ewiges Wachstum und andere Märchen...

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04.02.2010 21:34
#1
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ewiges Wachstum und andere Märchen...

Überall liest man von einem x%-tigen Wachstum hier oder einer Inflation von x% da!

Vor kurzem habe ich folgenden Film mit 8 Episoden auf Youtube angeschaut. Er heisst: "The Most IMPORTANT Video You'll Ever See"

http://www.youtube.com/watch?v=F-QA2rkpBSY

In diesem Film erklärt ein Amerikanischer Professor sehr verständlich was die Konsequenzen dieser Zahlen sind (Für mich sollte dies Pflichtstoff an den Schulen sein!)

Beispiel:

Ein 5%-iges Wachstum ergibt eine Verdoppelung in 14 Jahren.

Besonders witzig ist dabei, dass man sich jede beliebige Verdoppelung im Kopf ausrechnen kann. Man nimmt einfach die Zahl 70 und teilt diese zum Beispiel durch die Zahl 5 (für 5% Wachtum/Jahr). Das Ergebnis ergibt 14 Jahre.

Alles was man sich für die Verdoppelungsrechnung merken muss ist die Zahl 70!

Wenn sich die Regierung von China zum Ziel setzt jährlich 8% zu wachsen, bedeutet dies eine Verdoppelung innerhalb von weniger als 9 Jahren usw. Weil wir hier von exponentiellen Kurven sprechen, hat sich die gleiche Ursprungszahl nach etwa 18.5 Jahren vervierfacht und nach nur gerade 28 Jahren wäre die Wirtschaft auf das 8-fache gewachsen. :shock:

Das gleiche Spiel kann man mit Inflation, Teuerung, Ölverbrauch, Bevölkerungswachstum usw. durchspielen. Das Resultat und die Konsequenzen sind meist ziemlich erschreckend.

Hält man sich solche Rechungen und die daraus resultierenden Konsequenzen vor Augen, scheinen mir die Prognosen von einigen "Untergangspropheten" oder Dr. Dooms nicht mehr ganz so unrealistisch.

Ich persönlich glaube, wir müssen uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten warm anziehen (ausser die jährliche Durchschnitts-Temperatur steigt in den kommenden Jahren jeweils um 2 % Wink )

Bin gespannt was andere in diesem Forum so denken.

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Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell
18.02.2010 23:12
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Re: Ein schönes Beispiel zu 70/4

tukaka wrote:

den wollte ich schon letzte woche posten:

http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/mit_der_inflation_krise...

vor 5 Minuten noch Nachtrag auf Tagesanzeiger :shock:

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Tabubruch-konomen-ford...

Klar möchte man inflationieren, weil man weiss, dass das droht: Dow bei 1000 - Longwave Analysts:

http://www.youblisher.com/p/11202-Longwave-Analyst-Dow-1000-is-Not-a-Sil...

18.02.2010 17:09
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Ein schönes Beispiel zu 70/4

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell

11.02.2010 15:15
Bild des Benutzers tukaka
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ewiges Wachstum und andere Märchen...

mal wieder was zu unrealistischen Wachtumsraten:

http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=12748

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell

08.02.2010 07:13
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@ weico

Quote:

Natürlich sind die Leute begeistert,wenn sie von solchen "Wachstum" hören

Von solchem Wachstum bin ich nicht sonderlich begeistert. Wink

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.

George Orwell

07.02.2010 18:32
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Re: Arithmetic, population and energy

Bugatti wrote:

Der grösste Schwachpunkt der menschlichen Rasse ist es, die Unfähigkeit die Exponentialfunktion zu verstehen.

Natürlich sind die Leute begeistert,wenn sie von solchen "Wachstum" hören,wie sie Prof.Bartlett beschreibt.Auch mit dem "Josephspfennig" oder der "Weizenkornlegende",lassen sich die Leute ja immer gerne begeistern..! :oops:

Das Unvermögen der menschlichen Rasse liegt aber wohl eher darin,dass die Exponentialfunktion auf Gebiete angewandt wird bzw. versucht wird anzuwenden..,wo es schlicht nicht möglich ist bzw.es absolut keinen Sinn macht,weil es in der REALITÄT dieser Gebiete eben auch UNZÄHLIGE RANDBEDINGUNGEN gibt. Wink

weico

06.02.2010 16:20
Bild des Benutzers MarcusFabian
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ewiges Wachstum und andere Märchen...

Fine-Tuner wrote:

Exemplarisch die Finanzbranche, die sich selber zum primus ante pares machen wollte, obwohl sie aus ökonomischer Sicht nur eine relativ unbedeutende Allokationsfunktion hat.

Dass sich die Finanzbranche als "primus" sieht ist soweit klar, das sie die anderen Branchen als "pares" zu betrachten bereit ist, wohl weniger Wink

Das Problem beginnt - wie richtig festgestellt - darin, dass alle Systeme irgendwann scheitern, wenn sie um einen bestimmten %-Wert pro Jahr wachsen sollen.

Beim kapitalistischen Kreditgeld-System kommt erschwerend hinzu, dass die Zinses-(zinses-zinses-zinses-zinses-)Zins-Kurve bereits vorher exponentiell wächst. Denn es müssen ja nicht nur die Zinsen sondern auch deren Zinsen durch das Wirtschaftswachstum bedient werden.

Entsprechend öffnet sich dann die Schere zwischen BIP und Schuldzinsen und bereits jetzt müssen die USA 38% ihrer Steuereinnahmen für Zinszahlungen aufwenden. Verständlich also, dass das System früher oder später kollabieren muss, wobei das Finanzsystem (= die Schuldenblase) lange vor dem natürlichen System von Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum kollabieren muss.

Wahrscheinlich ist dies auch der Grund dafür, dass in regelmässigen Abständen Geldsysteme kollabieren und teilweise auch Wirtschaftsleistung und Bevölkerungszahl durch Krieg oder Seuchen dezimiert werden müssen, damit das Spiel von vorne beginnen kann und womit wir bei weicos "zyklischem" Verlauf von Wachstum-Blase-Kollaps wären.

06.02.2010 13:11
Bild des Benutzers weico
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Re: ewiges Wachstum und andere Märchen...

tukaka wrote:

Bin gespannt was andere in diesem Forum so denken.

Wirtschaftliches Wachstum ,ob lineares,exponetielles,zyklisches gibt es schlicht solange,wie eine Nachfrage besteht.

Überproduktion/"Wachstum auf Halde", wird vom Markt schnell,über den Preis bzw.den Abbau von Produktionsmitteln,korrigiert.

Kriege,Seuchen,Naturkatastrophen,Wirtschaftskrisen usw. können so ein Wachstum aber schnell aus der "Bahn" werfen bzw. ein neues Wachstum generieren.

Das "tolle" am kapitalistischen Wirtschaftssystem ist ja gerade der Aspekt,dass es zur Blasenbildung neigt bzw. es dazu kommen muss (Minskys Krisentheorie)und damit schön aufzeigt, dass dieses System real eben nicht linear oder exponentiell vonstatten geht,sonder ZYKLISCH .

So gesehen, kann das jetztige Wachstums-System noch "ewig" so weitergehen.

weico

05.02.2010 17:29
Bild des Benutzers Elias
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ewiges Wachstum und andere Märchen...

Alle 8 Teile hintereinander

http://www.youtube.com/watch?v=F-QA2rkpBSY&feature=PlayList&p=6A1FD147A4...

Es lohnt sich, alle anzusehen.

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

05.02.2010 17:23
Bild des Benutzers CrashGuru
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Spanische Immopreise steigen auch ewig....

So als Beispiel....

Die hohen Wunschpreise wären vor zwei Jahren problemlos innert kürzester Zeit zu erzielen gewesen. Die nun realistischeren Preise finden trotzdem kaum Käufer.

Ewiges Wachstum :?:

05.02.2010 12:43
Bild des Benutzers fritz.
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ewiges Wachstum und andere Märchen...

Sehr eindrückliche Erklärung von einfacher Mathematik. Das muss man sich anschauen.

Gruss

fritz

05.02.2010 08:32
Bild des Benutzers Fine-Tuner
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ewiges Wachstum und andere Märchen...

Gutes, inspiratives post.

"Ewiger Wachstum" ist effektiv eine schlimme Sache. Es hätte uns fast in den Abgrund gestürzt.

Es gibt zwei Arten von Wachstum: Qualitativ und Quantitativ.

Viele Branchen definieren Wachstum ausschliesslich über Quantität. Exemplarisch die Finanzbranche, die sich selber zum primus ante pares machen wollte, obwohl sie aus ökonomischer Sicht nur eine relativ unbedeutende Allokationsfunktion hat. Sie hat in den letzten Jahrzehnten die Wirtschaft extrem gepusht was zu all den schlimmen Blasen, die jetzt eine nach der anderen platzen, führte.....und schliesslich die Finanzbranche selbst implodieren liess.

Der Kapitalismus ist in einer tiefen Sinnkrise. Viele Menschen haben die Nase voll von immer "besser", "schneller", "höher", "weiter". Dies ist unter anderem eine Folge der immer älter werdenden Gesellschaft. Je älter man wird umso mehr kann man reflektieren und erkennt die wirklichen Werte im Leben. Im weiteren ist man auch nicht mehr bereit sich täglich diesen infantilen Wettbewerbs- und Verdrängunstorturen auszusetzen. Die Welt steht heute an einem Wendepunkt. Neue Werte braucht das Land. Wenn wir die Kurve nicht kriegen, gibts einen harten crash.

Fine-Tuner