Elma AG - die Agonie setzt sich fort

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18.01.2013 23:31
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Elma AG - die Agonie setzt sich fort

Elma AG - die Agonie setzt sich fort


In den nächsten Tagen wird uns die Elma AG, Wetzikon, sicherlich über die Ergebnisse des Jahres 2012 informieren.


Die Umsätze werden sich auf ungefähr CHF 111 Millionen belaufen. Rechnet man die akquisitionsbedingten CHF 2,3 Millionen heraus, so landet man bei ca. CHF 109 Millionen. Die Umsätze liegen damit beachtliche 8% unter Vorjahr (CHF 118 Millionen) und sogar 12% unter denen von 2010 (CHF 126 Millionen). Es geht also jedes Jahr weiter rückwärts!


Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Budget für 2012 ebenfalls CHF 118 Millionen betrug. Sogar das selbstgewählte Nullwachstum (schon per se ein bemerkenswerter Vorgang) wurde somit unter der Leitung von CEO Stephan Bürgin verfehlt.


Da keine wesentlichen Einsparpotenziale gehoben werden konnten, dürfte sich der Gewinn ebenso in sehr überschaubaren Grenzen halten.


Auch in diesem Jahr hat somit der 2007 vom Verwaltungsrat geheuerte CEO - wie bereits in jedem vergangenen Jahr seiner Tätigkeit - zum Frust der Aktionäre alle Ziele verfehlt, die einst vom Präsidenten des Verwaltungsrats, Martin Wipfli von der Baryon AG, angestrebt und veröffentlicht wurden: u.a. CHF 200 Millionen Umsatz und eine jährliche EBIT Marge von 8%.


Insbesondere im Bereich E&C - einst Vorzeige-Produktlinie - gehen die Umsätze weiterhin massiv zurück, da der Umzug nach Rumänien nach wie vor nicht erfolgreich bewältigt wurde und die Geduld der Kunden mit ständigen Verzögerungen und Qualitätsproblemen nun erschöpft ist. Neue Produkte wurden seit Jahren nicht auf den Markt gebracht.


Die beigefügte Karikatur (siehe Seitenende), die schon vor einiger Zeit innerhalb der Elma kursierte, bringt die Dinge sehr gut auf den Punkt.


Ärgerlich sind für uns Aktionäre in diesem Zusammenhang insbesondere drei unbeantwortete Fragen:


1. Warum schaut ein Verwaltungsrat dem glück- und erfolglosen Agieren eines CEO (Stephan Bürgin) über einen derart langen Zeitraum zu, ohne korrigierend einzugreifen?

 

2. Wenn die Zeit des CEO Stephan Bürgin schon nicht ausreicht, die Elma zum Erfolg zu führen, warum genehmigt der Verwaltungsrat ihm dann auch noch eine Nebentätigkeit als Präsident des Verwaltungsrats der Albis Technologies?


3. Wie wird innerhalb der Elma mit fremdem Geld (nämlich dem der Aktionäre) umgegangen?


Während schon das Gehalt des CEO, vor dem Hintergrund der Firmengröße und seiner bisher erzielten „Erfolge“, massiv übertrieben ist, so trifft dies in noch größerem Maße für die Vergütungen des Verwaltungsrats zu.


Hierbei geht es nicht um die zur Zeit so modische Neiddebatte. Es ist Herrn Wipfli zuzustimmen, wenn er für einen aufgeklärten Kapitalismus eintritt, der Gewinnstreben zulässt (Baryon Newsletter Januar 2013). Solch ein aufgeklärter Kapitalismus kann Vergütungen jedoch nur dann rechtfertigen, wenn sie auf Leistung und Erfolg basieren. Vergütungen auf Kosten Dritter, ohne dass Erfolge vorliegen, gehören in den von Herrn Wipfli angeführten Bereich der „blanken Gier“. Hier sollte nicht Wasser predigen, wer selbst Wein trinkt!


Eine neue Studie zu Aufsichtsratsgehältern in Deutschland liefert folgende Vergleichswerte: im Median werden bei Unternehmen mit bis zu EUR 100 Millionen Umsatz Vergütungen von ca. € 15.000 pro Mitglied des Aufsichtsrats gezahlt.


Bei der Elma erhielt das am geringsten bezahlte Mitglied des Verwaltungsrates CHF 53.000, der Präsident (Rechtsanwalt Martin Wipfli) genehmigte sich sogar CHF 85.000 (2011). Solche Vergütungen werden üblicherweise erst gezahlt, wenn ein Unternehmen die Milliardenschwelle im Bereich des Umsatzes - und zwar profitabel - überschreitet. Zudem sind mehr und mehr an den Unternehmenserfolg gekoppelte Vergütungen für den Verwaltungsrat üblich, ein Schritt, zu dem sich das Management der Elma bisher nicht entscheiden konnte.


Natürlich ist bekannt, dass ein Verwaltungsrat nicht unbedingt einem Aufsichtsrat gleichzusetzen ist. Ein Verwaltungsrat ist aktiver in die tägliche Arbeit des Unternehmens eingebunden, und die wöchentlichen Gespräche von Herrn Wipfli mit Herrn Bürgin mögen - insbesondere vor dem Hintergrund des nicht eintretenden Erfolges - schon ein gewisses "Schmerzensgeld" rechtfertigen. Aber eben in angemessener Höhe.


Bei mehr als CHF 2 Millionen, die in den CEO Bürgin investiert wurden (völlig übertrieben, in Relation zu Unternehmensgröße und Erfolg scheint es dem Verwaltungsrat auch hier an Augenmaß zu fehlen, vergleichbare Unternehmen zahlen nach aktuellen Studien ca. 65% dieser Summe, sofern der CEO die vereinbarten Ziele erreicht und erfolgreich arbeitet), und mehr als CHF 1,5 Millionen, die man sich selbst trotz ständiger Zielverfehlung genehmigt hat, muss dem Verwaltungsrat dringend die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und dem korrekten Umgang mit fremdem Kapital - nämlich unserem, dem der Aktionäre, die seit Jahren keine Dividende und kein Kurswachstum sehen - gestellt werden.


In der Schweiz sind die Rechtsvorschriften hierzu eindeutig. So sei auf Artikel 158 des schweizerischen Strafgesetzbuches, Ungetreue Geschäftsbesorgung, verwiesen: „1. Wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen Auftrages oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern zu verwalten oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und dabei unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt wird, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. … Handelt der Täter in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, so kann auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren erkannt werden.“

Hier bleibt die Veröffentlichung des Jahresberichts und die dann mögliche Auswertung der letzten sechs Jahre abzuwarten, um über weitere Schritte nachzudenken.


Für heute möchte ich mit einem Zitat aus dem operativen Bereich schließen, welches die Führungsverhältnisse in der Elma sicherlich treffend charakterisiert:


"Erfolgreiche und weniger erfolgreiche Führungskräfte unterscheiden sich nicht in der Entwicklung von Visionen und Strategien, sondern in deren Umsetzung zusammen mit ihren Mitarbeitenden".


Hoffen wir als Aktionäre auf eine Besserung der Zustände innerhalb der Elma und darauf, dass sich nicht plötzlich einer der großen Investoren zurückzieht, da er in den letzten sechs Jahren selbst auf Omas Sparbuch eine bessere Rendite als bei der Elma erwirtschaftet hätte.


Weitere Analysen dann nach Erscheinen des Jahresberichts.

 

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