Passiv langfristig investieren

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John Doe 2.0
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Passiv langfristig investieren

STRATEGIE

Es gibt unzählige Strategien beim Investieren, hier geht es ausschliesslich um langfristiges, passives Investieren in erstklassige Aktienunternehmen.

Eine "vernünftige" Strategie ist das Eine, sie mit der nötigen Rationalität, Disziplin und Entschlossenheit umzusetzen ist der Schlüssel zum Erfolg.

 

DIE UNZULÄSSIGE FRAGE

Soll ich jetzt „noch“ Aktien kaufen oder lieber verkaufen? Ich bin überzeugt einige, wenn nicht viele Investoren stellen sich diese Frage, je nach Börsenlage oder Gemütszustand, immer wieder mal. Wenn sich ein Langfristanleger diese Frage stellt, dann hat er keine Strategie und wird beim nächsten Kursrückgang die Nerven verlieren, er unterliegt dem sogenannten „Fight-or-Flight“-Syndrom. 

Warum ist diese Frage verboten, ganz einfach, weil sie kein Mensch beantworten kann, genauso gut könnte man fragen, soll ich Lottospielen oder doch nicht, soll ich beim Roulette auf Rot oder Schwarz setzen.

Beim Investieren heisst es Verantwortung übernehmen, selbstständig denken und handeln ist Voraussetzung für den langfristigen Erfolg. Wer seine eigene Meinung hat der legt seine Strategie vor dem investieren fest, er behält den Überblick und ignoriert die Masse, welche einmal nach Norden rennt, um dann plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, gegen Süden zu kehren. Die Masse rennt immer der Masse nach, diese psychologische Komponente beschert uns einen Bullen- oder einen Bärenmarkt.

 

WARUM LANGFRISTIG UND WARUM PASSIV

Weil die Börse langfristig (20 Jahre +), egal in welcher Zeitperiode, immer gestiegen ist und dem geduldigen Investor Gewinne beschert hat. Passiv aus dem Grund, weil es nicht darum geht den perfekten Zeitpunkt für einen Kauf zu treffen, sondern um Fehlervermeidung durch zu aktives handeln.

 

PSYCHOLOGIE IST ALLES 

Wer weiss es nicht, an der Börse ist der Anleger sich selbst sein grösster Feind. In diesem Thread stehen wir uns bei und versuchen rational zu bleiben, wenn der eine schwach wird, erinnert der andere ihn daran, rational zu bleiben.

 

ZEHN INVESTMENT TIPPS

Vor jeder Investition objektiv fragen, handle ich wirklich rational oder unterliege ich meinen Emotionen.

Habe ich den Überblick für das große Ganze oder verzettle ich mich in Details.

Kann ich alles ignorieren was andere (Medien, Investoren, Gurus, Spezialisten) sagen oder machen.

Ich werde niemals eine komplette Depotumschichtungen vornehmen. (Die Welt dreht sich weiter!)

Ich kaufe und verkaufe sukzessive. 

Der ideale Einstiegs, respektive Ausstiegszeitpunkt interessiert mich nicht, da diesen zu erwischen reine Glücksache ist aber nichts mit investieren zu tun hat.

Ich wäge stets Chancen und Risiken nüchtern ab.

Niemals unterliege ich der Massenhysterie.

Ich werde nicht überheblich, wenn ich mal Recht habe.

Ich stehe zu meinen Fehlern und lerne daraus. 

 

VORSCHLÄGE?

Wie und in was investiert so ein passiver, langfristiger Schweizerinvestor? (Und Warum?)

 

Mehr zu diesem Thema gibt es  hier: https://langfristiges-aktieninvestment.blogspot.ch/

sarastro
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Warum Indexfonds als langfristige Anlage?

Eine schlagende Begründung ist hier:

https://fintool.ch/warum-indexieren-funktioniert

 

Schnitthelm Wac...
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Die Schweizer Börse scheint

Die Schweizer Börse scheint am Abgrund zu stehen: Seit einiger Zeit geht es nur noch abwärts, während andere Indizien steigen. Zudem immer wieder Uebernahmen durch meist chinesische Investoren. Ich rechne, dass auch Roche bald in ausländische Hände gehen wird. Für mich ein Zeichen aus den Schweizer Aktien zu gehen! Ausländische Aktien zu kaufen ist auch nicht unbedingt zu raten: Währungsverluste!

MfG
Schnitthelm Wachtvogel

sarastro
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Für die Pessimisten

 

Hier ist eine Antwort:

https://fintool.ch/wenn-die-blase-platzt

 

gertrud
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ETFs - interessanter Artikel

Die unterschätzten Risiken «neutraler» Investments

Börsenpionier Jack Bogle hält Indexfonds für konkurrenzlos. Diese Prognose schreckt Marktkenner auf.

Der Siegeszug passiver Anlagevehikel – also solcher, die einen Aktien- oder Anleihenindex nachbilden – scheint kein Ende zu nehmen. Ganz im Gegenteil: Im nächsten Jahr könnten im US-Aktienmarkt rund 400 Milliarden Dollar in Exchange Traded Funds (ETFs) fliessen, wie die Investmentbank Goldman Sachs vergangene Woche prognostizierte. Das für 2017 erwartete Volumen von etwa 300 Milliarden würde damit noch einmal markant übertroffen, und dieses liegt seinerseits deutlich über dem 2016er-Umfang von rund 190 Milliarden Dollar.

Auf passive Investments in ETFs und Indexfonds entfallen heute ungefähr 47 Prozent der Vermögen, die von US-Fondsmanagern verwaltet werden. Der Rest entfällt auf aktive Anlagefonds, bei denen die Manager die Titelauswahl vornehmen mit dem Ziel, eine über dem Indexzuwachs liegende Rendite zu erzielen. Anfang kommenden Jahres, so schätzen Experten, dürften die passiven Vehikel die «Schallgrenze» von 50 Prozent übertreffen – und in absehbarer Zeit könnte dieser Anteil bis auf 90 Prozent klettern. Diese Ansicht vertrat jedenfalls Jack Bogle, der als Wegbereiter des passiven Investierens gilt, letzte Woche bei einem Auftritt an der Cornell University in New York. Aus Sicht eines langfristigen Investors seien Indexprodukte nach wie vor konkurrenzlos, sagte der 88-Jährige. Er hatte den heute weltweit zweitgrössten US- Vermögensverwalter Vanguard gegründet und gab den dortigen Chefposten vor über zehn Jahren ab.

Markteffizienz infrage gestellt

Beliebt sind passive Anlageprodukte bei Investoren vor allem wegen ihrer tiefen Gebühren. Verglichen mit einem aktiven Aktienfonds, kosten ETFs lediglich einen Bruchteil. Zudem hat sich zuletzt Jahr für Jahr gezeigt, dass nur wenige aktive Fonds den Index zu schlagen vermögen – und noch viel weniger sind sie imstande, regelmässig besser abzuschneiden als der Index. Attraktiv aus Investorensicht sind ETFs auch deshalb, weil sie jederzeit wieder über die Börse verkauft werden können. Es sind also gleichzeitig billige, liquide und verständliche Produkte, die darüber hinaus einen breiten Markt abdecken – eine unschlagbare Kombination.

Doch parallel zum enormen Zulauf der passiven Anlageprodukte mehren sich die kritischen Stimmen von Marktbeobachtern. Sie befürchten eine nachlassende Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte, wenn immer mehr Anleger unbenommen vom Geschäftsgang der Unternehmen nur deshalb deren Aktien erwerben, weil sie in den gängigen Indices enthalten sind. Selbst Jack Bogle äusserte diesbezüglich gewisse Zweifel: Es gebe eine Obergrenze für den Anteil von ETFs und Indexfonds an den Gesamtinvestments, ab der die Märkte nicht mehr effizient arbeiten würden.

Allerdings setzte der Anlagepionier diese Limite mit 70 bis 90 Prozent recht hoch an. Seine Begründung: Es werde immer ausreichend aktive Fondsmanager geben, die nach unterbewerteten Wertpapieren suchten und andere Preisverzerrungen ausnützten, um eine über dem Marktdurchschnitt liegende Rendite zu erzielen. Solange hierfür Ressourcen und Know-how eingesetzt würden, sagen Vertreter der ETF-Anbieter, bestehe Gewähr für eine faire Preisbildung aufgrund der allen Akteuren zur Verfügung stehenden Informationen.

Konzentration auf einzelne wenige Titel

Die Skeptiker halten dem entgegen, viele ETF-Käufer – und bei den meisten handelt es sich um Kleinanleger – seien sich zu wenig bewusst, wie stark sie in einzelnen Aktien engagiert seien. Um dies am Beispiel des US-Aktienindexes S&P 500, dem weltweit wichtigsten Aktienbarometer, zu zeigen: Allein die fünf Tech-Giganten Apple, Amazon, Microsoft, Facebook sowie die Google-Dachgesellschaft Alphabet kommen aufgrund ihrer Marktkapitalisierung auf einen Anteil von knapp 12 Prozent, und auf die zehn «schwersten» Indexaktien entfallen gut 19 Prozent. Je mehr Kapital nun in ETFs des S&P 500 umgeschichtet wird, desto stärker wird die Dominanz dieser wenigen Papiere zementiert.

Ein Grossteil der ETF-Anleger dürfte sich im Glauben wiegen, mit solchen passiven Produkten ein neutrales Aktienengagement getätigt zu haben, weil sie definitionsgemäss einen Index widerspiegeln. Davon könne jedoch keine Rede sein, betonen Experten. Denn solange die weltweit grössten ETFs allesamt nach der Marktkapitalisierung gewichtet sind und ein Grossteil der Kapitalanlagen in ETFs fliessen, bekomme der Markt zwangsläufig eine Schlagseite, beziehungsweise werden die «teuren» Aktien bevorzugt. Dadurch kommt eine Dynamik in den Aktienhandel, die im Fachjargon als «Momentum-Investment» bezeichnet wird: Die Aktien, die einen guten Lauf haben, werden noch zusätzlich gekauft, während die «Nachzügler» noch stärker gemieden werden.

Wer Zug hat, dem wird gegeben

Genau dies lässt sich derzeit eindrücklich beobachten: Während der normale, nach der Marktkapitalisierung gewichtete US-Aktienindex des Indexanbieters MSCI in den ersten acht Monaten 2017 um 14 Prozent zugelegt hat, konnte der Momentum-Index von MSCI – in dem die Aktien nach ihrer bisherigen Performance gewichtet werden – einen doppelt so hohen Wertzuwachs verbuchen. Nun gibt es viele Investoren, die sich bewusst der Momentum-Strategie verschrieben haben und damit auch früher schon gut gefahren sind. Kritisch wirds aber nach Einschätzung von Marktkennern, wenn die Kapitalflüsse in Momentum-Aktien durch die gängigsten ETFs derart stark überhandnehmen, dass damit der Nährboden für einen heftigen Rückschlag bereitet wird.

Allerdings hat sich im Markt eine gewisse Gegenbewegung entwickelt, die aus dem Unbehagen über die zu einseitige Gewichtung der ETFs nach der Marktkapitalisierung resultiert. Im Jargon der Marktakteure ist von «Smart Beta»-Fonds die Rede. Diese Anlagevehikel gewichten die enthaltenen Aktien nach Kriterien wie Umsatz- respektive Gewinnwachstum, Dividendenausschüttung oder nach dem (vermuteten) Ausmass ihrer Unterbewertung (Value-Ansatz). Dies in der Erwartung, dass sich mit einer solchen Selektion eine höhere Rendite erzielt lässt als mit der herkömmlichen Indexgewichtung. Die «Smart Beta»-Fonds vereinen indes ein Volumen von gerade mal etwa 630 Milliarden Dollar auf sich, verglichen mit den 2600 Milliarden der Indexprodukte.

(baz.ch/Newsnet) Erstellt: 30.10.2017

gertrud
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Blaues Hufeisen hat am 11.11

Blaues Hufeisen hat am 11.11.2017 12:03 geschrieben:

Passives Investieren funktioniert nur so lange, wie es auch aktive Investoren gibt. Man stelle sich einfach mal vor, alle würden nur noch passiv investieren. Nun legt die Firma XY ein Bombenresultat vor. Die Aktie würde nicht mehr aufgrund der Fundamentaldaten steigen, sondern nur noch dann, wenn jemand einen ETF kauft. Noch krasser wäre es im gegenteiligen Fall. Die Firma XY geht bankrott, die Aktie müsste auf 0 fallen. Wird sie jedoch nicht, weil diese Aktie nicht mehr von aktiven Investoren verkauft wird. Deshalb bin ich der Meinung, dass das Finanzsystem ineffizienter wird, je höher der Anteil der passiven Investoren ist. Und ich erinnere daran, wie nach dem Kollaps nach der Jahrtausendwende die Aktienfonds verteufelt wurden. Oftmals hörte man, ich kaufe keine Aktienfonds mehr, damit macht man nur Verluste. Entscheidend ist jedoch nicht das Gefäss, sondern der Inhalt. Die Zeit wird kommen, und dann werden auch die ETFs, die den gutgläubigen Anlegern derzeit als Wundermittel angedreht werden, in den Boden gestampft. Ich befürchte sogar, dass die ETFs die Bewegungen an den Aktienmärkten noch verstärken. Sollte der Crash kommen, und das wird er ganz bestimmt, hat es weniger aktive Investoren, die dagegenhalten. So, das waren nun meine Worte zum Samstag....            

 

Es ging ja nur darum, ob ETFs für die Kleinanleger das geeignete Vehikel sind. Die „Grossen“ werden immer aktiv investieren.

Zu den systemischen Gefahren der ETFs – die gibt es tatsächlich - siehe den davorstehenden Post hier im Thread.

Das Aufkommen der ETFs ist eine Folge der Arroganz der Vermögensverwalterbanken. Die haben sich in den letzten Jahren mit ihren aktiven Fonds (aus Versagens-Angst) sehr eng an die Benchmark Indices gehalten, dafür aber bis 2% Honorare kassiert. Damit trieben sie die Kunden in die ETFs.
Vielleicht kommen sie in Zukunft wieder mit aktiven Fonds, die aber die Gebühren ausschliesslich perfomanceabhängig berechnen. Das trauen sie sich wohl noch nicht zu.

 

Hier im Forum äussern sich ja in vielen Threads sehr erfahrene Anleger. Soweit bin ich noch nicht, aber weil ich auch glaube, dass eine Korrektur möglich ist, vielleicht auch für einige die Erste - hier die Kurzfassung meiner eigenen Geschichte als Anlegerin. Das ist jetzt etwas persönlich, aber ich denke, einige werden sich hier in Teilaspekten wiederfinden:

Nachdem ich als junges Huhn in der Dotcom Blase zwar einige Federn im „Neuen Markt“ gelassen habe, sie aber im ganzen doch gut überstanden hatte, stand ich um 2007 mit kleinen Kindern, einer stark internationalen Tätigkeit und einem Depot mit etwa 100 Einzeltiteln (wovon knapp 10% Leichen) an einen Punkt, wo ich die Anlagen rein zeitlich nicht mehr sorgfältig verwalten konnte. Die Performance der Jahre 2003-2007 war natürlich gut, aber ich fand die Börsen seien heiss gelaufen und ich wollte nicht mit so einem umfangreichen Depot in eine Korrektur rasseln.
Also übergab ich das Portfolio Ende 2007 in ein Grossbankenmandat. Ausdrücklich „werterhaltend konservativ“.
Dann kam die Finanzkrise, und mein vermeintlich konservatives Mandat verlor innert Monaten 15%. Der Bankberater schien hilflos „uns wurde in der Fortbildung gesagt, das sei sicher . . .“ (absolute return, alternative Anlagen). Ich habe das Mandat reflexartig unter hohen Verlusten 2008 gekündigt und stand mit fast 100% Cash da. Der Crash ging noch weiter, und da ich zwar obersauer auf die Bank war, aber grundsätzlich mit dem Risiko von Aktienanlagen leben konnte, habe ich dann schrittweise in ETFs angelegt. Seither hatte ich wegen der Börse keine schlaflose Nacht mehr, und ich schlage meinen Benchmark, einen Strategiefonds der UBS, eigentlich regelmässig um gut 2% nach Berücksichtigung der Steuern. Das mag manchem ambitionslos erscheinen, aber für mich stimmt das so. Wobei ich in der glücklichen Situation bin, dass meine Ansprüche und Bedürftnisse seit jeher etwas kleiner sind als meine Möglichkeiten.

Heute hat mein Portfolio etwa 40 Positionen, wovon 10 ETF/ETCs sind, in denen der Grossteil des Aktienanteils investiert ist. Da die ETFs kaum Pflege brauchen, kann ich mich hingebungsvoll um mein Pflänzchen MIKRON kümmern, im Forum interessiert neutral die Beiträge lesen und zu Aktien schreiben, die mich eigentlich nichts angehen.

 

sarastro
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Langfristiger Länderansatz

Für erfahrene Anleger ist es längst keine Frage mehr, dass man mit Investitionen in marktbreite Aktienindeces langfristig Investitionen in Einzelaktien schlägt. Zu den Jahresenden poste ich jeweils die Performance der wichtigsten Indices (wobei die Threads in der Zwischenzeit mitunter leider verschwinden...). Bis jetzt haben in diesen Berechnungen die Märkte der USA dominiert, gefolgt von der Schweiz.

Nun wurde an der London Business School eine Untersuchung von Dimson, Marsh und Staunton* publiziert, die den wesentlich längeren Zeitraum vom Jahr 1900 bis 2017 abdeckt (https://fintool.ch/was-bringen-aktien ). Nach dieser Analyse sind die USA nach wie vor sehr gut. Aber die Schweiz rangiert dort nur noch im Mittelfeld.

Diese Überraschung muss man zuerst noch verdauen. Es muss in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts etwas passiert sein, was die Schweiz zurückgebunden hatte. Es ist bekannt, dass die Schweiz vor hundert Jahren arm war, aber damals war das ganze europäische Festland arm (Weltkriege etc.). Die konkreten Gründe für die Schweiz müssten also genauer untersucht werden (z.B. Wechselkurse). Ich hoffe, dass an den schweizerischen Universitäten dieser wichtigen Frage nachgegangen wird.

Für Langfristanleger werde ich Ende Jahr wiederum die neuesten Zahlen posten, allerdings nur für die Jahre, wofür ich über Daten verfüge. (Falls mir jemand mit zusätzlichen Daten helfen könnte, wäre ich dankbar.)

 

* Eine Kurzfassung der Studie mit dem Titel "Credit Suisse Global Investment Returns Yearbook 2017 – Summary Edition" kann als PDF-File herunter geladen werden.

sarastro
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Details aus der Studie von Dimson, Marsh und Staunton

 

Das oben genannte Paper konnte ich in der Zwischenzeit studieren. Die Performance (real return on equities) ergibt folgende Rangfolge im Zeitraum 1900 bis 2016:

Südafrika 7.2%

Australien 6.8%

USA 6.4%

Neuseeland 6.2%

Schweden 5.9%

Canada 5.7%

Großbritannien 5.5%

Dänemark 5.4%

Finnland 5.4%

Welt 5.1% (gemessen in US$)

Niederlande 5.0%

Irland 4.4%

Schweiz 4.4%

Norwegen 4.3%

Japan 4.2%

Europa 4.2%

Spanien 3.6%

Portugal 3.5%

Deutschland 3.3% (ohne die Jahre 1922/23)

Frankreich 3.3%

Belgien 2.7%

Italien 2.0%

Österreich 0.8%

Diese Liste ist für heutige Investitionsentscheidungen kaum noch aussagekräftig. Viele Staaten und Währungen existieren nicht mehr in der damaligen Form. Die Weltkriege haben die Situation fundamental umgekrempelt. Das gilt sogar für die Schweiz: In den Jahren 1900 bis Ende 1926 war der Schweizer Franken in die Lateinische Münzunion* eingebunden.

Wesentlich interessanter ist die Nachkriegszeit, wozu in der Studie die Performance (real return on equities) für ein halbes Jahrhundert, d.h. für den Zeitraum 1967 bis 2016 publiziert wurde:

Schweden 9.4%

Finnland 9.1%

Südafrika 7.5%

Dänemark 7.4%

Niederlande 7.0%

Großbritannien 6.9%

Norwegen 6.8%

Irland 6.5%

Belgien 6.2%

Europa 6.1%

Frankreich 6.0%

Schweiz 6.0%

Australien 5.9%

Deutschland 5.8%

USA 5.8%

Neuseeland 5.7%

Welt 5.3% (gemessen in US$)

Canada 5.1%

Russland 4.8% (ab 1995)

Spanien 4.6%

Japan 4.2%

Österreich 3.8%

Portugal 2.8%

Italien 1.0%

China -2.9% (ab 1993)

Warum ist hier die Schweiz derart tief eingeordnet? Eine definitive Antwort habe ich nicht und warte gespannt auf ergänzende Analysen, die ökonomische Fakultäten schweizerischer Hochschulen hoffentlich noch liefern werden. Auf alle Fälle sind die Wechselkurse ein wichtiger Gesichtspunkt. Die reale Performance bezieht sich in den Tabellen auf die jeweilige Landeswährung. Für Anleger in Schweizer Franken ist jedoch die Performance in CHF maßgebend. Mangels Daten konnte ich die Situation nur in Bezug auf den US-Dollar und die ehemalige deutsche Mark bzw. Euro nachrechnen. Im Zeitraum 1967-2016 ist der Dollar gegenüber dem CHF pro Jahr im Durchschnitt rund 2.9% gefallen. Für Deutschland beträgt die durchschnittliche Abwertung der ehemaligen DM bzw. Euro in diesem Zeitraum 4.1% pro Jahr. Das würde eine Verschiebung der Performance der schweizerischen Aktien in einen Rang ähnlich wie für Finnland bedeuten.

Für einen mittelfristigen Anlagehorizont liefert due erwähnte Studie die Performance (real return on equities) für den Zeitraum 2000 bis 2016:

Finnland 20.6%

Schweden 19.1%

Niederlande 17.3%

Spanien 15.3%

Portugal 15.2%

Großbritannien 13.7%

Frankreich 13.5%

Irland 12.9%

Belgien 12.4%

USA 12.4%

Dänemark 12.2%

Deutschland 11.0%

Welt 10.6% (gemessen in US$)

Schweiz 10.4%

Italien 10.3%

Neuseeland 8.9%

Australien 8.8%

Norwegen 7.9%

Canada 6.9%

Südafrika 6.7%

Japan 5.8%

Österreich 5.8%

China 2.7%

Europa 1.4%

Russland 1.2%

Hier gelten die gleichen Anmerkungen wie zur Tabelle für die Jahre 1967-2017: Im Zeitraum 2000-2016 hat sich der US-Dollar jährlich im Durchschnitt um 3.1%, der Euro um 2.2% und das britische Pfund um 4.0% abgewertet. So betrachtet, würde die Schweiz in der Rangliste ähnlich wie Portugal oder Großbritannien abschneiden.

Die Studie bezieht sich auf die gesamten Aktienmärkte der Länder und nicht auf einzelne Aktienindices. Für ETF-Anleger gelten die hier geposteten Performances nicht, sondern die Performance der jeweils unterlegten Indices. Hier sind erhebliche Unterschiede zu verzeichnen. Dazu werde ich zum Jahreswechsel die neuesten Zahlen posten.

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*Mitglieder der Lateinischen Münzunion waren Belgien, Frankreich, Italien und die Schweiz. Später sind folgende Monarchien dazu gekommen: Bulgarien, Griechenland, Montenegro, Österreich-Ungarn, Rumänien, Serbien, Spanien, sowie Venezuela. Ohne offiziellen Beitritt haben mitgemacht: Albanien, Argentinien, Dänisch Westindien, Finnland, Polen, Rumänien und der Vatikan (bzw. Kirchenstaat). Das aktuelle Desaster mit dem Euro und allen noch bevorstehenden volkswirtschaftlichen Verlusten lässt grüßen. (Damals hatten Griechenland und Italien mit der Banknotenpresse über die Stränge gehauen, ähnlich wie heute beim Euro.)

sarastro
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Aktienperformance

Die erwähnte Studie von Dimson, Marsh und Staunton kann nicht direkt in eine Anlagestrategie umgesetzt werden. Es existieren (noch) keine Indizes und damit auch keine ETFs, die die Performance ganzer Länder abdecken. Hingegen liefert die Studie Anhaltspunkte, wo die stärksten Indizes zu vermuten sind. Ich habe für den Zeitraum 2000 bis 2017 die Performance verschiedener Indizes in CHF berechnet. Zuerst einige Preisindizes:

9.99% NASDAQ 100 / USA

8.72% SMIM / Schweiz

6.83% OMX 20 / Dänemark

5.79% Dow Jones / USA

5.76% DJ SouthAfrica / Südafrika

5.62% S&P 500 / USA

4.89% Gold

4.54% SLI / Schweiz

4.08% SPIX (SPI ohne Dividenden) / Schweiz

4.00% SBO 100 (entspricht dem UBS100 ohne Dividenden) / Schweiz

3.43% SMI / Schweiz

3.34% OMX 25 / Finnland

3.27% Kurs-DAX (DAX ohne Dividenden) / Deutschland

2.72% Nikkei 225 / Japan

2.24% OMX 30 / Schweden

1.90% ASX 200 / Australien

1.71% Stoxx 600 / Europa

1.69% BEL 20 / Belgien

-0.21% Euro Stoxx 50 / Euroland

-0.24% AEX / Niederlande

-0.59% Stoxx 50 / Europa

-0.88% CAC 40 / Frankreich

-1.36% FTSE 100 / Großbritannien

-3.15% IBEX 35 / Spanien

-5.52% MIB / Italien

Bei diesen Indizes kommen Dividenden dazu (ausgenommen Gold). Die Berechnung der Dividendenrendite ist umständlich, weshalb ich mir diese Arbeit erspart habe. Bei der Wahl eines ETF kann die historische Dividendenrendite aus der Produktebeschreibung entnommen werden. (Letztes Jahr hatte ich die Dividendenrendite berechnet. Diese Werte können noch immer als Richtwerte gelten, siehe www.cash.ch/comment/625090#comment-625090 .)

Neben den Preisindizes habe ich einige Performance-Indizes berechnet:

7.27% SLIC (SLI plus Dividenden) / Schweiz

6.91% SPI / Schweiz

6.85% UBS100 / Schweiz

6.40% SMIC (SMI plus Dividenden) / Schweiz

6.24% DAX / Deutschland

Damit ist klar, wie man „Millionär“ werden kann. Der direkteste Weg führt über Amerika, die Schweiz und überraschenderweise über Dänemark und Südafrika. Have a good new Year!

Simi
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Der Dow Jones ist nun auf 25

Der Dow Jones ist nun auf 25'000. Der Index brauchte 14 Jahren um von 10'000 auf 15'000 aufzusteigen. Drei und einhalb Jahren um die 20'000 Marke zu erreichen. Nur ein Jahr um die 25'000 Punkten überzuwinden. Lediglich 23 Tagen für einen 1000 Puntkten Sprung. Im Gegensatz zur Dot-Com-Blase vom Jahr 2000 (die auf leere Versprechungen und Hoffnungen basiert war), ist dieser Bull-Market auf starke Zahlen und Grundlagen basiert. Die 30'000 Marke ist schon im Visier... 

WStutz
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Lang anhaltender Bärenmarkt!

Nach neun Jahren mit steigenden Indizien ist nun ein lang anhaltender Bärenmarkt fällig! Ich gehe davon aus, dass wir nun 5-7 Jahre fallende Kurse haben werden. Die letzten 10 Tage haben es angedeutet. Im April sehen wir den SMI zw. 6500 und 6800 und deshalb rate ich dringend zum Totalausstieg! 

Simi
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Drei Tagen im Rot und schon

Drei Tagen im Rot und schon redet man über Bärenmarkt. Ich finde es ist eine verfrühte Prognose. 

Schnitthelm Wac...
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Aktien, nein Danke!

Ich habe gehört, dass wieder einige Banken in Schieflage geraten. Eine neue Finanzkrise ist durchaus möglich. Gegenwärtig möchte ich keine Aktien besitzen. Vielleicht kurzfristig auf Ende Jahr (und nur für 2-3 Wochen). Die Zinsen sind ebenfalls im Steigen, also Vorsicht! Ich sehe dieselbe Situation wie 2008. Auch damals stürzten die Börsen mehrmals ab, bis zum grossen Knall, den niemand vorher wahrhaben wollte. Jedenfalls sind die 10'000 beim SMI unrealistisch.

MfG
Schnitthelm Wachtvogel

WStutz
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Morgen und in den folgenden

Morgen und in den folgenden Wochen erwarte ich ein Gemetzel an den Börsen! Im Januar 2008 war der SMI übrigens 2x bei -5% so weit ich mich erinnern kann. Glaube es war auch kein gutes Jahr geworden? Heute rechnet keiner mehr mit 10.000 beim SMI oder 30.000 beim DJ.

Schnitthelm Wac...
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Nikkei 21550!!! (22:00)

Für morgen rechne ich nur mit einer kleinen Erholung.

MfG
Schnitthelm Wachtvogel