Zahlungsfähigkeit von Banken

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03.11.2007 16:50
#1
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Zahlungsfähigkeit von Banken

Immer mehr Leute, gerade im Bereicht von Rohstoffen, weisen auf grosse und akute Gefahren im Derivatemarkt hin. Es wird gewarnt, dass die laufende Kreditkrise in einem Dominoeffekt mehrere Grossbanken in kurzer Zeit zahlungsunfähig und somit alle Zertifikate evt. sogar Sparkonten wertlos vernichten könnte. Die Geschichte hat uns schon mehrmals gezeigt, dass Währungen und Firmen eingehen können, obwohl die breite Mehrheit NIE mit dem gerechnet hätte.

Ist eine UBS wirklich von so etwas akut gefährdet? Pure Angstemacherei, von Leuten, welche ihre Assets nicht mit Derivaten vollgepflastert, sondern lieber durch physische Käufe unterstützt sehen wollen?

Dass das Kreditrating gegen unten nur zögerlich angepasst wird, da die Firma z.b. S&P von derjenigen Firma für das Rating bezahlt bzw. in Auftrag gestellt wird, ist üblich und kann gerade beim Downgrade zu Fehleinschätzungen oder Verzögerungen führen.

Der letzte Gläubiger einer Bank ist schlussendlich doch die Notenbank, somit wäre doch rein theoretisch eine Kettenreaktion durch Zahlungsunfähigkeiten ausgeschlossen.

Mit freundlichen Grüssen

Adrian

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04.11.2007 12:43
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Zahlungsfähigkeit von Banken

@ fabian.. da musst du aber nochmals über die bücher.. Wink

das Weltbruttosozialprodukt (Begriff ist sowieso veraltet) beträgt ungefär 45 Billionen, das entspricht 45'000 Milliarden und nicht deren 30.

04.11.2007 00:13
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Zahlungsfähigkeit von Banken

Danke für die (wie immer) ausführliche Antwort MarkusFabian.

Wie der Terminmarkt funktioniert und wie die gegenwärtige Situation beim Silber ausschaut, ist mir geläufig. Ebenfalls bin ich seit nun gut zwei Jahren in Gold + Silber investiert und rechne ebenfalls mit massivem Zuwachs in den nächsten Monaten/Jahren.

Interpretiere ich deine Antwort richtig, dass du einem solchen Szenario für unsere Banken in der Schweiz aus aktueller Sicht eher gelassen entgegen siehst? Du als langzeit Goldbulle dürftest wohl ebenfalls die Meinungen von Eichelburg, Sinclair, Siegel usw. kennen, welche sich stark gegen Zertifikate jeder Art äussern. Natürlich ist mir klar, dass Eichelburg und Sinclair sich weit aus dem Fenster lehnen und gerne übertreiben.

Sollten jedoch die ersten Banken "hochgehen", könnte es selbst Banken, welche nicht gross in diesem Derivatekuchen vertreten sind, durch einen Bankensturm zu Inliquidität in die Insolvenz bringen, da jeder probieren wird sein Geld abzuziehen.

Mit freundlichen Grüssen

Adrian

03.11.2007 22:51
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Zahlungsfähigkeit von Banken

Wenn Du Hersteller von Pommes Frites bist und weisst, dass Du im Frühling 10 Tonnen Kartoffeln brauchst und Du sicher sein willst, dass Du auch auf dem Markt tatsächlich 10 Tonnen Kartoffeln zu einem erschwinglichen Preis bekommst, dann gehst Du zu einem Bauern und kaufst ihm die Kartoffeln bereits jetzt ab. Allerdings mit Liefertermin im Frühling.

Im Idealfall zahlst Du die Kartoffeln bereits jetzt. Vielleicht zu einem ein paar Prozent niedrigenen Preis, denn der Bauer ist ja jetzt bereits im Besitz des Geldes und somit profitiert er von der Verzinsung.

Damit hast Du beim Bauern einen Termin-Kontrakt oder Future gekauft. Also ein Derivat.

Mit diesem Geschäft sind beide glücklich. Du, weil Du die Lieferung sichergestellt hast und der Bauer, weil er weiss, dass er seine Kartoffeln loswird und er hat bereits das Geld.

Die Sache hat nur einen Knackpunkt: Hat der Bauer auch tatsächlich im Frühling 10 Tonnen Kartoffeln, die er Dir liefern kann?

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wenn er zum Beispiel nur 7 Tonnen haben wird, kann er seinerseits einen Kontrakt mit einem anderen Bauern über die Lieferung der übrigen 3 Tonnen abschliessen, um die Lieferung sicherzustellen.

Im Gegensatz zu diesem überschaubaren Beispiel hast Du auf den internationalen Terminmärkten nicht den Überblick, ob derjenige, der Dir die Kartoffeln verkauft auch tatsächlich ein Bauer ist oder vielleicht nur ein Spekulant, der jetzt short geht, weil er auf sinkende Kartoffelpreise spekuliert und sich im Frühling mit billigeren Kartoffeln eindecken will, um Dich zu beliefern.

Unter dem Strich gilt aber auch hier: Ist die Summe der im Frühling verfügbaren Kartoffeln grösser oder kleiner als die Menge der Kartoffeln, die bereits jetzt auf Termin verkauft werden?

Was wäre nun, wenn alle Bauern Kartoffeln auf Termin verkaufen, die sich nicht haben, in der Hoffnung, sie bei anderen Produzenten beziehen zu können?

Was, wenn in der Schweiz 100 Tonnen Kartoffeln pro Jahr produziert werden aber 150 Tonnen auf Termin verkauft werden?

Fein, dann kann man im Ausland einkaufen. Und was wenn es weltweit 1000 Tonnen Kartoffeln gibt und 1200 Tonnen verkauft wurden?

Der Preis schiesst zum Termin in die höhe und die reichsten 80% kaufen die 1000 Tonnen, um ihre Verträge zu decken. Die anderen 20 können ihren Verpflichtungen nicht nachkommen und gehen Pleite.

Nun, bei Kartoffeln dürften Lieferschwierigkeiten in der Praxis kein Problem sein. Auch Aktien sind kein Problem, denn die können beliebig generiert werden.

Bei Silber ist es aber beispielsweise so, dass die Menge der offenen Kontrakte die physisch verfügbare bzw. in nächster zeit geförderte Menge weit übersteigt.

Das ist schlimm, denn wir wissen bereits jetzt, das es einige Leerverkäufer gibt, die im wahrsten Sinn des Wortes "zu jedem Preis" werden Silber kaufen müssen, um dereinst ihren Lieferverpflichtungen nachkommen zu können.

Wir haben also beim Silber eine Derivate-Blase, die in Zukunft für Probleme sorgen wird.

Allerdings ist der Silber-Markt zu klein als dass hier eine Bank wie UBS (so sie denn überhaupt im Silber-Markt tätig ist) in die Knie gezwungen werden könnte.

Etwas anders sieht es beim weltweit grössten Derivate-Markt aus, den Absicherungen gegen Zinsschwankungen. Hier werden Beträge abgedeckt, die alle Banken der Welt gemeinsam nicht auf die Reihe kriegen würden.

Alles in allem (also alle Derivate der Welt zusammengenommen) ergibt sich dieses Bild:

Im Jahr 2007 hat die Derivate-Menge bereits die 450 Milliarden Dollar-Grenze überschritten. Nehmen wir hierzu im Vergleich das Bruttosozialprodukt der USA von 13 Milliarden bzw. das Welt-BSP von 30 Milliarden, so ergibt sich eine Derivaten-Blase, die 15 mal so hoch ist wie das BSP der ganzen Erde.

Natrülich sind die meisten Derivate gegenläufig (long und short-Positionen, die sich gegenseitig aufheben) aber sollte es zu einem Ungleichgewicht kommen, zum Beispiel durch unerwartet schnelle Bewegung bei den Zinsen, werden Absicherungszahlungen fällig, die keine Bank überleben kann - so sie denn den Verpflichtungen nachkommt.

Alleine J.P.Morgan zeichnet für etwa 50% der weltweite Derivate verantwortlich. Diese Bank wird also die erste sein, die ein Platzen dieser Blase nicht überlebt. Die Überlebenschancen einer Bank sind also davon abhängig, wie hoch sie an diesem $450 Mrd-Kuchen beteiligt ist.

03.11.2007 22:39
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hispmo
Zahlungsfähigkeit von Banken

Investiere 10% von deinem Gewinn in physikalisches Gold, und hoffe das du es nie brauchen wirst!

Ich finde das ein sehr gutes Zitat, es ist zwar nicht von mir, aber halte mich daran.