Grundlagenforschung Value-Investing

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26.04.2015 13:29
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Grundlagenforschung Value-Investing

Warum das KBV viel besser als das KGV ist:

Alle Werte in CHF pro Aktie. (Auch weiter unten die Gewinne).

Umsatz 100
Aufwand 80
Gewinn 20
Buchwert 100

Aktienkurs 200.
KBV 2,0
KGV 10,0

Das oben waren die Werte am 31.12.2012.

Im Jahr 2013 gab es (passend zur "13") durch Unglückliche Zwischenfälle einmalige zusätzliche Ausgaben (zB Busse) in Höhe von 25. Damit sieht die Erfolgsrechnung 2013 wie folgt aus:

Umsatz 105
Aufwand 106
Gewinn -1

Und die Bilanz zum 31.12.2013:

Eigenkapital 99
Fremdkapital 150
Bilanzsumme 249

Im Jahr 2014 liefen die Geschäfte so richtig gut, das Management kürzte die Löhne des Kaders, und es gab unerwartete zusätzliche Einnahmen (fast ohne Kosten zu verursachen), also sieht die Erfolgsrechnung 2014 so aus:

Umsatz 122
Aufwand 84
Gewinn 38

Bilanz per 31.12.2014:

Eigenkapital 137
Fremdkapital 150
Bilanzsumme 287

Und dann kommt das Jahr 2015, wo die Einmal-Effekte verpufft sind, und es hat einmalig zusätzliche Kosten gegeben, daher sieht die Erfolgsrechnung 2015 wie folgt aus, wobei zahlreiche alte Schulden beglichen wurden:
(Ich dachte zuerst, das schmälere das Eigenkapital, aber es kann ja mehr Bargeld als Eigenkapital vorhanden sein, dh Fremdkapital ist auf der Aktiva-Seite auch schon dabei, dh Schulden können zurück bezahlt werden, ohne dass das Eigenkapital sinkt, beispiel: 100 Vermögenswerte, 40 Eigenkapital, 60 Fremdkapital. Aus den 100 könnten die 60 zurück gezahlt werden. Die Bilanzsumme sänke auf 40, Fremdkapital auf 0, Eigenkapital bliebe 40.)

Umsatz: 115
Aufwand: 95
Gewinn: 20

Bilanz per 31.12.2015:

Eigenkapital 157
Fremdkapital 100
Bilanzsumme 257

Jetzt wirds aber spannend, wir schauen uns das KBV und das KGV der Jahre 2012 bis 2015 an:

Die Werte von links nach rechts sind immer für die Jahre 2012 - 2015, bei einem angenommenen Aktienkurs von 200

KBV: 2,0 2,0 1,46 1,27
KGV: 10,0 unendlich 5,26 10,0

Das heisst: Abgesehen davon, dass ein KGV bei einem Verlust nicht berechnbar ist (Division durch negative Zahl), hat es sich von 2014 auf 2015 einfach mal so verdoppelt (bzw. der Gewinn hat sich von 38 auf 20 fast halbiert).

Beim Buchwert sind die Schwankungen schwächer. Der Buchwert schwankte vom höchsten Wert aus gesehen um 36%, vom tiefsten Wert aus gesehen um 57%.
Der Gewinn schwankte vom höchsten Wert aus gesehen unendlich. Ohne den Unendlcih-Wert um 47%.
Vom tiefsten Wert aus ebenfalls unendlich, ohne das Verlustjahr hingegen um 90%.

Es ist offensichtlich, dass der Gewinn viel stärkeren Schwankungen unterliegt als der Buchwert.

Das KGV 2015 mit 10,0 suggeriert, dass es dem Unternehmen gleich gut ginge, wie 2012, als das KGV ebenfalls 10,0 (bzw. der Gewinn 20) war.
Dass es dem Unernehmen aber dank der angehäuften Gewinne und damit erhöhtem Eigenkapital nun erheblich besser geht, wird nur aus dem KBV bzw. dem Buchwert ersichtlich, welches sich von 2012 bis 2015 von 2,0 auf 1,27 bzw. von 100 auf 157 verbessert hat.

Dh der Investor weiss nun: Mit einem KBV von 1,27 ist das Unternehmen verhältnismässig günstiger geworden als 2012. Geht es hingegen nach dem KGV wäre die Firma wahlweise völlig wertlos (2013)  oder plötzlich doppelt so viel Wert wie 2 Jahre zuvor (2014 zu 2012).

 

 

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26.04.2015 14:48
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Nachkauf-Strategie

Nehmen wir an, jemand hätte die geniale Idee, Nachkauf-Strategie zu tätigen.

Er hätte am Höhepunkt im Jahr 2007 (Zufall) begonnen, alle 20 SMI-Titel zu gleichen Stücken zu kaufen bzw. gleich gewichtet wie der SMI.
(Wobei das sowieso schlechtere Performance liefert als ein gleichgewichteter Index, weil tiefere Marktkapitalisierung sowie illiqudität im Durchschnitt die viel höheren Renditen bringen, aber das ist ein anderes Thema, siehe basehitinvesting.com und greenbackd.com ).

 

Der Investor hätte sich überlegt:

"Ich kaufe jetzt mal bei 9'000 Punkten den SMI. Langfristig muss er sowieso steigen. Ich verkaufe also alles, wenn der SMI erstmals 10'000 Punkte erreicht und beginne bei 9'500 wieder zu kaufen. Ich kaufe immer bei 1'000 Punkten tiefer nochmals die gleiche Summe nach."

Gut, im Sommer 2007 hat unser Investor also beim SMI-Stand von 9'000 die Geldmenge 100 in die SMI-Aktien investiert.

Dann kam die Krise, und er musste bei jeweils 1'000 Punkten tiefer, zuletzt bei unter 5'000 Punkten, nachkaufen.

Erstkaufmenge war 100 Stück für 100 Geld.

Bei 8'000 Punkten kaufte er weitere 112 Stück für nochmals 100 Geld (die Geldmenge ist immer 100 zusätzlich).
Bei 7'000 Punkten kann er zusätzlich 128 Stück kaufen.
Bei 6'000 Punkten kann er zusätzlich 150 Stück kaufen.
Bei 5'000 Punkten kann er zusätzlich 180 Stück kaufen.

Insgesamt musste dieser Investor 2007 - 2009 500 Geld ausgeben, um 670 Stück zu erwerben.
Sein durchschnittlicher Einkaufspreis sank dabei 74,6 Geld auf 100 Stück, oder in SMI-Punkten: 6'716.

Heute, wo der SMI bei 9'300 Punkten steht, stünde dieser Investor um 38,5% im Plus.
Dies obwohl er bei 9'000 Punkten eingestiegen ist, und 8 Jahre später (heute) erst 9'300 Punkte erreicht sind.

Das ist der Unterschätzte Nachkauf-Effekt.

 

In den nächsten Folgen behandeln wir uA den Zinsens-Zins-Effekt.