Rieter im Hoch

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16.08.2006 08:01
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Rieter im Hoch

Bei Rieter könnte sich ein Engagement lohnen, hier ein Artikel aus der heutigen FuW:

" Textilgeschäft füllt Rieters Kasse

Rekordhoher Bestellungseingang – Auch Autosparte überzeugt – Aktien günstig

Von Corina Drack

Eine Beschleunigung des Textilmaschinengeschäfts von Rieter hat sich zu Jahresbeginn bereits abgezeichnet. Doch das Ausmass übertraf sämtliche Erwartungen und verhalf Rieter zu einem deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg im ersten Halbjahr. Der Umsatz nahm im Vergleich zum Vorjahr 16% auf 1,77 Mrd. Fr. zu. Davon sind 10% internem Wachstum zuzuschreiben, der Rest stammt aus Akquisitionen und Währungseffekten. Der Gewinn kletterte sogar 50% auf 82 Mio. Fr.

Die Verbesserung ist grösstenteils der Textilsparte zu verdanken, deren Umsatz 30% auf 652 Mio. Fr. zunahm. Die Umsatzentwicklung hinkt naturgemäss den Aufträgen hinterher: Der Auftragseingang erreichte im ersten Semester 974 Mio. Fr. Das liegt weit über dem langjährigen Durchschnitt von 606 Mio. Fr. und entspricht einer Zunahme von 91% im Vergleich zum Vorjahresabschnitt. Auch ohne Akquisitionen (Graf-Gruppe) und Währungseinflüsse wären die Bestellungen 80% gestiegen. Rieter profitierte von der robusten Nachfrage nach Stapelfasermaschinen in Indien, aber auch von der Erholung in China.

Erste Anzeichen einer Belebung sind auch im Chemiefasermarkt festzustellen. Dort ist Rieter, deren Schwerpunkt Anlagen für die Naturgarnproduktion ist, lediglich Nischenanbieter. Der Naturfasermarkt begann sich früher zu erholen, wie auch der Vergleich zum Konkurrenten Saurer zeigt, der schwergewichtig im Chemiefasergeschäft engagiert ist: Saurers Bestellungszunahme blieb mit plus 29% im ersten Semester deutlich hinter Rieter.

Verlust im Chemiefasergeschäft

Mit dem Chemiefasergeschäft ist auch die Rieter-Führung nicht zufrieden. Der Bereich erlitt einen Betriebsverlust und belastete die Textilbetriebsmarge, die mit 9,5% etwas tiefer ausfiel, als in früheren Spitzenzeiten. Ab kommendem Jahr soll das Geschäft keinen Verlust mehr schreiben, dazu werden alle Optionen einschliesslich Verkauf oder Stilllegung in Betracht gezogen. Bis Ende 2006 soll eine Lösung gefunden sein.

Auch die zweite, umsatzstärkere Sparte Autozulieferung übertraf mit einem Umsatzplus von 10% das Marktwachstum. Die Sparte beliefert die Autoindustrie mit Akustik- und Hitzeschutzteilen – ein Segment, das rascher wächst als die Fahrzeugproduktion. Die Sparte ist zudem weniger zyklisch und bildet einen Ausgleich zum Textilmaschinengeschäft. Trotz Preisdruck, steigenden Materialkosten und Restrukturierungskosten von 11 Mio. Fr. gelang eine leichte Margenverbesserung von 5,1% im Vorjahressemester auf 5,3%. Die Produktionsstandorte werden weiter nach Osteuropa und Asien verlegt, wo die Kosten tiefer sind und die Fahrzeugproduktion rascher wächst als in Nordamerika und Westeuropa. Rieter profitierte von den Problemen der US-Zulieferer, indem Kunden von Konkurrenten wie Collins & Aikman zu Rieter wechselten.

Ungetrübte Aussichten

Wegen des hohen Auftragseingangs im ersten Semester ist mit einem markanten Umsatzanstieg im Textilmaschinengeschäft in der zweiten Hälfte zu rechnen. Gemäss Rieter-Chef Hartmut Reuter lässt sich der rekordhohe Ordereingang des ersten Semesters kaum wiederholen. Er rechnet im zweiten mit einem leicht tieferen, aber immer noch überdurchschnittlichen Auftragsvolumen. Wir erhöhen nach den guten Halbjahrszahlen die Gewinnprognose 2006 und 2007 um je 2 Fr. je Aktie.

Die Papiere sind von der Börsenkorrektur im Frühsommer überdurchschnittlich erfasst worden, nachdem sie allerdings einen steilen Kursanstieg hinter sich hatten. Rieter sind etwa gleich hoch wie Saurer bewertet, weisen jedoch ein vorteilhafteres Risikoprofil auf: Das Unternehmen besticht durch Konstanz und Solidität.

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Rieter-Pensionskasse unter Beschuss

Die unbestritten gute operative Leistung Rieters wird etwas überschattet von der Auseinandersetzung um Rieters Pensionskasse (PK). Sie gehört zu den Kassen, die einen Teil der Swissfirst-Aktien angedient und damit die Fusion Swissfirst mit der Bellevue-Bank ermöglicht hatten. Swissfirst hatten sich nach Bekanntgabe der Fusion nahezu verdoppelt, womit den Versicherten ein beträchtlicher Gewinn entgangen ist. Der Argwohn, die PK-Verantwortlichen hätten nicht im Interesse der Versicherten gehandelt und womöglich eine Gegenleistung erhalten, erhielt zusätzliche Nahrung durch den aufwendigen Lebensstil des Rieter-Pensionskassenmanagers Jürg M..

Die Rieter-PK gab am Montag Einzelheiten zur Swissfirst-Transaktion bekannt. Die Swissfirst-Investition von 4 Mio. Fr. brachte den PK-Versicherten einen Gewinn von 1,7 Mio. Fr. (+40%). Die Abklärungen hätten keine Hinweise ergeben, dass Anlageverantwortliche für die Andienung der Aktien eine Gegenleistung erhalten hätten, heisst es in der Mitteilung.

Als gutes Argument dafür, dass die PK-Verantwortlichen stets im Interesse der Versicherten gehandelt hätten, führt Finanzchef Urs Leinhäuser, der als Arbeitgebervertreter im sechs Personen umfassenden Stiftungsrat der Pensionskasse sitzt, die exzellente Performance der Rieter-PK an. Der Deckungsgrad per Ende 2005 beträgt gemäss Angaben der Kasse mehr als 140%. Weitere Einzelheiten über die Vermögensentwicklung der vergangenen Jahre sind der Öffentlichkeit nicht bekannt. Im Gegensatz zu anderen Pensionskassen wie Migros, Coop und auch der ebenfalls unter Beschuss geratenen Siemens Schweiz wird der Geschäftsbericht der Rieter-Kasse nicht publiziert. Das erstaunt, werden doch Erfolge meist gern mitgeteilt. Sie passt auch nicht zu Rieters sonstiger Kommunikationspolitik, die punkto Offenheit und Professionalität vorbildlich ist. CD

Finanz und Wirtschaft vom 16. August 2006."

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Besser reich und gesund als arm und krank!