Chartisten vs. Fundamentalisten

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09.04.2007 09:14
#1
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Chartisten vs. Fundamentalisten

Habe gestern den Artikel in der NZZ gelesen.

Ich persönlich berücksichtige sowohl die fundamentalen Daten (sogar das verpönte KGV) wie auch die Charts.

Das man vielleicht auch mal die Oma fragen könnte, finde ich gar nicht mal so schlecht. Endlich mal wieder ein guter Grund zum Anrufen Smile

Grundsätzlich konnte ich in der Vergangenheit keine Börsenkorrektur/-erholung auf einen Zeitpunkt vorhersehen. Bestenfalls habe ich auf den richtigen Trend getippt (vorallem ab 2003) und bin zwischendurch mal eher zufällig zum richtigen Zeitpunkt aus- oder eingestiegen.

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Benjamin Franklin

06.05.2007 21:07
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Chartisten vs. Fundamentalisten

@Mike, zu deiner Frage, wie man zu Wissen bezügl. Charts/Börse kommt:

Ich bin Autodidakt von ganzem Herzen, und mag keine Schulbänke mehr. Wenn mich ein Gebiet interessiert, suche ich einen Klassiker zu dem Thema. Ich bin nun seit einiger Zeit von Charts recht angefressen, und denke, dass ich die herausragenden Standardwerke zu dem Thema in meiner Bibliothekt habe. Womit beginnen?

Als alter Asienfan (well, dessen alte Kultur..., inklusive seiner Schrift aus Piktogrammen in Ostasien...) hat mich das Piktografische der Kerzencharts gleich in seinen Bann gezogen. Ein für mich sehr spannendes Werk dazu hat Nison geschrieben: Technische Analyse mit Candlecharts, Finanzbuch Verlag.

Warum nicht danach sich Murphy zuwenden: Technische Analyse.

Nach diesen beiden Werken kommt der Stein von selbst ins Rollen, und es bietet sich Weiteres an. Ferienlektüre letzthin: Alexander Elder: entries and exits; visits to sixteen trading rooms.

Dann, wenn es weiter gehen soll, und man eine Verbindung zwischen Naturgesetzen und dem Verhalten der Märkte vermutet, wird Tony Plummer: Forecasting Financial Markets für manchen eine Offenbarung sein.

@Marabu: Zuerst zwinst du mich nachzuschlagen, was ein Esoteriker ist: Wissenschaft des Geheimen? Warum nicht als Marktanalyst Esoteriker sein? Mir ist aufgefallen, dass vor allem Angehörige der "behavourial finance" nicht selten Exzentriker bin. Wohl auch ich, da hast du vielleicht Recht. Wie du das wertest ("schade", sagst du) muss ich dir überlassen.

Der Begriff "Esoteriker" wird gerne benutzt, um allfällige Theologie oder Ethik in einem wissenschaftlichen Konzept abzustempeln. Allein, auch Atomphysiker werden zu Esoterikern, es ist unvermeidlich. Es zeigt sich in allen Wissenschaften, dass je weiter sie betrieben wird, sie schliesslich zum selben Staunen über das letzte Unerklärliche führt.

Nicht anders in Aktien/Märkten, die sich nach den Gesetzmässigkeiten richten, die für das Eine gelten. Wenn immer wieder die "goldene Ratio" im Verhalten der Märkte erscheint, und dies von alten Völkern als die Grundgegebenheit des Göttlichen gesehen wurde, und das Pulsieren und Wachsen der Natur danach geschieht, und demgemäss auch der Ausdruck menschlichen Schaffens (vergessen wir nicht den gr. Begriff "techne", der Wissenschaft und Kunst bedeutete...), so wird es sich mir aufdrängen, einen Zusammenhang zu sehen, zwischen dem Gesamten und der kollektiven Psyche der Märkte. Es ist eins und dasselbe, für mich. Ausdruck der Substanz, von manchen "Gott" genannt.

Mein Hintergrund ist nicht ein naturwissenschaftlicher, sondern ein geschichtlicher und philosophischer/theologischer. Insofern werde ich einen Ansatz zur Erklärung der Märkte haben, der in Übereinstimmung mit meinen anderen Sichtweisen/Überzeugungen steht. Dabei bin ich Skeptiker, glaube ich.

Mein Desinteresse an Gold dagegen hängt nicht mit einer esoterischen Haltung zusammen, sondern mit einer einstigen Abneigung, die sich in meiner Jugend bei der Lektüre der Entdeckungsgeschichte Amerikas ergeben hat, dabei vor allem die Eroberung des Inkareichs durch Pizarro und seiner Bande.

Heute habe ich die Abneigung nicht mehr, aber es ist ein Desinteresse geblieben, es sei denn, ich kann es einer Geliebten verschenken, oder ich sehe es auf einer Pagode glänzen.

Mir scheint, dass Gold ungeeignet ist, sich abzuhedgen. Beim letzten Februarcrash gab Gold stark nach, oder nicht? Es hat sich gezeigt, dass bei einem Börsencrash Gold etwas weniger schnell reagiert, man also eine etwas längere Reaktionszeit damit hat. Wirklich aber dient es kaum, eine Rendite zu erzielen, die es mit menschlicher Produktivität aufnehmen kann. Ausserdem arbeitet Gold nicht, so wie es eine Aktienanlage tut, die produktiv ist.

Bei all dem Gesagten: Jedem das Seine. Ich für meinen Teil habe Freude an Geldanlagen, die ich ethisch für vertretbar halte, und von denen ich mir auch ein Wohl verspreche, für das Kollektiv. Selbst der norwegische Staat legt seine Milliarden an Ölgeldern nach solchen Richtlinien an.

Über unsere eigenen Empfindungen kommst schliesslich unsere Vernunft sicher nicht an, das wissen wir ja... Warum also dagegen ankämpfen?

Es gibt noch Schlimmeres.

06.05.2007 12:58
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Costa wrote:

Charttechnik und Wahrscheinlichkeiten

Wir wissen, dass ein Kurs oft etwa ein Drittel oder 50 % des vorherigen Anstiegs korrigiert, um dann seinen Trend wieder aufzunehmen. Je steiler der Trend ist, desto geringer sind seine Korrekturbewegungen.

Was nun?

Das Korrekturpotenzial ist noch nicht ausgereizt, also warte ich geduldig, ob es noch ausgereizt wird. Wenn der Trend doch nach oben ausbrechen sollte, gilt die altbekannte Strategie. Bei einem neuen Hoch weitere Longpositionen aufbauen. Wenn er nachhaltig unter das Korrekturpotenzial fallen sollte, muss man seine Positionen verringern.

Nur die Charttechnik kann die nutzbaren "Wahrscheinlichkeiten" im kurzfristigen Bereich geben, die man braucht, um oben genannte Strategien anzuwenden. Ob nach einer grösseren Korrektur ein Baissemarkt entsteht, kann frühestens anhand der Qualität erster Erholungsversuche beurteilt werden.

Costa

Nun.... jeder hat so seine Strategien....

Geduldig warten, bis einem die Geduld ausgeht, weil weder das eine (Trend nach oben ausbrechen) noch das andere (nachhaltig nach unten) Szenario eintrifft.

Ob man die Positionen verringern MUSS (müssen setzt Zwang voraus) oder nicht doch besser zum tieferen Kurs nachkauft, ist auch eine Frage der eigenen Strategie.

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06.05.2007 11:05
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Costa wrote:

Warum Chartanalyse?

http://www.buero-dr-schulz.de/chartbasics/index.htm

Auch ich berücksichtige die fundamentalen Daten und Charts.

Costa

Charttechnik und Wahrscheinlichkeiten

Wir wissen, dass ein Kurs oft etwa ein Drittel oder 50 % des vorherigen Anstiegs korrigiert, um dann seinen Trend wieder aufzunehmen. Je steiler der Trend ist, desto geringer sind seine Korrekturbewegungen.

Was nun?

Das Korrekturpotenzial ist noch nicht ausgereizt, also warte ich geduldig, ob es noch ausgereizt wird. Wenn der Trend doch nach oben ausbrechen sollte, gilt die altbekannte Strategie. Bei einem neuen Hoch weitere Longpositionen aufbauen. Wenn er nachhaltig unter das Korrekturpotenzial fallen sollte, muss man seine Positionen verringern.

Nur die Charttechnik kann die nutzbaren "Wahrscheinlichkeiten" im kurzfristigen Bereich geben, die man braucht, um oben genannte Strategien anzuwenden. Ob nach einer grösseren Korrektur ein Baissemarkt entsteht, kann frühestens anhand der Qualität erster Erholungsversuche beurteilt werden.

Costa

29.04.2007 19:26
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Mike wrote:

@learner

Du verfügst über ein tiefes Wissen in Sachen Charttechnik/Chartanalyse. Darf man fragen auf welchem Wege du dir diese angeeignet hast?

Ich möchte mein Wissen gerne erweitern. Hab auch schon Bücher gelesen usw. aber es giebt auch verschiedene teure Seminare in der Dauer von ein bis zwei Tagen. Könntest du konkret empfehlen mit welchen Mitteln und auf welchem Weg du zu deinem Wissen gekommen bist?

Gruss

Enkel des Grossen Manitou! Lol

Auch ich bewundere deine grossen Fachkenntnisse in Bezug auf die Chartanalyse. 8)

Deine Texte sind sehr lesenswert - aber - weshalb um Dreiteufelsnamen stehst du nur der Esoterik so nahe :?: :?: :?: Schade, schade... :roll:

Vor allem sichtbar in deiner Sichtweise des wunderschönen, gelben Metalls.

29.04.2007 17:58
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@learner

Du verfügst über ein tiefes Wissen in Sachen Charttechnik/Chartanalyse. Darf man fragen auf welchem Wege du dir diese angeeignet hast?

Ich möchte mein Wissen gerne erweitern. Hab auch schon Bücher gelesen usw. aber es giebt auch verschiedene teure Seminare in der Dauer von ein bis zwei Tagen. Könntest du konkret empfehlen mit welchen Mitteln und auf welchem Weg du zu deinem Wissen gekommen bist?

Gruss

28.04.2007 22:35
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hehe, witzig. jetzt habe ich eben den Titel dieses Threads gelesen.

Wenn ich mich nächstes mal Vorstelle, dann als: "Hi - alanoxus. Bekennender Börsen-Fundamentalist" Smile

28.04.2007 22:27
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learner wrote:

Zu Gold, der Götterscheisse, habe ich als Rothaut eine gewisse Abneigung. Es ist ein totes Material, das wenig Nutzen hat.

in der elektro-industrie wird sehr viel gold als leitmaterial gebraucht. also nur als hintergrundwissen - so nutzlos ist es auch wieder nicht Smile

10.04.2007 19:59
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marabu wrote:

Soll ich jetzt Gold verkaufen? Die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind mir klar.

Marabu, ich habe mich bis anhin nicht sehr um Rohstoffe gekümmert, ausser um das schwarze Gold. Erdöl.

Zu Gold, der Götterscheisse, habe ich als Rothaut eine gewisse Abneigung. Es ist ein totes Material, das wenig Nutzen hat. Ich kenne die seltsame Besessenheit der Weissen, dieses Material zu besitzen. Dafür morden sie besonders gern. Deswegen habe ich mich nie dafür interessieren mögen. Sein Preis ist spekulativ. Wir haben Anlagemöglichkeiten, mit denen etwas mit dem Geld passiert. Was passiert, wenn wir das Geld im Gold haben? Ja, dann ist es in Gold eingegossen; nicht gerade nützlich. Da staust du mit dem Geld doch besser den Fluss vor deinem Wigwam.

Vermute, dass wenn inflationäre Ängste da sind, auch Rezessionsängste, das Gold als Sicherheit angeheizt wird. Gold hat also viel mit Angst zu tun. Auch deswegen mag ich es nicht besonders. Die Goldpusher predigen auch stets den nahen Untergang des Übrigen. Des Dollars; der Preise; der Aktien. Alles geht unter, ausser Gold, sagen sie. So wie Mr. Doomsday Mark Faber, einer depressiven Natur.

Gold ist vor einigen Monaten aus einer langen Konsolidierung, in der es ein Seitwärts-Dreieck bildete, ausgebrochen, und seit damals in einem recht braven Aufwärtskanal. Im Augenblick ist es fast am oberen Ende des Kanals. Wenn ich schon auf den Klunker setzen wollte, würde ich warten, bis der Kurs im unteren Kanalbereich ist. Warum jetzt noch so knapp vor dem Widerstand bei 690 eintreten? Es könnte zuerst geschaut werden, ob es ihn nimmt, was dann weiteres Terrain nach 720 eröffnenen würde. Bis 690 aber sind das nur lausige 1,5 Prozent! Da ich fürchte, dass es daran abprallt, wär's für mich also kein Geschäft, es sei denn als aktiver Swinger.

Es gibt noch Schlimmeres.

10.04.2007 14:56
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Piismaker wrote:

Du handelst somit nie ungedeckt? Müsstest bei der Bank auch eine Einlage leisten oder???

Schreiberstrategien rentieren doch erst bei einem gewissen Bestand an Money Biggrin ?!?!

Kassierst ja sowieso nur die Prämie...

- Ungedeckt: Die Banken machen keine ungedeckten Geschäfte. Reicht die Deckung nicht mehr aus, meldet sich der Bankberater......

- rentieren: Kommt immer darauf an, was man unter rentieren versteht. Ich mache es seit bald 10 Jahren. Würde es sich nicht lohnen, würde ich es nicht tun.

- Bestand: das ist die Achillesferse. Unter Fr. 50'000 Cash lohnt es sich fast nicht. Das reicht aber immerhin, um Geschäfte in der Grössenordnung um die 120'000 abzuwickeln (Put). Dann darf aber nicht viel schiefgehen.......

- nur die Prämie: Je nachdem, wo man den Strike setzt, kommt schon was zusammen. Bei einem Strike In-the-Money sicher mal die Differenz zum aktuellen Kurs, plus Zeitwert. Und das jeden Monat. Kleinvieh mach auch Mist.

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10.04.2007 14:31
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Du handelst somit nie ungedeckt? Müsstest bei der Bank auch eine Einlage leisten oder???

Schreiberstrategien rentieren doch erst bei einem gewissen Bestand an Money Biggrin ?!?!

Kassierst ja sowieso nur die Prämie...

2 x 2 gibt niemals 4, sondern 5 - 1

10.04.2007 14:27
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Piismaker wrote:

Mit anderen Worten. Du bist jeweils short und spekulierst beim Call auf stagnierende oder gar sinkende Kurse und beim Put auf stagnierende oder steigende Kurse.

korrekt.

Die Strategie hat einen paar Hacken: man braucht einen relativ hohen Cashbestand beim Put, mindestends 35% des Gegenwerts des Basistitels bzw. den gesamten Aktienbestand beim Call (covered).

Bei stark fallenden oder steigenden Kursen werden die Optionen frühzeitig ausgeübt und oft in ärgerlich kleinen Tranchen, was hohe Spesen verursacht.

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10.04.2007 12:00
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Mit anderen Worten. Du bist jeweils short und spekulierst beim Call auf stagnierende oder gar sinkende Kurse und beim Put auf stagnierende oder steigende Kurse.

2 x 2 gibt niemals 4, sondern 5 - 1

10.04.2007 11:46
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learner wrote:

Elias, was ist eine Schreiberstrategie?

Ich verkaufe Optionen.

Die Strategie besteht darin, den Strike so zu setzen, dass ich die Aktien nicht kaufen muss (Put) bzw. die Aktien nicht liefern muss (Call).

Geht nur an der Eurex.

http://de.wikipedia.org/wiki/Option_(Wirtschaft)

Der Verkäufer (auch Stillhalter, Schreiber, Zeichner) erhält den Kaufpreis der Option. Er ist im Falle der Ausübung verpflichtet, den Basiswert zum vorher bestimmten Preis zu kaufen (Put) bzw. zu verkaufen (Call).

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10.04.2007 11:09
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Hallo Learner

Da ich von Charts wenig verstehe, hätte ich diesbezüglich eine Frage:

Soll ich jetzt Gold verkaufen? Die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen sind mir klar

Herzlichen Dank

10.04.2007 10:33
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Elias wrote:

Mit meiner Schreiberstrategie nützen mir die Charts und Fundamentals nur VOR dem Verkauf der Optionen etwas.

Elias, was ist eine Schreiberstrategie?

Ich habe übrigens was Gutes gegens Nägelkauen! Wenn die Augen die Charts auf dem Bildschirm kauen, lenkt das die Zähne von den Nägeln ab. Den Tipp hat mir Dr. Antipille gegeben!

Noch ein Grund übrigens, warum ich auf Charts stehe: Sie machen mich nicht sauer. So wie die Fundamentals, die mich regelmässig über den Tisch ziehen. Wie gestern: Apples 1.Quartals-Performance wird aufgrund der nun einschätzbaren iPod-Verkäufe weit über ihrer Guidance liegen. An dem Tag, an dem das klar wird, reagiert die Aktie mit einem signifikanten Abschlaf. Iss doch deppert!

Bin am Verdauen ihres Charts: Müdes Aufwärtsparallelogramm. Das gestrige bärische Engulfing allerdings, auch die entschiedenen, raidmässigen Abgaben zu den Stunden des Smart Money flössen mir keinen Mut ein. Morgen- und Abendattacke. Wenn eine vitale Aktie so gedemütigt wird, ist's insgesamt für den Index alles andere als ein gutes Zeichen. Sieht als Patt aus, wobei Bären allmählich kräftiger zuschlagen. Könnte vorerst gegen 92.50 gehen. Falls darunter, wäre der nun schon siebenmonatige Aufwärtstrend in Frage gestellt. Wo läge eine Unterstützung? 84 als Erstes? Dann 77. Das wäre ein Fingerlecken, wenn dort gekauft werden könnte.

Könnte mir vorstellen, zur Seitenlinie zu treten heute Abend. Das gesamte US-Paket ist nicht klar, im Augenblick, bzw. an sich negativ eingefärbt. Risiko/Gewinn stehen kaum mehr in einem guten Verhältnis.

The croc may deserve some sleep.

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10.04.2007 09:54
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@Marabu: ausgezeichnet gesagt. Das Lebewesen bewältigt die Aufgaben mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Iss jo kloa. Die Wissenschaft für jenen, der wissenschaftlich denken muss, aus innerem Zwang. Intuition jenem, der sein Gespür im gewaltigen Getöse behalten konnte.

Meinem Lieblingskind würde ich allerdings gerne Charting beibringen, das ihm weit mehr als nur die Fähigkeit zum Traden eröffnet, sondern auch das Wesen von Materie und Organismen und damit den Blick auf das Dahinterliegende, eh ... die Substanz S, und deren Attribute. Natürlich sieht auch ihr Wirken prima vista als Random Walk aus, im Volksmund "Schicksal" oder "Zufall" genannt. Bei genauerem Hinblick ergeben sich aber doch Richtungen, die beschrieben werden möchten. Durch Mapping und Charting wollen wir Licht ins Dunkel bringen. Das Vergangene beschreibbar machen, und daraus Eventualitäten für die Zukunft ableiten. Wäre es nicht ein tief eingraviertes Bedürfnis unserer Spezies, hätte sie nie begonnen, den Versuch zu unternehmen, die Dinge beschreibbar zu machen.

Da sehe ich dann zwischen einer wissenschaftlichen Methode und Kaffeesatzlesen doch einen Unterschied.

Soannt's griesst!

Es gibt noch Schlimmeres.

10.04.2007 09:44
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marabu wrote:

@learner, elias

Es gibt viele Wahrheiten und ich meine, dass es ebenso viele Möglichkeiten gibt, Erfolg zu haben. Die ganze Börsenwelt kann man vielleicht mit einem artenreichen Gebiet im Korallenriff vergleichen: Verschiedene Lebewesen belegen verschiedene Nischen, spezialisieren sich auf unterschiedliche Beute stets darauf bedacht, nicht selbst gefressen zu werden.

Kostolany hat andere Qualitäten wie Buffet, Fricke, Amery, Lynch, Livermore und wie sie alle heissen.

Einfach gesagt: Mit Bescheidenheit das tun, was man am besten kann!

"Spekulieren ist experimentieren mit dem Zufall" Kostolany Lol

Ich bin ganz deiner Meinung.

Mit meiner Schreiberstrategie nützen mir die Charts und Fundamentals nur VOR dem Verkauf der Optionen etwas. Danach bleibt mir als Stillhalter nur noch das Nägelkauen und harren auf den nächsten Verfallstag.

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Benjamin Franklin

10.04.2007 09:31
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@learner, elias

Es gibt viele Wahrheiten und ich meine, dass es ebenso viele Möglichkeiten gibt, Erfolg zu haben. Die ganze Börsenwelt kann man vielleicht mit einem artenreichen Gebiet im Korallenriff vergleichen: Verschiedene Lebewesen belegen verschiedene Nischen, spezialisieren sich auf unterschiedliche Beute stets darauf bedacht, nicht selbst gefressen zu werden.

Kostolany hat andere Qualitäten wie Buffet, Fricke, Amery, Lynch, Livermore und wie sie alle heissen.

Einfach gesagt: Mit Bescheidenheit das tun, was man am besten kann!

"Spekulieren ist experimentieren mit dem Zufall" Kostolany Lol

10.04.2007 08:27
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Als Anleger achte auf den Dollar. Ich muss es! Wenn er am unteren Rande ist, wage ich ein kurzfristiges Engagement in US-Aktien. Hielte er sich bei 1.24, wäre mir allerdings bange.

Im weiteren rechne ich mit Kursen zwischen 1.20 und 1.23. Kurzfristig hat er seinen Niedergang unterbrochen. Am 15. Dezember 2006 prallte er an 1.19 kräftig ab, und schoss bis Mitte Januar auf 1.24 zurück. Danach folgte ein erneuter Abschwung, der bei 1.21 nun allerdings gestoppt scheint. Es sieht nach einem Seitwärts aus, gegenwärtig. Dass die Yanks nun gegen unlautere chinesische Wirtschaftspraktiken vorgehen, hat wieder Mut gegeben. An der Börse geschieht gerne das, womit niemand rechnet. Wenn alle von einem schwachen Dollar ausgehen, ist die Zeit gekommen, an ihn zu glauben.

In Sachen Kaufkraftparität ist er gegenwärtig -wie ich schon sagte- noch attraktiver als der Yen. Dass aber das Fed einen weiteren Zerfall verhindern will, ist auch klar, da damit die Inflation steigen würde. Will heissen: Ich zweifle, dass die Zinsen gesenkt werden, in den Staaten.

Letztendlich aber ist und bleibt der Green Back volatil. Ende 2003 stand er bei 1.13, wonach eine Rallye folgte, die ihn bis Ende 2005 nach 1.32 schaufelte. In dieser Bandbreite sind wir jetzt in der Mitte. Schliesslich aber gehörte er an eine Stelle, in der die Preise paritätisch mit ... -sagen wir mal- der Schweiz wären. Sicher nicht paritätisch mit China, dessen Landes- und Lebensqualität sich nicht mit jener der US messen kann. Früher oder später spiegelt eine Währung ja doch die Attraktivität eines Landes, warum ja der Schweizer Franken in der Vergangenheit so hoch bewertet war, dass er der Wirtschaft Mühe bereitete. Und nun Japaner und Schweizer auf Zinsen weitgehend verzichten müssen, um ihre Währungen auf Erdebene zu bringen.

Wenn man dann also die Währungssituation optimieren möchte, müssten wir Schweizer nun -nach allem, was gesagt wird- in Euros konvertieren. Der ist ja am Steigen, und der Franken am Fallen. Was etwa von Morgan Stanley als langfristiger Trend gesehen wird.

Es gibt noch Schlimmeres.

10.04.2007 04:23
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learner wrote:

P.S. @Elias: US-Aktien tragen eine Währungsrisiko. Gegenwärtig ist aber der Dollar doch recht günstig. So günstig, dass man bei 1.21 durchaus sich etwas Vorräte anlegen kann, für die nächste Shopping-Tour in Vegas. Mit dem Kurs sind die USA dirt cheap.

Mit dieser Aussage bewegst Du Dich aber auf sehr dünnem Eis! Nur weil der Dollar schon seit jahrzehnten fällt, heisst das noch lange nicht das er günstig ist...!

Kurzfristig bin ich auch wieder Bullish für den Dollar aber langfristig sollte man nicht in die grünen Scheine investieren.

Gruss SLIN.

09.04.2007 23:23
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Ich möchte hier niemanden überzeugen, sondern lediglich meine Sicht aussprechen. Es ist auch so, dass ich mich noch nicht lange mit Finanzen befasse, und aus dem Grund nehme ich an, dass meine Ansichten in Bewegung bleiben werden.

Nach allem spiele ich Charts, Fundamentals und News nicht gegeneinander aus, sondern versuche sie in eine Harmonie miteinander zu bringen. Das ist auch der Grund, dass ich nicht zu viele Aktien miteinander im Depot haben kann, da ich mit der Newsdichte sonst überfordert wäre.

Trotzdem orientiere ich mich zuerst an den Charts. Hätte ich das bei meinem ersten Einstieg getan, 2000, wäre mir das Missgeschick erspart geblieben, den Einstand über Nacht zu verlieren.

Auch mein zweiter Einstieg, im April 2006, wäre einem Chartisten erspart geblieben.

Bei meinem dritten Einstieg, am Boden der Novemberkorrektur 2006, hatte ich rudimentäre Kenntnisse von Charts, und nun machte ich bereits Gewinn. Die guten Züge in der Folge geschahen, wenn ich die Charts richtig las. Ich kaufte Apple am 27.12.06 am Boden seines Aufwärtskanals, bei 77. Ein paar Tage später war sie bei 98. Chartmässig war klar, dass sie nun wieder am oberen Ende war, es gab auch weitere Indizien, dass ein erneuter Sturz bevorstand, so etwas ein "bearish abandonded baby". Doch nun trug mich die Gier über die Einsicht weg, und ich kaufte zu, was mir Verluste bescherte. Das Charting muss also auch mit Selbstbeherrschung gepaart sein, wenn es zum Erfolg führen soll. Die Kurskurve machte es dann aber noch genügend früh klar, dass ein Sturz bevorstand, vor allem auch die nachbörsliche Achterbahh, so dass ich noch rechtzeitig glattstellen konnte.

Nach ihrem Fall vermutete ich einen bärischen Trend. Als sie aber nach der Märzkorrektur innerhalb ihres Aufwärtskanals blieb, war offensichtlich, dass ihr Trend weiterhin intakt war, so dass ich sie bei 78.80 wieder kaufen konnte, und bei 96.60 wieder verkaufen, da es hier auch wieder klar war, dass sie ihre altes Top noch nicht nehmen konnte, einfach weil sie in einer Speedline angestiegen war, von der sie hinunterschalten musste. Auch Fibonnaci deutete auf das Retracing hin. Etc.

Elias wrote:

Es genügt eine unerwartete schlechte/gute Nachricht und die Chartanalyse kann man rauchen. Die Zukunft ist nicht voraussagbar.

Interessant, dass die Kurse auf gute oder schlechte Nachrichten nicht zu reagieren brauchen, wenn es ihnen nicht passt. Die guten oder schlechten Nachrichten bewegen dagegen die Kurse dann, wenn sie sich ohnehin (aufgrund der Charts) bewegen müssen, und häufig erscheinen dann die massgeschneiderten News dazu. Am Ende eines Bullenmarktes müssen negative News erscheinen. Oder: Am oberen Ende einer Konsolidierungsformation kommt die Abstufung einer Aktie. Etc.

Umgekehrt erscheinen am Ende eines Bärenmarktes wieder positive News. Es ist ein Theater, wie sich die globale Psyche fernlenken lässt, und niemand kann genau sagen, wer was gerade fernlenkt. Das ist ja ein Teil des Wunders, das ich mit Charts visualisieren kann.

Nur ein kleines Beispiel dazu: Apple: Als die Aktie im November an ihrem oberen Kanalende war, kam die ganze Optionendiskussionen auf, und alle sagten, dies habe die Aktie wieder runtergebracht. Unsinn: Sie musste ohnehin runter, sie kann ja nicht in den Himmel wachsen. Also kamen die News, um den Abschwung zu begleiten. Elliott hat das schon festgestellt, dass News regelmässig zu den Kursbewegungen sich paaren.

Oder: Starbucks: Steht am Ende einer monatelangen Konsolidierungsphase. Auch die war chartmässig eine Notwendigkeit. Aber klar, dass die entsprechenden News geliefert wurden, im Sinne, dass mit zunehmender Dichte der Coffee-Shops die Qualität leide, bzw. sich die Geschäfte gegenseitig die Kundschaft abluchsten. Etc. Nun, am unteren Ende des Bärenkanals, erscheinen wieder die guten News, über die Expansion des Unternehmens, etc. News erscheinen also gerne als Diener der Kurse.

Im kollektiven Unterbewussten entsteht das Pulsieren der Weltmeinung, Optimismus und Pessimismus, gegenüber Einzeldingen, oder gegenüber dem Gesamten. Der sogenannte Zeitgeist. Da dies etwas Geistiges ist, kann auch die Ökonomie keine Rezession voraussagen. Wenn, dann behavioural finance, und die ... zeigt den Vorgang der Weltenpsyche in Charts. Zunehmend befassen sich auch Physiker und Chaostheoretiker damit (Ökophysik), da die physikalischen Gesetzmässigkeiten sich auch in Kursbewegungen zeigen.

Eine schlechte Nachricht, und die Kurse brechen zusammen? Sicher gibt es solche schlechte Nachrichten, die so etwas vermögen. Z.B. 9/11. Aber selbst dann ist das Charting wieder sinnvoll. In einem Abwärtstrend sehe ich, ob der Trend intakt ist, oder ob die Kurse den Trend verlassen. Ich sehe, was für Unterstützungen sich anbieten. Ergibt sich eine Rundung/abflachende Parabel? Nehmen die Tagesamplituden ab? Kündigt ein Thrusting Pattern den Boden an? Hält er bei einem erneuten Abschlag? Etc.

Umgekehrt katapultiert eine gute Nachricht eine Aktie hinauf. Auch hier lässt sich vieles herauslesen. Haben die Kerzen einen Schatten? Nimmt der Abgabedruck zu? Wie verhalten sich die Volumen?

Natürlich ist der Chartist ab und zu/häufig machtlos und kann das weitere nicht sehen. Dann steht er abseits ("on the sideline"). Es entgehen ihm dabei viele Fische, aber dadurch fährt er kaum Verluste ein.

Elias wrote:

Wenn es so einfach wäre, kann man eine chartbasierende Software basteln und die Geldmaschine müsste laufen.

Das gibt es allerdings, und die Softwares sind erfolgreich. Allerdings ist vieles des Chartings, das eine Kunst genannt werden kann, nicht einzuprogrammieren.

marabu wrote:

Bist du als Chartist auf die Dauer erfolgreicher als andere, ebenfalls erfahrene Börsianer?

Ich kenne keine Untersuchungen dazu, was für Renditen Fundamentalisten vs. Chartisten erwirtschaften. Bekannte Fundamentalisten waren etwa Kostolany und nun Warren Buffett. Kostolany hatte es gut im Griff, antizyklisch vorzugehen, was eine charakterliche Begabung ist, die Kaltblütigkeit erfordert. Warren Buffett verlässt sich auf Fundamentales, und hat im Schnitt 20 Prozent jährlich erwirtschaftet, was seinen immensen Reichtum bewirkte.

Ein geübter Chartist sollte die beiden übertreffen können. Aber der Chartist ist jemand, der täglich Charts anschauen will. Er ist ein visueller Typ, häufig auch ein Exzentriker vom Schlag des Künstlers. Solchen Leuten geht leicht einiges ab: Kaltblütigkeit, und Geduld, auf Gelegenheiten zu warten, die klar sind. Der Fleissige muss sich zur Inaktivität zwingen. Weniger ist mehr. Zwei- dreimal jährlich nur zuschlagen, wenn der Fall klar ist. Damit die Ernte einfahren. Und dabei nicht gierig werden! Nicht den letzten Tropfen aus der Zitrone pressen wollen. Und der alten Zen-Weisheit einsichtig zu sein, dass jener siegt, der die Niederlage verhindert. Dann sind es also am Schluss diese Tugenden, die den Erfolg bringen, eher als nur die chartmässige Einsicht.

Hugh.

P.S. @Elias: US-Aktien tragen eine Währungsrisiko. Gegenwärtig ist aber der Dollar doch recht günstig. So günstig, dass man bei 1.21 durchaus sich etwas Vorräte anlegen kann, für die nächste Shopping-Tour in Vegas. Mit dem Kurs sind die USA dirt cheap.

Es gibt noch Schlimmeres.

09.04.2007 21:58
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Chartisten vs. Fundamentalisten

@learner

Ich schätze deine geistreichen Beiträge. Trotzdem: Bist du als Chartist auf die Dauer erfolgreicher als andere, ebenfalls erfahrene Börsianer?

Elias hat recht, dass ein einziger Faktor, welcher nicht in Charts als Parameter für die Zukunftsvorhersage enthalten ist, die schöne Prognose ad Absurdum führt.

Nicht umsonst gehören Physiker zu den besten Finanzspezialisten. Das Wissen über thermodynamische Prozesse lässt zum Teil recht erfolgreich Modelle in die Welt der Börse übertragen, die die Wahrscheinlichkeit von Vorhersagen erhöht, wenn auch oft nur geringfügig.

Ich glaube, dass in Zukunft noch bessere Modelle zur Verfügung stehen werden.

Irgendwie eben wie Leben: Du kannst von einem Baum auch nicht sagen, wo er neue Triebe ansetzen wird, welche von diesen sich stärker entwickeln werden und vor allem nicht, wie viele Früchte er nächstes Jahr tragen wird. Das ist gut so!

http://www-rocq.inria.fr/mathfi/Amamef/slides/deSaporta.pdf

09.04.2007 21:34
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Chartisten vs. Fundamentalisten

@learner

Es genügt eine unerwartete schlechte/gute Nachricht und die Chartanalyse kann man rauchen. Die Zukunft ist nicht voraussagbar.

Wenn es so einfach wäre, kann man eine chartbasierende Software basteln und die Geldmaschine müsste laufen.

Die erwähnten Starbucks tragen noch ein Währungsrisiko. Da hat deine Oma kein Freude dran Smile

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

09.04.2007 11:51
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Chartisten vs. Fundamentalisten

Auch die NZZ hat die Wahrheit nicht für sich gepachtet. Die Metapher des betrunkenen Matrosen (bzw. Random-Walks) mag ja lustig sein, doch wirklich betrunken kommen mir nicht die Kurse vor, sondern der frustrierte Schreiberling des Artikels. Das zeigt sich am deutlichsten in seiner Behauptung, dass wenn schon Chartanalyse nichts tauge, dann wenigstens die technische Analyse bessere Resultate ergebe. Is do ener deppert? Die Oszillatoren der technischen Analyse sind lauter Resultate, die sich aus den Charts errechnen. Ein geübter Chartist braucht sie sich nicht einmal als Oszillatoren aufzuzeigen, sondern subsummiert sie beim Blick auf die Charts.

Dass schliesslich eine Analyse multifaktoriell vor sich geht, ist wohl klar. Schliesslich aber taugt das Fundamentale herzlich wenig. Wichtiger ist das bullische bzw. bärische Sentiment, das wie in einem Wach- und Schlafrhythmus Märkte oder Einzelaktien befällt. Fanasie wechselt sich mit Zweifel ab; Begeisterung mit Depression. Hinter den Kursen steht also die "crowd", die Masse, viel eher als das Fundamentale. Nach einer bärischen Phase überkommt sie wieder Enthusiasmus. Und dies alles ist nur aus den Charts herauzulesen.

Just an example: Starbucks: Eine Aktie mit äusserst guten Fundamentals. Das Unternehmen wird in zehn Jahren weltweit 10000 mehr Shops als MacDonalds haben. Trotzdem hat sie nun seit Monaten an einem bärischen Sentiment gelitten. (Kann die Qualität/Marge bei der Expansion gehalten werden?) Nun, seit ein paar Tagen, ziehen die Oszillatoren wieder nach oben. MACD drehen. Im langjährigen Monatschart ist zu sehen, dass sie nun deutlich unter ihren langjährigen Trend geraten ist, aber auch, dass die 29 als Widerstand nun zweimal schon hintereinander akzeptiert wurden, im August 2006 und im März 2007. Ein Doppelboden ist ein wichtiges Indiz, dass es wieder hinauf geht. Ein letztes (Erschöpfungs-)Gap nach unten wurde überwunden, und nach dem deutlichen Rebound an der Widerstandslinie hat die Aktie nun gerade ihr erstes Retracing durchgeführt. Sie ist nun am oberen Ende des absteigenden Trendkanals, und ist seit ein paar Tagen unentschlossen, ob sie ihn verlassen will. Insgesamt zeigt sich in dieser Gegend aber ein Momentumaufbau, der darauf hindeutet, dass sie den bärischen Kanal nächstens verlassen will. Die abnehmenden Volumen beim Retracing bestätigen diesen Eindruck. Endlich ist sie aus dem unteren Bereich des Bollingerbandes wieder in den oberen Bereich zurückgesprungen. Am 15. März ist sie unter historischem Volumen in einem deutlichen Gap hinaufgesprungen, was ein klares Umkehrsignal ist. MACD-Histogramm ist nun erstmals seit dem Oktober 2006 wieder in den positiven Bereich zurückgesprungen. Eine Aktie also, die ich jetzt meiner Grossmutter empfehlen würde, die auf keinen Fall rote Zahlen akzeptiert, gierig wie sie ist. Ein Fall für ein charting crocodile, das nun monatelang im Tümpel regungslos lag, zuschaute, und den Moment jetzt gekommen sieht, sich die Beute einzuverleiben. Nach unten ist der Raum absolut beschränkt. Eine Aktie, die aufgrund des "art charting" jetzt gefressen werden will. Die Fundamentals unterstützen die Sicht. Ihr erstes Ziel ist jetzt ihr altes Top, das im November 2006 noch nicht erfolgreich überwunden werden konnte, was den bärischen Krebsgang, eh: den krebsischen Bärengang auslöste.

Und nun drucke ich dieses Manifest aus, gehe in den Hafen runter und haue es dem betrunkenen Matrosen, der im Pissoir des "Verwirrten Bengels" seinen Suff ausschläft, um den Gring.

Es gibt noch Schlimmeres.

09.04.2007 11:00
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Chartisten vs. Fundamentalisten

Warum Chartanalyse?

http://www.buero-dr-schulz.de/chartbasics/index.htm

Auch ich berücksichtige die fundamentalen Daten und Charts.

Costa

09.04.2007 10:09
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marabu wrote:

@Elias

Dieser Artikel hat auch mir Spass gemacht. Ist doch beruhigend zu wissen, dass auch im Kaffeesatz gleich viel Wahrheit zu finden ist wie in der Chartanalyse Lol

Kann mir übrigens jemand den Unterschied zur technischen Chartanalyse erklären?

Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Technische_Analyse

Technische Analyse ist der Überbegriff für zwei Bereiche finanzanalytischer Verfahren:

* die Chartanalyse

* die markttechnische Analyse

Markttechnische Analyse

Die markttechnische Analyse - kurz: Markttechnik - ist eine Art der Finanzanalyse und verwandt mit der Chartanalyse.

Während die Chartanalyse versucht, zukünftige Kursverläufe von Spekulationsobjekten wie Wertpapieren, Waren oder Börsenindizes ausschließlich aus der Betrachtung vergangener Kursverläufe herzuleiten, bezieht die markttechnische Analyse zusätzliche Indikatoren mit ein, die Aufschluss über das Verhalten der Markteilnehmer geben sollen. Die theoretische Grundlage hierfür bildet die Behavioral Finance.

Typische markttechnische Indikatoren sind zum Beispiel der Umsatzverlauf und die Kursvolatilität des untersuchten Spekulationsobjekts sowie marktpsychologische Stimmungsindikatoren.

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

09.04.2007 09:34
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Chartisten vs. Fundamentalisten

@Elias

Dieser Artikel hat auch mir Spass gemacht. Ist doch beruhigend zu wissen, dass auch im Kaffeesatz gleich viel Wahrheit zu finden ist wie in der Chartanalyse Lol

Kann mir übrigens jemand den Unterschied zur technischen Chartanalyse erklären?