Achim H. Pollert: Der Betrüger Pollert

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29.02.2012 13:07
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Achim H. Pollert: Der Betrüger Pollert

Achim H. Pollert: Der Betrüger PollertVeröffentlicht am 29. Februar 2012

Achim H. Pollert: DER BETRÜGER POLLERT

Achim H. Pollert (*) über grosse Worte rund um Ghostwriting und Consulting

In der Schule gab es immer so einen, manchmal zwei Schüler, die besonders auffielen. Die sassen ganz vorne in der ersten Reihe. Die hatten so eine neutral gepflegte Erscheinung. Die hatten keine Freunde. Die hielten sich so wenig wie nur möglich in der Schule auf, lungerten nicht auf dem Schulhof herum. An irgend einem Sozialgeschehen in der Klasse (kontroverse Debatten, Rückfragen mit der Bitte um Erläuterung u.ä.) beteiligten sie sich nicht. Manchmal hatten sie auch ein dummes Gesicht, angeboren.

Ganz ehrlich… Ihnen ist jetzt gerade der eine oder andere Name aus Ihrer Schulzeit eingefallen… und wir wollen ja nicht hoffen, dass Sie selber das gewesen sind…

Ganz ehrlich… von mir auch? Wenn bei mir die persönlichen Verhältnisse intakt gewesen wären, dann wäre ich womöglich auch einer von denen gewesen.

Dann hätte ich geschaut, dass ich in so wenig Jahren wie möglich diese Schulscheisse (… oder Scheissschule?) herunterrattere. Dann hätte ich geschaut, dass ich in keinem Fach irgendwie in Schwierigkeiten gekommen wäre. Dann hätte ich mich möglichst wenig in dem Laden aufgehalten. Dann hätte ich mich möglichst nicht mit den Gesichtern abgegeben, denen man dort so über den Weg lief. Und in meiner Freizeit hätte ich die Dinge gemacht, die mir Freude machen.

Da hätte ich mich bemüht, dort nicht aufzufallen (… was natürlich auch nicht einfach ist…). Aber wenn ich mich um ein noch dümmeres Gesicht bemüht hätte als ich es eh schon habe, dann wäre mir vielleicht auch das geglückt.

Und dass ich bei den meisten meiner Mitschüler unbeliebt gewesen wäre, damit hätte ich gut gelebt. Unbeliebt, das bin ich ja wohl auch so gewesen.

WER WEISS…

Erinnern Sie sich noch an den Baron Guttenberg? So einer mit einem jugendlich-forschen Gesichtsausdruck und einem etwas schrägen Lächeln… so einer, der bei den deutschen Christdemokraten zuerst rasant Karriere machte… bis dann offenbar herauskam, dass er seine Doktorarbeit abgeschrieben hatte und er sein hohes Amt aufgeben musste.

Ob der Freiherr einer von den Schulstrebern war, wie ich in intakten Verhältnisse einer gewesen wäre… wer weiss…

Als er sich jedenfalls in Deutschland nicht halten konnte, war alles rund um die Verfertigung eigener akademischer Texte in aller Munde. Und irgendwann dann um diese Zeit, als das Thema heiss war, hat dann der Zürcher Tagesanzeiger über mich berichtet. Ueber mich, der immer mal wieder gewerblich Texte für andere verfasst.

http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Der-Ghostwriter-/story/27055107

Auch akademische Texte.

Zwar hat bewusster Freiherr keinen bezahlten Autor mit der Abfassung seiner Doktorarbeit betraut, sondern dem Vernehmen nach einfach nur bei anderen unerlaubt abgeschrieben. Also hatte das Ganze nicht allzu viel mit meiner Tätigkeit zu tun.

Aber, wie gesagt: Das Thema war heiss…

Der Bericht erschien dann auch auf der Homepage des “Tagi”. Und dort wurde er dann diskutiert…

… und zwar sehr kontrovers.

Natürlich habe ich die 57 Beiträge, die sich da mit mir und dem Bericht über mich befassten, nicht gelesen. Beim Ueberfliegen der verschiedenen Aussprüche muss ich dann aber doch wieder an die paar Streber aus der Schulzeit denken.

Denn da scheint mir, dass ein grosser Teil der Bemerkungen zu mir und meinem Gewerbe höchst empört und abschätzig ausfällt. Die Empörung kommt dabei wohl zu einem Teil von der Streberriege, die die ganze Schulscheisse tatsächlich so richtig satt für voll nimmt und die nicht einordnen kann, dass jemand dergleichen vielleicht auch zustandebringt, ohne sich nun heftig zu verbiegen und leckend in jedes Professorenarschloch zu kriechen.

Und natürlich ist das Wort vom “Betrug” nicht weit…

KEIN MORD…

Schauen Sie ab und zu “Tatort”?

Dass ist Ihnen sich auch schon einmal aufgefallen, dass die Taten, die da von den TV-Fahndern verfolgt werden, meistens keine Morde sind.

Da gibt es schlichte Notwehr, Totschlag, Körperverletzung mit Todesfolge, Nothilfe, Notwehrüberschreitung u.s.w. … das alles vielfach ohnehin fahrlässig, so dass eine Verurteilung wegen Mordes sowieso ausgeschlossen ist.

Und meistens frage ich mich am Ende vom TV-Krimi: “Warum führen die den jetzt ab? Weil sie die Polizei sind… und es so im Drehbuch steht?”

Und so ähnlich ist es mit dem Betrug auch.

Ein grosses Wort.

Und natürlich: Es ist am Ende vom Tag der Richter, der sagt, was was ist und was nicht.

http://textepollert.wordpress.com/2010/10/25/achim-h-pollert-das-richter...

Aber was Betrug ist (ebenso wie Mord), das steht zunächst einmal im Strafgesetzbuch. Und da steht wörtlich (Art. 146):

“Wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich
selbst oder einen andern am Vermögen schädigt, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft.”

Das also ist Betrug…

Dass jemand am Vermögen geschädigt wird, ist erste Voraussetzung.

Damit ist schon einmal das Gros der Dinge, die wir im Alltag so schnell Betrug nennen, von vorne herein ausgeschlossen. Um das populärste Beispiel zu nennen: Wenn meine Frau sich mit einem anderen Mann sexuell nach Herzenslust vergnügt, dann betrügt sie mich nicht.

Und bei so vielen anderen Dingen ist das ebenso, überall dort eben, wo mit der Täuschung kein Vermögensschaden verbunden ist. So schändlich einzelne Täuschungen auch sein mögen… von den ganz kleinen Wirtshauslügereien bis hin zu den ganz grossen Täuschungen der Weltgeschichte.

So kann es natürlich sein, dass etwa ein Vorgesetzter in der Berufswelt, der mich bei sich behalten will, wenn ich anderen Orts bereits die Zusage auf eine besser bezahlte Stelle mit besseren Perspektiven habe, sich sehr wohl des Betrugs schuldig macht, wenn er mir ernsthaft und glaubwürdig in Aussicht stellt, er werde mich in seinem Bereich gleich stellen, falls er von vorne herein nicht die Absicht hat, sich an dieses Versprechen zu halten.

Sie kennen Verschwörungstheorie von der Mondlandung… ? Demnach sind amerikanische Astronauten niemals auf dem Mond gewesen. Was wir so im TV gesehen haben, so die Theorie, war alles im Studio nachgestellt worden.

Indessen: Selbst wenn das so wäre. Selbst wenn die NASA mit gefälschtem Material Milliarden von Menschen getäuscht hätte. Selbst wenn die Astronauten, die wir auf so verschwommenen Schwarzweissbildern herumhüpfen sehen, begleitet von unverständlichem Funkgenuschel und Pfeiftönen, nicht auf dem Mond sondern in der Wüste von New Mexico gewesen wären. Dann wäre das wohl kein Betrug gewesen.

Verrückte Welt. Nicht wahr? Da begegnet jeder von uns bei jedem Mittagessen in der Kantine einem halben Dutzend Betrügern, die nett grüssen und ungestraft herumspringen, weil man das unter vier Augen gesprochene Wort nur schwer beweisen kann.

Und da hocken vielleicht irgendwo Leute herum, die allen Ernstes und mit vollem Vorsatz die Massen verarscht haben, die aber keine Betrüger sind, weil sie niemanden in seinem Vermögen geschädigt haben. (… übrigens: NATÜRLICH sind sie auf dem Mond gewesen…)

http://www.piazza.ch/inserat/10040771/ghostwriter_-_zuverlaessig_diskret_preiswert.html

ABSCHREIBEN!

Das Ganze hat etwas Kindisches.

Der Lehrer, der damals den einen oder anderen von uns Kleinen beim Abschreiben erwischte, redete auch immer gleich von Betrug. Das war geradezu ein geflügeltes Wort damals. Und überall wurde nämlicher Betrug auch gewittert.

Aber unter erwachsenen Menschen?

Ist es denn Betrug, wenn ich mir von meiner Sekretärin einen Brief verfassen lasse, den unterschreibe und nachher zum Empfänger sage: “Ich habe Dir geschrieben” ?

Ob der Kurt Furgler das nach ihm benannte Gesetz wohl selber formuliert hat? Immerhin war er ja Jurist mit Abschluss. Aber auch wenn der Text von einem Heer von Hofschranzen in einer Expertenkommission unter Anleitung eines Rechtsprofessors formuliert wurde… ist es dann Betrug, wenn allseits von der “Lex Furgler” die Rede ist?

Und wie ist es gar, wenn ich von mir selbst abschreibe? Wenn ich meiner neuen Flamme einen schönen erotischen Brief schreibe, den ich vor fünf Jahren schon meiner damaligen Angehechelten geschrieben hatte und damit – im wahrsten Sinne des Wortes – durchgekommen war. Ist es dann Betrug, wenn ich meine heutige Schönheit glauben lasse, ich hätte diesen herrlichen, sinnlichen, berauschenden Text eigens jetzt für sie verfasst?

Wir stellen fest: Wenn ich mir etwas schreiben lasse oder abschreibe und es dann als mein jetziges eigenes Werk ausgebe, dann kann das kaum als solches schon Betrug sein.

Schullehrer hin oder her: Abschreiben und es dann als etwas Eigenes ausgeben ist kein Betrug…

… solange der Abgeschriebene damit einverstanden ist, natürlich. (Genau das ist ja das Problem des Freiherrn mit dem jugendlichen Gesichtsausdruck gewesen.)

Niemand hat einen materiellen Schaden – also nichts von wegen Betrug.

Und so lässt sich auch kaum der Vorwurf halten, wer einen, sagen wir, Studenten bei seinem Abschluss ein wenig unterstützt und berät in Textfragen, der leiste Beihilfe zum Betrug.

Da wäre ohnehin eine grosse Zahl von Detailfragen zu klären. Wenn jemand sein Manuskript auf Tipp-, Rechtschreibungs- und Flüchtigkeitsfehler probelesen lässt.

Wenn jemand nicht deutscher Muttersprache ist und seine Formulierungen aufmöbeln und richtigstellen lässt. Wenn jemand berufstätig ist, nebenher studiert und sich Quellen und Literatur recherchieren und notieren lässt. Wo würde der Betrug dann eigentlich anfangen?

Es gibt den Verstoss gegen ein Regelwerk. Sozusagen Dinge, die sich unter Zugrundelegung dieses Regelwerks eben nicht gehören.

Man könnte auch sagen: Wer das emotional für Betrug hält, der offenbart ein wenig vom Entwicklungsstand seines Charakters. Der war ganz gut aufgehoben und angepasst dort vorne in der ersten Schulbank.

ABER SELBST WENN…

Das Ganze ist heiss und heikel.

Und natürlich: Was was ist, liegt beim Richter. Wenn der selber diesen Begriff vom Betrug im Bauch hat, dass könnte es in der ersten Instanz zunächst einmal eng werden – auch für mich.

Da müsste ich dann allenfalls auf den langen Marsch durch die Instanzen… was natürlich auch einen gewissen Unterhaltungswert mit Publikumswirkung hätte.

Aber selbst wenn es bei einem Richter, der einigermassen schräg drauf ist, als Strafdelikt eingestuft würde, sich bei der Abfassung von Texten – von welchen auch immer – unterstützen zu lassen, dann gibt es da zumindest im Schweizer Strafgesetzbuch noch das Wörtlein “arglistig”.

Für den Betrug reicht es nämlich nicht, jemandem einfach durch Täuschung einen Vermögensschaden zuzufügen. Vielmehr muss es sich um eine *arglistige” Täuschung gehandelt haben.

Das heisst im Klartext: Betrug liegt auch dann nicht vor, wenn der Betrogene durch einfache Prüfung hätte feststellen können, dass hier etwas faul ist. Wenn der Mann auf dem “Original-Manet” eine Swatch trägt. Oder wenn unter den ägyptischen “Original-Hieroglyphen” eine Micky Maus zu erkennen ist.

Dann liegt keine Arglist sondern eine plumpe Täuschung vor.

Und eine plumpe Täuschung erfüllt nun gar nicht den Tatbestand des Betrugs.

Das ist zugegebenermassen auch etwas pikant… wenn es um die Erstellung von Texten geht, die hinterher von einem besonders qualifizierten Experten geprüft werden.

Nicht wahr?

Wer also gar so laut – vorne in der ersten Reihe – “Betrug” schreit… der bestätigt dann ja auch die Arglist des Ganzen, dass also das Ganze so verfasst ist, dass der sachkundige Experte es nicht als Täuschung oder Fälschung erkennen konnte.

Da steckt explosiver Stoff drin.

Wer je bei einer Bank gearbeitet hat, weiss auch, dass dort manch ein Gauner unter den Angestellten die Bude um das eine oder andere Sümmlein erleichtert und damit durchkommt – weil die Bank nicht riskieren will, von einem Richter in einem öffentlichen Urteil bestätigt zu bekommen, dass sie  einer plumpen Täuschung aufgesessen ist.

Falls es diesen “Betrug” mit den Texten gibt… ja, dann heisst das ja wohl auch, dass es hier draussen Menschen gibt, die solche Texte so verfassen können, dass die sachkundigen Experten da drinnen sie nicht als “Fremdfertigung” erkennen *können*.

Nicht wahr… ?

“ABER WENIGSTENS…”

Je mehr man sich damit befasst, desto mehr also scheint sich dieser Vorwurf einer strafbaren Handlung in Wohlgefallen aufzulösen.

Desto mehr scheint die Empörung aus hochgradiger Angepasstheit an vorgegebene schulische Standards zu entspringen. Diese Form der Angepasstheit, unter der die Nichtbefolgung der Vorgaben ein schweres Verbrechen, wenn nicht gar eine Todsünde darstellt.

Macht man sie indessen mit den faktischen Erwägungen rund um ihre Einschätzung vertraut, dann folgt allerdings recht schnell (“… wenigstens das…”) der Meineid.

Jawohl!

Schliesslich steht in jeder akademischen Arbeit ja die “eidesstattliche Versicherung”. Und wenn einer die falsch abgibt, dann ist er doch wenigstens meineidig! (Haben Sie jetzt auch gerade das Bild vom hoch ausgestreckten Zeigefinger vor Augen…?)

Aber selbst da muss ich alle enttäuschen, die sich schon Hoffnungen gemacht haben, mich hinter Gittern zu sehen…

… eigentlich noch viel eindeutiger als beim Betrug…

Denn die durch Eid bekräftigte Falschaussage – der Meineid, die Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung – ist nur strafbar, wenn sie auch vor einer zur Entgegennahme von Eiden ermächtigten Instanz abgegeben wird.

Im schweizerischen Gesetz etwa wird im Art. 307 lediglich die eidliche Falschaussage in einem Gerichtsverfahren, einem Richter gegenüber, als strafbar erwähnt. Das deutsche Recht ist etwas ausführlicher – und wortreicher, wie üblich -, stellt aber materiell Aehnliches fest (§ 154 ff. StGB).

Das heisst: Was man jemand anderem gegenüber falsch versichert, ist wohl eine Lüge… gehört sich vielleicht auch nicht… aber strafbar ist es nicht. Egal als wie allmächtig und allwissend diese andere Instanz von manchem Zeitgenossen vielleicht auch angesehen wird…

Natürlich: Gerade in einer demokratischen, wohl auch in einer klientelpolitischen Gesellschaft ist es natürlich häufig so, dass ein bestimmtes Verhalten dann irgendwann auch strafrechtlich kodifiziert wird, wenn nur genügend Personen in der Gesellschaft dieses Verhalten als verwerflich ansehen.

Es könnte also irgendwann kommen, dass die Verwendung fremder Texte als eigene als Delikt strafbar wird – und dann ist der Ghostwriter möglicherweise wegen Gehilfenschaft, Mittäterschaft mit dran.

Aber dann wird es natürlich eng für so viele.

Für die Bankprokuristen, die die Texte ihrer Untergebenen als eigene ausgeben.

Für die Politiker, die die Texte ihrer Referenten und Beamten als eigene ausgeben.

Für die Professoren, die die Texte ihrer Studenten und Assistenten als eigene ausgeben.

… und für die Richter, die die Texte ihrer Justizpraktikanten als eigene ausgeben.

Wer weiss… wie viele Erstbänkler aus der Schule dann da in die Fänge von Staatsanwalt und Gericht geraten…

http://www.piazza.ch/inserat/10040771/ghostwriter_-_zuverlaessig_diskret_preiswert.html

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Ghostwriter Leseproben http://textepollert.wordpress.com :yahoo:

29.02.2012 13:22
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Profitexter hat am 29.02.2012

Profitexter hat am 29.02.2012 - 13:07 folgendes geschrieben:

Achim H. Pollert: Der Betrüger PollertABSCHREIBEN!

Das Ganze hat etwas Kindisches.

Der Lehrer, der damals den einen oder anderen von uns Kleinen beim Abschreiben erwischte,

Was tun, wenn Abschreiben ausdrücklich verboten ist und in der Buchhaltungsprüfung steht: schreiben sie degressiv ab .... Unknw

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin