Geldpolitik

141 posts / 0 new
Letzter Beitrag
Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
Geldpolitik

Die Impotenz der EZB

 

Die Europäische Zentralbank hat ihre Zinsen gesenkt und will noch weiter gehen. Das ändert nichts daran, dass sie bei ihrem grössten Problem ziemlich hilflos ist.

Geldpolitik, wie sie einführende Lehrbücher beschreiben, ist nicht schwer zu verstehen.

Ist eine Wirtschaft in der Krise, senkt die Notenbank die Leitzinsen. Das bedeutet, dass die Banken das Geld billiger erhalten und entsprechend ihrerseits die Kredite günstiger vergeben können. Billigere Krediten führen zu mehr Investitionen der Unternehmen und Private bauen mehr oder kaufen gegen günstigere Hypotheken mehr Immobilien. Ausserdem sinkt mit dem Zinsniveau der Wert der Währung, was den Exporten Schub verleiht. Weiter sorgt ein tieferes Zinsniveau für steigende Kurse von Aktien und anderen Anlagen, denn deren Rendite wird nach einer Zinssenkung vergleichsweise attraktiver. Kurz: Wenn eine Notenbank den Leitzins senkt, gibt das der ganzen Wirtschaft Schub. Das nennt man den «Transmissionsmechanismus» der Geldpolitik.

Leider funktioniert dieser einfache Mechanismus seit der Krise nicht mehr lehrbuchmässig.

Über einige Gründe dafür wie die Liquiditätsfalle (weil die Leitzinsen schon bei Null Prozent liegen) oder die «Balance Sheet Recession» (weil das «Deleveraging», das heisst der Schuldenabbau und der Aufbau eines Liquiditätspolster alles dominiert) haben wir hier schon viel geschrieben (zum Beispiel hier, hier, hier oder hier). Die Europäische Zentralbank hat noch ein weiteres Problem: Sie hat nur einen Leitzins, der angesichts der sehr unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Mitgliedsländer nie für alle Länder und zuweilen sogar für kein einziges Land passt.

Letzteres ist allerdings nicht ein Problem, das die EZB nur in der Krise hat. Dass die Zinsen zu Beginn des neuen Jahrtausend für Deutschland zu hoch und für die Peripherieländer zu tief waren, ist sogar eine wichtige Ursache für die aktuellen Probleme der Eurozone – hier mehr dazu.

Jetzt aber hat sich das Problem noch deutlich verschärft: Immerhin hat vor der Krise eine Veränderung des Leitzinses zu einer gleichgerichteten Veränderung des Zinsniveaus in den Ländern geführt: Hat die EZB den Leitzins gesenkt, ist das Zinsniveau immerhin überall zurückgegangen und umgekehrt. Jetzt funktioniert das auch nicht mehr: Seit 2005 hat die EZB ihren Leitzins auf weniger als einen Drittel des damaligen Niveaus gesenkt. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Spanien oder Italien bezahlen heute aber höhere Zinssätze für Kredite als damals – laut «Economist» mehr als 6 Prozent. In Deutschland bezahlen ähnliche Unternehmen dagegen nur rund 3,5 Prozent und sie bewegen sich dort im Einklang mit den Leitzinsen.

Wie stark sich die Kreditzinsen in der Eurozone für KMU auseinander entwickelt haben, zeigt die folgende Grafik aus dem jüngsten «Global Financial Stability Report» (GFSR) des Internationalen Währungsfonds (IWF). Programm-Länder sind jene, die bei Veröffentlichung des Berichts bereits am Tropf eines EU-Rettungspakets hingen: Griechenland, Portugal und Irland:

Diese Entwicklung ist aus drei Gründen äusserst dramatisch:

  • Der Anteil der KMU an der Beschäftigung in den Peripherieländern ist noch grösser als anderswo. Laut «Economist» liegt er in Spanien bei 67 Prozent und in Italien sogar bei 80 Prozent. In den USA liegt er nur bei rund der Hälfte, in Frankreich bei 60 Prozent.
  • KMU sind besonders auf Bankenkredite angewiesen. Der Kapitalmarkt und damit auch eine internationale Finanzierung steht ihnen nicht offen.
  • Die hohen Sätze verteuern nicht nur neue Kredite für Investitionen in den krisengeplagten Ländern. Die Unternehmen sind zudem ohnehin schon hoch verschuldet. Der «Economist» hat berechnet, dass die italienischen Unternehmen auf Schulden im Umfang von rund 855 Milliarden Euro sitzen. Zinsen von mehr als 6 Prozent führen zu einer jährlichen Zinslast von mehr als 50 Milliarden Euro. Hätten die Unternehmen nur schon das Zinsniveau Frankreichs, würden sich diese jährlichen Kosten mehr als halbieren.

Die Kreditvergabe in den Peripherieländern schrumpft daher seit Jahren, wie die folgende Grafik ebenfalls aus dem GFSR des IWF zeigt:

Nun könnte man argumentieren, der Einbruch der Kredite sei nicht bloss die Folge von teureren Krediten. Angesichts der depressiven Wirtschaftslage mit rekordhohen Arbeitslosenraten in den Peripherieländern ist der Bedarf nach Investitionen auch unabhängig vom Zinsniveau gering. Die folgende Grafik – ebenfalls aus dem GFSR des IWF – zeigt, dass eine solche Trennung zwischen Nachfrage- und Angebotsursachen der geringen Kreditversorgung wenig Sinn macht:

In aller Kürze: Das Angebot der Banken an Krediten nimmt ab, weil die schlechte Wirtschaftslage die Bilanzen der Banken verschlechtert (Kredite werden nicht zurückbezahlt und weitere Anlagen verlieren an Wert). Das Risiko für die Vergabe von neuen Krediten steigt, weshalb solche weniger und zu deutlich höheren Zinssätzen vergeben werden. Die Nachfrage der Unternehmen nach Krediten nimmt ab, weil die Unternehmen Schulden abbauen müssen, weil die Kredite zu teuer sind und weil die Wirtschaftslage und damit die Absatzchancen so schlecht sind. Die Folge sind weniger Kredite und Investitionen. Das ist aber wiederum die Ursache einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage, was von der Angebots- wie von der Nachfrageseite zu noch geringeren Krediten und Investitionen führt.

Mit dem so genannten OMT-Programm (der blossen Ankündigung, im Notfall entschieden gegen überhöhte Zinsen bzw. Renditen von Staatsanleihen gefährdeter Ländern vorzugehen) hat die EZB den Teufelskreis bei den Zinskosten für gefährdete Länder gebrochen. Den Teufelskreis mit den Kreditkosten für KMU in den Peripherländern aber bekommt die Notenbank bisher nicht in den Griff und er ist potenziell für die Eurozone ebenso gefährlich wie derjenige bei den Staatsanleihen. Das ist man sich bei der EZB sehr wohl bewusst. Nach jeder Zinsentscheidung weist Präsident Mario Draghi in seiner Pressekonferenz darauf hin und jedesmal wirkt er etwas hilfloser ob der Impotenz seiner Institution. Tatsächlich war denn auch der Zinsentscheid von letzter Woche nicht die einzige und wichtigste Neuerung in der Politik der EZB. Mit folgenden drei weiteren Massnahmen will sie gegen die Kreditklemme vorgehen:

  • Erstens will die EZB die Banken im Rahmen ihrer dominierenden Refinanzierungs-Operationen («Main Refinance Operations») mindestens bis zum Sommer 2014 unbeschränkt mit Geld zum fix vorgegebenen auf 0,5 Prozent gesenkten Leitzins (dem Hauptrefinanzierungssatz) versorgen. Normalerweise gibt die Notenbank sonst auch eine Mengenbeschränkung («Mengentender») vor oder lässt die Banken mit Zinsaufschlägen («Zinstender») für das ausgeliehene Notenbankgeld bieten. Laut EZB-Chef Mario Draghi stehen die zwei Massnahmen Zinssenkung und unbeschränkte Zuteilung in einem engen Zusammenhang:

«The combination of the two measures is important by itself. It ensures the smooth transmission of our monetary policy to money markets. The fixed rate full allotment policy will represent liquidity insurance for the banking system… In other words, this is a measure that benefits all kinds of banks…»

Alle Arten von Banken sollen von der weiter ausgebauten, verbilligten und vereinfachten Kreditvergabe profitieren können. So sollte die Angst verfliegen, dass einzelne Banken (in der Peripherie) allein wegen fehlender Liquidität gefährdet werden könnten. Allerdings scheint Draghi selbst nicht wirklich an die Wirksamkeit einer ausgebauten Liquiditätsversorgen zu glauben. Denn er machte auch klar, dass die Banken eigentlich jetzt schon problemlos zu Notenbankgeld kommen könnten:

«So, frankly, fears over a lack of funding cannot be used as an excuse for not lending.»

  • Zweitens will die EZB prüfen, ob Kredite an KMU in so genannte «Asset Backed Securities» (ABS) verbrieft werden und so direkt an den Kapitalmärkten gehandelt werden können. Hier ist aber noch nichts beschlossen. Gut möglich, dass der Plan wieder fallengelassen wird. Immerhin haben verbriefte Kredite seit der Finanzkrise einen sehr schlechten Ruf. Das bestätigt auch Mario Draghi, der zu diesen Plänen entsprechend unverbindlich blieb:

«ABS have a very bad name, but one should say that there were very different kinds of ABSs…we are far from reaching any conclusion. We are looking at all possible options, we are aware of the importance of this and we are also aware of what we can do and what we cannot do.»

  • Drittens könnte die EZB die Zinssätze für Notenbankeinlagen von Banken («Deposit Facility») im Minusbereich ansetzen. Momentan liegt dieser Satz bei 0 Prozent. Das käme einer Besteuerung der Einlagen gleich und hätte zum Zweck, dass die Banken ihr Geld eher an Unternehmen als Kredite weitergeben, statt es bei der Notenbank zu lagern. Draghi lässt sich auch hier alle Optionen offen:

«On the deposit facility rate, we said it in the past: we are technically ready. There are several unintended consequences that may stem from this measure. We will address and cope with these consequences if we decide to act. We will look at this with an open mind and we stand ready to act if needed.»

Kurz: Der EZB fehlen bisher schlicht die Instrumente, um der Kreditklemme in den Peripherieländern wirksam genug entgegenzutreten. Fast schon verzweifelt gibt Mario Draghi denn auch einmal mehr den Ball an die Politik weiter, mit der Bankenunion endlich vorwärts zu machen. So lange das Bankenrisiko, die Bankenaufsicht und die Bankenabwicklung in den Mitgliedsländern mit ihren stark unterschiedlichen Möglichkeiten im Umgang mit Problemen in diesen Bereichen bleiben, kann die Geldpolitik der EZB im Krisenfall die Kreditversorgung nicht überall gleich beeinflussen.

Auch hier bestätigt es sich wieder: Die EZB ist zwar die mächtigste wirtschaftliche Institution der Eurozone. Aber angesichts der Erfordernisse der Währungsunion kann sie allein viel zu wenig ausrichten. http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/12718/die-imp...

Bullish
Bild des Benutzers Bullish
Offline
Zuletzt online: 18.09.2014
Mitglied seit: 27.03.2007
Kommentare: 2'932

Interessanter Artikel, doch ein Aspekt kommt zu wenig zum Tragen.

Elias hat am 08.05.2013 - 09:40 folgendes geschrieben:

 Die Nachfrage der Unternehmen nach Krediten nimmt ab, weil die Unternehmen Schulden abbauen müssen, weil die Kredite zu teuer sind und weil die Wirtschaftslage und damit die Absatzchancen so schlecht sind.

Wegen der fallenden Assetpreise können diese Unternehmen nicht mehr genügend Sicherheiten für ihre Kreditnachfrage bereitstellen. Im Gegenteil, nicht wegen den zu teueren Krediten wird deleveraged, sondern weil die Sicherheiten der bereits bestehenden Kredite am fallen sind. Banken verlangen für die bestehenden Kredite mehr Sicherheit oder die Rückzahlung.

Die Fokussierung auf lediglich die mangelnde Nachfrage ist deshalb fatal, weil so der Eindruck entsteht, das Problem liege am "Markt" oder könne mit einem veränderten Marktmechanismus gelöst werden.
 


  • Zweitens will die EZB prüfen, ob Kredite an KMU in so genannte «Asset Backed Securities» (ABS) verbrieft werden und so direkt an den Kapitalmärkten gehandelt werden können. Hier ist aber noch nichts beschlossen. Gut möglich, dass der Plan wieder fallengelassen wird. Immerhin haben verbriefte Kredite seit der Finanzkrise einen sehr schlechten Ruf. Das bestätigt auch Mario Draghi, der zu diesen Plänen entsprechend unverbindlich blieb:

«ABS have a very bad name, but one should say that there were very different kinds of ABSs…we are far from reaching any conclusion. We are looking at all possible options, we are aware of the importance of this and we are also aware of what we can do and what we cannot do.»

"Asset backed securities" sagt alles: die Kredite, die die Banken an KMU's gegen das Stellen von Sicherheiten gewährt haben oder noch gewähren sollen, sollen aus den Bankbilanzen gelöst und im Markt verkauft werden. Die Umwandlung von Bankkrediten in Wertpapiere heisst Verbriefung.

Dass die Banken solche verbrieften Kredite aus ihren Bilanzen draussen haben möchten, ist nur dann nachzuvollziehen, wenn es sich um Kredite mit relativ schlechten Sicherheiten, also um Schuldner schlechter Bonität handelt.

Jene ABS, die Draghi anspricht, waren nicht immer so schlecht, als wie sie heute wahrgenommen werden. ABS werden dann schlecht, wenn das "Asset", das die "Security" "backen", also absichern, soll, im Preis sinkt und so weniger wert wird, als der Nennwert, auf den die "Security" lautet.

Noch dümmer ist, wenn eine derart betroffene ABS noch selber als Sicherheit in einem anderen Kreditgeschäft dient. ... wie geschehen.

 

 

Bullish
Bild des Benutzers Bullish
Offline
Zuletzt online: 18.09.2014
Mitglied seit: 27.03.2007
Kommentare: 2'932

Ein interessanter Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/eurokrise-und-ihre-folgen-das-damoklesschwert-der-euroaufwertung-12177281.html

Eurokrise und ihre  Folgen

 

Das Damoklesschwert der Euroaufwertung

 

10.05.2013 ·  Die Stärke der deutschen Wirtschaft beruht wesentlich auf dem durch die Krise schwachen Euro. Endet die Krise der Währungsunion, dann wertet die Gemeinschaftswährung stark auf - und viele Arbeitsplätze drohen verlagert zu werden.

 

Von CARL CHRISTIAN VON WEIZSÄCKER

weico
Bild des Benutzers weico
Offline
Zuletzt online: 20.07.2015
Mitglied seit: 16.11.2007
Kommentare: 4'550

Bullish hat am 10.05.2013 - 21:13 folgendes geschrieben:

Ein interessanter Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/eurokrise-und-ihre-folgen-das-damoklesschwert-der-euroaufwertung-12177281.html

Eurokrise und ihre  Folgen

 

Das Damoklesschwert der Euroaufwertung

 

10.05.2013 ·  Die Stärke der deutschen Wirtschaft beruht wesentlich auf dem durch die Krise schwachen Euro. Endet die Krise der Währungsunion, dann wertet die Gemeinschaftswährung stark auf - und viele Arbeitsplätze drohen verlagert zu werden.

 

Von CARL CHRISTIAN VON WEIZSÄCKER

..ob mit Aufwertung oder Ohne,die Arbeitsplätze werden abwandern.

 

Sein Keynes-Szenario kann nur hinauzögern..aber das Unvermeindliche eben nicht verhindern.

 

Den systembedingten Verlauf, hat Wolfgang Theil gut in ........  "Bürgerliches Recht, Geld und zinsinduzierte Geldknappheit..... erklärt (unter 6.5 Geldknappheit und Wirtschaftspolitik / Seite 33 beschrieben)

 

Link gibt's hier:

http://www.cash.ch/comment/437418#comment-437418

 

 

weico

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

Bullish hat am 10.05.2013 - 21:09 folgendes geschrieben:


"Asset backed securities" sagt alles: die Kredite, die die Banken an KMU's gegen das Stellen von Sicherheiten gewährt haben oder noch gewähren sollen, sollen aus den Bankbilanzen gelöst und im Markt verkauft werden. Die Umwandlung von Bankkrediten in Wertpapiere heisst Verbriefung.


 

 

Ist ja nichts neues. Obschon uns MBS seit 2008 geläufiger sind als ABS.

Die Frage bleibt immer dieselbe wie beim Schwarzen Peter: Wer übernimmt diese heissen "Wert"-Papiere, deren Wert weit unter dem Nominalwert liegt?

Und was macht er damit (ausser Gewinnen, gemäss Elias)?

Wer bezahlt schlussendlich die Verluste, wenn die Papiere fällig werden und abgeschrieben werden müssen?

 

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250

MarcusFabian hat am 12.05.2013 - 05:49 folgendes geschrieben:

Die Frage bleibt immer dieselbe wie beim Schwarzen Peter: Wer übernimmt diese heissen "Wert"-Papiere, deren Wert weit unter dem Nominalwert liegt?

Und was macht er damit (ausser Gewinnen, gemäss Elias)?

Wer bezahlt schlussendlich die Verluste, wenn die Papiere fällig werden und abgeschrieben werden müssen?

MarcusFabian hat am 10.03.2012 - 19:38 folgendes geschrieben:

Auch schon x mal zu erklären versucht: Abgerechnet wird am Schluss.

Richtig.

 

Jammern auf Vorrat bringt nichts. Wer aufgibt, hat schon verloren. Bis jetzt hat die SNB Gewinn gemacht und das Verlustrisiko erheblich reduziert.

 

Der Häusermarkt in den USA sieht nicht schlicht aus :bye:

 

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Bullish
Bild des Benutzers Bullish
Offline
Zuletzt online: 18.09.2014
Mitglied seit: 27.03.2007
Kommentare: 2'932

Elias hat am 12.05.2013 - 17:57 folgendes geschrieben:


MarcusFabian hat am 10.03.2012 - 19:38 folgendes geschrieben:

Auch schon x mal zu erklären versucht: Abgerechnet wird am Schluss.

Richtig.

 

Jammern auf Vorrat bringt nichts. Wer aufgibt, hat schon verloren. Bis jetzt hat die SNB Gewinn gemacht und das Verlustrisiko erheblich reduziert.

 

 

 

Der "Schluss" sieht für alle düster aus, es darf also gar keinen geben. Bis dahin gibt es einfach temporäre Gewinner und Verlierer.

weico
Bild des Benutzers weico
Offline
Zuletzt online: 20.07.2015
Mitglied seit: 16.11.2007
Kommentare: 4'550

Bullish hat am 12.05.2013 - 21:06 folgendes geschrieben:

Elias hat am 12.05.2013 - 17:57 folgendes geschrieben:

 

MarcusFabian hat am 10.03.2012 - 19:38 folgendes geschrieben:

Auch schon x mal zu erklären versucht: Abgerechnet wird am Schluss.

Richtig.

 

Jammern auf Vorrat bringt nichts. Wer aufgibt, hat schon verloren. Bis jetzt hat die SNB Gewinn gemacht und das Verlustrisiko erheblich reduziert.

 

 

 

Der "Schluss" sieht für alle düster aus, es darf also gar keinen geben. Bis dahin gibt es einfach temporäre Gewinner und Verlierer.

Daniel Stelter sieht diesen "Schluss" ebenfalls und bietet,in seinem neuen Buch bzw. Webseite,auch Lösungen an.

Seine frühzeitigen Lösungsansätze und eine freiwillig-und politisch unterstützte  Rosskur, bleibt natürlich schlicht Wunschdenken. 

 

http://www.schuldenbombe.de/index.php/literaturtipps

http://www.amazon.de/Die-Billionen-Schuldenbombe-Krise-begann-warum/dp/3...

 

weico

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

Elias hat am 12.05.2013 - 17:57 folgendes geschrieben:


 

Jammern auf Vorrat bringt nichts. Wer aufgibt, hat schon verloren. Bis jetzt hat die SNB Gewinn gemacht und das Verlustrisiko erheblich reduziert.

 

Der Häusermarkt in den USA sieht nicht schlicht aus smiley

 

 

Gehen wir mal zurück zur Ausgangslage:
Da hat sich im Jahr 2007 der Walmart-Wägelischieber Joe Sixpack mit $1200 Monatseinkommen eine Hypothek aufschwatzen lassen, die ihn $1000 pro Monat kostet und die er sich nicht leisten kann.

Seine Schuldverschreibung wurde zerstückelt, gebündelt, in ein Paket verschnürt, mit einem AAA-Rating versehen und weiterverkauft. An andere Banken, Pensionskassen, Versicherungen oder Hedge-Fonds.

Wer dieses Papier nun hat, besitzt ein Schuldpapier, das nicht bedient wird und das er irgend wann abschreiben muss. Er darf - nach neuen Bilanzierungsregelungen seit März 2009 - das Papier zwar zum Nominalwert in der Bilanz führen aber das ist nur Kosmetik, denn spätestens bei Fälligkeit, muss das Papier abgeschrieben werden.

Nun kann er, wenn er Glück hat, einen Dummen finden, der ihm das Papier abkauft. Und wenn er sehr gut ist, verkauft er es sogar mit Gewinn. Aber nun hat halt der Käufer den Schwarzen Peter. Vielleicht konnte er das Papier auch via CDS gegen Zahlungsausfall versichern. Dann wird dereinst der Versicherer den Schaden haben.

Egal wie man es dreht und wendet, wie man das Papier benennt, umverpackt oder bilanziert: Es hilft nichts, denn schlussendlich ist da immer noch der Joe Sixpack, der sich die Hypothek nicht leisten kann. Irgend jemand hat das Papier und wird es abschreiben müssen. Und falls es sich bei diesem "Jemand" um eine systemrelevante Bank handelt (oder Versicherung, Pensionskasse) wird schlussendlich der Steuerzahler dafür gerade stehen müssen.

Dies natürlich unter der Voraussetzung, dass Joe Sixpack nicht einen weitaus besser bezahlten Job findet oder eine satte Lohnerhöhung bekommt. Aber danach sieht es im Moment nicht aus.

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250

MarcusFabian hat am 13.05.2013 - 06:30 folgendes geschrieben:

Elias hat am 12.05.2013 - 17:57 folgendes geschrieben:

Jammern auf Vorrat bringt nichts. Wer aufgibt, hat schon verloren. Bis jetzt hat die SNB Gewinn gemacht und das Verlustrisiko erheblich reduziert.

 

Der Häusermarkt in den USA sieht nicht schlicht aus smiley

Gehen wir mal zurück zur Ausgangslage:
Da hat sich im Jahr 2007 der Walmart-Wägelischieber Joe Sixpack

Das ist typisch MF. Wenn etwas einfach ist, dann verkomplizierst du es unnötig, bis falsche Schlüsse gezogen werden (z.B. Inflation / Deflation & Warenflüsse, bis die Preise gleich sind) oder du simplifzierst es dermassen, dass man sich nur noch an den Kopf langen kann :roll:

 

Fakt ist:

Joe Sixpack wäre auch im Multipack kein Problem gewesen. Es gibt immer wieder Hauseigentümer, die zahlungsunfähig werden. Hätte man die Lehman nicht fallen lassen, wäre auch vieles erspart geblieben.

Bail out: Es war richtig, die UBS zu retten. Der Bund hat Gewinn gemacht und die SNB bisher auch. Kein Arbeitslosen, kein Domino-Effekt, keine weiteren Schäden.

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

Elias hat am 13.05.2013 - 08:59 folgendes geschrieben:


Fakt ist:

Joe Sixpack wäre auch im Multipack kein Problem gewesen. Es gibt immer wieder Hauseigentümer, die zahlungsunfähig werden.

 

Wenn einer seinen Kredit nicht bedienen kann, ist das für die Bank immer ein Problem. Wenn es nur 3% oder 5% der Kredite sind, kann die Bank das noch mit Eigenmitteln abfedern. Bei 20% Ausfall oder mehr, wird es existenzbedrohend.

Erinnere Dich daran, dass in den Jahren 2001-2007 konsequent Hypotheken an Leute vergeben wurden, bei denen selbst die trivialste Prüfung ergeben hätte, dass die sich die Hypotheken nicht leisten können. Ohne diese lasche - fast schon kriminelle - Hypothekenvergabe wären wohl weder Bear Stearns noch Lehman Brothers in die Bredouille geraten. Eben so wenig Freddy Mac, Fanny Mae oder Countrywide.

Diese faulen Papier sind noch im System. Sie sind noch nicht abgeschrieben. Es ist also zu früh, das Problem als gelöst zu betrachten.

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250

MarcusFabian hat am 13.05.2013 - 15:30 folgendes geschrieben:

Diese faulen Papier sind noch im System. Sie sind noch nicht abgeschrieben. Es ist also zu früh, das Problem als gelöst zu betrachten.

Niemand hat behauptet, alle Probleme seien gelöst. Die Rettung der UBS hat dem Bund jedenfalls schon mal einen Gewinn gebracht.

 

Der von der SNB im Jahr 2008 mit toxischen Papieren der UBS gegründete Stabilisierungsfonds entwickelt sich weiterhin positiv, wie es heisst. Das Darlehen an den Stabilisierungsfonds konnte im ersten Quartal weiter von 4,4 Mrd. CHF auf 3,3 Mrd reduziert werden, und das Gesamtrisiko für die SNB ging von 5,1 Mrd auf 4,0 Mrd zurück. Der Stabilisierungsfonds weist einen Quartalsgewinn von 582 Mio USD aus, der Beitrag zum Konzernergebnis beträgt 182 Mio CHF.  http://www.cash.ch/news/alle-news/snb_q1_konzerngewinn_1122_mrd_chf_stab...

5 Milliarden müsste die UBS verkraften können.

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

sime
Bild des Benutzers sime
Offline
Zuletzt online: 25.05.2016
Mitglied seit: 26.07.2012
Kommentare: 1'545

Elias hat am 13.05.2013 - 08:59 folgendes geschrieben:

MarcusFabian hat am 13.05.2013 - 06:30 folgendes geschrieben:

Elias hat am 12.05.2013 - 17:57 folgendes geschrieben:

Jammern auf Vorrat bringt nichts. Wer aufgibt, hat schon verloren. Bis jetzt hat die SNB Gewinn gemacht und das Verlustrisiko erheblich reduziert.

 

Der Häusermarkt in den USA sieht nicht schlicht aus smiley

Gehen wir mal zurück zur Ausgangslage:
Da hat sich im Jahr 2007 der Walmart-Wägelischieber Joe Sixpack

Das ist typisch MF. Wenn etwas einfach ist, dann verkomplizierst du es unnötig, bis falsche Schlüsse gezogen werden (z.B. Inflation / Deflation & Warenflüsse, bis die Preise gleich sind) oder du simplifzierst es dermassen, dass man sich nur noch an den Kopf langen kann smiley

 

Fakt ist:

Joe Sixpack wäre auch im Multipack kein Problem gewesen. Es gibt immer wieder Hauseigentümer, die zahlungsunfähig werden. Hätte man die Lehman nicht fallen lassen, wäre auch vieles erspart geblieben.

Bail out: Es war richtig, die UBS zu retten. Der Bund hat Gewinn gemacht und die SNB bisher auch. Kein Arbeitslosen, kein Domino-Effekt, keine weiteren Schäden.

 

 

@ Elias

Wenn der Bund Gewinn macht, dann zahlen wir zuviel Steuern, ganz simpel. Glencore, diese Saubande, zahlen heuer keinen Rappen Steuern, weil sie die Xstrata-Übernahme geltend machen, welche verzögert wurde. Ist das in Ordnung? Allerdings sollte das Geld nicht hier versteuert werden, sondern dort, wo sie den Ländern die Rohstoffe klauen. FIFA, UEFA sind auch so Musterbeispiele, wie dieses Land vor die Hunde geht. Wozu soll ich Steuern bezahlen? Warum werden in Syrien von den Rebellen Schweizer Handgranaten verwendet, die von der RUAG hergestellt wurden? Warum wird in Saudi-Arabien soviele Waffensysteme der am Bodensee angesiedelten Waffenschmieden an dubiose Waffenhändler verkauft und die Schweiz macht keinen Mucks? Warum bezieht die Schweiz nicht klar Stellung, dass Israel ein zionistisches Besatzerland ist und an den Palästinenser einen Völkermord verübt? Warum muss der Steuerzahler ein WEF bezahlen, oder gar ein Bilderbergertreffen? Die Schweiz hat soviele dunkle Kanäle, die mich zweifeln lassen, dass man Steuern zahlen sollte. Wenn man wie Du behauptest, es ein Fehler gewesen wäre, die UBS nicht zu retten und wenn man es nicht versucht hätte, schon verloren hätte, dann bringst Du zum Ausdruck, dass Du am alten System festhälst. Ist Dir auch nicht zu verübeln, weil es Dir finanziell auch gut geht. Doch ich lasse mich mit dem gestohlenen Reichtum nicht mehr abfertigen. Unsere Banken sollen nur vor die Hunde gehen, denn diese Mafia muss gestoppt werden, weltweit.

Falls Du bei der SNB die UBS- Schrottpapiere ansprichst und der daraus resultierende Gewinn, so ist das nur der FED zu verdanken, welche dieses Klopapier aufkauft. Die SNB ist für das Geldsystem nicht das Mass der Dinge, sondern lediglich ein Mitspieler. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass das System funktioniert. Siehe dazu mein noch folgender Beitrag in Geldsysteme.

 

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250

sime hat am 14.05.2013 - 22:30 folgendes geschrieben:

Elias hat am 13.05.2013 - 08:59 folgendes geschrieben:

MarcusFabian hat am 13.05.2013 - 06:30 folgendes geschrieben:

Elias hat am 12.05.2013 - 17:57 folgendes geschrieben:

Jammern auf Vorrat bringt nichts. Wer aufgibt, hat schon verloren. Bis jetzt hat die SNB Gewinn gemacht und das Verlustrisiko erheblich reduziert.

 

Der Häusermarkt in den USA sieht nicht schlicht aus smiley

Gehen wir mal zurück zur Ausgangslage:
Da hat sich im Jahr 2007 der Walmart-Wägelischieber Joe Sixpack

Das ist typisch MF. Wenn etwas einfach ist, dann verkomplizierst du es unnötig, bis falsche Schlüsse gezogen werden (z.B. Inflation / Deflation & Warenflüsse, bis die Preise gleich sind) oder du simplifzierst es dermassen, dass man sich nur noch an den Kopf langen kann smiley

 

Fakt ist:

Joe Sixpack wäre auch im Multipack kein Problem gewesen. Es gibt immer wieder Hauseigentümer, die zahlungsunfähig werden. Hätte man die Lehman nicht fallen lassen, wäre auch vieles erspart geblieben.

Bail out: Es war richtig, die UBS zu retten. Der Bund hat Gewinn gemacht und die SNB bisher auch. Kein Arbeitslosen, kein Domino-Effekt, keine weiteren Schäden.

 

 

@ Elias

Wenn der Bund Gewinn macht, dann zahlen wir zuviel Steuern, ganz simpel.

Der Bund hat mit den UBS-Aktien Gewinn gemacht

Die SNB hat bisher mit den UBS-Schrottpapieren Gewinn gemacht.

Steuern hin oder her.

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Nebukadnezar
Bild des Benutzers Nebukadnezar
Offline
Zuletzt online: 25.05.2016
Mitglied seit: 21.03.2012
Kommentare: 677

Elias hat am 15.05.2013 - 07:35 folgendes geschrieben:

 

Der Bund hat mit den UBS-Aktien Gewinn gemacht

Die SNB hat bisher mit den UBS-Schrottpapieren Gewinn gemacht.

 

Hat die SNB die UBS Aktien und Schrottpapiere schon verkauft? Erst wenn verkauft wurde kann man von Gewinn sprechen, der Wind kann jederzeit wieder drehen!

---------------------------------------------------------------------------------------------
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250

Nebukadnezar hat am 15.05.2013 - 18:50 folgendes geschrieben:

Elias hat am 15.05.2013 - 07:35 folgendes geschrieben:

Der Bund hat mit den UBS-Aktien Gewinn gemacht

Die SNB hat bisher mit den UBS-Schrottpapieren Gewinn gemacht.

 

Hat die SNB die UBS Aktien und Schrottpapiere schon verkauft? Erst wenn verkauft wurde kann man von Gewinn sprechen, der Wind kann jederzeit wieder drehen!

BISHER, BIS JETZT

Viele Cash-Forums-Strategen hätten die UBS ja seinerzeit fallen lassen, wenn sie hätten können und so ein riesen Desaster angerichtet.

Abgesehen davon hält die SNB meines Wissens keine UBS Aktien. Und wenn sie welche hält, dann haben sie nichts mit den Stabfund zu tun.

Ende dieses Jahr wird die SNB wahrscheinlich es zulassen, dass die UBS den Stabfund wieder abkaufen darf.

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Bullish
Bild des Benutzers Bullish
Offline
Zuletzt online: 18.09.2014
Mitglied seit: 27.03.2007
Kommentare: 2'932

Elias hat am 15.05.2013 - 07:35 folgendes geschrieben:BISHER, BIS JETZT

Viele Cash-Forums-Strategen hätten die UBS ja seinerzeit fallen lassen, wenn sie hätten können und so ein riesen Desaster angerichtet.


 

Das stimmt tatsächlich: um ein paar P***köpfen eine Lektion zu erteilen, hätten wir die ganze Stadt abbrennen lassen.

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
US-Notenbanker streiten offen über Geldpolitik

Wegen der anziehenden Konjunktur fordern die beiden Fed-Mitglieder Charles Plosser und Richard Fisher, den Kauf von Staatsanleihen zu reduzieren. Ihr Kollege Eric Rosengren will die extrem lockere Geldpolitik dagegen fortsetzen.

"Es läuft gut genug", sagte Plosser am Donnerstag in Mailand mit Blick auf die US-Konjunktur, die zuletzt Fahrt aufgenommen hat. Deshalb sollte die Fed schon ab Juni weniger Anleihen erwerben. "Ich würde keine genaue Zahl nennen, wie stark die Käufe verringert werden", sagte der Chef der regionalen Notenbank Philadelphia Fed. "Wir können den Sieg an der Häuserfront melden", sagte Fisher, der Chef der Dallas Fed ist. "Der Häusermarkt braucht nicht mehr den gleichen Anschub wie bisher."

85 Milliarden Dollar pro Monat

Das Platzen der Immobilienblase 2007/08 hatte die USA in die schwerste Rezession seit Jahrzehnten gestürzt. Die Fed hat daraufhin die Zinsen nahe Null gesenkt und Hunderte Milliarden Dollar in die Wirtschaft gepumpt. "Für mich ist die konjunkturstimulierende Geldpolitik derzeit angemessen", sagte Rosengren, der Chef der Boston Fed ist.

Die Zentralbank hatte erst zu Jahresbeginn beschlossen, monatlich Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar zu kaufen - und das solange, bis die Arbeitslosigkeit auf etwa 6,5 Prozent gesunken ist. Die Arbeitslosenquote ist im April mit 7,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende 2008 gefallen. "Die US-Wirtschaft erholt sich schrittweise", sagte Rosengren. "Der Fortschritt ist auch Ergebnis unserer konjunkturstimulierenden Geldpolitik."

Die US-Wirtschaft wuchs zu Jahresbeginn um 0,6 Prozent. Die deutsche Wirtschaft schaffte dagegen nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent. http://www.cash.ch/news/top_news/usnotenbanker_streiten_offen_ueber_geld...

 

 ♪ Völker, hört die Signale!  ♫

 

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

T15
Bild des Benutzers T15
Offline
Zuletzt online: 27.11.2016
Mitglied seit: 11.10.2008
Kommentare: 1'837

Es läuft gut genug... Hmm... doch warum genau läuft es???

 

Falls die FED aufhören sollte am Markt zu intervenieren denke ich geht alles baden... villeicht is der DJ dann schnell wieder unten... Das ganze gefällt mir nicht. In einem Artikel diese Woche wurde beschrieben wie die Schweizer die Aktien Rally verpasst haben.... Ja wer is den da nun verantwortlich für die steigenden Kurse?
 

@Elias

Warum steigen die Aktien nun? Was erwartest du?

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250

T15 hat am 16.05.2013 - 21:33 folgendes geschrieben:

Es läuft gut genug... Hmm... doch warum genau läuft es???

 

Falls die FED aufhören sollte am Markt zu intervenieren denke ich geht alles baden... villeicht is der DJ dann schnell wieder unten... Das ganze gefällt mir nicht. In einem Artikel diese Woche wurde beschrieben wie die Schweizer die Aktien Rally verpasst haben.... Ja wer is den da nun verantwortlich für die steigenden Kurse?
 

@Elias

Warum steigen die Aktien nun? Was erwartest du?

Wenn es nicht läuft, jammerst du, weil niemand was macht. Macht man etwas, ist das Schuld, dass es läuft. Eine UBS fallen lassen kann jeder Dödel. Eine Firma zu retten, Arbeitsplätze wenigstens teilweise sichern und für den Bund noch ein paar Milliarden Gewinn machen, das schafft nicht jeder.

 

Warum die Aktien steigen: Ich bin der Meinung, wegen den tiefen Zinsen. Das Geld, dass jetzt in die Aktien fliesst,  ist schon lange im Umlauf (M2).

 

Was ich erwarte: Ich denke aufgrund meiner Erwartungen über einen Long-Straddle nach. Die Umsätze sind niedrig, die meisten Kleinaktionäre haben den Aufschwung verpennt und werden jetzt nicht mehr einsteigen.

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
Fed könnte Bondkäufe Ende 2013 einstellen

Die US-Notenbank könnte nach Ansicht eines führenden Vertreters ihre Bond-Ankäufe zum Jahresende einstellen.

"Wir könnten das Tempo unserer Wertpapier-Ankäufe etwas drosseln, vielleicht bereits in diesem Sommer. Wenn alles wie erhofft läuft, könnten wir das Kaufprogramm dann irgendwann später im Jahr beenden", sagte der Präsident der Fed von San Francisco, John Williams, laut einer vorbereiteten Rede in Portland. Der Arbeitsmarkt habe sich deutlich verbessert und erhole sich weiter, begründete er seine Einschätzung.

An der US-Börse sorgten die Aussagen im späten Handel für Kursverluste. Die wichtigsten Indizes schlossen im Minus. Und die Anzeichen auf eine Straffung der ultralockeren US-Geldpolitik in diesem Jahr geben dem Dollar am Freitag weiter Auftrieb. Gegenüber der Schweizer Währung steigt der Dollar auf bis 96,88 Rappen.

Williams ist in diesem Jahr kein stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss, der über die Geldpolitik befindet. Wegen der anziehenden Konjunktur hatten bereits die beiden Fed-Mitglieder Charles Plosser und Richard Fisher gefordert, den Kauf von Staatsanleihen zu reduzieren. Ihr Kollege Eric Rosengren will die extrem lockere Geldpolitik dagegen fortsetzen.

Das Platzen der Immobilienblase 2007/08 hatte die USA in die schwerste Rezession seit Jahrzehnten gestürzt. Die Fed hat daraufhin die Zinsen nahe Null gesenkt und Hunderte Milliarden Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Die Zentralbank hatte erst zu Jahresbeginn beschlossen, monatlich Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar zu kaufen - und das solange, bis die Arbeitslosigkeit auf etwa 6,5 Prozent gesunken ist. Die Arbeitslosenquote ist im April mit 7,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende 2008 gefallen. Die US-Wirtschaft wuchs zu Jahresbeginn um 0,6 Prozent http://www.cash.ch/news/top_news/fed_koennte_bondkaeufe_ende_2013_einste...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
«EZB wird Konjunktur noch lange stimulieren»

"Die Probleme bei der Übertragung der geldpolitischen Impulse in der Euro-Zone bedeuten, dass die Geldpolitik noch für eine ziemlich lange Zeit sehr konjunkturstimulierend wird bleiben müssen", sagte Coeure am Freitag im französischen Orleans.

Die EZB hatte wegen der Rezession in weiten Teilen der Währungsunion ihren Leitzins Anfang des Monats erstmals auf 0,5 Prozent gesenkt. EZB-Chef Mario Draghi hatte zudem die Möglichkeit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik angedeutet - auch negative Zinsen scheinen seitdem perspektivisch nicht mehr ausgeschlossen. http://www.cash.ch/news/top_news/ezb_wird_konjunktur_noch_lange_stimulie...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

Nehmen wir mal an, die Aussagen aus den letzten beiden Postings wären zutreffend:
Die Fed reduziert die Geschwindigkeit der Gelddruckerei.
Die EZB erhöht sie (sinkende Zinsen, Direktkäufe von Anleihen evtl. auch von Aktien)
Die BoJ verfolgt auch eine Politik der monetären Inflation.

Wir hätten somit die USA auf Sparkurs, EZB und BoJ auf Inflationskurs. Die Folge wäre eine Stärkung des Dollars gegenüber Euro und Yen und dann dauert es nicht lange, bis die US-Industrie (vor allem die Automobilindustrie) in Washington vorstellig wird.

Das kann nicht funktionieren. Wenn schon, dann sollten sich die wichtigsten Zentralbanken auf eine gemeinsame Geldpolitik einigen. Ob die inflationär oder deflationär ausgerichtet sein soll, lasse ich mal offen aber das Gegeneinander kann auf gar keinen Fall funktionieren.

 

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250

MarcusFabian hat am 17.05.2013 - 16:31 folgendes geschrieben:

und dann dauert es nicht lange, bis die US-Industrie (vor allem die Automobilindustrie) in Washington vorstellig wird.

 

Das kann nicht funktionieren. Wenn schon, dann sollten sich die wichtigsten Zentralbanken auf eine gemeinsame Geldpolitik einigen. Ob die inflationär oder deflationär ausgerichtet sein soll, lasse ich mal offen aber das Gegeneinander kann auf gar keinen Fall funktionieren.

Handelsstreit zwischen EU und China eskaliert 

Die EU will ihre serbelnde Solarbranche schützen – mit Strafzöllen gegen chinesische Billiganbieter. China reagiert mit Gegenmassnahmen. Es droht ein Handelskrieg.

http://www.20min.ch/finance/news/story/Handelsstreit-zwischen-EU-und-Chi...

Hier funktioniert es schon jetzt nicht mehr.

 

Wenn es schon in der EU wegen dem Nord- Süd-Gefälle schlecht funktioniert, wie soll eine weltweite gemeinsame Geldpolitik funktionieren?

Es haben nicht alle die gleiche Probleme und selbst wenn sie die gleichen haben, verlaufen sie zeitlich anders.

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

MarcusFabian
Bild des Benutzers MarcusFabian
Offline
Zuletzt online: 18.11.2016
Mitglied seit: 19.05.2006
Kommentare: 16'379

Elias hat am 17.05.2013 - 16:46 folgendes geschrieben:


 

Wenn es schon in der EU wegen dem Nord- Süd-Gefälle schlecht funktioniert, wie soll eine weltweite gemeinsame Geldpolitik funktionieren?

Es haben nicht alle die gleiche Probleme und selbst wenn sie die gleichen haben, verlaufen sie zeitlich anders.

Ja und Nein.
Lassen wir doch mal Revue passieren, wie das in den letzten 12 Jahren so gelaufen ist:
Land A druckt Geld, um seine Exportindustrie zu unterstützen. In der Folge wertet Währung A gegen Währungen B und C ab, was die Industrie der Länder B und C veranlasst, ebenfalls bei ihren Regierungen zu wehklagen.

In der Zwischenzeit steigen die Schulden in Land A in einem Ausmass, dass man Vertrauensverlust befürchten muss. Sprich: Es besteht die Gefahr, dass Anleihen und Aktien von Land A nicht mehr von Ausländern gekauft werden, da ja in Währung B und C gerechnet der Währungsverlust die Renditen mehr als wegfrisst.

Ergo ist Land A gezwungen, Sparmassnahmen zu verkünden. Natürlich nicht jetzt, sofort und spürbar sondern irgendwann in der Zukunft.
In der Zwischenzeit ist die Industrie im Land B bereits erfolgreich zu den Politikern durchgedrungen und die Zentralbank B beschliesst nun ihrerseits ihre Währung zu schwächen.

Nun rennen alle von der Währung B nach A.

Im Moment sind EZB und BoJ am Inflationieren der Geldmenge und die USA lassen zumindest verbal vermuten, dass sie irgendwann (Du hast mal 2016 erwähnt) mit Sparen beginnen wollen.

Das wird irgend wann mal drehen.

Ich sehe nicht, was dieses abwechseln zwischen Sparbemühungen und offener Inflationspolitik bringen soll. Wie wäre es zur Abwechsung mal damit, dass alle gemeinsam deflationieren oder inflationieren? Damit wäre zwar noch kein einziges Problem gelöst - soweit richtig - aber zumindest blieben dann die Wechselkurse der diversen Papierwährungen untereinander stabil.

China ist in dieser Beziehung noch am ehrlichsten: Die haben ihren Renmimbi an den Dollar gebunden und ziehen das durch. Da weiss man wenigstens, woran man ist.

weico
Bild des Benutzers weico
Offline
Zuletzt online: 20.07.2015
Mitglied seit: 16.11.2007
Kommentare: 4'550

 Argentarius (Alfred Lansburgh) "Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn“.

 

http://www.google.ch/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&ved=0CC4QF...

 

 

 

weico

 

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
Unerwünschte Effekte dürften dem Fed neue Sorgen bereiten

An den Märkten gibt es oft unvorhergesehene und unwillkommene Reaktionen auf Ereignisse. Das gilt auch für die Politik der Notenbanken, die einer der wichtigsten Treiber für die Entwicklung an den globalen Finanzmärkten ist. Inzwischen sind alle vier grossen Institute – das Fed, die EZB, die Bank of England und die Bank of Japan – auf eine zeitlich unbegrenzte Nullzinspolitik eingeschwenkt. In der Schweiz ist es bei der SNB nicht anders.

Dies sieht alles sehr einheitlich aus, was zu einem hohen Grad auch stimmt. Für die Reaktionen der Finanzmärkte sind jedoch die Veränderungen entscheidend – und hier gab es jüngst divergierende Entwicklungen. Das Fed will die zusätzlichen Stimulierungen (pro Monat neu gedrucktes Geld über 85 Mrd. $) langsam zurückfahren und wohl Mitte 2014 ganz beenden. Die EZB wiederum gab letzte Woche erstmals ein längerfristiges Versprechen ab, wonach die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben werden, und schob damit eine Änderung ihrer Politik in weite Ferne. Auch die Bank of England gab ein Statement für eine anhaltende Nullzinspolitik ab. Und die Bank of Japan vollzog schon im Frühjahr einen radikalen Wechsel und startete in zuvor nicht gekanntem Mass die Notenpressen. Dies alles führte dazu, dass in den USA die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen um mehr als einen Prozentpunkt auf 2,7% geklettert sind. Zugleich erstarkte der Dollar gegenüber dem Yen und dem Euro. Ökonomen rechnen damit, dass dieser Trend länger anhalten wird.

Beides dürfte sich mittelfristig negativ auf die Gewinne der Konzerne und die Konjunktur in den USA auswirken. Das weckte bereits Befürchtungen über eine baldige Korrektur am Aktienmarkt und dürfte auch dem Fed nicht gefallen. Jüngst waren Vertreter der Notenbank schon viel zahmer mit ihren Aussagen zur Änderung der Geldpolitik. Die Fed-Politik treibt also nicht nur die Finanzmärkte, sondern die Finanzmärkte treiben auch die Fed-Politik – der Herbst dürfte spannend werden.

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/reflexe/unerwuenschte-effekte-duerf...

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
Wir steigern das Brutto-Gaga-Produkt

Die USA geben heute neue Wirtschaftsdaten bekannt: Dank einer neuen Berechnung erhöht sich das Bruttoinlandprodukt auf einen Schlag um Milliarden. Europa und die Schweiz ziehen nach.

Alles ist ein bisschen grösser in Amerika. Das gilt besonders für die neuesten Daten zur US-Wirtschaftsleistung, die das US-Statistikamt Bureau of Economic Analysis (BEA) heute bekannt geben wird. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der USA wird auf einen Schlag um gegen 500 Milliarden Dollar grösser ausgewiesen als bisher. Das ist so, als ob sich Amerika kurzerhand die Volkswirtschaften Argenti­niens oder Belgiens einverleiben würde.

Die Zunahme ist das Resultat einer fundamentalen Revision der BIP-Berechnung. Die US-Statistiker werden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) und für die Herstellung von immateriellen ­Gütern wie Filme, TV-Serien, Bücher oder Musik ­kapitalisieren. Bisher wurden solche Aufwendungen lediglich als Vorleistungen behandelt und vom Produk­tionswert abgezogen. Neu werden sie als Investitionen betrachtet und dem BIP hinzugerechnet.

Die britische Tageszeitung «Guardian» schiesst scharf gegen die Pläne der Statistiker: Good  «Hollywood kreiert Märchen für die Leinwand. Jetzt hilft es dabei, Märchen über Amerikas Wirtschaftswachstum zu erschaffen.» Wie nach dem Genuss eines Schmachtfetzens werde sich Amerika für kurze Zeit besser fühlen, wenn das BIP höher ausfalle. Aber die Ernüchterung komme, «wenn wir das Theater des Wirtschaftsdramas verlassen und realisieren, dass sich unser Leben nicht verbessert hat». Die neuen Daten seien notorisch unzuverlässig und würden zur politischen Manipulation einladen. Hollywood sei schliesslich bekannt für trickreiche Buchhaltung. Statt die Nation mit der harten wirtschaftlichen Realität zu konfrontieren, habe man die «Traumfabrik» gewählt. Das werde kein Happy End geben.

Europa und die Schweiz ziehen nach

Politiker schummeln sich seit je gerne mit statistischen Kniffen aus der Misere. Doch diesmal liegt der «Guardian» falsch. Die BIP-Revision ist nicht politisch motiviert. Die USA werden auch nicht das einzige Land bleiben, das seine Statistik auf eine neue Basis stellt. Die Revision basiert auf einem internationalen Standard, den eine Expertengruppe in der Statistikkommission der UNO entwickelt hat. Im System of National Accounts (SNA) legt sie die Konzepte, Definitionen und Regeln zur Berechnung des BIP fest, um die internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

«SNA 2008» heisst die aktuelle Revision, auf die sich die internationale Gemeinschaft vor fünf Jahren geeinigt hat. Es ist bereits die fünfte Revision des Standardwerks seit dessen Gründung 1947. Die letzte Revision brachte Ende der 1990er-Jahre den Einbezug von Computer-Software in die BIP-Statistiken. Aus­tralien hat seine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung bereits auf die neue Methode umgestellt. Ende Juli machen die USA den grossen Schritt. Die Schweiz zieht gemeinsam mit den EU-Staaten im September 2014 nach.

Das Ziel der Kapitalisierung von Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und immaterielle Güter und Dienstleistungen ist nicht ein künstliches Aufblähen des BIP. Mit der Revision werde die Statistik ­näher an die wirtschaftliche Realität herangeführt, sagt Philippe Küttel, Sektionschef im Bundesamt für ­Statistik und verantwortlich für die Berechnung des BIP.

Mit der alten Methode werden beispielswiese die Forschungsaus­gaben von Roche oder Novartis statistisch behandelt wie Verbrauchsmaterial, Strom oder Anwaltskosten. Sie gelten als Vorleistungen, die im Herstellungsprozess verbraucht oder verarbeitet werden. Deshalb müssen sie vom Produktionswert abgezogen werden, um Mehrfachzählungen auszuschliessen. Nur die Wertschöpfung der Medikamentenproduktion geht in die BIP-Berechnung ein.

Im Unterschied zu anderen laufenden Ausgaben hat Forschung und Entwicklung jedoch langfristige Auswirkungen. Das daraus resultierende Know-how wird im Produktionsprozess nicht endgültig verbraucht. Im Gegenteil, es wächst von Jahr zu Jahr und kann auch in zukünftigen Produktionsprozessen wieder eingesetzt werden. Es entwertet sich lediglich, wenn es mit der Zeit veraltet. Damit haben Forschungsaufwendungen den Charakter von Investitionen. Wenn Roche und Novartis in Forschung investieren, machen sie wirtschaftlich nichts anderes, als wenn sich Victorinox für die Sackmesserproduktion einen neuen Roboter oder eine neue Schleifmaschine anschafft.

Ähnlich verhält es sich im Unterhaltungsgeschäft mit Filmen, Musik, Büchern oder langlebigen TV-Se­rien. Nach der bisherigen Methode zählen die verkauften CD, Online-Songs oder Konzerttickets von Lady Gaga zum BIP. Aber nicht die Monate vor dem Auftritt oder der Plattenveröffentlichung, welche die Künstlerin mit Komponieren und Proben verbringt. Die Ausgaben dafür werden als Vorleistungen abgezogen.

Wirtschaft ist zunehmend wissensbasiert

Doch wenn Lady Gaga einen Hit produziert oder Martin Scorsese einen Film macht, legt das die Basis für einen Strom zukünftiger Dienstleistungen. Beethoven arbeitete an seiner 9. Symphonie zwischen 1817 und 1824. Das war offensichtlich keine Vorleistung, die mit der ersten Aufführung verbraucht war. Sondern viel eher eine Investition, die seit bald 200 Jahren immer wieder neue Erträge abwirft.

Der Entscheid, Forschung und Entwicklung oder die Ausgaben zur Herstellung von künstlerischen Werken bisher als Vorleistungen zu behandeln, hatte vor allem praktische Gründe. Deren Berechnung und Einbezug in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung sei schwierig, stellt das BFS fest. Doch die Methode machte nur so lange Sinn, als die meisten Unternehmen grösstenteils physische Produkte, Dinge zum Anfassen, herstellten.

In modernen Volkswirtschaften ist das je länger, je weniger der Fall. Immer mehr Produkte oder Dienstleistungen sind immaterieller Natur. Die Wirtschaft ist zunehmend wissensbasiert, informationsgetrieben und dienstleistungsorientiert. Ideen spielen eine ­immer grössere Rolle für das Wirtschaftswachstum. Dem muss die Statistik Rechnung tragen. Die neueste Revision ist deshalb der Versuch, das BIP dem sich verändernden Charakter der Wirtschaft anzupassen.

Wie wichtig etwa Forschung und Entwicklung für die Schweizer Volkswirtschaft geworden ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung von Pierre Sollberger vom BFS. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung stiegen von gut 11 Milliarden Franken in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre auf 17,6 Milliarden im Jahr 2008, viel schneller als die Anlageinvestitionen (siehe Grafik). Deren Kapitalisierung hätte das BIP-Niveau in den untersuchten Jahren jeweils zwischen 2 und 2,7 Prozent höher ausfallen lassen als mit der alten Methode (siehe Grafik). Das entspricht der gesamten Wirtschaftsleistung des Kantons Zug, des immerhin 13.-grössten Kantons.

Leichter zu den Maastricht-Kriterien

Trotz den starken Auswirkungen auf das Niveau des BIP beeinflusst die Kapitalisierung der F&E-Aufwendungen die Wachstumsrate des BIP «nur geringfügig», wie Sollberger feststellt. Auf die Konjunkturentwicklung wird die Revision deshalb kurzfristig keine grossen Auswirkungen haben. Um die Vergleichbarkeit mit früheren Jahren zu gewährleisten, wird das BFS die BIP-Daten mit der neuen Methode bis ins Jahr 1990 zurückrechnen, sodass es im ­September 2014 nicht plötzlich einen Sprung in der Entwicklung geben wird.

Auswirkungen wird die Umstellung jedoch auf wichtige Kennzahlen haben, die in Relation zum BIP dargestellt werden. So könnte die Staatsverschuldung von heute 35,3 Prozent wegen des höheren BIP um 1 Prozentpunkt sinken. Das Ziel des Bundes, die ­öffentliche Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,5 Prozent des Bruttonationalprodukts zu erhöhen, wird mit der Revision etwas schwieriger zu erreichen sein.

Ein höheres BIP würde dagegen den Krisenstaaten in der Euro-Zone die Einhaltung der Maastricht-Kriterien etwas erleichtern, die Maximalwerte für Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit in Relation zum BIP definieren. Dieses Argument könnte die Zurückhaltung gegenüber der Revision in der EU abbauen.

In den USA, die mit der Umstellung der EU und der Schweiz um gut ein Jahr voraus sind, werden die Auswirkungen auf das BIP schon deutlicher erkennbar. Die Kapitalisierung der Forschungsaufwendungen hätte das BIP von 2007 um rund 314 Milliarden Dollar erhöht. Hinzu kommen rund 70 Milliarden durch die Kapitalisierung im Film-, Musik-, Buch- und TV-Geschäft. Insgesamt wird das neu berechnete BIP um schätzungsweise 3 Prozent höher ausfallen als nach der alten Methode.

Die Schweiz und die USA mit ihrem hohen Anteil an forschungsintensiven Branchen sind von der Umstellung besonders betroffen. So sind die Auswirkungen auf das BIP-Niveau in Grossbritannien oder Kanada nur etwa halb so gross, wie ein erster grober Vergleich des BFS zeigt

Auf Grafik klicken um Vergrösserung anzusehen
Auf Grafik klicken um Vergrösserung anzusehen

Verglichen mit früheren Umstellungen der volkswirtschaftlichen Statistik bleiben die Auswirkungen der «SNA 2008» jedoch beschränkt. Seit Politiker und Ökonomen im 17. Jahrhundert begannen, die Grösse der Volkswirtschaft zu vermessen, kam es ungefähr alle 50 bis 70 Jahre zu einer völligen Neudefinition der Wirtschaft, so Benjamin H. Mitra-Kahn in seiner Geschichte der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Dabei kann Statistik gar den Lauf der Welt ver­ändern, wie Mitra-Khan darlegt. Vor dem Zweiten ­Weltkrieg zählten staatliche Ausgaben nicht zum Na­tionaleinkommen. Sie galten lediglich als Kosten für den Privatsektor. Für England, das auf einen Krieg mit Hitler-Deutschland zusteuerte, entwickelte sich die nationale Statistik zum politischen Problem. Zunehmende Investitionen in Waffenfabriken, Panzer und Flugzeuge gingen auf Kosten des privaten Konsums und der privaten Investitionen und reduzierten damit das offiziell ausgewiesene Wirtschaftswachstum.

Statistik ist kriegsentscheidend

John Maynard Keynes, schon damals der einflussreichste britische Ökonom, setzte sich vehement dafür ein, den Staat als Teil der Wirtschaft zu betrachten und entsprechend in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung einzubeziehen. Er zählte nicht nur Konsum und Investitionen der Privaten und den Aus­senhandel zum Nationaleinkommen, sondern auch die Staatsausgaben. Die neue Definition konnte politisch für die Kriegsvorbereitung genutzt werden, denn jede Rüstungsausgabe erhöhte nun das Wirtschaftswachstum.

Die Umstellung der britischen Statistik genügte allerdings noch nicht. Schliesslich brauchte England US-Kredite, um seine Rüstung zu finanzieren. Eine wegen Staatsausgaben schrumpfende Wirtschaft drohte die Bereitschaft der Amerikaner zu beeinträchtigen. Deshalb mussten die Amerikaner von der Überlegenheit des neuen Konzepts überzeugt werden. Das gelang Keynes in Zusammenarbeit mit jungen Ökonomen im US-Statistikamt, wie Mitra-Khan in seiner Arbeit nachweist. Die neue BIP-Definition erleichterte es auch der US-Regierung, in die Kriegsvorbereitung zu investieren. Vergeblich warnte der US-Ökonom Simon Kuznets, das BIP werde «eine der meistbenutzten und meistmissbrauchten Quellen ökonomischer Information». Als geistiger Vater der alten Denkschule zog er gegen Keynes den Kürzeren.

Die Wirtschaftspolitik orientiert sich am BIP. Seine Entwicklung zeigt wie ein Fiebermesser den Gesundheitszustand einer Volkswirtschaft an. Noch bevor Daten gesammelt oder das Auf und Ab der Wirtschaft analysiert werden kann, definiert die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, was zählt und was nicht, was Wirtschaft ist und was Wachstum generiert. So enthält das BIP etwa nur bezahlte Arbeit, aber keine Hausarbeit, obwohl man diese schätzen könnte.

Die aktuelle Revision wird nicht die letzte sein. «Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung verändert sich dauernd. Heute kommt die Kapitalisierung von F&E hinzu, vielleicht später mal das Humankapital», sagt Philippe Küttel vom BFS.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/wir-steigern-das-brutto-gaga-pro...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
EZB hält Leitzins auf Rekordtief

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Zwar hält sich die Forderung nach noch billigerem Zentralbankgeld, weil die Wirtschaft im Euroraum noch nicht wieder Fahrt aufgenommen hat. Doch seit der Zinssenkung im Mai hat sich die konjunkturelle Lage stetig entspannt.

Immer mehr Indizien deuten auf ein Ende der Rezession im Euroraum hin. Das macht eine weitere Lockerung der Geldpolitik unwahrscheinlicher. Auch die EZB rechnet damit, dass sich die Konjunktur im weiteren Jahresverlauf allmählich erholen wird. Niedrige Zinsen sollen Investitionen anschieben und damit die Wirtschaft in Schwung bringen.

Höhere Zinsen hat EZB-Präsident Mario Draghi auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Vor einem Monat hatte er erklärt, die EZB werde ihre Leitzinsen "für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau" halten. Welcher Zeitraum genau gemeint ist, blieb offen.

http://www.cash.ch/news/top_news/ezb_haelt_leitzins_auf_rekordtief-31083...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
EZB lässt Leitzins auf Rekordtief

Die Europäische Zentralbank lässt den Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent. Auch die britische Notenbank hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest.

http://www.20min.ch/finance/news/story/EZB-laesst-Leitzins-auf-Rekordtie...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Elias
Bild des Benutzers Elias
Offline
Zuletzt online: 21.07.2017
Mitglied seit: 02.10.2006
Kommentare: 16'250
Bank of Japan ruft zu Disziplin auf

Die Besorgnis über den chronisch defizitären Staatshaushalt Japans wächst. Es zeichnet sich ein Konflikt zwischen der Notenbank und der Regierung ab.

In der Bank of Japan (BoJ) wächst die Sorge darüber, dass die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe den versprochenen Abbau der ausufernden Neuverschuldung weiter verschleppen könnte. Immer mehr BoJ-Ratsmitgliedern fordern die Regierung dazu auf, endlich finanzpolitisch eine Wende herbeizuführen, wie das am Dienstag veröffentlichte Protokoll der geldpolitischen Sitzung vom vergangenen August zeigt. Die Notenbank bezieht damit im hart geführten Streit in der Regierung um die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer eindeutig Partei.

Wachsender Widerstand

Würde Abe, wie er es unter dem Einfluss finanzpolitischer Einflüsterer anscheinend erwägt, schon von der Vorgängerregierung angekündigte Steuererhöhungen aussetzen, könnten die Zinsen ausser Kontrolle und Japans Staatsfinanzen in die Krise geraten. Japan ist brutto mit mehr als dem Doppelten seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet. Mehr als die Hälfte der laufenden Staatsausgaben werden seit Jahren über die Ausgabe von Staatsanleihen finanziert. Im Zuge ihrer im vergangenen April noch expansiver ausgestalteten Geldpolitik kauft die Notenbank derzeit etwa 70% aller neu ausgegebenen Staatsanleihen auf.

Notenbankchef Haruhiko Kuroda will seine extrem lockere Geldpolitik an die Bedingung geknüpft sehen, dass die Regierung den internationalen Finanzmärkten gleichzeitig klare Signale setzt, den Staatshaushalt mittelfristig zu sanieren. Viele Mitglieder des geldpolitischen Rats würden anerkennen, dass es wichtig sei, die Glaubwürdigkeit der Haushaltspolitik zu wahren, heisst es im BoJ-Sitzungsprotokoll. Auch Kuroda schloss sich der Einschätzung an, dass die Haushaltskonsolidierung vorangebracht werden müsse. Das Protokoll ist insofern bemerkenswert, als im Juli erst «einige Mitglieder» diese Sorgen geäussert hatten.

Der Leviathan Staat

Eigentlich ist alles vorbereitet, um die Mehrwertsteuer im April 2014 von 5% auf 8% und im Oktober 2015 dann auf 10% zu erhöhen. Wie die Bank of Japan drängt nun auch das Finanzministerium darauf, die Steuererhöhung unbedingt durchzusetzen. Es wird befürchtet, dass ohne zusätzliche Einnahmen für den Staat das Vertrauen in lang laufende japanische Staatsanleihen erodieren könnte. Kuroda hatte die Regierung schon am Wochenende gemahnt, die Sanierung der Staatsfinanzen nicht weiter auf die lange Bank zu schieben. Irgendwann werde ein Wendepunkt erreicht sein, und dann sei weder die Notenbank noch die Regierung in der Lage, die neu entstandene Situation unter Kontrolle zu halten.

Abe deutete unter dem Druck der Notenbank am Dienstag an, die Steuern doch wie geplant im Frühjahr auf 8% und dann im Oktober 2015 auf 10% heraufzusetzen. Entscheiden will er aber erst Anfang Oktober. Der Regierungschef wies seine Minister allerdings an, einen Nachtragshaushalt vorzubereiten. Mit staatlichen Subventionen von mehr als 2 Bio. Yen (19 Mrd. Fr.) sollen mögliche negative Folgen der höheren Steuern auf das Wachstum abgefedert werden. Damit würde etwa ein Drittel der erwarteten zusätzlichen Steuereinnahmen sogleich wieder für neue staatliche Subventionen ausgegeben.

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/bank-of-japa...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

Seiten