Private Equity Holding

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29.03.2011 14:26
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Private Equity Holding

Stark unterbewertete Unternehmen wie die Private Equity Holding (PEH) sind ein gefundenes Fressen für Guy Wyser-Pratte. Die Börsenbewertung der Zuger Anlagegesellschaft liegt rund 38 Prozent unter dem effektiven Wert ihres umfangreichen Beteiligungs-Portefeuilles von 272 Millionen Franken. Hier setzt der als Heuschrecke verschriene US-Investor den Hebel an und kauft sich zu Tiefpreisen ein. Dieser Tage musste er melden, dass er mit einem Partner zusammen über 5 Prozent an PEH hält.

Auch mit über 70 greift der ehemalige Captain der US-Marines mit seinem 500 Millionen Dollar schweren Hedgefonds Wyser-Pratte Management noch Firmen an – immer nach demselben Muster: Billig einkaufen, Börsenkurs hochpushen, mit Gewinn aussteigen, das nächste Opfer suchen, und das möglichst rasch.

Dümpelnde Firmen angreifen

Die Zuger PEH bietet sich als Ziel an. Im Börsenboom um die Jahrtausendwende stieg ihr Aktienkurs bis 650 Franken, stürzte in der Baisse ab und dümpelt seit 2002 unter 100 Franken. Seit der Finanzkrise haben zwei Verkaufswellen den Börsenwert belastet. Ab 2009 reduzierte die Credit Suisse ihre Beteiligung in mehreren Etappen von 25 unter 3 Prozent. Auch die kurzfristig orientierten Spekulanten, die das Gros der verkauften CS-Anteile übernahmen, sind wieder ausgestiegen, was den Kurs zusätzlich in Mitleidenschaft zog.

Gestern schloss PEH an der Börse bei 42 Franken, der Nettowert ihrer Aktiven beträgt aber 67.86 Franken pro Aktie. Der Abschlag an der Börse sei zu gross, sagt Hans Baumgartner, Präsident und drittgrösster Aktionär von PEH. «Wir halten den Discount nicht für gerechtfertigt.» Ein Hinweis darauf, dass die Bewertung zu tief sei, liege darin, dass er seine Beteiligung auf 4,6 Prozent aufgestockt habe, sagt Baumgartner. Auch die Firma Alpha Associates, welche die Anlagepolitik von PEH macht, habe ihren Anteil auf 13,2 Prozent erhöht. PEHs grösste Beteiligung sei Doughty Hanson, die dank ihrer Investition in den Windstromspezialisten LM Windpower in der Atomkrise deutlich zulegen werde. PEH ist spezialisiert auf Beteiligungen an Fonds für Firmenübernahmen und Startfinanzierungen, macht aber auch Direktanlagen. Und ist wie so viele Beteiligungsgesellschaften, beispielsweise Pargesa, unterbewertet. Mit dem «Rambo der Kapitalmärkte» ist nicht zu spassen. Wyser-Pratte wurde an der Wallstreet als Arbitrageur bekannt, der ein Wertgefälle umgehend in klingende Münze umzusetzen wusste und ein Lehrbuch zum Thema schrieb, bevor er 1992 zur Heuschrecke wurde, die Manager mit Sätzen schreckt wie: «Wacht auf und riecht das Napalm.»

Militärtaktik zieht nicht immer

Häufig knicken angegriffene Firmen ein, verordnen sich harte Sparrunden oder verkaufen Firmenteile, um den Kurs zu pushen. Den grössten Schnitt machte Wyser-Pratt, als die deutsche Mannesmann von Vodafone geschluckt wurde. Er kämpfe wie ein Marine, sagt er – mit Überraschungsangriffen, mit schlechter Presse für das Management, über Koalitionen mit anderen Aktionären.

Es funktioniert nicht immer. Der deutsche Reisekonzern TUI liess Wyser-Pratt jahrelang auflaufen. Der französische Mischkonzern Lagardère verhinderte seine Wahl in den Verwaltungsrat. Auch im deutschen Altersheim-Konzern Curanum kommt Wyser-Pratt nicht weiter. Die deutsche Babcock-Borsig ging kurz nach dem Einstieg pleite, sein Fonds verlor über 20 Millionen Euro. Mehrmals stieg er mit Verlust wieder aus, als die Führung sich nicht weich kochen liess. Die US-Börsenaufsicht SEC verdonnerte Wyser-Pratte und seine Gruppe 2001 zu einer halben Million Dollar Busse und einer Unterlassungserklärung – sie hätten den Missbrauch vertraulicher Interna von Firmen nicht mit den nötigen Massnahmen verhindert.

(Tages-Anzeiger

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Bei 1 Million steig ich aus......