Börse und Psychologie.

11 Kommentare / 0 neu
07.07.2006 22:53
#1
Bild des Benutzers Speedy3
Offline
Kommentare: 2453
Börse und Psychologie.

Möchte hier mal einen Tread eröffnen, der die täglichen Meldungen der

Börsenpresse mal kritisch hinterfragt und sich die Frage stellt, was

effektiv dahinersteckt, wenn die Börse starke Ausschläge innerhalb

kürzester Zeit auf Grund von Statistiken und Fakten hinlegt.

So z.B. die heutigen Schlagzeilen mit dem DJIA von -1.4%:

Die US-Börsen verzeichnen am Freitagmittag New Yorker Zeit deutliche Abschläge. Vorbörslich teilte das Arbeitsministerium mit, dass sich die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Juni um 121.000 Personen gegenüber dem Vormonat erhöht hat. Volkswirte hatten dagegen sogar einen Stellenaufbau um 175.000 Beschäftigte prognostiziert. Dabei stiegen die Stundenlöhne, die als wichtiger Indikator für die Inflationsentwicklung gelten, um 0,5 Prozent an. Hier waren Volkswirte nur von einem Plus von 0,3 Prozent ausgegangen...........

Es hört sich schon fast pervers an. Weil der durchschnittliche Stundenlohn

von 16.70 Dollar eines amerikanischen Bürgers 3 Cents höher ausfiel,

als die Analysten erwartet haben, machen sich die amerikanischen Anleger

wieder ins Hemd und lassen den DJIA -1.3% in die Tiefe sausen.

Ich stelle mir immer wieder die Frage, wieso ein minimalst steigender

Stundenlohn ein Problem für einen Notenbänker darstellen soll.

In welcher Art in Gottes Willen, soll dies für die Inflation ein Problem

sein. Bei den Milliardengewinnen der Big Player ist es doch nur logisch,

dass die Angestellten an dem Erfolg auch nur ein Quäntchen teilhaben

dürfen und ein paar 0.x Prozentchen mehr in der Lohntüte haben dürfen.

Andererseits steht so mehr Geld für den Konsum zur Verfügung.

Auch die neugeschaffenen Stellen müssen relativiert werden, da hier

saisonalle Effekte reinspielen. Hier müssten 3-5 Monatsentwicklungen

in Betracht gezogen werden, da diese aussagekräftiger sind.

Auch hier wird stur auf einzelne Zahlen geschaut und entsprechend

panisch reagiert.

In Anbetracht der robusten Konjunktur und der starken Unternehmens-

zahlen ist es absolut unvernünftig auf jede kleinste Zahl, welche die

Statistiker herausbringen, wie ein durchgebrannter Hengst zu reagieren.

Im Grund kann ein milliardenschwerer Hedge Funds in den USA

mit ein paar gewichtigen Transaktionen die ganze Weltbörse beeinflussen.

Man schaue z.B. heute, da sind um ca. 15.40 Uhr innerhalb 3 Sekunden

40 Punkte im DJIA in die Binsen gegangen, Hedge Funds lassen grüssen.

Und die ganzen Weltbörsen hoppeln schön brav hintennach.

Ist dies noch Börse oder nur noch ein Spiel der Psychologie ?

Hier wäre mal ein Stück Besonnenheit und eine pragmatischere, ruhigere

Betrachtungsweise der Anleger ein guter Ratgeber.

Aufklappen
09.07.2006 12:07
Bild des Benutzers Jodellady
Offline
Kommentare: 1863
Börse und Psychologie.

Ich wollte dich mit meinen Punkten nicht angreifen!

Hab nur ein paar negative Punkte, die in vergangener Zeit Auswirkungen hatten, aufzeigen wollen.

Betreffend steigenden Ölpreisen: Die Wirtschaft ist immernoch sehr vom Ölpreis abhängig. Viele Produkte haben sich dadurch auch verteuret. Bis zu einem gewissen Preis stecken das die Unternehmen selbst noch ein, ist der Grenzwert überschritten, wird dies auf die Kunden überwälzt --> darum auch trotzdem noch Gewinnsteigerungen.

Wie schonmal erwähnt, laufen die Produktionen auf 98% Auslastung. Falls das Öl weiterhin knapp werden würde (da die Nachfrage steigen wird über Ferienzeit, und nacher Ölheiztanks füllen), gibts eine weitere Ölkrise (bsp in den 70er Jahren).

Naja die Vogelgrippe ist noch nicht so ausgebreitet, wie anfangs prophezeit wurde. Falls eine wirkliche Pandemie austreten würde, könnten Flüge zb. von und nach Asien gestrichen werden. Forscher warnen ja schon seit Jahren von der Vogelgrippe, die sich immer wieder anderst mutiert. Erst letztes Jahr wurde halt der erste Virus entdeckt, der auf die Menschen übertragbar ist (H5N1).

Falls ein weiterer Krieg in Iran ausbrechen würde (oder angenommen es gäbe einen neuen Terroranschlag), nützt jegliche Reserve nichts mehr. Die Börse würde für ein paar Monate ins Unermessliche stürzen.

Wie oben bereits mal erwähnt, wollte ich dir nur mal aufzeigen, dass reiner Optimismus fehl am Platz ist. ICH bin der Meinung, dass die Aktienkurse weiterhin steigen werden, sofern nichts Aussergewöhnliches passiert.

09.07.2006 11:51
Bild des Benutzers Hans
Offline
Kommentare: 1963
Börse und Psychologie.

...und hier noch der ultimative Affentipp Biggrin

http://www.youtube.com/watch?v=FPp42iTbMos

Gruss Hans

09.07.2006 10:50
Bild des Benutzers Speedy3
Offline
Kommentare: 2453
@ Jodellady

Was hältst Du von dem Fakt, dass in den letzten 2 Jahren die

US-Zinsen um fast 4 Prozent gestiegen sind, der Erdölpreis

sich fast verdoppelt hat und die Unternehmen trotzdem

Nettogewinnsteigerung im zweistelligen Bereich schreiben.

Hier hat sich im Verlgeich zum Jahr 2001 und vorgängigen

Jahrzehnten Grundsätzliches verändert:

- Die Unternehmen haben ihr Kostenmanagement im Griff.

- Risiken werden gehedgt und abgesichert (Rohstoffe)

- Die Abhängigkeit vom Rohölpreis ist nicht mehr so gravierend

- Viele Unternehmen haben eine gute Kapitalreserve

Die Themen Vogelgrippe, Sars usw. wurden zur Panikmache

in der Presse hochgepusht und wenn wir zurückblicken.....

Was effektiv hat es der Wirtschaft Negatives gebracht?

Ich kann da nicht viel erkennen.

Hauptsache die Presse hatte ihre Seiten gefüllt.

Hier gehts nicht um Optimismus, sondern darum realistisch zu bleiben.

Pessimismus in Ehren, aber in der Ruhe liegt die Kraft.

09.07.2006 07:28
Bild des Benutzers Jodellady
Offline
Kommentare: 1863
Börse und Psychologie.

Ja klar muss viel passieren, bis die Unternehmen keine so prognostizierten Gewinne bis Ende Jahr schreiben. Doch im 2001 haben wir ja gesehn, was passieren kann --> 11.9..

Ich weiss, dass es ein alter Hut ist, aber Kriege ist wohl das schlimmste für die Wirtschaft. Dazu neue Vogelgrippepaniken, was sogar die Globalisierung eindämmen könnte (aus Angst von Pandemien). Im Herbst könnte auch ein Immobiliencrash in US kommen, was ebenfalls ein Einsturz prognostiziert.

Aber HEY! Ich will hier niemandem Panik machen. Es ist ein Wachstumsjahr und wir hoffen jetzt mal, dass dies nicht durch eine aussergewöhnliche Situation abgekappt wird.

Aber deine Situation ist ein bisschen ZU optimistisch, Speedy3 ;).

08.07.2006 23:24
Bild des Benutzers revinco
Offline
Kommentare: 4396
Börse und Psychologie.

Quote:

Zum Thema Erdöl:

Ein grosses Jammerthema....aber was viele zu wenig beachten. Der hohe Ölpreis generiert zusätzliches Auftragsvolumen.

Alternative Energie und neue Abbauverfahren generieren Investitionen und die sind nicht ohne.

Das betrifft aber ein Mindestanzahl von Unternehmen, die alternative Energie forschen. Alle anderen benötigen das Erdöl um Fahrzeuge, Maschinen, etc. anzutreiben, d.h. hohe Umtriebskosten.

Quote:

Aktienbewertung:

Der jüngste Kursrückgang an den europäischen Aktienmärkten betrachte ich als attraktives Eingstiegsnieveau. Vorallem da diese die grössere Kurskorrektur als USA durchmachten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nocheinmal zu einer deutlichen Korrektur kommen wird, sehe ich als unwahrscheinlich. Das akutelle KGV vm Dax beträgt aktuell gerade nur 13, was im historischen Vergleich der vergangenen 10 Jahre äusserst günstig ist. SMI analog.

Ich vermute Du bist noch zu voreilig. Inland Anleger sind zurückhalten weil Mitte bis Ende Juli die Geschäftsberichte veröffentlicht werden, daher warten viele noch ab. Danach vermute ich werden die Kurse klettern sobald diese positiven CH-reports erscheinen.

Quote:

...es müsste ja viel schief laufen, das in den nächsten Monaten nicht sehr gute Zahlen kommen.

Denke ich auch.

Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

08.07.2006 18:43
Bild des Benutzers Speedy3
Offline
Kommentare: 2453
Anleger machen sich oft zu grosse Sorgen

Zum Thema Erdöl:

Ein grosses Jammerthema....aber was viele zu wenig beachten.

Der hohe Ölpreis generiert zusätzliches Auftragsvolumen.

Alternative Energie und neue Abbauverfahren generieren

Investitionen und die sind nicht ohne.

Wirtschaftswachstum:

Das KOF-Konjunkturbarometer deuten überdurchschnittliches

Wachstum an. Auch das amerikanische BIP ist auf Rekordhöhe.

Würde mich ja wundern wenn diese Vorausindikatoren den

Unternehmen nicht gute Zahlen bringen werden.

Aktienbewertung:

Der jüngste Kursrückgang an den europäischen Aktienmärkten

betrachte ich als attraktives Eingstiegsnieveau.

Vorallem da diese die grössere Kurskorrektur als USA durch-

machten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es nocheinmal zu einer deutlichen

Korrektur kommen wird, sehe ich als unwahrscheinlich.

Das akutelle KGV vm Dax beträgt aktuell gerade nur 13, was im

historischen Vergleich der vergangenen 10 Jahre äusserst

günstig ist. SMI analog.

Nordkorea:

Nun, Nordkorea ist ja bekanntlich ein kleines Land und wenn die

ganze Welt (analog Iran) geschlossen der selben Meinung ist,

sehe ich hier keine Risiken.

Oft geht's hier um Säbelgerassel.

Amerika hat's wohl eingesehen und lässt sich mehr so rasch

von irgendwelchen Provokateuren auf die Palme bringen.

Ergo:

Tiefe Einstiegschancen nutzen, Grossübernahmen stehen vor

der Tür und es müsste ja viel schief laufen, das in den nächsten

Monaten nicht sehr gute Zahlen kommen.

08.07.2006 09:30
Bild des Benutzers cashy
cashy
Börse und Psychologie.

@ speedy

die einen haben hochgesteckte ziele, die anderen haben,wie du , hohe erwartungen dass nur wenige unternehmen gewinnwarnungen geben werden.

wenn nahmhafte unternehmen gewinnwarnungen geben, dann befürchten

viele investoren, dass es zu weiteren kommen könnten. (das zu börse&psychologie)

(ich übrigens sehe es eher auch optimistisch dass die gewinneerwartungen erfüllt werden., aber über die aussichten, bin ich mir nicht ganz sicher)

zu investmentbanken:

wenn unternehmen einen tollen gewinn präsentiert (vergangenheit) heisst

es nicht unbedingt, dass sie wieder gewinn schreiben werden( zukunft)

zu gewinnsteigerungen:

wenn du die vollkostenrechnung machst, dann ist die 20-80% gewinnsteigerung schnell zunichte gemacht. (kostenanteil/margenanteil = leverage)

gruss cashy

08.07.2006 06:05
Bild des Benutzers Jodellady
Offline
Kommentare: 1863
Börse und Psychologie.

1. Das Problem liegt momentan auch an den zu hohen Ölpreisen. Momentan war der Rohölpreis (Brent) 73.89, was einem fast Rekordhohen Preis nahekommt. Zudem wird davon ausgegangen, dass der Preis noch steigen könnte, wegen den iranischen Unsicherheiten. Da die Ferienzeit in den USA wieder begonnen haben, werden alle wieder mit ihren Autos sinnlos rumkurven und Sprit verbrauchen. Es könnte sogar sein, dass die Raffinerien nicht mit der Versorgung ausreichen.

Das selbe in EU. Da die Amis nicht mehr ausreichen produzieren können (wegen mangelnder Investitionen in neue Piplines, Raffinerien etc.), müssen die Europäer fängs ihr Öl den Amerikanern liefern. [by the way Kommentar von mir: Warum auch selber hohe Investitionen tätigen, wenn mans von den "Nachbarn" billig bekommt?]. Die Raffinerien laufen auf 98% Höchstauslastung. Da kann es schon Ängste bereiten, wie dies in Zukunft weitergehen wird.

2. Die Raketenstarts in Nordkorea haben auch nicht gerate Freude an den Aktienmärkte verbreitet.

3. Viele Pessimisten gehen davon aus, dass ein weiterer Krieg noch ausbrechen werde, bevor Bush sein Zepter abgeben wird.

Ich verstehe nicht, warum wir Europäer so auf die Amis angewiesen sind. Der schweizer Wirtschaft geht es hervorragend, trotzdem brechen die Aktienkurse ein. Hoffentlich wird es nächste Woche eine Haussezeit geben, nach wenigen Quartals- und Halbjahreszahlen.

Ich denke, wir Europäer müssen lernen, dass wir in ferner Zeit mehr auf die asiatischen Länder (Indien, Japan, China etc.) und südamerikanischen Länder (Brasilien etc.) angwiesen sind, als die vereinigten Staaten.

08.07.2006 00:55
Bild des Benutzers Speedy3
Offline
Kommentare: 2453
Gewinnwarnungen nur vereinzelt

Nun, von den hunderten US-Unternehmen haben nur vereinzelt Unternehmen

Gewinnwarnungen herausgegeben. Es ist ja nicht so, dass diese

schlecht Geschäfte machen würden, nein oft sind es einfach die Ziele,

die zu hoch gesteckt wurden.

Also müssten die Restlichen die Erwartungen zumindest erfüllen.

Die Investementbanken haben bereits grandiose Zahlen geliefert.

In Anbetracht, dass in Amerika die Wirtschaft sehr gut läuft ( es gibt da

genügend Zahlen, die dies belegen) und Europa mit Exporten traumhafte

Geschäfte gemacht hat (Wirtschaftshunger Asien, Indien und Ölländer)

sehe ich den Quartalszahlensaison zuversichtlich entgegen.

Im Übrigen........bei Nettogewinnsteigerungen von 20-80% sind 3.9%

Lohn-Mehrkosten ohne Probleme wegzustecken......

07.07.2006 23:56
Bild des Benutzers cashy
cashy
Börse und Psychologie.

1.

zu stundelöhne sind gegeüber vorjahr um 3.9% gestiegen!

angenommen eine firma produziert und vertreibt ein produkt

mit 70% direkter lohn- und 30% matrialkostenanteil (z.B. stahl, kupfer

aluminium: siehe LME index +49%) dann schwinden die bruttomargen beträchlich

2.

zu neugeschaffenen stellen

die prognosen der volkswirte sind bereits saisonal bereinigt. somit ist

der vergleich mit den tatsächlichen zahlen saisonal bereinigt

3.

zu robusten konjunktur resp. starken unternehmenszahlen

bin mir nicht so sicher: rückläufiger wachstum mit gleichzeitiger inflationsdruck ist das worst-case szenario für unternehmen. (stagflation)

siehe unternehmenswarnungen von heute: AMD, 3M von heute und Starbuck von gestern

4.

zu börse & psychologie

börse IST die summe aller psychologie