Carbon Bubble

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06.08.2014 13:02
#1
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Carbon Bubble

Will die Menschheit die von Forschern prognostizierte globale Erwärmung begrenzen, muss sie ihren Energiehunger radikal anders stillen als bis anhin. Vielen Unternehmen und deren Anlegern droht ein Albtraum.

Was veranlasst die Schwedische Kirche, ihr rund 700 Mio. Fr. schweres Portfolio auf dessen CO2-Fussabdruck untersuchen zu lassen? Die Antwort lautet: Sie sieht ihre finanziellen Reserven von der «Carbon-Bubble» bedroht. Gemäss der dahinterstehenden Überlegung wird entweder die globale Erwärmung ihren Lauf nehmen mit verheerenden Folgen für grosse Teile der Welt und die dort Lebenden, oder die Menschheit muss ihr Verhalten radikal ändern. Letzteres hätte nicht zuletzt auch dramatische Konsequenzen für den Wert einer Vielzahl von Unternehmen.

Ambitionen statt Aktionen

Sollte sich die Staatengemeinschaft auf Massnahmen zur Eindämmung des globalen Temperaturanstiegs einigen, dürfte zur Limitierung der Treibhausgasemissionen ein Grossteil der vorhandenen fossilen Energiereserven nicht genutzt werden. Diese machen aber einen gewichtigen Teil der Vermögenswerte von Energiefirmen aus. Müssten die Vorkommen mehrheitlich in der Erde bleiben, würde bei den betroffenen Firmen eine Bewertungsblase platzen.

Dass dies noch nicht geschehen ist, liegt daran, dass es bisher weitgehend bei Absichtsbekundungen geblieben ist und konkrete Beschlüsse und Taten auf sich warten lassen. Bereits im Dezember 2010 haben sich die Teilnehmer der Uno-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún darauf verständigt, dass der globale Temperaturanstieg auf 2 °C begrenzt werden soll. Die von einer Reihe von Industrie- und Schwellenländern zugesicherten Reduktionen ihrer CO2-Emissionen liegen jedoch noch rund 40% unter dem als nötig erachteten Rückgang. Die Hoffnungen ruhen nun auf der Ende 2015 in Paris stattfindenden Klimakonferenz, an der konkrete Begrenzungen der Emissionsvolumen verabschiedet werden sollen.

Dass dies gelingt, wird von vielen Beobachtern wie dem Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux bezweifelt. Immerhin ist aber vor wenigen Tagen ein Treffen zur Uno-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) in Bonn zu Ende gegangen, an dem die Teilnehmerstaaten gefordert haben, bis Ende 2014 den Entwurf eines solchen Abkommens zu erarbeiten. Zudem haben kürzlich nach der Europäischen Union auch China und die USA signalisiert, bald verbindliche Angaben zu ihren Beiträgen zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu machen.

Um das Ziel einer Erderwärmung von höchstens 2 °C mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% zu erreichen, dürften nach Berechnungen der Nichtregierungsorganisation Carbon Tracker bis 2050 nur noch 900 Gigatonnen CO2 ausgestossen werden (vgl. Grafik). Tatsächlich sind bereits heute Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorkommen bekannt, deren Verbrennung zu einem Ausstoss von rund 2900 Gigatonnen führen würde. Rund ein Viertel dieser Vorkommen steht in den Bilanzen von kotierten Minenbetreibern wie Anglo American, BHP Billiton und Xstrata oder Erdöl- und -gasunternehmen wie BP, Exxon Mobil oder Petrobras. Würden diese einen proportionalen Anteil des «CO2-Budgets» in Höhe von 225 Gigatonnen aufbrauchen, dürften sie rund 70% ihrer Reserven nicht mehr fördern.

Verbranntes Geld statt Öl

Diese als gestrandete Vermögenswerte («Stranded Assets») bezeichneten Vorkommen wären damit quasi wertlos. Und nicht nur diese: Auch jeder zusätzlich in die Suche und Erschliessung neuer Vorkommen investierte Dollar hätte gute Chancen, als verbranntes Geld zu enden. Allein diese neuen Investitionen betragen derzeit jährlich gegen 700 Mrd. $. Nach Berechnungen der britischen Bank HSBC würde eine konsequente Umsetzung von Massnahmen zur Erreichung des 2-°C-Ziels den Wert der betroffenen Firmen um 40 bis 60% vermindern. Zusätzlich zu den Abschreibungen käme auf sie eine niedrigere Nachfrage und damit auch niedrigere Preise für ihre Produkte zu.

Die tatsächlichen Auswirkungen auf die einzelnen Branchen und Unternehmen würden jedoch stark differieren. Kepler Cheuvreux kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass die im Bereich der fossilen Energieträger tätigen Firmen in den nächsten 20 Jahren mit einem Erlösausfall von 28 Bio. $ rechnen müssten. Und obwohl Kohle das grösste CO2-Einsparpotenzial besitzt, kämen die höchsten Einbussen auf die Erdölindustrie zu. Für diese prognostizieren die Analytiker einen potenziellen Minderumsatz von 19,3 Bio. $, während er bei der Kohle- und Erdgasindustrie 4,9 Bio. $ und 4 Bio. $ ausmachen würde.

Besonders stark unter die Räder geraten würden dabei Firmen mit einem hohen Anteil an Vorkommen, deren Förderung aufwendig und damit auch teuer ist und die noch nicht entwickelt sind. Solche Vorkommen würden als Erstes stranden. Im Erdölbereich sind dies vorwiegend solche in der Tiefsee und der Arktis sowie Ölsande und Schieferöl. Unter den Akteuren mit den grössten absoluten Reserven, deren Förderung über 80 $ pro Fass kostet, finden sich bekannte Erdölfirmen (vgl. Tabelle), die sich auch in vielen Indizes und Anlagefonds befinden. Während der Anteil der besonders gefährdeten Vorkommen bei diesen in der Regel zwischen 20% und 30% liegt, umfasst er bei kleineren spezialisierten Unternehmen wie Teck Resources oder Rocksource deren gesamte Vorkommen.

Trotz der hohen Brisanz haben die meisten Anleger das Thema noch nicht auf ihren Radarschirm genommen. Auch die überwiegende Zahl der Analytiker berücksichtigen es nicht, sei es weil sie den politischen Willen als zu gering einschätzen, um in absehbarer Zeit die Rahmenbedingungen fundamental zu ändern, oder weil sie ein Stück weit der Argumentation der grossen Energiekonzerne folgen.

Diese sehen – wenig überraschend – die Analysen der Warner vor einer CO2-Blase als fehler- oder lückenhaft an. Mitte Mai hat Royal Dutch Shell verlautbart , die wachsende globale Nachfrage nach Energie werde unterschätzt, ebenso wie die positiven Auswirkungen von Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, die steigende Bedeutung von alternativen Energieträgern oder die Rolle von Technologien, die eines Tages die langfristige Speicherung von CO2 ermöglichen sollen.

Handeln statt warten

Dessen ungeachtet steigt die Zahl der Investoren, die die Problematik ernst nehmen. Im Oktober 2013 hat eine Gruppe von 70 Investoren, die insgesamt über 3 Bio. $ verwalten, von den 45 grössten Produzenten fossiler Energie Antworten auf die Frage gefordert, wie sie die mit der Carbon-Bubble verbundenen Risiken anpacken. Verschiedene Pensionskassen, Staatsfonds oder andere Institutionen, insbesondere aus dem skandinavischen Raum, haben inzwischen die Papiere der betroffenen Firmen aus ihren Portfolios verbannt oder beabsichtigen, dies zu tun.

Folgt man der Logik von Analytikern wie jenen von Kepler Cheuvreux, übertreffen langfristig gesehen – trotz allen Unsicherheiten und Unschärfen, die die genannten Prognosen besitzen – bei den tangierten Titeln die Risiken klar die Chancen. Selbst ein langfristig steigender Preis für fossile Energieträger wäre demnach eine Bedrohung für sie, da dann alternative Energieformen schnell an Attraktivität gewännen. Für institutionelle und private Anleger empfiehlt es sich, sich zumindest einen Überblick zu verschaffen, wie stark ihr Portfolio betroffen wäre. Neben den genannten Industrien sind auch Banken, die solche stark finanziert haben, oder Staaten, in denen viele solche Firmen angesiedelt sind, potenziell betroffen, wenn auch in der Regel in deutlich geringerem Masse.

Einzelne Vermögensverwalter wie die auf nachhaltige Anlagen spezialisierte Globalance haben die Carbon-Bubble-Thematik schon früh aufgegriffen. Die Zürcher Kantonalbank hat in ihren nachhaltigen Anlagefonds von jeher die Produzenten von fossilen Energien ausgeschlossen, und Asset-Manager wie Swisscanto oder RobecoSAM bieten Aktienfonds an, die auf Unternehmen setzen, die sie zu den Gewinnern des Klimawandels zählen.

http://www.nzz.ch/finanzen/droht-anlegern-der-co2-kollaps-1.18328041

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

09.12.2015 10:53
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Der Abschied vom fossilen Zeitalter beginnt

Zum Start des Klimagipfels zeigten sich die Staatsoberhäupter einig, dass das fossile Zeitalter zu Ende gehen müsse. Eine der Herausforderungen: Die Industrieländer müssen den Schwellenländern helfen, die eigenen Fehler nicht zu wiederholen.

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CO2 wird zum Risiko

Ein weiterer wirtschaftlicher Mechanismus entpuppt sich als gewaltiger Treiber: CO2 wird zum finanziellen Risikofaktor. Die Ausmaße zeigt eine aktuelle Studie, veröffentlicht vom Schweizer Bundesamt für Umwelt. Darin wurden die Risiken für den Schweizer Finanzplatz abgeschätzt, die mit Investitionen in CO2-intensive Unternehmen verbunden sind. Allein der Schweizer Aktienfondsmarkt finanziert im Ausland Emissionen von gut 52,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, was etwa dem Schweizer Ausstoss 2013 entspricht. Steigt der Preis von CO2, kostet das den Finanzplatz Milliarden. 

Diese Gefahr erkennen immer mehr Unternehmen und lassen die sogenannte Divestitionsbewegung wachsen. Vor wenigen Tagen hat das Versicherungsunternehmen Allianz angekündigt, keine auf Kohle basierten Geschäftsmodelle mehr zu finanzieren. Sie trennt sich nun von Aktien und Anlagen von Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes durch Kohleabbau generieren oder mehr als 30 Prozent ihrer Energie aus Kohle gewinnen.

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http://www.cleantech.ch/trend/news/2015/11/30/der-abschied-vom-fossilen-...

 

 

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21.10.2015 12:57
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«Carbon-Bubble» Klare Abkehr von fossilen Energien

Die Zahl der Investoren, die nicht mehr in Firmen investieren, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen, ist drastisch gestiegen. Hinter ihnen steht inzwischen eine stolze Summe.

Die Zahl der Investoren, die sich verpflichtet haben, ihre Gelder aus Firmen abzuziehen, die fossile Brennstoffe fördern oder vertreiben, hat jüngst stark zugenommen. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie der US-Beratungsgesellschaft Arabella Advisors verwalten diese Investoren insgesamt über 2,6 Bio. $. Wie es darin heisst, soll dieser Betrag innerhalb eines Jahres um das Fünfzigfache gestiegen sein.

Wurde die Desinvestitionsbewegung vor einem Jahr noch global von rund 200 Institutionen und 650 Privatpersonen getragen, so sind es nun 400 beziehungsweise 2000. Und seien 2014 noch mehrheitlich Stiftungen, Universitäten, Nichtregierungsorganisationen und kirchliche Organisationen hinter der Kampagne gestanden, sind 2015 grosse Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften hinzugekommen.

Das enorme Wachstum ist vor dem Hintergrund der im Dezember in Paris stattfindenden Weltklimakonferenz zu sehen. An dieser sollen die Teilnehmerstaaten verbindliche Klimaziele verabschieden. Sollte es zu solchen kommen, müssten konventionelle Energiefirmen einen Grossteil ihrer fossilen Vorkommen, die dann nicht mehr gefördert werden dürften, abschreiben. Dieses unter den Stichworten «Carbon-Bubble» und «Stranded Assets» besprochene Szenario wird inzwischen auch von vielen Analytikern als realistisch angesehen.

http://www.nzz.ch/finanzen/aktien/klare-abkehr-von-fossilen-energien-1.1...

 

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Benjamin Franklin

25.02.2015 17:00
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Swatch baut Batterie für Elektrofahrzeuge

Die Swatch Group und ihre Tochter Belenos Clean Power wollen zu einer der grössten Produzentinnen einer neuen Generation von Batterien weltweit werden.

http://www.cash.ch/news/top_news/swatch_baut_batterie_fuer_elektrofahrze...

 

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Benjamin Franklin

16.02.2015 13:46
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Auch in den USA geht es vorwärts

Wie weit die Entwicklung im Gebäudebereich ist, zeigt sich auch in den USA. Dort möchte die United States General Services Administration – ein Teil der US-Regierung und die grösste Gebäudebesitzerin der USA – neue Normen erlassen. Bis 2030 soll die Hälfte der Gebäude der US-Regierung einen «net-zero energy status» erreichen. Das heisst, dass die Gebäude mindestens so viel Energie pro Jahr durch erneuerbare Quellen produzieren müssen, wie sie in der gleichen Zeit verbrauchen. Diese Vorgabe gilt auch für historische Gebäude. Ein kürzlich renoviertes Verwaltungs- und Gerichtsgebäude in Grand Junction im Bundesstaat Colorado dürfte sie schon heute erfüllen.

Werden unsere Gebäude also mit hässlichen Solarpanels vollgekleistert? Laut Baumgartner haben die Hersteller bereits grosse Fortschritte gemacht. FotovoltaikPanels sind längst nicht immer blau, bereits gibt es schwarze Module, die bei Bauherren beliebt seien. Firmen wie etwa die Schweizer Meyer-Burger-Tochter 3S produzieren gebäudeintegrierte Solarsysteme – Elemente, mit denen Dächer oder Fassaden gebaut werden können.

Beim soeben in Angriff genommenen energieunabhängigen Mehrfamilienhaus in Brütten ZH sind die Solarzellen Teil der Fassaden- und Dachelemente. Und noch ist die Technik nicht ausgereizt. In Winterthur laufen bereits verschiedene Forschungsvorhaben – etwa der Versuch, Wandelemente vorzufabrizieren, die eine Fotovoltaikanlage, eine Gebäudedämmung und verschiedene technische Einrichtungen enthalten. Funktioniert dies, könnte man sich sein Solarhaus sozusagen im Stecksystem zusammenbauen.

Längerfristig wird damit laut Baumgartner immer weniger Strom durch das Netz fliessen. Werden eines Tages sogar noch Batterien konkurrenzfähig, wandelt sich das Stromnetz sozusagen zum Notstromaggregat – die Haushalte beziehen nur dann Strom, wenn ihre Anlage ausfällt. «Es ist darum sinnvoll, das Stromnetz auf dem heutigen Stand zu erhalten – nicht aber, es noch stark auszubauen.» Umgekehrt bringt es laut Baumgartner aber auch nichts, Häuser ganz vom Stromnetz abzukoppeln, denn «es ist extrem teuer, sicherzustellen, dass das eigene Haus auch bei einem längeren Notfall Strom hat».

Quelle Sonntagszeitung

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Benjamin Franklin

07.01.2015 19:14
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«Carbon Bubble» lässt Schweizer Pensionskassen kalt

Im Ausland machen sich viele institutionelle Investoren Gedanken, wie sich eine verschärfte Klimapolitik auf ihre Anlagen auswirken würde. In der Schweiz ist dies bis jetzt nicht der Fall.

Manchmal scheint es, als sei die Schweiz doch eine Insel, auf der man sich von den anderswo teilweise hitzig geführten Diskussionen hin und wieder etwas abschotten kann. Was im Einzelfall nachvollziehbar sein mag, wirkt eher befremdlich, wenn es um Risiken bei Finanzanlagen geht, in die Milliardenbeträge investiert sind. Dies trifft zu auf die Diskussion um die sogenannte CO2-Blase («carbon bubble») und grosse Vermögenswerte, die wertlos zu werden drohen («stranded assets»).

Intensivierte Diskussion

Diese Debatte wurde 2011 durch die Nichtregierungsorganisation Carbon Tracker intensiviert. Sie rechnet Investoren seither vor, was es für im Bereich fossiler Energien tätige Firmen bedeutet, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad seit Beginn der Industrialisierung begrenzt werden soll. Diese Argumentationslinie wurde inzwischen durch andere Analytiker wie die des Research-Anbieters Kepler Cheuvreux oder der Bank HSBC unterstützt.

Da zur Erreichung dieses Ziels der CO2-Ausstoss bis 2050 massiv reduziert werden muss, dürfte ein grosser Teil der Vorkommen an Erdöl, -gas und Kohle nicht gefördert werden. Energiefirmen, in deren Bilanzen diese stehen, müssten Milliardenbeträge abschreiben. Zudem würde die gedrosselte Nachfrage nach fossilen Brennstoffen deren Preise drücken, was die schon heute nicht mehr fürstlichen Margen der Energieunternehmen weiter schrumpfen liesse.

Vom Markt bis jetzt ignoriert

Einig ist sich die Mehrheit der Analytiker, dass sowohl die Preise der fossilen Energieträger als auch die Aktienkurse der betroffenen Firmen dieses Szenario nicht reflektieren. Die Märkte setzen vielmehr darauf, dass es nicht eintreten wird und die Energiefirmen ihre Reserven wie geplant fördern und profitabel verkaufen werden. Die Zahl der Investoren nimmt jedoch zu, die die Gefahr ernst nehmen und bereits Massnahmen dagegen ergriffen haben.

Vom Dialog bis zur Desinvestition

Diese reichen von einem Dialog mit Energiefirmen zu den Strategien, mit denen sie der Herausforderung begegnen wollen, über eine Untergewichtung der Wertpapiere bis zu deren Ausschluss aus dem Portfolio. Zu den Investoren, die Energietitel teilweise oder gänzlich aus ihren Anlagen verbannt haben, zählen Stiftungen wie die Rockefeller Foundation (die ein einst mit Erdöl verdientes Vermögen verwaltet), Universitäten wie Stanford oder Staatsfonds wie AP2 in Schweden.

Aber auch die Zahl der Pensionskassen wächst, die sich zu diesem Schritt entschlossen haben. Jüngst kündigte der grösste norwegische Pensionsfonds, KLP, an, Gelder aus Firmen zurückzuziehen, die ihre Erträge mehrheitlich mit Kohle erzielen. Bei Titeln von Erdöl- und -gasfirmen unterliess KLP den Schritt dagegen, weil man befürchtet, dass dies sogar künftige Renditen beeinträchtigen könnte. Die französische Pensionskasse Erafp hatte bereits zuvor mitgeteilt, den Anteil von Investments, die einen grossen «CO2-Fussabdruck» verursachen, zu senken. Begründet werden die Massnahmen meist mit der Absicht, die für Dritte verwalteten Gelder vor Finanzrisiken schützen zu wollen.

Schweizer Institutionelle noch passiv

In der Schweiz ist die Diskussion um die CO2-Blase bei institutionellen Investoren noch nicht angekommen. Einzelne wie die Nest-Sammelstiftung haben die Papiere von Firmen aus dem Bereich fossiler Energien seit je gemieden und sind von der Thematik nicht betroffen. Bei der grossen Mehrheit der Investoren, in deren Portfolios diese ein wichtiger Teil der Aktienanlagen sind (im Weltindex MSCI World machen sie 10% aus), hat sie bisher wenig bewegt.

Von der NZZ befragte Anbieter wie Notenstein, RobecoSAM, Swisscanto oder ZKB spüren keine erhöhte Nachfrage nach Lösungen, die die Problematik berücksichtigen. Zudem scheint es nur wenige Investoren zu interessieren, wie stark ihr Portfolio davon betroffen wäre. Dies deckt sich auch mit der Beobachtung, dass bisher kein Schweizer Investor dem Montreal Carbon Pledge beigetreten ist. In diesem haben sich bis jetzt 20 Firmen mit verwalteten Vermögen von mehreren hundert Milliarden Franken dazu verpflichtet, den «CO2-Fussabdruck» ihrer Portfolios zu messen und zu veröffentlichen.

Initiative von Versicherten

Nicht immer kommt die Initiative für ein Handeln von den Investoren selbst. In Dänemark etwa wurde der Pensionsfonds Unipension von Mitgliedern aufgefordert, Anlagen in fossile Energie abzubauen. Auch davon ist man hierzulande wohl noch weit entfernt.

http://www.nzz.ch/finanzen/carbon-bubble-laesst-schweizer-pensionskassen...

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Benjamin Franklin

04.09.2014 11:32
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Schweizer Start-up will Kraftstoff revolutionieren

Eine kleine Schweizer Firma hat ein Gerät entwickelt, das CO2 in neuen Treibstoff umwandeln kann. Nun erhält das Start-up Unterstützung von einem grossen Automobilhersteller.

Es hört sich an wie die Lösung aller Klimaprobleme: Ein Gerät saugt CO2 aus der Luft und wandelt dieses so um, dass man daraus wiederum neue Treibstoffe wie Diesel, Benzin oder Methan herstellen kann – durch deren Verbrennung wiederum CO2 entsteht.

Das Schweizer Start-up Climeworks hat mit dem CO2-Kollektor eine Maschine entwickelt, die genau das kann. Sie sieht ein bisschen aus wie ein übergrosser Fotoapparat. Acht dieser Kollektoren bilden dann ein Modul, das so gross ist wie ein Schiffscontainer und überall aufgestellt werden kann.

Nun hat Climeworks mit seinem Projekt «den wichtigsten Meilenstein seit der Gründung 2009 erreicht», so Climeworks-Gründer und CEO Christoph Gebald. Das an der ETH Zürich entstandene Unternehmen hat als Kooperationspartner den deutschen Automobilhersteller Audi an Bord geholt, wie an der Konferenz Swiss Energy and Climate Summit in Bern bekannt wurde.

Investitionen und Know-how

Man wolle Climeworks mit signifikanten Investitionen und industriellem Know-how unterstützen, heisst es von Audi. Das Ziel sei, die Kollektoren zur Grossserien-Reife zu bringen. Das ist allerdings noch ein weit entferntes Ziel: «Kurzfristig kostet es zu viel für den Markt», so Gebald. Langfristig seien Kosten von etwa 100 Franken pro Tonne Kohlendioxid zu erwarten – bei 1000 Tonnen, die ein Modul jährlich verarbeite, seien es also Kosten von einer Million Franken pro Jahr.

Finanziert hat sich Climeworks bisher mit Geldern von Einzelinvestoren, aber auch von Unternehmen wie etwa der ZKB. Ausserdem habe man auch offizielle Fördergelder vom Bund und Preisgelder erhalten, erklärt Gebald.

Das erste industriell gefertigte Modul soll 2015 in einer Anlage von Audi integriert werden, die synthetische Treibstoffe herstellt. Man halte die Anlage für vielversprechend, weil sie keine Konkurrenz für die Nahrungsmittelindustrie darstelle. Viele alternative Treibstoffe werden etwa aus Mais oder Zucker hergestellt.« Ausserdem würden mit den Kollektoren die Gewohnheiten der Menschen nicht zu sehr strapaziert, da keine Extra-Anschaffungen wie Aufladestationen nötig wären», erklärt Hagen Seifert, der bei Audi für die Klimaneutralität zuständig ist. Gleichzeitig wolle man zeigen, dass eine CO2-neutrale Mobilität auch ohne Elektroautos möglich sein kann.

http://www.20min.ch/finance/news/story/Schweizer-Start-up-will-Kraftstof...

 

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