Futures vs. Kassamarkt

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06.03.2008 18:28
#1
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Futures vs. Kassamarkt

Ich wollte hier nur schnell eine Erkenntnis weitergeben, über ein Thema, das mich sehr intensiv beschäftigte, so dass ich etwas rechechiert habe.

Dabei ging es mir darum zu verstehen in welcher Beziehung der Termin- zum Kassamarkt steht. Auf beiden Märkten wird ja der Preis schlussendlich über Angebot und Nachfrage gemacht...aber wie funktioniert das eigentlich, dass die Futures praktisch synchron mit ihren Underlyings laufen? Und wie kann ein Future einfluss auf den Kassamarkt nehmen?

Wir erinnern uns ja noch sehr gut an den Black Monday im Januar als die SG 140'000 DAX-Futurekontrakte verkauften und so den DAX-Future in den Keller schickte. Aber wieso wurde dadurch der Kassamarkt beeinflusst?

Am Kassamarkt wird ja das hier und jetzt gehandelt und der Future wird erst bei seinem Enddatum erfüllt! Man kauft also beim Future das recht zum Bsp. beim DAX-März kontrakt am 3. Freitag im März den DAX zum heutigen Preis zu erwerben resp. zu verkaufen(Short).

Aber wieso hat jetzt der sinkende Future den Preis in den Keller geschickt?

Die Antwort geben die Institutionellen Anleger die Arbitrage-Geschäfte im Grossen Stil abwickeln.

Wie funktioniert das?

Am angesprochenen Montag sind die DAX-Futures durch das überangebot der SG gesunken...dies führte dazu, das der DAX-Future nicht mehr seinem fairen Wert gegenüber dem Kassa-Dax hat. (Der faire Preis des Futures wird anhand der Zinsaufwendungen die bis zur Erfüllung anfallen berechnet resp. zum Kassapreis hinzuaddiert.)

Der Anleger der auf Arbitrage Gewinn aus ist, nimmt diese Situation sofort war und führt zwei Geschäfte gleichzeitig aus:

- Er kauft den unterbewerteten DAX-Future und

- verkauft Aktien (short selling) am Kassamarkt die den DAX nachbilden

Damit sich dies lohnt muss die Differnez zwischen Future und Kassamarkt ausreichen sein, damit die anfallenden Zinsen und Gebühren die bis zum Endtermin anfallen gedeckt sind. Dies weiss der Anleger natürlich bereits im Voraus und daher hat er fast kein Risiko bei diesem Handel. Das einzige, was er tun muss ist immer genug Deckung für die Futurekontrakte bereithalten...also er muss den Verlust seines Futures (der auf dem Kassamarkt zum identischen Gewinn führt) bis zum Laufzeitende bereitstellen. Sein einziges Problem nach der Transaktion ist also noch genüged Liquidität bereitzustellen.

Dieser Vorgang läuft natürlich nicht von Hand ab, sondern ist meschanisiert und läuft in Sekundenschnelle (wenn nicht noch schneller) ab. Der sinkende DAX-Future wurde also immer wieder zur Arbitrage verwendet und hat dadurch zu leerverkäufen im grossen Stile am Kassamarkt geführt uns dadurch den DAX mit in die Tiefe gezogen.

Ich hoffe es ist Alles richtig geschrieben. Vielleicht kann jemand noch mehr dazu sagen?

Gruess

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„Alles was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen.“



Konrad Adenauer
26.04.2008 08:46
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Tja man kann nicht alles wissen Wink

Meine durchschnittliche Haltedauer ist unter 1 h...da spielt das alles keine Rolle. Wink

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Konrad Adenauer

25.04.2008 20:46
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Ja ich handle Futures. FSLI, FSMIM und sehr selten FSMI an der eurex. Kontraktgrösse ist 10, marginforderung ~1/10. Fdax (kontraktgrösse 25) ist mir zu massiv, schon im FSMI ist es schwierig mit meinem kontovolumen halbwegs vernünftiges MM hinzukriegen.

Alles andere sind mini-futures, mit CFD's zu vergleichen die ich OTC handle (abnamromarketindex).

Der ober-future-crack ist eigentlich Johnny P, daher bin ich über seine unsicherheiten auch...erstaunt.

Falls dich derivate generell interessieren: Options, Futures and other Derivatives - John C. Hull ist ein wunderbares "universalwerk" zu dem Thema.

I don't wanna change the world, I only wanna stop pretending.

25.04.2008 18:40
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hispmo
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@selekta

Danke für deine Ausführungen, ich denke dass hat uns Licht ins Dunkle gebracht!

Wie ich im SMI Tread gelesen habe Handelst du selber mit Futures??

Ist das ne gute Sache? Brauchst du da nicht unendlich viel Kapital??

25.04.2008 16:18
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grundsätzlich kann man es so vereinfachen:

Zinssatz < Div.Rendite : Futurepreis
Zinssatz>Div. rendite: Futurepreis>kassakurs

Wobei das nur für Aktienindices zählt.

Bei währungstermingeschäften ist die zinsdifferenz zu berücksichtigen.

Bei commodities sind,wie oben notiert, Lagerungskosten und ähnliches zu berücksichtigen. Zudem sind die händler bereit, eine prämie für frühere verfügbarkeit zu bezahlen, wenn der rohstoff schlecht oder nicht lagerbar ist. Dadurch ist es überhaupt möglich, dass eine Backwardation - Konstellation in den terminpreisen zustande kommt. Sonst wäre ja nur contango rational.

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25.04.2008 16:14
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selekta wrote:

Quote:
Was ich aber selbst nicht verstehe, ist das der Dow Future ziemliech genau dem Kassa entspricht? Die Zinsen müssten doch auch dort zu einem Abschlag führen!

Wenn schon, würden die zinsen zu einem aufschlag im futurepreis führen.

Der Futurepreis entspricht daher more or less dem kassakurs, da in den amerikanischen indices die dividenden über eine konstanten simulierten dividendenstrom approximiert werden, da US unternehmen mehrmals jährlich divi. ausschütten. Sind sich dividendenrendite und zinssatz sehr nahe beieinander, werden sich beide effekte aufheben und der futurepreis entspricht dem kassakurs.

Sehr gut danke...hab natürlich Mist geschrieben:

Aktienindex-Futureskurs F0 =

Kassakurs des zugrunde liegenden Aktienindex K0

+ {Zins- und Depotkosten für das Halten des hypothetischen Aktienindex-Portfolios, wobei der kurzfristige Geldmarktzinssatz i ("spot rate") zur Restlaufzeit des Futures und angegeben auf Jahresbasis (p.a.) als Referenzzinssatz zum Ansatz kommt,

− Erträge E, wie Dividendenzahlungen, Bezugsrechtserlöse und sonstige Erträge aus dem Aktienportfolio, also etwa jene aus einer Wertpapierleihe oder Zinserträge aus der Wiederanlage dieser Erträge zum Referenzzinssatz i während der Laufzeit des Futures}.

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Konrad Adenauer

25.04.2008 16:11
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Quote:

Was ich aber selbst nicht verstehe, ist das der Dow Future ziemliech genau dem Kassa entspricht? Die Zinsen müssten doch auch dort zu einem Abschlag führen!

Wenn schon, würden die zinsen zu einem aufschlag im futurepreis führen.

Der Futurepreis entspricht daher more or less dem kassakurs, da in den amerikanischen indices die dividenden über eine konstanten simulierten dividendenstrom approximiert werden, da US unternehmen mehrmals jährlich divi. ausschütten. Sind sich dividendenrendite und zinssatz sehr nahe beieinander, werden sich beide effekte aufheben und der futurepreis entspricht dem kassakurs.

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25.04.2008 16:03
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Macht nichts hispmo, dafür sind wir ja da, um von einander zu lernen.

Bei Aktienindices gilt ausschliesslich CashSettlement (oder wie man das schreibt :oops: ), also Barausgleich...das heisst wenn DU zum Endzeitpunkt Long oder Short bist bekommst Du keine Aktien resp. must Du nicht liefern.

Die Berechnung für den Fair Value ist aber ähnlich zu den Commodities Futures nur fallen natürlich die Lagerkosten weg, da ja im Prinzip nur eine Depotgebühr für den Aktienbasket (zu vernachlässigen) anfällt.

Hingegen die Zinskosten werden hinzuaddiert. Je näher wir zum Verfall kommen desto geringer die Zinskosten und desto näher sind wir am Kassapreis.

Bei Aktienindizes haben wir jedoch noch eine weitere Differenz und zwar die Dividenden. Der SMI berücksichtigt keine Dividenden. Der Index wird also vom Dividendenabschlag der Aktien negativ tangiert. Daher wird dem Kassapreis zuzüglich zu den Zinskosten auch die erwarteten Dividendenbeträge abgezogen, da wir ja als halter eines Futureskontrakt nicht profitieren können, sondern gestraft werden.

Der Dow Jones und SP500 hingegen, korrigiert die Dividende im Index, daher müssen sie dort nicht berücksichtigt werden.

Deshalb ist der SMI Future immer tiefer als der SMI Kassa bis kurz vor dem Verfall.

Was ich aber selbst nicht verstehe, ist das der Dow Future ziemliech genau dem Kassa entspricht?

Ich muss wohl noch etwas recherchieren.

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Konrad Adenauer

25.04.2008 15:57
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Quote:

Und wieso steht der SMI Future tiefer als der SMI Kassa?

Ich hoffe schwer, dass diese frage ironisch gemeint war.

Der SMI ist kein performanceindex wie der dax. Das bedeutet dass künftige dividendenzahlungen nicht schon von kurs subtrahiert sind. Was wiederum bedeutet, dass der smi bei dividendenauszahlung sinkt.

Um den futurepreis zu berechnen, musst du allerdings den FV der dividende vom aufgezinsten kassakurs abziehen. Daher der tiefere kurs als der kassakurs, weil die dividendenrendite grösser ist, als der zinsaufwand.

Würde der future höher notieren, wäre arbitrage möglich, da du short im future gehen könntest und long in den SMI - Titeln und somit die dividende kassierst, als free lunch.

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25.04.2008 15:45
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hispmo
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Hab noch schnell den Dax Future angeschaut.

Hier ist der aktuelle DAX Future ziemlich genau 50 Pkt. höher als der Dax selber. Und ich würd die Hand dafür ins Feuer legen dass es letztes Jahr im Dow Jones und S&P auch so war:

gruess

25.04.2008 15:41
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hispmo
Futures vs. Kassamarkt

Hmm, gute Frage. Ich dachte dass sei einfach wegen den Zinsen. Aber hab grad gesehen das der Future (auch Amerika) fast Punktgenau gleich läuft zum Markt.

Demfall hab ich mit dem ganzen Thema völlig in die Sch..... gegriffen :oops:

Wobei, letzten Sommer war der DJ Future immer ca. 50 bis 100 Punkte höher, da ist es mir erst aufgefallen. Aber vielleicht hängt dass auch mit der Marktentwicklung zusammen??

Ansonsten möchte ich mich Entschuldigen falls ich hier einen Blödsinn verbreitet habe :roll:

25.04.2008 15:38
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Future und Eröffnung des DJ stimmen praktisch überein

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

25.04.2008 14:46
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Ok, aber jetzt sind wir in einem Aktienindizes und der hat (fast) keine Lagerkosten. Und wieso steht der SMI Future tiefer als der SMI Kassa?

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Konrad Adenauer

25.04.2008 14:41
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Hallo Johnny P,

Du hast hier ja schon reichlich Recherchiert und viel wichtiges niedergeschrieben. Toll!

Ich kenne die Preisbildung eines auch nicht Perfekt, ich habe lediglich die Beobachtung gemacht, dass der Futur jeweils einige Punkte höher steht als der Markt selbst. Und, je näher der Liefertermin des Futures kommt, desto weniger beträgt diese Differenz.

Hier habe ich einen Ausschnitt aus Wikipedia, welcher diesen Effekt beschreibt:

Wert, Preis, Standardisierung und Hebel

Der Kurs eines Futures unterliegt der freien Preisbildung aus Angebot und Nachfrage an der Terminbörse. Er bewegt sich im Allgemeinen synchron zum tagesaktuellen Preis auf dem Kassamarkt des Underlying-Kurses (z.B. DAX-Index, EUR-USD, Unverbleites Benzin, Orangensaftkonzentrat etc.). Abweichungen und divergente Entwicklung zwischen Kassamarkt und Future ermöglichen Arbitragegeschäfte, also Geschäfte mit weitgehend risikolosem Gewinn. Deshalb können Future-Preis und Kassapreis sich nicht weit auseinander entwickeln.

Dass der Future-Preis dennoch in der Regel vom Preis desselben Basiswertes abweicht, ist dazu kein Widerspruch: Denn der "wahre Wert" eines Future-Kontraktes folgt zwar – in den meisten Fällen – dem Tages-Kassapreis, aber je nachdem wie weit der Erfüllungszeitpunkt noch in der Zukunft liegt, nach oben verschoben. Ein September-Future 2006 auf einen beliebigen Basiswert (insbesondere eines Rohstoffs) wird am 1. Juli 2006 also mehr kosten als der Juli-Future 2006, dessen Erfüllungstermin kurz bevorsteht. Der Grund: Irgendjemand muss dafür sorgen, dass die Ware (der Wert) auch tatsächlich bis zum Erfüllungstermin bereit gehalten wird.

Ein Soft-Commodity, wie Orangensaft-Konzentrat etwa, muss jemand lagern, rechtzeitig speditieren und entsprechend kühlen. Das kostet Geld. Diese Kosten werden als Bestandhaltungskosten bezeichnet. Der Wert eines Future wird deshalb im allgemeinen so berechnet:

Bestandshaltungskosten - Cost of Carry

Angenommen [2], der Kassapreis (jetzige Preis, Spot Price) von Gold (Basiswert, underlying) sei 400 €, der Zinssatz sei 5 %, die Versicherungskosten für dieses Gold für ein Jahr seien 3 € und die Lagerhaltungskosten für ein Jahr sind 2 €, dann betragen die Bestandshaltungskosten für einen Zeitraum von einem Jahr berechnet:

Zinsen: 5 % mal 400 € = 20 €

Versicherungskosten 3 €

Lagerhaltungskosten 2 €,

insgesamt also 25 €.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Zinsen Bestandteil der Bestandshaltungskosten sind, so dass diese Geschäfte auch von der Geldpolitik beeinflusst werden. Die Zinsen als Bestandteil der Bestandshaltungskosten erklären sich daraus, dass ein Jahr lang bis zum Termin ein Kapital (in diesem Beispiel) von 400 € gebunden ist, das sonst alternativ zinsbringend angelegt werden könnte (Opportunitätskosten).

25.04.2008 09:32
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Futures vs. Kassamarkt

Möchte eine Diskussion mit Hispmo im SMI April Thread hier drin weiterführen...hab schon mal den Thread ausgegraben.

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Konrad Adenauer

06.03.2008 19:48
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Was ich noch vergessen habe!

Zu Beginn hab ich mich immer gefragt, wieso eine Aktie sinkt, wenn die Fundamentels absolut top sind, keine Bad News und auch keine technischen Gründe vorliegen, nur weil der Gesamtmarkt sinkt? Die Antwort ergibt sich wahrscheinlich aus obenstehendem Posting! Die Arbitrageure müssen nunmal das Gegengeschäft 1:1 dem Future machen, damit der Gewinn sicher ist, daher wird halt auch eine Néstle massiv geshortet, um das Gegengeschäft einzugehen.

Das heisst mit anderen Worten, wenn der Future überbewertet ist, werden die Aktien durch die Arbitrage geschäfte gepusht...umgekehrt heruntergeholt!

Mfg

„Alles was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen.“

Konrad Adenauer