Opportunitätskosten / Verlustaversion / Warten auf Godot

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Elias
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Opportunitätskosten / Verlustaversion / Warten auf Godot

 

Opportunitätskosten ist die Bezeichnung für diejenigen Kosten oder besser den entgangenen Nutzen, die/der durch den Verzicht auf eine Alternativanlage entstehen.

Sie fallen auch mir immer wieder an, wenn ich zu lange auf ein Ereignis warte. Ich lasse mich dann auch von irgendwelchen Nachrichten einlullen. Letztmals ist mir das mit dem Dollar passiert. Am Ende resultiert schon ein numerischer Gewinn, aber das war eher ein Pyrrhussieg. Wenn man die Opportunitätskosten einrechnen würde, war es ein Verlust

Bei einigen Aktien-Threads hier im Cash-Forum trifft man immer wieder auf diese Durchhalteparolen, die mich an „Warten auf Godot“ erinnern. Je länger es dauert, desto absurder wird es. Aber man hat jetzt schon so lange zugewartet.... Auf kritische Anmerkungen reagieren die Strategen oft gereizt. Man kauft trotzig wieder eine Portion dazu.

Wir stehen vor grossen Umwälzungen. Da sollte man auch ganze Strategien überdenken

 

gertrud
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Stichwort?

Elias hat am 08.08.2017 10:20 geschrieben:

 

Wir stehen vor grossen Umwälzungen. Da sollte man auch ganze Strategien überdenken

 

Werd Deinem Alias "Elias" dem Propheten noch etwas gerechter und gibt das Finanzmarktstichwort zu diesen Umwälzungen dazu. Und wenn Du Dich exponieren traust, auch den Zeitplan dazu.
Historisch, aus meiner Zeit wären das, beginnend in den 90ern chronologisch: Ende Zinsinsel CH, Asienkrise, Dot.com Blase, Subprime US, Euro Krise. 
Jedes von diesen Ereignissen, 12 Monate antizipiert, hätte zu riesigen Gewinnen geführt.

Zu den Opportunitätskosen: Das muss jeder selber für sich entscheiden. Grad kürzlich war mal wieder das Zitat von Buffett zu lesen: "Kaufe keine Aktie, die Du nicht 10 Jahre halten würdest." So gesehen kann heute jemand NWRN, EVE oder WIHN kaufen, und immer wieder nachkaufen, und sich dabei als kleiner Buffett fühlen. Bis er dann in einigen Jahren kapiert, dass Buffett nicht explizit diese Kategorie von Aktien gemeint hat. Aber hier im Forum sind sie halt die meistdiskutierten. Ganz nützlich, mal das Forum nach den meistzitierten Aktien zu sortieren. Da kommt aus den Top 25 nicht viel raus wo es wert gewesen wäre, in den letzten Jahren dabeizusein.

Ich halt seit je her einen hohen Cash Bestand, aktuell sehr hohe 36%. Das kostet etwa 1% oder schmälert die Performance auf den anderen 2 Dritteln um 0.5% p.a. Für mich stimmt das so.
Doch bei den vielen, die sich hier ehrlich als "Anfänger" outen und mit wenig Rücklagen vielleicht 10 oder 20% eines Jahreseinkommens in Aktien investieren, hast Du absolut recht.
Mein Tipp hier: Leiste Dir nie mehr als eine Leiche an deren wundersame Auferstehung Du glaubst, aufs mal in Deinem Portfolio.
 

 

 

Elias
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HÄTTE, SOLLTE, KÖNNTE, WÜRDE, MÜSSTE

gertrud hat am 09.08.2017 09:17 geschrieben:

Jedes von diesen Ereignissen, 12 Monate antizipiert, hätte zu riesigen Gewinnen geführt.

Mein Tipp hier: Leiste Dir nie mehr als eine Leiche an deren wundersame Auferstehung Du glaubst, aufs mal in Deinem Portfolio.

Ja, hätte es. Ich bin seit 39 Jahren an der Börse dabei. Ich nutze die Zeit zwischen diesen Ereignissen

Wie schon mehrfach erwähnt: Ich handle fast auschhliesslich über die Eurex via Short-Put und Short-Call. Ich bin wirklich short.

 

 

 

 

 

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Elias
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Ein paar Worte zu den Opportunitätskosten

Wenn wir über Risiken nachdenken, versuchen wir zuerst, die Opportunitätskosten zu
beurteilen, die anfallen würden, falls wir unser Aktienmarktengagement beenden.
Das Wachstum der Unternehmensgewinne ist aktuell kräftig: Das vergangene Quartal
bestätigte ein jährliches Wachstum von 12% in den USA und rund 10% in der Eurozone.
Die globale wirtschaftliche Aktivität ist robust und zeigt in der Eurozone, die im
2. Quartal eine Wachstumsrate von annualisiert 2,2% nach 1,9% im 1. Quartal verzeichnete,
eine besonders starke Dynamik. Trotz der soliden Entwicklung der Wirtschaft
und der Unternehmen stützen die Zentralbanken die Konjunktur immer noch
wie zu Krisenzeiten: Allein im 2. Quartal dieses Jahres kurbelten die Zentralbanken in
Japan und Europa sie mit USD 483 Mrd. an.

Die Aktienbewertungen sind zwar gestiegen, liegen aber immer noch im Bereich ihrer
langfristigen Durchschnitte (globale Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis
(KGV) von 17,4x gegenüber dem 20-Jahresdurchschnitt von 18x bewertet) und stehen
mit einer fortgesetzten Rally im Einklang. Wenn in der Vergangenheit das KGV im
Bereich von 18x bis 23x lag, hat der MSCI AC World Index in den sechs Folgemonaten
eine Rendite von 6% erbracht im Vergleich zum allgemeinen Durchschnitt von 5%.
Die relativen Bewertungen von Aktien deuten auch auf eine langfristige Outperformance
gegenüber Anleihen hin, wobei die Aktienrisikoprämie im S&P 500 bei 4,5%
liegt gegenüber dem langfristigen Durchschnitt von 3,6% (Abb. 1).

Diese zugrunde liegenden Faktoren bieten Unterstützung und untermauern unsere
Einschätzung, dass Anlegern, die ihr Engagement am Aktienmarkt beenden, wahrscheinlich
weitere Gewinne entgehen. In unserem Basisszenario erwarten wir, dass
globale Aktien über unseren Anlagehorizont von sechs Monaten Anleihen um 3% bis
 

5% übertreffen werden. In den USA würde es mehr als zwei Jahre, in der Eurozone
oder der Schweiz sogar mehr als zehn Jahre dauern, bis ein Anleger mit erstklassigen
Anleihen eine Rendite von 5% erzielt hat.
Diese potenziell hohen Opportunitätskosten einer Reduzierung unserer Aktienposition
bedeuten, dass wir das nur tun würden, wenn wir mit viel grösserer Sicherheit
davon ausgehen müssten, dass beispielsweise ein Nordkorea-Konflikt oder eine
rasche Straffung der Geldpolitik bevorsteht.

Risiko Nordkorea
Die Wahrscheinlichkeit, dass im Laufe unseres Anlagehorizonts von sechs Monaten
ein Konflikt zwischen den USA und Nordkorea ausbricht, hat in den letzten Wochen
zweifellos zugenommen. Infolge der Raketentests, hitzigen Rhetorik und Pressemeldungen
über optimierte Raketentechnologie haben wir unsere Risikoeinschätzung
des USA-Nordkorea-Konflikts für den zuvor erwähnten Zeitraum von unter 10% auf
10% bis 20% erhöht.

Wir sind jedoch weiterhin der Meinung, dass das von Nordkorea ausgehende Gesamtrisiko
für die Märkte in den nächsten sechs Monaten gering ist. Wie ich nachfolgend
näher erläutere, sind noch keine wichtigen, auf einen unmittelbar bevorstehenden
Konflikt hindeutende Indikatoren zu erkennen. Zu warten und erst zu handeln, wenn
das Ausbrechen der Feindseligkeiten wahrscheinlich ist, mag etwas unbekümmert
erscheinen. Der historische Präzedenzfall weist jedoch darauf hin, dass die Märkte
erst merklich reagieren, wenn die ersten Schüsse fallen. Der maximale Rückgang
infolge der berüchtigten 13-tägigen Kubakrise im Jahr 1962 belief sich auf rund 5%
(Abb. 2). Daher gehen wir nicht davon aus, dass das Warten auf grössere Gewissheit
zu kostspielig sein wird.
Welche Faktoren werden wir also überwachen, um den steigenden Bedrohungsgrad
zu beurteilen?

Erstens werden wir Berichte und Massnahmen überprüfen, die auf eine höhere technologische
Bereitschaft Nordkoreas schliessen lassen. Glaubwürdige Pressemeldungen
über die Entwicklung von Atomraketen, weitere Tests mit ballistischen Interkontinentalraketen
(insbesondere in der Nähe von Japan oder Guam) und/oder neue
Atomtests könnten signalisieren, dass das Land bald in der Lage ist (oder bereits die
Fähigkeit besitzt), ballistische interkontinentale Atomraketen einzusetzen.
Zweitens werden wir nach Anzeichen für die Vorbereitung auf einen Konflikt Ausschau
halten. Die Anhebung des DEFCON-Status der USA (derzeit mit 4 auf der zweitniedrigsten Stufe der Einsatzbereitschaft), Reisewarnungen für US-Staatsbürger
in Südkorea oder Japan und/oder Anzeichen erhöhter Aktivität oder veränderte Reisepläne
der oberen Führungskräfte der US-Regierung oder von Militärpersonal könnten
darauf hindeuten, dass ein Konflikt wahrscheinlicher ist. Ebenso könnten Truppenbewegungen
in China und Nordkorea oder gross angelegte Evakuierungsübungen
in Südkorea oder Japan auf eine höhere tatsächliche oder wahrgenommene Möglichkeit
eines Konflikts schliessen lassen.

Drittens werden wir auf Veränderungen der diplomatischen und Wirtschaftssanktionen
achten. Nordkorea kann das US-Festland wahrscheinlich bisher noch nicht glaubhaft
mit einem Atomangriff bedrohen. Mit jedem neuen Raketentest oder Anstieg der
hitzigen Rhetorik werden die USA Nordkorea jedoch zunehmend als eindeutige,
gegenwärtige Gefahr sehen. Sollten sich die USA allmählich ernsthaft bedroht fühlen,
wird die Regierung wahrscheinlich mehr Druck auf China ausüben, um Nordkorea zu
beschwichtigen. Es ist unwahrscheinlich, dass China Sanktionen gegen Nordkorea
erheben möchte, die zu einem Zusammenbruch des Regimes führen könnten. Die
USA würden sich aber unter Umständen nicht mit weniger zufriedengeben. Dadurch
könnten die Spannungen auf allen Seiten steigen, wobei die USA möglicherweise mit
zunehmenden protektionistischen Massnahmen gegen China drohen könnten, um
das Land an den Verhandlungstisch zu bringen.
Sollten einige dieser Indikatoren auf eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Konflikt
hindeuten, werden wir unsere Einschätzung überprüfen. Vorerst sind wir jedoch der
Ansicht, dass man investiert bleiben und die weiteren Entwicklungen abwarten sollte.

Risiko einer Fed-Zinserhöhung
Das Risiko einer restriktiveren Geldpolitik der Fed ist uns vertrauter als die Gefahr
eines Atomkonflikts. Da höhere Zinsen jedoch nicht immer zu Problemen an den
Märkten führen, ist mit dieser Gefahr in gewisser Weise schwieriger umzugehen.
Obwohl die Fed die Zinsen seit Dezember 2015 viermal erhöht hat, haben die globalen
Aktien um 18% zugelegt. Dies war unseres Erachtens zum Teil auf die anlegerfreundliche
und wachstumsfördernde Haltung der Fed zurückzuführen.
Wir würden uns mehr Sorgen machen, falls wir Anzeichen eines ideologischen
Wandels der Entscheidungsträger erkennen, das heisst, wenn sie (zulasten des
Wachstums) von der Wachstumsförderung zur Preiskontrolle übergehen würden.
Ein Extrembeispiel dafür sind die hohen Zinserhöhungen, die der frühere Fed-Vorsitzende
Paul Volcker zur Inflationsbekämpfung vornahm. Sie trugen zur Auslösung
der von 1980 bis 1982 anhaltenden Rezession und zu einem raschen Ausverkauf
von US-Aktien bei.
Was könnte zur Vermutung führen, dass ein solcher ideologischer Wandel bevorsteht
oder vollzogen wird?

Erstens werden wir auf einen markanten Inflationsanstieg achten. Die expansive Haltung
der Fed wurde zweifellos dadurch unterstützt, dass die Inflation wiederholt
schwächer ausfiel als erwartet. Angesichts einer Arbeitslosigkeit von 4,3% dürften
die Preise jedoch irgendwann stärker anziehen. Dies könnte die Fed dazu veranlassen,
ihren Fokus von der Erhöhung der Beschäftigung auf die Inflationsbekämpfung zu
verlagern.

Zweitens werden wir die Entwicklungen im Hinblick auf die Ernennung des neuen
Fed-Vorsitzenden verfolgen. Wenn ein als «Falke» wahrgenommener Kandidat wie
John Taylor oder Kevin Warsh als potenzieller Fed-Vorsitzender in die engere Wahl
gezogen wird, könnten sich die Märkte zunehmend fragen, wie lange das wachstumsfördernde
Umfeld noch erhalten bleibt. Gemäss der nach John Taylor benannten
Taylor-Regel sollten sich die Zinsen bereits auf einem Niveau von 3% befinden.

Drittens werden wir die Erwartungen hinsichtlich der Realzinsen beobachten. Die Fed
schätzt, dass die aktuelle «neutrale» geldpolitische Ausrichtung die Nominalzinsen
auf dem Inflationsniveau hält. Sollte die Fed jedoch erste Anzeichen erkennen lassen,
dass sie die Zinsen auf ein Niveau erhöhen möchte, das deutlich über der Inflationsrate
liegt, könnte dies darauf hindeuten, dass: a) ein Wechsel zu einer weniger expansiven
Haltung bevorsteht, oder b) die Fed davon ausgeht, dass der neutrale Zinssatz
steigt. Beides könnte den Aktienmarkt belasten (Abb. 3).
Wenn die Daten allmählich auf eine grundsätzlich restriktivere Haltung der Fed hindeuten,
müssten wir unsere Positionierung überdenken. Angesichts der zurzeit offensichtlich
wachstumsfördernden Einstellung der Fed bleiben wir vor dem Hintergrund
beständiger Zinserhöhungen einstweilen investiert.

 

Quelle UBS House View Monthly

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Hans
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"Die Aktienbewertungen sind

"Die Aktienbewertungen sind zwar gestiegen, liegen aber immer noch im Bereich ihrer
langfristigen Durchschnitte (globale Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis
(KGV) von 17,4x gegenüber dem 20-Jahresdurchschnitt von 18x bewertet) und stehen
mit einer fortgesetzten Rally im Einklang."

Woher ist denn diese Angabe her - 20-Jahresdurchschnitt von 18x - das ist viel zu hoch ?

Gruss Hans

Elias
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Hans hat am 14.09.2017 16:43

Hans hat am 14.09.2017 16:43 geschrieben:

"Die Aktienbewertungen sind zwar gestiegen, liegen aber immer noch im Bereich ihrer
langfristigen Durchschnitte (globale Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis
(KGV) von 17,4x gegenüber dem 20-Jahresdurchschnitt von 18x bewertet) und stehen
mit einer fortgesetzten Rally im Einklang."

Woher ist denn diese Angabe her - 20-Jahresdurchschnitt von 18x - das ist viel zu hoch ?

 

UBS House View

https://www.ubs.com/global/de/wealth-management/chief-investment-office/...

 

Download

https://www.ubs.com/global/de/wealth-management/chief-investment-office/...

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