Sony immer stärker in Bedrängnis

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20.10.2006 07:05
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Sony immer stärker in Bedrängnis

It's a Sony Problem

Das Ergebnis lässt sich an der Börse ablesen. Während fast alle japanischen Elektronikhersteller in diesem Jahr steigende Kurse aufweisen, ist die Sony-Aktie beinahe permanent im Sinkflug.

Selbst eine Übernahme von Sony ist laut Merrill-Lynch-Ökonom Jesper Koll mittlerweile in Reichweite gerückt.

In Frage kommt beispielsweise der südkoreanische Konkurrent Samsung. Und sogar ein namenloser Hersteller aus China wäre als Käufer denkbar, der dann nur die Marke ausschlachten würde.

Sony verliert weiter an Energie

Rückruf von Notebook-Akkus verbrennt Gewinne – Markenimage und Börsenkurs im Sinkflug

Der japanische Elektronikkonzern Sony, einst das Zugpferd einer ganzen Branche, gerät immer stärker in Bedrängnis – mit deutlichen finanziellen Folgen.

Angela Köhler/TOKIO

Sony kündigte gestern den geringsten Gewinn der letzten fünf Jahre an. Er wird im laufenden Geschäftsjahr gegenüber der ursprünglichen Prognose um 38% fallen und noch 80 Mrd. Yen (855 Mio. Fr.) betragen. Die Reduktion geht einher mit der neusten Hiobsbotschaft: 8 Mio. Computerbatterien müssen wegen Überhitzungs- und Feuergefahr auf volle Kosten des Elektronikkonzerns ersetzt werden. Schon das allein wird umgerechnet bis zu 450 Mio. Fr. kosten. Hinzu kommen mögliche Schadenersatzklagen in bisher unkalkulierbarer Höhe, vor allem in Nordamerika. Toshiba hat bereits Kompensationsforderungen angekündigt.

Sony-Schock ohne Ende?

«Kaum waren wir auf dem Weg in die schwarzen Zahlen, wirft uns diese spektakuläre Aktion wieder zurück», sagte Konzernsprecher Gerald Cavanagh. Sony-Präsident Ryoji Chubachi, der vor allem für die angeschlagene Elektroniksparte verantwortlich ist, sieht die Strukturreform noch in einem frühen Stadium und verlangt viel mehr Zeit.

Wie viel Prestige mit den Notebook-Akkus verbrannt wurde, ist bisher nicht errechenbar. «Mit jeder Blamage entwertet sich ein japanischer Nationalstolz selbst», stellt Jesper Koll, Chefökonom von Merrill Lynch in Tokio, fest. Probleme mit der Qualität galten bei Sony bisher eher als selten. Nun räumt selbst Playstation-Erfinder Ken Kutaragi ein, es «fehlen wohl gewisse Fähigkeiten». Es sei nicht zu bestreiten, dass die Produktionsleistung abgenommen habe.

Schlimmer noch: Gleich zweimal warnte Japans Handelsminister Toshihiro Nikai das nationale Vorzeigeunternehmen, den Wert von «Made in Japan» nicht zu beschädigen.

Solche Abmahnungen der Regierung signalisieren dem Kunden, was Japans Medien auf den Punkt brachten: «Sony ist in die Masse zurückgefallen, die einst von ihr angeführt worden war.» Es werden Stimmen laut, die ein Führungsproblem bei Sony beklagen. Kaum einer am Stammsitz in Tokio versteht, wie man einen japanischen Traditionskonzern parallel von New York – wo Konzernchef Howard Stringer das Sony-Unterhaltungsgeschäft dirigiert – und von Tokio aus leiten kann. Und dazu wie Stringer noch familiär in London residiert. Nicht einmal der in Japan als Nissan-Retter bekannte Carlos Ghosn hatte am Anfang einen solchen Spagat gewagt, sondern seinen Lebensmittelpunkt konsequent von Paris nach Tokio verlegt.

Es fehlt ein klarer Plan

Nur mit dieser Distanz lässt sich plausibel erklären, dass fast jede Sony-Sparte nach eigenem Gutdünken agiert. Branchenexperten wundern sich, wie Ingenieure und Designer in 913 Tochterfirmen faktisch nach ihrem Ermessen detailverliebt ihre Ideen durchsetzen können, ohne das wirtschaftliche Gesamtbild des Konzerns zu berücksichtigen. Oft werden dafür Komponenten entwickelt, die nur in ein spezifisches Gerät passen statt in eine grosse Serie. Das Fujitsu-Forschungsinstitut schätzt, dass Sony das Achtfache an Teilen einsetzt wie andere Elektronikunternehmen.

http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=jsp&artikel_id=1250424&resso...

Ist das, das Ende vom Anfang.

Gruss

rswiss

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