "Ich mache das jetzt zehn Jahre lang, und es war damals ein völlig klarer Fall, dass das reingepasst hat", sagte Röller. "Wir hatten keine Informationen über schwere Unregelmäßigkeiten," fügte er hinzu.

Merkel hatte im September 2019 in China für Wirecard und deren geplante Übernahme des chinesischen Unternehmens AllScore Payment Services geworben. "Der Kanzlerin ist empfohlen worden, bestimmte Themen anzusprechen, und sie entscheidet, welche Themen sie ansprechen will. Das ist alles ganz normal", so Röller. Die Financial Times habe zuvor zwar über Unregelmäßigkeiten berichtet, andere Medien hätten Wirecard jedoch als "Erfolgsgeschichte und Opfer" dargestellt, erklärte Röller.

"Wir gehen davon aus, dass Dax-Unternehmen geprüft sind und keine kriminellen Aktivitäten entwickeln", sagte Röller. "Es gab damals keinen Grund, bösgläubig zu sein", meint Röller. "Aus heutiger Sicht sehe ich das alles anders."

(Bloomberg)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Bayerische Landesbank ging

Bayerische Landesbank ging früh auf Distanz zu Wirecard

Die Bayerische Landesbank ist schon mehr als ein Jahr vor Auffliegen des Wirecard -Bilanzbetrugs auf Distanz zu dem Skandalunternehmen gegangen. Man habe sich 2018 entschieden, aus einer Kreditbeziehung auszusteigen, sagte ein Vorstandsmitglied der LB Bayern am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags. "Im Zentrum dieser Überlegungen stand: Wenn wir 150 Millionen Euro oder mehr aus der Hand geben, dann nur, wenn wir wirklich den Kunden sehr, sehr gut verstehen."

14.01.2021 14:48

Man habe Wirecard zu diesem Zeitpunkt aber erst zwei Jahre gekannt, das sei zu wenig Zeit gewesen. Zugleich seien wichtige Fragen zum Geschäftsmodell und der komplexen Bilanzstruktur des aufstrebenden Fintechs offen geblieben. Zu keinem Zeitpunkt sei man aber von irgendwelchen kriminellen Handlungen oder Betrug ausgegangen.

Die LB Bayern hatte Wirecard 2016 zusammen mit anderen Banken einen Kredit gewährt. Zunächst habe man aber nur eine kleine Summe übernommen, sagte der Risiko-Chef der Bank. Als der Kredit 2018 aufgestockt werden sollte, habe man ein zu hohes Risiko gesehen und nicht mehr mitgemacht. Es habe aber keine Zweifel etwa am Eigenkapital von Wirecard gegeben. "Wir haben nicht daran gezweifelt, dass das werthaltig ist."

Im Sommer 2020 hatte der inzwischen insolvente frühere Dax -Konzern Wirecard Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Über Jahre soll das Unternehmen Scheingewinne ausgewiesen haben. Laut Staatsanwaltschaft könnte es insgesamt um rund drei Milliarden Euro gehen. Die Firma sass als Dienstleister für bargeldlose Zahlungen an der Schnittstelle zwischen Händlern und Kreditkartenfirmen./tam/DP/mis

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Deutsche-Bank-Chef: Wusste

Deutsche-Bank-Chef: Wusste nichts von Übernahmeplänen von Wirecard
Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Christian Sewing, wusste nach eigenen Angaben nichts von den Übernahmeplänen des Skandalunternehmens Wirecard . Vom "Projekt Panther" habe er erst im Sommer 2020 durch eine Medienanfrage erfahren, sagte Sewing in der Nacht zum Freitag im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Die Spitze des Dax -Konzerns Wirecard hatte wenige Monate vor Auffliegen des Bilanzskandals die Idee, die Deutsche Bank zu übernehmen und liess dies von einer Beratungsgesellschaft prüfen.
15.01.2021 06:34
Wirecard-Chef Markus Braun habe Anfang 2019 lediglich mit ihm darüber gesprochen, ob eine Zusammenarbeit in einzelnen Bereichen sinnvoll sein könnte, sagte Sewing. Er habe die Zukunft der Deutschen Bank als Tech-Unternehmen mit angeschlossenem Bankgeschäft gesehen. Die Idee sei jedoch wenig konkret und "hypothetischer Natur" gewesen. Wenn man zu diesem Zeitpunkt von Übernahmeplänen gewusst hätte, hätte man nicht mit Wirecard über ein solches Vorhaben gesprochen.

Die Deutsche Bank beteiligte sich auch an Krediten für Wirecard - und verlor durch den Bilanzbetrug nach Angabe von Sewing rund 18 Millionen Euro. Die Manipulationen seien bei den üblichen Prüfungen der Bank nicht zu erkennen gewesen, sagte der Vorstandschef. In solchen Situationen sei die Bank darauf angewiesen, dass sie sich etwa auf Jahresabschlüsse verlassen könne.

Sewing betonte, der Bilanzskandal habe ein schlechtes Licht auf den Finanzplatz Deutschland geworfen. Er forderte eine Stärkung der Aufsicht./tam/DP/stk

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Commerzbank hatte keine

Commerzbank hatte keine Zweifel an Werthaltigkeit von Wirecard-Kredit

Der Ausstieg der Commerzbank aus dem Geschäft mit Wirecard hatte nach Angaben des früheren Bankchefs Martin Zielke nicht mit Zweifeln an der Deckung des Kredits zu tun. "Die Werthaltigkeit des Kredits war zu diesem Zeitpunkt nicht infrage gestellt", sagte Zielke am Donnerstagabend im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Wirecard-Bilanzskandal. Hintergrund seien im wesentlichen Zweifel an der Compliance gewesen - so bezeichnet man die Einhaltung von Gesetzen und freiwilligen Richtlinien.

14.01.2021 21:58

Die Commerzbank hatte im April 2019 beschlossen, schrittweise aus einem Kredit für Wirecard auszusteigen - ein sofortiger Ausstieg sei nach Einschätzung der Hausjuristen nicht möglich gewesen, sagte Zielke. Mehrere Banken hatten Wirecard zuvor gemeinsam bis zu 1,75 Milliarden Euro geliehen, die Commerzbank trug davon 200 Millionen.

Der Ausstieg aus einer Geschäftsbeziehung mit einem aufstrebenden Dax -Unternehmen sei damals durchaus "bemerkenswert" und ungewöhnlich gewesen, aber von den zuständigen Vorständen überzeugend begründet worden, sagte Zielke. "Es ging nicht um einen potenziellen Ausfall, sondern um eine geschäftspolitische Entscheidung", betonte der ehemalige Vorstandschef. Die Bundesregierung habe keinen Einfluss auf das Verhalten der Commerzbank im Fall Wirecard ausgeübt. Zielke hat die Commerzbank im Herbst 2020 verlassen./tam/DP/he

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Skandal: Brüssel

Wirecard-Skandal: Brüssel nimmt Haftungsregeln für Prüfer ins Visier

Als Konsequenz aus dem Wirecard -Skandal bringt die EU-Kommission schärfere europäische Haftungsregeln für Wirtschaftsprüfer ins Gespräch. "Ausreichend hohe oder gar unbegrenzte Haftung der Rechnungsprüfer können Anreize bieten, um zu verhindern, dass in Abschlussprüfungen Kompromisse gemacht werden, die für qualitativ schlechtere Prüfungen sorgen", heisst es in einem Diskussionspapier der Brüsseler Behörde. Darüber berichtet die "Welt". Das Papier liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor.

18.01.2021 18:30

Es beschreibt mögliche Versäumnisse der Aufsichtsbehörden und stellt Konsequenzen zur Debatte. Der frühere Dax -Konzern Wirecard hatte im Juni 2020 Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt - insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen. Weil dies jahrelang unentdeckt blieb, steht unter anderem die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin in der Kritik.

In dem Kommissionspapier wird bemängelt, dass "Vertraulichkeitsregeln in Deutschland die Entdeckung und Untersuchung der Verletzung von Buchhaltungsstandards negativ beeinflusst haben könnten". Die europäische Aufsicht ESMA habe Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit der Bafin, der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung und der deutschen Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS kritisiert. Künftig könnte im EU-Recht explizit festgehalten werden, dass Informationsaustausch zuständiger nationaler Behörden kein Bruch professioneller Vertraulichkeit darstellt, heisst es in dem Kommissionspapier.

Der CSU-Europaabgeordnete und Finanzexperte Markus Ferber erklärte, bei der europäischen Finanzaufsicht gebe es keine systemischen Defizite. Vielmehr habe die Bafin den Konzern schludrig beaufsichtigt. "Im Wirecard-Fall hat die Bafin versagt, nicht die europäische Ebene", meinte Ferber./vsr/DP/stk

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Mails: Die Deutsche

Wirecard-Mails: Die Deutsche Bank hat ein weiteres Reputationsrisiko

Ein Verwaltungsrat der Deutschen Bank stand dem ex-Wirecard-Chef sehr nahe. So nahe, dass die Verknüpfung der beiden ein schwerer Schlag ist für die Deutsche Bank, Vertrauen und Reputation zurückzugewinnen.

19.01.2021 19:29

Kurz nachdem letzte Woche im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags brisante E-Mails aufgetaucht waren, die ein Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank mit dem ex-Wirecard-Chef Markus Braun gewechselt hatte, griff Paul Achleitner höchstpersönlich zum Telefonhörer.

Die Formulierungen in der Korrespondenz seien seiner Ansicht nach inakzeptabel, liess der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank seinen Kollegen Alexander Schütz wissen. Das berichten Personen, die mit dem Inhalt des Gesprächs vertraut sind. Achleitner werde diese Woche voraussichtlich ein weiteres Mal mit Schütz reden. Dieser hat sich zwar für die E-Mails öffentlich entschuldigt, plane derzeit aber nicht zurückzutreten, sagte eine der Personen.

“Macht diese Zeitung fertig!!”, hatte Schütz dem Wirecard-Chef in einer der E-Mails im März 2019 geschrieben, die über den Untersuchungsausschuss öffentlich geworden waren. Gemeint: Die "Financial Times", die in dieser Zeit einen ihrer zahlreichen kritischen Artikel über die Rechnungslegung des Zahlungsdienstleisters veröffentlicht hatte - und am Schluss Recht behielt.

Mehr zum Thema: Peinliches E-Mail von Deutsche-Bank-Verwaltungsrat an Wirecard-Chef publik geworden

 

In einem für die zurückhaltenden Frankfurter Banker ungewöhnlichen Schritt distanzierte sich die Deutsche Bank explizit von dem Schriftwechsel und nannte Schütz’ Wortwahl inakzeptabel.

Die Empörung über das Verhalten von Schütz bei Abgeordneten wie Aktionären ist gross. Die Sorge, dass die Affäre auch das öffentliche Ansehen der Deutschen Bank in Mitleidenschaft ziehen könnte, trug daher wohl bei zu Achleitners Bemühungen, die negativen Auswirkungen einzudämmen. Das grösste deutsche Kreditinstitut hat auch so schon alle Hände voll zu tun damit, seine von vergangenen Skandalen angeschlagene Reputation zu verbessern.

Grosses Reputationsrisiko für die Deutsche Bank

“Wir sehen ein sehr grosses Reputationsrisiko für die Deutsche Bank, gerade auch weil die Diskussion um Wirecard sehr öffentlich geführt wird. Jetzt ist der Aufsichtsrat gefragt”, sagte Ingo Speich, ein Fondsmanager bei der Deka, die zu den 20 grössten Aktionären an dem Kreditinstitut gehört. Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte eine Stellungnahme ab, ebenso wie Schütz.

Für Achleitner gibt es keine einfache Lösung in dem Skandal. Der Aufsichtsrat kann zwar leitende Angestellte ernennen und entlassen, seine eigenen Mitglieder werden hingegen von den Aktionären auf der Hauptversammlung gewählt. Dies macht es schwer, Mitglieder abzuberufen.

Schütz kam 2017 in den Aufsichtsrat und sein Mandat läuft bis 2023. Er sitzt auch im Nominierungsausschuss der Bank und ist damit ein einflussreicher Akteur bei der Auswahl neuer Mitglieder - einschliesslich des Vorsitzenden selbst. Schütz hält zudem 17,4 Millionen Deutsche-Bank-Aktien und ist damit einer der 15 größten Investoren.

"Ganz ein Schlimmer"

In ihrer Korrespondenz plauderten Schütz und Braun - beide, wie auch Achleitner, gebürtige Österreicher - zunächst über ihre Pläne für die Sommerferien, in denen Jachtbesuche in Südfrankreich eine zentrale Rolle spielten. Schütz schlug ein Treffen der beiden Familien vor, doch Braun lehnte wegen anderweitiger Verpflichtungen ab.

Unvermittelt erwähnt Schütz in der nächsten E-Mail die "Financial Times", sagt scherzhaft (und in typisch österreichischer Satzstellung), Braun sei offenbar “ganz ein Schlimmer” und ermutigt ihn in seinem Vorgehen gegen das britische Blatt.

Für Jens Zimmermann, den SPD-Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss, der Deutsche Bank-Chef Christian Sewing im Bundestag mit den E-Mails konfrontierte, färbt die Episode auch auf das Frankfurter Institut ab. “Die E-Mail ist ein seltener Einblick in die Gedankenwelt eines Aufsichtrates der Deutschen Bank und kein Ruhmesblatt fuer die grösste Bank in Deutschland,” sagte Zimmermann Bloomberg News. “Es ist ein schwerer Schlag für das Ziel der Deutschen Bank Vertrauen und Reputation zurückzugewinnen.”

Schütz hatte sich nach Bekanntwerden der E-Mails letzte Woche entschuldigt und in einer E-Mail an Bloomberg News gesagt, er habe damals geglaubt, dass die Vorwürfe gegen Wirecard unbegründet seien. Mittlerweile sei ihm klar, dass er falsch lag und seine Äußerung “emotional und deplatziert” gewesen sei.

(Bloomberg/cash)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Mutmassliche Helfer von Ex

Mutmassliche Helfer von Ex-Wirecard-Manager Marsalek festgenommen

Im Zusammenhang mit dem Wirecard -Skandal sind zwei mutmassliche Fluchthelfer von Ex-Manager Jan Marsalek in Österreich festgenommen worden. Dabei handele es sich um einen ehemaligen Nationalratsabgeordneten der FPÖ sowie um einen Ex-Mitarbeiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), bestätigte die Staatsanwaltschaft Wien am Montag. Die Ermittlungen liefen wegen des Verdachts der Begünstigung. Der Ex-Abgeordnete befinde sich wegen anderer Ermittlungen in Haft, der ehemalige BVT-Beschäftigte sei inzwischen wieder auf freiem Fuss.

25.01.2021 09:29

Der frühere Wirecard-Manager Marsalek war nach Informationen des Generalbundesanwalts möglicherweise V-Mann des österreichischen Nachrichtendienstes. Dem Generalbundesanwalt "liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass der österreichische Staatsangehörige Jan Marsalek von einem Mitarbeiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) als Vertrauensperson geführt wurde", hiess es in einer im Oktober 2020 bekanntgewordenen Antwort des Bundesjustizministeriums in Berlin auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi (Linke).

Der frühere Manager des mittlerweile insolventen Bezahldienstleisters Wirecard ist seit Juni untergetaucht. Die Ermittler werfen Marsalek, dem früheren Vorstandschef Markus Braun und anderen Verdächtigen organisierten Bandenbetrug vor. Sie sollen mit gefälschten Bilanzzahlen über drei Milliarden Euro von Banken und Investoren erschwindelt haben./mrd/DP/mis

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Skandal: Bafin zeigt

Wirecard-Skandal: Bafin zeigt Mitarbeiter wegen Insiderverdachts an

Wegen des Verdachts des Insiderhandels mit Papieren rund um die insolvente Wirecard AG hat die Finanzaufsicht Bafin einen Mitarbeiter bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart angezeigt. Der Beschäftigte der Wertpapieraufsicht habe am 17. Juni 2020 strukturierte Produkte mit dem Basiswert Wirecard AG verkauft, erklärte die Aufsicht am Donnerstag. Einen Tag später hatte der frühere Dax-Konzern Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt.

28.01.2021 11:14

Die Finanzaufsicht entdeckte den Verdacht gegen den Mitarbeiter nach eigenen Angaben im Rahmen einer Sonderauswertung. Der Beschäftigte sei sofort freigestellt geworden. Gegen ihn sei ein Disziplinarverfahren eröffnet worden, teilte die Bafin mit.

Die Aufsicht hatte zuletzt private Börsengeschäfte ihrer Mitarbeiter überprüft, bei denen der Kurs der Wirecard AG eine Rolle spielte, zum Beispiel Kauf oder Verkauf von Aktien des Unternehmens. Zudem wurden Bafin-Beschäftigten spekulative Finanzgeschäfte untersagt, also das kurzfristige Handeln beispielsweise mit Aktien. "Wir hatten ein Compliance-System, das den gesetzlichen Vorgaben entsprach, aber nicht mehr zeitgemäss ist und deshalb zu Recht verändert wird", hatte Bafin-Chef Felix Hufeld in einem Interview gesagt.

Der frühere Dax-Konzern Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet - insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen. Weil dies jahrelang unentdeckt blieb, steht unter anderem die Bafin in der Kritik./mar/DP/jha

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
KfW: Ipex hat bei

KfW: Ipex hat bei Kreditvergabe an Wirecard 'sorgfältig gearbeitet'

Im Wirecard-Skandal sieht die Förderbank KfW nach internen Untersuchungen keinen Grund für Beanstandungen an der Kreditvergabe ihrer Tochter Ipex an das inzwischen insolvente Unternehmen. "Nach all dem, was wir heute wissen, hat die Ipex sorgfältig gearbeitet", sagte KfW-Vorstandschef Günther Bräunig am Dienstag in Frankfurt.

02.02.2021 12:26

Die KfW-Tochter Ipex-Bank hatte Wirecard 100 Millionen Euro geliehen. Der inzwischen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax ) geflogene Münchener Zahlungsdienstleister hatte im vergangenen Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmässigen Bandenbetrugs.

Es habe "sehr umfangreiche Untersuchungen" der Ipex-Kreditvergabe an Wirecard gegeben, sagte Bräunig. "Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Ipex bei der Kreditvergabe sowohl 2018 als auch bei der Verlängerung des Kredits sorgfältig gehandelt hat." Der KfW-Chef betonte: "Es gilt aber auch: Sollte sich im weiteren Verlauf der Untersuchungen Verbesserungspotenzial zeigen, werden wir natürlich auch Anpassungen im Kreditvergabeprozess herbeiführen, um unsere Prozesse noch robuster zu machen."/ben/mar/DP/mis

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Skandal: Chef von

Wirecard-Skandal: Chef von 'Bilanzpolizei' DPR tritt zurück

Im Skandal um den Bilanzbetrug bei Wirecard hat der Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung, Edgar Ernst, seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sein Amt auf eigenen Wunsch zum 31. Dezember niederlegen, teilte die Bilanzpolizei am Mittwoch mit. Ernst wolle der DPR einen personellen Neuanfang ermöglichen. Die Prüfstelle untersucht die Bilanzen deutscher Konzerne auf korrekte Buchführung. Im Fall Wirecard war sie in die Kritik geraten, weil der mutmassliche Milliardenbetrug nicht auffiel.

24.02.2021 22:22

Ernst war zuletzt wegen umstrittener Aufsichtsratsmandate aufgefallen. Die DPR erklärte, ab 2022 würden durch das Präsidium und andere Mitglieder der Prüfstelle keine Aufsichtsratsmandate mehr wahrgenommen - so wie es der Gesetzgeber vorsehe.

Die SPD-Abgeordnete Cansel Kiziltepe betonte, die Bilanzpolizei müsse unabhängig sein. Aufsichtsratsmandate vertragen sich nicht mit den Aufgaben des obersten Bilanzpolizisten", erklärte sie. Jeder Anschein eines Interessenkonflikts müsse vermieden werden. Ernsts Augenmerk habe zuletzt offenkundig "vor allem auf der Sammlung von wohlvergüteten Ämtern und nicht der Bilanzkontrolle" gelegen./tam/DP/he

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Ex-Wirecard-Bank-Vorstand:

Ex-Wirecard-Bank-Vorstand: Bafin hat Wirecard geschützt

Mit dem Leerverkaufsverbot für Wirecard -Aktien hat sich die Finanzaufsicht Bafin nach Ansicht des früheren Vorstands der Wirecard Bank auf die Seite des Konzerns gestellt. "Für mich hat die Bafin Partei ergriffen für die Wirecard AG", sagte der frühere Vorstand der Wirecard Bank, Rainer Wexeler, am Donnerstag im Wirecard-Untersuchungsausschuss. Mit dem Verbot habe die Bafin den Konzern offenbar vor Angriffen von Leerverkäufern schützen wollen.

25.02.2021 12:32

Im Februar 2019 hatte die Finanzaufsicht Bafin ein zweimonatiges Leerverkaufsverbot für Wirecard Aktien ausgesprochen. Bei einem Leerverkauf oder Shortselling wetten die Spekulanten auf den Kursrückgang einer Aktie. In Deutschland ist das umstritten. Begründet wurde das Vorgehen damals mit einer drohenden Marktverunsicherung.

Wexeler bezweifelte den Einfluss von Wirecard auf die internationale Finanzstabilität. Mit einer Bilanzsumme von 2,2 Milliarden Euro sei die Wirecard Bank keinesfalls ein relevanter Akteur für das Finanzsystem gewesen. Auch das Kerngeschäft der Wirecard, die Abwicklung von Zahlungsdienstleistungen im Internet, sei dafür nicht relevant gewesen. "Wenn das wegfällt, passiert ja nichts", sagte er. Nach der Insolvenz des Unternehmens habe man ja gesehen, dass Wettbewerber den Markt übernehmen.

Die Wirecard AG hatte im Juni 2020 Luftbuchungen von 1,9 Milliarden eingeräumt und daraufhin Insolvenz angemeldet. Insgesamt könnte es nach Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft um mehr als drei Milliarden Euro gehen. Nach dem aufgedeckten Bilanzskandel flog Wirecard aus dem Dax . Weil der Skandal jahrelang unentdeckt blieb, steht unter anderem die Bafin in der Kritik. Der frühere Bafin-Chef Felix Hufeld musste im Zuge das Skandals seinen Hut nehmen. Ausserdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen die Bafin./dhu/DP/men

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Zwischenbilanz zum Wirecard

Zwischenbilanz zum Wirecard-Ausschuss: 'Kollektives Organversagen'

Scharfe Fragen bis spät in die Nacht, Dutzende Zeugen bis hin zur Kanzlerin und Hunderte Gigabyte Daten: Im Bundestag versucht ein Untersuchungsausschuss den wohl grössten Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte aufzuklären. Es geht um ein Milliarden- Bilanzloch, massive Schäden für Anleger und den beispiellosen Absturz eines Börsenstars. Die Zwischenbilanz mehrerer Fraktionen fällt am Mittwoch vernichtend aus: Der Skandal um Wirecard gehe nicht allein auf hohe kriminelle Energie Einzelner zurück, sondern auch auf gravierende Fehler von Aufsichtsbehörden und Bundesregierung.

10.03.2021 14:26

Alle sechs Fraktionen sind der Meinung, dass der Ausschuss wichtige Zusammenhänge aufgedeckt habe. "In der Summe sieht man eines widerlegt: Dass das eine Naturkatastrophe war, dass hier kein Mensch Fehler gemacht hat", sagt der Finanzpolitiker der FDP, Florian Toncar. Sein Kollege von den Grünen, Danyal Bayaz, beschreibt drei für den mutmasslichen Betrug entscheidende Faktoren: "eine Bande mit hoher krimineller Fantasie und Energie", ein "Kollektivversagen" bei Behörden und Aufsichtsorganen sowie ein ganzes Heer an Lobbyisten, "die Klinkenputzen waren um das Bild dieses Technologiestars an den Mann, an die Frau, an die Politik zu bringen".

Der Fall Wirecard: Das Unternehmen Wirecard war ein Dienstleister für bargeldlose Zahlungen an der Schnittstelle zwischen Händlern und Kreditkartenfirmen. Das Fintech spielte in der obersten Börsenliga - und machte den Wirtschaftsprüfern offenkundig jahrelang etwas vor. Im Sommer räumte Wirecard ein Bilanzloch von 1,9 Milliarden Euro ein - Geld aus Auslandsgeschäften, das zwar in den Bilanzen auftauchte, in Wahrheit aber wohl nie existierte. Das Unternehmen meldete Insolvenz an, Tausende Anleger verloren Geld. Vorstandschef Markus Braun wurde festgenommen, Manager Jan Marsalek ist auf der Flucht.

Monate bevor der Skandal aufflog hatte es bereits Hinweise und Berichte über Unregelmässigkeiten bei Wirecard gegeben. Der Untersuchungsausschuss will nun herausfinden, warum der Fall über Jahre nicht aufflog und ob Wirecard als aufstrebendes Fintech von den Behörden mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Die Frage der Verantwortung: Der Ausschuss habe "durch die Bank weg Probleme bei der Wahrnehmung von Verantwortung" gezeigt, beschreiben Linke, Grüne und FDP. Behörden hätten mehr auf Zuständigkeiten geschaut als in Zusammenhängen zu denken. "Wir konnten nichts anderes feststellen, als dass wir in Deutschland eine Kultur der Nicht-Verantwortung haben", sagt Toncar. Die Befragungen zeigten: E-Mails zur Zuständigkeit bei der Geldwäscheaufsicht blieben wochenlang unbeantwortet, ein Anruf bei der Whistleblower-Hotline wurde abgewürgt, kritische Hinweise wurden ignoriert. Der Fraktionsvize der Linken, Fabio De Masi, betont, staatliche Institutionen hätten eine hohe Bereitschaft gezeigt, "dieser kriminellen Bande auf den Leim zu gehen, weil sie eben Wirecard repräsentiert hat".

Der Finanzpolitiker der SPD, Jens Zimmermann, zeigte sich erschrocken, dass selbst renommierte Wirtschaftsprüfer dem Betrug nicht auf die Schliche kamen. Jahr für Jahr hätten sie "mit ihrem Stempel auf den Bilanzen den Glauben an das Erfolgsmärchen Wirecard weiter gestärkt". Der CDU-Finanzpolitiker Matthias Hauer dagegen greift andere an: "Es gab bei Bafin und Bundesfinanzministerium eine eklatante Kultur des Wegsehens - bei Bilanzkontrolle, Finanzaufsicht, Geldwäscheaufsicht und Mitarbeitergeschäften."

Eine angebliche Erpressung und ein Leerverkaufsverbot: Bereits Anfang 2019 hatte es Manipulationsvorwürfe gegen Wirecard gegeben, der Aktienkurs war in Turbulenzen geraten. Die Finanzaufsicht Bafin verhängte daraufhin ein zweimonatiges Leerverkaufsverbot, verbot also Spekulationen auf fallende Kurse des Unternehmens. Das festigte bei Investoren den Eindruck, Wirecard sei Opfer einer gezielten Attacke.

Wie im Ausschuss herauskam, spielte auch die Staatsanwaltschaft bei diesem Verbot eine Rolle: Sie glaubte Anwälten des Unternehmens, dass Wirecard erpresst werde, und gab diese Informationen an die Bafin weiter. Die SPD ist überzeugt, dass die angebliche Erpressung "eine von Jan Marsalek erfundene Räuberpistole" war, durch die sich die Bafin zum Handeln gezwungen sah. Bayaz meint: Ohne das Verbot wäre der Betrug vermutlich sehr viel früher aufgedeckt worden.

Lobbyismus: Karl Theodor zu Guttenberg, ein früherer bayerischer Polizeipräsident, ein Geheimdienstkoordinator: Viele haben sich an hoher Stelle für Wirecard ins Zeug gelegt, sogar direkt bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "Namhafte Politiker und Persönlichkeiten haben sich von Wirecard als Lobbyisten einspannen lassen und damit viel Geld verdient", kritisiert Zimmermann.

Personelle Konsequenzen: In einer Tabelle listet die SPD Rücktritte und Entlassungen im Zusammenhang mit dem Ausschuss auf. Die Liste ist lang, von Bafin-Präsident Felix Hufeld über die "Bilanzpolizei" DPR bis hin zum Deutschlandchef der Wirtschaftsprüfergesellschaft EY. Die personellen Konsequenzen seien Ergebnis der fraktionsübergreifenden Zusammenarbeit, betont Hauer. Der AfD wäre allerdings am liebsten, es würde dabei nicht bleiben. "Unsere Forderung, dass Finanzminister Scholz auch die Verantwortung übernehmen und zurücktreten muss, werden wir bis zum Ende aufrechterhalten", kündigt der Ausschussvorsitzende und AfD-Politiker Kay Gottschalk an.

Offene Fragen und ein mögliches furioses Finale: Viele Fragen vor allem zur Rolle der Bundesregierung sind noch offen. In welche Entscheidungen war die Führungsebene des Finanzministeriums eingeweiht? Warum hakte der zuständige Staatssekretär nicht genauer nach? Warum liess man selbst nach Auffliegen des Skandals noch einen Rettungsplan für Wirecard entwerfen? Das Finanzministerium habe einen "sehr wohlwollenden Blick auf Wirecard" gehabt, kritisiert Toncar. Vieles spreche dafür, dass man auch Vizekanzler Olaf Scholz den Vorwurf machen könne, sich nicht genug eingesetzt zu haben. Seiner Ankündigung von maximaler Aufklärung sei der Finanzminister bislang jedenfalls nicht gerecht geworden, sagt Hauer. Im April hat Scholz die Gelegenheit, dies vor dem Ausschuss gerade zu rücken. Einen Tag später wird Kanzlerin Angela Merkel befragt./tam/DP/stw

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Früherer Wirecard

Früherer Wirecard-Chefbuchhalter entschuldigt sich für Skandal

Der frühere Chefbuchhalter von Wirecard hat sich für den Betrugsskandal mit mutmasslichem Milliardenschaden bei dem ehemaligen Dax-Konzern entschuldigt. Es tue ihm leid, dass der Fall mit den Mechanismen innerhalb des Unternehmens nicht aufgeflogen sei, sagte der 46-Jährige am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags. "Es war für mich unvorstellbar, dass sowas passieren konnte."

18.03.2021 13:29

Er habe eigentlich gedacht, Wirecard sei in Sachen Compliance, interne Revision und beim Aufsichtsrat gut aufgestellt, sagte der Chefbuchhalter. Er selbst habe keine Kenntnis von betrügerischen Machenschaften bei Wirecard gehabt, betonte er.

Der Chefbuchhalter berichtete, die Zahlen im Drittpartnergeschäft im Ausland, wo der Betrug abgelaufen sein soll, seien ihm nicht merkwürdig vorgekommen. Es habe zwar immer wieder organisatorische Schwierigkeiten gegeben, alle nötigen Informationen für Wirtschaftsprüfungen zusammenzubekommen, Drittpartner und Treuhänder hätten die Salden aber unabhängig voneinander bestätigt. Auf den Treuhandkonten sollten rund 1,9 Milliarden Euro liegen, angeblich Gewinne von Wirecard aus Geschäften in Asien. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gab es dieses Geld aber wahrscheinlich nie.

Nach Aufdeckung dieses Bilanzlochs hatte Wirecard im vergangenen Sommer Insolvenz angemeldet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall derzeit auch gegen den Chefbuchhalter. Sie wirft mehreren Ex-Managern des Finanzunternehmens unter anderem gewerbsmässigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor./tam/DP/nas

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Konten: EY-Vertreter

Wirecard-Konten: EY-Vertreter sah keine Chance für Bank-Bestätigung

Bei der Prüfung des Skandalunternehmens Wirecard haben Wirtschaftsprüfer von EY jahrelang keine Bankbestätigung für Treuhandkonten in Asien eingeholt und sich auf Bestätigungen der Treuhänder verlassen. Der Treuhandvertrag habe kein Auskunftsrecht für die Banken enthalten, sagte der für die Qualitätssicherung zuständige EY-Vertreter Christian Orth am Freitag im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Man habe allerdings geprüft, ob die Treuhänder Wirecard in irgendeiner Art nahestanden. "Das Prüfungsteam ist davon ausgegangen, angemessene und ausreichende Prüfungsergebnisse zu haben", sagte Orth.

19.03.2021 11:31

Durch die Treuhandkonten in Asien sah es so aus, als würden Drittpartner der Wirecard AG offene Rechnungen per Überweisung bezahlen - tatsächlich existierten die 1,9 Milliarden Euro aber wohl nicht. Erst als die Treuhandkonten von Singapur auf die Philippinen verlagert wurden, sei bei ihm "der Feueralarm" angegangen, sagte Orth. Als angeforderte Testüberweisungen ausblieben, hätten die Wirtschaftsprüfer dann 2020 Kontakt mit den Bankvorständen aufgenommen. Diese hätten schliesslich bestätigt, dass die Konten nicht existierten.

EY hatte die Wirecard-Bilanzen von 2009 bis 2018 geprüft und abgesegnet, lediglich für den Abschluss 2019 verweigerte die Gesellschaft das Testat. Laut Münchner Staatsanwaltschaft waren die Bilanzen des Zahldienstleisters aber spätestens seit 2015 manipuliert. EY ist nun mit dem Vorwurf konfrontiert, nicht genau genug geprüft zu haben und dem Schwindel aufgesessen zu sein.

Die inzwischen insolvente Wirecard AG hatte im Juni 2020 eingestanden, dass in der Bilanz aufgeführte 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf asiatischen Bankkonten lagen, nicht auffindbar sind./jrz/tam/DP/nas

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Insolvenzverwalter wird Asien

Insolvenzverwalter wird Asien-Töchter von Wirecard los

Wirecard-Insolvenzverwalter Michael Jaffe hat mehrere Töchter des zusammengebrochenen Zahlungsdienstleisters in Asien an den Mann gebracht.

16.04.2021 08:21

Vier Tochterfirmen auf den Philippinen, in Malaysia, Thailand und Hongkong mit zusammen 110 Beschäftigten gehen an den niederländisch-britischen Start-up-Investor Finch Capital, der vor einigen Wochen bereits die türkische Wirecard-Tochter übernommen hatte, wie Jaffe und Finch Capital am Freitag mitteilten. Finch will dort und in Asien mit der neu gegründeten Nomu Pay einen Zahlungsdienstleister aufbauen. Die örtlichen Aufsichtsbehörden müssen der Übernahme aber noch zustimmen.

Die nun verkauften Firmen gehen auf eine Zahlungsabwicklungstochter der US-Bank Citi zurück, der Wirecard für rund 200 Millionen Euro das Zahlungsabwicklungsgeschäft für Händler abgekauft hatte. Der Verkaufspreis dürfte deutlich darunter liegen. Jaffe sprach aber von "substanziellen Zuflüssen" in die Insolvenzmasse. Damit sei nicht zu rechnen gewesen.

Wirecard war im Juni 2020 in die Insolvenz gerutscht, nachdem sich ein grosser Teil des über Dritte abgewickelten Geschäfts in Asien als Luftnummer entpuppt hatte. Bilanzierte 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf Konten dort lagen, existieren offenbar nicht.

Verkauft hat Jaffe nach eigenen Angaben auch die Software-Tochter PT Wirecard Technologies Indonesia mit 360 Mitarbeitern. Käufer sei die Technologieholding eines indonesischen Konzerns, dessen Namen der Insolvenzverwalter nicht nannte. Wirecard Australia A&I gehe an einen australischen Zahlungsdienstleister. Die grössten Wirecard-Töchter in den USA und Europa hat Jaffe bereits verkauft. Die Verkaufserlöse liegen aber weit unter den Insolvenzforderungen, die Gläubiger und Aktionäre angemeldet haben.

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Deutschland: Ex

Deutschland: Ex-Geheimdienstkoordinatoren berichten über Kontakte zu Wirecard

(Ausführliche Fassung) - Im Untersuchungsausschuss des Bundestags haben frühere Geheimdienstkoordinatoren der Bundesregierung über ihre Kontakte zum Skandalkonzern Wirecard berichtet. Der ehemalige Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche bestätigte am Donnerstag, er sei als Lobbyist für den Konzern tätig gewesen. Wirecard habe die Kontakte zur Bundesregierung verbessern wollen. Er selbst habe auf die Arbeit der Finanzaufsicht Bafin vertraut und keinen Grund gesehen, sich nicht zu engagieren. Ex-Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer berichtete von einem Treffen mit Wirecard-Manager Jan Marsalek im Jahr 2018, der inzwischen international gesucht wird.

15.04.2021 19:02

Es habe bei Wirecard mehrere Punkte gegeben, "die mich nicht nur interessierten, die auch die Sicherheit unseres Landes betrafen", sagte Schmidbauer. So habe ihn etwa "elektrisiert", dass Marsalek damit geprahlt habe, die Formel des Nervengifts Nowitschok zu besitzen. Er habe sich bemüht, mehr von ihm zu erfahren, berichtete Schmidbauer. "Das gelang nicht."

Die deutschen Nachrichtendienste hatten nach Erkenntnissen des Ausschusses nur wenig Informationen über den früheren Dax-Konzern Wirecard. "Es ist überraschend, wie wenig unsere Nachrichtendienste über Wirecard wussten", sagte der SPD-Finanzpolitiker Jens Zimmermann. Zuvor hatte Sonderermittler Wolfgang Wieland dem Ausschuss in geheimer Sitzung über seine Erkenntnisse berichtet. Es gebe keine belastenden Informationen, dass deutsche Nachrichtendienste irgendwie mit Wirecard kooperiert hätten, sagte Zimmermann.

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar berichtete, die Informationen der deutschen Dienste über Wirecard seien weitestgehend "unüberprüfte Hinweise von befreundeten Nachrichtendiensten" gewesen. Es stelle sich die Frage, ob die deutschen Nachrichtendienste überhaupt so gut arbeiteten, wie man es eigentlich erwarten würde.

Unter anderem gebe es im Zusammenhang mit dem Fall Wirecard Hinweise darauf, dass österreichische Nachrichtendienste Quellen in Deutschland geführt hätten. "Will da im Kanzleramt nicht vielleicht mal jemand zum Telefon greifen und in Österreich anrufen und fragen, was da eigentlich los ist?", fragte Zimmermann.

Der Finanzpolitiker der Grünen, Danyal Bayaz, kritisierte, die Bundesregierung habe Informationen über eine Zusammenarbeit mit Wirecard zurückgehalten. In mehreren deutschen Sicherheitsbehörden seien Kreditkarten der Firma zum Einsatz gekommen - was man dem Ausschuss lange nicht offengelegt habe. "Angesichts der Kontakte von Jan Marsalek zu ausländischen Geheimdiensten stellt sich die Frage, ob dabei deutsche Sicherheitsinteressen verletzt wurden", betonte er.

Dass zwei ehemalige Geheimdienstkoordinatoren sich von Wirecard hätten einspannen lassen, sei "eine bemerkenswerte Häufung von Zufällen". Bayaz und der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk von der AfD sprachen sich für strengere Lobby- und Transparenzregeln für ehemalige Spitzenbeamte aus./tam/DP/nas

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Ausschuss: Union

Wirecard-Ausschuss: Union wirft Zeugen 'Märchenstunde' vor

Der Unions-Abgeordnete Hans Michelbach hat einem Referatsleiter des Finanzministeriums vorgeworfen, im Wirecard -Ausschuss des Bundestags die Wahrheit zu verschleiern. "Ich bin es einfach satt, hier eine Märchenstunde zu erleben", sagte der CSU-Politiker am Freitag. Er habe den Eindruck, der Beamte wolle mit seiner Aussage "andere Personen" im Finanzministerium schützen. Der Referatsleiter hatte darüber berichtet, wie das Finanzministerium seine Aufsicht über die Finanzaufsicht Bafin ausübte.

16.04.2021 11:55

Dabei ging es vor allem um die umstrittene Entscheidung der Bafin, bei Wirecard 2019 Wetten auf fallende Kurse zu verbieten. Dadurch war bei vielen Anlegern der Eindruck entstanden, bei dem Skandalkonzern sei trotz zahlreicher kritischer Medienberichte alles in Ordnung.

Der Referatsleiter schilderte, die Bafin habe dem Finanzministerium die entsprechende Verfügung zur Information geschickt, das Ministerium habe aber keinen Grund gesehen einzuschreiten. Die konkreten Beweggründe der Bafin für das Verbot und dessen Zweckmässigkeit habe man nicht im Detail nachgeprüft./tam/DP/nas

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Deutscher Bundesrat stimmt

Deutscher Bundesrat stimmt Konsequenzen aus Wirecard-Skandal zu

Als Konsequenz aus dem Bilanzskandal beim früheren Dax -Konzern Wirecard werden komplexe Firmenkonstrukte künftig stärker kontrolliert. Der Bundesrat stimmte am Freitag einem Gesetz zu, das bereits den Bundestag passiert hatte. Demnach bekommt die Finanzaufsicht Bafin zusätzliche Befugnisse, und Vorschriften für Abschlussprüfer werden verschärft.

28.05.2021 12:57

Das Reformpaket soll verhindern, dass es noch einmal zu einem Skandal wie beim inzwischen insolventen Finanzdienstleister Wirecard kommt. Der Konzern soll jahrelang Luftbuchungen und Scheingewinne in Milliardenhöhe ausgewiesen haben. Finanzaufsicht und Wirtschaftsprüfer stehen in der Kritik, weil dies nicht früher auffiel.

Nun werden die Zuständigkeiten für die Bilanzkontrolle bei der Bafin gebündelt. Mitarbeiter der Bafin dürfen selbst nicht mehr mit bestimmten Finanzprodukten handeln. Das bisherige zweistufige Verfahren mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung wird vereinfacht.

Zudem müssen Abschlussprüfer spätestens nach fünf Jahren wechseln, damit sie nicht betriebsblind werden. Sie werden auch stärker in Haftung genommen: Die Haftungshöchstgrenzen bei der Prüfung kapitalmarktorientierter Unternehmen werden um das Vierfache auf 16 Millionen Euro hochgesetzt. Bei grob fahrlässigem Verhalten gibt es Keine Höchstgrenze mehr. Der "falsche Bilanzeid", also wenn fälschlicherweise behauptet wird, ein Abschluss vermittle ein zutreffendes Bild der Lage eines Unternehmens, kann zudem künftig mit bis zu fünf Jahren Gefängnis sanktioniert werden. Das Gesetz soll im Juli in Kraft treten./tam/DP/jha

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Wirecard-Skandal: Anti

Wirecard-Skandal: Anti-Geldwäsche-Behörde weist Vorwürfe zurück

(durchgehend aktualisiert) - Bei der Aufarbeitung des Wirecard -Skandals haben das Finanzministerium und die Anti-Geldwäsche-Einheit des Bundes (FIU) neue Vorwürfe über Versäumnisse entschieden zurückgewiesen. Dabei geht es darum, warum 2019 Verdachtsmeldungen auf Geldwäsche nicht von der FIU an Strafermittler weitergegeben wurden und ob das Ministerium das Parlament nicht ausreichend informiert hat. Finanz-Staatssekretär Rolf Bösinger sagte am Dienstag als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestags, Vorwürfe, er habe Informationen manipuliert oder Dinge vorenthalten, entbehrten jeder Grundlage: "Ich weise die Vorwürfe zurück, sie sind blanker Unsinn."

08.06.2021 19:54

Weder habe er manipuliert, noch das Parlament getäuscht, noch Informationen frisiert, sagte Bösinger. Es gebe nichts zu verbergen. Zuvor hatte FIU-Chef Christof Schulte im Ausschuss gesagt, er bleibe bei seiner Aussage vom Januar. Damals hatte er gesagt, dass die FIU ihrem gesetzlichen Auftrag vollumfänglich nachgekommen sei.

Der "Bayerische Rundfunk" hatte vor kurzem berichtet, die Commerzbank habe die FIU im Februar 2019 detaillierter über mögliche Unregelmässigkeiten bei Wirecard informiert als bisher bekannt und eine Verdachtsmeldung "auf dem Silbertablett" serviert. Die FIU habe diese aber bis nach der Wirecard-Insolvenz liegen lassen und nicht an deutsche Strafermittlungsbehörden weitergegeben.

Schulte wies die Darstellung zurück. Strafrechtliche Verfolgungsmöglichkeiten in Deutschland hätten damals erkennbar nicht vorgelegen. Er betonte, man ziehe aus dem Fall Wirecard Lehren, um für "solche Konstellationen" gewappnet zu sein.

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Sommer 2020 eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro aus der Bilanz nicht aufzufinden waren. Die Ermittler gehen davon aus, dass der ehemalige Dax -Konzern über Jahre seine Abschlüsse fälschte.

Der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar hatte der FIU vorgeworfen, von der Commerzbank 2019 einen "perfekten Hinweis" auf Geldwäsche erhalten und nichts weiter veranlasst zu haben. Linke-Obmann Fabio De Masi hatte gesagt, der Milliardenbetrug bei Wirecard hätte bereits 2019 aufgedeckt und Kleinanleger besser geschützt werden können. Toncar sagte nach der Aussage Schultes: "Ich bleibe dabei: die Meldung der Commerzbank im Februar 2019 war so konkret, dass sie der Staatsanwaltschaft unmittelbar hätte vorgelegt werden müssen. Damit wäre es möglich gewesen, den Betrug umgehend zu stoppen."

Ausserdem hatte Toncar kritisiert, dass wichtige Informationen zur Rolle der FIU nur versteckt an den Untersuchungsausschuss weitergegeben worden seien. Es sei der Eindruck erweckt worden, dass der Geldwäsche-Einheit vor der Wirecard-Pleite keine bedeutsamen Verdachtsmomente vorlagen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) müsse bei der FIU und im Ministerium Konsequenzen ziehen. So müsse Bösinger entlassen werden.

Bösinger wies die Vorwürfe zurück, er habe das Parlament getäuscht. Im Zusammenhang mit Wirecard sei viel Vertrauen verloren gegangen, viele Anleger seien um viel Geld gebracht worden. Daher sei die Arbeit des Untersuchungsausschusses so wichtig. Das Finanzministerium habe diese Arbeit deswegen intensiv unterstützt.

Dem Ministerium lägen keine Anhaltspunkte vor, dass die FIU ihrem gesetzlichem Auftrag nicht nachgekommen wäre, sagte Bösinger weiter. Das Finanzministerium habe die Rechtsaufsicht über die FIU, nicht die Fachaufsicht. Die Einheit arbeite operativ unabhängig. Bösinger betonte ausserdem, die Einheit sei durch zusätzliches Personal und erweitere Kompetenzen massiv gestärkt worden.

SPD-Obmann Jens Zimmermann sagte, die Commerzbank-Meldungen hätten zum damaligen Zeitpunkt "keinen hinreichenden Anknüpfungspunkt an die deutsche Jurisdiktion" enthalten. Das Finanzministerium habe dem Parlament alle aktuellen Informationen zur Verfügung gestellt.

Die Opposition sieht beim Wirecard-Skandal ein "kollektives Aufsichtsversagen", wie es in einem Sondervotum von FDP, Grünen und Linken zum Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses heisst. Scholz trage als Finanzminister die politische Verantwortung für das Versagen der Finanzaufsicht Bafin. Das Finanzministerium hat die Aufsicht über die Bafin./hoe/DP/fba

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Zyndicate
Bild des Benutzers Zyndicate
Offline
Zuletzt online: 16.10.2021
Mitglied seit: 21.01.2010
Kommentare: 36'600
Ex-Wirecard-Prüfer will

Ex-Wirecard-Prüfer will Veröffentlichung von Bericht verhindern

Ein ehemaliger Bilanzprüfer des Wirecard -Konzerns will juristisch verhindern, dass der Abschlussbericht des Bundestags-Untersuchungsausschusses wie geplant veröffentlicht wird. Das Verwaltungsgericht Berlin teilte am Dienstag auf Anfrage mit, dass ein entsprechender Eilantrag auf Erlass einer Unterlassung eingegangen sei. Das Gericht wolle noch im Laufe des Tages über den Antrag entscheiden, der Bundestag habe zuvor eine kurze Frist zur Stellungnahme, sagte ein Gerichtssprecher. Der Abschlussbericht sollte am Dienstag veröffentlicht werden.

22.06.2021 12:21

In dem Antrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, macht der Münchner Anwalt des Ex-Prüfers Persönlichkeitsrechte seines Mandanten geltend. Dieser sei "keine Person der Zeitgeschichte, er steht nicht in der Öffentlichkeit". Gegen ihn bestehe im Fall Wirecard seit über einem Jahr nicht mehr als ein Anfangsverdacht. Deshalb dürften Passagen mit der Namensnennung des Mandanten im Abschlussbericht des Ausschusses nicht veröffentlicht werden.

Zuvor hatte das "Handelsblatt" über den Antrag berichtet. Der Anwalt war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Ex-Prüfer war als Zeuge im Untersuchungsausschuss geladen, verweigerte aber die Aussage.

Der stellvertretende Vorsitzende im Untersuchungsausschuss, Hans Michelbach, (CSU), sagte, der Ex-Bilanzprüfer wolle die Nennung seines Namens im Abschlussbericht verhindern. Es sei aber nach Artikel 44 Grundgesetz gar nicht möglich, dass ein Verwaltungsgericht so Einfluss auf einen Untersuchungsausschuss nehme. In Artikel 44 heisst es in Absatz 4: "Die Beschlüsse der Untersuchungsausschüsse sind der richterlichen Erörterung entzogen. In der Würdigung und Beurteilung des der Untersuchung zugrundeliegenden Sachverhaltes sind die Gerichte frei."/brd/DP/mis

(AWP)

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

Seiten