War der Absturz vorhersehbar?

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19.05.2006 15:37
#1
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War der Absturz vorhersehbar?

Edi hat geschrieben, "gewiefte Charttechniker" hätten den Absturz voraussagen können. Konnte man das?

Aus meiner Sicht nein, zumindest nicht in diesem Ausmass. Aber ein Short-Setup war bereits vor über einer Woche gegeben.

Besonders gewieft musste man dabei gar nicht sein! Ich habe mit Puts im Jahr 2003 viel Geld verloren und seither die Finger von Puts gelassen (ausser kleines Intradaygeplänkel) und mich statt dessen auf Gold (+Minen) konzentriert.

Aber am 11. Mai bin ich zum ersten mal seit Jahren wieder short gegangen. und zwar volle Kanne, die ganze Palette: Dow, Nasdaq, DAX und SMI.

Warum? Gucken wir den Chart mal aus Sicht von damals an (ich habe alles nach dem 10. Mai rausgelöscht):

Man beachte zunächst mal den MACD unterhalb des Charts: Was fällt auf? Der MACD hat zwar immer noch seine Aufs- und Abs. In der Gesamtheit jedoch ist die Kurve am fallen. Das nennt sich bärische Divergenz. In einfachen Worten ausgedrückt bedeutet nichts anderes als dass der Schwung, die Kraft der Hausse nachlässt.

Solange wir dabei beim Kurs des SMI jeweils höhere Tiefs und höhere Hochs haben, ist dies nichts weiter als ein Warnsignal aber noch kein Short-Setup. Ich selbst habe ja hier am 23. April noch geschrieben, ein "Sell in May" werde es nicht geben, ABB werde auf 16.80 absacken und dann auf 20 drehen. Insofern also eine grobe Fehleinschätzung meinerseits. Und dennoch war ich am 11. Mai auf der richtigen Seite.

Warum?

Ich halte es für lebenswichtig - und das ist eine der Messages, die ich mit diesem Posting rüberbringen möchte - dass man nicht stur an seiner Einschätzung von gestern festhält sondern flexibel auf den Markt reagiert. Oder um es mit Konrad Adenauer auszudrücken: "Was interessiert mich der Scheiss, den ich gestern erzählt habe."

Zurück zum Chart vom 10. Mai.

Wir wissen, dass sich alle Trader am 10. Mai exakt diesen Chart angeschaut haben. Und alle sehen dasselbe: Eine bärische Divergenz im MACD. Also haben alle mal grundsätzlich den Finger in der Nähe des Sell-Buttons.

Was sehen wir weiter? Wir sehen ein Tripple-Top bei etwas über 8100 Punkten!

Bei den vorangegangenen Tops hatten wir jeweils höhere Tops. Im Dezember bei 7650, im Januar bei 7840, Ende Februar bei 8050. Im Januar musste man sich keine Sorgen machen, wenn der SMI von seinem Hoch von 7840 abrauschte. Der Bullenmarkt war ja noch in Ordnung. Verunsicherte Bullen dürften ein Stop-Loss bei etwa 7580 (der blauen MA50) plaziert haben. Trader sind vielleicht mit Ziel 7600 short gegangen und Langfristanleger sind ohnehin drin geblieben. Anlass zur Sorge gab es damals aber noch nicht.

Ein kleines Warnsignal kam im März. Das März-Hoch war nur noch einen Hauch über dem Februar-Hoch, das erste April-Hoch nur noch einen Hauch über dem März-Hoch. Dann das erste Doppel-Top Ende April. Kein neues Hoch mehr. Hat die Börse keine Kraft mehr?

Ein neuer Versuch im Mai. Am 10. Mai der bange Moment für Bullen und Bären: Wird das Doppeltop vom April überboten? Wenn ja, geht die Reise nach Norden weiter. Wenn nein, haben wir ein bestätigtes Top im mittel- und langfristigen Rahmen.

Nochmals zurück zur Psychologie der Trader und der Charttechnik: Tausende von Investoren, Fonds-Managern und Kleinanlegern haben sich dieses Chart betrachtet. Sie haben die GD50, den MACD und die SlowStoch angeschaut. Sie haben die bärische Divergenz erkannt. Sie haben wie die Schlange auf's Kaninchen geschaut, ob ein neues Hoch kommt oder nicht. Kaufsignal oder Verkaufssignal. Jeder wusste, dass die Tage nach dem 10. Mai eine Entscheidung bringen mussten. Der Finger rückt bereits etwas näher zum Sell-Button.

Am 11. Mai kam dann die Antwort: Nein, der SMI hat's nicht geschafft, ein neues Hoch zu generieren. Also Verkaufen!

Die Anzahl der Sell-Buttons, die gedrückt wurden, ist in etwa abschätzbar. Am 11. Mai sackte der SMI um gut 100 Punkte ab und durchschlug die als Unterstützung gedachte blaue MA50 wie Butter!

Bärenfalle? Der nächste Tag liefert bereits die Bestätigung: Die nächste Unterstützung, die MA100 wird ebenfalls mühelos gebrochen. Wer's bis jetzt noch nicht gemerkt hat, steigt spätestens jetzt aus.

Und wie weiter? Die nächste grosse Unterstützung ist die MA200 und die liegt bei 7450.

Hält die MA200? Wenn ja, ist der Bullenmarkt zumindest langfristig noch in Ordnung. Wenn nicht, wechseln wir in den Bärenmarkt-Modus.

Werden wir überhaupt die 7450 erreichen?

Hans meinte vorgestern hierzu:

"..erzähl keinen Quatsch von wegen 74xx ... !"

Quelle: http://forum.cash.ch/~Board3/read?131165,7

Aber ist es wirklich Quatsch?

Ich konnte, wie eingangs erwähnt den Absturz in seiner Heftigkeit auch nicht voraussehen. Aber ich wusste, dass ich am Hoch mit relativ bescheidenem Risiko einen Short eingehen kann mit Ziel von etwa 7980.

Hätte es ein neues Hoch gegeben, wäre ich mit Verlust von etwa 20 Punkten ausgestoppt worden. Andernfalls winkt ein Gewinn von 100 Punkten. Im Future-Handel ein gutes Preis/Risiko-Verhältnis. Dass der SMI so gnadenlos durch alle Widerstände nach unten durchgeknallt ist, hat mich aber (fast) genau so überrascht, wie jeden von Euch.

Ich will niemandem vorschreiben, welche Erkenntnisse er aus diesem unerwarteten Absturz ziehen will aber ich persönlich sehe zwei wichtige Aspekte:

Zum einen - wie oben schon erwähnt - die eigene Psychologie. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass ich bullisch für SMI, Newmont Minint, ECEN, Quadrant oder ABB bin (oder bärisch). Aber ich muss damit rechnen, dass ich in meiner Einschätzung falsch liege und mir einen Ausstiegspunkt definieren.

Erfahrene Trader - und damit käme ich zum zweiten Punkt - tun dies. Dabei nehmen sie die Charttechnik zu Hilfe. Wahrscheinlich haben viele Trader ihre eigene Charttechnik entwickelt. Ich selbst habe auch ein paar Jahre mit diversen Mischungen aus Indikatoren rumexperimentiert. Herausgekommen ist, dass die klassischen Indikatoren wie GD, MACD und Slow Stoch die zuverlässigsten sind.

Warum? Weil sie von den meisten Tradern beachtet werden.

Und jetzt können wir beide Punkte kombinieren: Wenn wir die Charttechnik einigermassen kennen, dann wissen wir, an welchen Punkten die Mehrzahl der Profis kauft oder verkauft.

Als da wären:

* Durchbrechen einer GD (50, 200)

* Klassische Top- und Bodenbildung (Doppel- oder Tripple- Bottom/Top)

* Wendepunkte in MACD und SlowStoch.

Die meisten Trader setzen z.B. ihre bullischen Stop-Losses knapp unterhalb der nächsten GD; oder die bärischen knapp oberhalb des letzten Tops.

Wissen wir also, wo diese Limit-Entries und Stop-Losses sitzen, dann können wir davon ausgehen, dass ein Durchbruch dieser Punkte zu einem Kauf- bzw. Verkaufsrausch führt.

Dabei lassen wir es einfach mal dahingestellt, ob dieser Rausch fundamental gerechtfertigt ist oder nicht.

Wir können uns nun den Profis anschliessen, diese Marken akzeptieren und entsprechend die Positionen in die jeweils richtige Richtung drehen oder (falls wir diese Marken nicht erkennen oder erkennen wollen) auf stur schalten, mit Unverständnis dem Geschehen hinterhergucken und Durchhalteparolen verbreiten.

Welchen Weg jeder für sich uns seine Trading-Entscheide gehen will, muss der betreffende selbst wissen. Eigene Fehler sofort zu erkennen und entsprechend zu reagieren ist psychologisch schmerzhaft aber finanziell lukrativ.

Somit muss jeder für sich die Frage beantworten, was er an der Börse eigentlich will: Geld verdienen oder Ego-Trip?

Marcus

---

Hier zum Vergleich noch der unverfälschte SMI-Chart inkl. Absturz Wink

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23.06.2006 21:25
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War der Absturz vorhersehbar?

@ MarcusFabian

Ich bin neu doch habe sehr viel Spielraum Smile

Es geht um die Frage im ABB Thread. Doch wie du richtig schreibst,stürmische Fragen in einem Seitwärtswind Wink . Doch oft sind Kleinanleger verständlicherweise sehr schnell am Limit und suchen DRINGEND Trends,Tendenzen,Zeichen,etc......Sehen wir mal weiter.....HOPP SCHWIIZ 1:0 !!!!!!!!!! LolBlum 3

Gruss Chris

PS: Hoffe das dieses Forum erweitert und mit wie üblich in anderen Foren das ganze übersichtlicher aufgebaut wird.(Nicht böse gemeint!)

Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab !

23.06.2006 19:29
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War der Absturz vorhersehbar?

Welche Fragen?

"Krisenstimmung" würde ich nicht unbedingt sagen. Obschon Statistiken in anderen Foren zeigen, dass gerade dann sehr viele neue Leser in ein Forum stürmen, wenn die Zeiten turbulent sind.

So hatte SCN am 12. März 2003 (das war Just der Boden nach den Abstürzen 2000-2003) die meisten Leser im Forum.

Das sind Zeiten, wo verständlicher Weise vor allem Kleinanleger Antworten suchen.

Ich selbst finde Diskussionen dann am spannendsten, wenn wir bei grösseren Wendepunkten stehen. Egal ob nach oben oder unten. Das ist dann auch die Zeit, wo am meisten Fragen gestellt werden. So ein Seitwärts-Rumgedaddel wie derzeit ist nicht interessant.

23.06.2006 19:23
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War der Absturz vorhersehbar?

@Marcus Fabian

Ich bin genau deiner Meinung:

"Lassen wir die Diskussion hier. " Wink

"Es hängt ohnehin alles zusammen." :!: :!:

Kurze Worte grosser Sinn Lol

Doch ich finde es schade das manche Fragen in anderen Threads nicht beantwortet werden und das nur bei "Krisenstimmung" viel geschrieben wird.

Schönes Wochenende,Gruss Chris

Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab !

23.06.2006 18:25
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War der Absturz vorhersehbar?

Lassen wir die Diskussion hier. Ist schliesslich mein Thread (ich hab' ihn ja eröffnet) Wink

Es hängt ohnehin alles zusammen. Man kann nicht ABB ohne SMI, SMI ohne Dow und Dow ohne Dollar und Rohstoffe betrachten.

23.06.2006 17:44
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Rohstoff-Diskussion

Ich würde das Rohstoffgespräch gerne weiter führen, nur bin ich nicht sicher, ob wir hier am richtigen Ort sind. Dies, wie das Vorhergegangene, gehörte an einen anderen Ort.

Es gibt noch Schlimmeres.

23.06.2006 11:18
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Re: Korrelation Rohstoffe-Aktien

learner wrote:

Begründung: "Rohstoffe weisen heute eine so hohe Korrelation mit anderen Asset-Klassen auf wie noch nie."

Auch hierzu gibt es Charts:

Zur Interpretation: Korrelation von +1 bedeutet völlige Übereinstimmung. Steigt Gold, steigt S&P und unkehert.

Entsprechend Korrelation -1 bedeutet diametral gegenläufig. Das erwarten wird beispielsweise bei Dollar/Gold: Steigt der Dollar, fällt Gold und umgekehrt.

Was wir aus der Kurve grundsätzlich nicht sehen ist, ob die Kurse steigen oder fallen. Deshalb hat der jüngste Absturz im Mai den Chart nicht beeinträchtigt. SP und Gold sind gleichermassen gefallen --> Korrelation 1

Die Rohstoff-Hausse begann 2001. Damals rauschten die Aktienmärkte nach Süden. Deshalb die netagive Korrelation bis März 2003.

Negative Korrelation ebenfalls 97-99 als Gold den Boden in seinem Bärenmarkt ansteuerte und Aktien eine Blase ausbildeten.

23.06.2006 08:28
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Korrelation Rohstoffe-Aktien

Ein Beitrag zur Rohstoff-Diskussion:

... "Aktuell bieten Rohstoffe keine nennenswerte Risikoreduzierungen mehr für ein diversifiziertes Portfolio", konstatiert Bokobza. Seine Begründung: "Rohstoffe weisen heute eine so hohe Korrelation mit anderen Asset-Klassen auf wie noch nie." Tatsächliche ist dieser Gleichklang der Wertentwicklung steil angestiegen, und liegt nach seinen Angaben mittlerweile bei rund 40 Prozent. Vor fünf Jahren rangierte er noch bei null oder war sogar negativ - damals stiegen die Rohstoffpreise also, wenn die Aktienkurse fielen und umgekehrt. Auch die hohe Schwankungsanfälligkeit der Rohstoffnotierungen trägt nicht dazu bei, Ruhe ins Depot zu bringen. Vielmehr sind Commodities nach SG-Berechnungen von 18 Asset-Klassen die zweitriskanteste, nur übertroffen von hochvolatilen Schwellenland-Aktien. Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen scheinen dies zu bestätigen: Von dem Abwärtstrend wurden seit Mitte Mai nicht nur Dividendentitel erfaßt, sondern auch Rohstoffe, allen voran Gold und Silber. ...

Aus: Die Welt, 22.6.2006

http://www.welt.de/data/2006/06/22/926974.html

Es gibt noch Schlimmeres.

22.06.2006 17:23
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Re: Rohstoffpreise und Aktienbewertungen

learner wrote:

MarcusFabian wrote:
learner wrote:
Jim Rogers und Konsorten...

Aha, Du hast die richtigen Quellen gefunden. Respekt Biggrin

Ich bitte um Anstand!

Teilweisen Dank, dass du es teilweise auch so siehst wie ich: Im Rohstoff-Schlaraffenland ginge es allen gut!

Nö, meinte ich im ernst. Jim Rogers ist wirklich gut!

Bisher bist Du mangels guter Linkliste oft mit exotischen Kommentatoren und Indizes dahergekommen. Wink

Es gibt einfach zu viele "wenn" und "aber":

wenn die Rohstoffe nachhaltig fallen, dann kann die Wirtschaft evtl. weiter steigen.

Aber eben: Die Rohstoffpreise müssen sich verdoppeln bis verdreifachen um das Niveau von 1981 um somit Blasen-Status zu erreichen. Da ist noch ein weiter Weg und viel Luft nach oben.

Abgesehen davon wäre 2001-2006 die kürzeste Rohstoff-Hausse aller Zeiten.

Momentane Korrektur hin oder her: Die Rohstoffhausse geht weiter!

22.06.2006 14:52
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Re: Rohstoffpreise und Aktienbewertungen

MarcusFabian wrote:

learner wrote:
Jim Rogers und Konsorten...

Aha, Du hast die richtigen Quellen gefunden. Respekt Biggrin

Ich bitte um Anstand!

Teilweisen Dank, dass du es teilweise auch so siehst wie ich: Im Rohstoff-Schlaraffenland ginge es allen gut!

Es gibt noch Schlimmeres.

22.06.2006 14:27
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Re: Rohstoffpreise und Aktienbewertungen

learner wrote:

Jim Rogers und Konsorten...

Aha, Du hast die richtigen Quellen gefunden. Respekt Biggrin

Quote:

Nun zeichnet sich allmählich ab, dass bei zu hohen Rohstoffpreisen auf Alternativen umgelagert wird: Der Juwelier macht kleineren Klunker, der Stromproduzent baut Kohle- oder Atomkraftwerke, und der Autofahrer kauft ein kleineres Fahrzeug, oder...

Immer langsam mit den jungen Pferden: Wir hatten im Mai eine Korrektur nach Übertreibung. Wie's weitergeht ist noch ungewiss. Beim Stahl bestehen auch weiterhin noch Lieferengpässe etc. Es hat sich fundamental seit Anfang Mai nichts verändert.

Da müssten die Rohstoffpreise schon über Monate auf dem aktuellen Niveau bleiben, damit das für die Wirtschaft Auswirkungen hat.

Quote:

Knappheit von Erdöl ist die wichtigste Angst, mit der die Rohstoff-Treiber ihr Geld gemacht haben. Gemäss dem (sehr renommierten, freidenkerischen) Harper's Magazine allerdings ist die Knappheit herbeigeredet. Der Peak in der Ölproduktion (eingerechnet die kanadischen und venezolanischen Ölsande) wird gegenwärtig auf 2065 (!) voranschlagt.

Wobei wir noch nicht wissen, ob und wann Ölsande abgebaut werden können. Derzeit liegen die Produktionskosten bei $60/barrel in Kanada. Da muss sich der Ölpreis bei $70 etablieren, bevor die in grossem Stil anfangen zu investieren.

Dann besteht das Problem, dass die Ölsand-Gebiete unzugänglich sind und man nur im Winter über gefrohrene Seen den Sand abtransportieren kann etc.

Gibt zu Öl einen etwas alten aber interessanten Artikel auf Heise: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18566/1.html

Quote:

Wenn die Angst vor versiegenden Quellen wieder einmal dem Realismus Platz gemacht hat, werden die Preise schlagartig fallen.

Jo, und bis es soweit sind, spekulieren wir long in Öl Wink

Quote:

Der ganze Grund für den Mai/Juni-Crash waren die hohen Rohstoffnotierungen, die der Hauptgrund für die inflationären Tendenzen sind,

Teilweise. Rohstoffe sind ja nicht das einzige Element, das für Inflation (Teuerung) sorgt. Da wären auch steigende Preise für Immobilien und Zinsen, steigende Mieten und Lebensmittelpreise zu nennen. Auch Aktien sind im Preis gestiegen.

Unter dem Strich hat Papiergeld gegen alle anderen Asset-Klassen an Wert verloren.

Wir hatten in den letzten drei Jahren steigende Aktienpreise trotz parallel steigender Rohstoffkosten. Warum wohl?

Diese Frage ist der Grund, weshalb ich die Korrelation zw. Rohstoffen und Aktien so hervorgehoben habe. Ist nämlich durchaus unlogisch, dass beide gleichzeitig fallen, nachdem sie in den letzten Jahren beide gestiegen sind.

Es sei denn, man spricht von einer Wirtschaft, die nicht von Rohstoffen abhängig ist. Und das ist in den USA mittlerweile zum grossen Teil der Fall, denn 60% des GDP ist Software- und Finanz-Industrie und die sind beide nicht von Rohstoffpreisen abhängig.

Quote:

Ein Abfallen der Rohstoffpreise wird der Wirtschaft zusätzlich gewaltigen Saft geben.

In gleichem Ausmass, wie er der Wirtschaft in den letzten drei Jahren geschadet hat?

Und das alles wie gesagt unter der Voraussetzung, dass die Rohstoffpreise nachhaltig fallen und es sich nicht nur um eine gesunde Korrektur nach Übertreibung handelt!

22.06.2006 12:24
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Rohstoffpreise und Aktienbewertungen

MarcusFabian wrote:

Interessant: Die Korrelation seit 4 Jahren zwischen Rohstoffen und Aktien. In den letzten paar Jahren ist alles gestiegen, Aktien wie Rohstoffe.

Da haben sich auch einige viel Mühe gegeben, um Rohstoff-Anlegern das Paradies auf Erden zu verheissen. Jim Rogers und Konsorten... . Nun zeichnet sich allmählich ab, dass bei zu hohen Rohstoffpreisen auf Alternativen umgelagert wird: Der Juwelier macht kleineren Klunker, der Stromproduzent baut Kohle- oder Atomkraftwerke, und der Autofahrer kauft ein kleineres Fahrzeug, oder...

Knappheit von Erdöl ist die wichtigste Angst, mit der die Rohstoff-Treiber ihr Geld gemacht haben. Gemäss dem (sehr renommierten, freidenkerischen) Harper's Magazine allerdings ist die Knappheit herbeigeredet. Der Peak in der Ölproduktion (eingerechnet die kanadischen und venezolanischen Ölsande) wird gegenwärtig auf 2065 (!) voranschlagt. Wenn die Angst vor versiegenden Quellen wieder einmal dem Realismus Platz gemacht hat, werden die Preise schlagartig fallen. Das einzige Neue wird sein, dass Öl nicht mehr sprudelt, sondern dass es (im Schweisse des Angesichts) gefördert werden muss, mit immer noch relativ günstigen Kosten, so dass auch für jenes teurere Öl aus Sanden ein Preis von vierzig bis fünfzig Dollar drin liegt.

MarcusFabian wrote:

Durchaus denkbar also, dass alles gleichzeitig fällt, wenn weniger Liquidität ins FInanzsystem gepumpt wird, ja sogar Kredite zurückbezahlt werden, die Geldmenge also sinkt!

Der ganze Grund für den Mai/Juni-Crash waren die hohen Rohstoffnotierungen, die der Hauptgrund für die inflationären Tendenzen sind, für befürchtete geringere Unternehmensmargen, angehobene Zinsen. Ein Abfallen der Rohstoffpreise wird der Wirtschaft zusätzlich gewaltigen Saft geben.

Es gibt noch Schlimmeres.

22.06.2006 10:12
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War der Absturz vorhersehbar?

Strategen warnen vor platzender Rohstoff-Blase

Französische Großbank sieht Gefahr eines Crashs bei Metallen und Öl - Andere Strategen reden weiter von Superzyklus

Berlin - In der Finanzwelt werden die Warnungen immer lauter, daß sich die Rohstoffhausse der vergangenen Jahre ihrem Ende nähern könnte. Mehr als das: Einige Top-Strategen warnen sogar unverhohlen davor, daß die Party mit einem großen Knall enden könnte. "Wenn die Preise erst mal ins Rutschen kommen, wird das Ausmaß dramatisch sein", schreibt Alain Bokobza, Stratege bei der französischen Großbank Société Générale (SG) in einer aktuellen Studie. Seiner Einschätzung nach könnte der Rohstoffboom ähnlich verheerend mit einem Crash enden wie die Hightech-Rallye an der Nasdaq zur Jahrtausendwende. "Die Rohstoffnotierungen legten zuletzt einen ähnlich exponentiellen Wertzuwachs an den Tag wie die Aktienkurse an der Nasdaq vor der Jahrtausendwende", merkt Bokobza an. Bereits jetzt erinnert die Preisentwicklung bei Kupfer fatal an die Kursentwicklung der Technologieaktien im Frühjahr 2000. Und analog zur Nasdaq rechnen die Profis auch hier mit Preiseinbrüchen von bis zu 62 Prozent. Bedenklich stimmt den Auguren auch, daß die Zukunftserwartungen an die Rohstoffpreise immer überschwenglicher geworden seien. Für ein böses Ende spricht seiner Meinung auch, daß der derzeitige Rohstoffzyklus mit einer Dauer von 55 Monaten der längste und einer Verdopplung der Preise über alle Rohstoffklassen hinweg der aus kräftigste seit drei Jahrzehnten ist.

Anleger sollten die Einschätzung der SG-Strategen nicht auf die leichte Schulter nehmen, haben die Franzosen auf dem Gebiet einen Ruf zu verlieren. Schließlich gehörten sie zu den ersten, die korrekt ein dauerhaft höheres Ölpreisniveau vorhersagten. Nun blasen sie langsam zum Ausstieg, zumal Rohstoffe auch ihre Rolle als Depot-Diversifikator eingebüßt haben. "Aktuell bieten Rohstoffe keine nennenswerte Risikoreduzierungen mehr für ein diversifiziertes Portfolio", konstatiert Bokobza. Seine Begründung: "Rohstoffe weisen heute eine so hohe Korrelation mit anderen Asset-Klassen auf wie noch nie." Tatsächliche ist dieser Gleichklang der Wertentwicklung steil angestiegen, und liegt nach seinen Angaben mittlerweile bei rund 40 Prozent. Vor fünf Jahren rangierte er noch bei null oder war sogar negativ - damals stiegen die Rohstoffpreise also, wenn die Aktienkurse fielen und umgekehrt. Auch die hohe Schwankungsanfälligkeit der Rohstoffnotierungen trägt nicht dazu bei, Ruhe ins Depot zu bringen. Vielmehr sind Commodities nach SG-Berechnungen von 18 Asset-Klassen die zweitriskanteste, nur übertroffen von hochvolatilen Schwellenland-Aktien. Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen scheinen dies zu bestätigen: Von dem Abwärtstrend wurden seit Mitte Mai nicht nur Dividendentitel erfaßt, sondern auch Rohstoffe, allen voran Gold und Silber.

Die einzige Beruhigung für Rohstoff-Anleger: Der große Crash steht nach Überzeugung der Société-Générale-Experten nicht unmittelbar bevor, sondern ist vielmehr erst für 2007 zu erwarten. Nach der Korrektur im Frühjahr dürften die Preise zunächst sogar noch einmal eine Zwischenerholung (wie die Nasdaq im Herbst 2000) erleben. Erst kommendes Jahr dürften die Metalle Palladium, Nickel, Silber und Zink dann zwischen 40 und 60 Prozent an Wert verlieren. Bei Gold und Rohöl könnte der Kursverfall immerhin rund 30 Prozent betragen.

Doch nicht alle Strategen sind davon überzeugt, daß die Rohstoffmärkte einen Kollaps erleben: "Sicherlich kann es bei Kupfer und anderen Industriemetallen 2007 zu einem Preisrückgang kommen, es wäre aber ein Fehler, sämtliche Commodities über einen Kamm zu scheren", meint Michael Lewis von der Deutschen Bank. Während Lewis angesichts einer drohenden US-Rezession im nächsten Jahr mit Schwächen auf dem Markt für Industriemetalle rechnet, sieht er die Kurse der Edelmetalle weiter steigen. Aber auch die Ölnotierungen sieht er nie mehr auf 20 Dollar zurückfallen: "Man mag es Superzyklus nennen oder nicht - das strukturelle Umfeld hat sich geändert und das spricht für dauerhaft hohe Rohstoffpreise" Daran würden auch zwischenzeitliche Rückschläge nichts ändern.

Artikel erschienen am Do, 22. Juni 2006

Quelle: http://www.welt.de/data/2006/06/22/926974.html

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Interessant: Die Korrelation seit 4 Jahren zwischen Rohstoffen und Aktien. In den letzten paar Jahren ist alles gestiegen, Aktien wie Rohstoffe. Durchaus denkbar also, dass alles gleichzeitig fällt, wenn weniger Liquidität ins FInanzsystem gepumpt wird, ja sogar Kredite zurückbezahlt werden, die Geldmenge also sinkt!

Den Vergleich mit der Nasdaq halte ich allerdings für übertrieben. Schliesslich sind Rohstoffe immer noch "Hardware" mit einem inneren Wert. Im Gegensatz dazu waren die viele Nasdaq-Titel reine Luft und nur getrieben von Phantasie.

22.06.2006 08:13
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BB hat Kurven

Vontobel wrote:

Ihr sprecht hier von Unterstuetzungslinien im SMI GDxx ...darf ich fragen, kann man das Know How diesbezueglich in normalen Chartbuechern erlernen oder wie habt ihr euch da informiert?

Mir ist die Chart-Sprache auch etwas Neues, mit dem ich vertrauter werden will.

Ich lese Foren, Sites und Blogs, in denen vor allem auf die Charts eingegangen wird. Wenn Begriffe erscheinen, die ich nicht kenne, google ich danach. So wird mir dieses Buch mit sieben Siegeln in kleinen Portionen eingelöffelt. Um einen Wälzer durchzuackern, bin ich zu wenig technophil.

(Gestern wurde ich mit BB bekannt. Ich freute mich auf Brigitte Bardot, aber schliesslich waren es nur Bollinger Bands, deren Formgebung ich viel weniger aufregend als BB la douce finde.)

Es gibt noch Schlimmeres.

21.06.2006 23:20
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Re: Einschätzungen...

learner wrote:

Wie rational/blödsinnig der Markt dann auf die verschiedensten Daten reagiert, bleibt (mir) trotzdem ein Rätsel. Der Markt scheint mir oft von Kräften getrieben, die ich nicht durchschaue. [...] Aber wie auch Querschnitts-Indizes intraday deutliche Richtungen bekommen, verstehe ich nicht.

Indraday gibt's auch nichts zu verstehen. Was mir in solchen Situationen hilft ist mit dem Hubschrauber etwas höher zu steigen, um das ganze längerfristiger und globaler zu betrachten: Es gab einen Absturz im Mai, ausgelöst durch Inflationsängste und derzeit pendeln alle Indizes um ihre GD200 herum. Keiner weiss, ob es mittelfristig auf- oder abwärts geht.

Der Markt ist unsicher und das äussert sich auch in den Postings in diversen Boards.

Das ist aber auch schon alles. In den Sommermonaten läuft ohnehin meist nicht viel und es kann durchaus sein, dass die Märkte noch weiter seitwärts laufen. Auf den SMI bezogen zwischen 7200 und 7600. Frustrierend für Bullen wie Bären.

Quote:

Und ich sehe die Anlässe dazu nicht. Es fehlt an Anlässen. Und trotzdem intraday rauf und runter. Wo ist die Triebkraft dazu?

Es ist ein unerklärliches Getüm, wie der ganze Rest (...).

Es kommt vielleicht weniger darauf an, wieviel Du liest sondern was Du liest. Ich kenne zuerchertrend.ch nicht und auch nicht die Journalisten, die dort Analysen erstellen. Deshalb misstraue ich deren Aussage eher als einer Bilderbergkonferenz der mächtigsten Menschen der Erde.

Hier ein Auszug:

By James P. Tucker Jr.

19th June 2006

http://www.americanfreepress.net/html/big_surprises_at_bilderberg.html

Bilderberg expects interest rates to rise and many Americans to lose their homes in the months ahead. Meanwhile, they hope they can pressure President Bush to refrain from an all-out invasion of Iran while maintaining oil prices at their current record-high levels of about $70 a barrel.

Timothy Geithner, president of the Federal Reserve Bank of New York, predicted rising interest rates and difficulties for families that have obtained adjustable rate mortgages, or “variable” interest rates. Many are likely to lose their homes as rising home mortgage rates add hundreds of dollars to their monthly payments, he said. While most listened solemnly and some expressed concern, one was heard to say, “stupid Americans deserve their fate.”

Many Americans, especially young families, have been buying expensive homes at low but “variable” interest rates. Others have been paying just the interest owed on their homes and not the principal. They are the most vulnerable, Geithner said. Some have paid little or nothing down. Some institutions “lend” buyers the down payment.

When home construction peaks and prices start downward, many will find they owe more on their home than it is worth in the marketplace. They will also find their mortgage—even “interest-only” payments—are unaffordable.

The banks will get the homes back and sell them again.

Zur Bilderberg-Konferenz gehören die mächtigsten, reichsten und klügsten Köpfe der Erde. Lies Dich mal hier ein: http://www.bilderberg.org/2006.htm

VonTobel wrote:

Ihr Spricht hier von Unterstuetzungslinien im SMI GDxx ...darf ich fragen, kann man das Know How diesbezueglich in normalen Chartbuechern erlernen oder wie habt ihr euch da informiert?

Trendfolger, GD's, MACD und SlowStochiastic sind die einfachen Grundbegriffe jeder Charttechnik. Es macht schon alleine deshalb Sinn, sich hier ein bisschen einzuarbeiten, weil sehr viele Trader auf diese Indikatoren achten und danach handeln.

Einstiegspunkt: http://www.tradesignalonline.com

Dort findest Du alles über Charttechnik. Zum selber Lernen in "Lexikon".

Du findest massenhaft Chart-Analysen von Experten und kannst das gelernte gleich anwenden und überprüfen.

21.06.2006 22:00
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Smile

Noed gad passend aber merci fuer de Willkommensgruess!

Schrib mer doch mal es Mail...Adresse haesch ja?...

Ich weiß, dass ich nichts weiß!



www.starmind.com - Know-How Trading

www.pvi.ch - currently inactive

www.payoff.ch - ALL ABOUT DERIVATIVE INVESTMENTS

21.06.2006 21:23
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Hoi Vontobel!!!!

Isch zwar nöd grad de richtig Ort zum dir schriibe :roll:

Aber welcome back to schwitzerland :o

Gruess

21.06.2006 21:16
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Lob

Extrem gute Postings...war jetzt 3 Monate weg und muss sagen, dass das Cash Forum bzgl. Qualität enorm zulegen konnte.

Sehr interessante Beiträge. Das Spannende, jeder hat ein wenig andere Ansichten und kann diese plausibel vertreten.

Ihr Spricht hier von Unterstuetzungslinien im SMI GDxx ...darf ich fragen, kann man das Know How diesbezueglich in normalen Chartbuechern erlernen oder wie habt ihr euch da informiert?

Ich weiß, dass ich nichts weiß!



www.starmind.com - Know-How Trading

www.pvi.ch - currently inactive

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21.06.2006 18:13
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Einschätzungen...

Danke für die interessanten Links, die ich zu meinen Lesezeichen "Market News" nehmen werde.

Wie rational/blödsinnig der Markt dann auf die verschiedensten Daten reagiert, bleibt (mir) trotzdem ein Rätsel. Der Markt scheint mir oft von Kräften getrieben, die ich nicht durchschaue. Ich bin verdammt noch mal auf nunmehr extrem vielen Seiten, die neuste News geben, und lese sie in den geläufigen Sprachen. Aber wie auch Querschnitts-Indizes intraday deutliche Richtungen bekommen, verstehe ich nicht.

Den SMI beobachte ich schon lange, vor allem auch intraday. Er scheint von unsichtbaren Kräften getrieben. Oder ABB. All die Indizes, die unter (meiner) Beobachtung sind, haben Tag für Tag extreme Richtungen, auf und ab. Ist der Schlusskurs die Tendenz? Da gab's so viel anderes dazwischen, das alles mitgemacht wurde. Und ich sehe die Anlässe dazu nicht. Es fehlt an Anlässen. Und trotzdem intraday rauf und runter. Wo ist die Triebkraft dazu?

Es ist ein unerklärliches Getüm, wie der ganze Rest (...).

P.S. MarcusFabian wrote:

Was ist der Grund, weshalb Du Dich an diesen (privaten) Index hältst und nicht an die etablierten?

Es war mein erster Treffer unter dem Suchbegriff. That's why...

Cheers. ... :shock:

Es gibt noch Schlimmeres.

21.06.2006 15:40
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War der Absturz vorhersehbar?

... Jetzt müssten eigentlich die Kapitalinvestitionen anziehen, wenn die Investoren so bullisch sind.

Ich empfehle Dir übrigens (und allen anderen auch) folgende Links in die Linksammlung zu nehmen:

http://www.markt-daten.de/index.htm

http://www.sharelynx.com/chartstemp/historical.php

21.06.2006 15:31
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War der Absturz vorhersehbar?

Der Index scheint mir etwas optimistisch zu sein ...

... wenn man ihn mit Michigan Verbrauchervertrauen vergleicht ...

oder mit Conference Board ...

Was ist der Grund, weshalb Du Dich an diesen (privaten) Index hältst und nicht an die etablierten?

21.06.2006 13:44
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Voraussage www.zuerchertrend.ch

Dass maximal fünf Zeilen zitiert werden können, ohne Copyright zu verletzten, ist mir nicht bekannt. Werde es irgendwann abklären... Im Übrigen wird nur jemand das Original nachlesen müssen, wenn mir einmal in diesem Forum gezeigt wurde, dass ich Information fälschlich oder auch nur manipulativ verwende. Dies ist nicht meine Art.

Trotzdem hier ein kleiner (rabenschwarzer) Ausschnitt aus dem Brief, um deiner Bitte zu entsprechen:

Die Rohstoffpreise werden sich am deutlichsten reduzieren. ... Die Schwellenländer verlieren die gleiche "heisse Luft". 20 Prozent Indexverlust in vier Wochen sind nur ein Vorgeschmack. 50 Prozent sind wahrscheinlicher, um nur einen Durchschnittwert zu nennen. ... Um 25 Prozent reduzierte Aktienkurse an den Euromärkten sind für diese Konsolidierung ein mittlerer Wert. ... Die globalen Wirtschaftstrends werden davon nicht berührt. (14.6.2006) Und vieles mehr.

Ein SMI von 6200: Wer hielte das für möglich, in der guten Verfassung der Wirtschaft? Spinnen die Brüder?

Sir Grübel von der CS hat sich am Samstag, dem 17.6.2006, genau gleich geäussert. Ob er sich dabei auf diesen Brief stützte, oder die CS-Auguren selbst auf diesen Schluss gekommen sind, weiss ich nicht. Die Übereinstimmung ist aber erstaunlich.

Die Stimmung in den USA dagegen ist erstaunlicherweise nicht schlecht.

http://www.statestreet.com/industry_insights/investor_confidence_index/i...

Ich bring's nicht unter einen Hut, for heaven's sake!

Cheers!

Es gibt noch Schlimmeres.

21.06.2006 13:04
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Re: Sommermonate und Party-Dates

learner wrote:

[/i] www.zuerchertrend.ch: [i].

Zuerchertrend ist eine Abo-Seite. Da kannst Du nicht davon ausgehen, dass das jemand nachliest. Am besten Du stellst also Auszüge rein (bis 5 Zeile verletzt Du kein Copyright) oder zitierst nachvollziehbare Quellen.

21.06.2006 09:20
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Sommermonate und Party-Dates

Wie geht's in den nächsten beiden Monaten weiter? Sommerflaute oder Raving?

Aus den Einschätzungen der Profis werde ich ebenso wenig klug wie aus meiner eigenen Betrachtung. Der Brief von Navellier: Das ist die beste Chance für einen Einstieg seit drei Jahren. www.zuerchertrend.ch: Die Konsolidierung geht weiter.

Vieles spricht für jede der beiden Ideen. What's gonna happen?

Wenn nun der September zur offiziellen Vereinbarung für die nächste Party wird, ist klar, dass über den Sommer gewartet wird, um die Schneckenlöcher dann schnellstens zu räumen.

Nur: Gilt die Verabredung? Wird der allgemeine Tenor zur selbsterfüllenden Prophezeiung?

Der "State Street Investor Confidence Index" zeigt für die USA ein deutlich gestiegenes Vertrauen der institutionellen Anleger, während es in Europa gesunken ist. Die Amerikaner finden also jetzt schon "enough is enough".

Es gibt noch Schlimmeres.

20.06.2006 09:58
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Re: Konsolidierung geht weiter

learner wrote:

www.zuerchertrend.ch vom 14.6.2006: Rohstoffpreise werden sich am deutlichsten reduzieren. ... Der so genannte Rohstoff-Derivate-Markt hatte zuletzt einen Markt von beinahe 300 Mrd. $ erreicht. Dieser Ballon wird platzen oder wenigstens erkennbar Luft ablassen. ... etc.

Wäre zu hoffen, dass die Derivate-Blasen mal endlich platzen. Vor allem jene in Gold und Silber. Denn eigentlich sollte es verboten sein, mehr Gold und Silber leer zu verkaufen als auf dem Markt überhaupt verfügbar ist!

EIn sehr interessanter Artikel zum Thema ist hier: http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=2707&seite=0

20.06.2006 09:56
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War der Absturz vorhersehbar?

tetoga wrote:

Was bewegt Dich eigentlich zur Aussage, dass bis Ende Juli mit dem

Kauf von Gold zugewartet werden sollte?

Die Saisonalität von Gold:

Gemäss diesem Chart müsste der Goldpreis Anfang September massiv anziehen. In den letzten Jahren begann der Goldpreis aber bereits im August mit der Herbstrally.

Das sind also recht unpräzise Erfahrungswerte.

Quote:

Sind dies eigentlich nicht alles Zeichen für ein Sinken ALLER Rohstoffe?

Ja und nein: Steigende oder fallende Zinsen beeinflussen nicht die Rohstoffe selbst sonder die Währung, in der diese bezahlt werden. Steigen die Zinsen im Dollarraum, wird der Dollar dadurch wertvoller und Rohstoffe sinken im Preis in Dollar gerechnet.

Inflation ist immer bullisch für Rohstoffe. Besonders für Edelmetalle, die als Absicherung gegen die Inflation vermehrt gekauft werden.

Eine Abschwächung des Konsums ist bärisch für alles. Rohstoffe sind aber weit weniger betroffen als beispielsweise Aktien oder Bonds. Auch in schlechten Zeiten brauchen die Menschen Lebensmittel und Energie aber sie können auf den Kauf von Aktien verzichten.

In den vergangenen 20 Jahren sanken Zinsen und Inflation tendenziell. Von 12% auf 2%. Entsprechend sanken Rohstoffpreise. Ich gehe davon aus, dass wir nun wieder am Anfang eines Zyklus steigender Zinsen und Inflation sind. Rohstoffpreise werden deshalb während dieser Jahre steigen. So wie sie es auch in der Vergangenheit in vergleichbaren Situationen getan haben.

Die Inflation als Preistreiber dürfte also auch diesmal stärker wiegen als die sinkende Nachfrage.

20.06.2006 08:20
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Konsolidierung geht weiter

DJ, Nasdaq, Nikkei sind rot. Die Konsolidierung geht weiter.

www.zuerchertrend.ch vom 14.6.2006: Rohstoffpreise werden sich am deutlichsten reduzieren. ... Der so genannte Rohstoff-Derivate-Markt hatte zuletzt einen Markt von beinahe 300 Mrd. $ erreicht. Dieser Ballon wird platzen oder wenigstens erkennbar Luft ablassen. ... etc.

Es gibt noch Schlimmeres.

20.06.2006 08:19
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War der Absturz vorhersehbar?

Hoi Marcus.

Ich wage es mal, Eure interessante Diskussion kurz zu unterbrechen und

frage Dich:

Was bewegt Dich eigentlich zur Aussage, dass bis Ende Juli mit dem

Kauf von Gold zugewartet werden sollte?

Angenommen:

- die Zinesen steigen weiter

- die Inflationsrisiko (in den USA) steigt wirklich (noch mehr)

- und der Konsum sich somit abschwächen wird?

Sind dies eigentlich nicht alles Zeichen für ein Sinken ALLER Rohstoffe?

Gruss

tetoga

19.06.2006 15:17
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Re: Rohstoffe vs. Blue-Chips

learner wrote:

Sie zeigen, dass Rohstoffe in der Vergangenheit nie den Wertzuwachs von Aktien hatten, aber auch, dass es da noch viel Luft geben müsste, dass sie weiter ansteigen können.

Sag niemals nie!

In der Regel verhalten sich Aktien- und Rohstoffmärkte gegenläufig. Rohstoffe haussieren in Bärenmärkten von Aktien. Das sind die Jahre (z.B. 1967-1981) wo man in Rohstoffen statt in Aktien investiert sein will.

Die letzten 4 Jahre waren insofern eine Ausnahme als sich grosse Mengen frischen Geldes sich überall eine Investitionsmöglichkeit suchte und sowohl Aktien als auch Rohstoffe haussierten. Das ist aber die Ausnahme.

Quote:

Die Preisentwicklung der Rohstoffe wäre noch rückläufiger, wenn man den Chart nicht nur inflationsbereinigt, sondern im Verhältnis zur Kaufkraft darstellen würde.

Das ist genau, was der Chart darstellt. "Inflationsbereinigt" heisst nämlich (obwohl eigentlich falsch), dass die Preise um den CPI korrigiert wurden. Mit "Inflation" im Sinn von "Ausweitung der Geldmenge" haben die Charts nichts zu tun.

Grundsätzlich ist es richtig, dass mit steigenden Preisen das Angebot an Rohstoffen steigen wird. Eines Tages werden wir ein Überangebot von Rohstoffen haben und die Preise werden entsprechend wieder purzeln.

Nun ist es aber so, dass das Angebot nicht so schnell ausgeweitet werden kann. Ich kann heute eine Software-Firma innert eines Monats auf die Beine stellen oder ABB eine neue Fabrikationshalle innert eines Jahres, wenn es die Situation erfordert.

Die meisten Agrar-Rohstoffe können innert 1-3 Jahren auf Preisänderungen reagieren. Weizen und Soja innert eines Jahres, Orangenbäume brauchen 3 Jahre bis sie die ersten Früchte tragen.

Bei Minen ist die Zeitspanne länger. In der Rohstoff-Baisse bis 2001 wurde kaum mehr nach neuen Ölvorkommen, Blei- oder Kupferminen gesucht. Nun wird erst langsam wieder damit begonnen. Auch wenn man ein neues Rohstofflager gefunden hat, beginnen erst Verhandlungen mit REgierungen, Umweltschutzbehörden, Baugenehmigungen müssen eingeholt, Geldgeber gefunden werden etc.

Bis eine neue Mine dann in Betrieb ist, dauert es im Idealfall 5-7 im dümmsten Fall bis 12 Jahre bis die Produktion startet.

Daraus ergibt sich auch die Dauer einer Rohstoff-Hause. DIe Produktion von Gold und Silber ist zum beispiel immer noch rückläufig und unter dem Niveau von 2000. Und dies obschon die Preise nun wieder Exploration rentabel machen.

Im Moment liegt das Angebot noch unter der Nachfrage. Deshalb werden die Preise noch für ein paar Jahre steigen. Zumindest so lange bis Angebot und Nachfrage im Lot sind.

19.06.2006 10:29
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Rohstoffe vs. Blue-Chips

MarcusFabian wrote:

Mir ist nicht klar, weshalb Du einerseits von Langfristcharts sprichst (was vernünftig ist) aber andererseits 1- bis 10-Jahrescharts reinstellst.

I can't find the bloody chart, that's why.

MarcusFabian wrote:

Ich verstehe nicht ganz, inwiefern (der Rohstoff-Chart) Deine These stützt, dass in den nächsten 5-10 Jahren die Rohstoffmärkte sinken und Aktienmärkte steigen werden.

Pardon, das ist nicht meine These. Sondern: Blue-Chips werden (vermutlich...) mehr zulegen als der GSCI.

Der Rohstoff ermöglicht erst Wirtschaftswachstum. Wenn er zu hoch steigt, würgt er sich selbst ab, bzw. ruft er nach neuen Investitionen, die wiederum Wirtschaftswachstum mit sich bringen.

Die beiden Charts, die du oben hineingestellt sind, finde ich echt interessant. Genau die habe ich gesucht. Sie zeigen, dass Rohstoffe in der Vergangenheit nie den Wertzuwachs von Aktien hatten, aber auch, dass es da noch viel Luft geben müsste, dass sie weiter ansteigen können. Die Preisentwicklung der Rohstoffe wäre noch rückläufiger, wenn man den Chart nicht nur inflationsbereinigt, sondern im Verhältnis zur Kaufkraft darstellen würde. Aufgrund des Charts kann man nicht sagen, die gegenwärtigen Preise seien übertrieben, wie sich Grübel in der FuW noch am Samstag äusserte.

Beim ganzen Gespräch will ich noch einmal hinzufügen, dass ich meine Aussagen als Hypothese anschaue, was es auch immer ist.

Ich habe auch überhaupt nichts gegen Rohstoffe. Aber im Augenblick scheinen sie mir nicht interessant. Ich erwarte, dass sich die Preise noch weiter abschwächen.

Mir geht's nicht um ein Entweder-Oder, sondern um Mässigung in der Betrachtungsweise, und damit um ein Sowohl-als-Auch. Wem These und Anti-These nicht eine Synthese ergeben, verschliesst doch wohl die Augen?

Dies auch mit dem Eingeständnis, dass ich kein Fachmann bin! Ich verfüge über keine akkuraten Forschungsunterlagen. Es ist meine Sicht. "Spekulieren" heisst ja "sehen". Und ich setze hinter alles, was ich sage, ein Fragezeichen. Das ist wohl der Hauptgrund, warum mich deine Prophezeiungen zum Widerspruch reizen. Du gibst dich sicher, in fast missionarischer Art, und ich stelle in Frage. Das ist mir an Mark Fabers Börsenbrief sympathisch: Er sagt, er könne nicht voraussehen, aber wolle zum Denken anregen. Dieser Realismus gefällt mir.

Die beiden obigen Charts haben es nun vermocht: die Sache so neutral darzustellen, dass kein Widerspruch unternommen werden muss. Die Mitte in der Betrachtungsweise (=Spekulation) ergibt sich dadurch von selbst.

Es gibt noch Schlimmeres.

19.06.2006 09:44
Bild des Benutzers MarcusFabian
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War der Absturz vorhersehbar?

Mir ist nicht klar, weshalb Du einerseits von Langfristcharts sprichst (was vernünftig ist) aber andererseits 1- bis 10-Jahrescharts reinstellst.

Inflationsbereinigt sind Rohstoffe eben erst dabei, den Boden zu durchqueren. Nehmen wir beispielsweise den Goldpreis von 1981 von $860, so entspricht der inflationsbereinigten $2200 per heute. Da ist also noch Luft nach oben.

Die Aussage, dass die Wirtschaft langfristig bessere Aussichten hat, wenn die Rohstoffpreise sinken, ist grundsätzlich richtig. Wenn nur das Wörtchen "wenn" nicht wäre.

Ich bin nämlich nicht der Meinung, dass wir schon das Ende der Rohstoff-Hausse gesehen haben. Klar, kurzfristige Übertreibung nach oben mit fast ebensolcher Korrektur nach unten. Aber im 30-jährigen inflationsbereinigten Chart ist da noch nichts von Übertreibung zu entdecken.

Was ich rein charttechnisch erwarte ist eine exponenziell ansteigende Kurve, wie 1981 nicht aber eine Untertasse.

Ausserdem dauerten Rohstoff-Haussen in der Vergangenheit 10-15 Jahre. Dass eine Hausse bereits nach 5 Jahren zu Ende geht ist unwahrscheinlich. Und sicherlich nicht auf diesem niedrigen Niveau. Eine Verdreifachung der aktuellen Preise würde wie gesagt den Hochs von 1981 entsprechen - inflationsbereinigt.

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