Leitzins beeinflusst Obligationen?

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14.06.2008 15:44
#1
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

Hallo zusammen

ich habe gelesen, dass bei einer Zinssenkung der Wert einer Obligation, die schon vorher auf dem Markt war, steigt. Nun stellt sich mir aber die Frage: Wieso? Der Leitzins bestimmt ja, wieviel Zins die Banken zahlen müssen, um bei der Zentralbank Geld ausleihen zu können (http://de.wikipedia.org/wiki/Leitzins). Sinkt der also, können sich die Banken leichter Geld borgen. Wieso steigt dadurch aber der Wert einer bereits vorhandenen Obligation? Damit der Wert dieser Obligation steigt, müssten ja die neu emittierten Oblis weniger Zins zahlen.

Ist es dann einfach so, dass es für die Bank billiger kommt, das Geld bei der Zentralbank zu leihen, als bei Privatpersonen/Investoren und sie deshalb den Zins von Obligationen senken? Habe ich das richtig verstanden?

Gruss

Sepp

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15.06.2008 15:53
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

Weil höhere Zinsen die Kreditkosten verteuern. Denn die Geschäftsbanken geben die höheren Zinsen, die die Nationalbanl für die Liquidität der Institute verlangt, an ihre Kundschaft weiter. Dabei können sich die Banken einen Vorteil verschaffen, indem sie die Zinsen für Kredite schneller verteuern, als die Zinsen auf diverse Einlagen. Grundsätzlich gilt: Wer Geld anlegt, bekommt mehr, und wer Geld aufnimmt, muss auch mehr dafür bezahlen.

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15.06.2008 15:10
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

Jaja, das ist ja klar Lol Aber WIESO gibt es plötzlich neue Anleihen mit mehr Zins wenn der Leitzins erhöht wird?

Gruss

Sepp

15.06.2008 14:37
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

@ Sepp

Ich versuchs mal mit einem Beispiel:

Angenommer der Leitzins beträgt zur Zeit 3%.

Nun emittiert ein Unternehmen eine Anleihensobligation, die zu 3% verzinst wird.

Nach einer gewissen Zeit wird der Leitzins auf 4% erhöht.

Es gibt neue Anleihen mit einer Verzinsung von 4%.

Nun wieso sollte man jetzt die alte Anleihe zu 3% noch kaufen wollen? Die alte Anleihe ist nicht mehr so attraktiv folglich sinkt der Kurs.

Ich hoffe, dass ich dir weiterhelfen konnte. Ansonsten ungeniert nachfragen Blum 3

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15.06.2008 13:57
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

Also meine Frage ist: inwiefern/ durch was beeinflusst die Erhöhung des Leitzinses eine Wertsenkung einer Obligation?

Oder: Wieso sinkt eine bestehende Obligation im Wert, wenn der Leitzins erhöht wird?

Hoffe, ist jetzt ein bisschen verständlicher Lol

Gruss

Sepp

15.06.2008 12:30
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

Master_Sepp wrote:

Danke, aber das mit dem Kaufpreis war mir eigentlich schon klar. Ich frage mich einfach, wieso die Rendite bei einer neuen Obligation sinkt, wenn auch der Leitzins/ das Zinsniveau gesenkt wird...

Der Leitzins bestimmt ja, zu was für einem Zinssatz die Banken Geld ausleihen dürfen. Sinkt dieser nun, müssen sie beispielsweise weniger Geld zahlen, um Kredite auszuleihen, die sie dann weiterverleihen. Also senken sie den Kreditzinssatz. Obligationen sind ja eigentlich auch eine Art von Kreditaufnahme. Durch die Leitzinssenkung ist die Alternative (Kredit bei Bank aufnehmen) nun allerdings attraktiver geworden, wodurch die Firma keine Lust mehr hat, so viel Zins für die Obligation zu zahlen. Stimmt das oder irre ich mich jetzt völlig?

Gruss

Sepp

Ich verstehe nicht, was jetzt genau deine Frage ist. Aber Vontobel hat dir schon alle deine Fragen des ersten Posts beantwortet.

Was du natürlich nicht vergessen darfst, ist der Zeitfaktor. (Dies nur noch so als Input).

Da ich deine Frage nicht verstehe (WAS du genau wissen willst), kann ich dir leider nicht antworten, sorry.

Oder willst du evtl. diese Antwort hören?

Zurzeit geht der Markt davon aus, dass eine Zinserhöhung nächsten Donnerstag statt finden wird. Darum ist eine Obligation, die letzte Woche emittiert wurde, natürlich dementsprechend wertloser geworden (ausser die zwei Tage aufgelaufener Zins [Marchzins]), da evtl. ab nächsten Freitag der Leitzins neu um 0.25 Prozentpunkte erhöht wird.

Am Markt wird ja auch immer der Liborsatz festgelegt, der am Freitag auf 2.90583% (Quelle FuW) war, der Zielwert der SNB liegt aber bei 2.75%. --> wird also das Zielband erhöht, müssen die Obligationen nachrücken, somit werden die bisherigen (mit tieferen Sätzen) wertloser (unter pari == 100>x).

15.06.2008 09:48
Bild des Benutzers Master_Sepp
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

Danke, aber das mit dem Kaufpreis war mir eigentlich schon klar. Ich frage mich einfach, wieso die Rendite bei einer neuen Obligation sinkt, wenn auch der Leitzins/ das Zinsniveau gesenkt wird...

Der Leitzins bestimmt ja, zu was für einem Zinssatz die Banken Geld ausleihen dürfen. Sinkt dieser nun, müssen sie beispielsweise weniger Geld zahlen, um Kredite auszuleihen, die sie dann weiterverleihen. Also senken sie den Kreditzinssatz. Obligationen sind ja eigentlich auch eine Art von Kreditaufnahme. Durch die Leitzinssenkung ist die Alternative (Kredit bei Bank aufnehmen) nun allerdings attraktiver geworden, wodurch die Firma keine Lust mehr hat, so viel Zins für die Obligation zu zahlen. Stimmt das oder irre ich mich jetzt völlig?

Gruss

Sepp

14.06.2008 16:16
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Leitzins beeinflusst Obligationen?

Obligationen der gleichen Schuldnerqualität müssen grundsätzlich die gleiche Rendite auf Verfall ausweisen.

Nun, nehmen wir bsp. an Firma XY (Rating AAA) gibt eine 5 jährige Obligation für 3% raus, was zu diesem Zeitpunkt normal wäre.

Ein Jahr später sinkt das Zinsniveau und ein anderes Unternehmen (Rating AAA) gibt eine Obligation analog zum obigen Beispiel heraus, jedoch zu 2.5%, weil das Zinsniveau schlechter geworden ist.

Würden die Kurse der beiden obigen Obligationen nicht schwanken, so hätte man mit einem Kauf in die erste Obligation 3% Rendite und bei der anderen lediglich 2.5%. Dass dies nicht gehen kann, scheint logisch zu sein. Folglich muss irgendetwas geschehen, damit die 1 Obligation dem aktuellen Zinsumfeld angepasst wird.

Da ja die erste Obligation viel attraktiver ist wird diese nun so lange gekauft, bis deren Rendite auf Verfall 2.5% entspricht.

Da Obligationen am Schluss zu 100% zurückbezahlt werden stellt jeder Kauf über Pari (also zu über 100%) eine Renditeschmälerung dar.

Läuft die 1 Obligation also noch 4 Jahre, so müsste diese um 2.00% ansteigen. Warum? Wenn ich eine Obligation mit 3% Coupon zu 102.00% kaufe, dann verliere ich per Verfall theoretisch 2%, richtig? okey...wenn ich diese Mehrkosten von 2% nun auf 1 Jahr herunterbreche, dann habe ich pro Jahr 0.50% "Verlust" (2%/4 Jahre), oder?

Mein Coupon beträgt 3% pro Jahr. Zähle ich davon nun 0.5% ab, so erhalte ich eine Rendite von 2.5%, was in diesem Falle marktüblich ist.

Grundsätzlich sollte es am Markt nie der Fall sein, dass ein gleichwertiges Papier im Obligationen Bereich, besser rentiert. Und aus diesem Grund steigen Obligationen mit einem hohen Coupon in einem sinkenden Umfeld an (da damit die Rendite auf Verfall geschmäldert wird und die Rendite im Endeffekt marktüblich wird). Genauso fällt die Obligation, wenn deren Coupon nicht mehr marktüblich (also zu tief ist)....in diesem Falle würde die Obligation unter 100% fallen und zwar wieder soweit, bis der zusätzliche Gewinn pro Jahr dem marktüblichen Zins entsprechen würde.

Fazit:

Bei einer Obligation ist nicht nur der Coupon entscheidend, sondern auch der Kaufpreis, welcher unter Pari (unter 100%), pari (zu 100%) oder über pari (über 100%) sein kann.

Ich weiß, dass ich nichts weiß!



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