Aufstieg und Abstieg der Schweiz

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02.03.2009 19:44
#1
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Aufstieg und Abstieg der Schweiz

http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarti...

Quote:

Der Aufstieg der Schweiz zu einer führenden Industrienation war atemberaubend. Und der Abstieg erschütternd.

NZZ Folio 11/05 - Thema: Schweizer Qualität

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03.03.2009 15:59
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Aufstieg und Abstieg der Schweiz

Bullish wrote:

CrashGuru wrote:
Heute überwiegt bei den Grossfirmen die Form der AG mit breit gestreutem Aktienbesitz. Die Chefs sind Angestellte (!) der Eigentümer = Aktionäre. Diese Chefs haben aber eine Macht, welche derjenigen eines Patrons (ich hoffe, dieser Begriff ist noch geläufig....) im alten Sinn gleich zu setzen ist OHNE auch nur im entferntesten das selbe Risiko zu tragen!

Eingentlich findet in den Konzernen das statt, was im Kommunismus stattgefunden hat. Plünderung durch die Kader. Aktionäre sind nicht Eigentümer, sondern Anleger, die sofort verkaufen können, wenn ihnen etwas nicht passt.

Wenn es nicht einen Block von sehr starken Aktionären=Eigentümern gibt, verludert eine Publikumsgesellschaft.

Nun, das trifft nur auf Kleinaktionäre zu, betr. Verkaufen wenn etwas nicht passt. Grossaktionäre (Investoren?) werden da nich so schnell reagieren (können), wollen sie nicht einen Zusammenbruch des Aktienkurses in Kauf nehmen. Bedeutet, dass sie auch im Schwitzkasten der CEO's und Konsorten sind. :twisted:

03.03.2009 05:55
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Aufstieg und Abstieg der Schweiz

CrashGuru wrote:

Heute überwiegt bei den Grossfirmen die Form der AG mit breit gestreutem Aktienbesitz. Die Chefs sind Angestellte (!) der Eigentümer = Aktionäre. Diese Chefs haben aber eine Macht, welche derjenigen eines Patrons (ich hoffe, dieser Begriff ist noch geläufig....) im alten Sinn gleich zu setzen ist OHNE auch nur im entferntesten das selbe Risiko zu tragen!

Eingentlich findet in den Konzernen das statt, was im Kommunismus stattgefunden hat. Plünderung durch die Kader. Aktionäre sind nicht Eigentümer, sondern Anleger, die sofort verkaufen können, wenn ihnen etwas nicht passt.

Wenn es nicht einen Block von sehr starken Aktionären=Eigentümern gibt, verludert eine Publikumsgesellschaft.

02.03.2009 23:09
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Aufstieg und Abstieg der Schweiz

tocino wrote:

hab mich lange gefragt, ob so etwas wie die schweizer "elite" uns diese riesenpleiten immer wieder herbeiführen, zwangläufig, als logische folge eines systems mit seinen weit verbreiteten werten. werte, die an universitäten, wohlgemerkt sehr angesehene (Bsp. HSG, ETH), vermittelt werden.

während meinem studium (FH) und beim zusammenarbeiten mit ETH und HSG absolventen fiel und fällt mir immer wieder auf, wie strikte erstens die aktuell "richtigen" betrachtungsweisen (bsp. finance, vwl, mathematik) propagiert werden, und zweitens, dass die leute, die so gut ausgebildet sind und eben die "elite" sozusagen repräsentieren, zu wenig individualität entwickeln. kritik am status quo wird zu wenig forum geschenkt.......

......mein schluss ist einfach und nicht auf die "elite" reduziert: der status quo ist eben solange gut, bis er nicht mehr gut ist. oder anders gesagt, kein schwein kümmert irgendetwas, bevor er nicht persönliche negative konsequenzen befürchtet, ausgehend von einem lebensstandard, wie wir ihn heute in der CH haben. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

Heute überwiegt bei den Grossfirmen die Form der AG mit breit gestreutem Aktienbesitz. Die Chefs sind Angestellte (!) der Eigentümer = Aktionäre. Diese Chefs haben aber eine Macht, welche derjenigen eines Patrons (ich hoffe, dieser Begriff ist noch geläufig....) im alten Sinn gleich zu setzen ist OHNE auch nur im entferntesten das selbe Risiko zu tragen!

Nun ist da aber auch noch der Karriereweg zu berücksichtigen. Wie Du sagst sind diese "Eliten" fast alle durch die Wirtschafts-Schmieden geschleust worden. Und dort wird der Mainstream gelehrt. Alternatives Denken wird zwar nicht unterdrückt, ist aber nicht als Zielsetzung vorhanden. Bestenfalls wird es benutzt um zu beweisen, dass es einige Wissenschafter gibt, welche unrecht haben....

Diese Kombination; an der Spitze mit fast unbegrenzter Macht und gleichzeitig dem Wissen der Denkweise der Mitbewerber (um den eignen Posten!), führt dazu, dass nichts Innovatives eine Chance hat. Die wichtigste Tätigkeit ist, keine Entscheide zu treffen, welche dem Mainstream entgegen stehen. Dafür wird viel Zeit aufgewendet. Und notfalls werden externe Berater mit teuren Aufträgen versorgt, mit dem Ziel einen mehrheitsfähigen Entscheid vorzubereiten, resp. Argumente dafür zu liefern.

Und da dieses System auf der obersten Etage so funktioniert, ist zu erwarten, dass es auf allen unteren ebenso läuft. Dies sind ja diese Mitbewerber.

Je weiter in der Hierarchie nach unten und je mehr aus der "Bürotätigkeit" in die Produktion, desto mehr findet man allerdings Innovation. Die ist aber heute meist nicht gern gesehen. Sie ist gefährlich. Sie könnte den eignen Posten gefährden. Also wird sie in geradezu innovativer Weise unterdrückt.

Diese Finanzkrise ist eigentlich eine Hierarchiekrise. Wie bekannt ist, haben verschiedene Mitarbeiter unterer Chargen vor den Klumpenrisiken gewarnte. Das Hypogeschäft in den USA wurde schon vor Jahren als unseriös eingestuft. Die Kreditkarten-Manie der US Bürger wurde durch agressive Werbung ausgelöst. Die Auswirkungen wurden mehrfach angemahnt. Die Verkäufe auf Kredit selbst unwichtigster Konsumgüter dito. Das alles war Gegenstand von warnender Stimmen. Wir haben die auch gehört und gesehen. Doch die Bosse in den Banken waren wohl nicht bereit aus dem Mainstream auszusteigen. Ein Rückgang beim "Gewinn" selbst nur in einem Segment undenkbar. Man wäre ja gegenüber andern Mitbewerbern sofort aus dem Geschäft.

Es zählt nur noch der kurzfristige eigene Erfolg. Und das Spiel ist risikolos. Sollte es schief gehen, wird der goldene Fallschirm genommen. Und die Connection wird schon wieder einen schönen Platz zum Zocken bringen. Dann geht das Spiel weiter.

02.03.2009 21:54
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Aufstieg und Abstieg der Schweiz

Ich glaube, einfach gesagt ist es gewissen Fällen nur Selbstüberschätzung.

Und in anderen gewissen Fällen, die sich

kreuzen können ist es dann noch Nestbeschmutzung.

Emil

02.03.2009 21:19
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Aufstieg und Abstieg der Schweiz

hab mich lange gefragt, ob so etwas wie die schweizer "elite" uns diese riesenpleiten immer wieder herbeiführen, zwangläufig, als logische folge eines systems mit seinen weit verbreiteten werten. werte, die an universitäten, wohlgemerkt sehr angesehene (Bsp. HSG, ETH), vermittelt werden.

was ist es also, das teufelszeugs, dass uns immer wieder vernichtet? Gier? Neid? kann wohl niemand sagen. gibt es systematische gründe?

während meinem studium (FH) und beim zusammenarbeiten mit ETH und HSG absolventen fiel und fällt mir immer wieder auf, wie strikte erstens die aktuell "richtigen" betrachtungsweisen (bsp. finance, vwl, mathematik) propagiert werden, und zweitens, dass die leute, die so gut ausgebildet sind und eben die "elite" sozusagen repräsentieren, zu wenig individualität entwickeln. kritik am status quo wird zu wenig forum geschenkt. viele dieser "eliten" finden nach dem studium richtige pools von gleichgesinnten (beratungsfirmen, revision, banken, versicherungen, etc..). da müssen sie erst mal unten durch und ja und amen sagen. up or out.

hat das etwas damit zu tun? ich bin mir sicher, aber nicht wieviel...

mein schluss ist einfach und nicht auf die "elite" reduziert: der status quo ist eben solange gut, bis er nicht mehr gut ist. oder anders gesagt, kein schwein kümmert irgendetwas, bevor er nicht persönliche negative konsequenzen befürchtet, ausgehend von einem lebensstandard, wie wir ihn heute in der CH haben. (Ausnahmen bestätigen die Regel)