Schweizer Aktien Anlagen im gesamtwirtschaftlichem Zusammenhang

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27.03.2015 16:26
#1
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Goi
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Schweizer Aktien Anlagen im gesamtwirtschaftlichem Zusammenhang

Guten Tag, 

ich lese seit geraumer Zeit in diesem Forum ohne je einmal einen Eintrag selber verfasst zu haben. Bis anhin war es sehr interessant. Danke an alle für die interessanten Diskussionen. Einige Anregungen konnte ich tatsächlich in Geld ummünzen! Und einige Tipps hätte ich im Nachhinein nicht nur belächeln sollen.

ich bin momentan in einigen smi und spi Aktien investiert sowie bei einigen dow respektive Nasdaq Aktien mit dabei.

Vor dem snb entscheid Mitte januar war ich felsenfest überzeugt meine Aktien Positionen langsam aber sicher abzubauen und die Gewinne einzufahren. 

obwohl ich immernoch sicher bin dass die fed im Sommer die Zinsen erhöhen wird, bin ich mir sehr unschlüssig ob meine Aktien in der Schweiz aber auch in der usa verkauft werden sollten?  Was meint ihr?

desweiteren gehe ich davon aus dass Griechenland langfristig nicht in der eu bleiben wird. ein "geordneter" Ausstieg mit schattenwaehrung scheint für mich die einzige Lösung. Außer die griechische links Regierung kann z.b Kredit karten Zahlungen in Griechenland stark fördern und da gleich zB eine Riesen Mehrwertsteuer od. Ähnlich. Einfordern. 

Falls GR aus der Eu Austritt, was sind eure favorisierten Investments?

 

danke und Gruß, 

 

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13.04.2015 15:50
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sarastro hat am 31.03.2015 - 20:12 folgendes geschrieben:

Der andere Einwand, dass es vom 12. bis 15. Jahrhundert zinsfreies Geld existiert haben soll, kann diese ökonomische Aussage ebenfalls nicht widerlegen. Zur damaligen Zeit gab es weder Geld im heutigen Sinne, noch Banken in der heutigen Funktion.

Folgendes noch als Nachtrag zum Themenkreis "Goldenes Mittelalter", also der Zeit von 1100 bis 1399.

http://www.cash.ch/comment/611374#comment-611374

 

02.04.2015 10:19
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Zwei Seiten einer Medaille

MarcusFabian hat am 01.04.2015 - 12:21 folgendes geschrieben:


Im Prinzip ist es einfach nachvollziehbar: Höhere Zinsen bedeuten höhere Zinsbelastung für Private, Hausbesitzer, Unternehmen und den Staat. Somit bleibt für alle weniger frei verfügbares Geld übrig für Konsum und Investitionen und die Wirtschaft geht zurück.

Wie schlimm oder verträglich eine Zinserhöhung ist, hängt dabei von der Höhe der Verschuldung ab.

Höhere Zinsen sind zwar ein Ärgernis für die Schuldner, aber auch ein Vorteil für die Kreditgeber. Das sind Private (z.B. Rentner) und Unternehmen (z.B. Versicherungen).

Zu tiefe Zinsen, wie das gegenwärtig der Fall ist, führen langfristig zu volkswirtschaftlichen Verlusten, weil wertvolles Kapital verschleudert wird. Das schlägt sich auch in tieferen Aktienkursen nieder.

Besonders krass haben es einzelne Staaten getrieben, die über ihre Notenbanken die Zinsen nach unten manipulieren ließen, um unsinnige Ausgaben (z.B. Wahlgeschenke) zu finanzieren. Die Quittung für dieses Fehlverhalten wird schon noch kommen. Die jetzt aktiven Arbeitnehmer werden auch noch staunen, wenn sie einmal in die Rente kommen und feststellen müssen, wie wenig von den jahrelang einbezahlten Beiträgen in die BVG übrig geblieben ist.

02.04.2015 08:04
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Die Nullzinsen sind keine Nullzinsen

Und wenn sie es wären, wäre das auch nicht so schlimm. Historische Erkenntnisse zur Geldillusion und der vermeintlichen finanziellen Repression durch die Staaten und Notenbanken.

 

Was bringt es heute noch, Geld auf dem Sparkonto zu lagern? Nicht viel, würde man meinen, wenn man die aktuellen Zinssätze der Banken anschaut. 0,050 Prozent pro Jahr bietet beispielsweise die Zürcher Kantonalbank. Ab einer halben Million Franken sind es sogar 0,000 Prozent. Richtig, null Komma null null null Prozent: Das Sparbuch wirft also rein gar nichts mehr ab, die Bank wird zum reinen Aufbewahrungsort für das Geld.

Oder lohnt sich das Sparen doch? Oft vergessen geht, dass für Anleger eigentlich nicht die nominalen, sondern die realen Zinsen ausschlaggebend sind – also die Zinsen nach Berücksichtigung der jährlichen Inflation. Diese liegen derzeit über null, wie die obige Grafik zeigt. Dies, weil die Teuerung negativ ist. Die Konsumentenpreise fielen etwa im Februar um 0,8 Prozent. Das heisst, dass beispielsweise 10-jährige eidgenössische Anleihen real nicht 0,1 Prozent pro Jahr abwerfen, so wie es die nominale Rendite suggeriert, sondern eigentlich 0,9 Prozent.

Immer wieder Phasen niedriger Realzinsen

Auch das ist im Verständnis der meisten Sparer zwar nicht wahnsinnig viel. Allerdings ist die Zahl geschichtlich kein Tiefstwert. In den letzten vierzig Jahren gab es immer wieder Phasen, in denen die realen Zinsen zeitweise unter null fielen. So zum Beispiel Ende der 1970er-Jahre und Ende der 1980er-Jahre. Generell lässt sich feststellen: Hohe Realzinsen von 2 Prozent und mehr, so wie sie von den 1990er- bis Mitte der 2000er-Jahre herrschten, sind historisch eher die Ausnahme.

Aktuell betont besonders die Nationalbank, dass Anleger nicht nur auf die nominalen, sondern auf die realen Zinsen achten sollten. Das ist kein Zufall: Die Notenbank steht wegen der Negativzinsen, die sie dieses Jahr eingeführt hat, unter Beschuss. Speziell die Pensionskassen fürchten um ihre Renditen. Wie die SNB allerdings hervorhebt, sind negative Realzinsen gar nicht so selten. In einem Referat platzierte Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg jüngst die folgende Grafik. Sie zeigt, dass die realen 12-Monats-Zinsen auch Mitte der 2000er-Jahre länger unter null lagen.

Dass Wirtschaftssubjekte leicht den Effekt der jährlichen Teuerung übersehen, ist für die Forschung nichts Neues. Ökonomen nennen das Phänomen auch «Geldwertillusion». Diese Täuschung bewirkt etwa, dass Arbeitnehmer auch in Krisenzeiten vielfach keine Lohnkürzungen in Kauf nehmen wollen – obwohl die Inflation dann meist negativ ist. Diese Tatsache gilt unter anderem als Grund dafür, dass die Arbeitslosigkeit im Abschwung unnötig stark ansteigt.

Vermeintliche Repression, vermeintlicher Schaden

Dagegen operiert die Finanzindustrie mit einem eigenen Kampfbegriff. Sie spricht in letzter Zeit wieder vermehrt von «finanzieller Repression» – meist, um Kritik an der lockeren Geldpolitik zu üben. Ein Beispiel ist die Swiss Re: Die Rückversicherung beklagt in einer jüngst erschienenen Studie die hohen Kosten, welche die Quantitative-Easing-Politik der Notenbanken aus den USA und aus Europa für Anleger verursachen. Auch Raiffeisen hat dem Thema diese Woche eine Studie gewidmet.

Problematisch an diesen Untersuchungen ist, dass vielfach alles in einen Topf geworfen wird: die Anleihenkäufe durch die Notenbanken (die zu niedrigeren Anlagerenditen führen), die verschärften Regulierungen (die Banken zum Kauf zusätzlicher Wertpapiere zwingen und so ebenfalls die Renditen schmälern), die Verschuldung der Staaten (die vielfach als eigentlicher Grund für die lockere Geldpolitik gesehen wird). So unterschiedlich der Nutzen dieser verschiedenen Dinge ist, so pauschal operiert die Swiss Re: Sie lässt alles einfach in einen Index einfliessen. Dieser taugt für Propaganda, sagt konkret aber sehr wenig aus.

Wie hätte sich die Wirtschaft ohne die Tiefzinspolitik entwickelt? Was für langfristige Folgen hätte eine restriktive Geldpolitik für die Anlagerenditen gehabt? Inwiefern sind andere Faktoren – wie beispielsweise der technologische Fortschritt oder die Globalisierung, und nicht nur die Politik der Notenbanken und Staaten – für den Rückgang der Inflationsraten und der Anlagerenditen verantwortlich? Solche Fragen bleiben typischerweise unbeantwortet, wenn professionelle Investoren über die sogenannte finanzielle Repression lästern.

Die Unterscheidung zwischen Real- und Nominalzinsen ist nur die offensichtlichste Differenzierung, die dabei unter den Tisch fällt. Vielfach verschweigt die Finanzindustrie auch, dass Anleger gerade in den erfolgreichsten Wirtschaftsepochen «unterdrückt» wurden. Auf diese Tatsache weisen immerhin die Raiffeisen-Forscher hin: Wie sie schreiben, herrschten vom Zweiten Weltkrieg bis in die 70er-Jahre durchschnittlich leicht negative Realzinsen. Die damalige Ära gilt heute als Zeit des Wirtschaftswunders. Das Wachstum war hoch, die Staaten bauten ihre Schulden ab.

tagesanzeiger.ch

Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne!

01.04.2015 12:21
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sarastro hat am 31.03.2015 - 20:12 folgendes geschrieben:

@MarcusFabian

Ganz so einfach, wie es manchmal dargestellt wird, ist das langfristige Investieren in Aktien auch wieder nicht. Naive Börsenregeln stimmen langfristig nicht in jedem Fall (z.B. dass tiefe Zinsen zu höheren Aktienkursen führen).

Absolut einverstanden. Das schreibt ja auch Max Otte in dem Artikel, den Elias weiter oben verlinkt hat.

In einer Boom-Phase kann die Wirtschaft auch in einem Umfeld steigender Zinsen steigen, was sich dann statistisch in der Parallele beider Kurven zeigt. Die Wirtschaft wächst dann aber trotz und nicht wegen der steigenden Zinsen. Wenn man das nicht erkennt und nur auf die Kurven schaut und dann in einem Umfeld einer eher zäh laufenden Wirtschaft die Zinsen erhöht, kann das sehr böse enden.

Im Prinzip ist es einfach nachvollziehbar: Höhere Zinsen bedeuten höhere Zinsbelastung für Private, Hausbesitzer, Unternehmen und den Staat. Somit bleibt für alle weniger frei verfügbares Geld übrig für Konsum und Investitionen und die Wirtschaft geht zurück.

Wie schlimm oder verträglich eine Zinserhöhung ist, hängt dabei von der Höhe der Verschuldung ab.

31.03.2015 20:12
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Hinkende Vergleiche

@MarcusFabian

Ganz so einfach, wie es manchmal dargestellt wird, ist das langfristige Investieren in Aktien auch wieder nicht. Naive Börsenregeln stimmen langfristig nicht in jedem Fall (z.B. dass tiefe Zinsen zu höheren Aktienkursen führen).

Bei der Erläuterung komplexer Zusammenhänge benutze ich manchmal einen Vergleich. Natürlich hinken Vergleiche immer. Somit kann der Vergleich scheinbar widerlegt werden, indem man ihn am Hinkebein aufhängt. Damit sollte aber der Aussage, die mit dem Vergleich erläutert wird, nicht ausgewichen werden.

Was war also meine Aussage? Antwort: Bei zu tiefen Zinsen entstehen volkswirtschaftliche Verluste durch Fehlallokation der Kredite, oder vereinfacht gesagt: Bei zu tiefen Zinsen werden auch unsinnige Investitionen finanziert, was zu volkswirtschaftlichen Verlusten führt. Der ökonomische Hintergrund dieser Erkenntnis sprengt leider den Rahmen eines Internetforums. Der andere Einwand, dass es vom 12. bis 15. Jahrhundert zinsfreies Geld existiert haben soll, kann diese ökonomische Aussage ebenfalls nicht widerlegen. Zur damaligen Zeit gab es weder Geld im heutigen Sinne, noch Banken in der heutigen Funktion.

31.03.2015 16:38
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sarastro hat am 30.03.2015 - 19:31 folgendes geschrieben:

Aber die langfristigen Folgen zu tiefer Zinsen sind schlecht für die Wirtschaft und würden auch den Aktienkursen schaden. Die Begründung meiner Behauptung ist leider nicht einfach. Ich versuche es trotzdem:

Man stelle sich vor, dass alle Zinsen auf 0% gestellt werden, auch die langfristigen Zinsen. Dann könnte jedermann beliebig viel Geld leihen und alles kaufen, was das Herz begehrt.

Ich bin durchaus Deiner Meinung, dass zu tiefe Zinsen schädlich sein können (nicht müssen, aber können). Aber ich sehe andere Begründungen.

Deine Begründung, bei 0% Zins könne man unendlich auf Pump leben hinkt, weil man nur Kredit bekommt, wenn man einen unbesicherten Sachwert als Pfand hinterlegen kann. Bei einem Privatmann oder Unternehmen ist also irgendwann die Kreditdecke erreicht, wenn das letzte Gebäude, die letzte Maschine, das letzte Auto und die letzte Kuh verpfändet sind.
Bei Staaten allerdings sieht es anders aus, die können sich in der eigenen Währung beliebig verschulden. Da gibt es höchstens eine Limite, wenn die eigene Währung durch die zu hohe Verschuldung an Vertrauen und Wert verliert.

Im heutigen kreditbasierten Finanzsystem ist die Gefahr von zu niedrigen Zinsen, dass zu viele Projekte, Unternehmen gestartet werden, die nicht rentieren. Man bekommt in der Folge einen künstliche erzeugten kreditfinanzierten Wirtschaftsboom gefolgt von einem eben so starken Absturz, wenn 9 von 10 neu gegründeten Firmen pleite gehen. Beispiel ist die dotcom-blase vor 20 Jahren.

Eine lange Periode zinsfreien Geldes gab es zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert 300 Jahre lang. Das hat sogar sehr gut funktioniert. Die Wirtschaft blühte und die meisten grossen Kathedralen wurden in dieser Zeit gebaut. Kurzer Auszug aus http://www.mittelalter-gewandung.net/Wochenbote/Wochenbote_Das_Goldene_M... :

Ganze 300 Jahre lebten die Menschen ohne Geldsorgen und Arbeitsdruck. Dies funktionierte nach einem Prinzip des gebührenpflichtigen Geld umtauschs, wobei der Geldbesitzer zweimal jährlich sein Geld dieser Prozedur unter- werfen sollte. Um diese Gebühren zu sparen, konnte das Geld zinsfrei verliehen werden (nur der momentane Besitzer hatte die Gebührenpflicht), wobei auch der Leihende davon profitierte, da ihm so die Zinsen erlassen wurden. Da es durch die Gebührenpflicht langsam "lästig" wurde, Geld zu besitzen, kam es zu weitläufigen Investitionen. Das führte zu einem großen Aufschwung im Handwerk und Kunst.

Im Prinzip also nichts anderes als ein Verschieben der Zinstreppe von links nach rechts:

 

Ob wir dieses System heute wieder einführen können, ist fraglich. Wir hatten damals ein leistungsbasiertes Geldsystem (= Geld wurde durch Leistung erzeugt), heute ein kreditbasiertes Geldsystem (= Geld kommt nur als Kredit auf die Welt).

Die Diskussion darüber ist sicher interessant. Aber ich fürchte, wenn wir sie hier weiterführen, klopft uns Goi auf die Finger, weil wir das Thema "Schweizer Aktien Anlagen" bei weitem sprengen Wink

31.03.2015 16:20
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TeeTasse83 hat am 30.03.2015 - 16:24 folgendes geschrieben:

Daumen Hoch für Dich MF dass du im Rahmen dieser Diskussion beides in den selben Topf wirfst. Sehe beides als gute Park-Position, die Ausprägung wie viel Cash vs.  Gold ist eine Frage des Gustos.

Ich wollte das schon immer mal loswerden: Eigentlich sind Deine und Meine Ansicht gar nicht so weit auseinander wie der Schlagabtausch, den wir uns in den letzten Monaten geliefert hat, vermuten lässt.

Ich gehe einfach in der Definition dessen, was sicherer Cash ist, gemäss dieser Zwiebel einen Schritt weiter:

Dementsprechend ist Zentralbankgeld, Banknoten (violett) sicherer als ein Bankkonto  (hellblau) und Gold sicherer als Zentralbankgeld.


PS: MF, wieso kannst Du keine PMs empfangen? Komisch...
 

Geht doch !? Du hast mir ja auch schon PN's geschickt.

31.03.2015 08:17
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Der langfristige Zusammenhang von Aktienmarkt und Zinsen

Häufig wird davon ausgegangen, dass die Zinsen ein guter Indikator für langfristige und mittelfristige Trends am Aktienmarkt sind. Ich bin dieser Frage genauer nachgegangen.


Im Juni hatte ich bereits einen Beitrag zum mittelfristigen Zusammenhang von Zinsen und Aktienkursen geschrieben. Das Ergebnis war eher ernüchternd - hier.

Heute gehe ich der Frage nach, wie es um den langfristigen Zusammenhang von Zinsen und Aktien bestellt ist. Unlängst schrieb Max Otte in Börse Online Folgendes. „Es ist allerdings hilfreich, sich ein Bild über die grobe langfristige Richtung der Zinsentwicklung zu machen, was auch Warren Buffett so macht.“ Ich dachte, dann mache ich das `mal.

Die Grafik zeigt die Umlaufrendite und den DAX in den letzten 22 Jahren. Die Beschriftung links bedeutet für die Umlaufrendite den Prozentsatz. Der DAX wurde einfach durch 1000 geteilt und ist somit gut mit der Umlaufrendite in einem Chart unterzubringen.


 Zusammenhang von 1991 bis heute

Zunächst ist festzuhalten, dass die Zinsen seitdem fast ununterbrochen gefallen sind. Im gleichen Zeitraum ist der DAX von rund 1400 auf heute 8400 Punkte gestiegen. Der statistische Zusammenhang ist hier eindeutig und beträgt r = -0,61. Man kann sagen: Fallen die Zinsen, steigt auch der DAX.

Das Jahr 1991 ist jedoch mehr oder weniger zufällig gewählt. Wähle ich das Zeitfenster 2000 bis heute, hat sich der DAX seitwärts bewegt und die Zinsen sind trotzdem gefallen. Für diesen Zeitraum beträgt die Korrelation r= -0,06. Ein Zusammenhang ist somit nicht gegeben.

Wendepunkte und Entwicklungen

Des Weiteren ist es möglich, die Entwicklungen von Zinsen und Aktien anhand der Verläufe nach gemeinsamen Wendepunkten zu suchen. Die These dabei ist: Steigen die Zinsen, fallen die Aktienkurse und umgekehrt. Drei Beispiele habe ich herausgegriffen:

  • 1993 / 1994 stiegen die Zinsen und die Aktienkurse tendierten seitwärts
  • Mai 2000 bis April 2003 fielen Zinsen und Aktienkurse Hand in Hand
  • August 2005 bis Mai 2007 steigen die Zinsen – und die Aktienkurse auch

Überzeugend sind die Ergebnise nicht. Pauschal ist also davon abzuraten, Zinsen grundsätzlich als Indikator für die langfristige oder mittelfristige Aktienkursentwicklung heranzuziehen.

Extreme Zinsen haben einen Einfluss

Allerdings zeigt der Chart zwei Dinge. Sind Zinsen sehr hoch, z. B. bei 8% und fallen sie, dann steigen auch Aktienkurse. Das war 1992 / 1993 der Fall. Sind die Zinsen so niedrig wie momentan, scheint das positiv für die Aktienkursentwicklung zu sein. Die tiefen Zinsen haben einen positiven Einfluss auf die Aktienkurse - und das seit 2012.

Auch leichte Zinssteigerungen dürften an diesem positiven Faktor nichts ändern.  

http://www.marketvote.de/aktienmarkt-zinsen

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

30.03.2015 19:31
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Zur Frage der Zinsen

Goi hat am 29.03.2015 - 15:37 folgendes geschrieben:


In den usa werden die Zinsen früher oder später erhöht. Das ist ein Fakt. Für mich heißt dass, das die Aktien Indizes in den usa GEORDNET Fallen werden. Falls nicht werden die Zinsen doch einfach nochmals erhöht bis die Indizes soweit gefallen sind, dass die Wirtschaft das Ereignis verkraftet (restriktive Fiskalpolitik im erträglichen Masse). oder siehst du das anders?

Die Zinsen sind ein komplexes Thema, das im Rahmen eines Forums kaum adäquat diskutiert werden kann. Es ist richtig, dass tiefe Zinsen die Aktienkurse - vorübergehend - stützen. Aber die langfristigen Folgen zu tiefer Zinsen sind schlecht für die Wirtschaft und würden auch den Aktienkursen schaden. Die Begründung meiner Behauptung ist leider nicht einfach. Ich versuche es trotzdem:

Man stelle sich vor, dass alle Zinsen auf 0% gestellt werden, auch die langfristigen Zinsen. Dann könnte jedermann beliebig viel Geld leihen und alles kaufen, was das Herz begehrt. Dieses Schlaraffenland könnte aber aus mehreren Gründen nicht funktionieren. Warum sollte jemand noch arbeiten und Güter produzieren, wenn man anstelle des Lohns das Geld kostenlos borgen kann? Also wären am Ende gar keine Güter mehr zum Kauf vorhanden, weil niemand mehr arbeiten will. Möchte man etwas subtiler argumentieren und tiefe Zinsen in die Überlegungen einbeziehen, müsste man in die Ökonomie einsteigen. Dort kann man (mathematisch) beweisen, dass bei sehr tiefen Zinsen volkswirtschaftliche Verluste entstehen. Es würde viel Geld durch Fehlinvestitionen verschwendet, was auf den Wert der Unternehmungen und damit auch auf die Börsenkurse durchschlagen würde. Die Frage, wo der optimale Zinssatz liegt, ist nicht endgültig geklärt. Auf alle Fälle wäre der ideale Zins nicht Null. Es gibt gute Gründe zur Vermutung, dass der optimale Zinssatz in der Größenordnung des wirtschaftlichen Wachstums liegen könnte.

Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu theoretisch argumentiert habe. Es genügt zu wissen, dass zu tiefe Zinsen für eine Volkswirtschaft schädlich sind und auch die Börsenkurse langfristig drücken würden. Deshalb ist eine maßvolle Anhebung der Zinsen in den USA positiv, trotz vorübergehenden Turbulenzen an den Aktienbörsen.

30.03.2015 15:41
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Goi hat am 29.03.2015 - 15:04 folgendes geschrieben:


Gute Frage, einfache Antwort: Cash is King in nächster Zeit....

 

Ich sehe das ähnlich wie Du: Meiner Meinung nach steht bei Aktien demnächst eine gröbere Korrektur an und somit sollte sich bald eine gute Gelegenheit ergeben, günstiger einzusteigen. Allerdings erwarte ich diese Korrektur schon seit 3 Jahren und somit sind mir Dividendenerträge und Buchgewinne durch die Lappen gegangen.

Was könnte man mit dem Geld anfangen, wenn man nicht in Aktien investieren bzw. damit noch zuwarten will?

Anleihen

Meiner Meinung nach die schlechteste aller Anlagen. Die Zinsen dürften tendenziell eher steigen als sinken und somit würde man mit Anleihen real Verluste erleiden. Ausserdem bieten Anleihen wie auch Cash keinen Inflationsschutz.

Immobilien

Das Thema ist zu komplex um eine allgemeingültige Antwort geben zu können. Immos sind in den letzten Jahren bereits sehr stark gestiegen. Da liegt also auch eine Korrektur drin. Sollten die Zinsen steigen (und damit die Hypothekarzinsen) sinken Immos im Wert. Steigen die Zinsen zu schnell, kann man sogar negative Rendite einfahren, wenn man die Kosten nicht schnell genug über Mietzinserhöhungen weitergeben kann.

Cash, Gold

Somit bleibt eigentlich nur Cash, wobei das kein Investment ist, da Cash keine Rendite liefert. Cash ist also nur geeignet als Parkposition, bis sich eine gute Kaufgelegenheit für Aktien bietet.

Ich selbst halte auch Cash. Allerdings nicht in Währung sondern in Gold, weil ich unserem Finanzsystem nicht mehr über den Weg traue. (Aber das ist eine andere Geschichte).

 

30.03.2015 10:45
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Da habe ich diesen  Morgen  eine interessante, aktuelle  Site gefunden wo von Österreich her die schweizer Aktien genauer angeschaut werden und diesbezügliche Empfehlungen abgegeben werden. Ganz interessant zu sehen, was die Nachbarn sehen:

http://www.boerse-social.com/2015/03/30/schweizer_qualitat_fur_das_depot_-_roche_swatch-group_actelion_michael_gredenberg

Quelle: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2015-03/33251912-schweizer-q...

29.03.2015 17:34
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Hallo Goi

Meiner Meinung nach neigen die Märkte eher zur Unruhe oder zu Korrekturen, wenn Zinsabhebungen drohen, als wenn sie dann wirklich ausgeführt werden. Das war auch klar zu erkennen beim "Tapering" der FED: die Unsicherheit nagte und führte ab Herbst 2013 zu einer Korrektur um die andere, während die Märkte nach Bekanntgabe des klaren Vorgehens wieder begannen, stetig zu steigen.

Zudem - sollte die FED tatsächlich im Juni oder September die Zinsen anheben - dürfte es sich um formale 0.25% handeln, während weitere Schritte wohl - mit schönen Worten wie "patience" begleitet - erst mal weiter hinausgezögert werden. Ich denke, die USA kann sich Zinsen bis zu 2% in den nächsten Jahren unmöglich leisten, der Dollar würde viel zu stark und die Wirtschaft geriete unter unerträglichen Druck. Die Entwicklung muss von der FED wie bis anhin laufend beobachtet und neu interpretiert werden.

Ein Big Player für die Zukunft der Gesamtmärkte stellt natürlich die EZB mit ihrem Quantitative Easing dar, welches zwar (vorerst) auf nicht so lange Zeitdauer angesetzt ist, wie es die FED seit 2008 betrieben hat, aber stattdessen in massiv höherem Volumen.

Nach der Ankündigung der FED, ihr QE zurückzufahren und einzustellen, rechnete man damit, dass die Gesamtmärkte künftig von einer liquiditätsgetriebenen in eine wachstumsgetriebene Phase überlaufen würden.

Die EZB dürfte dieser (gesunden) Veränderung einen Strich durch die Rechnung gemacht haben, und es ist unschwer zu erkennen, dass die Märkte seither nervös, volatil und sehr unsicher reagieren. Niemand weiss, wo diese fortgeführte ultralaxe und währungsschädigende Geldpolitik letztlich hinführen wird - aber es sieht schon jetzt nach einem beginnendem Währungskrieg aus, dessen Auswirkungen in den Gesamtmärkten zu einer Art Hetzjagd wie Zonen- und Sektorenrotationen bei Aktieninvestments, zu Verwerfungen beim Öl- und Goldpreis und weiteren Instabilitäten führen.

Vielleicht sollte man in diesen Zeiten beginnen, sich Gedanken zu machen, wie man sein Geld vor Wertzerfall schützen kann, und sich lösen von dem Gedanken, damit Rendite erzielen zu können.

Ich persönlich habe noch keinen festen Entschlüsse gefasst, aber die Tendenz dürfte dahingehend aussehen, dass ich mich stückweise von den bisherigen Aktien trenne, Cashbestände in USD und CHF aufbaue und ebenso stückweise Qualitätsaktien kaufe an Märkten, die noch relativ billig sind - wie z.B. China, Indien und Russland.

Die europäischen und amerikanischen Märkte mögen noch eine Weile ihr Auf- und Abspielchen weitertreiben oder auch immer neue Allzeithochs erreichen, aber früher oder später ist ein grösserer Rückschlag wohl unausweichlich, ebenso wie ein Wertzerfall der einzelnen Währungen, z.B. infolge starker Inflation.

Grüsse, Tengri

29.03.2015 15:40
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Sarastro natürlich. Sorry..

29.03.2015 15:37
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Hallo Sastro,

 

vielen Dank.

ich bin langfristig investiert. das heißt ich gerate wegen einem downturn nicht in Panik sondern bleibe investiert, möchte aber einen gegenläufigen langfristigen Trend über Jahre nicht mitmachen. Warum sollte ich?

In den usa werden die Zinsen früher oder später erhöht. Das ist ein Fakt. Für mich heißt dass, das die Aktien Indizes in den usa GEORDNET Fallen werden. Falls nicht werden die Zinsen doch einfach nochmals erhöht bis die Indizes soweit gefallen sind, dass die Wirtschaft das Ereignis verkraftet (restriktive Fiskalpolitik im erträglichen Masse). oder siehst du das anders?

Ja Griechenland selber wird ein non Event, aber dass Zeichen an alle anderen EU Länder ist das Problem. Ohne die Signalwirkung hätte die EU die Griechen doch schon längst zum Austritt gedrängt?

Danke ung Gruß, 

29.03.2015 15:04
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Hallo Marcus,

erst mal mal fühle ich mich doch ein wenig geehrt, dass  ich von Dir eine Reaktion kriege. Seit ich hier mit lese schätze deine Beiträge wirklich sehr. 

Gute Frage, einfache Antwort: Cash is King in nächster Zeit....

Ein Auge bleibt aber z.b auf Kupfer, US obligationen, oder eine Zweitwohnung. Ist sicher nicht mein Haupt Fokus aber eine gute Chance für ein kleines Engagement. vieleicht hast du einen besseren Vorschlag wo ich meine Investments aufbauen sollte?

heute glaube ich auch es ist von Vorteil einen längerfristigen approach zu fahren (war früher nicht immer so). dass heißt Aber nicht dass ich einen langfristigen Trend mitmachen muss. Wenn die wirtschaftlichen Vorzeichen wie heute stehen und sich Ein langfristiger Trend anbahnt, sollte man über Alternativen nachdenken (ist ähnlich bei z.b gold) oder nicht? 

Gruss 

28.03.2015 03:24
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@Goi,

Angenommen Du entscheidest Dich, die Aktien zu verkaufen. Was würdest Du mit dem Erlös tun?

 

28.03.2015 00:05
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Versuch einer Antwort

Hallo Goi,

ein wichtiger Gesichtspunkt fehlt für eine vernünftige Antwort: Wie lange gedenkst Du dein Geld an der Börse für Dich arbeiten zu lassen? Wenn Du einfach nur kurzfristige Gewinne mitnehmen möchtest, kannst Du jederzeit verkaufen.

Mit SMI- bzw. SPI-Aktien und amerikanischen Titeln wärest Du aber langfristig sehr gut aufgestellt. Beim SNB-Entscheid zur Abschaffung der Euro/Franken-Grenze hat sich bereits gezeigt, dass dieses Ereignis von den Börsen schnell verarbeitet wurde. Die Normalisierung der Zinsen in den USA kann kurzfristig zu einer Korrektur an den Börsen führen. Die Aktienkurse werden vielleicht über ein halbes Jahr gedrückt, aber langfristig spielt das keine Rolle. Ich glaube eher, dass eine Anhebung der Zinsen auf das Niveau des Wirtschaftswachstums die Aktienkurse stützen wird (weil werden weniger Fehlinvestitionen getätigt werden). Der absehbare Kollaps von Griechenland ist vergleichbar mit der Pleite Argentiniens, d.h. kurzfristiger Börsensturz im Euro-Raum. Langfristig wäre das aber belanglos, besonders bei schweizerischen und amerikanischen Aktien.