Spekulieren auf Nahrungsmittel

4 Kommentare / 0 neu
14.04.2008 13:16
#1
Bild des Benutzers orangebox
Offline
Kommentare: 2026
Spekulieren auf Nahrungsmittel

Die Lebensmittelpreise steigen ins unermässliche, die Spekulaten verdienen sich tot und dämlich mit Ihren "Nahrungsmittel" Spekulationen auf Kosten deren die immer weniger haben und daran zugrunde gehen.

Ist die Geldgeilheit echt schon soweit gekommen und sind die Menschen schon so tief gefallen wo ist da das Mitgefühl?

Bei einigen Menschen hat die Erziehung wohl nicht so ganz geklappt.

Ich bin ganz schön sauer wenn ich mir so ansehe wie es mom. in vielen Landesteilen aussieht.

Man kann sich ja gerne bereichern und seine Geldgier stillen aber so auf diese Art und Weise?

Grüsse

orangebox

der immer und immer wieder neu entsetzt ist über die moralischen Aspekten einiger Menschen.

Aufklappen

querschuesse.de

18.04.2008 12:23
Bild des Benutzers arunachala
Offline
Kommentare: 832
Sandkastenliberale üben Schadensbegrenzung

Weltweit gehen die Proteste gegen die hohen Lebensmittelpreise weiter. So lieferten sich letzten Samstag 20 000 TextilarbeiterInnen in der Nähe von Dhaka (Bangladesch) , Strassenschlachten mit der Polizei. Sie protestierten gegen ihre tiefen Löhne, mit denen sie nicht mehr genügend Lebensmittel kaufen können. Tags darauf versammelten sich Tausende in der südafrikanischen Stadt Polokwane, um gegen die gestiegenen Preise für Nahrungsmittel und Energie zu demonstrieren. Der südafrikanische Gewerkschaftsbund Cosatu plant weitere solcher Aktionen und warnt schon jetzt, dass es zu Krawallen kommen könnte. Zu Hungerrevolten war es zuvor schon in verschiedenen afrikanischen und asiatischen Staaten gekommen. Im karibischen Haiti setzte eine wütende Menge gar zum Sturm auf den Präsidentenpalast an - inzwischen musste Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis zurücktreten.

Wären all diese Proteste schön friedlich verlaufen, hätten sie es wohl kaum in die Schlagzeilen der internationalen Presseagenturen und auf die Titelseiten der hiesigen Zeitungen geschafft. Man hätte sie, wie die Demonstration in Südafrika, ignoriert oder allenfalls in einer Randspalte vermerkt. Und die stark ansteigenden Getreidepreise würden vorab die Berichterstattung auf den Börsenseiten dominieren.

Doch am Wochenende haben jetzt auch die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) anlässlich ihrer Jahresversammlungen in Washington den Ernst der Lage betont. Weltbank-Präsident Robert Zoellick hob vor laufenden Fernsehkameras einen Zweikilosack Reis in die Luft, um darauf hinzuweisen, dass dafür eine arme Familie in Bangladesch die Hälfte ihres Tageseinkommens verwenden muss. Es brauche einen «New Deal», um der Nahrungsmittelkrise beizukommen. Zoellick spielt damit auf die staatsinterventionistischen Methoden an, mit denen US-Präsident Franklin Roosevelt gegen die grosse Wirtschaftsdepression in den dreissiger Jahren antrat.

Doch Zoellick ist kein neuer Roosevelt. Er appelliert bloss. Die «internationale Gemeinschaft» soll bis zum 1. Mai 500 Millionen Franken an Nahrungsmittelhilfe zur Verfügung stellen. Das ist zwar nötig, hilft langfristig aber nichts. Ausser dem sind solche Aufrufe nicht neu. Genau wie die Absichtserklärungen von Staatschefs, sie würden die Hilfe für die Dritte Welt erhöhen. Daran gehalten haben sie sich selten.

Im Denkschema von Robert Zoellick und seinem Amtskollegen Dominique Strauss-Kahn vom IWF ist die jetzige Krise nicht systembedingt. Sie tritt auf, weil noch nicht alles im «freien Weltmarkt» reibungslos funktioniert. Deshalb ruft man zu karitativen Aktionen auf, um gleichzeitig vor «falschen Anreizen» zu warnen - also etwa vor staatlichen Subventionen von Nahrungsmitteln. Verpönt ist es auch, Exportzölle zu erheben oder Preise staatlich festzulegen.

IWF und Weltbank reflektieren auch die eigene Politik nicht selbstkritisch. Dabei haben diese beiden Institutionen mit ihren Auflagen an die Entwicklungsländer die Wirtschaftsstrukturen mitgeprägt, die zum heutigen Desaster geführt haben. So musste Haiti 1995 auf Druck des IWF die Importzölle für Reis von 35 auf 3 Prozent senken. Als Ergebnis stieg der Reisimport in neun Jahren um 150 Prozent. Drei Viertel des in Haiti verkauften Reises kommen heute aus den USA und unterliegen damit den Preisschwankungen des Weltmarktes. Die lokalen ReisbäuerInnen sind dagegen verarmt oder haben aufgegeben.

Als Gegenleistung für Kredite hat das Land ein Stück Nahrungsmittelsouveränität aufgegeben, um sich dem Weltmarkt anzuschliessen. Zölle sind schlecht, «internationaler Wettbewerb» ist gut, so das Credo der liberalen IdeologInnen. Jedes Land soll das produzieren, was es am besten kann. So sei der freie Handel schliesslich zum Nutzen aller. Doch die Weltwirtschaft funktioniert nach den Regeln der Macht und der Profitlogik. Wenn die USA und Europa glauben, sie müssten ihre Abhängigkeit von den Ölstaaten verringern, so subventionieren sie die Produktion von Agrartreibstoff - ob das nun in die eigene, gebetsmühlenhaft propagierte Ideologie passt oder nicht.

Die Behauptung, es handle sich um eine ökologische Tat, ist Augenwischerei. Was aber klar ist: Das Angebot von Grundnahrungsmitteln für Mensch und Tier wird dadurch verknappt. Diese Verknappung führt zu höheren Preisen, wobei die eigentliche Preistreiberei an den Rohwarenbörsen stattfindet, wo man auf Teufel komm raus auf noch höhere Preise setzt. Auch das ist «freier Handel» und systembedingt. Hohe Preise würden ja dann auch mehr BäuerInnen dazu animieren, die nachgefragten Güter zu produzieren, so das Wunschdenken der Sandkastenliberalen. Was bei Schuhen, Uhren oder Handys vielleicht noch funktioniert, beseitigt im Fall von Grundnahrungsmitteln weder Hunger noch Elend. Landwirtschaftliche Produktion lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen umstellen.

Wer BäuerInnen durch «Strukturanpassungsprogramme» entwurzelt, dafür sorgt, dass sie ihr Land verlassen und in die Stadt ziehen, der soll nicht glauben, dass sie dann bei möglicherweise besseren Marktaussichten gleich wieder damit beginnen, Weizen oder Reis anzubauen.

Quelle: Daniel Stern, WoZ Nr. 16, 17. April 2008

seid schlang wie die klugen und schlug wie die klangen. (kasimir 487)

14.04.2008 19:26
Bild des Benutzers Jodellady
Offline
Kommentare: 1863
Spekulieren auf Nahrungsmittel

Johnny P wrote:

Es ist sicher eine sauerei, aber daran sind nicht die Spekulanten schuld sondern dieser Biotreibstoff-Wahnsinn!

Andererseits habe ich die Hoffnung, dass die Landwirte endlich den verdienten Lohn für Ihre Arbeit erhalten. ...und das wäre wirklich überfällig!

Heikle Aussage!

Bioethanol ist nicht alleine Schuld!

Die extrem angestiegene Nachfrage nach Fleisch und Reis treiben die Nachfrage auch hoch.

Wie bekannt ja ist, braucht es für die Produktion von Fleisch unglaublich viel Futtermittel, das auch zuerst angepflanzt werden muss. Moralisch gesehen, darf man auch kein Fleisch essen. Denn würde man keine Tiere essen, sondern nur "Grünes", so könnte man die Grünflächen respektive Nahrung für die Menschen produzieren.

Bioethanol hat "nur" einen Teil der neuangepflanzen Flächen für sich "gefressen"...

Ein heikles Thema, das man unendlich diskutieren kann. Finde es überigens gut, dass du damit angefangen hast. Wäre aber eher für "Politik und Wirtschaft".. Ich hab hier keine Mod-Rechte, darum kann ich es nicht verschieben!

14.04.2008 14:50
Bild des Benutzers Johnny P
Offline
Kommentare: 3970
Spekulieren auf Nahrungsmittel

Es ist sicher eine sauerei, aber daran sind nicht die Spekulanten schuld sondern dieser Biotreibstoff-Wahnsinn!

Andererseits habe ich die Hoffnung, dass die Landwirte endlich den verdienten Lohn für Ihre Arbeit erhalten. ...und das wäre wirklich überfällig!

„Alles was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen.“

Konrad Adenauer