ELMA AG - schon wieder schlechte Nachrichten aus Wetzikon

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13.10.2012 19:10
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ELMA AG - schon wieder schlechte Nachrichten aus Wetzikon

Der Quartalsbericht der ELMA AG gibt erneut Anlass zur Sorge - schon wieder wurden alle angekündigten Ziele verfehlt.

Dieser Bericht reiht sich ein in die lange Kette von Misserfolgen in den letzten fünfeinhalb Jahren, welche ja schon im Artikel des Zürcher Oberländers vom 24.08.2012 über die ELMA AG dargestellt wurden.

Lasst uns zurückschauen (Belege für alle Angaben finden sich in den Anhängen):

Im April 2007 hat der heutige VRP, Martin Wipfli von der Baryon AG, die Ziele für die Elma festgelegt und die Aktionäre über diese Ziele informiert.

Wesentliche Kernpunkte waren damals

  • einen Börsenkurs von 900 Schweizer Franken
  • einen Umsatz von 200 mio Schweizer Franken
  • ein EBIT von CHF 17 mio Schweizer Franken
  • eine Dividendenrendite von 2,2 %

innerhalb von höchstens 4 Jahren, also bis 2011, zu erreichen.

 

Zur Erreichung all dieser Ziele wurde Stephan Bürgin als CEO verpflichtet.

 

Wie sieht die Situation zu Beginn 2012 aus:

  • das Umsatzziel wurde um 40% verfehlt. Legt man die so gerne als Ursache für Abweichungen benutzten Wechselkursschwankungen zu Grunde, mindestens noch um 22%.
  • das EBIT-Ziel wurde sogar um 73,5% verfehlt
  • das Unternehmen verlor seit 2008 79 Millionen Schweizer Franken an Marktwert
  • der Börsenkurs liegt bei weniger als der Hälfte des Zielwertes
  • eine Dividendenrendite haben die Aktionäre nie gesehen

 

Kein einziges - kein einziges - der Ziele wurde durch CEO Bürgin erreicht. Auch seine eigenen Einsparziele verfehlte dieser um 66%, wie er kürzlich Studenten mitteilte.

 

Nun noch die Pressemitteilung zum Q3 2012 - es wird noch schlimmer für den CEO, den VRP und die Aktionäre.

 

Die Bilanz nach fünfeinhalb Jahren kann daher nur als desaströs bezeichnet werden. Dafür erhielt der VR Aufwandsentschädigungen in Höhe von 1,5 Millionen Schweizer Franken (2007 bis Anfang 2012). Der CEO erhielt im selben Zeitraum sogar Prämien und strich insgesamt mehr als 2 Millionen Schweizer Franken ein. Die Aktionäre gingen leer aus.

 

Unabhängig von diesen interessanten Tatsachen stellt sich doch die Frage: Worin liegen die Ursachen des Versagens? CEO Bürgin äußert in einem Moneycab Interview im Januar 2011, mit Bezug auf Elma: „Bewegung kommt in die Aktie, wenn sie gehandelt wird. Dies liegt ausserhalb unseres Einflussbereichs.“  Das ist eine für einen CEO fürwahr erstaunliche Einstellung! Hat der CEO von Martin Wipfli nicht einmal die Grundaufgaben seiner Position verstanden? Dass es nämlich exakt seine Aufgabe ist, die Elma so attraktiv werden zu lassen, dass deren Kurs steigt? Alle wichtigen Wettbewerber und der Peergruppenindex haben sich in den letzten drei Jahren deutlich besser entwickelt als die Elma.

 

Was geschah - statt Wachstum und Firmenentwicklung - in den vergangenen fünf Jahren? Nahezu 100% der Führungskräfte und sehr viele Experten haben die Elma teilweise unter haarsträubenden Umständen verlassen. Offiziell werden im März 2012 4 von 9 Tochtergesellschaften von so genannten Stellvertretern geleitet. Die Firmenstruktur der Elma ist durch Neben-, Parallel-, Über- und Unterorganisationen deutlich verworrener als 2007. Divide et Impera - teile und herrsche - mag ja im Mittelalter ein probates Mittel gewesen sein, um sich das Herrschen zu erleichtern. Uns Aktionären nutzt dies wenig, da die Elma auf diesem Wege ineffizient geworden ist. Viele Positionen sind durch zweitklassiges Personal besetzt worden.

 

Bedenklich ist auch, dass eine Strategie nicht erkennbar ist.

 

Zum Artikel im ZOL vom August 2012 lässt sich folgendes sagen:

 

- Missglückte Verlagerung nach Rumänien. Sie kostete 90 Arbeitsplätze in der Schweiz und ist auch nach 5 Jahren nicht gelungen. Gerade die hiervon betroffene Produktlinie (E&C) hat massive Umsatzrückgänge.

 

- Inhaltsleere Darstellung des CFO bezüglich neuer Konzepte. Markige Sprüche („notwendige Härte“, „Widerstände brechen“) helfen wenig, wenn dahinter keine zielführenden Ideen stehen. Warum äußern sich CEO und VRP in dieser kritischen Lage nicht, sondern schicken den CFO vor?

 

- Angeblicher Geldmangel: Dass der Umbau der Elma am Geldmangel gescheitert sei, ist schlichtweg falsch. Die geplanten Maßnahmen waren und sind allesamt nicht investitionsintensiv. Mehr Geld hilft nicht, wenn grundsätzlich überzeugende Konzepte für Kunden und Mitarbeiter fehlen.

 

- Säuberungsaktionen auf allen Managementebenen: Sie sind noch deutlich umfangreicher als im ZOL geschildert, führten jedoch  zu keinen Verbesserungen. Viele Positionen sind heute nur ad interim oder durch weniger qualifiziertes Personal  besetzt. Ergebnis: Die für Veränderungen dringend notwendige Initiative motivierter Mitarbeiter fehlt.

 

- Es fehlen neue Produkte. Die Investitionen in F&E dürften extrem gering sein, an Produktneuheiten ist im Markt nichts zu sehen.

 

- Unverantwortlicher Umgang mit dem Geld der Aktionäre: CEO Bürgin bekommt  trotz  Vernichtung von CHF 79 Millionen Unternehmenswert, 17 Prozentpunkten Eigenkapital und einer Zielverfehlung im EBIT von 73,5% (2011, 2012 absehbar noch schlimmer) ein Gesamtgehalt von CHF 2,17 Millionen seit seinem Start 2007 bis Ende 2011.

 

- Der Verwaltungsrat bedient sich gut an der maroden Elma: CHF 1,51 Millionen genehmigte man sich von 2007 bis Ende 2011. Spielen Dividenden für uns Aktionäre  keine Rolle, so lange man selbst gut versorgt ist?

 

- Der Aktienkurs ist ein Farce. Er steht seit Jahren bei ca. CHF 430, was bei der gezeigten Performance nur durch massive, marktverzerrende Eingriffe möglich sein kann. Der Verbleib in dieser Aktie stellt ein hohes Risiko dar. Bereits vor einigen Jahren, als es Elma noch besser ging, sah Vontobel den realistischen Kurs bei CHF 215 - heute dürfte es deutlich weniger sein. Wer hier investiert bleibt, riskiert wahrscheinlich bis zu 75% seiner Anlage, sobald einer der Großanleger aussteigt. Dieses Risiko existiert zusätzlich zur traurigen Dividenden-Lage.

 

- Es dürfte interessant werden, wie die kürzlich aufgenommenen CHF 10 mio zurückgezahlt werden sollen. Wurden die Gläubiger richtig informiert? Wird das Geld letzten Endes aus den Taschen von Martin Wipfli kommen, denn die ELMA wird es kaum erbringen?

 

- Die Geschichte lehrt, dass Zaudern und Entscheidungsschwäche auf der einen Seite sowie völlig unrealistische Zielsetzungen auf der anderen Seite einem Verwaltungsratspräsidenten und Investor nicht gut anstehen - insbesondere, wenn er bei der gezeigten Performance für nur vier Sitzungen im Jahr ein selbst festgelegtes Gehalt erhält, welches fast das Doppelte des mittleren Einkommens in der Schweiz beträgt.

 

Es wird spannend bleiben, zu beobachten was als nächstes passiert und wie aus der wohl doch deutlich heruntergewirtschafteten Elma wieder ein florierendes Unternehmen werden kann.

 

Weitere Details, wie gesagt, in den Anlagen.

 

 

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