SMI im Februar 2012

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03.02.2012 21:09
#1
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SMI im Februar 2012

 

Zunächst der Rückblick auf den Januar: Ich schrieb:Rein auf den Januar 2012 bezogen besteht noch keine Gefahr. Die Stimmung ist gut bis hervorragend und da Ende Dezember jeweils die Pensionskassen-Einzahlungen erfolgen, die in den ersten 2 Wochen des neuen Jahren von den PK dann verlocht - pardon: investiert - werden müssen, dürften die Kurse noch bis Mitte Januar steigen. In bezug auf den SMI stimmte das recht exakt: Das Monatshoch wurde just am 18.1. erreicht (bei Dow Jones am 24.1.).  Zusammenfassung der Januar-Performance:  Bei Dow und SMI also im Wesentlichen ein Nullsummenspiel. Der DAX ist die Ausnahme, weil hier die Geldspritze der EZB im Wert von €500 Mrd. per 22. Dezember noch nachwirkt. Schliesslich muss so viel Geld erst mal angelegt werden, auch wenn nur ein geringer Teil der halben Billion in Aktien fliesst. Nichts desto trotz muss man erstaunt konstatieren, dass die Preisanstiege am Aktienmarkt unter aussergewöhnlich niedrigem Volumen über die Bühne gehen. So richtig scheinen sich die Banken also nicht zu trauen. Abgesehen vom DAX verlief der Januar also börsenmässig wie erwartet. Es gab auch keine besonderen Überraschungen.  Was uns im Februar bewegtSchweiz:Nach den erwähnten 500 Mrd. QE-Massnahmen der EU und einer logischer Weise folgenden Abwertung des Euro gegenüber dem Franken, steht nun eine weitere Franken-Abwertung kurz bevor, denn die von der SNB anvisierte Untergrenze von 1.20 ist beinahe erreicht. Und schliesslich wollen wir doch unseren Franken gemeinsam mit dem Euro in "alternativloser" Solidarität mit unseren europäischen Brüdern und Schwestern in den Abgrund reiten. Oder etwa nicht? :shock: Europa:Focus ist immer noch Griechenland. Da wird sich demnächst wohl entscheiden, ob ein Schuldenschnitt von 70+% den Staatsbankrott noch ein wenig aufschieben kann. Interessant ist, dass die Banken offenbar nun doch dem Schuldenschnitt zustimmen. Überraschen kann das nicht, denn schliesslich hatten die Banken nun 2 Jahre lang Zeit, ihre Griechenlandpapiere der EZB zu verkaufen. Wer aber nichts mehr im Depot hat, kann leicht für einen Schuldenschnitt plädieren.Etwas kritischer sieht es für Hedge-Fonds aus, die einerseits Griechische Staatsanleihen im Depot haben, andererseits aber via CDS auf den Bankrott Griechenlands wetten.Sie sind eigentlich in einer Win-Win-Situation.Beispiel:Ein Hedge-Fonds hat sich griechische Anleihen im Nominalwert von €100 für €30 auf dem Ramschpapier-Markt gekauft. Gleichzeitig hat er sich für weitere €30 CDS-Versicherungen gekauft, die ihm im Falle eines Bankrotts Griechenlands die Anleihen in voller Höhe von €100 ersetzen.Wird Griechenland nun gerettet und zahlt seine Schulden zu 100%, bekommt der HF €100, für die er €60 investiert hat.Geht Griechenland bankrott, bekommt er von seinem CDS-Gegenpart die €100. In beiden Fällen springt also ein Gewinn von 66.6% raus. Nicht schlecht!Das einzige Problem, das HF's haben besteht nun darin, dass es zu einem freiwilligen Schuldenschnitt kommt. Denn nun haben ihre Anleihen nur noch einen Wert von €30 (bei 70% Schuldenschnitt) und die CDS-Versicherung wird nicht bezahlen, weil ja der Schnitt freiwillig war.Das zweite Problem: Wären die CDS-Versicherer im Falle eines Griechenland-Bankrotts auch in der Lage, die Versicherungssumme zu bezahlen oder gehen sie dann auch Konkurs? Eine spannende Frage, die aber im Moment noch keinen Einfluss auf die Bücher der HF's hat. Die Bilanzen sind derzeit noch in Ordnung. Neben Griechenland steht nun auch Portugal vermehrt in den Startlöchern, der nächste Schuldenkandidat zu werden. Vermutlich warten die Portugiesen aber nur darauf, dass Griechenland seinen zweiten Schuldenschnitt bekommt. Dann werden sie wohl auch einen für sich einfordern. Wink Derweil kristallisiert sich heraus, dass Deutschland noch als einziges Euro-Land in der Lage ist, günstige Kredite aufzunehmen, um die angeschlagenen Staaten mit billigem Geld zu versorgen. Frankreich geht derzeit eher den Weg Richtung PIIGS. Wird Deutschland dem Druck nachgeben und sich somit selbst in Solidarität mit den übrigen Euro-Staaten in den Abgrund verschulden?Die Situation kommt mir vor wie: "16 Wölfe und 1 Lamm diskutieren darüber, was es heute zum Abendessen gibt." Der demokratische Entscheid mit 16:1 dürfte wohl "Lammbraten" lauten. Wir wird sich Deutschland dem Druck, es zur Schlachtbank zu führen, widersetzen?  USA:Hier ist die Situation etwas weniger klar: Wir haben einerseits eine offiziell sinkende Arbeitslosigkeit ...(U1 bis U6 von unten nach oben. Offizielle Arbeitslosenzahl ist U3, grün) andererseits einen kleiner werdenden Anteil der Bevölkerung an der Arbeitnehmerschaft ... Aus den USA erwarte ich demnächst ein QE3, wenn auch wahrscheinlich unter anderem Namen.Der Grund: Die USA dürften den Dollar gegen Euro schwächen wollen, um ihrer Exportindustrie einen Vorteil zu verschaffen. Das Spielchen kennen wir ja mittlerweile, denn schliesslich schwächt ja auch die Schweiz den Franken mit derselben Begründung. Abgesehen davon ist Wahljahr und somit wird wohl alles unternommen, um den Schein noch ein bisschen länger zu wahren und die Dose weiter die Strasse runterzukicken. Vermutlich werden zu diesem Zweck auch die hauseigenen Rating-Agenturen zurückgepfiffen und angewiesen, Europa bis auf weiteres in Ruhe zu lassen. Ist dann erst mal QE3 in aller Munde und der Markt so richtig fett short im Dollar, werden wieder neue Nebelkerzen in Richtung Europa abgefeuert und die Rating-Hunde von der Leine gelassen. Aber das alles passiert nicht im Februar alleine. Höchstens das QE3. Aussichten FebruarAn den Märkten rechne ich mit Seitwärtsbewegung bis leichter Abschwächung von vielleicht 3%. Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass weder von den USA noch EU eine weitere Billionen-Geldspritze folgt. Entsprechend auch eine Konsolidierung bei den Edelmetallen in den nächsten 2 Wochen, gefolgt von neuen Anläufen auf die magischen $1762 bei Gold.  Happy Trading Marcus

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28.02.2012 16:07
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MarcusFabian hat am 23.02

MarcusFabian hat am 23.02.2012 - 18:36 folgendes geschrieben:

Elias hat am 23.02.2012 - 14:19 folgendes geschrieben:

Ich nehme an, dass die Rezession in den 90er Jahren (das verlorene Jahrzehnt) bei dir auch keine war.

Bei mir persönlich sicher nicht. Als Informatiker habe ich in den 90ern ja Boomjahre erlebt.

Die Schweizer Wirtschaft ist, wenn man insbesondere auch die Binnenkonjunktur anschaut, in einem starken und soliden Zustand. Das ist auch der Unterschied zum Zeitraum Anfang der 90er-Jahre. Damals hatten wir auch eine Phase mit einem starken Franken. In der Schweiz platzte eine Immobilienblase. Die Schweizer Wirtschaft fiel in eine Rezession. Die Bauwirtschaft lag darnieder. 1993 glaubte man, die Rezession überwunden zu haben. Dann wurde der Franken sehr stark. Das führte dazu, dass die Schweizer Wirtschaft praktisch während der gesamten Neunziger kaum mehr vom Fleck kam. http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/107235/

Einer von vielen Artiekln zum Thema.

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23.02.2012 18:36
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Elias hat am 23.02.2012 - 14

Elias hat am 23.02.2012 - 14:19 folgendes geschrieben:

 

Ich nehme an, dass die Rezession in den 90er Jahren (das verlorene Jahrzehnt) bei dir auch keine war.

Bei mir persönlich sicher nicht. Als Informatiker habe ich in den 90ern ja Boomjahre erlebt.

Interessanter Artikel von gestern in der NZZ.

Auch wer ihn nicht lesen mag (obschon lesenswert!) interessant ist der Chart ganz unten: Dow Jones mit den markierten diversen QE-Programmen. 

23.02.2012 14:19
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MarcusFabian hat am 23.02

MarcusFabian hat am 23.02.2012 - 14:01 folgendes geschrieben:

Wie gesagt: Wir hatten 2000/01 eine Rezession. Nach allen gängigen Definitionen.

es gibt unterschiedliche Definitionen. Siehe obiger Link

Nach 1993 nahm die Kurzarbeit kontinuierlich ab, um dann in den Rezessionsjahren 2002 und 2003 wieder anzusteigen. Seite 59 http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/22/publ.Document.1...

 

Ich nehme an, dass die Rezession in den 90er Jahren (das verlorene Jahrzehnt) bei dir auch keine war.

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23.02.2012 14:01
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Wie gesagt: Wir hatten 2000

Wie gesagt: Wir hatten 2000/01 eine Rezession. Nach allen gängigen Definitionen.

23.02.2012 13:50
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MarcusFabian hat am 23.02

MarcusFabian hat am 23.02.2012 - 12:56 folgendes geschrieben:

Elias hat am 23.02.2012 - 08:13 folgendes geschrieben:


So ein Nonsens. Keine Ahnung, wo du damals warst, dass du es vergessen hast, aber mir ist diese Zeit sehr gut Erinnerung

Wie gesagt: Es gab 2000 eine Rezession. Aber nur eine kleine, weil sie sofort von Greenspan mit Geld zugeschüttet wurde.

Rot-Grün geht mit Rezession ins Wahljahr 2002

Doch trotz aller sprachlichen Drehungen und Wendungen: Deutschland steckt in der Rezession. Seit Donnerstag ist das amtlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft. Schon für das zweite Quartal hatten die Statistiker nur eine "rote Null" ausgewiesen. Die Definition von Rezession - zwei Quartale mit schrumpfendem BIP - ist damit erfüllt.

 

Ein weiterer Beitrag zum Thema Reszession

Nach 9/11 (anno 2001) standen weltweit die Flieger erst am Boden. Die Swissair dann noch etwas länger.

 

Unterschiedliche Definition einer Rezession, siehe http://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=rezession%20schweiz&source=web&cd=...

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23.02.2012 13:47
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Das EUwelttheater macht

Das EUwelttheater macht wieder einmal auf Rezessionsterror. Zeitpunkt für Trader zum Einsteigen?

Mich würde es nicht wundern, wenn nächste Woche die gegenteilige Theorie propagiert wird.

:mamba:

 

Aber jedenfalls sollte man sicher den heimischen Herd auch berücksichtigen:

http://www.cash.ch/news/topnews/uebernahmen_schweiz_kaempft_mit_usa_um_spitze-1138416-771:hi:

 

 

Emil

23.02.2012 12:56
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Elias hat am 23.02.2012 - 08

Elias hat am 23.02.2012 - 08:13 folgendes geschrieben:


So ein Nonsens. Keine Ahnung, wo du damals warst, dass du es vergessen hast, aber mir ist diese Zeit sehr gut Erinnerung

 

Wie gesagt: Es gab 2000 eine Rezession. Aber nur eine kleine, weil sie sofort von Greenspan mit Geld zugeschüttet wurde.
Konkretes Beispiel: In Rezessionen nehmen die Autoverkäufe stark ab, weil die Menschen Angst um ihre Zukunft, ihren Job haben und entsprechend die alte Karre noch ein paar Jahre weiter fahren. Ist dann die Rezession vorbei, steigen die Autoverkäufe kurz über das Vor-Rezessions Niveau, weil jetzt auch die alten Autos ersetzt werden, die längst überfällig sind. 
Das sieht dann so aus:

Das ist für 1982 noch schöner zu beobachten als für 1991.
2000 brachen trotz Rezession die Autoverkäufe kaum ein. Warum?
Du kannst Dich sicher noch an die 0%-Autokredite und andere Massnahmen erinnern, die dazu geführt haben, dass die Umsätze nicht einbrachen. Das war nur mit dem billigen Geld der Fed möglich. Man hat damals den "Maestro" Alan Greenspan hoch gelobt, weil er die Rezession beendet hat. Man hat gefeiert, dass das Instrumentarium der Zentralbank offenbar ausreicht, jede Rezession im Keim zu ersticken. Dass es nie mehr Rezessionen geben würde ... usw.

Im Nachhinein wird man in den Geschichtsbüchern wohl festhalten, dass es besser gewesen wäre, die notwenige Bereinigung (und nichts anderes als das ist eine Rezession) 2000/01 zuzulassen statt neue, grössere Blasen aufzubauen. Der Einbruch 2008/09 wäre sicher schwächer ausgefallen, wenn bereits 2001 eine Bereinigung stattgefunden hätte.
 

23.02.2012 08:13
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MarcusFabian hat am 22.02

MarcusFabian hat am 22.02.2012 - 20:01 folgendes geschrieben:

Elias hat am 22.02.2012 - 18:00 folgendes geschrieben:

nach 2000 gab es keine Rezession?

Richtig. Es gab keine Rezession bzw. nur eine sehr sehr schwache, weil die FED genügend Pumpenkohe eingeschossen hat, um die Immo-Blase aufzubauen.

So ein Nonsens. Keine Ahnung, wo du damals warst, dass du es vergessen hast, aber mir ist diese Zeit sehr gut Erinnerung

Einer von vielen Artikeln aus dieser Zeit:

Aktuelle Lage: Deutschland und die Welt im Abschwung

Der Abschwung in Deutschland und in den anderen westlichen Industrieländern hat sich im Jahr 2001 fortgesetzt. Die USA befinden sich seit dem März in der Rezession; auch in Japan geht die Wirtschaftsleistung seit dem Frühjahr zurück. In Westeuropa kam die Expansion im Sommerhalbjahr 2001 nahezu zum Stillstand; in Deutschland fällt das reale Bruttoinlandsprodukt seither. Zum ersten Mal seit der ersten Ölkrise der Jahre 1973/74 befinden sich die drei wichtigsten Industrieländer gleichzeitig in der Rezession.

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Benjamin Franklin

22.02.2012 20:01
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Elias hat am 22.02.2012 - 18

Elias hat am 22.02.2012 - 18:00 folgendes geschrieben:

nach 2000 gab es keine Rezession?

 

Richtig. Es gab keine Rezession bzw. nur eine sehr sehr schwache, weil die FED genügend Pumpenkohe eingeschossen hat, um die Immo-Blase aufzubauen.

 

Elias hat am 22.02.2012 - 18:00 folgendes geschrieben:

Jetzt wird es nicht mehr in Konsum und Immo-Pump.verwendet, jetzt ist das Geld für eine Hausse verantwortlich. Nicht für irgendwelche Umschuldungen.

Man hat es schon wieder vergessen; Die Banken trauten sich gegenseitig nicht mehr, es drohte die Kreditklemme.  Jetzt kriegt Griechenlang Milliarden.

Sieh auch http://www.cash.ch/comment/460775#comment-460775

Richtig, dass die derzeitige Pumpenkohle nicht mehr für den Immo-Pump verwendet wird. Genau so, wie auch die Pumpenkohle nach 2000 nicht mehr für die Dotcoms verwendet wurde.

Die aktuelle Pumpenkohle fliesst in marrode Staatsanleihen und ebenso marrode Banken und bläst zu Lasten der Steuerzahler und Aktionäre deren Schulden auf.

Irgend wann wird auch hier die Rechnung präsentiert werden. Und sie wird uns nicht erfreuen Wink

 

22.02.2012 18:00
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MarcusFabian hat am 22.02

MarcusFabian hat am 22.02.2012 - 16:30 folgendes geschrieben:

Elias hat am 22.02.2012 - 15:59 folgendes geschrieben:

Im Fall der USA begann die Gelddruckerei aber bereits im November 2000. Bei der SNB lange vor 2009.

So richtig erst ab November 2002. Das war der Termin, als Ben seine berüchtigte "Helikopter-Rede" hielt.

Aber richtig: ab 2000 hat Greenspan die Zinsen gesenkt, die Märkte mit Geld geflutet, um die notwendige Rezession, die sich aus dem Platzen der Dot-Com-Blase ergeben hätte, zu verhindern.

 

2002 war wegen  9/11

 

MarcusFabian hat am 25.05.2006 - 14:48 folgendes geschrieben:

Im Fall der USA begann die Gelddruckerei aber bereits im November 2000 und hat nicht allzuviel gebracht. Eine Rezession konnte bisher nur hinausgeschoben werden und das Geld, das eigentlich für Investitionen gedacht war ist im Konsum auf Pump, Immobilien auf Pump und Aktien gelandet.

nach 2000 gab es keine Rezession?

Jetzt wird es nicht mehr in Konsum und Immo-Pump.verwendet, jetzt ist das Geld für eine Hausse verantwortlich. Nicht für irgendwelche Umschuldungen.

Man hat es schon wieder vergessen; Die Banken trauten sich gegenseitig nicht mehr, es drohte die Kreditklemme.  Jetzt kriegt Griechenlang Milliarden.

Sieh auch http://www.cash.ch/comment/460775#comment-460775

 

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22.02.2012 17:28
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ein weiterer Grund, wenn

ein weiterer Grund, wenn nicht der wichtigste sind die Währungen! Du solltest diese Charts Währungsbereinigt vergleichen!

...Dow Jones 10% vom Allzeithoch entfernt bei einem um 30% oder so schwächeren USDollar!

22.02.2012 17:24
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Murthag hat am 22.02.2012 -

Murthag hat am 22.02.2012 - 16:52 folgendes geschrieben:

Mögliche Gründe?

 

In erster Linie folgender:

Der Smiley wird in Franken bewertet. Der Doof Jones in Dollar und das Fabeltier in Euros.
Ergo macht es Sinn, sich auch den Wert, der jeweiligen Währungen anzuschauen. Und da sehen wir klar, dass der Dollar und Euro gegen den Franken rund 20% an Wert verloren haben. 

Das ist auch einer meiner wichtigen Punkte, obschon ich diesen Punkt weiter oben nicht angesprochen habe: Die Kaufkraft der Währung!
Es ist nämlich relativ einfach, eine nominale Steigerung der Aktienmärkte zu erfahren, wenn gleichzeitig die Währung, in der diese Aktien bewertet werden an Wert verliert.
Ein Extrembeispiel wäre der Index des Simbabwe-Aktienmarktes während der Hyperinflation Simbabwes.
Vielleicht (Phantasiebeispiel) ist der Aktienmarkt in Simbabwe um 1'000'000% gestiegen. Das klingt auf den ersten Blick genial und super. Aber was nützt das, wenn der ZWD gleichzeitig um 2 Mio % an Wert verliert?

Deshalb betrachte ich den Dow Jones gerne in Gold, weil ich somit den Dollar ausklammern kann und den realen Wertgewinn oder Wertverlust des DJ sehe:

So betrachtet wird klar: Der DJ ist seit dem Jahr 2000 überhaupt nie mehr gestiegen. Er hat nur nominal in Dollar zugelegt, weil der Dollar entwertet wurde.

Noch brutaler formuliert: Was nützt es Dir, wenn der SMI bei 10 Millionen steht und ein Liter Benzin 1 Million kostet?

22.02.2012 16:52
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DJ / DAX / SMI

Kleine Frage zur Entwicklung des DJ / DAX / SMI:

In der Beilage seht ihr die Entwicklung der Indizies DJ (schwarz) DAX (hellblau) und SMI (blau).

Als Referenzdatum habe ich den 09. März 2009 gewählt und somit den Tiefpunkt der drei Indizies während der globalen Wirtschaftskrise.

Es ist auffalend leicht zu erkennen, dass der SMI seit diesem Punkt massiv weniger an Punkten zugelegt hat gegenüber den beiden anderen Indizies. Dies trotz der vergleichsweise sehr guten Ausgangslage gegenüber dem EU-Mitgliedsstaat Deutschland (Bürge der PIIGS) und den massiv verschuldeten Vereinigten Staaten. Die Verschuldungskrise trübt auch die Aussichten für die Schweiz, aber meiner Meinung nach haben wir bereits viele andere Absatzmärkte für fast alle Branchen und somit eine Diversifikation die uns etwas stabiler dastehen lässt. Deshalb frage ich mich ob diese Entwicklung der beiden nicht Schweizer Indizies wirklich nachhaltig ist. In früheren Jahren hat der SMI gegenüber den beiden anderen recht gut performt, deshalb mein Erstaunen über die momentane Entwicklung.

Mögliche Gründe?

- Schlechte Aussichten für den Finanzplatz Schweiz
- Hohe Gewichtung der defensiven Pharmawerte

Eine kleine Anmerkung noch, der Dow Jones ist weniger als 10% von seinem Allzeithoch entfernt, in kleinen Schritten hat er sich mittlerweile bis zur 13'000 Marke heraufgearbeitet.

Wäre interessant eure Meinungen hierüber zu lesen.

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22.02.2012 16:41
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Karat1 hat am 22.02.2012 - 16

Karat1 hat am 22.02.2012 - 16:12 folgendes geschrieben:

Insbesondere ist für mich schwer verständlich, dass Staaten und Organisationen die eigentlich gar kein oder nur ungenügend "eigenes" ... Geld haben, mit Milliarden anderen Staaten unter die Arme greifen können.

Und im Anschluss daran gibt es eine zweite Frage, die Du Dir stellen müsstest:
Wie ist es möglich, dass hoch verschuldete Staaten, die kein Geld haben und ihre Schulden laufend erweitern müssen Banken retten, um dann genau bei jenen geretteten Banken Kredit aufzunehmen?

Also wer hat jetzt Geld? Die Staaten nicht, denn sie brauchen ja Kredite von den Banken. Und die Banken auch nicht, sonst müssten sie nicht gerettet werden.

Die Antwort ist eben so einfach, wie erschreckend: Es funktioniert nicht! Es funktioniert im Moment scheinbar, weil die Zentralbanken einfach neues Geld drucken und somit die Schulden der Staaten und Banken erhöhen und die Zeit bis zur Abrechnung hinausschieben.

Dem Otto Normalverbraucher, der logisch denken kann, sagt sein gesunder Menschenverstand, dass das nicht ewig gut gehen kann. Aber in den meisten Fällen ist er nicht in der Lage, den Finger auf die Wunde zu legen und exakt festzuhalten, wo genau was nicht stimmt. Er spürt nur, dass "irgend etwas faul ist". Und damit hat er recht.

Wer sich mit der Historie beschäftigt hat, weiss, was bisher immer passiert ist, wenn der Staat die Notenpresse anwirft.

Aber das Thema haben wir ja in den letzten Jahren zur Genüge ausdiskutiert. Die Fakten liegen seit langem auf dem Tisch (bzw. in diesem Forum) und es liegt nun an jedem einzelnen, welche Konsequenzen er für sich persönlich zieht.

22.02.2012 16:30
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Elias hat am 22.02.2012 - 15

Elias hat am 22.02.2012 - 15:59 folgendes geschrieben:


Im Fall der USA begann die Gelddruckerei aber bereits im November 2000. Bei der SNB lange vor 2009.

So richtig erst ab November 2002. Das war der Termin, als Ben seine berüchtigte "Helikopter-Rede" hielt.

Aber richtig: ab 2000 hat Greenspan die Zinsen gesenkt, die Märkte mit Geld geflutet, um die notwendige Rezession, die sich aus dem Platzen der Dot-Com-Blase ergeben hätte, zu verhindern.

Das hat soweit die Immobilienblase angeheizt, die 2007 geplatzt ist. Es folgte die Subprime-Krise und in ihrem Schatten 2008 die Finanzkrise, bei der der Konkurs von Lehman Broth. und Bear Stearns Symptom aber keineswegs der Auslöser war.

Wurde also 2000 das Platzen der Dot-Com-Blase durch das weitaus grössere Aufblähen der Immobilienblase übertüncht, passierte ab 2009 im Prinzip etwas ähnliches: Das Platzen der Immobilienblase wurde durch das viel grössere Aufblähen der Anleihen- und Schuldenblase überdeckt, das wir derzeit rundum auf dem ganzen Planeten bewundern dürfen.

Und die Frage, die ich hier - wie eine Schallplatte mit Sprung - seit 2009 immer wieder stelle und diskutiere lautet: "Was passiert, wenn dereinst die Anleihen- und Schuldenblase platzt?". Denn ich sehe keine Chance, die 90-Billionen-Dollar-Blase mit einer noch grösseren Blase zu überfluten.

 

 


Elias hat am 22.02.2012 - 15:59 folgendes geschrieben:

Die ursprüngliche Frage war eigentlich: was soll man tun, wenn man jetzt Aktien besitzt. Das du nicht auf Aktien setzen würdest, kam für uns alle aus heiterem Himmel. Damit hätte wohl niemand gerechnet. 

Da sich seit 2009 - oder wie Du richtig anmerkst seit 2000 - nichts in bezug auf Aktien, Gelddruckerei etc. geändert hat (auch wenn die Blase seit 2009 eine neue ist), hat sich auch in meiner Haltung gegenüber Aktienbesitz nichts verändert. Als langjähriger Leser ist Dir das ja auch bekannt.

Ich gebe zu, dass ich die Fähigkeit Greenspans übersehen habe, die notwendige Rezession ab 2000 mit Gelddruckerei zu fluten und eine enorme liquiditätsgetriebene Hausse 2003-2007 im Aktien- und Rohstoffmarkt auszulösen. Entsprechend war ich auch 2003 noch bärisch auf Aktien und habe lieber auf Gold gesetzt. Bereut habe ich es allerdings nicht, denn Gold hat seither um einiges besser performt als Aktien.

Denn das ist die Kehrseite der Medaille bei der Gelddruckerei: Die gedruckte Papier-Währung sinkt im Wert gegen die un-inflationierbare Hartwährung Gold. Das wird auch so bleiben, solange die Gelddruckerei weitergeht (und genau danach sieht es aus).

Ich werde also nicht Dir - oder Karat oder einem anderen Aktienbesitzer - zu liebe Aktien zum Kauf empfehlen, solange die aktuell sich aufbauende Schulden- und Anleihen-Blase nicht geplatzt ist und sich ein neues, stabiles Finanz- und Geldsystem etabliert hat. 

 

 

22.02.2012 16:12
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Super Antwort!

marcus,


besten Dank für die umfassende und verständliche Antwort. Schön wie man ein so komplexes Thema auf 2,5  A4-Seiten erklären kann.


Jetzt muss ich aber selber entscheiden, welchen Überlegungen ich mich anschliessen kann oder sollte und dann handeln. Aber selbst wenn ich mich für das Richtige entscheide, könnte es falsch heraus kommen. Ganz so einfach ist halt die Lage im Moment nicht. Aber ich bin wie Du auch der Meinung, dass sich die Risiken für Aktien, aus vielerlei Gründen in den letzten Wochen eher negativ weiter entwickeln. Insbesondere ist für mich schwer verständlich, dass Staaten und Organisationen die eigentlich gar kein oder nur ungenügend "eigenes" (damit meine ich erarbeitetes)  Geld haben, mit Milliarden anderen Staaten unter die Arme greifen können. Bestimmt haben die Griechen schon längst keine Haare mehr unter den Armen, da ihnen schon so oft unter die Arme gegriffen wurde.


Karat

22.02.2012 15:59
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MarcusFabian hat am 22.02

MarcusFabian hat am 22.02.2012 - 15:36 folgendes geschrieben:

Nochmals: Finanzkrise - Einbruch bei allem von Aktien bis Rohstoffen - Danach die diversen Gelddruckprogramme, um die Deflation zu verhindern (= Reflation).

Anstiege der Preise von Anleichen, Aktien, Rohstoffen fällt also nicht zufällig mit den QE-Programmen und Rettungsaktionen der diversen Zentralbanken zusammen. Sondern wurden genau durch diese Rettungsprogramme (aka Liquiditätsspritzen, Gelddruckerei) aufgefangen. Das und nichts anderes ist meine Aussage.
Soweit einverstanden?

Im Fall der USA begann die Gelddruckerei aber bereits im November 2000. Bei der SNB lange vor 2009.

Der SMI steckt nicht in einer Hausse. Die Marke von 6968 aus dem Jahr  2010  wurde nicht mehr erreicht.

Die ursprüngliche Frage war eigentlich: was soll man tun, wenn man jetzt Aktien besitzt. Das du nicht auf Aktien setzen würdest, kam für uns alle aus heiterem Himmel. Damit hätte wohl niemand gerechnet. Smile

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22.02.2012 15:36
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Elias hat am 22.02.2012 - 14

Elias hat am 22.02.2012 - 14:57 folgendes geschrieben:


Du meinst den SMI-Bottom im März 2009? Ich lach mich tot.  

 

Bitte nicht. Wäre schade um Dich Wink

Nochmals: Finanzkrise - Einbruch bei allem von Aktien bis Rohstoffen - Danach die diversen Gelddruckprogramme, um die Deflation zu verhindern (= Reflation).
Anstiege der Preise von Anleichen, Aktien, Rohstoffen fällt also nicht zufällig mit den QE-Programmen und Rettungsaktionen der diversen Zentralbanken zusammen. Sondern wurden genau durch diese Rettungsprogramme (aka Liquiditätsspritzen, Gelddruckerei) aufgefangen. Das und nichts anderes ist meine Aussage.
Soweit einverstanden?
 

 

22.02.2012 14:57
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MarcusFabian hat am 22.02

MarcusFabian hat am 22.02.2012 - 14:18 folgendes geschrieben:

Elias hat am 22.02.2012 - 14:02 folgendes geschrieben:

Beim Gold und Platin vielleicht, aber wenn das eine Aktie-Hausse sein soll, wie nennt man es dann, wenn die Kurse mal wieder richtig steigen?

Vielleicht sind wir uns über den Zeitrahmen nicht einig?
Ich spreche von der Zeit 2009 bis heute. Genauer März 2009, als die Gelddruckerei von der FED eingeläutet wurde. Seither ist ja so ziemlich alles gestiegen: SMI +50%, Gold +100%, Kupfer +200% (ungefähre Werte) ...

Du meinst den SMI-Bottom im März 2009? Ich lach mich tot.  Wenn ich einen Peak zum Vergleich heranziehe, muss ich auf deine Sprüche jeweils nicht lange warten.

SMI +50% ist ja eine noch nie dagewesene Hausse

 Börsenlexikon: HaussePositive Marktentwicklung

Unter Hausse versteht man an der Börse, dass sich ein Marktsegment, ein Teilbereich oder der gesamte Börsenmarkt mittelfristig bis langfristig in einer positiven Entwicklung befindet. Die Kursenwerte steigen kontinuierlich, jedoch nicht kurzfristig, was eher als freundliche Kursentwicklung bezeichnet wird.

 

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Benjamin Franklin

22.02.2012 14:18
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Elias hat am 22.02.2012 - 14

Elias hat am 22.02.2012 - 14:02 folgendes geschrieben:

Beim Gold und Platin vielleicht, aber wenn das eine Aktie-Hausse sein soll, wie nennt man es dann, wenn die Kurse mal wieder richtig steigen?

 

 

Vielleicht sind wir uns über den Zeitrahmen nicht einig?
Ich spreche von der Zeit 2009 bis heute. Genauer März 2009, als die Gelddruckerei von der FED eingeläutet wurde. Seither ist ja so ziemlich alles gestiegen: SMI +50%, Gold +100%, Kupfer +200% (ungefähre Werte) ...

22.02.2012 14:02
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MarcusFabian hat am 22.02

MarcusFabian hat am 22.02.2012 - 13:37 folgendes geschrieben:

Langer Rede, schwacher Sinn: Wir haben in erster Linie eine liquiditätsgetriebene Hausse!

Beim Gold und Platin vielleicht, aber wenn das eine Aktie-Hausse sein soll, wie nennt man es dann, wenn die Kurse mal wieder richtig steigen?

 

Schwache China-Daten bremsen Kupfer-Anstieg

(Reuters) Die Erholung des Kupfer- Preises hat am Mittwoch an Schwung verloren. Nach seinem zweieinhalbprozentigen Plus des Vortages stagnierte das Industriemetall bei 8450 Dollar je Tonne. «Angesichts der schwachen chinesischen Konjunkturdaten wird es für Kupfer schwierig, seine Rally fortzusetzen», sagte Analyst Ker Chung Yang von Phillip Futures. Ein anderer Börsianer betonte, vor März sei nicht mit einer anziehenden China-Nachfrage und damit auch wieder steigenden Preisen zu rechnen.

 

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

22.02.2012 13:37
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@Karat,

Wichtig sind zwei Fragen:

1. Wie weit kann der SMI noch steigen?
2. Wie tief kann der SMI fallen?
Entsprechend muss man für beide Fälle auch die Eintrittswahrscheinlichkeit abschätzen. Und dazu kommt man nicht darum herum, Fundamentaldaten zu berücksichtigen und die drei Faktoren, die die Märkte treiben.

Unter normalen Umständen (z.B. 80er, 90er Jahre) war der für Investments verfügbare Geldtopf einigermassen stabil. Das heisst, er ist leicht, im Zuge der Teuerung, der Inflation der Geldmenge gestiegen. Was bedeutete, dass es Konkurrenz zwischen den Aktien um Anlegerkapital gab. Oder in grösserem Zusammenhang: Dass es Konkurenz gab zwischen dem Aktienmarkt, dem Anleihenmarkt und dem Rohstoffmarkt. Immobilien lasse ich mal aussen vor, denn Immos sind ein Langfrist-Investment und nicht etwas, das man von heute auf morgen verkauft.

Wir hatten deshalb normaler Weise die Situation, dass z.B. die Aktienmärkte gestiegen, dafür Rohstoffe und Anleihen gesunken sind. Oder - wenn die Inflationserwartung hoch war - die Rohstoffe gestiegen und Aktien- und Anleihenmärkte gesunken sind. usw.

Seit einigen Jahren gilt dieses Spiel nicht mehr. Sowohl Anleihen als auch Aktien und Rohstoffe steigen parallel. Das kann eigentlich nicht sein. Aber es ist so. 

Und warum ist das so? Weil die Geldmenge steigt. Weil viel Liquidität in die Märkte gepumpt wird, die irgendwo angelegt werden muss. 

Langer Rede, schwacher Sinn: Wir haben in erster Linie eine liquiditätsgetriebene Hausse!
Die Liquidität ist derzeit der wichtigste Faktor für die Aktienpreise. Die anderen beiden Faktoren, Fundamentaldaten (wie viel Gewinn macht die Firma, welche Gewinnaussichten hat sie) und die Marktpsychologie spielen eine untergeordnete Rolle. Sie sind schon auch noch wichtig aber sie sind nicht mehr die #1 bei der Bestimmung der Aktienpreise.

Daraus ergibt sich im Umkehrschluss die Überlegung: Wird die Liquiditätsausweitung weiter gehen oder aufhören. Und entsprechend die klare Ansage: Wird die Liquidität weiter erhöht, steigen auch die Aktienpreise weiter, stagniert oder schrumpft die Ausweitung der Geldmenge, werden Aktien im Preis sinken.

Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Inflation der Geldmenge weiter gehen wird. Die USA und GB inflationieren bereits ungeniert seit 2009, die EZB erst so richtig hochoffiziell seit Dezember 2011 mit den knapp €500 Mrd. LTRO. Per Ende Februar wird ja bekanntlich LTRO 2 mit einem Umfang von geschätzten €1000 Mrd. erwartet und ist bereits zum Teil in den Aktienpreisen eingepreist. 

Bis daher ist es also ein Casino: Man kann long spekulieren in der Annahme, die EZB sponsort mehr als 1 Billion oder short in der Annahme, es werden weniger als 1 Billion. Mit fundamentalen Überlegungen hat das bis hier her nichts zu tun.

Soweit zur Liquidität. Aber werfen wir auch noch einen Blick auf wirtschaftliche Fundamentals und die aktuelle Marktpsychologie.

Fundamental kriegen wir unterschiedliche Signale:
Einerseits kommen erfreuliche Signale aus den USA: Die Immobilienpreise stabilisieren sich wieder. Auch in GB. Die Arbeitslosigkeit steigt nicht mehr weiter. Die offizielle Arbeitslosenrate ist am sinken. Aber noch viel wichtiger: Die "Workforce" (= Anteil der Amerikaner zwischen 15-65 Jahren mit Arbeit) stabilisiert sich. Also fallen auch weniger Langzeitarbeitslose aus der Statistik.

Andererseits die Unsicherheiten in Europa: PT, ES, FR, IT sind in einer Rezession. Griechenland ohnehin. Somit stellt sich die Frage, wie es mit Deutschland weitergeht, denn D exportiert 38% seiner Produkte in die genannten Länder und wenn die am schrumpfen sind, kann man erwarten, dass sie weniger importieren werden. Entsprechend hätte eine Rezession in D unmittelbar Auswirkungen auf die CH.

Die Marktpsychologie ist derzeit (s. auch Eröffung dieses Threads) auf Rekordhoch, was impliziert, dass die Stimmung nicht viel besser werden kann aber sehr viel Potenzial nach unten hat. Die Stimmung lautet derzeit zusammengefasst: "Die Wirtschaft erholt sich, die Banken schreiben wieder hohe Gewinne, die Problematik um Griechenland ist oder wird gelöst. Alles wird gut."

Im Moment werden viele Gefahren ausgeblendet. Als da wären:
* Portugal, Spanien, Italien sind ebenfalls hoch verschuldet und sind auf Hilfe aus Nordeuropa angewiesen.
* Frankreich steht derzeit auf der Kippe zwischen Zahler und Empfänger von Euro-Mitteln, ...
* ... was schlussendlich dazu führt, dass Deutschland als einziges grosses EU-Land noch günstig Kredit aufnehmen kann. So richtig Geld hat Deutschland ja auch nicht. Und Deutschland wird sich weigern und auch nicht in der Lage sein, nach Griechenland nun auch PT, ES, IT und FR zu "bailouten".
* Greift Israel den Iran an und der Iran antwortet mit einer Sperre der Strasse von Hormuz, kann sich der Ölpreis gut auf $200 verdoppeln. Dann steigt die Rezessionsgefahr schlagartig weltweit.

Des weiteren besteht immer noch die Möglichkeit, dass die Zinsen ab aktuellem Rekordtief steigen. Würde das Zinsniveau von aktuell um 2% auf 4% steigen, was immer noch weit unter dem historischen Schnitt der letzten 100 Jahre liegt, würden Aktien entsprechend um mindestens 50% nach unten korrigieren.

Brutal auf den Punkt gebracht:

Wir haben ein positives Überraschungspotenzial, das darin besteht, dass die EZB mehr LTRO2 als erwartet ausschüttet und entsprechend die Aktienmärkte um 10-15% nach oben treiben könnte.

Wir haben andererseits sehr viel negatives Überraschungspotenzial, das die Märkte 50% oder mehr nach unten treiben könnte.

Kurz: Das Chancen-Risiko-Verhältnis ist mir im Moment zu heiss als das ich in Aktien investieren würde.

 

22.02.2012 11:46
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Karat1 hat am 22.02.2012 - 11

Karat1 hat am 22.02.2012 - 11:23 folgendes geschrieben:

Ich möchte mich deshalb mal hier im Forum umhören, ob jemand einer ähnlichen Situation ist wie ich, eine gute Strategie hat. Oder einfach wie er sich selber in der aktuellen Lage verhält. Interessieren tun mich vor allem die Meinungen von Praktikern, also von Selbstbetroffenen!

Ich möchte meine Titel spätestens bis Ende März auf Verfall Mai verschreiben (Short-Call). Meine Absicht is es, die Prämie und die Dividende zu kassieren. Der DJ ist nahe bei 13'000, der Dax bei 6'800 und der SMi dümpelt bei 6'200. Ich hoffe auf einen Anstieg des SMI.

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

22.02.2012 11:23
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MarcusFabian hat am 03.02

MarcusFabian hat am 03.02.2012 - 21:09 folgendes geschrieben:


Aussichten Februar
An den Märkten rechne ich mit Seitwärtsbewegung bis leichter Abschwächung von vielleicht 3%. Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass weder von den USA noch EU eine weitere Billionen-Geldspritze folgt. 
Entsprechend auch eine Konsolidierung bei den Edelmetallen in den nächsten 2 Wochen, gefolgt von neuen Anläufen auf die magischen $1762 bei Gold. Happy Trading.Marcus

@marcus und Selbstbetroffene


Langsam aber sicher traue ich der "Lage" nicht mehr. Meine 3 "konservativen" Aktien aus dem SMI (Roche, Novartis und Swisscom) geben weiter nach.


Die allg. Unsicherheiten an den Finanz- und Schuldenfronten verunsichern die Anleger und auch mich immer mehr. Was ist von der "Scheinlösung" in Griechenland zu halten? Bin tendiere immer mehr zur Ansicht, dass das Griechenlandproblem nur temporär gelöst ist. Was Griechenland fehlt sind die Möglichkeiten, nun von diesem Schuldenschnitt wirklich zu profitieren und die Basis für einen Umschwung ihrer bisherigen Politik zu legen. Wirtschaftlich wird sich in Griechenland kaum was ändern und wenn doch, kann das realistischerweise Jahre dauern. Europa hat ja genug mich sich selber zu tun und kann den wirtschaftlichen Aufschwung (Arbeitsplätze, etc.) kaum oder nur wenig unterstützen. Ohne dass es in Griechenland aber wirtschaftlich vorwärts bzw. aufwährts geht, wird sich nichts bessern. Viele Griechen haben aber mit dem Schuldenverzicht und der gewaltigen Finanzspritze Hoffnung auf eine bessere Zukunft geschöpft. Diese Hoffnung wird sich aber vermutlich nicht bestätigen. Im Gegenteil, die Griechen laufen Gefahr in ein neues Loch, in eine Depression zu fallen. Das wird zu Chaos und Unruhen und zu innenpolitischen Unruhen führen.


Anderseits haben die übrigen hoch verschuldeten EU-Länder wie Italien, Spanien, Portugal nun Morgenluft gewittert und schielen ebenfalls auf Finanzspritzen und Schuldenverzichte! Aber von Bankenseite wird das wohl kaum goutiert werden. Auch in Italien, Spanien und Portugal schwächelt die Wirtschaft. Die Arbeitslosenzahlen steigen. Beides zusammen ein hoch explosiever Mix und Krawalle, politische Unstabilität und Depression!


Lösungen sind, obwohl sich tausende von Leuten in den verschiedensten Organisationen, mit der Verwaltung dieser Probleme (keinen Plan für Lösungen) beschäftigen, keine wirklich in Sicht.


Diese Unsicherheit und diese Ratlosigkeit sind aber für die Akteinmärkte reines Gift. Dies zeigt sich auch an den täglich abbröckelnden Aktienkursen.


Ich kann die Probleme natürlich auch nicht alleine lösen, obwohl ich das gerne tun würde. Was ich machen kann, ist zu versuchen,  für mich die richtigen Rückschlüsse aus den aktuellen Problemen und der sich immer mehr abzeichnenden Unwegsamkeiten in der unmittelbaren Zukunft, zu ziehen.


Ich überlege mir nun ernsthaft meine 3 SMI Top-Werte zu verkaufen um höheren Schaden zu verhindern. Mach ich es nicht jetzt, könnte ich sein, dass ich in ein paar Wochen wieder zum Langfristanleger werde und dann Verluste auszusitzen habe. Andernseits würden sich mir nach einem sofortigen Verkauf und nach weiteren Rücksetzer die Chance bieten die 3 Titel wieder deutlich günsiger einzukaufen. Dieses Vorgehen beinhaltet aber auch die Gefahr, dass ich dann zu gegebener Zeit den richtigen Wiedereinstiegskurs erwische. Das ist ja oft das Problem, dass man die ersten grösseren Kursanstiege verpasst, weil man der "Sache" doch noch nicht so richtig traut.


Ich möchte mich deshalb mal hier im Forum umhören, ob jemand einer ähnlichen Situation ist wie ich, eine gute Strategie hat. Oder einfach wie er sich selber in der aktuellen Lage verhält. Interessieren tun mich vor allem die Meinungen von Praktikern, also von Selbstbetroffenen!


Karat

22.02.2012 09:10
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Zwingli vo Züri hat am 21.02

Zwingli vo Züri hat am 21.02.2012 - 14:06 folgendes geschrieben:

Guten Tag, ich war eine Zeit lang abwesend und bisher nur Zuleser. Als ich mal wieder MFs schlaue Posts lesen wollte, war alles ganz anders und der mir sehr wichtige monatliche SMI-Fred wird nicht mehr bespielt. In welchen Freds schreibt MF denn nun am meisten? MF, auch an dich persönlich vielen Dank für zahlreiche spannende Einsichten.

 

Gruss von Zwingli

Hallo Zwingli,

Den SMI im Monat X gibt es eben nicht nur hier sondern auch hier:

SMI im Februar 2012

Mfg swiss-stocks Wink

21.02.2012 18:01
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VSt

back in black hat am 21.02.2012 - 14:17 folgendes geschrieben:

gibt es irgendwo eine Auflistung der verrechnungssteuerfreien SMI/SPI Titeln?

Vielen Dank

das gibt es in diesen Segmenten m.W nicht !

(ähmmm, doch diejenigen ohne Dividenden Clapping )

21.02.2012 15:02
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Zwingli vo Züri hat am 21.02

Zwingli vo Züri hat am 21.02.2012 - 14:06 folgendes geschrieben:

In welchen Freds schreibt MF denn nun am meisten?

Überall dort, wo interessante Fragen auftauchen. Es richtet sich also nach den Usern, was im Moment am meisten brennt, wo gepostet, gefragt wird etc.

 

 

21.02.2012 14:17
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Wer kann mir helfen

gibt es irgendwo eine Auflistung der verrechnungssteuerfreien SMI/SPI Titeln?

Vielen Dank

21.02.2012 14:06
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Marcus Fabian

Guten Tag, ich war eine Zeit lang abwesend und bisher nur Zuleser. Als ich mal wieder MFs schlaue Posts lesen wollte, war alles ganz anders und der mir sehr wichtige monatliche SMI-Fred wird nicht mehr bespielt. In welchen Freds schreibt MF denn nun am meisten? MF, auch an dich persönlich vielen Dank für zahlreiche spannende Einsichten.

 

Gruss von Zwingli

09.02.2012 15:11
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KIM
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9. Februar 2012, 14:45, NZZ

9. Februar 2012, 14:45, NZZ Online

Griechische Parteien einigen sich auf SparprogrammZusätzliche Einschnitte als Voraussetzung für weitere internationale Rettungshilfen 

(Reuters) Die griechischen Koalitionsparteien haben sich auf ein Abkommen über neue Spassmassnahmen verständigt. Das teilte das Büro von Ministerpräsident Lukas Papadimos in Athen mit. Die überparteiliche Einigung auf zusätzliche Einschnitte ist eine Voraussetzung für weitere internationale Finanzhilfen für das von einer Staatspleite bedrohte Land. (Mehr folgt.)

 

 

PS... es wird ja angeblich erst am Abend in Brüssel über das 130 Milliarden Euro  Hilfsprogramm für Griechenland entschieden

 

 

"Börsenerfolg ist eine Kunst und keine Wissenschaft."
André Kostolany
 

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