Deflation oder Inflation?

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Fine-Tuner
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Deflation oder Inflation?

Aktuell sind wir in einer Deflationsspirale (Deflation im Sinne von Entwertung/Wertminderung).

Das Geschreie um die Gelddruckerei ist doch Unsinn....oder hat von Euch jemand letztlich einen Check von der Natibank erhalten?...ich leider auch nicht, (obwohl's bei mir vermutlich besser aufgehoben wäre, als bei ........)

Diese Ausweitung der (Buch)Geldmenge dient einzig zur Sanierung unseren kranken Wirtschaft, das heisst zur Deckung von VERLUSTEN!!

Die ganzen Milliarden decken lediglich Verluste und sind in keiner Weise NACHFRAGEWIRKSAM!!!!! Im Gegenteil, die KAUFKRAFT der Leute sinkt (steigende Arebitslosogkeit etc.), was die Deflation weiter anheitzt. Im Gegensatz zu Inflation ist Deflation (zumindest für Industriegüter) begrenzt; nämlich dann, wenn die Selbstkosten nicht mehr gedeckt sind, dann wird einfach nicht mehr produziert....was zu noch mehr Arbeitslosigkeit führt ..und so weiter und so weiter.

Dass die Banken, die die ganze Misere verschuldet haben, in einem solchen Umfeld vor lauter Scham grosszügig Kredite gewähren, ist doch Wunschdenken!!!!!!!. Die lassen uns voll durchhängen (credit crunch)...die haben doch alle selbst die Hosen bis oben voll. "Nur kein Kredit ist ein guter Kredit".

Wie soll in einem solchen Umfeld je Inflation entstehen können? Woher soll die Nachfrage kommen?

Durch nette Versuche wie "Verschrottungsprämien" für Autos oder was? Das ist doch reines sändelen.

Wenn wir die Kaufkraft nicht schnell und massiv erhöhen und die Deflationsspirale stopen (von Inflation wage ich gar nicht zu sprechen), geht die schöne "globale Wirtschaft" brutal den Bach ab.

In Japan hat der NIKKEI Index seit seinen Höchstständen in den Neunziger Jahren rund 80% seines Wertes verloren (Deflation in Reinkultur). Ich befürchte, dass uns ähnliches bevorsteht.

Fine-Tuner

ecoego.
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Deflation oder Inflation?

Good points – aber ich hab keine klare Meinung. Etwas verwirrt.

Vielleicht Hyperdeflation?

Also wenn alle ihre Rechnungen, ihre Hypotheken, Anleihen nicht mehr bezahlen und Uncle Staat kreiert Geld und pumpt es als last lender in die Wirtschaft rein damit die Verluste gedeckt, die Lieferanten, die Banken nicht pleite gehen, die Loehne bezahlt werden, dann ist das wohl kurzfristig ok aber das Vertrauen in die fiat Geldscheine, der perceived Wert, sinkt rapide auf Null.

Es wird dann schnell mal einfach alles still stehen. Economy in suspended animation. Keine Bank gibt Kredit, keine Fabrik fabriziert mehr, kein Bauer verkauft Getreide, kein Baecker backt gegen Geld. Also Geld wird einfach wertlos, disregarded, niemand akzeptierts mehr. Jeder hortet Sachwerte.

In der ersten Erholungsphase, post Ground Zero Economy, wird der Tauschhandel aufbluehen (Benzin gegen Brot, Kaffee gegen Reis, sogar Zigaretten gegen Medikamente usw. Goldmuenzen sind da meiner Meinung nach nicht so ideal: Die koennen auch gefaelscht sein. Und direkt konsumieren, gebrauchen kann man sie auch nicht).

Zweite Phase Waehrungsreform. Alle Schulden und Guthaben ausradiert. Niemand hat nix mehr ausser Wertpapiere, Sachwerte of dubious value, wenn nicht konfisziert (Edelmetalle, Schmuck etc. ?). Jeder bekommt ein Paar neue Geldscheine. That s it.

Dritte Phase: Survival of the fittest. Arbeit und Traden, gerecht und korrupt. Wiederauferstehung von Industrie, Handel und Banken, Reiche und Arme.

Oder so in etwa das scenario – plus on the way alle die Extras die dazu gehoeren: Unruhen, Military, extreme Politiker, Almosen, Killer- und Aasgeier, auch selbstlose, helfende Menschen.

Also irgendwie ein Situation die man besser vermeiden sollte, so gut es geht. Ist der trigger Inflation oder Deflation? Ich weiss es immer noch nicht. Immer noch verwirrt.

bye

Pers Meinung, e & o moeglich

Bullish
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Deflation oder Inflation?

Ausgangslage:

Wachstum steht still oder geht zurück. Neuverschuldung ist auf dem "normalen" Weg nicht möglich. Schulden sind nicht mehr gedeckt, eine Deflationsspirale könnte ausgelöst werden (wird schon).

Momentan wird auf Zeit gespielt, die meisten Gelder sind doch bloss Garantien oder Papiere werden zu überhöhten Preisen ausgelagert (wie die Vorposter auch sagten).

Ein Zusammenbruch der Banken wird momentan noch verhindert.

WER SICH ZUERST BEWEGT, HAT VERLOREN. AUCH POLITISCH.

Eine Deflationsspirale hätte massiv Pleiten zur Folge, die Great Depression soll in den USA verhindert werden. Die Folgen, der sogenannt "harten Politik" sind bekannt.

Politisch würde ein Zulassen solcher Pleiten auch zum Bankrott führen. Deshalb kann ich nicht recht an die Game Over Defla glauben.

Eine Hyperinflation ist politisch eher zu erwarten, Demokratien brauchen Stimmbürger, Stimmbürger wählen Politiker, "die etwas machen". Machen kostet. Viel.

Es wird schnell gehen. Fangen die Notenbanken damit an, Staatspapiere aufzukaufen, geht es los. Die werden es nicht direkt machen, ist auch illegal. Aber wenn die Geschäftsbanken nur noch auf Staatshilfe bauen können, werden die Staatspapiere aufkaufen und an die Notenbanken liefern. Moral hazard, oder nicht?

Status Quo. Wie mein Vorposter irgendwie auch schreibt, soll der Status Quo gehalten werden. Ab und zu eine Pleite. Ab und zu einen Banker an die Wand stellen. Das Vertrauen aufrecht erhalten. Hoffen, dass sich irgendwie eine Lösung ergibt. Aber aufpassen, dass nicht irgendwo eine Leine reisst. Das würde ein langsames Absinken der Märkte bedeuten. Ein langsamer Niedergang des Lebensstandarts. Eine "Lange Depression".

Man glaubt, die "Schrottpapiere" alle irgendwohin auslagern zu können. Der Begriff ist natürlich falsch, er suggeriert dem Bürger, es gäbe eine klar erkennbare Menge von schlechten Werten. Deshalb begreifen die Bürger auch nicht, weshalb immer mehr dazu kommt. Die verstehen die Kaskade nicht.

Irgenwann muss aber etwas passieren, nach Plan wäre dies wohl eine internationale Grossaktion, in der einige Banken - man wird sie systemisch irrelevante nennen - fallengelassen würden. Wäre das dann Defla? Eine Defla mit hoher Staatsverschuldung wäre aber der Staatsbankrott.

Ausweglos. Wenn die Sache ohne grosses Blutvergiessen über die Bühne geht, ohne Repression, dann wäre den Politikern zu gratulieren.

Fine-Tuner
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Deflation oder Inflation?

Die Natibank hat den Tarif durchgegben. Sie fürchtet sich vor einer Deflation wie der Teufel das Weihwasser und versucht, mit bescheidenem Erfolg, sogar Inflation zu importieren, indem sie beginnt CHF gegen Euros zu verkaufen.

Dass der CHF trotzdem so stark ist, zeigt, dass das Vertrauen in die CH weiterhin ungebrochen ist. Schön, aber je stärker der CHF desto stärker die Deflationstendenzen in der CH. Deflation führt immer zu steigender Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit ist somit der Preis für eine starke Währung. Mal schaun ob die Natibank diesen gordischen Knoten lösen kann. Wenn sie nämlich zu viel Gegensteuer gibt, kann's die CH bös aus der Bahn werfen.

Good luck Natibank

Fine-Tuner

scaphilo
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Deflation oder Inflation?

Fine-Tuner wrote:

Schön, aber je stärker der CHF desto stärker die Deflationstendenzen in der CH. Deflation führt immer zu steigender Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit ist somit der Preis für eine starke Währung.

Absolut interessante Aussage ... die würde sich lohnen zu diskutieren. Deflation heisst nicht unbedingt steigende Arbeitslosigkeit. Das heisst es nur in einem überverschuldeten System. Da wir uns in einem überverschuldeten System befinden kann also niemand mehr eine Deflation zulassen. Wir haben den Punkt ca. 2000 überschritten an dem man eine Deflation hätte zulassen können.

Übrigens Deflation ist was grandioses für die die was gespart haben und etwas schreckliches für die die Schulden gemacht haben. (Was will man jetzt unterstützen die Schuldner oder die Gläubiger) Was wäre moralisch korrekter?

Naja aber ist eh Wurst die Sparer werden einen Weg finden ihr Geld zu sparen ohne dass es an Wert verliert :twisted: Den letzten Pseudo - Ich habe Geld - Sparer - auf dem Bankkonto beissen die Hunde ...

buy Gold

scaphilo
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Deflation oder Inflation?

Bullish wrote:

Ausweglos. Wenn die Sache ohne grosses Blutvergiessen über die Bühne geht, ohne Repression, dann wäre den Politikern zu gratulieren.

Seh ich auch so, aber hoffen tu ich natürlich trotzdem noch drauf.

Bullish
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Deflation oder Inflation?

scaphilo wrote:

Übrigens Deflation ist was grandioses für die die was gespart haben und etwas schreckliches für die die Schulden gemacht haben. (Was will man jetzt unterstützen die Schuldner oder die Gläubiger) Was wäre moralisch korrekter?

Genau. Mit einer Deflation könnte Opa schön für den Ruhestand sparen, und fällt dabei noch die Besteuerung des Eigenmietwerts dahin, dann lebt es sich gut und billig. Stellt man sich noch die Grossfamilie vor - dann hallo Paradies Wink

... und der Weg führt sofort wieder zu den Banken und Versicherungen und ihren Lobbyisten ...

MarcusFabian
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Re: Deflation oder Inflation?

Fine-Tuner wrote:

Wie soll in einem solchen Umfeld je Inflation entstehen können? Woher soll die Nachfrage kommen?

Seit wann hat Inflation was mit Nachfrage zu tun?

Inflation ist per Definition einen Ausweitung der Geldmenge. Und genau das haben wir.

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

Fine-Tuner wrote:

je stärker der CHF desto stärker die Deflationstendenzen in der CH. Deflation führt immer zu steigender Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit ist somit der Preis für eine starke Währung.

Glaubst Du das wirklich?

Ok, gucken wir mal in der Vergangenheit:

Länder mit starker Währung: Schweiz, Kanada, Schweden, Malaysia --> haben tierisch hohe Arbeitslosigkeit.

Länder mit Schwacher Währung: Mexico, Argentinien, Simbabwe -> Haben kaum Arbeitslosigkeit.

Stimmt das???

masin
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Deflation oder Inflation?

Unter anderem ist das Zusammenspiel vom Preiszerfall der rückläufige Löhne nach sich zieht das gefährliche an einer Deflation, dass Problem ist, dass zuerst die Preise sinken und daraufhin die Löhne und wenn dann wieder die Preise steigen leben wir am oder unter dem Existenzminimum bis dann die Löhne wieder anziehen.

Während dem Preiszerfall warten die Konsumenten auf noch tiefere Preise und die Firmen gehen Pleite.

Arbeitslose gibt es in jeder Wirtschaftskrise und die Zahlen mit Drittweltländern zu vergleichen sehe ich als naiv, denn die Zahlen lassen sich nicht einmal Europaweit eins zu eins vergleichen da alle etwas anderes als Arbeitslos ansehen, ab wann ist jemand arbeitslos, z.Bsp. Gilt 1 Monat aufgrund eines Stellenwechsels schon als arbeitslos? Wie lange gilt ein Arbeitsloser als solcher? Wie hoch ist die Sockelarbeitslosigkeit? Der Massstab ist sehr unterschiedlich.

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

masin wrote:

dass Problem ist, dass zuerst die Preise sinken und daraufhin die Löhne

Was Du hier beschreibst ist die klassische deflationäre Depression und die setzt voraus, dass Geld knapp und somit wertvoll ist.

Ist es aber nicht: Geld wird nämlich wie blöd gedruckt. Das geht heute in einem fiat-money System auch problemlos. Es gibt ja keinerlei Schranken.

Deshalb werden wir auch keine Deflation bekommen sondern eine ausgewachsene Währungskrise.

Was jetzt schlimmer ist, darüber kann man streiten.

masin
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Deflation oder Inflation?

Meiner Meinung nach, ist der Ursprung einer Deflation oder Inflation nur so lange von Bedeutung wie sie bekämpft werden kann, wenn das eine oder andere da ist, sind sie mehr oder weniger immer klassisch.

Solange das Problem zuviel oder zuwenig Geld ist, lässt es sich mit Finanzpolitik lösen.

Doch das Problem der Deflation ist nicht zuwenig Geld, sondern zu viele Güter die von irgend Jemandem finanziert wurden und jetzt keinen Enduser finden, dieses Problem lässt sich, wenn es da ist nicht mehr nur mit Finanzpolitik lösen, denn nicht die Geldmenge stimmt nicht, sondern der Geld-Güterfluss funktioniert nicht mehr. Der Preiszerfall und die Panik ängstigen und verunsichert die Konsumenten und lässt sie noch tiefere Preise abwarten. Da sich keine Käufer mehr finden gibt es Zwangsversteigerungen an denen die Güter weit unter Herstellungswert gehandelt werden, es lohnt sich nicht mehr herzustellen, also haben wir am ende zuwenig Güter und was ist dann das Geld noch wert?

Die Gradwanderung zwischen, mit Fiat-Money eine befürchtete Kreditdeflation zu bekämpfen und dabei in eine Inflation zu schlittern ist sehr schwer.

Durch die Globalisierung baden alle den anderen ihre Fehltritte aus, naja hoffentlich haben alle Staatsoberhäupter gute, behutsame Berater und hören auf sie.

Also liebe Staatsoberhäupter, gebt das Geld denen die es ausgeben würden, nicht denen die es sparen oder eh nicht mehr wissen wohin damit. Mit mehr Familienunterstützung, längeren Arbeitslosen-Tagegeldern, grosszügigeren Sozialunterstützungen kommt es über den Markt wieder in euere Taschen.

Ich allerdings glaube nicht an eine Deflation sondern, dass eine noch nie da gewesene Inflation die enormen Staatsschulenden dezimieren muss und unsere Wohlstands- Wegwerfgesellschaft wieder ein bisschen zurückbuchstabieren muss.

Nicht alles kann man mit Geld kaufen oder damit in Ordnung bringen.

Alles nur meine persönliche Meinung.

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

Wir sind uns somit einig, dass es besser wäre, die staatlichen Gelder den Konsumenten zukommen zu lassen und sie nicht in das bodenlose Fass der Banken zu stecken. Dennoch: Auch die Konsumenten sparen. Und das ist ja auch richtig so, denn die Amis (und um die geht's ja) sind hoch verschuldet und wer jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt hat, muss nun zurückkrebsen.

Also wird auch der Konsument von zusätzlichen $100 nur vielleicht 20 oder 30 mehr verkonsumieren und den Löwenanteil zur Deckung seiner Schulden verwenden. Das macht aus seiner Sicht auch durchaus Sinn und er wird es so lange tun, bis seine Schulden bezahlt sind und er ein kleines Polster an Sparkapital hat.

Die Betrachtung der Schulden und des Sparens alleine ist aber nur eine Seite der Medallie. Denn jedes Geld ist ja Kredit. Jeder Schuld steht ein Vermögen in gleicher Höhe gegenüber. Also müssen wir uns auch fragen, wie sich die Gläubiger verhalten!

Wenn Du mir Fr. 1000 geliehen hast und ich die nun trotz meiner schlimmen finanziellen Lage zurückzahle, dann bist Du erst mal erleichtert. Die Frage ist aber, was Du mit diesem Geld machst, das Du gedanklich schon fast abgeschrieben hast:

Das heisst: Das Geld fliesst nicht in ein schwarzes Loch sondern es fliesst in die Kasse von jemandem und dieser jemand wird mit dem Geld irgend etwas unternehmen.

Die Frage ist allerdings, wird dieses Geld inflationär wirken oder nicht!

Grob gesagt bezahlen Amis ihre Schulden bei Chinesen. Die Chinesen verkonsumieren das Geld aber nicht in den USA. Die Konjunktur wird dort nicht angekurbelt. Amerika blutet aus und China ersäuft in Dollars.

Was machen die Chinesen mit den Dollars? Sie kaufen noch weitere US-Schulden auf (Treasuries) und so haben wir einen Kreislauf wonach Schulden von Banken und Privaten durch Schulden des Staates ersetzt werden. Ein Nullsummenspiel, wäre da nicht der Zins.

Die Chinesen kaufen auch Rohstoffe bzw. vorzugsweise entsprechende Minen. In Zaire und Mali bauen die Chinesen die ganze Infrastruktur auf. Inklusive 6000 km Eisenbahnlinien. Aber all diese Investitionen helfen nicht den USA, nicht Europa sondern Afrika.

Wiederum vereinfacht, indem wir China weglassen: Geld fliesst aus USA nach Afrika.

Nach der klassischen Deflation wird Geld also in den USA knapp. Hätten die USA einen Goldstandard wie 1929 würde effektiv Gold das Land verlassen. Die Geldmenge würde sich veringern. Geld würde knapp und entsprechend die Preise aller Waren und Dienstleistungen sinken.

Aber - und das scheint mir der springende Punkt - wir haben eben keinen Goldstandard. Geld kann gar nicht knapp werden, weil es in beliebigen Mengen gedruckt werden kann. Und genau das passiert: Die FED muss nur darauf achten, dass sie soviele neue Dollars druckt wie das Land verlassen und die Geldmenge bleibt innerhalb der USA konstant. Im Moment wird zwar noch mehr Geld vernichtet als neues nachgedruckt wird und deshalb haben wir sinkende Preise. Aber spätestens wenn sich die Immobilienpreise wieder stabilisieren, wird die Deflation gebremst und die Geldmenge steigt auch in den USA wieder.

Global steigt die Dollarmenge aber bereits jetzt. Die Welt ersäuft in Dollars!

Also, was haben wir: Die Amis bieten ihre Waren günstiger an, weil sie ihre Dollars zurückhaben wollen und die Welt versinkt in Dollars. Es ist deshalb nur eine Frage der Zeit, bis die Welt in den USA auf Shopping-Tour gehen wird. Im Fokus dürften wohl gute Unternehmen sein. Was spricht dagegen, dass die Chinesen ganze Landstriche aufkaufen und die US-Farmer dann ihr eigenes Land von den Chinesen pachten?

Politisch spricht so einiges dagegen. Deshalb werden die Amis ihre Assets auch nicht so billig abgeben. Wenn sie nicht als Arbeitssklaven der Chinesen enden wollen bis die Schulden bezahlt sind und sie ihr Land zurückkaufen können, bleibt ihnen fast keine andere Wahl als den Dollar zu entwerten und somit auch ihre Schulden.

Deflation wird also - wenn überhaupt - nur recht kurz wirken. Bisher zeigt die Deflation ihr freundliches Gesicht: Wir profitieren von billigerem Benzin, haben aber den gleichen Lohn wie letztes Jahr.

Bullish
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Deflation oder Inflation?

MarcusFabian wrote:

Wenn sie nicht als Arbeitssklaven der Chinesen enden wollen bis die Schulden bezahlt sind und sie ihr Land zurückkaufen können, bleibt ihnen fast keine andere Wahl als den Dollar zu entwerten und somit auch ihre Schulden.

IMO ist das der absolute Angelpunkt der Krise. Die Amis haben Schulden, aber in ihrer eigenen Währung. Sie können diese Schulden jederzeit bezahlen, wenn sie nur wollen. Aber tun sie es in einem grossen Umfang, dann ZIEHEN SIE DEN JOKER.

Die Welt würde den USD nicht mehr als Weltleitwährung akzeptieren. Damit würden die USA eine Gans schlachten, die Goldene Eier legt. Sogar ein Dummkopf müsste erkennen, dass dies ein verhängnisvoller Fehler wäre - das Ende der Vormachtstellung der USA.

Wer würde profitieren? China.

Man muss begreifen, dass das Recht USD zu drucken, ein gewaltiges Recht ist. Ein Recht, um das Kriege geführt würden. Wer das nicht begreift, kann diese Krise nicht begreifen. Aber endlich begreifen auch unsere Politiker, dass wir uns in einem Wirtschaftskrieg befinden. Der Feind ist aber nicht Deutschland.

Tip: Etwas mehr über China lernen

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/9602?inPopup=true

Dann "boxeraufstand" suchen

reckefoller
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Deflation oder Inflation?

hat hier jemand zufällig eine dollarpresse zu verkaufen? nehme auch guterhaltene occasionen in druckfähigem zustand gerne entgegen. zahle bar in ch franken. :mrgreen:

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

reckefoller wrote:

hat hier jemand zufällig eine dollarpresse zu verkaufen? nehme auch guterhaltene occasionen in druckfähigem zustand gerne entgegen. zahle bar in ch franken. :mrgreen:

Die Israelis sollen offenbar eine haben. Allerdings mit limitierter Kapazität.

Saddam Husein hatte auch eine. Sogar eine recht gute!

Die haben die Amis aber kaputt gemacht.

masin
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Deflation oder Inflation?

Ich habe Heute Spielgeld für meinen Sohn im Toy..... gekauft, nach einem zweistündigen Spielplatzbesuch kam er mit zwei schönen Steinen und einem dicken Knebel Nachhause, bräuchte auch Nachschub.

masin
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Deflation oder Inflation?

Ja genau, so sollte ich das sehen sparen ist doof und lohnt sich nicht, wer weiss was er morgen dafür bekommen hätte, damit wären wir wieder beim Thema.

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

In ein paar Jahren kannst Du ihm statt Spielgeld, echte Dollars geben. Kommt billiger. und hat erst noch den höheren Heizwert Wink

masin
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Deflation oder Inflation?

Also mit anderen Worten meinst Du, wir sollten die zwei Steine und den Knebel sparen und in ein paar Jahren damit zur Bank gehen und auf gar keinen Fall die Schubkarre vergessen, denn was er dann als Gegenwert bekommt kann er nicht tragen.

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

Genau so isses Wink

weico
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Deflation oder Inflation?

Der grosse Währungskrieg

Von Philipp Löpfe.

Die neue Wunderwaffe der Notenbanken war noch vor kurzem verpönt. Nun wird die eigene Währung wieder tüchtig abgewertet – auf Kosten der Nachbarländer. Das hat Folgen.

Thomas Jordan wiegelt ab. Nein, mit der neuen Geldpolitik, der quantitativen Lockerung, wolle die Schweiz keinen Währungskrieg entfachen, sondern bloss eine «Deflation vermeiden», sagt das Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank. Was ist da los? Warum sprechen die Notenbanker plötzlich von einem Währungskrieg?

Hintergrund der Äusserung ist die täglich mieser werdende Situation der Weltwirtschaft. Die jüngsten Entwicklungen machen Angst: So spricht die International Labor Organisation, eine Uno-Unterorganisation, inzwischen von einer globalen Vernichtung von bis zu 50 Millionen Arbeitsplätzen. Verschiedenen EU-Mitgliedern droht der Staatsbankrott, die japanische Wirtschaft ist abgestürzt und China wird kaum in der Lage sein, das Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten und so eine Massenarbeitslosigkeit zu verhindern.

Wie in der Grossen Depression

Mit anderen Worten: Die Situation gleicht immer stärker den Zuständen der Grossen Depression. Immer ähnlicher wird auch das Verhalten der Notenbanken. In den Dreissigerjahren hat man die nationale Wirtschaft damit gestützt, dass man die eigene Währung abgewertet hat. In der Fachsprache nennt man dies die Politik des «beggar thy neighbor» (den Nachbarn ausplündern). Dieses künstliche Abwerten hat katastrophale Wirkung gezeigt. Andere Länder haben als Gegenmassnahme ebenfalls abgewertet oder Schutzzölle erhoben. Schliesslich versank der Welthandel im Sumpf des Protektionismus.

Heute ist die «beggar-thy-neighbor»-Politik verpönt. Doch die nun betriebene Politik der «quantitativen Lockerung» hat indirekt die gleiche Wirkung. Weshalb? Quantitative Lockerung wird dann betrieben, wenn die Leitzinsen gegen Null tendieren und nicht mehr weiter gesenkt werden können. Die Notenbanken beginnen deshalb, selbst Vermögenswerte zu kaufen (Obligationen, Aktien oder gar Immobilien). Sie pumpen damit die Geldmenge auf und wollen erreichen, dass die Zinsen fallen und eine Deflation vermieden wird.

Der Wechselkurs sinkt

So weit so gut. Dummerweise jedoch hat eine Ausweitung der Geldmenge indirekt auch zur Folge, dass der Wechselkurs sinkt. Deshalb droht eine Renaissance der «beggar-thy-neighbor»-Politik der Dreissigerjahre: Die Bank of England hat vor zwei Wochen das «quantitative easing» angekündigt, das Pfund ist gefallen. Die Schweizerische Nationalbank hat eine qualitative Lockerung eingeführt; der Franken ist gefallen. Jetzt ist die amerikanische Notenbank, das Fed, nachgezogen, der Dollar fällt.

Was als Nächstes geschehen wird, lässt sich leicht ausmalen: Japan, das unter einem bis zu 30 Prozent stärker gewordenen Yen leidet, wird alles unternehmen, um seine Währung abzuwerten. Und, wenn sie endlich begriffen hat, dass Deflation und nicht Inflation die aktuelle Bedrohung ist, wird auch die Europäische Zentralbank die quantitative Lockerung entdecken. Wetten?

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Der-grosse-Waehrungskr...

Schön wie alles nach Plan läuft... 8) Lol

weico

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

weico wrote:

Schön wie alles nach Plan läuft... 8) Lol

Genau. Und damit wären wir wieder beim Ursprungspunkt der Diskussion Inflation vs. Deflation vom Oktober 2008

http://www.cash.ch/node/1604#comment-231670

Kernaussage: Deflation + Gelddruckerei = Währungskrise!

Bullish
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Deflation oder Inflation?

MarcusFabian wrote:

Genau. Und damit wären wir wieder beim Ursprungspunkt der Diskussion Inflation vs. Deflation vom Oktober 2008

http://www.cash.ch/node/1604#comment-231670

Wie könnte man sich ein solches Szenario vorstellen:

USA, andere - Deflation

andere Länder - Inflation in Lokalwährung

Länder mit privaten Haushalten, die stark verschuldet sind, sind anfälliger auf Defla?? Dort treten doch Fire-Sales ein??

Welche Szenarios wären denkbar?

MarcusFabian wrote:

Kernaussage: Deflation + Gelddruckerei = Währungskrise!

*Gelddruckerei* ist ein schwammiger Begriff. Momentan kauft das FED Staatsanleihen und GSE Papiere ("agency" debt). Ist das Gelddruckerei?? Ich glaube nicht. Diese Papiere werden aber irgenwann in der FED Bilanz abgeschrieben werden müssen, wie funktioniert das?

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

Bullish wrote:

USA, andere - Deflation

Nein. Alle werden immer dasselbe haben. Leicht zeitlich verzögert, die einen ausgeprägter als die anderen.

Es geht gar nicht anders: Wie will man in Land A sinkende, in Land B steigende Preise haben?

Die Waren würden von A nach B fliessen bis ein ein Ausgleich der Preise geschaffen wäre.

Entsprechend Geldknappheit in Land A und Geldüberschuss in Land B? Da würde sofort Geld von B nach A fliessen.

Deshalb auch das Rennen um die Abwertung der Währung wie in dem Artikel von weico so schön beschrieben.

Bullish wrote:

Momentan kauft das FED Staatsanleihen und GSE Papiere ("agency" debt). Ist das Gelddruckerei??

Ja, ist es. Oder woher sollte die FED sonst das Geld für diese Käufe hernehmen?

Dass die FED das Geld dereinst wird vernichten müssen, wenn die Inflation einsetzt und zu hohe Werte annimmt ist klar. Aber sie wird es nicht tun. Genau so wie es auch die SNB oder BoE nicht tun wird - nicht tun KANN!

Wie denn? Sie müsste in den nächsten Aufschwung hinein die Zinsen erhöhen und die Geldmenge verringern. Also eine deflationäre Politik betreiben und somit das noch zarte Pflänzchen der wiedererstarkenden Wirtschaft gleich wieder abwürgen. Politisch ist das nicht vertretbar.

Die Frage ist dann auch, was zuerst kommt: Inflation oder Erholung der Wirtschaft. Die Inflation muss zuerst kommen, denn nur durch Inflation werden die Schulden entwertet und das wiederum ist Voraussetzung für eine Stärkung von Konsum und Wirtschaft. Entschuldung durch Sparen würde ein- bis zwei Jahrzehnte der Deflation und Depression bedeuten. Und genau das wird ja am meisten bek$mpft.

Demnach Inflation und Bekämpfung derselben durch Entzug von Geld bei am Boden liegender Wirtschaft? Nein, unmöglich, denn das wäre genau das Szenario von 1929ff, das jetzt so heftig bekämpft wird.

Fazit: Die Zentralbanken streben die Sanierung der Schulden durch Geldentwertung an. Also Inflation und in der Folge Währungskrise.

Dass sie was anderes erzählen ist verständlich, denn sie müssen dafür sorgen, dass die Gläubiger möglichst lange bei der Stange bleiben und nicht aus den Währungen fliehen.

weico
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Deflation oder Inflation?

MarcusFabian wrote:

Fazit: Die Zentralbanken streben die Sanierung der Schulden durch Geldentwertung an. Also Inflation und in der Folge Währungskrise.

Dass sie was anderes erzählen ist verständlich, denn sie müssen dafür sorgen, dass die Gläubiger möglichst lange bei der Stange bleiben und nicht aus den Währungen fliehen.

Kaum !

Die ZB sind sich des Problems durchaus bewusst,nur sind Ihre eigentlichen Mittel langsam "verschossen". 8)

Roth hat es treffend beschrieben:

"Das normale geldpolitische Instrumentarium der SNB ist wegen der tiefen Zinsen weitgehend ausgereizt. Roth verhehlt nicht, wie dramatisch die Situation ist: "Alle Regierungen und Notenbanken denken derzeit nur daran, wie die nächsten sechs Monate bewältigt werden können."

Die Perspektive sei derzeit sehr kurzfristig. Erst nach der Krise werde über die Lehren, über das Verhältnis von Geldpolitik und Finanzmärkten nachgedacht werden. "Alles, was heute politisch beschlossen wird, ist kurzfristig richtig, aber langfristig gefährlich", mahnt Roth. Kurzfristig sei es richtig, mit Staatsausgaben die Nachfrage zu unterstützen, die Zinsen so tief wie möglich zu halten und Liquidität in die Wirtschaft zu pumpen. "Aber diese Elemente sind langfristig Gift für die Volkswirtschaft."

Der Transmissionsmechanismus der Zinspolitik wirke heute nicht mehr wie früher, weil die Nachfrage nach Liquidität so gross sei. "Wir stecken in einer lehrbuchmässigen Liquiditätsfalle, haben aber kaum Erfahrung damit", sagt Roth. Deshalb öffne die SNB neue Kanäle, indem sie sie quantitativ lockere. Sie interveniert am Devisenmarkt und kauft Frankenobligationen privater Schuldner."

quelle:

http://www.swissinfo.ch/ger/news/newsticker/FuW_SNB_Roth_Werden_trotz_De...

P.S.

Da Ziel der ZB's und Staaten ist jetzt,dass eine Deflation oder eine Inflation nicht total aus dem "Ruder läuft" und die Konsequenzen (wirtschaftlich,politisch,menschlich usw..) dann unabsehbar werden. :!:

Staatliche und Private Regulierungen,Selbstbeschränkungen,Verordnungen,Abgaben,Steuern und "sonstige regulierende Massnahmen" ,werden wohl bald vermehrt in den Medien zu vernehmen sein. :roll:

weico

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

weico wrote:

Da Ziel der ZB's und Staaten ist jetzt,dass eine Deflation oder eine Inflation nicht total aus dem "Ruder läuft" und die Konsequenzen (wirtschaftlich,politisch,menschlich usw..) dann unabsehbar werden. :!:

Ich vergleiche das mal mit einem Auto, dass auf glatter Fahrbahn ins Schleudern kommt und nach recht abzudriften droht. Der unerfahrene Autofahrer schlägt jetzt das Steuer voll nach links ein und hofft, dann den richtigen Moment zu erwischen, um das Steuer wieder nach rechts rumzureissen, damit die Karre sich nicht dreht.

Ich halte folgende Situation in den nächsten Monaten für wahrscheinlich:

Die Deflation hat gewütet und ein Teil der Schulden sind abgebaut. Allerdings noch lange nicht alle. Die Konsumenten sparen, die Unternehmen können nicht mehr sparen, sind abgemagert bis aufs Gerippe und beginnen, Leute zu entlassen. Job-Verlustängste prägen die Stimmung beim Konsumenten. Konsum und Produktion haben sich vielleicht stabilisiert aber auf sehr niedrigen Niveau.

Gleichzeitig beginnt die Inflation durchzuschlagen. Die Preise - vor allem bei Benzin und Lebensmitteln - steigen wieder unangenehm. Geld verliert in allen Währungen gegenüber Rohstoffen an Wert. Die Börsen steigen wieder aber das nützt nicht viel, weil die Teuerung mittlerweile bei 5% liegt und weiter steigt und somit real auch die Aktienmärkte fallen.

Was tut jetzt die SNB oder jede andere Zentralbank in dieser Situation?

Einerseits müsste sie nun die Schraube der Geldpolitik anziehen, um ein Ausufern der Inflation zu verhindern. Damit würde sie aber die Wirtschaft und den Konsum weiter schwächen und die noch existierenden Schulden würden aufgewertet.

Oder aber sie lässt die Inflation zu in der Hoffnung, dass sie sich im niedrigen zweistelligen Bereich stabilisiert und die Schulden/Vermögen in erträglichem Masse entwertet werden.

Als Drittes gäbe es dann notfalls noch die Extrem-Lösung mit Währungsschnitt oder -reform.

Ich sehe wenig Spielraum für ein Soft-Landing und halte die Inflations-Variante für die sozial verträglichste.

weico
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Deflation oder Inflation?

MarcusFabian wrote:

Ich halte folgende Situation in den nächsten Monaten für wahrscheinlich:

Die Deflation hat gewütet und ein Teil der Schulden sind abgebaut. Allerdings noch lange nicht alle. Die Konsumenten sparen, die Unternehmen können nicht mehr sparen, sind abgemagert bis aufs Gerippe und beginnen, Leute zu entlassen. Job-Verlustängste prägen die Stimmung beim Konsumenten. Konsum und Produktion haben sich vielleicht stabilisiert aber auf sehr niedrigen Niveau.

Das Szenario könnte eintreffen..!Deflation in Reinkultur.. :oops:

MarcusFabian wrote:

Gleichzeitig beginnt die Inflation durchzuschlagen. Die Preise - vor allem bei Benzin und Lebensmitteln - steigen wieder unangenehm. Geld verliert in allen Währungen gegenüber Rohstoffen an Wert. Die Börsen steigen wieder aber das nützt nicht viel, weil die Teuerung mittlerweile bei 5% liegt und weiter steigt und somit real auch die Aktienmärkte fallen.

Warum sollten die Preise plötzlich steigen,wenn der Konsument am Sparen ist bzw.am Schulden abbauen und den Konsum verweigert.. :?:

Ist das "Druckerpresse-Geld" denn jetzt (ur)plötzlich dochnoch beim Konsumenten angekommen.. :roll:

MarcusFabian wrote:

Als Drittes gäbe es dann notfalls noch die Extrem-Lösung mit Währungsschnitt oder -reform.

Was wäre damit erreicht..?Irgendwelche Probleme gelöst..?Gegen "Was und Wie" soll denn,in den verschiedensten Ländern, "abgewertet" werden..?

MarcusFabian wrote:

Ich sehe wenig Spielraum für ein Soft-Landing und halte die Inflations-Variante für die sozial verträglichste.

Inflation wäre kaum ein Problem für den Anleger. 8)

Einfach Depot Umschichten in Immobilien,Rohstoff-Index,EM's,Öl-und Solarfirmen und tolle Gewinne warten um "abgeschöpft" zu werden..! 8)

Ob sich die Mehrheit der fast mittellosen Weltbevölkerung (...und Rentner :oops: )aber auch so darüber freuen würde,wage Ich zu bezweifeln.. :roll:

weico

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

weico wrote:

Warum sollten die Preise plötzlich steigen,wenn der Konsument am Sparen ist bzw.am Schulden abbauen und den Konsum verweigert.. :?:

Ist das "Druckerpresse-Geld" denn jetzt (ur)plötzlich dochnoch beim Konsumenten angekommen.. :roll:

Genau das ist der springende Punkt wo wir uns nicht einig sind.

Ich meine ja. Und zwar nicht, weil das Geld direkt zum Konsumenten fliesst sondern vielmehr, weil das Papiergeld wegen der Ausweitung an Wert verliert.

Du kannst steigende Preise auf zwei Arten erhalten.

1) Höhere Nachfrage nach Rohstoffen.

2) Schwindender Wert des Geldes.

Ob Rohstoffe gegenüber Geld an Wert gewinnen oder Geld gegenüber Rohstoffen an Wert verliert ... das Ergebnis ist dasselbe.

Im übrigen sind ja die USA bereits dabei, die neue Blütenkohle nicht nur ins Schwarze Loch der Banken zu schmeissen sondern direkt auch Privat-Kredite (Student loans), Hypotheken und Unternehmensanleihen zu übernehmen.

Dieses Geld fliesst dann eben doch in den Markt.

weico wrote:

MarcusFabian wrote:

Als Drittes gäbe es dann notfalls noch die Extrem-Lösung mit Währungsschnitt oder -reform.

Was wäre damit erreicht..?Irgendwelche Probleme gelöst..?Gegen "Was und Wie" soll denn,in den verschiedensten Ländern, "abgewertet" werden..?

Nur ein einziges aber wichtiges Problem wäre gelöst: Die Schulden wären vernichtet oder zumindest stark reduziert.

weico wrote:

Inflation wäre kaum ein Problem für den Anleger. 8)

Einfach Depot Umschichten in Immobilien,Rohstoff-Index,EM's,Öl-und Solarfirmen und tolle Gewinne warten um "abgeschöpft" zu werden..! 8)

Richtig, sofern man dann noch EM bekommt.

Immobilien sind heiss weil nicht liquide. Und zu welchem Zinssatz würden Hypotheken vergeben?

Was, wenn die Preise schneller steigen als die Löhne?

weico wrote:

Ob sich die Mehrheit der fast mittellosen Weltbevölkerung (...und Rentner :oops: )aber auch so darüber freuen würde,wage Ich zu bezweifeln.. :roll:

Den Mittellosen kann's egal sein. Aber jeder, der Barvermögen hat (bzw. dann "hatte") wird hart getroffen.

Ganz besonders natürlich die Rentner.

Fine-Tuner
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Deflation oder Inflation?

Marcus möchte ich entgegnen, dass in deflationärem Umfeld tendenziell weniger Schulden abgebaut werden. Wie auch, wenn die Erträge zusammenbrechen und die Arbeitslosenzahlen steigen? Wer kann da noch Schulden zurückzahlen?

...und demjenigen der geschrieben hat, dass zuviele Güter produziert werden, möchte ich entgegnen, dass, das Problem nicht ist, dass auf Halde produziert wird. Das ist in Zeiten von "Just in time" vorbei. Das Problem ist, dass laufend Kapazitäten zurückgefahren werden. Ist doch klar, sobald keine Nachfrage nach einem Produkt mehr besteht, wirds einfach aus dem Sortiment genommen. Ebenso Produkte die nicht mehr rentieren. Deflation ist also in erster Linie nicht ein Preisproblem (denn im Gegensatz zu einer Preisobergrenze gibt es für jedes Produkt eine Preisuntergrenze, ab welcher das Produkt einfach nicht mehr produziert wird-> Selbstkosten) sondern ein Wachstumsproblem (es ist entscheidend dies zu erkennen!)

...und Marcus, warum sollten Rohstoffpreise steigen? Wenn die Nachfrage nach Rohstoffen zurück geht, weil eben weniger produziert wird, gibts doch keinen Grund hierfür? Es scheint heute unbestritten, dass die Bruttosozialprodukte in den nächsten Jahren sinken werden....all over the world. Die Rohstoffpreise werden mit sinkender Nachfrage (bis zu ihren Selbstkosten) sinken. Die Preise für Rohstoffe könnten nur steigen, wenn die Produktion (Digging, Mining etc.) schneller zurückgeht als die Nachfrage. Doch gerade hier haben sich in den letzten Boomjahren gewaltige Kapazitäten aufgebaut und es würde mich nicht überraschen, wenn kurzfrisitg sogar unter den Selbstkosten verkauft würde....was dann wiederum klare Kaufsignale für diese Rohstoffe wären.

Bezüglich der Währungspolitik der Natibanken in den Industrieländern möchte ich nur sagen, dass was die tun schlicht unglaublich ist....ja, ein Verbrechen.

Dirty floating (Währungskursmanipulation) in Reinkultur um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Volkswirtschaft zu verbessern. Das Ganze hat NULL Effekt, ausser dass es die Welt extrem verunsichert. Letztlich bezahlen die Drittweltländer die Zeche dieser Abwertungsspirale. Ihre Produkte verteuern sich und lassen sich nicht mehr absetzen....tja, was sollen die anderes tun, als abzuhauen?

Den Gedanken von Marcus bezüglich einer neuen weltweiten Währungsordnung und einer internationalen Umschuldung finde ich gut. Meines Erachtens ist die globale Buchhaltung völlig ausser Rand und Band und kein Mensch hat mehr den Durchblick. Es wäre Zeit für einen Schnitt. Dass die dritte Welt und die Schwellenländer hiervon profitieren würden, wäre nichts als Recht und wünschenswert....und vor allem in unserem ureigensten Interesse.

The world is changing - globalization is not for free.

Fine-Tuner

MarcusFabian
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Deflation oder Inflation?

Fine-Tuner wrote:

warum sollten Rohstoffpreise steigen? Wenn die Nachfrage nach Rohstoffen zurück geht, weil eben weniger produziert wird, gibts doch keinen Grund hierfür?

Genau das ist mein Punkt. Ich behaupte: Rohstoffpreise können sogar dann steigen, wenn die Nachfrage zurückgeht.

Ganz einfach deshalb, weil die Währung in der sie bezahlt werden an Wert verliert!

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