Blasen- und Krisenradar

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20.07.2009 15:32
#1
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Blasen- und Krisenradar

Blasen- und Krisenradar

Zaghaft, aber nach und nach, scheint das Vertrauen in die Finanz-, Wirtschafts- und Börsenmärkte zurückzukehren.

Nach den Turbulenzen der letzten Monate, ist das natürlich Balsam auf die Seele und für das Aktiendepot des Anlegers.

Ich denke, dass wir uns über diese vorsichtige Wende freuen dürfen. Ab sofort sollten wir aber immer wieder mal über die Bücher gehen und uns fragen wo stehen wir im Zyklus! Denn so sicher ist wie das Amen in der Kirche (viele werden das wohl schon lange nicht mehr gehört haben), folgen auf gute Zeiten wieder schlechte Zeiten. Es ist aber nicht zwingend, dass wir die schlechten Zeiten immer wieder mitmachen. Wir dürfen auch einmal mit dem Spiel aussetzen.

Ich möchte deshalb zusammen mit Euch einen so genannten Krisen- und Blasenradar für die Börse erstellen.Den können wir uns dann immer wieder reinziehen wenn die Euphorie wieder mit uns durchzugehen droht.

Wie immer, muss diese "Gefahrenliste" einfach konzipiert sein und mit wenig Aufwand aufrecht erhalten werden können.

D.h. wir listen die gefährlichsten und wahrscheinlichsten Risiken auf mittel- bis längerfristiger Sicht für die Aktienmärkte auf. Eine Art Rangliste soll dann die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens dieser Risiken ausdrücken.

Vielleicht könnte dies mittels Abstimmung im Cashforum gemacht werden.

Wenn ich heute den Artikel über die Wirtschaftsentwicklung von China lesen, könnte das einer der ersten Einträge im Blasenradar sein.

Was meint ihr dazu?

Karat

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29.09.2014 10:54
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Krise der andern Art erreicht die Schweiz

Bisher konnte sich die Schweizer Wirtschaft verblüffend gut den Krisen bei ihren Absatzländern entziehen. Jetzt mehren sich die Zeichen, dass ihr das künftig deutlich schlechter gelingt.

Die wichtigste Ursache für die konjunkturelle Abschwächung in der Schweiz liegt ohnehin nicht in der Binnenwirtschaft, sondern in jener der wichtigsten Handelspartner. Der Aussenhandel hat für die Konjunkturlage der Schweiz eine entscheidende Bedeutung und wirkt sich auch auf die inländische Nachfrage aus: Läuft ihr Geschäft im Ausland schlecht, investieren Schweizer Exportunternehmen auch im Inland weniger, was auch auf den Konsum durchschlägt. Die sich verschlechternde Lage in wichtigen Abnehmerländern von Schweizer Produkten ist ein zentraler Grund für die Erwartung der Konjunkturbeobachter, dass die gedämpfte Investitionsnachfrage der Unternehmer noch weiter zurückgehen dürfte.

Dass sich die Krise im Ausland bisher nicht negativer auf die Schweiz ausgewirkt hat, ist ohnehin überraschend. Beobachter erklären sich das mit der Nachfragestütze, die in den letzten Jahren von der  I-m so happy Zuwanderung ausgegangen ist. Sollte sich die Konjunkturlage bei den Handelspartnern der Schweiz noch stärker eintrüben, dürfte sich die Lage für die Schweizer Wirtschaft allerdings stärker verschlechtern, als das jetzt von den Konjunkturbeobachtern angenommen wird. Immerhin haben sie bereits die jüngste Abkühlung nicht kommen sehen.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Krise-der-andern-errei...

 

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Benjamin Franklin

26.08.2014 15:23
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Die Eurokrise wird nochmals aufflammen

Franz Wenzel, Chefstratege von Axa Investment Managers, erläutert im Interview mit der FuW, wieso er auf die USA setzt und Euroland misstraut.

http://www.fuw.ch/article/die-eurokrise-wird-nochmals-aufflammen/

 

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Benjamin Franklin

19.08.2014 16:27
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Wir steuern direkt auf die nächste Krise zu

James Rickards, vormaliger Chefjurist des Hedge Funds LTCM und Investmentbanker, warnt im Interview vor einem baldigen Zusammenbruch des globalen Währungssystems.

Das heisst, sie glauben nicht daran, dass Fed-Chefin Yellen ein geordneter Rückzug aus der ultralockeren Geldpolitik gelingt?
Ganz und gar nicht. Das Fed wird QE3 zwar im Oktober stoppen. Bis Ende des Jahres wird sich die Konjunkturlage dann aber stark eintrüben. Anfang 2015, womöglich im März, wird das Fed daher mit QE4 ein neues Stimulusprogramm starten müssen – mehr oder weniger um die Zeit, zu der die Märkte heute mit der ersten Zinserhöhung rechnen. Das Fed setzt damit weiterhin auf die falsche Behandlung, druckt noch mehr Geld und vergrössert die Gefahr einer Krise.

http://www.fuw.ch/article/wir-steuern-direkt-auf-die-nachste-krise-zu-2/

 

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Benjamin Franklin

09.08.2014 05:19
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Der Junkbond-Markt droht abzuschmieren!

Von Woche zu Woche kommen neue Emittenten dazu, welche das grösser werdende Junkbond-Segment ergänzen.

 

Die westlichen Sanktionen gegen Russland treiben selbst noch kürzlich mit AAA versehene Anleihen unter massiven Verkaufs-Druck.

 

Der Total - Verlust von nachrangigen Anleihen hat mit dem Bankrott der Luxembourger Holding von Banco Espirito Santo einen prominenten Namen mehr! Die auf CHF lautende CoCo-Anleihe notiert gegenwärtig noch bei zirka 15% an der SIX.

In den letzten Jahren hat der Schweizer Kurszettel zig Milliarden an CoCo-Bonds - Emissionen erhalten, welche ausnahmslos dazu dienen,  die Kapitaldecke gewisser Banken zu verbessern. Nachrangige Anleihen gingen, dank höherer Verzinsung,  weg wie warme Semmeln.

 

Der Junkbond-Markt droht zum grössten Geldvernichter der letzten Jahre zu werden! Noch stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung.

 

Franziskus.

08.08.2014 16:29
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Die Propheten der Krise von 2008 schlagen Alarm

Nur wenige Experten warnten früh und präzise vor der Finanzkrise 2008 – die Topökonomen Raghuram Rajan, Robert Shiller und William White sind drei von ihnen. Nun befürchten sie erneut grosse Probleme.

Es gibt gefeierte Finanzexperten, die leben von der Krise. Nouriel Roubini ist so einer. Der New Yorker Ökonom gilt einigen Beobachtungen als wichtigster Warner vor der Finanzkrise 2008. Die Medien reissen sich um ihn. Doch Roubinis Wirken hat Methode: Seit Ende 2009 prophezeite er neben einer langen Rezession der US-Wirtschaft auch den unmittelbar bevorstehenden Zerfall der Euro-Zone, den Einbruch der Aktienmärkte Osteuropas und eine harte Landung Chinas. Nichts von alledem trat bis zum heutigen Tage ein.

Entsprechend schenken Kenner den Vorhersagen von Dr. Doom immer weniger Beachtung. Es gibt nüchternere Beobachter, die seltener warnen – deren Aussagen dann aber umso mehr Gehör finden.

2005 kritisierte Raghuram Rajan die Legende Greenspan

Einer von ihnen ist Raghuram Rajan. Der breiten Öffentlichkeit ist der heutige Chef der indischen Notenbank zwar weniger bekannt als die medienaffinen Nobelpreisträger Joe Stiglitz oder Paul Krugman. Doch in Fachkreisen hat Rajans Wort Gewicht. Von 2003 bis Ende 2006 war der Chicago-Ökonom oberster Wirtschaftsexperte des Internationalen Währungsfonds und warnte in dieser Zeit eindringlich vor möglichen Verwerfungen.

Im August 2005 ging er auf einer Konferenz in Jackson Hole den zu jener Zeit noch über jede Kritik erhabenen Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank Fed, für dessen lockere Geldpolitik scharf an. Rajans berühmtes Paper «Has Financial Development Made the World Riskier?» wurde zunächst als marktfeindlich diffamiert. Heute zweifelt kaum noch jemand daran, dass er damit den Finger in die Wunde legte: Die Welt war mit der Deregulierung der Finanzmärkte und dem damit verbundenen Aufstieg komplexer Investmentprodukte anfälliger für Krisen geworden.

Heute schätzt Rajan das Risiko einer neuen Finanzkrise wieder als hoch ein. «Wir nehmen die Gefahr eines weiteren Crashs in Kauf», urteilte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Artikel. «Und das zu einer Zeit, in der die Welt weniger in der Lage ist, die Kosten zu tragen.» Rajan fürchtet gar eine «Endlosschleife» von Finanzkrisen, sollten die grossen Notenbanken ihre Politik nicht besser untereinander abstimmen.

William White: Umfeld vergleichbar mit der Zeit um 2006 und 2007

William White ist normalerweise ebenfalls ein Freund leiserer Töne. Doch auch er forderte schon 2003, dass Notenbanken der veränderten Wirtschaftswelt Rechnung tragen und sich gegen wirtschaftliche Ungleichgewichte stemmen sollten – selbst wenn die Inflation noch niedrig und kein offensichtlicher Handlungsbedarf zu erkennen sei. 

Nun ist White wieder besorgt. Das heutige Umfeld sei vergleichbar mit der Zeit um 2006 und 2007, sagte der frühere Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bereits Anfang Jahr im Gespräch mit handelszeitung.ch. «Auf allen Märkten sind die Preise sehr hoch.» Diese Entwicklung sei «beängstigend», so White.

Robert Shiller: Sorge der Experten «in ihrem Ausmass vernünftig»

Die Sorge der Experten ist «in ihrem Ausmass beträchtlich und auch vernünftig», sagt kein geringerer als Robert Shiller, Gewinner des alternativen Nobelpreises für Wirtschaft im vergangenen Jahr. Die Warnungen vor gravierenden Gefahren seien berechtigt, wenn sich die spekulativen Preissteigerungen ungehindert fortsetzten, schrieb der Yale-Professor kürzlich in einem auf handelszeitung.ch veröffentlichten Artikel.

Dies gelte auch dann, wenn nicht bewiesen werden könne, dass es Grund zur Sorge gibt. «Diese Warnungen könnten einen Beitrag leisten, zu verhindern, dass die derzeit beobachtbaren Booms noch länger anhalten und gefährlichere Dimensionen annehmen», so Shiller.

Der Mitbegründer der Verhaltensökonomie weiss, wovon er spricht. Bereits in den 1990er Jahren warnte er vor dem irrationalen Überschwang an den Börsen. Anfang der 2000er Jahre sorgte er sich um den übertriebenen Optimismus am US-Immobilienmarkt. Von dort startete bekannlich die grosse Krise.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/die-propheten-der-krise-von-2008...

 

 

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Benjamin Franklin

07.08.2014 16:09
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Topökonom Rajan warnt vor «Endlosschleife» von Krisen

Raghuram Rajan gilt als einer der wichtigsten Warner vor der Finanzkrise 2008. Nun befürchtet frühere IWF-Chefökonom neue Verwerfungen – vor allem wegen der Politik in den grossen Industrieländern.

Der Notenbankchef Indiens warnt angesichts der lockeren Geldpolitik in fast allen Industrieländern vor Vermögenspreisblasen und einer neuen Finanzkrise. «Wir nehmen die Gefahr eines weiteren Crashs in Kauf - und das zu einer Zeit, in der die Welt weniger in der Lage ist, die Kosten zu tragen», sagte Raghuram Rajan in einem am Donnerstag veröffentlichten Artikel im Fachblatt «Central Banking Journal».

In der britischen Zeitung «The Times» forderte er, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik stärker koordinieren müssten, um ein «Sicherheitsnetz» insbesondere für die Schwellenländer zu schaffen. Ansonsten drohe eine "Endlosschleife" fortdauernder Krisen.

Rajan ist einer der angesehensten Ökonomen weltweit

Rajan ist einer der angesehensten Vertreter seiner Zunft und ehemaliger Chefökonom des Iternationalen Währungsfonds (IWF). Er war einer der wenigen Fachleute, die im Vorfeld der globalen Finanzkrise 2008 vor schweren Verwerfungen gewarnt hatten. Bereits 2005 kritisierte er die laxe Geldpolitik der US-Notenbank Fed und äusserte Befürchtungen, dass die Deregulierung an den Finanzmärkten die Wirtschaft risikoanfälliger mache.

In den vergangenen Monaten war Rajan einer der prominentesten Kritiker der lockeren Geldpolitik grosser Notenbanken. Seiner Ansicht nach bringt dieser Kurs vor allem für die Schwellenländer grosse Nachteile mit sich. Seit knapp einem Jahr ist Rajan Chef der Notenbank Indiens. Er verfolgt eine auf Inflationsbekämpfung ausgerichtete Geldpolitik. In der Regierung trifft dieser Kurs nicht auf ungeteilte Gegenliebe, weil höhere Leitzinsen die ohnehin gedämpfte konjunkturelle Entwicklung der drittgrössten Volkswirtschaft Südostasiens bremsen.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/topoekonom-rajan-warnt-vor-endlo...

 

 

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Benjamin Franklin

26.05.2014 12:13
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Wenn fehlende Furcht zur Gefahr wird

Angst-Barometer VIX und VSMI

Die «Angst der Anleger» ist auf einem Jahrestief. Doch an der Börse wird es oft gerade dann gefährlich. Was die Angstbarometer sonst noch aussagen.

http://www.nzz.ch/finanzen/strukturierte_produkte/uebersicht/wenn-fehlen...

 

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Benjamin Franklin

15.05.2014 12:29
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Neue Riesenblasen lauern im globalen Finanzsystem

Private Verschuldung durch Kredite, Immobilienblasen: Die Brandherde im globalen Finanzsystem sind genau so virulent wie vor der Krise. An welchen Stellen der Kollaps droht.

Das Wort «Studentenkredit» versteht Wesley Lim nicht sofort. Dabei lehrt er derzeit als Gastprofessor Deutsch am Colorado College in Colorado Springs. Doch im Deutschen ist ihm der Begriff noch nie untergekommen. Wie auch, kaum ein Student nimmt hierzulande einen Kredit auf. Ganz anders dagegen in den USA. Daher weiss Lim beim Wort «student loan» sofort, worum es geht.

Schliesslich hat der 32-Jährige während seiner Ausbildung selbst mehrere Zehntausend Dollar als Darlehen aufgenommen. So wie Millionen seiner Kommilitonen. Denn inzwischen ist es in den USA völlig normal, dass junge Menschen am Ende eines Studiums bis über beide Ohren verschuldet sind – und das summiert sich.

«Das wird ein Riesenproblem»

1100 Milliarden Dollar haben sich Studenten dort derzeit bei Banken geliehen. Das ist inzwischen mehr, als sämtliche Amerikaner als Kreditkartenschulden oder für Autodarlehen aufgehäuft haben. «Das wird wirklich langsam ein Riesenproblem», sagt Ellen Zentner, Ökonomin bei der Investmentbank Morgan Stanley.

Doch nicht nur unter Studenten und nicht nur in den USA ist das Schuldenmachen wieder en vogue. Überall auf der Welt sind neue gigantische Kredit- und Investitionsblasen entstanden. Vieles gleicht exakt der Lage vor der Finanzkrise. Und genau wie 2007 bröckelt an der einen oder anderen Stelle auch schon der Putz. Doch genau wie damals ziehen es die meisten Spieler im System vor, einfach stur weiterzumachen statt zu versuchen, die Fehlentwicklungen rechtzeitig zu korrigieren.

Wahrscheinlich am leichtesten erkennbar ist die Blase am Londoner Immobilienmarkt. Katrin Wagner (Name von der Red. geändert) ist davon ganz direkt betroffen. «Schimmelige Wände und einfach verglaste Fenster, die oft nicht richtig schliessen, sind für mich hier der Normalzustand», sagt die 30-jährige Studentin an der London School of Economics. Trotzdem ist das Wohnen nirgendwo so teuer wie in London.

Wagner lebt in einem neun Quadratmeter grossen Zimmer im Londoner Stadtbezirk Islington. Dafür bezahlt sie umgerechnet 900 Euro im Monat. Noch. Denn im Herbst läuft der Mietvertrag aus, der in Grossbritannien meist nur für ein Jahr geschlossen wird. Danach kann man einen neuen abschliessen, aber nur mit einer saftigen Preiserhöhung. «Preissteigerungen von drei bis fünf Prozent sind üblich», ist Wagners Erfahrung. Sie wird daher dann wohl in einen Aussenbezirk ziehen müssen.

Die britische Regierung heizt Immobilienpreise an

Und was tut die Regierung? Sie heizt das Ganze noch an. Mit dem zwölf Milliarden Pfund (14,6 Milliarden Euro) schweren Programm «Help to buy« werden neuerdings junge Briten gefördert, die eine Immobilie kaufen wollen. Sie müssen nur noch fünf Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital beisteuern, 75 Prozent können sie auf Pump finanzieren. Die übrigen 20 Prozent übernimmt als eine Art Anteilseigner der Staat. Beim Verkauf der Immobilie wird er dafür an möglichen Gewinnen beteiligt. Aber auch an den Verlusten.

Das zeigte sofort Wirkung. Die Wirtschaft auf der Insel scheint wieder zu florieren. Doch bei genauerem Hinsehen nur aus einem einzigen Grund: Die Immobilienpreise explodieren wieder. So sind in den Londoner Stadtbezirken Southwark, Lambeth, Islington und Waltham in den vergangenen zwölf Monaten die Grundstückpreise um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Andrew Sentance, ehemaliges Mitglied des geldpolitischen Ausschuss der Bank of England, warnt daher eindringlich. Die Preise könnten durch die Kombination aus niedrigen Zinsen und politischen Unterstützungsprogrammen ausser Kontrolle geraten.

Und auch Volkswirte sind beunruhigt. «Die Häuserpreise steigen unaufhörlich und der Immobilienmarkt droht zu überhitzen«, schreiben die Experten der HSH Nordbank in einer aktuellen Analyse. «Das erinnert sehr an die Ursachen der Finanzkrise von 2008«.

Häuserpreise in China seit 2007 verdoppelt

Ganz ähnlich ist die Lage in China. Der einzige Unterschied: Dort wird seit Jahren über die Immobilienblase geredet, und auch seit Jahren wird deren Platzen vorhergesagt. Doch passiert ist bislang wenig. Deshalb schenkt der Blase dort inzwischen auch kaum noch jemand Beachtung – doch genau das ist hier das Problem.

«Ich finde es erstaunlich, dass das China-Risiko von den meisten Ökonomen inzwischen meist nur noch am Rande erwähnt wird«, sagt Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. Denn die Immobilienpreise in China haben sich seit 2007 mehr als verdoppelt, in vielen Städten sind sie sogar noch stärker gestiegen.

Peking ist inzwischen sogar die teuerste Stadt der Welt, wenn man das Verhältnis von Einkommen zu Immobilienpreisen betrachtet. Knapp 23 Jahresgehälter muss ein Chinese dort für den Kauf einer Wohnung aufwenden, sogar drei Mal mehr als ein Londoner. Zudem aber droht dort nicht nur der Immobilienboom ein unrühmliches Ende zu nehmen. Gleichzeitig dräut am Horizont der Zusammenbruch eines gigantischen Schattenbanksystems. Denn in den vergangenen Jahren haben die Banken eine Parallelwelt aufgebaut.

Sie haben Tochtergesellschaften gegründet, die ausserhalb der eigenen Bilanz agieren. Diese sammeln Geld bei Anlegern ein mit dem Versprechen besonders hoher Zinsen und vergeben damit dann wiederum Kredite. Die Summen, um die es hier geht, betragen inzwischen rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung.

Kreditverschuldung weltweit um ein Drittel gestiegen

So könnte man die Reise um die Welt fortsetzen, von der Immobilienblase in Dänemark über die Rohstoffblase in Australien bis zur Staatsschuldenblase in Japan. Allein dort ist der Schuldenberg inzwischen fast drei Mal so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Weltweit, so schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), ist die kreditmarktfinanzierte Verschuldung seit 2007 um ein Drittel gestiegen, auf rund 100 Billionen Dollar.

Solche Unsummen kann sich kaum jemand vorstellen. Würde man jedoch 1-Dollar-Scheine nebeneinander legen, so müsste man ungefähr die Strecke zwischen der Sonne und der jetzigen Position der Raumsonde Voyager damit zupflastern, um auf den Betrag zu kommen. Voyager ist vor 36 Jahren gestartet und befindet sich derzeit rund 18,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.

Und das deckt nur die kreditmarktfinanzierten Schulden ab. Hinzu kommen beispielsweise noch nicht verbriefte Schulden, Garantieleistungen, Bürgschaften, Zahlungsverpflichtungen für künftige Pensionen und vieles mehr. Um dies darzustellen, muss Voyager noch lange fliegen.

Doch es ist nicht nur die Summe der Schulden, die für Nervosität sorgen müsste. Ebenso erstaunlich ist, dass Investoren und Banken inzwischen wieder jede Vorsicht aufgeben. Das zeigt der Boom der vergangenen Jahre bei Internetaktien, die zu exorbitanten Preisen gehandelt werden, nur weil man sich irgendwann in ferner Zukunft das ganz grosse Geschäft erhofft. Der anstehende Börsengang des chinesischen Amazon-Pendants Alibaba ist gerade die nächste grosse Story, die alle elektrisiert.

Banken wiederum verteilen neuerdings wieder in grossem Stil Kredite an Hedgefonds, damit diese mit dem Geld sogenannte Collateralized Loan Obligations (CLOs) kaufen können. Damit werden Unternehmenskredite bezeichnet, die zusammengepackt und dann als Wertpapier verkauft werden. Diese Kredite liegen bislang bei den Banken und belasten die Bilanz. Werden sie als CLO verkauft, sind sie aus den Augen.

Daher bieten Banken, Händlern zufolge, oft acht Dollar Kredit für je zwei Dollar, die in die Papiere investiert werden, andere sprechen sogar von neun Dollar Kredit pro ein Dollar Investment. Die Risiken aus den Unternehmenskrediten sind damit aber natürlich nicht verschwunden. Sie sind nur irgendwo im Finanzsystem verstreut, und keiner weiss genau, wo.

Zustand wie vor der Finanzkrise

Besorgnis erregt auch die Entwicklung bei anderen gefährlichen Finanzprodukten. Sogenannte «Ramschanleihen», also Anleihen von Firmen mit schlechter Bonität, erleben derzeit einen wahren Ansturm. Schon 2013 betrug ihr Volumen 378 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie vor der Finanzkrise.

Ähnlich sieht es bei sogenannten «leveraged loans» aus. Dabei handelt es sich um zusätzliche Kredite an Firmen, die bereits hoch verschuldet sind. Diese Darlehen werden ebenfalls gebündelt und als Pakete verkauft. «Wertpapiere im Wert von 455 Milliarden Dollar wurden 2013 emittiert», schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem soeben veröffentlichten Bericht zur Finanzmarktstabilität dazu, «weit mehr als beim einstigen Hoch von 389 Milliarden Dollar 2007.»

Einige Zeilen weiter warnt der IWF vor weiteren Kreditprodukten, die sich durch besonders lasche Bedingungen auszeichnen. Auch sie seien «im Kommen, so wie es vor der Finanzkrise war.»

Absturz der Twitter-Aktie als Warnzeichen

Die Ähnlichkeiten sind eindeutig. Und: Es tauchen auch schon wieder erste Risse auf. Beispielsweise in China, wo die Immobilieninvestitionen in mehreren Provinzen im ersten Quartal zurückgegangen sind, in zwei Provinzen sogar um mehr als ein Viertel.

Beispielsweise in den USA, wo inzwischen 11,5 Prozent der Studentenkredite nicht mehr bedient werden und damit praktisch ausgefallen sind. Beispielsweise im Technologiesektor, wo die Twitter-Aktie in der vergangenen Woche drastisch abstürzte, nachdem die Haltefrist für Altaktionäre ausgelaufen war. Diese wollten offenbar nur noch raus aus den Aktien.

Doch warum sieht niemand diese Anzeichen? Warum nimmt wenige Jahre nach der grössten Finanzkrise seit 1929 niemand die Warnsignale wahr, obwohl vieles der Lage von 2007 gleicht?

«Wir werden weiter auf eine perfekt Welt spekulieren»

Entlarvend ist ein Papier, das Strategen der Société Générale dieser Tage an ihre Kunden geschickt haben. «Der IWF und andere Institutionen schelten die Investoren dafür, dass diese von einer perfekten Welt ausgehen», schreiben sie darin. Sie listen dann all die Gefahren auf, die lauern, um zu erklären, dass sie daran nicht glauben.

Aber mehr noch. Sie fragen: «Selbst wenn wir mit Sicherheit von einer drohenden Überraschung wüssten, würden wir als Investoren dann heute anders agieren?» Sie geben eine klare Antwort: «Nein.» Denn, so die etwas zynische Begründung, wer zu früh aussteige, der sei als Investor tot oder werde zumindest gefeuert. «Daher werden wir weiter auf eine perfekte Welt spekulieren, aber mit einem nervösen Auge auf den Ausgang blicken, in der Hoffnung unter den Ersten zu sein, die den Absprung schaffen, wenn es Zeit dafür ist.»

Und für all jene, die nicht rechtzeitig den Absprung schaffen, steht ja immer noch der Staat bereit, um sie aufzufangen, wie die letzte Finanzkrise alle gelehrt hat. Fragt sich nur, ob die Staaten das nächste Mal noch die Kraft dazu haben und ob die Bürger das noch einmal mitmachen.

http://www.handelszeitung.ch/invest/neue-riesenblasen-lauern-im-globalen...

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Benjamin Franklin

06.03.2014 08:46
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Die Angst vor der Rohstoffblase

Werden die Klimaziele eingehalten, droht Banken und Versicherern ein Verlust von bis zu 400 Milliarden Dollar. Der Grund: Die Reserven der Rohstoffkonzerne sind massiv überbewertet.

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