Mal ne ganz dumme Frage

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18.09.2007 20:41
#1
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Mal ne ganz dumme Frage

In der Politik wird offt behauptet, der Markt werde alles regeln wenn sich nur der Staat nicht einmischt. Je weiter rechts man im politischen Spektrum geht, desto grösser wird dieser Glaube des allerheilmittels Markt.

Wenn aber mal die Gier nach mehr überbordet, muss der Staat entweder mit Finanzspritzen, Leitzinsenkungen, oder sonstigen Garantien an allen Ecken und enden Eingreifen.

Eigentlich ein Zeichen das der wirklich freie Markt nichts als Chaos anrichten würde, wenn man ihn frei gewähren liesse.

Oder ist an meiner Überlegung etwas falsch?

buoi

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18.09.2007 23:18
Bild des Benutzers Vontobel
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Mal ne ganz dumme Frage

Spannende Gedanken Marcus...

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18.09.2007 22:03
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Re: Mal ne ganz dumme Frage

buoi wrote:

In der Politik wird offt behauptet, der Markt werde alles regeln wenn sich nur der Staat nicht einmischt.

Ein Diplomat ist eine Persönlichkeit, deren Aufgabe darin besteht, Situationen zu bereinigen, die gar nie entstanden wären, wenn es keine Diplomaten gäbe!

Beim Staat ist es ähnlich. Der Sündenfall beginnt bereits dort, wo der Staat z.B. "Geld" als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel herstellt und verwaltet.

Natürlich ist es sinnvoll, dass wir Geld als Tauschmittel haben. Aber wir haben damit dem Staat auch eine diffizile Aufgabe aufgehalst, die ihn manchmal überfordert. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die USA ihre Währung an ein privates Bankenkonsortium (FED) übergeben haben.

Mit der Geld- und Zinspolitik hat der Staat ein mächtiges Instrumentarium um den Markt zu beeinflussen. Die Diskussion geht aber darum, ob der Staat dieses Instrumentarium sinnvoll einsetzt oder nicht.

Beispiel ist der Kampf gegen Inflation und Rezession. Rezessionen sind wie Krankheiten. Lästig aber sinnvoll. Rezessionen führen dazu, dass ein Aufräumen unter den Firmen stattfindet. Rein nach Markt-Logik würden die schlechten sterben und die guten gestärkt aus der Rezession hervorgehen. Verhindert man die Rezession, indem man - wie 2001 - neues Geld druckt und durch "Chapter 11" schlechte Firmen überleben lässt, ist das langfristig nicht wünschenswert. Klar: Kurzfristig ist es gut, dass die Arbeitslosenzahl niedrig und das Wirtschaftswachstum hoch bleibt. Aber ist es langfristig sinnvoll, wenn unfähige Firmen auf Staatskosten künstlich am Leben gehalten werden?

Beispiele gibt es auch hier in Europa: In der Schweiz gäbe es ohne staatliche Subventionen kaum noch Bauern. Es gäbe sie schon noch aber es gäbe weniger mit jeweils grösseren Höfen. Hätten wir Weltmarktpreise könnte nämlich ein 12 Ha Bauernhof unmöglich überleben.

In Deutschland dasselbe mit den unrentablen Kohlebergwerken und Stahlwerken. Dieselbe Kohle könnte man billiger in China, den Stahl billiger in Korea einkaufen. Weshalb also die unrentablen Werke unterhalten?

Schlussendlich ist es ein menschlicher und politischer Entscheid.

Nach reinem Markt-Diktat hätte es 2001 in den USA eine Rezession gegeben, hätten wir kaum mehr Bauern in der Schweiz und Deutschland hätte entweder keine Kohlebergwerke mehr oder die Betreiber hätten Massnahmen ergriffen, um rentabel zu werden.

Ob das wünschenswert ist, muss jeder selbst entscheiden.

18.09.2007 21:19
Bild des Benutzers Vontobel
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Re: Mal ne ganz dumme Frage

buoi wrote:

In der Politik wird offt behauptet, der Markt werde alles regeln wenn sich nur der Staat nicht einmischt. Je weiter rechts man im politischen Spektrum geht, desto grösser wird dieser Glaube des allerheilmittels Markt.

Wenn aber mal die Gier nach mehr überbordet, muss der Staat entweder mit Finanzspritzen, Leitzinsenkungen, oder sonstigen Garantien an allen Ecken und enden Eingreifen.

Eigentlich ein Zeichen das der wirklich freie Markt nichts als Chaos anrichten würde, wenn man ihn frei gewähren liesse.

Oder ist an meiner Überlegung etwas falsch?

buoi

Interessante Gedanken...ich denke man sollte den Menschen gewisse Freiheiten lassen...aber auch hier gilt: zuviel ist nicht gut.

Ich glaube, dass sich der Markt durchaus selber steuern kann...und tut...würde die Notenbank gar nicht mehr eingreifen...so hiesse das nicht, dass alles zusammenbrechen würde...aber vermutlich würde nicht mehr alles so glatt verlaufen.

Aber es braucht sicherlich beides. Der Staat hat seine Funktionen...und der Markt...und manchmal müssen beide Parteien zusammenarbeiten.

Du kannst den Staat mit einem Airbag in einem Auto vergleichen. Würde dieser Airbag nicht existieren...so gäbe es zweifellos mehr Unfalltote. Trotzdem würde die Menschheit nicht aussterben...

Ein Land indem der Staat alles steuert...ist nicht gut...ein Land indem der Staat gar nichts mehr zu sagen hat...ist auch nicht gut.

In der Mitte liegt die Wahrheit...

Ich weiß, dass ich nichts weiß!



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