Finanzkrise: Die Lage ist «sehr ernst»

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25.11.2007 08:32
#1
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Finanzkrise: Die Lage ist «sehr ernst»

Der Vizepräsident der Nationalbank, Philipp Hildebrand, zeichnet ein düsteres Bild der Finanzkrise.

Sie habe sich seit August deutlich verschärft und die Situation sei sehr ernst, sagte er der «SonntagsZeitung». Der Spielraum der Zentralbanken sei zudem wegen der Inflationsgefahr begrenzt.

Nach der ersten Schockwelle, die die US-Immobilienkrise auf den Finanzmärkten ausgelöst hatte und die auch bei den Schweizer Grossbanken zu Milliardenlöcher riss, hatten Behördenvertreter noch die Hoffnung geäussert, das das Schlimmste überstanden sei. Nun hat sich die Lage offensichtlich zum Schlechteren gewendet. In für einen Notenbanker ungewöhnlich deutlichen Worten skizzierte der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Hildebrand, eine sehr ungemütliche Situation. «Ich schätze die Situation als sehr ernst ein. Wir erleben eine zweite Welle von Krisensymptomen an den Kreditmärkten», sagte er in dem Interview der «SonntagsZeitung». In mancher Hinsicht sei sie noch ausgeprägter als die erste Welle vom vergangenen 9. August. «Die Krise hat sich deutlich verschärft», sagte der SNB-Vizepräsident.

Die Lage wegen zwei Faktoren so ernst, zum einen wegen der allgemeinen Situation auf dem US-Immobilienmarkt, zum anderen wegen der tiefe Bonität auf dem Markt für Hypotheken. Auf dem US-Immobilienmarkt gebe es kaum Anzeichen einer Stabilisierung, und schon gar keine im positiven Sinne. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Lage weiter verschlechtere, sei aus heutiger Sicht gross.

Hildebrand untermauerte seine Befürchtung mit Informationen von der Börse in Chicago über den Handel mit einem Derivatkontrakt auf Immobilienpreise. Demnach rechne der Markt in den nächsten zwei Jahren mit einer Abschwächung der Preise auf dem gesamten US-Immobilienmarkt um rund zehn Prozent. Dies wäre eine Preiskorrektur, wie sie der US-Immobilienmarkt in der Nachkriegszeit noch nie erlebt habe, sagte Hildebrand und rechnete vor, dass es um eine Korrektur von 1.000 Milliarden Dollar ginge. Auf dem Markt für Hypotheken komme das Problem hinzu, dass eine grosse Zahl der zweitrangigen Hypotheken in den nächsten Monaten mit einem Zinsaufschlag rechnen müsse. Deshalb bestehe das Risiko, dass es in grösserem Stil zu weiteren Zahlungsunfähigkeiten kommen werde.

Der Nationalbank-Vizepräsident verwies weiter auf das Dilemma der Zentralbanken bei der Geldpolitik. Sie sähen sich nicht nur mit einer Kreditkrise konfrontiert, die sich allenfalls noch verschärfen könnte. Sondern es gebe auch verschiedene Hinweise, dass die Inflationsgefahr grösser geworden sei. «Deshalb kann die Geldpolitik auf diese Krise nicht einfach mit Zinssenkungen reagieren», sagte Hildebrand. Der Spielraum sei sehr begrenzt.

Auf die Frage, ob alles nur schwarz sei, sagte Hildebrand, die Finanzkrise komme in einem Zeitpunkt, in dem die Weltwirtschaft so robust sei, wie in den letzten Jahrzehnten nie mehr. «Wenn wir schon eine solche Krise erleben müssen, dann gibt es kaum einen besseren Moment als heute», sagte der SNB-Vize. Ausweichend antwortete er auf die Frage, ob den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse weitere Milliardenabschreibungen bevorstünden. Er gehe aber davon aus, dass die Problematik in der Schweiz auf die grossen Finanzinstitute beschränkt bleibe. Zur Frage nach den Folgen für die Gesamtwirtschaft, sagte Hildebrand, im Moment seien vor allem Banken und Investoren betroffen, die sich exzessiv und zum falschen Zeitpunkt im Geschäft mit US-Hypotheken engagiert hätten.

http://www.20min.ch/news/wirtschaft/story/16431045

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Erfindung, Euphorie, Aktiencrash, technologischer Durchbruch
29.09.2014 19:33
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MarcusFabian hat am 29.09.2014 - 19:22 folgendes geschrieben:

Ok, aber unter dem Strich macht das aus Sicht der Chinesen wenig Sinn: Sie kaufen Baumwolle in den USA, fertigen daraus T-Shirts, die sie wiederum an die USA verkaufen und bekommen dafür grün bedrucktes Papier bzw. Schuldscheine.


Was mir nach wie vor nicht in den Kopf will: Wenn es mir (als Land oder Person) schlecht geht und ich wenig Geld habe, dann gebe ich alles was ich erarbeite aus, um meinen Lebensstandard zu verbessern. Aber ich gehe doch nicht hin und finanziere einem reichen Nachbarn mit meinen sauer ersparten Kröten seine zweite Luxusjacht, oder?

 

 

..im Link ist es ausführlich und gut beschrieben...sogar von einem Chinesen... WARUM sie die grünen Scheinchen brauchen. 

 

 

weico

29.09.2014 19:22
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Ok, aber unter dem Strich macht das aus Sicht der Chinesen wenig Sinn: Sie kaufen Baumwolle in den USA, fertigen daraus T-Shirts, die sie wiederum an die USA verkaufen und bekommen dafür grün bedrucktes Papier bzw. Schuldscheine.

Die Gesamtmenge dieser amerikanischen Schuldscheine in chinesischer Hand liegt aktuell bei 1265 Mrd. Dollar, was fast $1000 für jeden der 1.364 Mrd. Chinesen ausmacht. In China entspricht das etwa 3-4 Monatsgehältern.

Per Definition hat China das Recht, die US-Schulden jederzeit einzufordern und sich Waren im Wert besagter 1.2 Billionen Dollar liefern zu lassen. Klar, das geht nicht auf einen Schlag, denn das würde die Kaufkraft des Dollars ziemlich schwächen. Und die USA wären wohl nach 40 Jahren Defizit auch nicht in der Lage, ihre Schulden in Sachwerten zu begleichen.

Was mir nach wie vor nicht in den Kopf will: Wenn es mir (als Land oder Person) schlecht geht und ich wenig Geld habe, dann gebe ich alles was ich erarbeite aus, um meinen Lebensstandard zu verbessern. Aber ich gehe doch nicht hin und finanziere einem reichen Nachbarn mit meinen sauer ersparten Kröten seine zweite Luxusjacht, oder?

 

 

29.09.2014 18:56
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MarcusFabian hat am 29.09.2014 - 18:13 folgendes geschrieben:

Warum muss der Handelsüberschuss Chinas so gross sein? Warum produziert China nicht vermehrt für den eigenen Markt?

Menschen und Nachfrage gäbe es ja genug.

Die enorm hohe Sparrate der Chinesen, behindert halt die Binnennachfrage. Wer viel spart..der konsumiert eben auch wenig(er).

 

weico

 

 

29.09.2014 18:13
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Einverstanden. Aber im Satz Solange ... das Trade Surplus von China so riesig ist liegt der logische Zirkelschluss, denn:
Warum muss der Handelsüberschuss Chinas so gross sein? Warum produziert China nicht vermehrt für den eigenen Markt?

Menschen und Nachfrage gäbe es ja genug.

29.09.2014 17:38
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Elias hat am 29.09.2014 - 11:38 folgendes geschrieben:



http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/35717/finanzk...

 

..aus den Kommentaren des Link-Beitrages :

Marcus Fabian29. September 2014 um 15:03

9. Die Chinesen verlieren das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Dollars und verkaufen (erst klammheimlich, dann wird’s bekannt… ) US-Treasuries, um dafür Rohstoffe, Agrarland, Firmen etc. zu kaufen.
Indien, Japan, Korea, Taiwan folgen diesem Beispiel. Es kommt zum Anleihencrash und Vertrauensverlust in den Dollar.

 

Solange (noch) Dollarhegemonie herrscht und das Trade Surplus von China so riesig ist ... müssen die Chinesen US-Treasuries kaufen.

 

Die Erklärung dazu:

http://henryckliu.com/page215.html

 

 

weico

29.09.2014 11:38
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Finanzkrisen: Eine kurze Einführung

Seit der Finanzkrise von 2008/09 hat die Forschung enorme Fortschritte gemacht. Wir verstehen heute die Anatomie der Krisen viel besser als noch vor zehn Jahren. Das beste Buch ist nach wie vor dasjenige von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff («This Time Is Different»). Aber auch der IWF produziert seit Jahren exzellente Analysen und Datenreihen. Darauf aufbauend lässt sich eine kurze Einführung verfassen.

Kurzum, es sind drei Fragen, die man stellen muss, um den Kern einer Finanzkrise zu erfassen:  :ok:

  1. Sind die Banken oder die Staaten verschuldet?
  2. Findet die Verschuldung im Ausland oder im Inland statt?
  3. Ist die Auslandsverschuldung in einer fremden oder in der eigenen Währung?

Selbstverständlich gibt es in der Realität viele Mischformen. Aber das Wesentliche ist damit gesagt.  Clapping

 

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/35717/finanzk...

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin