Währungsrisiko absichern in Unternehmen

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23.10.2009 12:15
#1
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Nic
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

Aus aktuellem Anlass beschäftigt mich folgendes Problem und ich wäre euch für jeglichen Input dankbar.

Folgende Annahmen werden gemacht:

Unternehmen A verkauft (über ein Distributionsnetz) Maschinen weltweit und stellt die Rechnungen in Dollar. Die Maschinen bezieht A von dem Partner-Unternehmen B und bezahlt in Euro. Da A in CH ansässig ist, wird die Buchhaltung in CHF geführt.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von A ist also das Verhätnis zwischen den Währungen.

Ein kleines Bsp:

Wie man sieht hat sich der Gewinn von A innerhalb der letzten knapp vier Jahren für den selben Geschäftsfall um beinahe 30'000 CHF vermindert.

Wie könnte sich A gegen solche Schwankungen absichern bzw. das Währungsrisiko verringern um den Gewinn konstant (zb. bei 55'000 CHF) zu halten?

Liebe Grüsse,

Nic

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30.10.2009 23:39
Bild des Benutzers felix.w
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

Du brauchst zu späterem Zeitpunkt Euros und willst später Dollars verkaufen.

Mit Futures: short USD/CHF und long EUR/CHF.

Die grösse der Positionen kann man genau berechnen. Natürlich ist man bei einer (perfekten) Absicherung auch gegen vorteilhafte Kursänderungen immun.

30.10.2009 21:08
Bild des Benutzers Murphy
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

Optionen haben nicht nur was mit zocken zu tun, sie dienen schlussendlich auch zur Risikotransformation!

Die Sache mit langläufigen Optionen ist die, dass sie relativ teuer sind, man bezahlt extrem viel an Zeitwert, ausserdem kannst du deine zukünftigen Auftragbestände schlecht über die nächsten 3,5 oder sogar 10 Jahre absichern, da sich die Auftragslage stark verändern kann (positiv sowie negativ).

Ich habe einen internen Kurs über FX besucht, da war unter anderem ein "Structured Product Designer", der solche Produkte für Multinationals konzipiert. Der hat gemeint, dass die Finanzabteilungen sich sehr scheuen zu hedgen (vor allem mit Optionen), da sie sehr schnell raus fliegen wenn sie sich mit den hedges geirrt haben, da stehe man besser da wenn man einfach nichts macht und der Verlust durch Wechselkurseffekte entsteht.. Smile

Aber wenn sie hedgen, dann meistens mit normalen Forwards oder extrem krassen strukturierten Produkten (pay-offs mit zick-zack etc)

Freundliche Grüsse

Die Börse ist ein Haifischbecken, und ich bin der weisse Hai darin!

http://market-trade.blogspot.com

27.10.2009 11:00
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Nic
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

Vielen Dank für Deinen Rat.

Entweder ich stehe mir selbst auf der Leitung, oder wir haben uns missverstanden Smile

Die Geschäftstätigkeit steht sicherlich im Vordergrund und zocken/spekulieren will ich nicht. Es soll ja nicht ein Mehrgewinn mit den Optionen erzielt werden. Falls die Optionen im Wert steigen, so sinkt dafür die Gewinnmarge und umgekehrt. Das Ziel wäre also lediglich die Gewinnmarge konstant halten zu können.

So gesehen ist das doch keine Spekulation?

Optionen sind aber vermutlich, wie Du gesagt hast, die falsche Lösung, da sie wohl sehr selten linear verlaufen (meine Erfahrung mit Optionen tendiert gegen Null...). Ist aber leider das einzige, was mir eingefallen ist. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, meine Idee umzusetzen?

27.10.2009 10:07
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Nic

Ich will dir nicht vor deinem Glück stehen... Aber so wie sich das für mich anhört, tönt das mehr nach einer Spekulation als nach einer unternehmerischen Haltung mit dem Ziel deine Geschäftstätigkeit als Kernprozess zu sehen und ihn mit der Absicherung zu schützen.

Ich kenne keinen Unternehmer, der sein Geschäft mit Optionen "Zock's" absichert. Und Optionen sind schlussendlich ja "Casionbesuche".

26.10.2009 22:05
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Nic
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

Vielen Dank für eure Antworten!

Devisentermingeschäfte hören sich schonmal interessant an. Ich hatte jedoch an etwas "pauschales" gedacht, das also nicht nur spezifisch den Kurs zwischen Bestellungseingang und Bezahlung des Debitoren absichert. Ziel wäre es, die Gewinnmarge trotz Währungsschwankunen über idealerweise mehrere Jahre konstant halten zu können.

Die einzige Möglichkeit, die mir einfällt, ist der Einsatz von Optionen auf Währungen mit sehr langer Laufzeit (zB. Put auf Dollar/Chf). Ich wette also mit der Option auf eine für mich ungünstige Veränderung der Kursverhältnisse von Dollar resp. Euro und Chf, um beim Eintreten einer solchen Veränderung den geminderten betrieblichen Ertrag mit einem gesteigerten neutralen Ertrag (Devisengeschäfte gehören schliesslich ja nicht zur Kerntätigkeit) auszugleichen. Tritt der gegenteilige Fall ein, so sinkt zwar der Wert der Optionen, dies mache ich aber durch einen gesteigerten betrieblichen Betrag wett.

Die Menge der zu kaufenden Optionen (USD/Chf Put und EUR/Chf Call (oder wäre auch direkt Call auf EUR/USD sinnvoll?) sollte ich folgendermassen bestimmen können:

1. Geeignetes Produkt auswählen (Tips hierzu sind sehr gern gesehen)

2. Produkt simulieren (ideal wäre natürlich eine sich linear verhaltende Option - gibts das?)

3. Menge mit Hilfe der simulierten Daten und durchschnittlichen Euroausgaben resp. Dollareinnahmen der letzten x Jahre bestimmen.

Dazu nun einige Fragen:

:arrow: Funktioniert diese ganze Idee (grundsätzlich und Methode zur Bestimmung der Menge der Optionen) aber auch in der Praxis?

:arrow: Und falls ja, wird diese Methode angewendet?

:arrow: Gibt es solche langlaufenden, plus/minus linearen Optionen (oder natürlich auch andere Produkte)?

:arrow: Was gibt es für andere Möglichkeiten der "pauschalen" Neutralisierung des Währungsrisikos?

Vielen Dank nochmal für eure Inputs und vor allem für die Geduld!

Nic

25.10.2009 20:02
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Genau!! Via Forward den Kurs sichern, falls sich die Zahlung verspätet kannst du das ganze swapen!

Die Börse ist ein Haifischbecken, und ich bin der weisse Hai darin!

http://market-trade.blogspot.com

23.10.2009 13:49
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

Willst du den gesamten USD Betrag absichern oder nur den Teil, den du für den Einkauf in EUR benötigst?

Kannst ein Termingeschäft auf die geplanten Zahlungseingängen machen. Ein Teil auf den EUR Einkauf und ein Teil auf CHF (für die Kosten in der Schweiz und den Gewinn).

Oder du kannst den EUR Betrag absichern auf die geplanten Zahlungsausgänge in EUR.

Je langfristiger du die Absicherung machst, je weniger Währungsrisiko gehst du ein, aber deine Währungsgewinnchancen sind auch weniger gross.

Dafür gehst du dann das Risiko ein, dass du evtl. das Termingeschäft in USD irgendwie erfüllen musst, auch wenn ein grosser, geplanter Zahlungseingang ausgefallen ist.

Aber das kannst du dann wohl über eine "neue" Absicherung lösen.

Gruss

23.10.2009 13:30
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

The-Saint wrote:

Da kann die Bank gewinnen oder verlieren, aber im gesammten gewinnt natürlich immer die Bank weil das macht nicht nur eine Firma sondern viele Firmen.

Falsch. Die Bank verliert rein gar nichts. Sie wäre ja blöde, wennn sie sich nicht absichert.

Wenn eine Frima am Tag X eine Fremdwährung zum aktuellen Kurs benötigt, dann kauft die Bank die Menge Fremder Sorten und legt diese dann bis zum Tag X an (natürlich in Form von mündelsicheren Anlagen).

http://www.pennergame.de/change_please/2685033/

Money - Get rich or die tryin'

Bitte noch ausfüllen, wer noc

23.10.2009 12:42
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Währungsrisiko absichern in Unternehmen

Das ganze nennt sich Devisentermingeschäft.

Das Unternehmen sagt der Bank wir brauchen am Tag XY die Summe in der Währung.

Die Bank Schaut sich den Aktuellen Kurs an und Rechnet zu welchem Preis sie das Geschäft Fixieren, also zu welchem Kurs sie dem Kunden Zusichern das Geld umtauschen zu können.

Da kann die Bank gewinnen oder verlieren, aber im gesammten gewinnt natürlich immer die Bank weil das macht nicht nur eine Firma sondern viele Firmen.

Quote:

Devisentermingeschäft:

Das Devisentermingeschäft ist ein Handelsgeschäft zwischen zwei Kontrahenten mit der Maßgabe, einen festgelegten Betrag in ausländischer Währung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem vorher festgelegten Kurs abzunehmen bzw. zu liefern.

Im Gegensatz zum Devisenoptionsgeschäft, bei dem der Käufer einer Kauf- oder Verkaufsoption selbst entscheiden kann, ob er diese Option überhaupt ausüben will, übernehmen die Kontrahenten beim Devisentermingeschäft eine Erfüllungspflicht. Sie dienen in der Regel zur Absicherung von Forderungen oder Verbindlichkeiten aus Waren- oder Finanzierungsgeschäften, die in ausländischen Währungen zu einem späteren Zeitpunkt fällig werden.