Denkanstoss

191 posts / 0 new
Letzter Beitrag
Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Schrei vor Sucht!

 

Shopping-Wahn treibt Schweizer in die Klinik

In Schweizer Kliniken landen immer mehr meist junge Patienten, deren Einkaufsverhalten ausgeartet ist. Die Online-Bestellservices haben das Problem deutlich verschärft.

Seiten wie Zalando oder Net-a-Porter verwandeln jedes Wohnzimmer in ein Shoppingparadies - mit gravierenden Folgen: Die Zahl der Kaufsüchtigen nimmt stetig zu. Vor zwanzig Jahren waren 2,5 Prozent Prozent der Schweizer und Schweizerinnen kaufsüchtig. Heute rechnen Experten mit sechs bis sieben Prozent, also mit rund 500'000 betroffenen Bürgern. Zum Vergleich: An Glücksspielsucht, einem durchaus bekannteren Phänomen, leiden gerade Mal zwei Prozent der Schweizer.

«Kaufsucht wird stiefmütterlich behandelt, sie wird nicht ernst genommen», sagt Renato Poespodihardjo, Leiter der Abteilung für Verhaltenssüchte der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Seine Klinik erkannte das Problem und nahm 2009 eine Therapie für Kaufsüchtige ins Angebot. Die Zahl der Patienten, die dieses nutzen, hat sich in den letzten beiden Jahren verfünffacht.

Schulden und Entzugserscheinungen

Auch in der Suchtklinik im Hasel in Gontenschwil AG wird vermehrt Kaufsucht diagnostiziert. «Die Patienten sind wegen ihres Alkohol- oder Drogenproblems bei uns. Dass sie zusätzlich an Kaufsucht leiden, merken wir, wenn ständig Zalando-Päckchen geliefert werden», sagt die leitende Ärztin Iris Klausmann. Viele der Betroffenen würden an einer Online-Kaufsucht leiden. Das Internet ist anonym, das Objekt der Begierde – bei Frauen sind dies meist Kleider und Kosmetik, bei Männern Hightech-Geräte, Autozubehör oder teure Weine - wird mit einem simplen Doppelklick zum Besitz.

Wenn der Kaufleidenschaft nicht nachgelebt werden kann, entstehen Entzugserscheinungen wie Herzrasen, Schweissausbrüche, innere Unruhe und Depressionen. Kaufsüchtige haben schon kurz nach dem letzten Einkauf wieder das unwiderstehliche Verlangen, auf Internetseiten nach neuen Produkten zu stöbern. Die gekaufte Ware stapelt sich dann zu Hause. Oft bleibt sie verpackt und unbenutzt liegen.

Die Shopping-Süchtigen nehmen auch massive Schulden in Kauf. «Einige Kaufsüchtige sind im hohen fünfstelligen Bereich verschuldet und stöbern trotzdem weiterhin in Onlineshops», sagt Poespodihardjo. Entlarvt werden sie dennoch selten. Erst wenn Kaufsüchtige Privatkonkurs anmelden müssen oder anfangen zu klauen und dabei erwischt werden, werde das Umfeld aufmerksam.

Zunehmend Männer betroffen

Vor allem Frauen leiden an der Krankheit. Erst ein Drittel der Kaufsüchtigen ist männlich. Aber das Verhältnis werde sich angleichen, immer häufiger seien auch Männer betroffen, sagt Poespodihardjo, «weil sie Online-Shops bevorzugen, ein Angebot, das täglich grösser wird». Bis die Sucht erkannt wird, dauert es meist sehr lange, auch weil Shopping nicht als negativ bewertet wird. Gibt man Kaufsucht bei der Bildersuche von Google ein, erscheinen attraktive Frauen mit hochhackigen Schuhen und vielen Einkaufstaschen.

Gefeit sei niemand gegen Kaufsucht. Es ist eine Erkrankung des Gehirns. «Das hat nichts mit Charakterschwäche zu tun», sagt Poespdihardjo. Er hofft, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt und enttabuisiert wird. Therapiemöglichkeiten gäbe es noch zu wenige. Online-Beratungen werden aber immer häufiger angeboten. Bei der Hilfe ist es wie beim nächsten Schnäppchen – sie ist nur einen Doppelklick entfernt.

http://www.20min.ch/finance/news/story/Shopping-Wahn-treibt-Schweizer-in...

 

:no:  Die einen sind Messies und sammeln alles auf der Strasse auf und die anderen müllen Ihre Bude mit Zalando zu.

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
In den USA wird jeder Brief fotografiert

Die US-Geheimdienste sammeln nicht nur E-Mails und Telefondaten. Sie «lesen» auch die gesamte Briefpost innerhalb der USA. Das sind gegen 160 Milliarden Briefe im Jahr!

Die USA lassen den gesamten Briefverkehr innerhalb des Landes registrieren. Absender und Empfänger jeder über den staatlichen Postdienst USPS verschickten Sendung werden von Computern abfotografiert, berichtete die «New York Times». Den Inhalt der Briefe registrieren die Behörden aber nicht.

http://www.20min.ch/ausland/news/story/In-den-USA-wird-jeder-Brief-fotog...

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Malala Yousufzai

Habe eben ihre Rede bei CNN mitverfolgt.

Das war unglaublich stark und sagenhaft eloquent.

 

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

sime
Bild des Benutzers sime
Offline
Zuletzt online: 25.05.2016
Mitglied seit: 26.07.2012
Kommentare: 1'545

Elias hat am 12.07.2013 - 16:34 folgendes geschrieben:

Habe eben ihre Rede bei CNN mitverfolgt.

Das war unglaublich stark und sagenhaft eloquent.

 

 

Hast Du Dich verknallt? Biggrin Übrigens gibt es auch Twitter. Biggrin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007

sime hat am 12.07.2013 - 17:14 folgendes geschrieben:

Elias hat am 12.07.2013 - 16:34 folgendes geschrieben:

Habe eben ihre Rede bei CNN mitverfolgt.

Das war unglaublich stark und sagenhaft eloquent.

Hast Du Dich verknallt? smiley Übrigens gibt es auch Twitter. smiley

Habe kein Twitter

Hier die Rede http://worldnews.nbcnews.com/_news/2013/07/12/19432997-malala-yousafzai-...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

Elias hat am 12.07.2013 - 17:27 folgendes geschrieben:


Hier die Rede http://worldnews.nbcnews.com/_news/2013/07/12/19432997-malala-yousafzai-...

Link funzt net.

Ist es diese Rede? http://www.youtube.com/watch?v=UrasFcGqM_s

 

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007

MarcusFabian hat am 12.07.2013 - 17:36 folgendes geschrieben:

Elias hat am 12.07.2013 - 17:27 folgendes geschrieben:

 

Hier die Rede http://worldnews.nbcnews.com/_news/2013/07/12/19432997-malala-yousafzai-...

Link funzt net.

Ist es diese Rede? http://www.youtube.com/watch?v=UrasFcGqM_s

 

aber leider nur ein kleiner Ausschnitt.

 

 

Hier die ganze Rede auf Youtube http://www.youtube.com/watch?v=5SClmL43dTo

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Vorteil Schweiz beim Mindestlohn

In der Schweiz steht ein Mindestlohn von 4000 Franken monatlich oder rund 20 Franken pro Stunde zur Diskussion. In Deutschland sammeln die Gewerkschaften Unterschriften für eine Petition, die einen Mindestlohn von 8,50 Euro fordert. Das entspricht etwa 10,50 Franken – rund die Hälfte des schweizerischen Mindestlohns. Frage: Kann die Schweiz kostenmässig noch mithalten? Antwort: Ja, denn die Differenz muss der deutsche Staat mit höheren Steuern wieder reinholen.

In Deutschland verdient heute fast ein Viertel der Beschäftigten weniger als die offizielle Niedriglohnschwelle von 9,14 Euro. Im Schnitt kassiert dieses untere Viertel rund 6,50 Euro die Stunde. Doch um mit diesem Stundenlohn über die Runden zu kommen, müsste man  pro Jahr weit über 2000 Stunden arbeiten können. Doch der deutsche Arbeitnehmer bringt es im Schnitt nur auf  1396 Stunden. Bei den unteren Lohnkategorien sind es gar weniger als 1000 Stunden. Das ergibt ein monatliches Einkommen von 540 Euro. Das reicht auch dann kaum für die laufenden Ausgaben, wenn zwei Löhne zusammenkommen. Für die Altersvorsorge, für Kinder und für andere Wechselfälle des Lebens ist erst recht kein Geld übrig.

Da hilft der Staat: Richtlinie sind die Regelsätze nach Hartz 4. Das Wohngeld eingerechnet hat man als Arbeitsloser Anspruch auf rund 780 Euro pro Kopf und Monat. Davon 90 Prozent für den Ehegatten und je 70 Prozent für die Kinder. Wer arbeitet, aber weniger verdient, dem wird der Lohn auf Hartz-4-Niveau aufgestockt. Daneben hat man Anspruch auf Einmalleistungen bei Erstausstattung, Klassenfahrten, kostenaufwändige Ernährung usw. Bei Arbeitslosigkeit kommt man in den Genuss von "aktivierenden Leistungen" usw. Nach der Pensionierung geht es weiter mit Sozialhilfe, die sich ebenfalls nach den Ansätzen von Hartz 4 richtet, dazu kommt noch Mehrbedarf, Sonderbedarf usw. Kurz: Die Niedriglöhne ziehen einen ganzen Rattenschwanz von Staatsbürokratie und staatlichen Ausgaben mit sich.

Ich habe versucht, die entsprechenden Leistungen auf einen Stundenlohn herunterzubrechen. Dabei bin ich von folgenden Annahmen ausgegangen: Ehepaar mit zwei Kindern, die mit 17 das Elternhaus verlassen,  jährliches Arbeitspensum je 1396 Stunden. 46 Arbeitsjahre (20 bis 67) 17 Rentenjahre. Der karge private Konsum entspricht den Leistungen nach Hartz 4 (4 Euro täglich fürs Essen, 1,03 Euro für Kleider und Schuhe, 0,51 Euro für Restaurants und Hotel). Dazu kommen die üblichen Steuern und Lohnprozente für die Krankenversicherung.

Ergebnis: Um mit einem Normalpensum (von 1396 Stunden) weder in der aktiven Zeit noch als Rentner auf staatliche "Aufstockungen" angewiesen zu sein und seine Steuern zahlen zu können, braucht der deutsche Arbeitnehmer einen Stundenlohn von 18,40 Euro. Das entspricht in etwa dem für die Schweiz geforderten Mindestlohn von 4000 Franken. Man kann diese Berechnung auch so interpretieren: Selbst bei dem von den deutschen Gewerkschaften geforderten Mindestlohn von 8,50 Euro muss der Staat mehr als die Hälfte der Lebenshaltungskosten übernehmen.

Aus der Sicht des Standortwettbewerbs gesehen ist also Deutschland mit einen Mindestlohn von 8,50 Euro nicht besser dran als die Schweiz mit ihren rund 4000 Franken monatlich. Allerdings hat die Schweiz den grossen Vorteil, dass die Zuteilung der Kaufkraft weitgehend über den Markt erfolgt, während Deutschland zu diesem Zweck eine teure Bürokratie aufgebaut hat. Gesamtwirtschaftlich gesehen dürften die Arbeitskosten in Deutschland deshalb tendenziell höher sein. Bleibt die Frage, inwieweit es der deutschen Exportindustrie gelingt, die Kosten auf den Staat abzuwälzen bzw. sich um die entsprechenden Steuerlasten zu drücken.

http://www.cash.ch/news/topnews/vorteil_schweiz_beim_mindestlohn-3096729...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Whistleblower in Gefahr

Die Worte aus Fort Meade hallen nach: Bradley Manning ist schuldig. Nicht nur Enthüller wie Assange und Snowden müssen nun bangen. Beobachter fürchten um die Zukunft des investigativen Journalismus.

Geradezu harmlos wirkte der kleine Bradley Manning, als er von stämmigen Soldaten in den Gerichtssaal eskortiert wurde. Mit jungenhaftem Lächeln spazierte der 25-Jährige zwischen einem halben Dutzend kräftiger Soldaten in Fort Meade seinem Schuldspruch entgegen.

Die schwer bewaffneten Männer mit Sonnenbrille und Camouflage-Uniform überragten ihn, seine marineblaue Paradeuniform wirkte zu gross, die Hose schlackerte. Irgendwie schien alles eine Nummer zu gross zu sein für den schmächtigen Obergefreiten – so auch die gewaltige Menge an vertraulichen Dokumenten, die er enthüllt hat, und die ihn für Jahrzehnte hinter Gitter bringen könnten.

Weitreichende Folgen

Doch nicht nur für Manning selbst dürfte der Schuldspruch von Richterin Denise Lind weitreichende Folgen haben. Weltweit fand das Militärverfahren gegen Manning Beachtung.

Viele Juristen und Journalisten warnten vor der einschüchternden Wirkung des Richterspruchs aus Fort Meade – allen voran für Whistleblower, wie die Enthüller genannt werden, die oft streng vertrauliche Informationen ans Licht der Öffentlichkeit bringen und so versuchen, Debatten anzustossen oder Missstände aufzudecken.

Der lange Arm der US-Justiz dürfte sich damit noch etwas weiter nach Wikileaks-Chef Julian Assange ausgestreckt haben. Dass Assange bald als «Mitverschwörer» auf der Anklagebank sitzen könnte, vermutet jedenfalls dessen Anwalt Michael Ratner. Und auch Edward Snowden, der von den USA wegen Geheimnisverrats gejagt wird, dürfte bei einem Prozess als Spion angeklagt werden, vermuten Beobachter.

Abschreckendes Urteil

Doch hinter dem Trio Assange, Manning, Snowden, das im Fokus des medialen Interesses steht, folgen in zweiter und dritter Reihe weitere Enthüller, die zwar im kleineren Stil Informationen öffentlich machten, aber durch den Schuldspruch dennoch abgeschreckt sein dürften.

Zudem ruft der Fall Manning Erinnerungen wach an das Spionageverfahren gegen Daniel Ellsberg, der Anfang der 1970er Jahre für Aufsehen sorgte: Er brachte geheime Pentagon-Papiere an die Öffentlichkeit und enthüllte damit Verbrechen des Vietnamkriegs.

Die Juristen Floyd Abrams und Yochai Benkler warnen in einem Gastbeitrag für die «New York Tiems» vor der abschreckenden Wirkung des Manning-Schuldspruchs für Enthüller, Informanten und den investigativen Journalismus. «Wer die Pressefreiheit schätzt, sollte zittern angesichts der Gefahr, die die Theorie der Staatsanwaltschaft für Journalisten, deren Informanten und die darauf angewiesene Öffentlichkeit darstellt.»

Angst vor Terror darf nicht überhandnehmen

Nicht nur beim Whistleblowing im grossen Stil wie vom Obergefreiten Manning, der auf einen Schlag Tausende Informationen enthüllte, könnten weitreichende Konsequenzen drohen, fürchten Abrams und Benkler. Stattdessen könnte jede Weitergabe von Dokumenten, die die nationale Sicherheit der USA betreffen, die Todesstrafe oder lebenslange Haft nach sich ziehen.

Die Juristen sind sicher: «Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Terrorismusängste uns in ein Land verwandeln, wo die Kommunikation mit der Presse als Kapitalverbrechen

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Whistleblower-in-Gefahr/stor...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Ein Leben ohne Internet?

Können Sie sich eine Welt ohne Internet vorstellen? Welche Folgen hätte es für jeden einzelnen von uns, wenn wir von heute auf morgen kein Internet mehr haben? Der 3-minütige Animationsfilm von den Multimediastudenten der HTW Chur, Andreas Tanner und Goga Krstičević, zeigt mögliche Szenarien auf.

http://www.youtube.com/watch?v=KMPJwIDQDuk

 

Auch Gold würde nicht weiterhelfen ....

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Google ehrt Erwin Schrödinger zum 126. Geburtstag

Erwin Schrödingers Katze ist ein viel zitiertes Paradox von Physik und Philosophie, seine Gleichung brachte ihm den Nobelpreis ein. Heute wäre der berühmte Physiker 126 Jahre alt geworden.

 

Erwin Schrödingers Höllenmaschine

Nur wozu sperrt ein Physiker überhaupt eine Katze in einen Karton? Um Niedlichkeit ging es in dem Gedankenexperiment jedenfalls nicht – vielmehr um Leben oder Tod.

Denn mit zu der Katze packte Schrödinger noch ein bisschen radioaktive Substanz, einen Geigerzähler, einen Hammer und ein Fläschchen Blausäure. Schon hier wird ersichtlich, dass es sich bei der Box wohl um kein kuscheliges Versteck, sondern um eine "Höllenmaschine" handelte, wie der Physiker seine Konstruktion trefflicherweise bezeichnete.

Diese Höllenmaschine könnte die Katze binnen einer Stunde töten. Denn ihre einzelnen Elemente sind wie folgt verschaltet: Sobald eines der radioaktiven Atome zerfällt, wird der Geigerzähler aktiviert, der wiederum den Hammer auf das Fläschchen fallen lässt. Die Blausäure könnte so entweichen – und die Katze würde schnell daran verenden.

Das teuflische Konstrukt könnte die Katze aber ebenso am Leben lassen. Denn der Zerfall von radioaktiven Substanzen geschieht nach Wahrscheinlichkeit. Da die Menge an radioaktiver Substanz klein ist, wiegen die lebensentscheidenden Wahrscheinlichkeiten hier recht gleich auf: Dass ein radioaktives Teilchen innerhalb einer Stunde zerfällt ist genauso so wahrscheinlich wie der Umstand, dass keines davon zerfällt.

Tot und lebendig

Folgt man den Gesetzen der Quantenphysik, befindet sich die Katze daher in einem paradoxen Zustand: Sie ist zugleich tot und lebendig. Das Verhalten radioaktiver Substanzen wird nämlich durch eine Wellenfunktion beschrieben, die alle möglichen Ergebnisse beinhaltet.

Und da das Schicksal der Katze eben genau von diesem radioaktiven Verhalten abhängt, kann auch dazu keine definitive Aussage getroffen werden.

Das ändert sich natürlich schlagartig, wenn man die Kiste öffnet. Denn in der Alltagswelt gibt es für die Katze kein "und" mehr, sondern nur noch ein Entweder-oder: Die Katze ist entweder tot oder lebendig. Und das widerspricht dann den physikalischen Gesetzen. Das Gedankenexperiment hat damit viele kontroverse Diskussionen in der Wissenschaftswelt ausgelöst.

Erwin Schrödinger war vielseitig

Erwin Schrödinger entfachte jedoch nicht nur damit weiteren Gesprächs- und Forschungsbedarf. Noch vor der paradoxen Katze, im Jahr 1933, erhielt der Österreicher den Physik-Nobelpreis für seine Forschung zur Quantenmechanik. Mit seiner Wellengleichung, der Schrödingergleichung, hat er das berühmte Bohrsche Atom-Modell so erweitert, dass es auch für komplexe Atome zutrifft.

http://www.welt.de/wissenschaft/article118912805/Google-ehrt-Erwin-Schro...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

weico
Bild des Benutzers weico
Offline
Zuletzt online: 20.07.2015
Mitglied seit: 16.11.2007
Kommentare: 4'550

    

 

 

 Hat Richard Dawkins die Muslime beleidigt?

 

Der britische Naturwissenschaftler fragt, warum ein einziges College in Oxford dreimal so viele Nobelpreise bekommen hat wie alle Muslime zusammen. Und erntet einen Shitstorm. Die Frage bleibt. 

http://www.welt.de/kultur/article118976916/Hat-Richard-Dawkins-die-Musli...

 

 

weico

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Jeder Fünfte ist überschuldet

1,32 Millionen Schweizer sind überschuldet, Tendenz steigend. Die Schuldenberatung Schweiz sieht darin eine «Gefahr für die Gesellschaft».

Die Zahl der Personen mit übermässigen Schulden ist in der Schweiz in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. Die Schuldenberatung Schweiz nennt diese Entwicklung eine «Gefahr für die Gesellschaft». Nun nimmt der Verband die Politik in die Pflicht.

Im vergangenen Jahr hat die Schuldenberatung Schweiz 5100 überschuldete Haushalte beraten. Im Jahr zuvor hatten noch 4482 Haushalte die Dienste von einer der 37 Fachstellen in Anspruch genommen. Dabei handelt es sich allerdings nur um die Spitze des Eisbergs. Gemäss einer Auswertung des Inkassounternehmens Intrum Justitia aus dem Jahr 2008 nehmen rund vier von fünf überschuldeten Personen keine Hilfe in Anspruch. Vielmehr versuchen sie, sich alleine aus der Schuldenfalle zu befreien.

Jürg Gschwend, Leiter der Fachstelle Schuldenberatung des Hilfswerks Caritas, hat in den letzten 10 Jahren trotzdem einen starken Anstieg bei den Beratungsfällen beobachtet. Zwischen 2004 und 2010 habe die Zahl der Anfragen um 30 Prozent zugenommen.

Nicht bezahlte Krankenkassenprämien

Kredit- oder Darlehensschulden sind in der Schweiz keine Seltenheit. Fast ein Fünftel der Bevölkerung - nämlich 1,34 Millionen Personen - lebte im Jahr 2008 mit Verbindlichkeiten. Dies geht aus Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.

Als kritisch stuft das BFS jene Fälle ein, in denen die Kontoüberzüge und Zahlungsrückstände mehr als zwei Drittel des verfügbaren Monatseinkommens eines Haushaltes übersteigen. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2008 war dies bei rund 570'000 Personen der Fall.

Die verbreitete Überschuldung bekommen auch die Krankenversicherer zu spüren - in Form von ausstehenden Prämien. Anne Durrer, Sprecherin des Krankenkassendachverbands santésuisse, beziffert die Zahl der von den Krankenkassen angestrengten Betreibungen mit rund einer Million pro Jahr. In rund der Hälfte der Fälle seien finanzielle Schwierigkeiten der Grund für die nicht bezahlten Rechnungen. In den vergangenen fünf bis sechs Jahren hat die Zahl der Betreibungen gemäss Durrer um 30 Prozent zugenommen. Am Freitag präsentiert der Krankenkassendachverband Vorschläge, wie sich die Prämienbelastung der Haushalte verringern lassen könnte.

«Geld» als Pflichtfach

Die schlechte Zahlungsmoral aufgrund von hoher Schulden wird auch in den Kantonen registriert. Der Verband der Gemeindeammänner und Betreibungsbeamten des Kantons Zürich wies für das vergangene Jahr rekordhohe Betreibungszahlen aus: :roll: Es wurden rund 380'000 Zahlungsbefehle ausgestellt und 181'000 Pfändungen vollzogen.

Gemäss dem Verband haben sowohl die Zahl der Zahlungsbefehle als auch jene der Pfändungen in den vergangenen sechs Jahren um rund 10 Prozent zugenommen. Für die Betreibungsbeamten steht deshalb fest, dass «die Überschuldung im ganzen Kanton zugenommen hat». Sie erhoben daher kürzlich die Forderung, das Thema Geld zum Pflichtfach in der Grundschule zu erheben.

Auch im Kanton Jura kennt man das Phänomen. Gemäss François Froidevaux, Leiter der Kantonalen Steuerverwaltung, fallen die wegen einer Überschuldung nicht bezahlten Steuern jedes Jahr etwas stärker ins Gewicht. Fehlten 2005 noch 5,1 Millionen Franken in der Kantonskasse, waren es zwei Jahre später schon 6,5 Millionen Franken.

Neue Zahlen

Aus der Sicht von Sébastien Mercier von der Schuldenberatung Schweiz wird dem Problem der Überschuldung zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht. Mercier beklagt den Mangel an Studien zum Thema sowie die unbefriedigende Datenlage. Das BFS ist derzeit daran, neue Zahlen zum Thema Überschuldung zu erheben. Bis Ende 2014 sollen die Ergebnisse vorliegen.

Auch in der Politik erfahre das Problem zu wenig Aufmerksamkeit, sagte Mercier. Wenn nicht bald gehandelt werde, akzentuiere sich die Überschuldung weiter. «Wir fahren mit voller Kraft gegen die Wand.» Die Tatenlosigkeit liesse sich aber spätestens dann nicht mehr aufrechterhalten, wenn es derart viele Privatkonkurse gebe, dass die Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werde. «Dann muss die Politik die Augen öffnen und handeln.»

Das Problem scheint aber zumindest erkannt. Derzeit laufen beim Bund zwei Vernehmlassungen zu parlamentarischen Vorstössen zum Thema. Einer der Vorstösse verlangt ein Verbot der Werbung für Kleinkredite, der andere die Löschung ungerechtfertigter Zahlungsbefehle.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Jeder-Fuenfte-ist-uebe...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Selector
Bild des Benutzers Selector
Offline
Zuletzt online: 12.02.2019
Mitglied seit: 06.06.2011
Kommentare: 683

Treibt man so den Goldpreis wieder hoch?  Dirol


 


27-08-2013 20:30  POLITIK/Obama treibt Militäreinsatz gegen Syrien voran (Zus)


 


WASHINGTON/DAMASKUS (awp international) - Die USA, Grossbritannien und Frankreich sind bereit für einen Militärschlag gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Alle drei Staaten und die Arabische Liga beschuldigen das Regime in Damaskus, mit dem Einsatz von Giftgas Hunderte Menschen bei Damaskus getötet zu haben, darunter zahlreiche Kinder. Die US- Regierung hat nach eigenen Angaben keine echten Zweifel an der Verantwortung des syrischen Regimes für den Chemiewaffenangriff in der vergangenen Woche. Der Sender NBC berichtete, die Raketenangriffe auf Ziele in Syrien könnten bereits an diesem Donnerstag beginnen.



Noch diese Woche sei mit der Veröffentlichung der Geheimdiensterkenntnisse zu dem Vorfall zu rechnen, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag in Washington. US-Präsident Barack Obama berate derzeit mit seinem Nationalen Sicherheitsteam, dem Kongress und Alliierten über eine Antwort auf diese "eklatante Verletzung internationaler Normen". Noch sei eine Entscheidung aber nicht gefallen. Aber "es muss eine Antwort geben", sagte Carney.



Carney bekräftigte, dass Obama den Einsatz von Bodentruppen ablehne, sonst aber alle Optionen - auch nicht-militärische - weiter in Betracht gezogen würden. Er betonte zudem, dass die Reaktion nicht darauf abziele, einen Regimewechsel in Syrien herbeizuführen. "Die Lösung dieses Konfliktes muss durch politische Verhandlungen und Ergebnisse erfolgen", sagte Carney.



Auch der britische Regierungschef David Cameron und sein Stellvertreter Nick Clegg betonten, dass mögliche militärische Schritte gegen Syrien mit dem vermuteten Einsatz von Chemiewaffen durch das Regime zusammenhängen. Clegg betonte, es gehe nicht darum, die syrische Regierung zu stürzen oder den Syrien-Konflikt zu lösen. Es gehe darum, "legale, konkrete und verhältnismässige Massnahmen zu ergreifen, die ein Signal senden, dass der Einsatz von Chemiewaffen heutzutage unhaltbar ist."



Das US-Militär habe alles vorbereitet, um entsprechend reagieren zu können, sollte sich Präsident Obama dafür entscheiden, sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel dem britischen Sender BBC. Das Assad-Regime kündigte an, es werde sich verteidigen. "Wir sind kein Häppchen, das man so einfach verspeisen kann. Wir werden die anderen überraschen", drohte Aussenminister Walid al-Muallim. Die syrische Exil-Opposition wurde nach eigenen Angaben über einen bevorstehenden Militärschlag gegen das Regime informiert.



NBC berichtete weiter, die Angriffe würden sich über drei Tage erstrecken und seien in ihrem Umfang begrenzt. Das hätten namentlich nicht genannte ranghohe Regierungsbeamte in Washington mitgeteilt, meldete der Sender. Nach Informationen der "Washington Post" würde das US-Militär Marschflugkörper von Kriegsschiffen abfeuern, die jetzt schon im Mittelmeer kreuzen, oder Langstreckenbomber einsetzen.



Die USA können offenbar auf die Hilfe von Staaten wie Frankreich, Grossbritannien und die Türkei bauen. In London wurde das Parlament für eine Sondersitzung am Donnerstag aus dem Urlaub geholt. Frankreichs Präsident François Hollande warnte: Der Bürgerkrieg in Syrien "bedroht jetzt den Weltfrieden". Es deute alles darauf hin, dass das Regime in Damaskus "diese verabscheuungswürdige Tat" begangen habe. Frankreich sei bereit, die Verantwortlichen zu bestrafen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hielt sich die Entscheidung über eine deutsche Beteiligung weiter offen.



Auch die Arabische Liga gab dem Regime in Damaskus die Schuld an den Attacken, der Rat der Liga verurteilte "dieses abscheuliche Verbrechen". Gleichzeitig forderte er die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates auf, "ihre Differenzen beizulegen, damit eindeutige Massnahmen ergriffen werden können, die den Menschenrechtsverletzungen und dem Völkermord durch das syrische Regime ein Ende setzen". Das UN-Team aus Chemiewaffen-Experten, das die Vorwürfe in der Nähe von Damaskus untersuchen soll, musste seine Arbeit wegen der angespannten Sicherheitslage unterbrechen.



Israel ist nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf alle Szenarien vorbereitet. "Wir sind nicht Teil des Bürgerkriegs in Syrien, aber wenn wir irgendeinen Versuch identifizieren, uns anzugreifen, werden wir mit aller Härte reagieren", sagte Netanjahu in Tel Aviv.



Syriens Schutzmacht Russland, die ein gemeinsames Vorgehen der Staatengemeinschaft im UN-Sicherheitsrat immer wieder blockiert hatte, warnte mit scharfen Worten vor einem Militärschlag. Auch nach Ansicht des Irans würde ein Angriff gegen Syrien ein Chaos im gesamten Nahen Osten auslösen.



Die Bundesregierung erklärte sich erneut zu "Konsequenzen" bereit, falls sich die Giftgas-Vorwürfe gegen Assad bestätigen. An der Grenze zwischen der Türkei und Syrien stehen 300 Bundeswehr-Soldaten mit Patriot-Abwehrraketen im Einsatz. Im Mittelmeer kreuzen deutsche Militärschiffe, darunter das Flottendienstboot "Oker" mit modernster Aufklärungstechnik. Spekuliert wird auch über den Einsatz von deutschen Soldaten in Awacs-Aufklärungsflugzeugen der Nato.



Bei einem Treffen in Jordanien verständigten sich führende Militärs aus zehn westlichen und arabischen Staaten darauf, dass ein möglicher Angriff auf Syrien nur begrenzte Ziele verfolgen sollte. An den Gesprächen nahm auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, teil.



Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger lehnen einen internationalen Militärschlag gegen Syrien ab. In einer repräsentativen Umfrage für das Magazin "Stern" sprachen sich 69 Prozent der Befragten dagegen aus. Nur 23 Prozent waren dafür./pm/DP/he


 


 

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

weico hat am 18.08.2013 - 18:05 folgendes geschrieben:

    

 

 

 Hat Richard Dawkins die Muslime beleidigt?

 

Der britische Naturwissenschaftler fragt, warum ein einziges College in Oxford dreimal so viele Nobelpreise bekommen hat wie alle Muslime zusammen. Und erntet einen Shitstorm. Die Frage bleibt. 

http://www.welt.de/kultur/article118976916/Hat-Richard-Dawkins-die-Musli...

 

 

weico

Das Thema hatten wir doch schon mal? Die letzte grosse Erfindung eines Muslim war das Haar-Shampoo. Und auch der hat es in England erfunden. .... (mag jetzt aber nicht suchen).

Die Frage würde ich deshalb beantworten mit: Nein, er hat nur eine unliebsame Tatsache genannt.

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Bushs Sprecher kondoliert zu «Tod» Mandelas

Klar, man will nicht der Letzte sein, der nach dem Tod eines grossen Mannes kondoliert. Doch ein Mitarbeiter von George W. Bush war etwas gar übereifrig.

http://www.20min.ch/panorama/news/story/Bushs-Sprecher-kondoliert-zu--To...

 

Der berühmte berüchtigte rote Faden zieht sich konsequent durch sein Leben

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Vom Kollateral-Nutzen

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben in ihrer Geschichte mancherlei militärische Erfolge und Misserfolge eingefahren. Bei letzteren denken wir zum Beispiel an die Blamage von General Custers Kavallerie gegen die Indianer von Sitting Bull im Jahre 1876, an  den Invasionsversuch in Kubas Schweinebucht 1961 oder an die Niederlage im Vietnamkrieg 1975.

Wir vergessen natürlich auch nicht die erfolgreiche logistische Unterstützung Europas durch die USA im ersten Weltkrieg, das siegreiche Eingreifen im zweiten Weltkrieg und die erlösende Intervention gegen den Völkermord im Balkan vor 20 Jahren. In einer Region, die wir Europäer seit vielen Jahrhunderten nicht haben befrieden, strukturieren und organisieren können. Eine Flugstunde von der Schweiz entfernt, beschämend. Uncle Sam musste wieder herhalten und wurde einmal mehr von Heuchlern beschimpft. Niemand fragte, was denn noch alles geschehen wäre, hätte die Nato nicht interveniert. Es gibt da also manchmal auch einen Kollateral- Nutzen. Zum Beispiel für Völker und Nationen, die mörderisch und aus reiner Machtpolitik angegriffen wurden. Zum Schutz der Zivilbevölkerung, der Freiheit und der Infrastrukturen eines Landes.

:bravo:  Dass der Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mittel sei, ist eine zynische, grausam obszöne Aussage. Es gibt nichts Schlimmeres auf Erden als Kriege von Menschen gegen Menschen. Der Krieg ist die Kapitulation der Politik. Er ist die schrecklich Niederlage für den erlahmenden, diplomatischen Verhandlungswillen.

Dass das Killer-Regime in Syrien bestraft werden muss, um  internationale Vereinbarungen zu schützen, bestreitet eigentlich niemand, falls Beweise für einen Giftgaseinsatz vorlägen.  :ok: Niemand bringt aber sinnvolle Vorschläge ein, wie eine solche Bestrafung aussehen könnte. Auch nicht die vielen selbsternannten Beobachter, Kenner und Experten, die wie ein Tsunami über die Medien, also auch über uns herfallen.

GoodNur in Einem sind sie sicher: Obamas Syrien-Politik ist "vermurkst". Sein vorlautes Drohen und sein Zögern ist ein sich Verstecken hinter dem Entscheid des Kongresses. Er ist feige, mutlos und entscheidungsschwach, hört und liest man allenthalben.

:good: Vielleicht wird der Präsident in zwei Wochen von denselben Leuten das Attribut "weise" und "verantwortungsvoll" zugesprochen erhalten. Weil er absolut sicher sein wollte, dass bei einer Attacke der Kollateral-Schaden kleiner sein wird als der Kollateral-Nutzen.

http://www.cash.ch/news/topnews/vom_kollateralnutzen-3118964-771

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Selector
Bild des Benutzers Selector
Offline
Zuletzt online: 12.02.2019
Mitglied seit: 06.06.2011
Kommentare: 683

Lieber Geheimdienst......Blick war dabei


:mamba::biggrin: 


Der Bundesrat hat sich am Montag im Nationalrat zu mehreren Fragen zu den Berichten über die Internet-Bespitzelung durch den US-Geheimdienst NSA äussern müssen. Er gab dabei bekannt, dass Abklärungen zur möglichen Ausspähung von Internet-Bankgeschäften laufen.
 
 


In der Fragestunde des Nationalrats wollte Susanne Leutenegger Oberholzer (SP/BL) vom Bundesrat wissen, wie er die Berichte beurteilt, wonach Codes von Internet-Banking geknackt worden seien. Inwieweit diese Bankgeschäfte betroffen seien, werde abgeklärt, hielt der Bundesrat dazu schriftlich fest.


Der Bundesrat wies darauf hin, dass der US-Geheimdienst gemäss den Berichten auf mehreren Ebenen Verschlüsselungsmechanismen - wie die Browserverschlüsselung (https) - ausgehebelt haben könnte. Einerseits soll es ihm gelungen sein, Hintertüren in die Programme einzubauen, andererseits soll er bei der Definition von Verschlüsselungs-Standards Einfluss genommen haben.


Nicht direkt eingegangen ist der Bundesrat auf Leutenegger Oberholzers Frage, ob die Vertraulichkeit von Internet-Bankgeschäften gewährleistet sei.


Auf rechtswidriges Tun hingewiesen


Der Bundesrat verwies zudem auf eine Note des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vom 10. Juni an die US-Botschaft. Das EDA hatte sich nach allfälligen Souveränitätsverletzungen durch Spionage in der Schweiz erkundigt und darauf hingewiesen, dass solches Tun rechtswidrig wäre. Dazu gehören würde auch das Eindringen in IT-Netzwerke in der Schweiz.


Begehen ausländische Unternehmen Datenschutzverletzungen, können diese laut Bundesrat nur geahndet werden, wenn ein «genügender Anknüpfungspunkt» zur Schweiz besteht.


Der Bundesrat ist bereit, das Thema gegenüber betreffenden Staaten anzusprechen, wenn sich erweist, dass Schweizerinnen und Schweizer im Zusammenhang mit der Benutzung des Internets «wiederholt in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt wurden». Dies hält er in der Antwort auf die Frage von Balthasar Glättli (Grüne/ZH) fest.


Der Bundesrat verwies sodann auf Bestimmungen in der Europäischen Menschenrechtskonvention zum Schutz der Privatsphäre und im UNO-Pakt über bürgerliche und politische Rechte.


Zusammen mit Deutschland, Liechtenstein, Österreich und Ungarn wandte sich die Schweiz Anfang September mit einem Brief an die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte in Genf. Die fünf Staaten wollen, dass - vorab im UNO-Menschenrechtsrat - geeignete Schritte zur Sicherung der Privatsphäre erfolgen.


Zusammenarbeit in gegenseitigem Interesse


Auf eine Frage von Jean Christophe Schwaab (SP/VD) nach Massnahmen gegen Datenschutzverletzungen verwies der Bundesrat ferner auf die die Revision des Datenschutzgesetzes. Er will prüfen, ob der Datenschutzbeauftragte genügend Ressourcen zur Verfügung hat und ob das geltende Recht genügt.


Ein Ende der Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst NSA ist für den Bundesrat kein Thema, wie er in der Antwort an Carlo Sommaruga (SP/GE) festhielt. Namentlich in Sachen Terrorabwehr und der Nonproliferation liege eine Zusammenarbeit im gegenseitigen Interesse.


Einen direkten Datenaustausch mit der NSA pflegt der Nachrichtendienst des Bundes nicht. Er bearbeitet und beantwortet im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen Anfragen von Diensten der USA. (SDA)



http://www.blick.ch/news/schweiz/bundesrat-laesst-ausspaehung-von-intern...


 

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Ein Sieg der deutschen Fehlanalyse

Alle sollen so werden wie Deutschland, das ist im Kern die Strategie Angela Merkels in der Eurokrise. Mit dieser Sichtweise hat sie sich bei den Wahlen durchgsetzt – und sie dürfte sich als fataler Irrtum erweisen.

Das Wahlergebnis in Deutschland ist ein Triumph für Angela Merkel, der regierenden Kanzlerin. Ihr Sieg wurde zwar prophezeit, nicht aber in diesem Ausmass. Nur um Haaresbreite ist sie an einer absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt und hätte ohne Koalition regieren können. Das ist jetzt nicht möglich. Koalitionspartner können nur entweder die Grünen sein oder die Sozialdemokraten. Wobei im Moment eine schwarz-rote grosse Koalition mit Merkels CDU/CSU und den Sozialdemokraten die wahrscheinlichste Variante ist.

Vor der Wahl war klar, dass die grundlegenden Probleme der Eurokrise vor ihrem Ausgang kaum angegangen werden. Die Krise war im Wahlkampf fast kein Thema. Niemand hat etwas Glaubwürdiges zu ihrer nachhaltigen Lösung anzubieten. Im Wesentlichen dominieren in Deutschland zwei Sichtweisen: Jene, die in der Gemeinschaftswährung gleich grundsätzlich ein Problem für das Land sieht und eine Auflösung der Währungsunion fordert, hat mit der Partei Alternative für Deutschland einen Achtungserfolg errungen.

Die dominierende, auch von der Kanzlerin getragene Sichtweise, will den Euro bewahren. Das Rezept zur Überwindung der Krise lautet – auf den kürzesten Nenner gebracht – die anderen Länder der Eurozone sollten sich ebenfalls am deutschen Vorbild orientieren. Wenn sie ebenso fleissig und sparsam sind, so müssten sie wirtschaftlich ebenso erfolgreich sein. Die relative Stärke der deutschen Wirtschaft – im Vergleich zu anderen entwickelten Ländern und erst recht im Vergleich zur Eurozone – scheint dafür ein mächtiges Argument zu sein, und es fördert die Popularität der Kanzlerin ganz besonders.

Die Sozialdemokraten haben dieser Sichtweise in den letzten Jahren nicht Paroli geboten. Auch wenn sie immer wieder darauf hingewiesen haben, dass die strikten – von Deutschland geforderten Sparprogramme - mitten in der Krise Länder wie Griechenland ökonomisch zu erdrücken drohen. Bei Hilfspaketen an solche Länder war es aber sie, die der Kanzlerin die Mehrheiten beschafft hat, um die sie in den eigenen Reihen zittern musste. Eine grosse Koalition würde daher den bisherigen Kurs der Regierung stabilisieren, aber kaum fundamental ändern.

Anhaltende Exportüberschüsse schaden allen

Der tiefere Grund, warum diese Politik mit Notmassnahmen zwar immer wieder über sich sporadisch öffnende Abgründe hinweghilft, aber die Eurozone keiner nachhaltigen Lösung näherbringt, liegt gerade in der Analyse der Deutschen zu ihrem eigenen Erfolg. Und diese Analyse ist falsch.

Der Erfolg Deutschlands ist genauso die Folge der Dynamik der Währungsunion wie die Krise der Peripherieländer. Ohne einen Umbau des institutionellen Rahmens und einer Neuausrichtung der deutschen Wirtschaft kann der Euro in seiner heutigen Form langfristig nicht bestehen.

Noch in den ersten Eurojahren war Deutschland der «kranke Mann Europas» und in einer schweren Rezession. Überwunden wurde sie einerseits durch gesenkte Leitzinsen der Europäischen Zentralbank und durch deutlich steigende Exporte in die heute leidenden Peripherieländer. Den steigenden Leistungsbilanzüberschüssen Deutschlands standen in den Peripherieländern entsprechende Defizite gegenüber. Sie waren damals die Wachstumsstars, Irland der beneidete «keltische Tiger». Die tiefen Zinsen befeuerten dort eine Immobilienblase und im Fall von Griechenland eine explodierende Staatsschuld. Eine allen angemessene Geldpolitik für alle Mitgliedsländer ist in einer Währungsunion nicht möglich.

Ohne Gemeinschaftswährung wäre dieser gefährliche Kreislauf durch die Entwicklung unabhängiger Währungen gebremst worden: Die Defizite Spaniens hätten den Peseta geschwächt, die deutschen Überschüsse hätte die Deutsche Mark verteuert.

Die deutschen Exportüberschüsse wurden aber auch durch Opfer der deutschen Beschäftigten befeuert. Ihre Löhne hielten nicht mit dem Produktivitätswachstum mit, und ihr Anteil am Bruttoinlandprodukt ging im Vergleich zu den Kapitaleinkommen zurück. Die Exporte wurden so konkurrenzfähiger.

Für die deutsche Bevölkerung haben die Exportüberschüsse nur einen beschränkten Nutzen. Denn was bringen Einnahmen aus dem Ausland der Bevölkerung, wenn sie sich nicht in zukunftsweisenden Investitionen, einem höheren Einkommensniveau oder in Konsum niederschlagen, sondern weiter der Finanzierung von Leistungsbilanzdefiziten anderer dienen. Die Exportüberschüsse Deutschlands übertünchen letztlich die Schwächen der Binnenwirtschaft.

Dieses aussenwirtschaftliche Ungleichgewicht ist auch das anhaltende Kernproblem für die Peripherieländer: Sie können gegenüber Deutschland nicht wie früher eine Währungsabwertung vornehmen. So bleibt ihnen bloss die sogenannte innere Abwertung, das heisst, sie müssen mit den Löhnen runter. Angesichts der vorherrschenden wirtschaftlichen Depression und der sehr hohen privaten Verschuldung in diesen Ländern führt diese Politik zu einer steigenden politischen Instabilität, wie etwa der Umstand zeigt, dass in Griechenland laut neusten Umfragen die rechtsextreme Partei Goldene Morgenröte bereits einen Stimmenanteil von 15 Prozent auf sich vereinigt.

Ohne Umdenken ist keine Lösung in Sicht

Solange Deutschland das eigene auf Exporten basierende Wachstumsmodell nicht überdenkt, wird die Eurokrise nicht gelöst werden. Es können nicht alle Exportüberschüsse machen. Ausserdem sind Gemeinschaftswährungen ohne Ausgleichsmechanismen instabil: Das lehrt die Geschichte, und das war auch den Vätern der Währungsunion in den 1980er-Jahren bewusst. Fällt das Ventil von Währungsanpassungen bei wirtschaftlich stark unterschiedlichen Regionen weg und gibt es keine ausgleichenden Wanderbewegungen der Beschäftigten aus den Krisenregionen in die Boomregionen, dann sind Ausgleichszahlungen notwendig, um den Erhalt einer Gemeinschaftswährung zu gewährleisten. Das gilt auch für die Währungsunion USA oder Schweiz, wo solche Mechanismen bestehen.

Verhindern lassen sich solche Ausgleichszahlungen auch jetzt nicht: Sie erfolgen in ungeplanten Notpaketen und Schuldenderlassen wie im Fall von Griechenland. Zwar sind einige institutionelle Verbesserungen – wie etwa eine Bankenunion – in Planung – aber noch immer dominiert das Prinzip, dass kein Land für das andere in irgendeiner Art bezahlen sollte. Solange die deutsche Regierung der eigenen Bevölkerung den wirtschaftlichen Erfolg des Landes als Muster für alle Europäer verkauft, wird sich daran nichts ändern. Und warum sollte sie, diese Botschaft hat schliesslich zu ihrem grossen Wahlerfolg beigetragen.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Ein-Sieg-der-deutschen...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Die Tüchtigen und die anderen

Technischer Fortschritt und wirtschaftliche Krise spalten die Gesellschaft. Es entstehen zwei neue Klassen: Die eine beherrscht die Maschinen, die andere wird von ihnen beherrscht.

«Elysium» heisst ein neues Sci-Fi-Movie mit Jodie Foster und Matt Damon. Es geht darin um eine Welt, in der sich die Superreichen auf eine Insel der Glückseligen – das bedeutet das Wort Elysium – im All absetzen, während der grosse Rest der Menschheit auf einem ökologisch zerstörten und überbevölkerten Planet Erde dahinvegetiert (siehe Trailer).

So utopisch ist dieses Szenario nicht, wenn der Ökonom Tyler Cowen recht bekommt. In seinem neuen Buch «Average Is Over» beschreibt er eine Gesellschaft, in der 10 bis 15 Prozent der Erwerbstätigen einen sehr gut bezahlten Job haben, weil sie die immer komplexeren Roboter und die Software beherrschen. Die anderen hingegen werden von den Maschinen beherrscht.  :bomb: Ihre Arbeit wird mehr oder weniger wertlos. Sie werden mit Sozialhilfe mehr schlecht als recht über Wasser gehalten und vertrödeln ihren Tag mit Videospielen.

Zurück ins Mittelalter

Tyler Cowen ist alles andere als ein linker Weltverbesserer. Er sieht seine Zukunftsvision nicht als Aufruf zur Rebellion, sondern als nüchternen Tatsachenbericht: Viele junge Menschen werden in billige Vorstädte wandern, von Junkfood leben und sich mit einer zerfallenden Infrastruktur und lausigen Schulen abfinden. Sie werden sich dagegen jedoch nicht auflehnen. «Die Habenichtse sind zu sehr mit ihren Videogames beschäftigt, als dass sie Molotowcocktails werfen würden», fasst der «Economist» Cowen zusammen. Es wird eine Art neue mittelalterliche Gesellschaft entstehen, in der sich die Armen in ihr Schicksal fügen.

Dieses Szenario ist teilweise bereits Realität. Einerseits gibt es rasante Fortschritte auf dem Gebiet der Software und der künstlichen Intelligenz. Der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt stellt in seinem Buch «Die Vernetzung der Welt» fest, dass noch keine Generation zuvor so viele technische Neuigkeiten erlebt habe, und schildert Beispiele, wie die Menschen damit umgehen werden. «Zum Beispiel werden sie integrierte Waschmaschinen verwenden, die Kleidung waschen, trocknen, bügeln, falten und sortieren, ein Garderobeninventar führen und per Algorithmus je nach Tagesplan ihrer Nutzer bestimmte Kombinationen vorschlagen. Haarschnitte werden endlich automatisiert und präzise.»

Detroit als Beispiel für die Zweiklassengesellschaft

Vom technischen Fortschritt werden jedoch nur die Tüchtigen und die Privilegierten profitieren. Der breite Mittelstand hingegen rutscht in die Armut ab. In den USA ist dieser Abstieg bereits im Gang. Das zeigen die jüngsten Zahlen. «Inflationsbereinigt ist das Einkommen des obersten Prozents zwischen 2009 und 2012 um 31 Prozent gestiegen, aber das reale Einkommen der untersten 40 Prozent ist um 6 Prozent gefallen», stellt Paul Krugman fest.

Typisch für die neue Zweiklassengesellschaft ist das Schicksal von Detroit. Die mit Bundeshilfe aufgepäppelten Autokonzerne scheffeln wieder Gewinne wie einst im Mai. Für die Einwohner von Detroit fallen davon höchstens Brosamen ab. GM, Ford und Chrysler spenden ab und zu ein paar Millionen Dollar für gute Zwecke, Arbeitsplätze hingegen schaffen sie nicht mehr. In der 1960er-Jahren waren 300'000 Einwohner von Motown bei einem der grossen Drei beschäftigt, heute sind es kaum noch 30'000. Die Aussichten, dass neue Autofabriken hochgezogen werden, sind nicht existent.

Die verbitterten Amerikaner

Die Trennung der Gesellschaft in Tüchtige und andere fordert ihren Tribut. Noch nie sei die Stimmung unter den Amerikanern so verbittert gewesen wie heute, stellt etwa Robert Reich fest. Er war Arbeitsminister unter Präsident Bill Clinton und lehrt heute an der Universität Berkeley in Kalifornien. Reich macht den paranoiden Stil in der Politik in Washington für die Situation verantwortlich. Mit gutem Grund: Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit, dass Verwaltung, Polizei und Armee geschlossen werden, weil es keine Einigung in der Schuldenobergrenze gibt, wieder einmal sehr gross, obwohl es dafür keinen rationalen Grund gibt.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Die-Tuechtigen-und-die...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Das Wunder von Lettland

Lettland hat für die Analyse der Eurokrise eine ähnliche Bedeutung, wie es der Fund eines aussergewöhnlichen Knochens für die Evolutionstheorie haben kann: nämlich dann, wenn besondere Merkmale dieses Knochens mit den gängigen Erklärungsmustern nicht übereinstimmen.

Die Bevölkerung von Lettland umfasst gerade mal 2 Millionen Personen. Doch Ökonomen interessieren sich brennend für das kleine Land: In den letzten Tagen hat der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard mit anderen eine Studie dazu veröffentlicht, auf den sich sogleich der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, sowie der «Economist» in seiner aktuellen Ausgabe gestürzt haben.

Für die Wirtschaftspolitiker der EU und insbesondere für die Euro-Politik Deutschlands ist Lettland der Knochen, der beweisen soll, dass harte Sparmassnahmen in der Krise die Lage eines betroffenen Landes eben doch verbessern und dass sich dessen Wettbewerbsfähigkeit auch durch innere Abwertung - also mit Lohnsenkungen statt einer Währungsabwertung, die in der Währungsunion nicht möglich ist – bewerkstelligen lassen.

Diese Sichtweise hat ansonsten sowohl in der ökonomischen Wissenschaft, wie auch in der Praxis einen sehr schweren Stand. In aller Kürze die Hauptargumente: Staatliche Sparmassnahmen mitten in der Krise senken in den Euro-Peripheriländern die ohnehin schwache Gesamtnachfrage weiter und  können nicht durch eine angemessene Geldpolitik oder eine schwächere Währung kompensiert werden. Die innere Abwertung über Lohnsenkungen mindert die Tragbarkeit der sehr hohen privaten Schulden und drückt dadurch auch auf den Konsum. So war es wenig überraschend, dass solche Massnahmen die wirtschaftliche (und politische) Lage der Euro-Peripherie weiter verschlechtert haben.

Bei Lettland scheint nun alles anders zu sein. Das kleine Land ist zwar nicht Mitglied der Eurozone. Das Land verfügt mit dem Lats über eine eigene Währung. Doch Lettland hat seine Währung freiwillig an den Euro gebunden, so dass es – wie die Euroländer – die Vorteile einer unabhängigen Währung aufgegeben hat. Im nächsten Jahr will EU-Mitglied Lettland dem Euro-Raum beitreten. Ähnlich wie Irland, Spanien oder Griechenland verzeichnete Lettland bis zur Finanzkrise einen Wachstumsrausch, der dann jäh eingebrochen ist und durch eine eigentliche Depression abgelöst wurde. Dazu gleich mehr.

Die folgende Grafik aus der Studie von Blanchard und Kollegen zeigt die Entwicklung der Arbeitslosenquote (blaue Linie, linke Skala) und des (indexierten) Wachstums des Bruttoinlandprodukts BIP (rote Linie, rechte Skala).

Growth and UnemplIn der kurzen Zeit von Ende 2007 bis Anfang 2010 ist die Arbeitslosenquote des kleinen Landes von 6 auf 21 Prozent praktisch explodiert. Das war die Folge eines Wachstumseinbruchs von 25 Prozent zwischen Ende 2007 und 2009.

Der Rausch vor dem Absturz zeigt in Lettland ähnliche Merkmale wie in den Peripherieländern : ein sehr hohes Konsum- und Investitionswachstum (besonders im Immobilienbereich) und in der Folge immer grössere Leistungsbilanzdefizite, die sich aber anfänglich problemlos durch wachsende kurzfristige Kapitalzuflüsse zu tiefen Zinsen finanzieren liessen. Treiber war auch in Lettland die Erwartung einer raschen Angleichung der Einkommen an den Westen («catch up effect») angesichts der Mitgliedschaft in der EU und der Absicht, auch der Währungsunion beizutreten. Der Boom führte allerdings zu ansteigenden Inflationsraten, was sich insbesondere in höheren Lohnstückkosten und damit in einer tieferen Wettbewerbsfähigkeit niedergeschlagen hat.

Wie in Irland oder Spanien (anders aber als in Griechenland, wo sich vor allem der Staat verschuldete) gab es bei den Staatsfinanzen vorderhand angesichts des (zu) starken Wirtschaftswachstums scheinbar keinen Grund zur Sorge. Im Jahr 2007 verzeichnete das Land einen Budgetüberschuss.

Der grosse Unterschied zur Entwicklung der Europeripherie zeigt sich nach dem Wirtschaftseinbruch. Während etwa die Volkswirtschaften Griechenlands oder Spaniens auch fünf Jahre nach der Krise faktisch im Zustand der Rezession verharren – mit Arbeitslosenquoten von 27 Prozent–, hat in Lettland nach einem drastischeren Einbruch eine viel stärkere Erholung eingesetzt. Die dem «Economist» entnommene Grafik zeigt das lettische Wunder im Vergleich zur Entwicklung ausgewählter Länder indexiert auf 100 im Jahr 2007, als in den USA die Finanzkrise ihren Anfang nahm:

Economist

Der Grund für die Freude an dieser Entwicklung bei den EU-Politikern: Tatsächlich hat Lettland in dieser Krise die beiden Dinge gemacht, die sonst nirgendwo funktioniert haben:

  1. Der lettische Staat hat trotz Krise gespart.
  2. Obwohl Lettland die eigene Währung – den Lats – hätte abwerten können, hat es an der Anbindung an den Euro festgehalten und es ist zu einer starken internen Abwertung gekommen, das heisst die Lohnstückosten sind stark gesunken.

Damit wird die Bedeutung von Lettland als der unerklärte Knochen in der Auseinandersetzung zur Europolitik offensichtlich. Fragt sich bloss, ob die Massnahmen auch tatsächlich für die Verbesserung der lettischen Lage verantwortlich sind.

Prüfen wir also, ob das lettische Wunder tatsächlich als gelungenes Beispiel für die Politik von EU und Deutschland gegenüber den Ländern der Euro-Peripherie taugt.  Damit gehen wir in Details, wie sie Blanchard und seine Kollegen präsentiert haben:

Was hat die Krise ausgelöst?

  • Der Einbruch der Wirtschaft Ende 2007 wurde nicht durch Sparmassnahmen des Staates beschleunigt, die es damals noch kaum gab. Ein Grund war der plötzlich unterbrochene Kapitalzufluss («Sudden Stop») zur Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite und damit des Booms der Binnenwirtschaft. Diese kurzfristigen Finanzströme liefen hauptsächlich über die Banken. Die lettischen Banken sind zum grössten Teil Tochtergesellschaften skandinavischer Institute. Zwischen dem Jahr 2000 und 2007 stiegen die Bankverbindlichkeiten von 30 Prozent gemessen am lettischen Bruttoinlandprodukt auf fast 90 Prozent. Zu zwei Dritteln finanzierten sich die lettischen Tochterbanken über ihre ausländischen Mutter-Institute. In der Krise kam es zu einem Run auf die Banken, worauf diese ihre Kreditvergabe praktisch einfroren. Die Bank Parex – keine ausländische Tochterinstitution – musste sogar durch den Staat gerettet werden. Heute exisitert sie nicht mehr.
  • Der zweite wichtige Grund für den Einbruch in Lettland war die Weltwirtschaftskrise. Als sehr kleine und sehr offene Volkswirtschaft wurde Lettland davon besonders hart getroffen.

Was hat Lettland geholfen

  • Lettland verfügt über ein Ventil, dass grösseren Volkswirtschaften nicht in diesem Ausmass zur Verfügung steht: Ein relativ grosser Teil der Bevölkerung verliess während der Krise das Land. Die Grafik unten – sie stammt aus der Studie – zeigt die Entwicklung. Die Autoren schreiben, dass die Arbeitslosenquote ohne diese Abwanderung bis zu 6 Prozent höher ausgefallen wäre. Diese Abwanderung hat zwar die Lage etwas entspannt, doch für die Zukunft des Landes ist sie schädlich. Die Studienautoren schreiben, dass es sich bei den Abgewanderten hauptsächlich um jüngere und besser ausgebildete Personen handelt und dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie zurückkommen, gering ist.
  • EmigrationDie Tatsache, dass die meisten lettischen Banken Töchter ausländischer Institute waren, kam dem Land schliesslich zugute. Diese Muttergesellschaften steckten die Verluste weg, die sonst das Überleben ihrer Ableger in Lettland gefährdet hätte. Diese Finanzhilfe aus dem Ausland hat letztlich die Kreditverknappung wieder gelöst. Einen solchen Vorteil haben die Banken in den Euro-Peripherieländern in der Regel nicht.
  • Auch wenn sich die lettische Notenbank ihre Geldpolitik fast ausschliesslich der Aufgabe verschrieben hat, die eigene Währung Lats an den Euro zu binden, hat sich ihre grundsätzliche Unabhängigkeit doch sehr vorteilhaft ausgewirkt- Vorteile, die den Europeripherieländern ohne eigene Notenbank fehlen. So war die lettische Notenbank bei der Rettung der Bank Parex beteiligt, was deutlich gemacht hat, dass sie im schlimmsten Fall als «Lender of last Resort» zur Verfügung steht. Das alleine schafft Vertrauen und verhindert eine Zinsexplosion, wie sie sich in den Peripherieländern gezeigt hat. Diese hätte fast zum Auseinanderbrechen der Eurozone geführt bis die  Europäische Zentralbank die Lage mit dem Versprechen wieder beruhigt hat, notfalls gegen Bedingungen unbeschränkt Staatsanleihen zu kaufen.

Welche Rolle hat die interne Abwertung gespielt       

  • Lettland ist es tatsächlich gelungen, die Lohnstückkosten drastisch zu senken, was der Wiederherstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit zugute kam. Doch das geschah nicht auf dem Weg von Lohnkürzungen – was mit einer internenen Abwertung sonst stets gemeint ist– sondern über Produktivitätsfortschritte. Wie diese zustande kamen, ist für Blanchard und seine Mitautoren ein Rätsel. Sie verweisen auf den Stellenabbau (weniger Leute produzieren die gleiche Menge). Doch sie stellen auch fest, dass die interne Abwertung per Lohnkürzungen in den Ländern der Europeripherie die Produktivität sogar gebremst hat. Eine direkte Lehre aus der lettischen internen Abwertung lässt sich daher für andere Länder nicht ziehen.
  • Die Löhne der Staatsangestellten wurden zwar in Lettland deutlich gesenkt. Doch bei den Beschäftigten in der Exportindustrie haben sie sich kaum bewegt, wie die Grafik unten aus der Studie mit indexierten Zahlen zeigt. Für die Wettbewerbsfähigkeit zählen aber nur diese Löhne. Der generelle Druck auf die Löhne hat aber wohl dazu geführt, dass diese Beschäftigten nicht von den Produktivitätsfortschritten profitiert haben.

Loehne ULC ProductivityWelche Rolle haben die Sparmassnahmen des Staates gespielt

  • Der Staat begann erst mit drastischen Sparübungen, als die Wirtschaft bereits ihren Tiefpunkt erreicht hatte. Im Jahr 2009 betrugen die Sparmassnahmen rund 8 Prozent am BIP, im Jahr 2010 weitere 5,4 Prozent und 2011 2,3 Prozent. Doch damals haben die erwähnten stützenden Faktoren bereits ihre Wirkung zu entfalten begonnen: Die Abwanderung, das nachlassen der Kreditbeschränkung, tiefe Zinsen. Die Autoren der Studie kommen daher zum Schluss, dass die Sparmassnahmen für sich alleine genommen, dem Wachstum wohl geschadet hätten, die hilfreichen anderen Faktoren aber stärker waren:

…the impulse for growth may well have been strong enough to offset the adverse direct effect of the consolidation.

Fazit:

Die Entwicklung von Lettland bleibt beeindruckend und – vor allem mit Bezug auf die Produktivitätsfortschritte – auch ein Rätsel. Sie belegt aber keineswegs, dass harte Sparmassnahmen mitten in der Krise zu einer Verbesserung führen oder dass eine innere Abwertung über drastische Lohnkürzungen in einem Land mit hoher privater Verschuldung und Arbeitslosigkeit  ein angemessenes Mittel zur Besserung ist. Damit taugt Lettland nicht zur Rechtfertigung der EU-Politik gegenüber den Ländern in der Euro-Peripherie.

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/33224/das-wun...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Alarm auf dem Acker

Über die Hälfte der deutschen Ackerfläche liegt vom Herbst bis ins Frühjahr karg und ungeschützt in der Landschaft, Wind und Regen ausgesetzt. Die Folge: Tonnenweise verschwindet fruchtbarer Boden.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1457670#/beitr...

 

Echt guter Beitrag mit z.T. simplem Verbesserungsmöglichkeiten, die aber kaum umgesetzt werden

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

In der Hoffnung, das ein Bauer den Denkanstoss aufnimmt:

http://www.cash.ch/comment/539579#comment-539579

 

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007

MarcusFabian hat am 08.10.2013 - 17:59 folgendes geschrieben:

In der Hoffnung, das ein Bauer den Denkanstoss aufnimmt:

http://www.cash.ch/comment/539579#comment-539579

 

Im Fall von dem im Beitrag erwähnten Terra Preta ging das Wissen verloren. Die Slaven nutzten gemäss Beitrag damals diese Technik.

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
«Finanzsystem hat etwas Sektenhaftes»

Als Top-Investmentbanker verschob Rainer Voss jahrelang Milliarden - bis er der Finanzwelt den Rücken kehrte. Nun übt er in einem Film harte Kritik an der Branche. cash sprach mit Voss vor der Schweizer Film-Premiere.

Rainer Voss stieg 1979 als Lehrling ins Bankgeschäft ein und war bis 2008 einer der führenden Investmentbanker Deutschlands. Im Dokumentarfilm "Master of the Universe" von Marc Bauder gewährt Voss einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Finanzwelt und spricht über ihre Reize und Probleme. cash sprach mit dem Hauptdarsteller des Films.

cash: Rainer Voss, was war der Grund für Ihren Rücktritt vom hoch dotierten Bankerjob?

Rainer Voss: Es gab eine ganze Reihe von Gründen, aber vor allem spürte ich eine grosse Müdigkeit, ein Ausgebranntsein. Und am schlimmsten war das Gefühl, langsam meine Würde zu verlieren. Würdevolle Arbeit bedeutet für mich, produktiv sinnvolle Dinge zu erschaffen. Das können durchaus auch Finanzierungen oder Finanzprodukte sein. Aber wenn ein selbstreferenzielles System aus Angst, nicht zu überleben, ständig neue Konstruktionen mit zweifelhaftem Nutzen an den Markt bringt, hat das etwas Würdeloses.

Gab es denn ein bestimmtes Ereignis, das Ihnen das Gefühl gab, am falschen Arbeitsort zu sein?

Nein, eigentlich nicht. Es war ein schleichender Prozess, der auch mit der persönlichen Entwicklung zu tun hatte und daher nicht verallgemeinert werden kann. Jeder leidet da anders.

Was war anschliessend Ihre Motivation, bei diesem Film mitzumachen?

Erstens hat nach dem Rücktritt in meinem Kopf ein Rad weitergedreht. Die Arbeit war zwar weg, aber ich habe mich gefragt, ob ich die richtige Entscheidung gefällt hatte oder ob ich nicht doch wieder in diese Welt zurück möchte. Irgendwann ist es mir dann gelungen, dieses Rad zu stoppen. Die zweite Motivation war, dass ich sehr wütend bin. Nicht auf eine bestimmte Institution oder auf bestimmte Personen. Ich bin wütend, weil ich 1979 als junger Mann bei einer Sparkasse eine Lehre begonnen hatte. Damals war der Beruf des Bankkaufmanns wie der Pfarrer oder der Arzt im Dorf. Der Beruf hatte etwas Seelsorgerisches. Und heute haben die Banker beinahe einen Ruf, der mit dem eines Kinderschänders vergleichbar ist. Es macht mich wütend, wenn ich sehe, was aus dem Beruf, den ich liebe und den ich auch für volkswirtschaftlich und gesellschaftlich sehr wichtig halte, geworden ist.

Waren Sie denn nicht schon Teil dieses Systems, das Sie nun kritisieren?

Ich kann Ihnen nicht widersprechen. Die Frage ist, wie weit das passiert ist. Es gibt unterschiedliche Stadien. Das schlimme Stadium ist, wenn man nicht mehr merkt, was mit einem passiert. Diesen Punkt habe ich bis zu meinem Rücktritt 2008 nie erreicht. Ich war zwar oft in Situationen, in denen ich mich gefragt habe: Bist das noch du? Aber ich war dann jeweils in der Lage, darauf zu reagieren. Ganz kritisch wird es, wenn man sich diese Frage nicht mehr stellt.

Was hat dazu geführt, dass sich das Bankensystem in die falsche Richtung entwickelt hat?

Es ist eine Art des Bankings, die ich für kontraproduktiv und asozial halte. Das hat dann immer mehr an Fahrt gewonnen bis zu den bekannten Folgen.

Ahnten Sie als junger Investmentbanker, was mit Ihrem Beruf geschehen könnte?

Nein, in keinster Weise. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, niemand konnte das in den 80er Jahren. Es herrschte eine Stimmung wie in einem Sandkasten: Wir durften alles machen, wozu wir Lust hatten. Nicht im negativen Sinne, sondern auf kreative Art und Weise. Man hat sich hingesetzt und fing an zu programmieren. Die Atmosphäre hatte fast schon den Charakter einer Universität oder eines Start-ups innerhalb der Bank.

Wie stark war die Kultur des Investmentbankings verantwortlich für die Finanzkrise?

Meiner Meinung nach fast ausschliesslich. Es ging ja um den Verlust von Verantwortungsgefühl und Werten. Und aus einem für mich noch unklaren Grund ist der Zusammenhalt zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen abgerissen.

Welche Rolle kam in dieser Entwicklung dem Vergütungssystem zu?

Da muss ich differenzieren. Geld im ursprünglichen Sinne spielt in diesem System keine Rolle. Geld ist der Ausdruck der Liebe, welche die Institution den Angestellten entgegenbringt. Und Menschen können nie genug Liebe kriegen. Die Gier, von der man im Zusammenhang mit Investmentbankern oft spricht, ist keine Gier nach Geld, sondern eine nach Liebe. Deshalb wäre die Frage spannend, ob man diese Gier auch mit einem anderen Symbol als mit Geld befriedigen könnte.

Ist diese Gier auch der Grund, weshalb diese Leute bereit sind, zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit zu arbeiten?

Genau. Es gibt in der Branche den Ausdruck 'Two-Nighter', wenn man zwei Nächte am Stück durcharbeitet. Muss ein Arzt 48 Stunden durcharbeiten, dann ist es nötig und er kann seinen Patienten helfen. Aber im Grunde wäre er lieber zu Hause. Bei der Bank aber ist es kein 'müssen', sondern ein 'dürfen'. Arbeit hat da eine völlig andere Funktion. Sie dient nicht mehr dem Erreichen eines Ziels, sondern ist Selbstzweck.

Haben die Risiken des Bankensystems seit Ihrem Rücktritt zugenommen?

Ja, dieses Gefühl habe ich. Der amerikanische Justizminister benutzt ja nicht mehr den Ausdruck 'too big to fail', sondern 'too big to jail'. Nehmen wir das Beispiel JP Morgan. Die sind zwar einen Vergleich von 13 Milliarden Dollar eingegangen. Doch wenn man ein Zinsergebnis von 100 Milliarden hat, ist das nicht mehr sonderlich viel. Ich habe den Eindruck, dass der Finanzmarkt ein bisschen geschrumpft ist. Aber es sind auch viel weniger Player auf diesem Markt. Die einzelnen Banken sind also viel wichtiger für das System geworden. Es ist also genau das Gegenteil von dem passiert, was eigentlich hätte geschehen sollen.

Wie könnte das Bankensystem sicherer gemacht werden?

Einerseits sind regulatorische Massnahmen nötig. Ich würde beispielsweise den Hochfrequenzhandel verbieten. Denn der hat keinen gesellschaftlichen Nutzen. Bei Instrumenten wie Derivaten, die durchaus sehr sinnvoll sind, müsste man den nutzvollen Aspekt betonen und den nutzlosen möglichst aus dem System nehmen. Zudem müssen wir die Kultur des Kaufmanntums zurückholen, damit die schädlichen Dinge gar nicht erst passieren. Im Moment grenzen wir ja ständig Dinge ein, die schon passiert sind. Viel besser wäre es deshalb, ein Berufsethos zu kreieren. Dazu könnte man einen Eid für Banker einführen. Bei Medizinern funktioniert das ja auch. Eine Ethikkommission müsste aus den gesellschaftlich relevanten Gruppen bestehen. Gewerkschaften, Kirchen, Bürgervertreter, Politiker, Vertreter der Finanzwirtschaft und anderen Industrien müssten zusammen an einen Tisch sitzen und zusammen reden und bestimmen, wohin die Reise gehen soll.

Sie erhoffen sich also eine Bankenregulierung, die aus der Institution heraus entsteht?

Ja, deshalb bevorzuge ich auch das kooperative System der Volksbank. Da ist der Depositor gleichzeitig Inhaber der Bank. Somit wird ein risikoreiches Geschäft vermieden und es entsteht ein selbstregulierendes System. Deshalb sind Volksbanken auch vergleichsweise glimpflich durch die Finanzkrise gekommen.

Wenn Sie einen Tag Chef der Finanzmarktaufsicht wären. Was würden Sie als Erstes ändern?

Ich würde der Politik klarmachen, dass ich viermal so viele Leute brauche - und diese müssten in Bezug auf ihre Qualifikation auch auf Augenhöhe sein mit den Leuten, die sie regulieren. Das würde auch für die Gehälter gelten.

Wieso übt der Beruf des Bankers immer noch eine gewisse Faszination auf junge Leute aus?

Das System hat etwas Sektenhaftes, zu dem gewisse Persönlichkeiten gern dazugehören möchten. Das hängt auch damit zusammen, dass an Wirtschaftsschulen gelehrt wird, wie man als kleiner, effizienter Teil einer Produktionskette perfekt funktioniert und weder links noch rechts zu schauen braucht. Dazu braucht man auch keine Moral. Denn man weiss ja nicht, was zuvor oder danach in der Produktionskette passiert. Aber in dem Moment, in dem man das System versteht und Verantwortung dafür spürt, setzt ein Denken ein, das weiter verbreitet sein müsste.

Würde sich denn ein moralisch denkender Mensch im Finanzsektor überhaupt wohl fühlen?

Das denke ich nicht. Ich beneide die Schweizer um ihr Niveau der Wut, das aus meiner Sicht viel höher ist als dasjenige Deutschland. Das hat bestimmt mit Herrn Vasella und anderen Personen zu tun. Aber ich spüre hier mehr Wut. Hinzu kommt, dass die Schweizer die Möglichkeit haben, mit Anliegen wie der 1:12-Initiative ihrer Wut Luft zu verschaffen. Darauf bin ich als Deutscher neidisch.

Würden Sie heute als 20-Jähriger erneut ins Bankbusiness einsteigen?

Auf keinen Fall. Allerdings würde ich meine ersten zehn tollen Jahre als Banker noch einmal erleben wollen und früher aufhören. Abgesehen davon würde jemand mit meinen damaligen Qualifikationen heute bei einer Bank höchstens noch Aufräumarbeiten verrichten.

Wie intensiv verfolgen Sie aktuell das Geschehen an den Finanzmärkten?

Sehr eng. Ich bin immer noch sehr gut vernetzt, auch auf höheren Ebenen. Ich komme nicht von diesem Umfeld los. Ich glaube, das ist auch nicht möglich. Ich verfolge das Geschehen mit Distanz, aber täglich und intensiv.

Wie hat sich Ihr Leben seit Ihrem Rücktritt geändert?

Klar habe ich nicht den Lebensstandard eines Facharbeiters, aber ich habe auch keine Ferrari-Sammlung oder Ähnliches. Mein ultimativer Luxus ist, dass ich jeden Morgen aufstehen kann und mir überlegen kann, worauf ich Lust habe. Am Sonntag habe ich mich beispielsweise zwei Stunden mit der Fortpflanzung von Quallen beschäftigt. Leider haben wir den Müssiggang verlernt. Immer vorausgesetzt, dass man niemandem auf der Tasche liegt und niemandem wehtut.

Hatte Ihr Rücktritt auch soziale Konsequenzen?

Ich hatte noch nie viele Banker als Freunde. Die wenigen, die ich habe, haben mich auch dazu ermutigt, in diesem Film mitzumachen. Aber sonst habe ich kein Feedback aus der Banker-Community erhalten.

Handeln Sie noch an den Finanzmärkten?

Ich bin selber nicht investiert. 2009 habe ich mein Geld zum letzten Mal umgeschichtet. Aktiv gemanagte Vermögensverwaltung halte ich für den grössten Blödsinn, den es gibt. Das Schlimmste ist die Jagd nach dem Alpha. Auf dieser Jagd fallen viele Gebühren an und dabei werden viele Leute reich.

Was ist für Sie die Hauptaussage des Films?

Ich war sehr nervös, bevor ich den Film zum ersten Mal gesehen habe. Das hängt auch mit dem Titel zusammen, der mir nicht gefällt. Wir hatten 35 Stunden Material mit spontanen Interviews. Und aus diesem Material kann man jede mögliche Person formen. Ich hatte Angst, dass etwas entstehen könnte, das nicht meiner Absicht entspricht. Schlussendlich war ich aber sehr erleichtert. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, weil er im Wesentlichen das wiedergibt, was ich auch gezeigt hätte.

Inwiefern fördert dieser Film das Verständnis für die Banken?

Ich möchte betonen, dass sich dieser Film nicht gegen die Bankenwelt richtet. Ich glaube nicht, dass eine Bande von Bankstern – ein Begriff, den ich übrigens hasse – vorhat, die Welt zu ruinieren. Vielmehr glaube ich, dass diese Leute dieselbe Motivation haben wie andere Berufstätige. Die Bankenwelt steuert zwangsläufig auf eine Katastrophe zu, aber dahinter steht keine Berechnung der Bankangestellten. Dieses Verständnis möchte ich im Film fördern.

Wie machen Sie das?

Der Film versucht zu beschreiben, was mit Menschen geschieht. Ich spreche sehr viel über mich und über die Verformung, die mit mir als Mensch passiert ist während dieser Zeit in der Bankenwelt. Wenn die Zuschauer über dieses Thema nachdenken, dann hilft das schon.

http://www.cash.ch/news/front/finanzsystem_hat_etwas_sektenhaftes-314684...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Wann gehen endlich die Zinsen rauf?

Wann gehen endlich die Zinsen rauf? Der neuste Konsens deutet darauf hin, dass das Fed im März 2014 mit dem sogenannten Tapering beginnen wird. Tapering bedeutet, dass die US-Zentralbank (Fed) den Aufkauf von Hypothekenpapieren (Quantitative Easing) drosselt und damit die Zinswende langsam einleitet.

Ist März 2014 realistisch? Niemand weiss es, nicht einmal das Fed selbst. Aber es gibt ein starkes Argument dagegen, das sich in einer einzigen Grafik zeigen lässt. Sie sieht so aus:

http://2ndlook.files.wordpress.com/2008/03/us-debt-to-gdp-ratio.jpg

Die Grafik zeigt, wie lange es nach der letzten grossen Finanzkrise der USA gegangen ist, bis die Verschuldung wieder auf ein verträgliches Niveau reduziert wurde.

Man kann dabei vier Phasen unterscheiden:

  1. Von 1929 bis 1933 stieg die Privatverschuldung (Household und Corporates) steil an. Es war die Zeit der Grossen Depression, als die Wirtschaft um 25 Prozent schrumpfte und die Realzinsen wegen der Deflation in die Höhe schossen.
  2. 1933 kam mit der Sanierung des Bankensystems und der Abwertung des Dollars die Wende. Die Erholung war ausserordentlich kräftig, die Realzinsen sanken schnell. Die Staatsschulden stiegen von 20 auf 40 Prozent des BIP.
  3. 1941 traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein. Dank der schnell wachsenden Militärausgaben herrschte bald Vollbeschäftigung. Am Ende des Krieges war der Privatsektor weitgehend entschuldet. Dafür explodierten die Staatsschulden.
  4. Nach dem Zweiten Weltkrieg reduzierte der Staat seine Schulden, indem er die Realzinsen über längere Zeit niedrig hielt. In den späten 1950er-Jahren waren die Schulden wieder unter dem Niveau von 60 Prozent des BIP. Die Tiefzinspolitik wurde aber bis Ende der 1970er-Jahren beibehalten.

Wo stehen die USA heute? Die Wende ist geschafft, aber die Entschuldung macht nur langsam Fortschritte. Anders als 1933–36 ist das Wachstum seit der Überwindung der Rezession schwach geblieben (Quelle: Business Insider, 23. September 2013):

debt deleveraging

Der Weg zurück in normales Territorium ist also noch weit. :bye:  Und weil ein Abbau der Schulden nur möglich ist, wenn das nominale BIP-Wachstum höher ausfällt als das nominale Zinsniveau, wird das Fed noch lange kein Interesse daran haben, die langfristigen Zinsen ansteigen zu lassen. Die Hoffnung auf eine baldige Zinswende ist deshalb aus meiner Sicht völlig unrealistisch.

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/33765/wie-geh...

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Gehören Sie zu den elitären drei Prozent?

Wie oft überschneiden sich die beiden Zeiger einer Uhr innerhalb von 24 Stunden? Wenn Sie diese Frage richtig lösen, gehören Sie zu den Letzten, denen noch eine bessere Zukunft bevorsteht – sagt ein US-Ökonom.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Gehoeren-Sie-zu-den-el...

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Die Besserwisser sollten sich entschuldigen

Weshalb sind die Ökonomen nach einer solchen Krise, wie wir sie in den letzten fünf Jahren erlebten, so wenig lernfähig? Eben!

Vor fünf Jahren herrschte weltweit Katastrophenstimmung zu Silvester. Das globale Bankensystem war kurz zuvor knapp einem Kollaps entgangen. Teams der wichtigsten Notenbanken koordinierten damals in nächtlichen Videokonferenzen ihre Kriseninterventionen, und niemand wusste, ob es gelingen würde, das Finanzsystem zu stabilisieren. Was drohte, war ein Bankencrash wie 1929. Dieser hatte die Welt in die grosse Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit gestürzt - der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg waren die Folge.

Von einer solchen Katastrophe sind wir heute weit entfernt. Die giergetriebenen «Masters of the Universe», als die sich die machtversessenen Banker verstanden hatten, sind in die Schranken gewiesen. Sie sitzen entzaubert in Villen in Florida, an der Côte d’Azur oder in Wollerau - und spielen Golf.

Die Krise hat Millionen von Menschen weltweit aus dem Arbeitsmarkt geworfen. Die Regierungen mussten zur Bankenrettung die Staatsverschuldung mehr als verdoppeln. Das Grundprinzip des modernen Kapitalismus kam bei diesen Interventionen zum Tragen. Es heisst: Die Gewinne privat - und die Kosten dem Staat! Noch ist die Krise nicht vollständig bewältigt. Strukturprobleme bleiben. Aber heute, am Jahresende 2013, darf man wieder mit einiger Zuversicht in die Zukunft blicken. In der Schweiz noch mehr als anderswo.

Rasch und pragmatisch

Bei allen Mängeln im Krisenmanagement ist zu würdigen, dass die staatlichen Instanzen der westlichen Welt von Anfang an Gegenmassnahmen ergriffen und untereinander effizient koordinierten. Die Notenbanken stabilisierten mit einer Gewaltanstrengung und unter blitzartiger Preisgabe alter Dogmen die Finanzmärkte. Die Helden dieses Kraftakts hiessen unter anderem Ben Bernanke (Fed), Mario Draghi (EZB), Philipp Hildebrand und Thomas Jordan (beide SNB ). Sie ergriffen pragmatisch und rascher als ihre Regierungen wichtige Massnahmen.

Wohl kein ernst zu nehmender Wirtschaftswissenschafter würde heute bestreiten, dass es die staatlichen Behörden und ihre Notenbanken waren, die das wankende Finanzsystem vor dem Crash retteten. Und nun sind die Regierungen daran, das Finanzsystem für die Zukunft sicherer zu machen.

Erstaunlich, was die politisch geschundene EU im vergangenen Jahr trotz (oder dank) der historischen Fehlkonstruktion, das produktivitätsschwache Südeuropa in die Eurozone einzubinden, geschaffen hat: eine Bankenunion mit einheitlicher Bankenaufsicht, eine unionsweite Budgetkontrolle, einen Mechanismus zur Währungsstabilisierung und einen gemeinsamen, wenn auch begrenzten Bankenrettungsfonds. Dieses System, das erst in Zukunft voll greifen wird, ist in einem komplexen, nicht gradlinigen Prozess zustande gekommen; letztlich hat sich die EU als entscheidungsstark erwiesen. Ihr Krisenmanagement hat funktioniert!

Verfehlte Kritik

Clapping   Erinnern wir uns an die Kritiker und Besserwisser der monetaristischen und neoliberalen Denkschulen, die mitten in der Krise den Notenbanken in den Rücken fielen? Erinnern wir uns, wie die amerikanischen Tea-Party-Extremisten das Fed gleich abschaffen wollten? :evil: Erinnern wir uns an die persönlichen Attacken von Christoph Blocher, Roger Köppel, Beat Kappeler und einzelner Bankdirektoren gegen Philipp Hildebrand und die gesamte Nationalbank-Leitung, die als «Falschmünzer» tituliert wurden?

Diese Kritiker waren Gefangene ihrer überholten Dogmen. Oder erinnern wir uns, wie Gerhard Schwarz, damals Wirtschaftschef bei der NZZ und heute Direktor der neoliberalen Denkfabrik Avenir Suisse,  Aggressiveseit über sechs Jahren vor einer hohen Inflation warnt (die nicht eingetreten ist), seine Nachfolger im NZZ-Börsenteil desgleichen?

:ok:  Eigentlich müssten sich diese Besserwisser heute entschuldigen für ihre persönlichen Verbalattacken und ihre sachlichen Fehleinschätzungen. Hätten die Notenbankchefs vor ihnen kapituliert, hätten wir viel grössere Probleme zu bewältigen als die hohen Kosten, welche die Stabilisierungsmassnahmen und die Konjunkturstützung mit sich gebracht haben.

Doch keiner der damaligen Kritiker wird sich je entschuldigen. Und keiner wird seine Meinung ändern. :fool:  Alle werden ihre Dogmen weiter pflegen.

Weshalb sind die Ökonomen nach einer solchen Krise so wenig lernfähig? Weil Wirtschaftswissenschaft eben keine exakte Wissenschaft ist, sondern Weltanschauung, angereichert mit etwas Statistik und scheinexakten mathematischen Modellen. Wirtschaftswissen basiert im Grunde auf Glaubensdogmen.

Die neoliberale Mainstream-Ökonomie hat drei unverrückbare Dogmen, die in Variationen unterschwellig immer wieder auftauchen.

Erstens: Die Privatwirtschaft ist effizient, der Staat ist ineffizient. Zweitens: Der freie Markt ist unfehlbar und führt stets zur besten Lösung.Und drittens: Die Notenbanken sollen (natürlich im Interesse der Anleger) nur die Inflation bekämpfen und nie die Arbeitslosigkeit.

Solche Dogmen sind Glaubenssache und korrekturresistent. (Allerdings wäre es ebenso falsch, sie einfach ins pure Gegenteil umzukehren.) Die Marktgläubigkeit hat eine quasireligiöse Dimension, fast wie bei einer Sekte. Keine Erfahrung in der Wirtschaftswirklichkeit kann den Glauben erschüttern.

Wie Fundamentalisten

Im Buch «Man muss dran glauben. Die Theologie der Märkte» zeigt der Autor Jochen Hörisch anhand unzähliger Texte plastisch: Ökonomie und Religion sind eng verwandt. Der Glaube an die Selbstheilungskraft des freien Marktes und die antistaatliche Glaubensfixierung sind genauso unverrückbar wie die Glaubensdogmen religiöser Fundamentalisten.

Die hinter uns liegende Finanzkrise hat uns immerhin gelehrt: Die Institutionen demokratischer Staaten sind fähig, ein ausser Rand und Band geratenes Wirtschaftssystem zu stabilisieren und die Menschen so gut es geht vor Schaden zu schützen. Nur sie können Vertrauen wiederherstellen.

Wir Ökonomen sollten nach diesem historischen Wirtschaftsdebakel etwas demütiger und bescheidener werden - und die Bürger gegenüber den Wirtschaftsleuten viel kritischer und selbstbewusster!

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Die-Besserwisser-sollt...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

weico
Bild des Benutzers weico
Offline
Zuletzt online: 20.07.2015
Mitglied seit: 16.11.2007
Kommentare: 4'550

                           2014: Die drei entscheidenden Fragen

 

Kommt der wirtschaftliche Aufschwung in Europa tatsächlich? Wird China eine weiche Landung gelingen? Und gibt es überhaupt noch echte Innovation?

 

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/2014-Die-drei-entschei... Treffende Fragen und gut geschrieben.....Chapeau Hr.Löpfe  

 

weico

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 14.02.2019
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 17'007
Warren Buffet kauft in der Ölbranche zu

Kurz vor Jahresende hat Warren Buffett nochmals zugeschlagen: Der US-Starinvestor kauft für 1,4 Milliarden Dollar dem Tankstellenbetreiber Phillips 66 eine Tochtergesellschaft ab.

http://www.20min.ch/finance/news/story/Warren-Buffet-kauft-in-der--lbran...

 

 

Da bin ich gespannt. Das ist aus meiner Sicht ein Fehlentscheid, wenn es was langfristiges sein soll.

Iran wird vielleicht dieses Jahr wieder im grossen Stil OL exportieren

Ab 2016 sollen die Elektorautos günstiger werden als die Autos mit Verbrennungsmotoren und China will in der Ökologie weltweit führend werden.

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Seiten