Europa

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19.03.2014 09:23
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Europa

1000 Jahre Geschichte in 3 Minuten

Die faszinierende Geschichte europäischer Staatengebilde seit dem Jahr 1000 n.Chr

http://www.fuw.ch/article/1000-jahre-geschichte-in-3-minuten/

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

22.02.2016 17:30
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"Where to invade next"

Ideen für das Land hinterm RegenbogenDer amerikanische Provokateur Michael Moore hat einen neuen Film voller Vorschläge gedreht: Eine kritische und witzige Bankrott- und Liebeserklärung an seine Heimat.....Halb Advocatus Diaboli, halb verschmitzter Schluffbär

Moores Grundidee ist so einfach wie albern. Die USA, so zeigt eine Montage aus historischem Archivmaterial, haben so viele Kriege geführt im 20. Jahrhundert, sind immer wieder in andere Länder einmarschiert – und was ist dabei herausgekommen? Nur Unheil. Also beschließt Moore, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die amerikanische Flagge geschultert, bricht er auf zu einer Invasion in all jene Länder, in denen er glaubt, etwas erobern zu können, das Amerika fehlt. Nicht etwa Öl oder andere Rohstoffe, sondern – jaja, es ist pathetisch – zwischenmenschliche und soziale Werte.

Halb Advocatus Diaboli, halb übergewichtiger, verschmitzter Schluffbär fällt Moore zunächst in Italien ein, um die dortigen Arbeits- und Freizeitgewohnheiten zu begutachten. Die erste kursorische Sichtung des Feindes führt zu einem deprimierenden, weil beneidenswerten Ergebnis: Mosking  Die Italiener sehen immer aus, als hätten sie gerade Sex gehabt. Bald ist auch klar wieso: In Italien haben die Menschen nicht nur mehrere Wochen bezahlten Urlaub im Jahr, ein dreizehntes Gehalt, von dem sie sich diesen Urlaub leisten können – also jede Menge Zeit für Sex – sondern, so erfährt Moore von einem sichtlich gut gelaunten italienischen Paar, wer heiratet, bekommt Extraurlaub, natürlich bezahlt. Ein fünfmonatiger bezahlter Mutterschutz nach der Geburt ist ebenso selbstverständlich.

Immer wieder hat Moore sein eigenes, übertrieben fassungsloses Gesicht mit Urlaubsfotos des perfekt durchtrainierten Paares gegengeschnitten, das dem Amerikaner aufmunternd zunickt und klarmacht: doch, doch, so ist das hier. Kein Vergleich mit Amerika, wo es für Arbeitnehmer mit sehr viel Glück zu zwei Wochen bezahltem Urlaub reicht.

http://www.zeit.de/kultur/film/2016-02/where-to-invade-next-michael-moore

 

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

18.06.2014 12:21
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Herz oder Verstand in Schottland

Drei Monate bis zur Unabhängigkeits-Abstimmung

In genau drei Monaten werden die Bewohner Schottlands über den grössten Verfassungsbruch im Vereinigten Königreich seit drei Jahrhunderten entscheiden. Am 18. September wird die Bevölkerung gefragt werden, ob Schottland eine unabhängige Nation sein möchte. Stimmt sie zu, wird der Bund mit England, Wales und Nordirland aufgelöst werden. Die in Edinburg regierenden Nationalisten hoffen, bereits bis 2016 die Trennung vollzogen zu haben.

Katastrophen-Kampagne

Die Zeit bis zur Volksabstimmung ist knapp geworden. Der Weg zur Unabhängigkeit erscheint aber noch weit. Nachdem sie gemäss Meinungsumfragen seit vielen Jahren ziemlich stabil bloss knapp einen Drittel Zuspruch erhalten hatte, legte sie im Frühjahr plötzlich stark zu. Die Ja-Stimmen kletterten rasch gegen die Marke von 40 Prozent. Gleichzeitig rutschten die Nein-Stimmen unter 50 Prozent; alles schien möglich. In den letzten Wochen ist der Aufholprozess allerdings ins Leere gelaufen. Bis zu einer Mehrheit müssten die Nationalisten noch erheblich zulegen.

Dass sie im Frühjahr plötzlich so viel Terrain gewinnen konnten, dürfte mit der Erstarkung der Tories und der United Kingdom Independence Party (Ukip) in England zu tun haben. Je wahrscheinlicher eine Wiederwahl der regierenden Konservativen wird und je mehr Einfluss die rechtsnationale Ukip erhält, desto attraktiver erscheint in dem überwiegend sozialdemokratischen Schottland der Abschied in die Unabhängigkeit. Wichtig war auch die katastrophale Leistung der Unionisten, die ihre Kräfte in der von den Westminster-Parteien geführten Kampagne «Besser Zusammen» gebündelt haben.

Die Politiker und Beamten in London warnten pausenlos vor der Katastrophe, sollten die Schotten auf die schützende Hand Englands verzichten. Die Regierung deutete an, sie könnte die durch die Unabhängigkeit formal nötige (Wieder-)Aufnahme Schottlands in die EU behindern. Der konservative Schatzkanzler Osborne wies die Hoffnung Edinburgs barsch zurück, künftig das britische Pfund in einer Währungsunion zu teilen. Innenministerin May drohte mit rigiden Grenzkontrollen. Das Schatzamt rechnete vor, ein unabhängiges Schottland könnte sich den eigenen Sozialhaushalt nicht mehr leisten und müsste Renten und Gesundheitsleistungen kürzen. Auch vonseiten der Wirtschaft, die Unsicherheit generell nicht mag und deren Manager mehrheitlich in Londoner Konzernzentralen sitzen, wurde zumeist abgeraten. Der Eindruck, Schottland werde vom politischen und wirtschaftlichen Establishment in London einmal mehr nicht für voll genommen, war für die Kampagne der Nationalisten Gold wert.

Kuschel-Optimismus

Während es den Unionisten in England an Empathie, Interesse und Visionen für eine gemeinsame Zukunft mangelte, vermochte der schottische Chefminister und Vorsitzende der Nationalisten, Alex Salmond, die emotionale Leerstelle mit einem wunderbar kuscheligen Wohlfühl-Optimismus zu füllen. Salmond spielte die unvermeidlichen Einschnitte durch möglichst vage Pläne und Prognosen herunter. Es gebe keinen Grund, erklärt er immer wieder, warum die Schotten die Herausforderungen der Zeit nicht mindestens so gut bewältigen sollten wie die Engländer – man braucht nicht Nationalist zu sein, um das zu akzeptieren.

Allerdings haben nationalistische Kampagnen auch eine hässlichere Seiten erkennen lassen. Intellektuelle, Unternehmer und Prominente haben sich in den letzten Wochen über aggressive Online-Kampagnen von «Cyber-Nats» beklagt, die Unionisten einschüchtern wollen. Deren volle Wucht hat letzte Woche die in England aufgewachsene, aber seit 21 Jahren in Schottland lebende Bestsellerautorin J. K. Rowling erleben müssen, nachdem sie eine Spende von 1 Million Pfund an die «Besser Zusammen»-Kampagne getätigt hatte.

Chancen und Risiken

Die bisherige Unabhängigkeits-Debatte hat Schwachstellen auf beiden Seiten aufgedeckt. Während die Unionisten in England Emotionen und Sympathie in ihrer Kampagne vergessen haben, wurde bei den Nationalisten die gezielte Ausklammerung harter wirtschaftlicher und rechtlicher Fakten deutlich. Die eine Seite sprach gewissermassen nur den Verstand an, während die andere ganz auf das Herz abzielte. Bei der Volksabstimmung werden aber beide zum Tragen kommen.

In dieser verfahrenen Lage hat nicht ein Politiker, sondern die Schriftstellerin Rowling eine der besonnensten und versöhnlichsten Verbindungen beider Elemente, von Herz und Verstand, vorgetragen. Die Ja-Kampagne verspreche, erklärte Rowling , eine fairere, grünere, reichere und gleichere Gesellschaft. Das klinge sehr verlockend. Sie sei nämlich, versicherte sie, keine Anhängerin der Regierung in Westminster und ärgere sich oft über die achtlose, geringschätzige Schottland-Berichterstattung durch die London-zentrierten Medien. Allerdings sei sie nach der Lektüre vieler Studien zum Schluss gekommen, dass der Alleingang neben Chancen auch erhebliche Risiken biete. Deshalb halte sie es für vernünftiger, die Unabhängigkeit auszuschlagen und stattdessen die Gelegenheit zu nutzen, mehr Autonomie für Schottland auszuhandeln.

Auf ähnlichem Niveau antwortete die in Edinburg lehrende Sozialwissenschafterin Mairi McFadyen . Sie verstehe alle Argumente Rowlings und glaube nicht, dass der Weg in die Unabhängigkeit leicht sein werde. Entscheidend sei aber für sie, erklärte sie, dass die Schotten die einzigartige Gelegenheit erhielten, ihre Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Sie könnten sich vom Diktat der Westminster-Politik befreien und versuchen, es besser zu machen. Beide Positionen sind patriotisch, vernünftig und vertretbar. Die Schotten werden in drei Monaten entscheiden, ob sie, wie McFadyen es ausdrückt, die Hoffnung oder die Angst voranstellen werden.

http://www.nzz.ch/international/europa/herz-oder-verstand-in-schottland-...

 

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