Börsenpsychologie

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16.02.2007 21:05
#1
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Börsenpsychologie

Ich habe es zwar schon oft gesagt, doch ich wiederhole es gerne nochmals, damit es auch Leute mit Kurzzeitgedächtnis, die immer wieder dieselben Fragen stellen wieder wissen.....

Die Börse wird von Gier und Angst beherrscht. Die Momente der Gier sind in der Regel länger als die Momente der Angst.

Gier baut sich in der Regel langsam auf. Die Leute sehen die Kurse steigen und sehen die Performance der einzelnen Titel und werden gigerig. Dann steigen immer mehr von ihnen ein und kaufen Titel. Dadurch steigt dann logischerweise der Kurs. Normalerweise steigt er stufenweise an...weil immer neue Gruppen gieriger Spekulanten hinzukommen. In der Regel kommen die Neulinge am Schluss noch dazu.

Bei der Angst funktioniert das anderst. Aus irgend einem Grund verkaufen grosse Anleger. Dadurch beginnt der Kurs zu sinken....nun bekommen auch immer mehr mittlere Anleger unter Druck und haben Schiss und beginnen deshalb ebenfalls zu verkaufen. Nun sinkt der Kurs schlagartig mehr und mehr....jetzt bekommen auch die Kleinanleger schiss und beginnen zu verkaufen...dadurch fällt der Kurs schliesslich ins Bodenlose und zuguterletzt verkaufen auch noch die ewigen Optimisten, welche schliesslich auch nicht mehr ans Gute glauben........der Kurs ist dann zu diesem Zeitpunkt übertrieben tief.

In der Regel gilt, dass kurz nachdem auch die letzten Optimisten entmutigt verkauft haben der Kurs wieder zu steigen beginnt. Warum?

Nehmen wir das Beispiel mit der ABB-Aktie. Am Donnerstag veröffentliche ABB sehr gute Zahlen und kündigte überdies an, dass die Auftragsbücher für dieses Jahr um 33% mehr gefüllt sind als letztes Jahr. Doch leider wurden die Erwartungen bezüglich der Profitabilität des an sich guten Ergebnises von ABB nicht ganz erfüllt. Es gab halt tatsächlich Analysten die mehr erwartet hatten. Schlussendlich setzte sich halt dann diese Enttäuschung durch. Nun begannen viele der Grossen zu verkaufen und der Kurs fiel, fiel und fiel....nun bekamen es immer mehr der Sonntagsspekulanten und Freizeitanleger mit der grossen Angst und Bange zu tun....sie wussten nicht mehr was abging stellten dumme Fragen, bekamen keine Antworten und kamen mehr und mehr unter einen sehr massiven Druck...Angst machte sich breit die Hosen waren gestrichen voll und so entschied sich einer nach dem anderen zu verkaufen. Der Kurs fiel weiter und weiter...und schlussendlich...heute...haben auch die Optimisten verkauft.

Ich sage euch, der Tag der Vernunft wird wieder kehren. Dann wird es auf einmal grosse Anlegergruppen geben, die merken, dass die Zahlen von ABB ja eigentlich excellent gewesen sind und dass es für die etwas mässiger ausgefallene Rentabilität nachvollziehbare Gründe gibt. Dann werden sie weiter feststellen dass der Titel nach dieser sehr heftigen und übertriebenen Konsolidierung ja eigentlich sehr günstig ist. Also werden sie wieder kaufen....und der Titel beginnt wieder zu steigen. Zunächst steigt er nur leicht und dann etwas mehr und dann noch etwas mehr und wenn dann wieder die Freizeitanleger und Milchmädchen kommen dann steigt er bis ins Extreme...das ist dann wieder kurz bevor er erneut fällt....vielleicht dann weil ein Analyst dann irgendwie wieder mit einem erzielten Gewinn oder so unzufrieden ist...weil er einen viel höheren erwartet hat und so.

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02.12.2014 11:01
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Wie der größte Feind des Anlegers entlarvt wird

Ökonomen haben erkannt: Nicht der Kopf, sondern der Bauch bestimmt unser Verhalten als Anleger. Ein neues Buch erklärt, welche Gefühle uns leiten dürfen - und welche besser nicht.

 

Die größten Fehler der Anleger

  • Risikotoleranz

    „Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.“

  • Übertriebene Zuversicht

    „An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.“

  • Kurzfristiges Denken

    „Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.“

  • Verlustaversion

    „Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.“

Kernstück dieser Börsenwissenschaft ist die Einschätzung, wie wir Gewinne und Verluste wahrnehmen. Verluste wiegen viel schwerer als Gewinne, etwa zweieinhalbmal so hoch, schätzen die Verhaltensforscher. Wer das weiß, versteht, warum Anleger Gewinne schnell mal mitnehmen und Verluste selten aushalten, ohne sich selbst zu betrügen. „Die Börse, das ist eine Geschichte von hartnäckigen Verlierern und wankelmütigen Gewinnern“, schreibt Schwarzer.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/boerse-inside/boerse...

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

17.08.2009 10:59
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Börsenpsychologie

Auszug aus einem Artikel

„Nicht die Tatsachen, sondern die Meinungen über die Tatsachen bestimmen u.a. auch das Börsengeschehen.

Börsenkurse repräsentieren Erwartungen, Visionen und Phantasien. Sie nehmen somit die Wahrscheinlichkeit für zukünftige Entwicklungen vorweg und werden dadurch zu einem Objekt spekulativer Investitionen. Der Investor selbst orientiert sich hierbei an Informationen, um Chancen und Risiken besser abschätzen zu können. Der Grund hierfür besteht in der dialogischen Natur des Menschen, der sich seiner Umwelt nicht vollständig und auf Dauer entziehen kann. Die Interpretation der Information führt schließlich, im Sinne einer Reiz-Reaktions-Handlung, zu der Entscheidung des Kaufens, Haltens oder Verkaufens von Wertpapieren. Da die Börse selbst nur eine Schaltstelle ist, deren Dialogfunktion auf die „kühle“ Vermittlung eines Geschäfts beschränkt ist, werden alle dialogischen Bedürfnisse auf Ersatzfiguren übertragen.

Diese Übertragung findet fast immer in einem Klima statt, das von einer unsicheren Grundhaltung geprägt ist, da die börsenbezogenen Dialoge grundsätzlich auf die offene Frage ausgerichtet sind, ob dieses oder jenes Investment einen Gewinn bringen wird. Je sicherer einer der Dialogpartner auftritt, desto glaubwürdiger wirkt er und um so dankbarer werden seine Ansichten aufgenommen. Denn nichts wünscht sich ein unsicherer Anleger sehnlicher als Sicherheit.

Es kommt daher primär auf die der Art und Weise der Präsentation, Verarbeitung und Auslegung von Informationen, die kursrelevante Auswirkungen haben können an, wie sie vom Marktteilnehmern aufgenommen werden. Der Inhalt selbst wird von den Marktteilnehmern häufig mißverstanden oder aufgrund der Informationsflut gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Es werden hierbei sozial- und verhaltenspsychologische Mechanismen sowie kommunikative Funktionsprozesse mit einbezogen. Zu jedem Zeitpunkt, egal ob Hausse oder Baisse, gibt es besonders „laute“ Stimmen, die aus dem allgemeinen „Grundrauschen“ wirkungsvoll herausragen und somit einen mehr oder weniger bedeutsamen Einfluß auf das lokale oder weltweite Börsengeschehen haben.

Spieltheorie

Wer bis hier gelesen kann, kann mir vielleicht die

Anwendung der Spieltheorie im Börsenalltag (Entscheidungen) erklären. Das ganze ist natürlich komplex und nicht einfach zu erklären. Aber vielleicht kennt ja jemand gute Info-Quellen im Internet.

Karat

17.02.2007 10:31
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Börsenpsychologie

Alles Moralisieren hilft nichts. Es ist so, wie es ist, und nichts wird es ändern. Philosophisch: Es gibt eine Soheit.

Soll ich mich einem Wolf über seine Wolfsnatur beklagen? Oder einen Engel für seine Engelhaftigkeit rühmen? Zum Kuckuck, die beiden sind, wie sie sind, es ist ihre Natur. Und weder Wolf braucht sich zu schämen, noch Engel stolz zu sein.

Drum lebe ich mit dem Wolf, wie es ihm gebührt und mir nicht schadet, und ebenso mit dem Engel. Auch mit dem eigenen Wolf und Engel lebe ich, indem ich sie als zwei Kräfte sehe, die wirken. Das eine zu verneinen und das andere hervorzustreichen macht mich nur blind mir selbst gegenüber. Vor allem verkenne ich dann die bipolare Natur von allem, was ist.

Fundamentaldaten versus Charts: Ich bin eingefleischter Chartist, und interessiere mich für das Fundamentale nur als Ergänzung zu den Charts. Die Stimmung (sogenannte Börsenpsychologie) ist nur in den Charts zu sehen, und sie bestimmt die Kursschwankungen.

Was nützt es, sich dagegen zu stemmen. Keiner kann hier wohl von sich behaupten, er habe ein objektives Urteil zum Wert von Dingen oder Menschen. Drum habe ich den Spruch von Lichtenberg auch vor meine Nas geklemmt: "Nichts kann zur Seelenruhe mehr beitragen, als wenn man gar keine Meinung hat." Und bei allem eingedenk zu sein: "Der andere hat vielleicht Recht." (Gadamer)

Es gibt noch Schlimmeres.

17.02.2007 00:22
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Börsenpsychologie

Psychologie hin oder her. Meiner Meinung nach gelten nach wie vor die alten Gesetze an der Börse:

Einer gewinnt, einer verliert.

Der Kleine kann kaufen was er will, die Kurse macht der Grosse.

Gewinne sind erst im Sack, wenn sie realisiert sind.

Nichts desto trotz habe ich keine grosse Ahnung von Charts. Tätige viele meiner Trades nicht aus dem Bauch heraus, sondern aufgrund von Nachrichten und Infos.

Weiter kaufe ich häufig Titel, welche ohne Bad News stark sinken. Aber ganz wichtig ist mir, dass ich, sofern ein von mir gesteckter Gewinn pro Trade erreicht ist, dass ich dann an die Realisierung denke. Lieber mit fast jedem Trade ein klein wenig verdienen, denn die Bauernregel gilt ja auch

Kleinvieh macht auch Mist.......

So jetzt kürzlich z.B. bei Pragmatica und UBS einfach ganz gutes Geld verdient.

16.02.2007 23:08
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Börsenpsychologie

Genau ihr zwei...

Die Börse ist heute reine Psychologie. Es gibt kein Titel der heute noch wegen fundamentalen Daten steigt. Es spielt sich immer alles nur noch im Kopf der Anleger ab. Der Kurs steigt weil irgendwelche Gerücht im Raum herum schwirren... Und der Kurs sinkt weil irgendwelche Gerüchte im Raum herum schwirren oder weil die Erwartungen nicht erfüllt wurden.

Aber mit einem Weitblick auf mehrere Jahre hat es an der heutigen Börse nichts zu tun. Gibt ja auch kaum ein Anleger wo an der Dividende interessiert ist.

16.02.2007 22:18
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@ Jumper,

du hast recht,die Gier und Angst sind heute diejenigen die die Börse regieren. Es gab eine Zeit in welcher man einen Titel aus Überzeugung und Stolz im Depot hatte und halten konnte. Diese Zeit ist vorbei. Eigentlich Schade doch wir werden so gesteuert und sind all dem ausgeliefert. Was sich auch sehr geändert hat ist der grosse Egoismus. Jeder nur noch für sich,ein Gemeinsam gibt es nicht mehr. Über eine Börsen-Phsychologie zu diskutieren ist recht komplex und bringt eigentlich nicht viel. Es geht runter wenn die Zeit kommt und dann (zum Teil)wieder rauf. Den rechten Zeitpunkt,für was auch immer, kennt keiner und darann ändern wir nichts. Wir gehen alle ein Risiko ein und sind selber Schuld an jedem Verlust oder Profit. Wie gesagt; Jeder für sich und keiner für alle Wink .Machen wir so weiter wie bisher und hoffen....

Chris

Wenn du ein totes Pferd reitest, steig ab !