CH-relevante Börsenthemen Jahr 2020

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Schweizer Reisebranche kämpft

Schweizer Reisebranche kämpft ums Überleben

Die Folgen der Corona-Pandemie für die Schweizer Reisebranche sind verheerend. Die unmittelbaren Zukunftsaussichten werden von der Branche denn auch wenig überraschend als "rabenschwarz" bezeichnet.

10.09.2020 11:45

"Dazu dürfte auch beitragen, dass sich die Politik bisher noch zu keinen effektiven Überbrückungshilfen für die Härtefall-Branche durchringen konnte," heisst es in einem Communiqué des Schweizer Reise-Verbands (SRV) und der Universität St.Gallen zur Medienkonferenz "Reisebranche - Quo vadis?".

Die vor der Pandemie gesunde Branche sei nun "grundlegend gefährdet", erklärte der Verband vom Donnerstag. Die Zukunftsaussichten "schlechter denn je".

Das zeige auch eine Umfrage von Juni: Branchen-Vertreter hätten für das zweite Halbjahr 2020 einen Umsatzrückgang von 70 Prozent gestellt und ein unverändert hohes Niveau an Kurzarbeit. Bis zum Ende des Sommers dürften die Werte noch gestiegen sein, denkt der Verband.

3'000 Vollzeitstellen bedroht

Entsprechend sei das Konkursrisiko in der Branche "enorm hoch" und die Arbeitsplätze seien "massiv" bedroht. Laut SRV droht der Branche ein Umsatzverlust von 2,9 Milliarden Franken und rund 3'000 Jobs könnten verloren gehen.

Die Höhe des Arbeitsplatzverlustes werde im Wesentlichen von der Dauer der Krise sowie von "Dauer und Schlagkraft" der Hilfe Seitens der Politik abhängen, so der SRV. Vor diesem Hintergrund erwarte die Branche nun "effektive und rasche" Überbrückungshilfen des Bundes.

Konkret gehe es Kurzarbeitsentschädigungen, Erwerbsersatz und Fixkostenzurschüsse.

jl/ra

(AWP)

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Informations- und

Informations- und Kommunikationstechnologie braucht Fachkräfte

Im stark wachsenden Berufsfeld der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) nimmt der Bedarf an Fachkräften laut einer neuen Studie noch stärker zu als bisher erwartet. Bis 2028 würden insgesamt 117'900 zusätzliche ICT-Fachkräfte benötigt.

10.09.2020 11:40

Wolle man diesen zusätzlichen Bedarf decken, müssten 35'800 Personen mehr ausgebildet werden als heute, heisst es in der am Donnerstag präsentierten Studie des nationalen Verbands ICT-Berufsbildung. Demnach wächst das ICT-Berufsfeld fast viermal so schnell wie der Durchschnitt über alle Berufe: Innert neun Jahren habe sich die Zahl der ICT-Beschäftigten um 50 Prozent erhöht und zähle heute 242'600 Personen.

Der bis 2028 erwartete, zusätzliche ICT-Fachkräftebedarf könne mit den heutigen Bemühungen nur zu 70 Prozent durch Arbeitsmarkteintritte von Neuabsolventen und zugewanderte ICT-Fachkräfte gedeckt werden. Unternehmen aller Branchen sowie die öffentliche Verwaltung müssten Verantwortung für einen ausreichenden ICT-Nachwuchs übernehmen, wird Serge Frech, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz, in einer Medienmitteilung zitiert.

Deutlich mehr Lehrstellen nötig

In den letzten zehn Jahren habe die Zahl der ICT-Lehrstellen um 43 Prozent auf 9700 erhöht werden können, so Frech. In Anbetracht des enormen Bedarfs müsse aber noch deutlich mehr in ICT-Lehrstellen und die Weiterbildung investiert werden. Zudem sei ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis in den ICT-Berufen anzustreben.

Andreas W. Kaelin, Präsident von ICT-Berufsbildung Schweiz, geht davon aus, dass das Schweizer Bildungssystem trotz ausserordentlichen Anstrengungen nicht in der Lage sein werde, den stark steigenden ICT-Fachkräftebedarf zu decken. Es müssten deshalb auch in Zukunft weiterhin auf einfache Art und Weise die benötigten spezialisierten ICT-Fachkräfte aus dem Ausland beschafft werden können.

(AWP)

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Deutlich weniger planen

Deutlich weniger planen Frühpensionierung - Vertrauen in Pensionskassen immer schlechter

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer senken ihre Erwartungen an die eigene Altersvorsorge: Dazu gehört die Planung einer Frühpensionierung. Insbesondere die die zweite Säule verliert weiter an Vertrauen.

10.09.2020 10:00

Dies zeigt das am Donnerstag von Raiffeisen veröffentlichte Vorsorgebarometer. Im Vergleich zur letztjährigen Umfrage planen zudem deutlich weniger Arbeitnehmende eine Frühpensionierung. Eine Mehrheit könne sich sogar vorstellen, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten - allerdings vorwiegend in einem Teilzeitpensum.

Wenig Zuspruch erhielt in der Befragung das derzeit unterschiedliche Rentenalter von Mann und Frau. Ein Drittel befürwortet das Rentenalter 65 für alle.

Wenig Vertrauen in zweite Säule

In der aus drei Säulen zusammengesetzten Vorsorge hat die zweite Säule (BVG) Vertrauen verloren. Nur noch rund 15 Prozent der im Rahmen des Vorsorgebarometers Befragten glauben an die Zukunftsfähigkeit und die Finanzkraft der beruflichen Vorsorge. Im Jahr davor lag dieser Wert noch anderthalb Prozentpunkte höher.

Der Vertrauensverlust zeige sich auch daran, dass immer mehr Personen eine Auszahlung des Pensionskassenkapitals einer Rente vorziehen würden. Die öffentliche Diskussion rund um die zunehmende Lebenserwartung und zu den sehr tiefen Zinsen hinterlasse Spuren. Die Umfrageteilnehmer rechneten bei der eigenen Pensionierung mit Leistungskürzungen.

Eine leichte Zunahme auf gut 16 Prozent verbuchte in der "Vertrauensfrage" die AHV, während das Vertrauen in die private Vorsorge der dritten Säule innert Jahresfrist ebenfalls zurückgegangen ist. Allerdings sind nach wie vor mehr als 43 Prozent von der finanziellen Stabilität der selbst alimentierten 3a/3b-Vorsorgegefässen überzeugt.

Das Raiffeisen-Vorsorgebarometer basiert auf einer vom 17. bis 26. Juni 2020 durch das Link-Institut bei 1'028 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren durchgeführten Befragung. Die Studie dazu wurde in Zusammenarbeit mit der School of Management and Law der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erstellt.

(AWP/cash)

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Aktien, Franken, Gold: Sechs

Aktien, Franken, Gold: Sechs Thesen zum aktuellen Marktgeschehen im Experten-Check

Ist der Aktienmarkt überbewertet? Folgt an den Börsen eine Umschichtung von US-Titeln auf Europa-Titel? Und kommen neue Gold-Höchststände? Sechs aktuelle Markt-Thesen im Experten-Check von cash.

14.09.2020 07:31

Von Henning Hölder

An den Märkten tut sich in diesen Tagen und Wochen einiges. So sieht man schon lange nicht mehr gesehene Einbrüche bei Technologie-Aktien. Den US-Börsen scheint generell die Luft auszugehen. Manche Marktbeobachter vermuten sogar den Anfang einer grösseren Umschichtung: Von US-Aktien in europäische Aktien einerseits und von Wachstums- in Value-Titeln andererseits. Andere fragen sich: Sind Aktien eigentlich nicht ohnehin viel zu teuer geworden? 

Auch an den Devisenmärkten sind seit Monaten auffällige Entwicklungen zu beobachten. Der Dollar schwächelt ungewöhnlich stark gegenüber dem Euro und dem Franken. Die europäische Gemeinschaftswährung wiederum strotzt nur so vor Stärke und wertet sogar gegenüber dem Franken auf. Und was ist eigentlich mit Gold? Das Edelmetall gönnt sich nach einer beispiellosen Rally zuletzt eine kleine Atempause. Ist das nur ein Luftholen für die nächste Rally, wie manche vermuten?

cash hat sechs Thesen über das aktuelle Marktgeschehen zusammengetragen, die derzeit die Runde machen. Experten unterziehen diese einem Check.

1. Die Börsen werden in den nächsten zwölf Monaten trotz einzelner Rückschläge nur eine Richtung kennen: nach oben.

  • Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank:

"Nein, ein reinigendes Kursgewitter kann durchaus einsetzen. Grössere Verwerfungen erwarten wir vorerst aber nicht. Rückschläge werten wir daher als Kaufgelegenheit. Langfristig führt kein Weg an Aktien vorbei."

  • Jörn Spillmann, Chefstratege der Zürcher Kantonalbank:

"Die Chancen dafür stehen aufgrund der expansiven Geld- und Fiskalpolitik sowie dem schwachen, aber positiven Wirtschaftswachstum mit niedriger Inflation recht gut."

 

2. Die Aktienmärkte sind überbewertet. Das birgt Gefahren.

  • Christoph Sax, Chefökonom der Migros Bank:

"Auf dem gegenwärtigen Niveau nehmen die Aktienkurse teilweise schon viel Positives vorweg. Der Markt erscheint uns etwas gar zuversichtlich: Das Ende der Pandemie ist nach wie vor nicht absehbar, und es werden vermehrt Spekulanten aktiv. Die Volatilität dürfte zunehmen. Zwischenzeitliche Rücksetzer sind absehbar. Dadurch eröffnen sich aber auch Chancen."

  • Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

"Unter Berücksichtigung des aktuellen Umfelds sind Aktien nicht zu teuer. 1. Die meisten Alternativen sind noch teurer. 2. In den gängigen Bewertungsmodellen werden Zinssätze verwendet. Dabei gilt je niedriger der Zins desto höher die Bewertung. 3. Die Zentralbanken haben die Märkte derart mit Liquidität geflutet, dass Investoren kaum eine Alternative zum Investieren bleibt.

Insofern liegen die Gefahren vor allem darin, dass sich das Umfeld ändert. Das sind die üblichen Verdächtigen: 1. Rezession 2. Steigende Inflation 3. Geldpolitische Wende 4. Schuldenkrise bei Staaten oder Unternehmen, und am schlimmsten: 5. Eine Kombination der vorgenannten Punkte."

 

3. Die Luft bei US-Aktien ist vorerst raus. Anleger sollten jetzt auf den europäischen Aktienmarkt setzen.

  • Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

"Nicht ausschliesslich. Der US-Technologiesektor ist teilweise etwas heissgelaufen. Im Gegensatz zu Europa sind IT-Titel in den US-Indizes auch stark vertreten. Dies verzerrt das Gesamtbild etwas. Als Anleger kann man diesen Sektor vorübergehend etwas weniger stark gewichten. Technologie gehört aber immer ins Portfolio. Wir raten, an einer geografisch ausgewogenen Investmentstrategie festzuhalten.

Als interessant erachten wir zurzeit zum Beispiel Flughafen ZürichLafargeHolcimGeorg Fischer oder auch Nokia. In den USA zählen Microsoft und Walt Disney zu unseren Favoriten."

  • Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

"US-Aktien haben weiterhin das grössere Potenzial. Europäische Aktien sind eher vorübergehend interessant. Die Gewinne europäischer Aktien sind aus vielerlei Gründen strukturell niedriger als in den USA. Zu den wichtigsten Gründen gehören die Konstruktionsfehler der Eurozone. Derzeit (wer weiss wie lang) herrscht aber Ruhe, weil die EZB eine expansive Geldpolitik verfolgt und sich die Regierungen auf einen Wiederaufbaufonds geeinigt haben, sich also solidarisch zeigen."

 

4. Die Rally von Wachstums-Aktien stösst an ihre Grenzen. Value-Werte werden für Anleger wieder attraktiver.

  • Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

"Auch hier empfehlen wir einen ausgewogenen Ansatz. Wer Value-Aktien stark übergewichtet, setzt darauf, dass die Corona-Pandemie bald besiegt wird. Es gibt deutliche Fortschritte in der Forschung, die hoffen lassen. Die Durststrecke könnte aber auch noch viel länger dauern. Kurzum: Value-Werte sind wieder attraktiver, wir empfehlen jedoch nur eine etappenweise Erhöhung des Engagements."

  • Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

"Im Umfeld niedrigen Wachstums, niedriger Inflation und niedriger Zinsen hat Growth weiterhin das grössere Potenzial."

 

5. Die Eurostärke wird andauern und der Franken weiter abwerten.

  • Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

"Kurzfristig kann der Euro sogar noch weiter zulegen. Er bleibt jedoch ein Sorgenkind. Die institutionellen Probleme der Währungsunion bestehen weiterhin – trotz des Wiederaufbaufonds, den die EU neu schaffen wird. Früher oder später werden einzelne Mitgliedstaaten erneut in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Dann schlägt auch das Pendel wieder zu Gunsten des Dollars um. Der Franken wird weiter zur Stärke neigen."

  • Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

"Wir erwarten auf Sicht der nächsten 12 Monate eher eine Seitwärtsbewegung um das aktuelle Niveau."

 

6. Das Marktumfeld spricht weiterhin für Gold. Wir werden in den nächsten zwölf Monaten weitere Höchststände sehen.

  • Christoph Sax, Chefökonom der Migros-Bank:

"Wahrscheinlich ja. Wir setzen auf Gold als Portfoliobaustein: Die Notenbanken betreiben eine äusserst expansive Geldpolitik, das Wachstum der Staatsschulden ist enorm. Im Gegensatz zur Geldmenge und zu den Schulden kann Gold nicht beliebig vermehrt werden."

  • Jörn Spillmann, Chefstratege der ZKB:

"Die beiden Haupttreiber für neue Höchststände beim Goldpreis, schwächerer US-Dollar und niedrige beziehungsweise fallende Realrenditen, erachten wir für die kommenden 12 Monate als intakt."

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BAK Economics:

BAK Economics: Volkswirtschaftlicher Nutzen von Frühförderung birgt Potenzial

Eine Studie weist den volkswirtschaftlichen Nutzen von Frühförderung bei Kindern nach: Langfristig soll das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) dadurch um jährlich rund 0,5 Prozent höher ausfallen.

13.09.2020 16:33

Die Studie geht davon aus, dass sich mit Investitionen in den Ausbau der Frühförderung das Wirtschaftswachstum "merklich" steigert - rund 3,4 Milliarden Franken pro Jahr soll das BIP dadurch wachsen. Das BAK Economics untersuchte mit der Studie im Auftrag der Jacobs Stiftung die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines qualitativen Ausbaus von Kindertagesstätten (Kitas) und Tagesfamilien sowie von begleitenden Förderprogrammen für benachteiligte Kinder in der Schweiz. Als Erstes berichtete die "NZZ am Sonntag" davon.

Das BAK Economics untersuchte in der Studie die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines 10-jährigen Investitionsprogramms im Bereich der Kleinkinderbetreuung. Die Autoren kommen zum Schluss, dass sich zielgerichtete Investitionen in Förderangebote für Kinder zwischen 0 und 4 Jahren für den Staat bereits nach gut zehn Jahren lohnen. Durch die Weichenstellung in den ersten vier Lebensjahren würden Gemeinwesen, Eltern und Kinder gewinnen, unabhängig von ihrer Herkunft, Wohnort oder Einkommen.

Die BAK-Ökonomen unterscheiden mehrere positive volkswirtschaftliche Effekte. Die durch Frühförderung ausgebaute Erwerbstätigkeit der Eltern erhöhe das Einkommen und die Produktivität sowie die Kaufkraft und das Humankapital.

Weniger Sozialhilfe

Wer in den Genuss einer höheren Ausbildung komme, senke zudem Gesundheitskosten und beziehe seltener Sozialhilfe. Mehr Bildung bedeute letztendlich ein höheres Einkommenspotenzial (Bildungsrendite).

Mehr Investitionen in die Angebote der frühen Kindheit seien auch ein Beitrag an eine höhere Chancengerechtigkeit. Gerade benachteiligte Kinder würden von Frühförderung überdurchschnittlich profitieren. Damit die positiven volkswirtschaftlichen Effekte auch tatsächlich erzielt würden, müsse jedoch die Qualität der Betreuungsangebote hochgehalten werden.

Ausgangspunkt für die Studie war ein "Referenzszenario", das die heutigen Angebote im Frühbereich und deren Finanzierung abbildet. Aktuell stünden 67'000 Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung. Dem wurden drei Ausbauszenarien gegenübergestellt - mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Kosten.

Höhere Staatsverschuldung und Einkommensteuern

Das "Investitionsszenario" geht davon aus, dass über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 21'000 neue Betreuungsplätze geschaffen werden. Zudem werden in diesem Szenario die Elternbeiträge für alle Betreuungsplätze, auch für bereits bestehende, reduziert. Dieses Szenario koste den Staat jährlich rund 794 Millionen Franken.

Zwei weitere Szenarien bauen auf dem "Investitionsszenario" auf. Hier seien zusätzliche Investitionen vorgesehen. Alle drei Ausbauszenarien gehen davon aus, dass die zusätzlichen Investitionen hälftig mittels Staatsverschuldung und Erhöhung der Einkommensteuer getragen werden, wie es weiter heisst.

BAK Economics veröffentlicht die Studie am Montag.

(AWP)

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Die erfolgreichsten Schweizer

Die erfolgreichsten Schweizer Börsengänge der letzten zehn Jahre

Am Schweizer Aktienmarkt toppt eine Industriegruppe in der Liste der erfolgreichsten Börsengänge der letzen Jahre. Nicht jedem Unternehmen glückt eine gute Kursperformance nach dem IPO: Vor allem eine Branche hat Mühe.

14.09.2020 22:05

Von Marc Forster

Der Plan ist klar: Mit einem Börsengang will sich ein Unternehmen frisches Kapital beschaffen. Man will neue Aktionäre vom Geschäftsmodell überzeugen und hofft, dass nach dem auf englisch Initial Public Offering, kurz IPO, genannten Schritt an die Börse ein steigender Kurs den Unternehmenswert erhöht. Geglückt ist dies in den vergangenen zehn Jahren am besten der VAT Group, Weltmarktführerin in der Herstellung von Vakuumventilen mit Sitz in Haag, Kanton St. Gallen. 

Die Aktie ist jetzt 244 Prozent mehr wert als beim Börsengang vor knapp viereinhalb Jahren. VAT hat sich in der Coronakrise als nahezu unverwundbar erwiesen. Profitabel und solide finanziert, dürfte die Industriegruppe weiter aus der Digitalisierung und dem Trend hin zum Internet of Things, 5G-Technologie und autonomen System wie etwa (teilweise) selbstfahrenden Autos Nutzen ziehen. Die Analysten sind allerdings vorsichtig: In den letzten Rating-Revisionen vom August wurde zum Untergewichten geraten. 

Die zehn grössten Kurssteigerungen nach einem Schweizer IPO seit 2010

Unternehmen Datum des
Börsengangs
Performance
seit
Börsengang
VAT 4. April 2016 +244 Prozent
Cembra 30. Oktober 2013 +98 Prozent
Glarner KB
(GLKB)
24. Juni 2014 +73 Prozent
Galenica 7. April 2017 +66 Prozent
Orior 22. April 2010 +54 Prozent
Investis 30. Juni 2016 +51 Prozent
Zur Rose 6. Juli 2017 +50 Prozent
Thurgauer KB
(TKB, PS)
7. April 2014 +44 Prozent
Leonteq 19. Oktober 2012 +44 Prozent
Cassiopea 1. Juli 2015 +44 Prozent

Tabellen/Daten: Zürcher Kantonalbank, cash.ch

VAT war 2013 von Partners Group und der Private-Equity-Gesellschaft Capvis übernommen worden. Partners Group war während der Kotierung noch Aktionär von VAT, veräusserte aber schliesslich im Januar 2018 alles VAT-Anteile.

Unter den Top-Performern nach einem IPO finden sich am Markt beliebte und überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen wie die Kredit- und Kreditkartenbank Cembra (+98 Prozent seit dem IPO im Oktober 2013) oder die Apothekengruppe Galenica (+66 Prozent seit April 2017). Diese Unternehmen haben an der Börse von langfristigen Trends, einen attraktiven Geschäftsmodell sowie einer soliden Unternehmenspolitik profitiert.

Dies sind alles klassische Treiber eines Aktienkurses, die auch für ein relativ solides Anlegervertrauen gegenüber den Kantonalbanken von Glarus (+73 Prozent) und des Thurgaus (+44 Prozent) sorgen. Wer etwas heraussticht, ist die Immobiliengesellschaft Investis (+51 Prozent). Das Unternehmen, das vor allem Wohnliegenschaften am Genfersee unterhält, wird von Analysten derzeit sehr positiv eingeschätzt. Wohnhäuser erweisen sich auch in der Coronakrise als stabil. Der Höchstkurs im Februar lag bei 91 Franken, jetzt sind es schon wieder knapp 89 Franken. 

Börse - «Rekordverdächtige» Zahl bei Umplatzierungen von Schweizer Aktienpaketen https://t.co/NkjI6IhYr7

— cash (@cashch) September 9, 2020

Es gibt aber auch andere Muster. Die Versandapotheke Zur Rose (+50 Prozent), die sich vor etwas mehr als drei Jahren aufs Parkett traute, wäre unter "normalen" Umständen nicht unter den Top Ten. Dass der Kurs im Vergleich zu Mitte 2017 um die Hälfte höher steht, liegt vor allem an der Coronakrise.

Durch den Lockdown ist der Online-Kauf von Medikamenten beliebter geworden. Anfang Februar war noch ein Kursrückgang von 14 Prozent gemessen am Datum des IPO zu messen. Und dass die Märkte bei Zur Rose noch nicht sorgenfrei sind, zeigt die Kurskorrektur von immerhin 28 Prozent seit Mitte Juli. Die heute zu 229 Franken gehandelte Aktie war kurzzeitig über 300 Franken wert. 

Auch Leonteqs (+44 Prozent) Höhenflug dauerte nicht ewig. Das Derivatehaus war gefeiert worden, als es mit seinem futuristischen Namen 2012 an die Börse kam. Vom IPO bis zum August 2015 liess eine Kurssteigerung um 850 Prozent viele Fantasien erblühen, dann liessen Firmenkrisen den Kurs wieder dramatisch einbrechen. Vom damaligen Höchstkurs sind inzwischen 85 Prozent Börsenwert wieder vernichtet worden. 

Die fünf Aktien mit den grössen Kursrückgängen in Folge des IPO

Unternehmen Datum des
Börsengangs
Kursrückgang
seit
Börsengang
Polyphor 15. Mai 2018 -82 Prozent
Klingelnberg 20. Juni 2018 -69 Prozent
Lastminute.com 14. April 2014 -53 Prozent
Molecular Partners 5. November 2014 -27 Prozent
Medartis 23. März 2018 -21 Prozent

Bei den Verlierer-Aktien zeigt sich wiederum ein Muster. Drei von fünf gehören zur Gesundheitsbranche. Polyphor (-82 Prozent) forscht an Antibiotika, Molecular Partners (-27 Prozent) entwickelt künstliche Proteine und Medartis (-21 Prozent) ist ein Medtech-Unternehmen für gesichts- und kieferchirurgisch eingesetzte Implantate. 

Biotech- und kleine Medizinaltechniker haben es an der Börse stets nicht leicht, denn ihre Kurse werden von Einzelereignissen oder starken Erwartungshaltungen hin- und hergetrieben. Polyphor musste Mai 2019 eine Patientenrekrutierung für den Produktkandidaten Murepavadin einstellen - der Aktienkurs halbierte sich. Gegenbeispiel zu den "glücklosen" Biotechs ist Cassiopea (+44 Prozent). Der Kurs ist aber vor allem auch in den vergangenen Wochen dank des Anke-Mittels Winlevi angetrieben worden. 

Vielbeachtete IPOs performen bescheidener

Zu den meistbeachteten IPOs der vergangenen Jahre gehört sicherlich Stadler Rail: Einerseits, weil das Unternehmen der einzige grosse Bahntechnikkonzern der Schweiz ist, andererseits, weil Firmenpatron Peter Spuhler als Ex-SVP-Nationalrat und früher mutmasslicher Bundesratsanwärter eine landesweit bekannte Persönlichkeit ist.  

Die Kurs-Bilanz seit dem Stadler-IPO von knapp 9 Prozent plus gibt aber all jenen Recht, die der Aktie damals, im April 2019, keine allzugrossen Kursschancen vorausgesagt hatten. Auch DKSH, das einstige "Asienhandelshaus" und heutiger Marktexpansions-Begleiter, ist nur ein Fünftel mehr wert als bei Börsengang 2012 - der SPI hat seitdem um 123 Prozent zugelegt. Die erfolgreiche Tätigkeit im Fernen Osten hatte so manche Börsianer mehr erwarten lassen, als das Zürcher Traditionsunternehmens vor achteinhalb Jahren aufs Parkett ging. 

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Produzenten- und Importpreis

Produzenten- und Importpreis-Index sinkt im August um 0,4 Prozent

Die Schweizer Grosshandelspreise sind im August nach zwei Monaten mit steigender Tendenz gesunken. Dafür verantwortlich waren in erster Linie tiefere Preise für Produkte aus dem Chemie- und Pharmasektor.

15.09.2020 09:00

Konkret sank der Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise (PPI) im Vergleich zum Juli um 0,4 Prozent auf den Stand von 97,9 Punkten, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Das Preisniveau ging sowohl bei den Importen mit 0,7 Prozent als auch bei den Produzenten mit 0,3 Prozent zurück.

Auf Seiten der Produzenten seien vor allem die günstigeren pharmazeutischen Spezialitäten ins Gewicht gefallen, während auch chemische Grundstoffe und Mineralölprodukte billiger wurden, heisst es weiter. Steigende Preise wurden dagegen für Anstrichmittel, Druckfarben und Kitte sowie Rohmilch beobachtet.

Bei den Importen verzeichneten insbesondere organische Produkte der chemischen Industrie tiefere Preise. Zudem hat das BFS auch für Kunststoffe in Primärformen, Erdöl und Erdgas, Mineralölprodukte und sonstige chemische Produkte tiefere Preise registriert. Teurer wurden dagegen Nichteisen-Metalle und daraus hergestellte Produkte, Roheisen, Stahl, Kunststoffprodukte und Computer.

Starker Rückgang auf Jahressicht

Auf Jahressicht gesehen fällt das Preisniveau des Gesamtangebots von Inland- und Importprodukten um 3,5 Prozent zurück. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist auf Basis der Produzentenpreise ein deutlicher Rückgang der Jahreswerte zu beobachten. Im Januar hatte er bei -1,0 Prozent gelegen, ehe er bis im Mai bis auf -4,5 Prozent sank. Zuletzt zeigte der PPI im Januar 2019 mit +0,6 Prozent eine positive Jahresveränderung.

Der PPI gilt als Vorlaufindikator für die Entwicklung der Konsumentenpreise, da die Kosten der Produktion normalerweise auf die Konsumentenpreise abgewälzt werden. Er hat allerdings deutlich höhere Ausschläge bzw. ist aufgrund der hohen Abhängigkeit von Rohstoffen viel volatiler.

mk/rw

(AWP)

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Schweizer Exporte erholen

Schweizer Exporte erholen sich im August weiter

Die Schweizer Exportwirtschaft hat sich im August weiter vom Coronaschock erholt. Die Ausfuhren stiegen den dritten Monat in Folge an.

17.09.2020 08:32

Im August kletterten sie konkret gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 3,7 Prozent auf 18,33 Milliarden Franken. Real - also preisbereinigt - resultierte ein Anstieg von 2,9 Prozent, wie den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) vom Donnerstag zu entnehmen ist.

Trotz dieser Erholung sind die aktuellen Werte aber noch weit von jenen der Vor-Corona-Zeit entfernt. So hatte die Schweizer Exportwirtschaft davor zum Teil pro Monat Waren im Wert von über 20 Milliarden Franken ins Ausland abgesetzt. Als die Krise eskalierte, sanken die Ausfuhren dann auf gut 16 Milliarden Franken.

Importe rückläufig

Bei den Importen hingegen kam die Erholung im August ins Stocken. Nachdem in den drei Vormonaten zum Teil deutliche Zuwächse resultiert hatten, gingen sie nun um 1,8 Prozent auf 14,91 Milliarden zurück (real: -1,3%). Für die Handelsbilanz ergibt dies einen Überschuss von 3,41 Milliarden Franken.

Hauptverantwortlich für den Rückschlag bei den Importen waren laut den Angaben der Zollverwaltung geringere Einfuhren von Medikamenten und immunologischen Produkten.

Bei den Exporten verzeichneten derweil fast alle Warengruppen einen Anstieg. Aufgeschlüsselt nach Absatzmärkten entwickelten sich die Ausfuhren nach Nordamerika (+14%) und Asien (+10,8%) deutlich dynamischer als jene nach Europa (+1,6%).

rw/jb

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SIX gibt Kaufangebot für

SIX gibt Kaufangebot für italienische Börse ab

Nun also doch: Die Schweizer Börsenbetreiberin SIX hat ein nicht bindendes Kaufangebot für die italienische Börse abgegeben.

Aktualisiert um 08:16

Dies erklärte ein SIX-Sprecher am Donnerstag zu einem entsprechenden Bericht der Zeitung "Corriere della Sera". "Die restlichen Punkte kommentieren wir nicht", sagte er weiter.

Um die Mailänder Börse ist ein Gerangel von Kaufinteressenten entstanden. Denn die Borsa Italiana gehört dem Londoner Börsenbetreiber LSE, der die Tochter verkaufen muss, um von der EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die 27 Milliarden Dollar teure Übernahme des Datenanbieters Refinitiv zu bekommen.

Nun versuchen sich die Interessenten nicht nur über den Preis, sondern auch mit Versprechen bezüglich des zukünftigen Einflusses der italienischen Seite einen Vorteil zu verschaffen. Gegenüber dem "Corriere della Sera" sagte SIX-Chef Jos Dijsselhof laut der Nachrichtenagentur Reuters nun, dass die Schweizer Börsenbetreiberin einen italienischen Partner für die Übernahme der Mailänder Börse begrüssen würde.

Zudem biete die SIX Sitze für die Italiener im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung der SIX an. Man sei bereit, bei der Ausgestaltung der Führungsstrukturen die Interessen der Regierung in Rom und des ganzen Landes zu berücksichtigen, erklärte Dijsselhof in der Zeitung gemäss Reuters.

Charmeoffensive gestartet

Bereits am Wochenende hatte die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Insider berichtet, dass die SIX und die Deutsche Börse in den letzten Tagen eine Charmeoffensive gestartet hätten. Käme die SIX zum Zug, würde die Schweizer Börsenbetreiberin ähnlich verfahren wie bei der kürzlich vollzogenen Übernahme der Madrider Börse Bolsas y Mercados Españoles (BME) im Juni, hiess es in dem Bericht. Man würde der Mailänder Börse also Autonomie gewähren, am Management festhalten und den Namen belassen.

Bis vergangenen Freitag mussten Interessenten ihre Offerte bei der LSE einreichen. Ihren Hut offiziell in den Ring geworfen haben einerseits die Deutsche Börse und anderseits die italienische Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti zusammen mit dem französischen Börsenbetreiber Euronext. Die SIX hatte die seit Tagen kursierenden Gerüchte um eine eigene Kaufofferte für die Mailänder Börse bislang nie kommentiert.

Medienberichten zufolge ist die italienische Börse zwischen 3 und 4 Milliarden Euro wert. Bloomberg hatte bereits am Donnerstag von einem Angebot von Euronext in Höhe von ungefähr 3,5 bis 4 Milliarden geschrieben.

(AWP)

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Die Gewinner und (wenigen)

Die Gewinner und (wenigen) Verlierer einer ungewöhnlichen Aktien-Rally

Seit genau einem halben Jahr erholt sich der Markt von den Kursstürzen, die durch die Coronakrise ausgelöst wurden. Die Gewinner von heute sind aber nicht zwingend die Top-Aktien von morgen.

Aktualisiert um 08:05

Von Marc Forster

Medizin, Digitalisierung und Zukunftstechnologien, Onlinehandel: Die Trends der nächsten Jahre sind gesetzt. Die Aktienentwicklung der vergangenen sechs Monate reflektiert dies nur zum Teil. Aber wie sollte es auch so sein – eine sehr "rationale" Phase haben die Märkte nicht hinter sich.

Blick zurück: 23. März 2020, ein Datum mit Geschichte. Nach fast genau einen Monat brutaler Kursstürze fingen sich an jenem Tag weltweit die Aktienmärkte. Die Höllenfahrt hatte um den 20. Februar begonnen: Zu diesem Zeitpunkt drehte sich die Sorglosigkeit über das Coronavirus, das sich zuerst in Asien ausgebreitet hatte, in Panik.

Der SMI hatte vor dem Sturz 11'270 Punkte erreicht. In den schlimmsten Momenten tauchte er auf 7650 Punkte herunter.

Doch wie es an den Märkten so geht, verflog diese Panik nach einem Monat wieder. Dies, obwohl in jenen Tagen die Infektionen und Todeszahlen hoch waren und die meisten Länder in einem wirtschaftlich verheerenden Lockdown steckten. Der Wiederanstieg der Kurse stellte sich in der Folge so schnell ein, dass eine beträchtliche Zahl von Investoren den Moment zunächst ziemlich verpasste. Im Frühsommer war darum von der "meistgehassten Rally aller Zeiten" die Rede.

Vom Tal der Tränen bewegten sich die Kurse in einen unruhigen Höhenflug. Den inzwischen wieder hohen Kursen wird weitherum misstraut. In einigen Fällen wohl zurecht: Die beste Aktie am Schweizer Markt ist Relief Therapeutics mit einem Kursgewinn von 3806 Prozent. Diese Aktie hat zweifellos einige Aktionäre reich gemacht. Angetrieben worden ist der Kurs von Erwartungen an den Wirkstoff Aviptadil, der sich als gute Behandlung von Corona-Atemproblemen erweisen könnte. Noch sind aber nicht alle Tests abgeschlossen.

Die SMI-Gewinnerin Lonza hat im Prinzip aus demselben Grund stark performt. Der Pharma-Zulieferer arbeitet mit der US-Firma Moderna zusammen, die zu den wichtigsten Entwicklern eines Impfstoffs gegen das Coronavirus zählt. Doch der Lonza-Kurs bewegt sich seit Anfang August seitwärts und hat seit dem damaligen Höchst über 4 Prozent verloren.

Relief hat nach einem spektakulären "spike" Anfang August ein Drittel Börsenwert eingebüsst. Dies zeigt, dass beim Hype um diese Biotechfirma nicht alles auf Nachhaltigkeit beruht. Kaum fundamentale Gründe haben auch die Kurs-Hickhacks von Biotech- und volatilen Technologie-Titeln wie Perfect HoldingMeyer BurgerAchiko oder Newron, die sich im SPI-Ranking in den vordersten oder hintersten Reihen bewegen (siehe Tabelle).

Beim Gesundheitstitel Lonza – ganz im Sinne von Zukunftstrends – sind Aktionäre hingegen weiter gut aufgehoben, aber nicht allein wegen Impfstoffhoffnungen, sondern wegen den generell hohen Qualitäten des Unternehmens. Das Stichwort Qualtät lenkt den Blick auf Titel, die in der Rally im hinteren Drittel des Rankings liegen: Roche (+16 Prozent), Novartis (+12 Prozent) und Nestlé (+11 Prozent) etwa. Somit sind sie nicht die Top-Aktien der grossen Erholung - trotzdem sind sie gut aufgestellt. Oder bestens für das präpariert, was künftig wichtig sein wird. Auch jemand wie Alcon (+24 Prozent) wird dies vielleicht bald sein.

Wer Ende März Aktien kaufte, hat allerdings mit fast allen Titeln der Schweizer Börse Gewinne gemacht. Die gelisteten Repräsentanten der "Old Economy" liefen natürlich auch gut, und das nicht unverdientermassen. Denn eine Erholung der ganzen Wirtschaft aus dem Lockdown-Tief ist notwendig.

Dass Autoneum aus der Krisenbranche Autozulieferung den Wert verdoppelt hat und damit zu den Top Ten der Schweizer Aktien im Sechs-Monate-Rückblick gehört, ist ein gutes Zeichen. Im SMI stehen die wettbewerbsfähigen Zykliker Adecco (+50 Prozent), ABB (+48 Prozent) oder LafargeHolcim (+37,5 Prozent) im oberen Drittel des Kurs-Rankings. Volatil bleibt es im Ausblick trotzdem.

«Old Economy» in der Finanzbranche

Gegenwind hat die Finanzbranche. In der Erholung haben die grossen Banken und Versicherer ihren Kurswert um ein Fünftel bis fast die Hälfe gesteigert. Beobachtet man aber die Kursentwicklung seit Anfang Jahr, bilden diese Finanzkonzerne die zweite Hälfte des Rankings. Die UBS liegt seit Anfang Januar mit knapp 10 Prozent im Minus, Swiss Re um ein Drittel. Dazwischen gruppieren sich Zurich (-14 Prozent), Swiss Life (-22,5 Prozent) und Credit Suisse (-23 Prozent).

Dieses Potenzial steckt jetzt in den Schweizer Tech-Aktien

Der Lack ist ab: Bei den Versicherern mit ihrem Ruf der Solidität ist dieser Eindruck etwas auffälliger als bei den Banken, die ihrerseits seit Jahren viele Kritiker am Aktienmarkt haben. Banken und Versicherer sind zwar ungemein wichtig, aber auch sie werden mehr und mehr als Teil der Old Economy gesehen.

Finanztitel werden nicht attraktiver, nur weil wie vor wenigen Tagen einmal wieder Fusionsgerüchte um die UBS und die CS herumgehen. Sie werden es dann, wenn sie glaubwürdig (und in vernünftigem Mass) Digitalisierungs-Promotoren werden. Oder, wenn sie ihre vielkritisierten Kosten senken und ihre Geschäftsmodelle besser auf die Zukunft ausrichten. Und dafür sind in manchen Bereichen erst Ansätze zu erkennen. 

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Shortseller im Angriffsmodus

Shortseller im Angriffsmodus - Böse Teufel oder gute Engel?

Zuletzt schickten Shortseller vermehrt Aktien von Börsen-Highflyern wie Nikola Motor auf Talfahrt. Die Leerverkäufer haben einen miserablen Ruf. Doch oft erledigen sie einfach das, was Finanzaufseher versäumt haben.

21.09.2020 15:20

Von Henning Hölder

Im Frühjahr 2016 veröffentlichte das Analyse-Haus "Zatarra Research" einen vernichtenden 100-seitigen Bericht über den Zahlungsdienstleister und damaligen Börsen-Highflyer Wirecard. Die konkreten Vorwürfe: Betrug, Geldwäsche und ein grosses Netz von Scheinfirmen, welche die Bilanz von Wirecard künstlich aufblähten. Gleichzeitig wettete man auf fallende Kurse des Zahlungsdienstleisters – mit Erfolg.

Was folgte, war eine öffentliche Empörung über die Machenschaften von Shortsellern. Die Staatsanwaltschaft München und die deutsche Finanzmarktaufsicht (Bafin) nahmen das Analyse-Haus umgehen ins Visier. Vorwurf: Marktmanipulation. Vier Jahre später weiss man, wer Recht hatte: Die Leerverkäufer.

BREAKING: FreightWaves reporting "Trevor Milton has resigned as Executive Chairman of Nikola Motors (NASDAQ: NKLA) and has departed the company effective immediately."

We think this is just the beginning. $NKLAhttps://t.co/vAJYzCCHlB

— Hindenburg Research (@HindenburgRes) September 21, 2020

In diesen Wochen sorgen weitere Shortseller-Attacken für Aufsehen am Markt. In den USA trat jüngst der CEO des Elektro-Start-ups und Tesla-Konkurrenten Nikola Motor, Trevon Milton, zurück. Das Unternehmen befindet sich seit einigen Wochen ebenfalls im Visier von Shortsellern. Es soll Aktionäre und Geschäftspartner in die Irre geführt haben. Die Aktie sackte zweitweise um 40 Prozent ab.

Und auch der deutsche Finanzdienstleister Grenke sieht sich derzeit mit einer Shortseller-Attacke konfrontiert. Die Anschuldigungen hier: Betrug, Geldwäsche, überteuerte Firmenkäufe und Interessenkonflikte. Das Unternehmen verlor zwischenzeitlich über die Hälfte seiner Marktkapitalisierung.

Was hat es mit den Shortseller-Attacken auf sich, warum ist deren Image so schlecht und welche Funktion üben sie am Markt aus? cash beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Wer steckt hinter all den Shortseller-Attacken?

So genannte Shortseller präsentieren sich öffentlich meist als Analyse-Haus oder Research-Unternehmen. Sie halten gezielt Ausschau auf Firmen, bei denen sie Unregelmässigkeiten in der Bilanz oder in der Geschäftstätigkeit vermuten. Anschliessend wird so lange jeder Stein in den Bilanzen umgedreht, bis genügend Unregelmässigkeiten festgemacht wurden, um mit den Vorwürfen glaubwürdig in die Öffentlichkeit gehen kann. Neben Firmen sind auch Währungen oder Staatsanleihen häufig Ziel von Shortsellern. 

2. Was passiert bei einer Shortseller-Attacke genau?

Wenn der Shortseller in seinen Augen genügend Beweise gegen das Unternehmen gesammelt hat, leitet er die Veröffentlichung eines Berichts ein, in welchem all die Anschuldigungen formuliert und begründet werden. Das Ziel: Die Aktie auf Talfahrt schicken. Doch bevor der Bericht publiziert wird, decken sich die Verfasser üppig mit Short-Positionen ein: Das heisst, sie setzen auf fallende Kurse des Unternehmens.

Dafür leihen sich Shortseller grössere Aktienpakete von Dritten, meist von grossen institutionellen Investoren, die viele Aktien des Unternehmens halten. Diese geliehen Aktien verkaufen sie nun am Markt in der Hoffnung, sie zu einem späteren Zeitpunkt - nach der Veröffentlichung des Berichts - günstiger zurückkaufen zu können. Klappt dies, können die ausgeliehen Aktien mit Gewinn – abzüglich einer Leihgebühr – wieder zurück an die institutionellen Investoren gegeben werden.

3. Warum haben Shortseller häufig ein schlechtes Image?

Shortseller ereilt seit langer Zeit ein zweifelhafter Ruf. Teilweise wird Shortsellern vorgeworfen, betreffende Unternehmen oder Währungen als Spielball ihrer Wetten zu benutzen. Unvergessen ist die "Mutter aller Wetten" von George Soros aus dem Jahr 1992. Damals zwang der Star-Investor das britische Pfund und die Bank of England in Knie, indem er auf fallende Kurse des Sterlings wettete - und gewann. Die Bank of England versuchte damals noch vergeblich, durch Milliardenaufkäufe den bröckelnden Kurs des Pfunds zu stützen, was dem Steuerzahler eine zweistellige Milliardensumme kostete. Soros hingegen brachte es einen Milliardengewinn eien - und den Beinamen "The man who broke the Bank of England" ein. 

Hinzukommt, dass grosse Shortseller im öffentlichen Auftreten meist kein Blatt vor dem Mund nehmen und voll in den Angriffsmodus schalten. Auf den Untergang eines Unternehmens zu wetten, klingt im ersten Moment schlicht unanständig. Viele Anleger verurteilen im ersten Reflex Shortseller zunächst als Profiteure von Firmenpleiten.

4. Sind Shortseller reine Zocker am Markt oder ein wichtiges Korrektiv?

An sich gilt: Ungereimtheiten in Unternehmen aufdecken und daran Geld verdienen, ist nicht illegal. Im Gegenteil: Viele Experten sehen Shortseller als wichtiges Korrektiv an den Finanzmärkten, um Kursexzesse nach oben auszugleichen oder betrügerische Firmen möglichst schnell aus dem Markt zu spülen.

Mit anderen Worten: Shortseller nehmen die Funktion eines gnadenloses Finanzaufsehers ein. Bilanzprüfer und Analysten fehlt letzten Endes der Anreiz, unbedingt das eine Haar in der Suppe zu finden, weil sie nicht unmittelbar finanziell davon profitieren. Daher wird oft zu wenig hartnäckig nachgehakt. Das zeigt der Wirecard-Fall exemplarisch.

Letzten Endes können aber natürlich auch Shortseller komplett falsch liegen. Das taten sich auch oft genug. Seit einigen Monaten verzweifeln viele Leerverkäufer an Tesla. Im Februar, als Tesla überraschend positive Zahlen vorlegte, verloren die sogenannten Tesla-Shorties allein an einem Tag rund 1,5 Milliarden Dollar.

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Wo Manager in den letzten

Wo Manager in den letzten vier Wochen aktiv waren

Ausserhalb der Zahlensaison handeln Firmenchefs traditionell weniger oft mit Aktien des eigenen Konzerns. Jetzt, wo sich die Börsen erholen, ist ein Blick auf die Börsengeschäfte der Firmenchefs aber interessant.

21.09.2020 22:05

Von Manuel Boeck

Wenn Verwaltungsräte oder Geschäftsleitungsmitglieder Aktien der eigenen Gesellschaft kaufen oder verkaufen, schauen Investoren meist genauer hin. Die sogenannten Management-Transaktionen müssen in der Schweiz der Börsenaufsicht gemeldet werden und sind bei der Schweizer Börse SIX öffentlich einsehbar.

Management-Transaktionen können für Anleger einen wichtigen Hinweis für die zukünftige Aktienperformance eines Unternehmens bieten. Drücken doch die Manager mit ihren Kauf- und Verkaufsentscheiden möglicherweise die eigene Sicht auf den aktuellen oder zukünftigen Geschäftsgang des Unternehmens aus. Kauft ein Manager Aktien der eigenen Firma, ist dies in der Regel ein positives Zeichen. Ein Verkauf kann als ein negatives Signal gedeutet werden.

Trotzdem sollten Anleger bei der Interpretation vorsichtig sein – besonders bei Verkäufen. Es gibt viele Gründe für einen kurzfristigen Cash-Bedarf: Die Steuerrechnung, eine teure Scheidung oder der Kauf einer Villa. Doch auch Käufe sind trügerisch, decken sich doch gerade neue Manager aus Überzeugung - unabhängig von den tatsächlichen Aussichten - mit Aktien des eigenen Unternehmens ein.

Über Management-Transaktionen lässt sich also genüsslich spekulieren. Der Fantasie stellen sich fast keine Grenzen. Grundlage für eine vollumfängliche Handelsstrategie sind die Management-Transaktionen sicherlich nicht, sie sollten aber bei einer Gesamtbetrachtung miteinbezogen werden.

Schweizer Aktien, bei denen Manager in den letzten vier Wochen besonders auffällige Zu- und Verkäufe getätigt haben:

Kühne+Nagel: Die Aktien des Logistikkonzerns haben sich von der Corona-Krise erholt und stehen auf Jahressicht knapp 8 Prozent im Plus. Sie nähern sich damit einem Bewertungs- und Kursniveau, dass die Aktien letztmals im Januar 2018 erreichten. Es muss nichts heissen, doch es wurden in den letzten vier Wochen Aktienverkäufe im Wert von 5 Millionen Franken bei der SIX gemeldet - werden hier vorsorglich Kursgewinne realisiert?

Performance der Kühne+Nagel-Aktien seit 2017 (Quelle: cash.ch).

Eines oder mehrere Geschäftsleitungsmitglieder haben in einer Transaktion Titel im Wert von 1'862'710 Franken verkauft. Eine oder mehrere "natürliche Personen", die einem Verwaltungsratsmitglied nahestehen, verkauften zweitens in drei Transaktionen Aktien im Wert von 2'650'534 Franken. Und schlussendlich veräusserte ein Verwaltungsratsmitglied Wertschriften im Umfang von 522'864 Franken.

Bei Management-Transaktionen bei Kühne+Nagel kommt sofort immer der Name Klaus-Michael Kühne ins Spiel. Der deutsche Milliardär hält über die Kühne Holding 53,3 Prozent am Logistikkonzern. Händler vermuten, dass Ankeraktionär Kühne zu den Verkäufern in den Transaktionen der vergangenen Monate dazugehört. 

Klar ist, das Unternehmen Kühne+Nagel hatte im Juli überraschend starke Halbjahreszahlen präsentiert. Auf einen Ausblick auf das Gesamtjahr wurde jedoch verzichtet. Verspürt der Logistikkonzern aktuell wieder mehr Gegenwind im internationalen Handel und ist dies der Auslöser für die Aktienverkäufe der Manager? Gut möglich ist jedoch auch, dass der hohe Kursstand einige Manager einfach zu Gewinnmitnahmen verleitete.

Dormakaba: Anfang September vermeldete das Schliesstechnikunternehmen die Zahlen für das per 30. Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 2019/20. Die Zahlen waren corona-getränkt: Umsatzeinbruch von 10 Prozent, der Reingewinn ging um 35 Prozent zurück. Und auf eine Prognose für 2020/21 verzichtete Dormakaba. Stattdessen wurde ein Restrukturierungsprogramm zur Senkung der Kosten vermeldet – Stellenabbau inklusive.

Dieser schlechte Zahlenkranz und die eher düsteren Aussichten hinderten ein Verwaltungsratsmitglied nicht daran, Aktien im Wert von 718'080 Franken zu kaufen. Anscheinend glaubt die im Unternehmen involvierte Person daran, dass Dormakaba auf lange Sicht ein gutes Investment ist und der Kurs ein Aufholpotenzial aufweist - er müsste es ja wissen.

Diese Zuversicht wird von den von Bloomberg befragten Analysten nicht geteilt. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 523 Franken - ein potenzieller Kursgewinn von 3 Prozent. Ein "Buy"-Rating steht acht "Holds" und zwei "Sells" gegenüber. 

Schindler: Für die Periode der letzten vier Wochen stehen genau drei Management-Transaktionen zu Buche – alles Verkäufe. Ende August verkauft ein Geschäftsleitungsmitglied 1200 Aktien im Wert von 288'000 Franken. Kurz darauf zieht ein Verwaltungsratsmitglied mit der Veräusserung von 3171 Aktien im Wert von 337’245 Franken nach. Den Schlusspunkt bildet der Abstoss von 6691 Aktien im Wert von 1'659’368 Franken durch ein Verwaltungsratsmitglied Mitte September. 

Fakt ist: Die Aktien des Aufzugsherstellers Schindler bewegen sich aktuell wieder auf dem Vorkrisenniveau – plus 3 Prozent seit Jahresbeginn. Vielleicht haben einige Schindler-Manager die Gunst der Stunde genutzt und Gewinne mitgenommen. Dies ist kein schlechter Schachzug, wenn man bedenkt, dass die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35,77 eindeutig hoch bewertet ist.

Cosmo Pharmaceuticals: Seit 2017 hat die Aktienperformance von Cosmo Pharmaceuticals nur eine dominierende Farbe: Rot. 2020 könnte dies erstmals wieder anders sein. Die Aktien stehen auf Jahressicht gut 13 Prozent im Plus. Zudem konnte das Pharmaunternehmen bei den Halbjahreszahlen – trotz Corona – ein Umsatzplus und eine Verlustminderung gegenüber der Vorjahresperiode bekanntgeben.

Performance der Cosmo-Aktien seit 2017 (Quelle: cash.ch).

Zufall oder nicht: Die SIX listet vier Verkaufs-Transaktionen im Wert von 2'321'958 Franken innerhalb der letzten vier Wochen auf – alle von Geschäftsleitungsmitgliedern. Ist dies ein Hinweis darauf, dass der Geschäftsgang beim Medtech-Unternehmen im zweiten Halbjahr stagniert oder sich sogar verschlechtert? 

Die Beantwortung dieser Frage bleibt sicherlich bis zu den Jahreszahlen 2020 reine Spekulation. Dass der Eigenbedarf des Geschäftsleitungsmitglieds die Ursache für den Verkaufsentschied gewesen ist, kann nicht ausgeschlossen werden. Dies umso mehr, da die von Bloomberg befragten Analysten noch Aufwärtspotenzial sehen. Ein Analyst von Research Partners versah die Aktien Ende August bei einem "Buy"-Rating mit einem Kursziel von 110 Franken – 28 Prozent Kursgewinnpotenzial.

Pierer Mobility: Etwas unübersichtlich gestalten sich die Management-Transaktionen beim grössten Motorradbauer Europas. Drei Zukäufe stehen einem Verkauf gegenüber. Dabei wurden alle Transaktionen von einer "juristischen Person", die einem Geschäftsleitungsmitglied "nahesteht", getätigt. Dabei handelt es sich vermutlich um die Industriebeteiligungsgesellschaft Pierer Industrie, die etwa 60 Prozent am Pierer Mobility hält und die Firmenchef Stefan Pierer gehört.

Die drei Aktienkäufe haben einen Wert von 3'037'443 Franken. Demgegenüber steht der Verkauf von 100'000 Aktien im Wert von 4'950'000 Franken. Was die genaue Ursache für diese gegenläufigen Transaktionen war, bleibt wie so oft bei Management-Transaktionen im Dunkeln. Eins ist aber sicher: Der österreichische Motorradbauer navigiert gut durch die Corona-Krise – für das zweite Halbjahr peilt das Unternehmen eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr an.

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Nationalrat bewilligt 14,4

Nationalrat bewilligt 14,4 Milliarden Franken für das Bahnnetz

Der Nationalrat ist einverstanden damit, mehr Geld als bisher ins Schienennetz zu investieren. Mit grosser Mehrheit hat er am Montag 14,4 Milliarden Franken für die nächsten vier Jahre bewilligt. Das sind 1,2 Milliarden Franken mehr als bisher.

21.09.2020 18:30

Die zusätzlichen Mittel sollen dazu beitragen, die Verfügbarkeit und die Qualität des Netzes zu verbessern und damit den Bahnverkehr zu stabilisieren. Zudem soll der höhere Bedarf bei Fahrbahn, Bahnhöfen, Sicherungsanlagen, Brücken und Tunnels sowie bei den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes und des Umwelt- und Naturschutzes gedeckt werden.

Mit dem Geld aus dem Zahlungsrahmen 2021-2024 können Bahnunternehmen zum Beispiel Gleisabschnitte, Brücken oder Signalanlagen sanieren. Damit wird die Substanz des Schienennetzes erhalten. Dieses soll aber auch modernisiert und bei Bedarf auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden können.

Hohe Unterhaltskosten

Mit rund 11,5 Milliarden Franken ist der grösste Teil des Zahlungsrahmens für Erneuerungen vorgesehen. Für Betriebsabgeltungen werden rund 2,1 Milliarden Franken eingesetzt. Rund 350 Millionen Franken sind für Optionen und als Reserve für unvorhersehbare Ausgaben vorgesehen. Mit 500 Millionen Franken werden netz- und unternehmensübergreifende Aufgaben finanziert, zum Beispiel bei der Kundeninformation, dem Zugbeeinflussungssystem ETCS oder beim Bahnstrom.

Die Ausgaben für den Betrieb und den Substanzerhalt der Bahninfrastruktur werden vollumfänglich aus dem Bahninfrastrukturfonds (BIF) finanziert. Sie belasten den Bundeshaushalt nicht.

Kürzung abgelehnt

Ein Antrag aus der SVP, den Kredit um rund 500 Milliarden Franken zu kürzen, scheiterte mit 139 zu 50 Stimmen. Benjamin Giezendanner (SVP/AG) hatte argumentiert, der Zustand der Bahninfrastruktur sei gut. Für den Erhalt würden die bisherigen Mittel ausreichen. Giezendanner warnte auch, dass dem BIF wegen der Corona-Krise die Mittel ausgehen könnten.

Die Kürzung sei nicht mit den Vorgaben vereinbar, sagte Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga. Sie warnte auch davor, ausgerechnet in der Corona-Krise Mittel zu kürzen, die zum grössten Teil Schweizer Unternehmen zugute kämen.

Der Nationalrat stimmte auch einen Rahmenkredit von 300 Millionen Franken für Investitionsbeiträge an private Güterverkehrsanlagen in den nächsten vier Jahren zu. Damit soll der Gütertransport auf der Schiene und die Verlagerung des Güterverkehrs durch die Alpen gefördert werden. Dieser Kredit wird nicht aus dem BIF finanziert, sondern über die Mineralölsteuer und weiteren für den Strassen- und Luftverkehr zweckgebundener Mittel.

Beide Vorlagen gehen nun an den Ständerat.

(AWP)

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