3. Säule, z.K

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Säule 3a: Auf das Alter kommt

Säule 3a: Auf das Alter kommt es an

Sparkonto, Wertschriften, Aktienquote? Beim Einzahlen in die 3. Säule gibt es verschiedene Eintscheidungen zu fällen. Welche die beste ist, hängt stark vom Anlagehorizont und somit vom Lebensalter ab.

10.12.2018 23:10

Von Ivo Ruch

Noch rund zwei Wochen haben Sie Zeit, um für dieses Jahr Geld in die 3. Säule einzuzahlen. Zeit auch, um sich für eine Anlagestrategie zu entscheiden. Ob Sie Ihr Geld mit einer simplen Kontolösung oder in Wertschriften anlegen, der Maximalbetrag bleibt derselbe: 6768 Franken für Arbeitnehmer mit Pensionskasse. Im kommenden Jahr steigt der Betrag dann auf 6826 Franken.

Entscheidend ist, wie lange Ihr Geld in der 3. Säule liegt. Denn der Anlagehorizont hat grossen Einfluss auf Ihre Möglichkeiten, die Schwankungen an den Finanzmärkten auszusitzen und somit auf die Wahl der Vorsorgelösung.

Einzahlungen in die 3. Säule sind grundsätzlich möglich, sobald man AHV-pflichtig ist. Das Ende der Einzahlungsmöglichkeit markiert die Pensionierung. Theoretisch sind also Beitragszahlungen im Alter zwischen 18 und 65 möglich. Wer über das ordentliche Rentenalter hinaus arbeitet, darf gar während fünf zusätzlichen Jahren einzahlen. Soweit zum Grundsätzlichen. Jede Lebensphase hat noch einmal ihre eigenen Stolpersteine und Faustregeln, wie der folgende Überblick zeigt:

Zwischen 20 und 35 Altersjahren

Wer sich noch in der Berufslehre befindet, studiert oder sonst eine Ausbildung absolviert, für den ist das Einkommen in der Regel schlicht zu knapp, um etwas zur Seite legen zu können. Sobald der Lohn aber einen Sparbatzen erlaubt, sollte auch die persönliche Vorsorge ein Thema werden. 

Da die Zinsen auf 3a-Konten historisch tief sind, lohnen sich die Einzahlungen vor allem aufgrund der Steuerersparnis. Denn der einbezahlte Betrag kann im Beitragsjahr vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Berechnungen des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch zufolge kann durch diese Steuerersparnis – je nach Wohnort – bis zu 36 Prozent "Rendite" erzielt werden.

Gerade bei tiefen oder unregelmässigen Einkommen, wie sie im Alter zwischen 20 und 30 häufig vorkommen, ist das Sparpotenzial aber begrenzt. Verantwortlich dafür ist die Steuerprogression: Je höher das Einkommen, desto positiver wirkt sich eine Einzahlung in die 3. Säule auf die Steuerrechnung aus. Die 3a-Gelder müssen bei der Auszahlung versteuert werden, was ebenfalls auf die Gesamtrendite drückt. Wie viel Steuern im individuellen Fall unter dem Strich gespart werden können, lässt sich einfach mit einem Online-Rechner herausfinden.

In jungen Jahren sollte man 3a-Lebensversicherungen gegenüber sehr skeptisch sein. Ein Todesfall muss zum Beispiel nicht versichert werden, wenn noch keine Familie vorhanden ist. Auch fehlt bei solchen Produkten häufig die Möglichkeit der flexiblen Einzahlung – entscheidend für junge Leute mit schwankendem Einkommen. Was hingegen Sinn machen kann, sind Anlagen in Aktien. Ab einem Anlagehorizont von 15 Jahren raten Experten zu Aktien-Investments. Zahlreiche Anbieter führen Anlagefonds im Rahmen der Säue 3a, wobei sie unterschiedlich stark auf Aktien setzen.

Je höher allerdings der Aktienanteil, desto riskanter – und in der Regel teurer – ist der Fonds. Der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch hat ausgerechnet, dass die Kosten von Schweizer Vorsorgefonds zwischen 0,24 und 1,69 Prozent pro Jahr variieren. Moneyland.ch bietet auch eine ausführliche Übersicht zu den wichtigsten Schweizer Vorsorgefonds. Wer es sich zutraut, die Anlagestrategie selbst zu bestimmen, findet bei VIAC eine komplett digitale Lösung.

Zwischen 35 und 50 Altersjahren

Auch mit 35 Jahren kann der Anlagehorizont immer noch genügend lang sein, um die Säule 3a für Aktieninvestments zu nutzen. Gerade, wenn das Geld für lange Zeit nicht benötigt wird. Das ändert sich aber für viele Leute im Hinblick auf einen Immobilienkauf oder in der sogenannten Familienphase. Das Kapital in der Säule 3a ist zwar bis zur Pensionierung blockiert, kann aber in Ausnahmefällen (Erwerb von Wohneigentum, Amortisation einer Hypothek, Invalidität, Auswanderung, Selbstständigkeit) vorbezogen werden.

Bahnt sich eine solche Entscheidung an, gewinnt die 3a-Kontolösung an Attraktivität. Dort ist das Geld den geringsten Schwankungen ausgesetzt. Auch wenn die Kontozinsen immer tiefer fallen (sie variieren zwischen 0 und 0,45 Prozent), ist der Vergleich der verschiedenen Anbieter wichtig. Denn schon kleine Unterschiede bei den Zinsen fallen aufgrund des Zinseszinseffekts in der Endabrechnung ins Gewicht.

Die besten Anbieter von Säule-3a-Konten

Anbieter Zinssatz, in %
WIR Bank 0,45
Neue Aargauer Bank 0,425
Bank CIC, Bank EKI, Cornèr Bank, Saanen Bank, Bezirks-Spark. Dielsdorf 0,4
Clientis CEC 0,375
Appenzeller KB, Obwaldner KB 0,35

Quelle: moneyland.ch, nur Anbieter ohne Spezialkonditionen wie Bankpakete oder Wohnort (Stand: 10.12.18)

Wichtig sind dabei die Details zur Kontoführung. Bei den meisten Säule-3a-Anbietern sind Kontoführung und Auflösung kostenfrei. Doch einige verlangen Saldierungsspesen oder haben eine unüblich lange Kündigungsfrist von bis zu mehreren Monaten. Das genaue Studieren der Kontounterlagen ist unerlässlich. Checken sollte man unbedingt, ob die Kontoeröffnung an Sonderbedingungen geknüpft ist.

Das Alter ab 40 eignet sich aber auch dazu, seine Einkommenssituation und die Sparquote im Hinblick auf die Pensionierung ein erstes Mal genauer zu überprüfen. Denn schon ab 40 ist in vielen Fällen einigermassen abschätzbar, wie sich AHV und Pensionskasse entwickeln werden – vorausgesetzt, das Einkommen bleibt einigermassen stabil. Ergibt ein solcher Check eine Pensionierungslücke, ist jetzt noch genügend Zeit da, um mit Hilfe der Säule 3a die Rente aufzubessern.

Zwischen 50 und 65

Mit 50 beginnt das letzte Drittel des Erwerbslebens. Themen wie Ruhestand, Frühpensionierung oder Hypotheken-Rückzahlung können dann an Bedeutung gewinnen. Verändern sich damit die Risikofreudigkeit oder der Bedarf an Bargeld, gilt es das auch in der Säule 3a zu berücksichtigen. Wer aber zum Beispiel plant, sein Kapital nach der Pensionierung weiterhin langfristig zu investieren, kann durchaus an einem hohen Aktienanteil festhalten. Denn nach der Auszahlung der 3a-Gelder wandert das Kapital einfach von der Säule 3a ins Privatvermögen.

Wer den Fonds nach der Pensionierung als herkömmlichen Anlagefonds weiterführen möchte, kann das nicht bei allen Banken tun. Am besten informiert man sich schon beim Fondskauf, bei welchen Anbietern das möglich ist. Haben Sie auf ihrem 3a-Fonds bereits eine Rendite erzielt, die ihren Zielen entspricht? Dann wäre jetzt der Zeitpunkt, um den Fonds zu verkaufen und das Geld auf ein 3a-Sparkonto zu legen.

In der Lebensphase ab 50 erreichen die meisten Beschäftigten auch ihre höchste Lohnstufe. Die Einzahlungen in die dritte Säule sollten dann nach Möglichkeit voll ausgereizt werden. Gleichzeitig beginnt nun auch die Zeit der Auszahlungen. Gesetzlich sind die angesparten Gelder für Frauen ab 59 und für Männer ab 60 freigegeben. Dann kann mit dem Bezug begonnen werden. Aber: Bei der Auszahlung wird eine Steuer fällig, und jedes 3a-Depot muss vollständig bezogen werden. Teilzahlungen sind keine möglich, und etwaige Vorbezüge aus der Pensionskasse im selben Jahr werden dazu addiert.

Deshalb macht es Sinn, die Gelder gestaffelt in unterschiedlichen Steuerperioden zu beziehen. Wer bis zur ordentlichen Pensionierung arbeitet, kann sich die Säule 3a fünfmal auszahlen lassen. Es drängt sich deshalb auf, mehrere 3a-Depots zu führen. Dann kann in jedem Jahr ein Konto aufgelöst werden.

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cash-User sind Fans der

cash-User sind Fans der dritten Säule

cash-Leserinnen und -Leser machen überdurchschnittlich Gebrauch von den Möglichkeiten des Vorsorgesparens mittels 3. Säule, wie eine Online-Umfrage mit über 5000 Teilnehmern zeigt.

18.03.2019 15:06

Von Pascal Züger

Jährlich können Erwerbstätige bis zu einem festgelegten Maximalbetrag Gelder in die Säule 3a einzahlen. Dieses Guthaben wird leicht besser verzinst als auf einem üblichen Bank- oder Sparkonto. Gleichzeitig unterliegen die Zinserträge nicht der Einkommenssteuer, und das angesparte 3a-Vermögen muss in der Steuererklärung nicht als Vermögen angegeben werden.

Erst bei der Auszahlung werden die Gelder besteuert – und das zu einem vergünstigten Tarif. Es ist möglich, mehrere 3a-Konten zu eröffnen und diese verteilt auf mehrere Jahre auszuzahlen. Dadurch fällt die Steuerersparnis nochmals grösser aus.

Lesen Sie dazu auch: Auf wie vielen Säulen soll die Säule 3a stehen?

Für Vorsorgesparerinnen und -sparer, die ihre Steuern optimieren wollen, lohnt es sich also, fleissig in die Säule 3a einzuzahlen und dabei auch noch mehrere Konten zu führen. Ein Ratschlag, der eine deutliche Mehrheit der cash-Leserinnen und Leser bereits befolgt, wie die Auswertung einer Umfrage vom 12. März 2019 mit über 5'000 Teilnehmenden beweist:

Wie viele Säule-3a-Konten haben Sie?

12.03.2019 17:00

Vorsorgesparerinnen und -sparern wird in aller Regel empfohlen, mehrere Säule-3a-Konten einzurichten. Wie viele solcher Konten führen Sie aktuell?

keines

13% (659 Stimmen)

eines

17% (861 Stimmen)

zwei

32% (1637 Stimmen)

drei

23% (1182 Stimmen)

mehr als drei

15% (784 Stimmen)

Gesamtstimmen: 5123

Nur gerade 13 Prozent gaben an, gar kein Säule-3a-Konto zu besitzen. Die restlichen 87 Prozent nutzen folglich diese Möglichkeit des Vorsorgesparens. Und ganze 70 Prozent optimieren ihre Vorsorge gar noch weiter, in dem sie auf zwei (32 Prozent), drei (23 Prozent) oder mehr als drei (15 Prozent) Säule-3a-Konten setzen.

Diese Umfrage zeigt: Die cash-Leserschaft ist im Vorsorgebereich sehr fit und setzt die Vorteile des 3a-Sparens um. cash-Leser hängen in diesem Bereich den Durchschnittschweizer ab, denn gemäss einer Umfrage der Credit Suisse besitzt schweizweit über ein Drittel der Befragten gar kein Säule-3a-Konto.

Mehrere 3a-Konten zu führen, wird übrigens auch von Experten ausdrücklich empfohlen. Es ist laut Fachleuten möglich, dass ein Steueramt unter bestimmten Umständen Bezüge zusammenzählt und dann ein höherer, progressiverer Steuersatz fällig wird: Eine cash-Leserin im Kanton Waadt schreibt, sie sei mit diesem Problem konfrontiert worden.

Dennoch: Mehrere Konten zu führen ist für Vorsorgesparer nicht teurer als ein Konto. Ausserdem profitiert man unabhängig vom Kanton bei der Bundessteuer davon, wenn man mehrere Konten in separaten Steuerperioden bezieht. 

Vorsorge-Tipps der cash-Leser

Die hohe Vorsorgekompetenz der cash-Leser wird auch in den Kommentarspalten ersichtlich. Denn dort gibt es in einem aktuellen Ratgeber zur Säule 3a gleich reihenweise Ratschläge von Leser zu Leser: "Für Eigenheimbesitzer wäre es sicher auch prüfenswert, alle zehn Jahre die angesparten Säule-3-Guthaben zur Amortisation der Hypothek zu verwenden", rät etwa Andreas Hug.

Und der User "Verfechter" hält es für sinnvoll, aufgrund der derzeit niedrigen Zinsen in einen 3a-Anlagefonds mit möglichst hohem Aktienanteil zu investieren. Denn dort betrage die Ertragserwartung 6 Prozent.

Doch nicht alle plädieren für einen 3a-Anlagefonds. Für Leser René Lager macht diese Vorsorgeform keinen Sinn, da man stattdessen direkt Aktien oder ETF kaufen könne und dabei flexibel bleibe, wenn man das Geld frühzeitig brauche. Und fügt noch an: "Mit Aktien wäre ich in den nächsten zwei Jahren sehr, sehr vorsichtig."

Zwei Hauptgründe dürften bei den cash-Leserinnen und Leser für das überdurchschnittlich hohe Vorsorge-Wissen verantwortlich sein: Einerseits konsumieren sie Medien, die regelmässig über die Säule 3a berichten. Andererseits sind sie wohl auch etwas älter und vermögender als der schweizweite Durchschnitt. So bleibt ihnen Ende Jahr genügend Geld übrig, um in ein 3a-Konto einzuzahlen. Nicht jeder kann sich das leisten.

(Redaktionelle Mitarbeit: Marc Forster)

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Frauen ohne Kinder nutzen

Frauen ohne Kinder nutzen Potenzial der Säule 3a zu wenig

Statistisch gesehen leben Frauen länger als Männer. Entsprechend müssten sie sich mehr um die finanzielle Absicherung im Alter sorgen, zumal sie öfter einen Einkommensausfall haben als Männer. Tun sie aber nicht.

11.04.2019 09:50

Am Beispiel der privaten Altersvorsorge zeigt sich aber, dass insbesondere junge, kinderlose Frauen diese Vorsorgemöglichkeit noch viel zu wenig nutzen.

Nur rund jede zweite erwerbstätige Frau (51 Prozent) leistet regelmässig Beiträge an die dritte Säule (3a), zeigt eine von der Credit Suisse am Donnerstag veröffentlichten Studie zur privaten Altersvorsorge in der Schweiz. Dagegen würden 58 Prozent der Männer in der Schweiz in die gebundene Vorsorge einzahlen.

Mit Kindern steigen die 3a-Einzahlungen

Bei den jungen, ledigen, und in einem hohen Arbeitspensum tätigen Frauen ohne Kinder beträgt der Anteil der regelmässigen 3a-Einzahlerinnen je nach Einkommen und Ausbildungsniveau gar nur 33 Prozent bis 45 Prozent. Auch geschiedene, alleinstehende Frauen investieren unterdurchschnittlich in die gebundene Vorsorge (48%), wie auch Frauen in Partnerschaften mit Kindern und tiefen Einkommen (35%).

Unter den Frauen in Doppelverdienerpaaren zahlen diejenigen mit Kindern tendenziell häufiger (61% bis 70% je nach Einkommen und Beschäftigungsgrad) in die Säule 3a ein als jene ohne Kinder (60% bis 63%). Dies obwohl ihr Einkommen im Durchschnitt tiefer ausfiel als bei den sogenannten DINKS ("double income no kids").

Einkommensunterschiede

Der tiefere Frauenanteil bei den Einzahlungen erklärt sich gemäss der Credit Suisse primär mit Einkommensunterschieden. Denn unter gleichen Bedingungen - etwa gleiches Alter und gleiches Ausbildungs- und Einkommensniveau - würden Frauen leicht häufiger in die 3a-Säule einzahlen als Männer.

Mit 51'600 Franken lag das mittlere jährliche Bruttoerwerbseinkommen der 2015 zur privaten Vorsorge befragten Frauen rund 35 Prozent tiefer als bei den Männern (79'730 Franken). Tiefere Beschäftigungsgrade und häufigere Erwerbsunterbrüche bei Frauen - u.a. im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung - seien für einen Teil dieser Lohnkluft verantwortlich, so die Credit Suisse weiter.

Nachzahlungen ermöglichen

Da im überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge aber die Leistungen sinken, gewinnt die private Vorsorge zunehmend an Bedeutung. Bei der Säule 3a sieht die Credit Suisse aber Reformbedarf. Nach Auffassung der Grossbank der Gesetzgeber die Möglichkeit einräumen, 3a-Einzahlungslücken später zu stopfen.

Dies käme besonders Frauen zugute, aber auch Studenten, Weiterbildungsteilnehmern und anderen Personen, die aus verschiedenen Gründen eine Auszeit vom Erwerbsleben nehmen.

(AWP)

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Schweizer Vorsorgesystem

Schweizer Vorsorgesystem bleibt trotz schwachem Anlagejahr stabil

(Zusammenfassung: von Marc Kaufmann, awp) - Die Schweizer Pensionskassen haben sich im Jahr 2018 trotz Gegenwind an den Finanzmärkten gut behauptet. Das Vorsorgesystem ist nach Meinung der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) nach wie vor stabil. Was aber ebenfalls bleibt, ist der Reformstau in der Politik.

14.05.2019 14:59

Das schlechte Anlagejahr 2018 bekamen nicht nur Privatanleger, sondern auch die Pensionskassen zu spüren. Die durchschnittliche Rendite auf den Kapitalanlagen lag gemäss dem am Dienstag präsentierten Jahresbericht der Aufsichtsbehörde mit 2,8 Prozent im Minus. Im guten Börsenjahr 2017 hatte noch eine positive Rendite von 7,7 Prozent resultiert.

Die schwache Anlageperformance führte dazu, dass die Deckungsgrade der Vorsorgeeinrichtungen zurückgegangen sind. Bei Kassen ohne Staatsgarantie sank der Deckungsgrad, also das Verhältnis von Pensionsvermögen zu den entsprechenden Verpflichtungen, im Durchschnitt um 5,8 Prozentpunkte auf 106,4 Prozent. Verschlechtert hat sich auch die Lage bei öffentlich-rechtlichen Arbeitgebern.

Entspannung im neuen Jahr

Immerhin lasse die gute Entwicklung an den Aktienmärkten seit Beginn des neuen Jahres auf eine Entspannung schliessen, sagte Vize-Direktorin Vera Kupper Staub vor den Medien. Das sei auch der Grund, weshalb viele Kassen in Unterdeckung mit dem Beschliessen von Sanierungsmassnahmen noch zuwarteten.

Über den Verlauf der ersten Monate macht die Kommission keine Angaben, die kann man andernorts nachlesen. So berechnete die Anlageberatungsfirma Complementa für die ersten vier Monate eine Durchschnittsrendite von 6,5 Prozent und klar steigenden Deckungsgrade. Auf ähnlich Resultate kamen Studien der Grossbanken Credit Suisse und UBS oder der ZKB-Tochter Swisscanto.

Das Umfeld für Pensionskassen bleibt auch nebst den Auf- und Ab-Bewegungen an den Finanzmärkten von Herausforderungen geprägt. Die seit Jahren sehr tiefen Zinsen, die steigende Lebenserwartung der Menschen oder das enge regulatorische Korsett mit Parametern, welche die aktuelle Lage kaum mehr realistisch abbilden, setzen dem Vorsorgesystem zu.

Die Politik bleibe in der Pflicht, innerhalb nützlicher Frist für versicherungstechnisch korrekte regulatorische Vorgaben zu sorgen, forderte Kupper Staub. Vor allem der BVG-Mindestumwandlungssatz sei nach wie vor zu hoch angesetzt.

Zu hoher Mindestumwandlungssatz

Heute wird den Rentnern im obligatorischen Teil der zweiten Säule vom angesparten Alterskapital 6,8 Prozent in jährlichen Renten ausbezahlt. Das Problem des zu hohen Satzes hat die Politik erkannt: Die Rentenreform "Altersvorsorge 2020", die im September 2017 vor dem Volk gescheitert war, hätte eine Senkung auf 6 Prozent vorgesehen.

Der Verband der Pensionskassen Asip fordert nun gar eine Senkung auf 5,8 Prozent ab 2021. Ob dies gerechtfertigt ist, wollte OAK-Präsident Pierre Triponez nicht beurteilen. Doch es sei ein Zeichen dafür, dass der von der Politik festgesetzte Mindestumwandlungssatz heute wohl zu hoch sei, sagte er.

Das zeigten auch die deutlich tieferen Sätze, welche die Pensionskassen im weniger stark regulierten überobligatorischen Teil anwenden, erklärte Triponez weiter. Ins Überobligatorium fliessen Gelder aus Jahreseinkommen ab einer gewissen Höhe oder aus einmaligen Einzahlungen. Diese müssten als Puffer herhalten.

Weiterhin als Problem stuft die OAK auch die Umverteilung von Vorsorgeversprechen zulasten junger aktiver Versicherten hin zu Rentnern ein. Diese Verschiebung habe zwar abgenommen, sei mit rund 5,1 Milliarden Franken aber nach wie vor substanziell. Für das Jahr 2017 stellte die OAK einen Umverteilung von 6,6 Milliarden fest.

Mehr Sammelstiftungen

Für die wachsende Zahl von Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen, bei denen mehrere Arbeitgeber angeschlossen sind, plant die Oberaufsicht für die berufliche Vorsorge neue Regeln. Seit Mitte Januar führt man dazu eine Anhörung durch. Dabei sei in den insgesamt 33 eingegangenen Stellungnahmen der Handlungsbedarf grossmehrheitlich erkannt worden, hiess es. Nun gehe es an die Auswertung der Hinweise.

Die OAK will in ihren regionalen Ablegern die Informationsbeschaffung vereinheitlichen sowie die Kontrollen solcher Stiftungen verbessern. Dazu müsse in der Aufsicht weiteres Know-how aufgebaut werden und auch Zusammenschlüsse von regionalen Kommissionen sei möglich.

mk/cf

(AWP)

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Schweizer Vorsorgesystem am

Schweizer Vorsorgesystem am Anschlag

Um das Schweizer Vorsorgesystem ist es nach wie vor schlecht bestellt. Der Vorsorgeindex Schweiz der Grossbank UBS erreichte Ende 2018 seinen bisherigen Tiefststand.

25.06.2019 10:15

Dieser gilt als Gradmesser dafür, wie es um das Vorsorgesystem hierzulande steht. Die negative Dynamik, die seit mehr als zwei Jahren anhält, sei vor allem dem rapiden Anstieg der Rentner- gegenüber den Erwerbstätigen-Zahlen geschuldet, schreibt die UBS in einer Medienmitteilung vom Dienstag.

Anfang 2019 zeigte sich zwar eine leichte Erholung. Diese könnte gemäss der Grossbank aber nur von kurzer Dauer sein. Denn sie sei hauptsächlich der guten Entwicklung an den Finanzmärkten im ersten Quartal zu verdanken gewesen.

Nur noch 1,8 Beitragsjahre für 1 Bezugsjahr

Das Schweizer Vorsorgesystem wird gemäss der UBS neben der steigenden Anzahl Rentner auch durch die längere Rentenbezugsdauer belastet. "Personen, die heute in der Schweiz das Rentenalter erreichen, haben im Durchschnitt für jedes Jahr, das sie eine AHV-Rente beziehen werden, nur noch 1,8 Jahre gearbeitet und AHV-Beiträge geleistet", sagt in der Mitteilung Ökonomin Veronica Weisser. 1948, als die AHV eingeführt wurde, waren es noch 3,4 Beitragsjahre pro Bezugsjahr.

Wolle eine Gesellschaft eine solch massive Reduktion der relativen Lebensarbeitszeit geniessen, so müsse sie eine Wohlstandsreduktion hinnehmen - entweder über tiefere Renten oder über einen tieferen Lebensstandard der zahlenden Generationen, schlussfolgert die Grossbank.

Mögliche Flexibilisierung des Renteneintritts

Eine Flexibilisierung des Renteneintritts mit einer langsamen und schrittweisen Anhebung des Referenzalters, sodass die durchschnittliche Bezugszeit etwa 20 Prozent des gesamten Lebens ausmacht, würde gemäss der Bank die AHV-Finanzierunglücke mehr als halbieren. "Die vorgesehene Angleichung des Rentenalters der Frauen an das der Männer ist die einzige Reformmassnahme, die die Generationengerechtigkeit stärkt", hält die Bank fest.

(AWP)

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Die dritte Säule erlaubt ein

Die dritte Säule erlaubt ein entspanntes Alter

Mit Einzahlungen in die freie und gebundene Vorsorge der 3. Säule lassen sich Einkommenslücken im Alter vermeiden. Innovative Produkte verhelfen zu einer höheren Rendite.

14.07.2019 18:45

Von Kurt Speck

Das individuelle Sparen hat in der Schweiz eine lange Tradition. Richtig populär – wie in vielen angelsächsischen Staaten – ist es aber nicht. Vorsorgeexperten führen das auf die vermeintliche Sicherheit des Dreisäulensystems zurück. Doch weil Reformen bei der AHV und der beruflichen Vorsorge schon seit Jahren blockiert sind, trüben sich die Aussichten speziell für eine jüngere Generation laufend ein. Schwindende Reserven verhindern bei der staatlichen Altersrente bessere Leistungen.

Mit den niedrigeren Renten aus der Pensionskasse öffnen sich Vorsorgelücken im Alter. Umso wichtiger wird die private Vorsorge in der dritte Säule. Im Rahmen der privaten Finanzplanung gibt es bei der gebundenen Vorsorge (Säule 3a) und der freien Vorsorge (Säule 3b) noch viel ungenutztes Potenzial. Gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung durch das Bundesamt für Statistik zahlen nur rund 60 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung regelmässig in die Säule 3a ein. 

Steuervorteil nutzen

Die bisherigen Vorstösse zu einer deutlichen Aufstockung des steuerbefreiten Einzahlungsbetrags in der Säule 3a (6826 Franken für Angestellte; 34'128 Franken für Selbständigerwerbende) hatten bisher politisch keine Chance. Die Gegner argumentierten damit, dass von einem solchen Steuervorteil vor allem Leute mit einem hohen Einkommen und Vermögen profitieren würden. 

Ähnlich wie bei den Einkäufen in die Pensionskasse sollen nun auch in der dritte Säule rückwirkende Beitragszahlungen möglich sein. In einer von Sotomo durchgeführten Umfrage wird ein solches Modell von zwei Dritteln der Befragten unterstützt. Aus der Sicht von Emmanuel Ullmann, Generalsekretär des Vereins Vorsorge Schweiz (VVS),  ist diese Möglichkeit auf politischer Ebene umfassend zu prüfen: "Dies würde insbesondere der jüngeren Generation und erwerbstätigen Müttern erlauben, auch in späteren Jahren eine kontinuierliche private Vorsorge sicherzustellen bei gleichzeitiger Steueroptimierung."

Die gesellschaftlichen Veränderungen stellen das jetzige Vorsorgesystem ohnehin auf die Probe. In der modernen Arbeitswelt kommt es immer mehr zu Teilzeitarbeit und anderen flexiblen Arbeitsformen. Kommt dazu, dass die private Vorsorge bei Personen unter 50 Jahren oft einen geringen Stellenwert hat. Rückwirkende Beitragszahlungen würden entsprechend für einen gewissen Ausgleich inder Säule 3a sorgen. Allerdings braucht es dafür auch die nötigen Informationen und Finanzkenntnisse.

Anteil von Wertschriften-3a noch tief

Für die Sparer ist der Durchblick allerdings nicht ganz einfach. Wer mit der Säule 3a fürs Alter vorsorgt, kann sich für Produkte von Banken und Versicherungen entscheiden. Bei den Vorsorgepolicen der Assekuranz ist auch eine Versicherung zu den Risiken Todesfall und Invalidität eingeschlossen. Die Zinskonten und Wertschriftenlösungen der Banken sind einzig auf den Sparaspekt ausgerichtet.

Als äusserst populär haben sich in der Vergangenheit die reinen Zinskonten erweisen. Im aktuellen Tiefzinsumfeld haben sich die Konditionen allerdings massiv verschlechtert. Bei immer mehr Banken reicht es nur noch zur Nullverzinsung.

Wertschriftenlösungen sind bei der gebundenen Vorsorge mit 23,7 Prozent Anteil noch deutlich in der Minderheit. Am Markt gibt es jedoch Bewegung. Banken und Versicherungen versuchen mit innovativen Produkten den Kundenkreis auszuweiten. Dazu gesellen sich neue Anbieter wie etwa das Start-up-Unternehmen VIAC mit einem digitalen Säule-3a-Produkt.

Mittels einer Smartphone-App lässt sich nicht nur ein Vorsorgekonto in bar eröffnen, sondern auch kostengünstig in Aktien investieren. Weil sich die Jungunternehmer auf passive Vehikel mit Exchange Traded Funds (ETF) und Indexfonds fokussieren, liegen die Kosten deutlich unter den jährlichen Aufwendungen für vergleichbare 3a-Fonds bei Banken.

Steuerersparnis muss beachtet werden

Trotzdem sind solche Sparvehikel wegen der Steuerersparnis attraktiv. Die anhaltend gute Börsenstimmung hat Vorsorgeprodukten mit Aktien zu einem markanten Aufschwung verholfen. Laufend mehr Anbieter setzen auf neue Produkte mit einem höheren Anteil an Risikopapieren.

Für 3a-Fonds gilt bei der Anlage gleich wie in der beruflichen Vorsorge eine Obergrenze von 50 Prozent Aktien. Dank einer gelockerten Regulierung kann diese Limite überschritten werden, wenn die notwendige Aufklärung und Beratung garantiert ist. Dazu gehört insbesondere der Hinweis auf die höheren Risiken mit Aktien. Mittlerweile liegt der Aktienanteil bei den Fondsprodukten zwischen 0 Prozent und 75 Prozent.

Die aktiv gemanagten Wertschriftenfonds sind allerdings nicht ganz billig. Das lässt sich an der Total Expense Ratio (TER) ablesen. Bei einem Renditevergleich für Säule-3a-Produkte hat das Finanzplanungsunternehmen VZ Vermögenszentrum erhebliche Gebührendifferenzen zwischen 0,36 Prozent bis 1,72 Prozent ermittelt. Bei den untersuchten Fonds verbessert sich mit einem höheren Aktienanteil aber auch die Performance. Allgemein gilt: Je mehr Aktien, umso höher die Kosten und die Rendite. Aus der Sicht von Vorsorgeexperten lohnt es sich, zu Beginn der Ansparphase renditestärkere Anlagestrategien zu verfolgen. Kurz vor der Pensionierung ist es demgegenüber angezeigt, in eher konservativere Kapitalanlagen zu investieren.

Privilegien vs. Freiheit

Im Unterschied zur gebundenen Vorsorge gibt es bei der freien Vorsorge keine grundsätzlichen Steuerprivilegien. Zu dieser Säule 3b gehören allgemeine Sparkonti, Wertpapiere, Immobilien, Lebensversicherungen und Leibrenten. Die dafür eingesetzten Vorsorgebeträge können nicht vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Aber im Gegensatz zu den 3a-Produkten ist das inder freien Vorsorge angesparte Kapital jederzeit verfügbar, sofern die vertraglichen Bedingungen eingehalten werden. Oft ist eine vorzeitige Auflösung möglich, aber mit Verlusten verbunden.

Zu den Klassikern der freien Vorsorge zählt die Lebensversicherung. Damit lassen sich die finanziellen Folgen von Unfällen, Krankheiten oder Tod abdecken. Zudem wird mit einem Sparanteil, je nach Versicherungstyp, ein Kapital oder eine Rente für das Alter aufgebaut. Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt haben die Lebensversicherung in der jüngsten Vergangenheit allerdings etwas inden Hintergrund gedrängt. Das Produkt erzielt in der Regel nur eine bescheidene Rendite. Stattdessen haben die Versicherer reine Auszahlungspläne mit einer Laufzeit von 15 bis 20 Jahren forciert. Mit diesen skalierbaren Vehikeln eliminieren die Anbieter das demografische Risiko.

Beliebt bleibt die Leibrente. Die Leute schätzen dieses Vorsorgeprodukt im Vergleich zur zeitlich befristeten Rente, obwohl es mit einer leicht tieferen Rente verbunden ist. Dafür erfolgt die Auszahlung bis zum Lebensende. Mit der Aussicht auf ein durchschnittlich immer höheres Alter ist das ein gewichtiges Argument.

Diese Beitrag erschein zuerst unter dem Titel «Entspannt in den Lebensabend» bei «Vorsorge - Der Guide rund um die Finanzplanung», einem Gemeinschaftsprodukt von Handelszeitung, Schweizer Versicherung und Schweizer Bank.

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