Geldpolitik

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08.05.2013 09:40
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Geldpolitik

Die Impotenz der EZB

 

Die Europäische Zentralbank hat ihre Zinsen gesenkt und will noch weiter gehen. Das ändert nichts daran, dass sie bei ihrem grössten Problem ziemlich hilflos ist.

Geldpolitik, wie sie einführende Lehrbücher beschreiben, ist nicht schwer zu verstehen.

Ist eine Wirtschaft in der Krise, senkt die Notenbank die Leitzinsen. Das bedeutet, dass die Banken das Geld billiger erhalten und entsprechend ihrerseits die Kredite günstiger vergeben können. Billigere Krediten führen zu mehr Investitionen der Unternehmen und Private bauen mehr oder kaufen gegen günstigere Hypotheken mehr Immobilien. Ausserdem sinkt mit dem Zinsniveau der Wert der Währung, was den Exporten Schub verleiht. Weiter sorgt ein tieferes Zinsniveau für steigende Kurse von Aktien und anderen Anlagen, denn deren Rendite wird nach einer Zinssenkung vergleichsweise attraktiver. Kurz: Wenn eine Notenbank den Leitzins senkt, gibt das der ganzen Wirtschaft Schub. Das nennt man den «Transmissionsmechanismus» der Geldpolitik.

Leider funktioniert dieser einfache Mechanismus seit der Krise nicht mehr lehrbuchmässig.

Über einige Gründe dafür wie die Liquiditätsfalle (weil die Leitzinsen schon bei Null Prozent liegen) oder die «Balance Sheet Recession» (weil das «Deleveraging», das heisst der Schuldenabbau und der Aufbau eines Liquiditätspolster alles dominiert) haben wir hier schon viel geschrieben (zum Beispiel hier, hier, hier oder hier). Die Europäische Zentralbank hat noch ein weiteres Problem: Sie hat nur einen Leitzins, der angesichts der sehr unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Mitgliedsländer nie für alle Länder und zuweilen sogar für kein einziges Land passt.

Letzteres ist allerdings nicht ein Problem, das die EZB nur in der Krise hat. Dass die Zinsen zu Beginn des neuen Jahrtausend für Deutschland zu hoch und für die Peripherieländer zu tief waren, ist sogar eine wichtige Ursache für die aktuellen Probleme der Eurozone – hier mehr dazu.

Jetzt aber hat sich das Problem noch deutlich verschärft: Immerhin hat vor der Krise eine Veränderung des Leitzinses zu einer gleichgerichteten Veränderung des Zinsniveaus in den Ländern geführt: Hat die EZB den Leitzins gesenkt, ist das Zinsniveau immerhin überall zurückgegangen und umgekehrt. Jetzt funktioniert das auch nicht mehr: Seit 2005 hat die EZB ihren Leitzins auf weniger als einen Drittel des damaligen Niveaus gesenkt. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Spanien oder Italien bezahlen heute aber höhere Zinssätze für Kredite als damals – laut «Economist» mehr als 6 Prozent. In Deutschland bezahlen ähnliche Unternehmen dagegen nur rund 3,5 Prozent und sie bewegen sich dort im Einklang mit den Leitzinsen.

Wie stark sich die Kreditzinsen in der Eurozone für KMU auseinander entwickelt haben, zeigt die folgende Grafik aus dem jüngsten «Global Financial Stability Report» (GFSR) des Internationalen Währungsfonds (IWF). Programm-Länder sind jene, die bei Veröffentlichung des Berichts bereits am Tropf eines EU-Rettungspakets hingen: Griechenland, Portugal und Irland:

Diese Entwicklung ist aus drei Gründen äusserst dramatisch:

  • Der Anteil der KMU an der Beschäftigung in den Peripherieländern ist noch grösser als anderswo. Laut «Economist» liegt er in Spanien bei 67 Prozent und in Italien sogar bei 80 Prozent. In den USA liegt er nur bei rund der Hälfte, in Frankreich bei 60 Prozent.
  • KMU sind besonders auf Bankenkredite angewiesen. Der Kapitalmarkt und damit auch eine internationale Finanzierung steht ihnen nicht offen.
  • Die hohen Sätze verteuern nicht nur neue Kredite für Investitionen in den krisengeplagten Ländern. Die Unternehmen sind zudem ohnehin schon hoch verschuldet. Der «Economist» hat berechnet, dass die italienischen Unternehmen auf Schulden im Umfang von rund 855 Milliarden Euro sitzen. Zinsen von mehr als 6 Prozent führen zu einer jährlichen Zinslast von mehr als 50 Milliarden Euro. Hätten die Unternehmen nur schon das Zinsniveau Frankreichs, würden sich diese jährlichen Kosten mehr als halbieren.

Die Kreditvergabe in den Peripherieländern schrumpft daher seit Jahren, wie die folgende Grafik ebenfalls aus dem GFSR des IWF zeigt:

Nun könnte man argumentieren, der Einbruch der Kredite sei nicht bloss die Folge von teureren Krediten. Angesichts der depressiven Wirtschaftslage mit rekordhohen Arbeitslosenraten in den Peripherieländern ist der Bedarf nach Investitionen auch unabhängig vom Zinsniveau gering. Die folgende Grafik – ebenfalls aus dem GFSR des IWF – zeigt, dass eine solche Trennung zwischen Nachfrage- und Angebotsursachen der geringen Kreditversorgung wenig Sinn macht:

In aller Kürze: Das Angebot der Banken an Krediten nimmt ab, weil die schlechte Wirtschaftslage die Bilanzen der Banken verschlechtert (Kredite werden nicht zurückbezahlt und weitere Anlagen verlieren an Wert). Das Risiko für die Vergabe von neuen Krediten steigt, weshalb solche weniger und zu deutlich höheren Zinssätzen vergeben werden. Die Nachfrage der Unternehmen nach Krediten nimmt ab, weil die Unternehmen Schulden abbauen müssen, weil die Kredite zu teuer sind und weil die Wirtschaftslage und damit die Absatzchancen so schlecht sind. Die Folge sind weniger Kredite und Investitionen. Das ist aber wiederum die Ursache einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage, was von der Angebots- wie von der Nachfrageseite zu noch geringeren Krediten und Investitionen führt.

Mit dem so genannten OMT-Programm (der blossen Ankündigung, im Notfall entschieden gegen überhöhte Zinsen bzw. Renditen von Staatsanleihen gefährdeter Ländern vorzugehen) hat die EZB den Teufelskreis bei den Zinskosten für gefährdete Länder gebrochen. Den Teufelskreis mit den Kreditkosten für KMU in den Peripherländern aber bekommt die Notenbank bisher nicht in den Griff und er ist potenziell für die Eurozone ebenso gefährlich wie derjenige bei den Staatsanleihen. Das ist man sich bei der EZB sehr wohl bewusst. Nach jeder Zinsentscheidung weist Präsident Mario Draghi in seiner Pressekonferenz darauf hin und jedesmal wirkt er etwas hilfloser ob der Impotenz seiner Institution. Tatsächlich war denn auch der Zinsentscheid von letzter Woche nicht die einzige und wichtigste Neuerung in der Politik der EZB. Mit folgenden drei weiteren Massnahmen will sie gegen die Kreditklemme vorgehen:

  • Erstens will die EZB die Banken im Rahmen ihrer dominierenden Refinanzierungs-Operationen («Main Refinance Operations») mindestens bis zum Sommer 2014 unbeschränkt mit Geld zum fix vorgegebenen auf 0,5 Prozent gesenkten Leitzins (dem Hauptrefinanzierungssatz) versorgen. Normalerweise gibt die Notenbank sonst auch eine Mengenbeschränkung («Mengentender») vor oder lässt die Banken mit Zinsaufschlägen («Zinstender») für das ausgeliehene Notenbankgeld bieten. Laut EZB-Chef Mario Draghi stehen die zwei Massnahmen Zinssenkung und unbeschränkte Zuteilung in einem engen Zusammenhang:

«The combination of the two measures is important by itself. It ensures the smooth transmission of our monetary policy to money markets. The fixed rate full allotment policy will represent liquidity insurance for the banking system… In other words, this is a measure that benefits all kinds of banks…»

Alle Arten von Banken sollen von der weiter ausgebauten, verbilligten und vereinfachten Kreditvergabe profitieren können. So sollte die Angst verfliegen, dass einzelne Banken (in der Peripherie) allein wegen fehlender Liquidität gefährdet werden könnten. Allerdings scheint Draghi selbst nicht wirklich an die Wirksamkeit einer ausgebauten Liquiditätsversorgen zu glauben. Denn er machte auch klar, dass die Banken eigentlich jetzt schon problemlos zu Notenbankgeld kommen könnten:

«So, frankly, fears over a lack of funding cannot be used as an excuse for not lending.»

  • Zweitens will die EZB prüfen, ob Kredite an KMU in so genannte «Asset Backed Securities» (ABS) verbrieft werden und so direkt an den Kapitalmärkten gehandelt werden können. Hier ist aber noch nichts beschlossen. Gut möglich, dass der Plan wieder fallengelassen wird. Immerhin haben verbriefte Kredite seit der Finanzkrise einen sehr schlechten Ruf. Das bestätigt auch Mario Draghi, der zu diesen Plänen entsprechend unverbindlich blieb:

«ABS have a very bad name, but one should say that there were very different kinds of ABSs…we are far from reaching any conclusion. We are looking at all possible options, we are aware of the importance of this and we are also aware of what we can do and what we cannot do.»

  • Drittens könnte die EZB die Zinssätze für Notenbankeinlagen von Banken («Deposit Facility») im Minusbereich ansetzen. Momentan liegt dieser Satz bei 0 Prozent. Das käme einer Besteuerung der Einlagen gleich und hätte zum Zweck, dass die Banken ihr Geld eher an Unternehmen als Kredite weitergeben, statt es bei der Notenbank zu lagern. Draghi lässt sich auch hier alle Optionen offen:

«On the deposit facility rate, we said it in the past: we are technically ready. There are several unintended consequences that may stem from this measure. We will address and cope with these consequences if we decide to act. We will look at this with an open mind and we stand ready to act if needed.»

Kurz: Der EZB fehlen bisher schlicht die Instrumente, um der Kreditklemme in den Peripherieländern wirksam genug entgegenzutreten. Fast schon verzweifelt gibt Mario Draghi denn auch einmal mehr den Ball an die Politik weiter, mit der Bankenunion endlich vorwärts zu machen. So lange das Bankenrisiko, die Bankenaufsicht und die Bankenabwicklung in den Mitgliedsländern mit ihren stark unterschiedlichen Möglichkeiten im Umgang mit Problemen in diesen Bereichen bleiben, kann die Geldpolitik der EZB im Krisenfall die Kreditversorgung nicht überall gleich beeinflussen.

Auch hier bestätigt es sich wieder: Die EZB ist zwar die mächtigste wirtschaftliche Institution der Eurozone. Aber angesichts der Erfordernisse der Währungsunion kann sie allein viel zu wenig ausrichten. http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/12718/die-imp...

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04.04.2016 12:11
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Das ist die nächste Phase der Geldpolitik

Seit fast zehn Jahren spielen Notenbanken auf einer unkonventionellen Klaviatur. Nun zeichnet sich eine neue Phase der Geldpolitik am Horizont ab. Sie umfasst drei Komponenten.

Da die meisten hochentwickelten Volkswirtschaften nach der Finanzkrise von 2008 nur ein blutleeres Wachstum zeigten, waren ihre Zentralbanken gezwungen, von der konventionellen Geldpolitik – der Senkung der Leitzinsen durch Käufe kurzfristiger Staatsanleihen am offenen Markt – zu einer Reihe unkonventioneller Politiken überzugehen.

Obwohl die Nullgrenze bei den Nominalzinsen – zuvor nur eine theoretische Möglichkeit – erreicht und eine Nullzinspolitik umgesetzt worden war, blieb das Wachstum blutleer. Daher verfolgten die Zentralbanken nun Massnahmen, die in ihrem politischen Instrumentarium ein Jahrzehnt zuvor nicht einmal vorhanden gewesen waren. Und nun stehen sie kurz davor, dies noch einmal zu tun.

Credit Easing

Die Liste unkonventioneller Massnahmen ist lang. Da war zunächst die quantitative Lockerung, d. h. der Ankauf langfristiger Staatsanleihen, nachdem die kurzfristigen Zinsen bereits auf null gefallen waren. Diese ging einher mit dem sogenannten «Credit Easing» in Gestalt des Kaufs privater oder semiprivater Vermögenswerte durch die Zentralbanken – etwa durch Hypotheken oder andere Vermögenswerte unterlegten Wertpapieren, gedeckten Schuldverschreibungen, Unternehmensanleihen, Immobilien-Treuhandfonds und sogar Aktien (über börsennotierte Fonds).

Das Ziel war, die Risikoaufschläge für private Kredite (die Differenz bei den Renditen privater Anlagewerte und denen von Staatsanleihen mit ähnlicher Laufzeit) zu verringern und direkt und indirekt die Preise für andere riskante Anlagewerte wie Aktien und Immobilien in die Höhe zu treiben.

Forward Guidances

Dann waren da die sogenannten «Forward Guidances», zielgerichtete Hinweise der Zentralbanken, dass diese die Leitzinsen für länger bei null halten würden, als dies durch die wirtschaftlichen Rahmendaten gerechtfertigt war, wodurch die kurzfristigeren Zinsen weiter gesenkt wurden. Eine Zusage etwa, die Nullzinspolitik für drei Jahre beizubehalten, impliziert, dass die Zinssätze für Wertpapiere mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren ebenfalls auf null fallen dürften, da die mittelfristigen Zinsen auf Erwartungen über die kurzfristigen Zinsen der nächsten drei Jahre beruhen.

Und zu guter Letzt waren da die unsterilisierten Interventionen am Devisenmarkt, die über eine Schwächung der Währung den Export ankurbeln sollten.

Niedriges Wachstum

Diese Massnahmen haben die lang- und mittelfristigen Zinsen für Staatspapiere und Hypothekenanleihen in der Tat gesenkt. Sie verengten zudem die Risikoaufschläge für private Anlagewerte, trieben die Aktienkurse in die Höhe, schwächten die Währung und führten zu einer Verringerung der Realzinsen durch Steigerung der Inflationserwartungen. Das heisst, sie zeigten teilweise Wirkung.

Trotzdem blieb in den meisten hochentwickelten Volkswirtschaften das Wachstum hartnäckig niedrig (und die Inflation ebenfalls). Hierfür gibt es mehrere Gründe. Angesichts des Abbaus hoher privater und öffentlicher Schulden konnte die unkonventionelle Geldpolitik schwere Rezessionen und eine echte Deflation verhindern; ein robustes Wachstum und 2 Prozent Inflation herbeiführen konnte sie jedoch nicht.

Schlechter Policy-Mix

Zudem war der Policy-Mix nicht optimal. Während die Geldpolitik eine wichtige Rolle dabei spielen kann, Wachstum und Inflation zu steigern, bedarf es strukturpolitischer Massnahmen, um das potenzielle Wachstum zu erhöhen und zu verhindern, dass Unternehmen, Haushalte, Banken und Regierungen sich in Zombies verwandeln, die aufgrund zu hoher Schulden chronisch unfähig sind, Ausgaben zu tätigen. Ausserdem waren fiskalpolitische Massnahmen erforderlich, um die Gesamtnachfrage zu stützen.

Unglücklicherweise impliziert die politische Ökonomie der meisten Strukturreformen – mit ihren frühzeitig anfallenden Kosten und ihrem verzögert eintretendem Nutzen –, dass diese nur langsam umgesetzt werden. Zugleich war in einigen Ländern der fiskalpolitische Spielraum durch hohe Defizite und Schulden (die den Marktzugang gefährden) und in anderen (u. a. der Eurozone, Grossbritannien und den USA) durch eine politische Gegenreaktion gegen fiskalpolitische Impulse beschränkt.

Unkonventionelles wird konventionell

Dies führte zu Sparmassnahmen, die das kurzfristige Wachstum untergraben. Die Zentralbanken wurden also und sind immer noch – ob es einem gefällt oder nicht – die Einzigen, die die Gesamtnachfrage stützen, die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützen und eine Deflation verhindern.

Infolgedessen hat sich die unkonventionelle Geldpolitik – die inzwischen seit fast einem Jahrzehnt fest verankert ist – selbst als konventionelle Geldpolitik etabliert. Und angesichts des nach wie vor lustlosen Wachstums und der anhaltenden Deflationsrisiken in den meisten hochentwickelten Ländern werden die Geldpolitiker ihren einsamen Kampf mit einer neuen Reihe «unkonventioneller unkonventioneller» geldpolitischer Massnahmen fortsetzen müssen.

Negativzinsen auf dem Vormarsch

Einige wurden bereits umgesetzt. So haben sich inzwischen negative Leitzinsen in der Schweiz, Schweden, Dänemark, der Eurozone und Japan als Standard etabliert. Die Überschussreserven, die die Banken bei den Zentralbanken hinterlegen, werden infolge der quantitativen Lockerung mit einem negativen Zinssatz belegt.

Die politischen Entscheidungsträger sind dazu übergegangen, statt an der Geldmenge (quantitative Lockerung, Credit Easing und Wechselkursinterventionen) am Preis des Geldes zu drehen (erst Nullzinspolitik, dann Forward Guidances und jetzt negative Leitzinsen). Die Nominalzinsen sind jetzt nicht nur für Tagesgelder negativ, sondern auch für zehnjährige Staatsanleihen. Tatsächlich erbringen heute Staatsanleihen im Wert von etwa sechs Billionen Dollar negative Nominalerträge.

Nächste Phase der Geldpolitik

Die nächste Phase der unkonventionellen Geldpolitik könnte – falls sich die Rezessions-, Deflations- und Finanzkrisenrisiken steil erhöhen – drei Komponenten umfassen.

Erstens könnten die Zentralbanken die Ausgabe von Bargeld mit Gebühren belegen, um die Banken an dem Versuch zu hindern, den negativen Zinsen auf Überschussreserven zu entgehen. Wenn die Banken dann nicht mehr imstande sind, auf Bargeld umzustellen (auf das keine Zinsen anfallen), könnten die Zentralbanken die Leitzinsen noch weiter in den negativen Bereich drücken.

Helikoptergeld am Horizont

Zweitens könnte sich die quantitative Lockerung zu «Helikoptergeld» oder der direkten geldpolitischen Finanzierung grösserer Haushaltsdefizite durch die Zentralbanken fortentwickeln.

Tatsächlich betreffen die jüngsten Gerüchte am Markt die Vorteile einer dauerhaften Monetisierung der öffentlichen Defizite und Schulden. Darüber hinaus hat die quantitative Lockerung zwar den Inhabern von Finanzwerten genutzt, indem sie die Preise für Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe getrieben hat. Zugleich jedoch hat sie die zunehmende Ungleichheit angeheizt. Helikoptergeld könnte (durch Steuersenkungen oder durch frisch gedrucktes Geld finanzierte Transferleistungen) das Geld direkt in die Hände der Haushalte geben und so den Konsum ankurbeln.

Ausweitung des Credit Easing

Drittens könnte es zu einer deutlichen Ausweitung des Credit Easing, d. h. des Ankaufs privater Anlagewerte, durch die Zentralbanken kommen. Man denke hier etwa an den direkten Ankauf von Aktien, hochriskanten Unternehmensanleihen und faulen Krediten der Banken.

Wer meint, dass die unkonventionelle unkonventionelle Geldpolitik ein bisschen verrückt klingt, sollte sich daran erinnern, dass einige dasselbe erst vor ein paar Jahren über die «konventionelle unkonventionelle» Geldpolitik sagten. Und falls die aktuellen Bedingungen in den hochentwickelten Volkswirtschaften in einem Jahrzehnt noch Bestand haben, könnten sich Helikoptergeld, Schuldenmonetisierung und Gebühren auf Bargeld als quantitative Lockerung, Credit Easing, Forward Guidances, Nullzinspolitik und negative Leitzinsen von morgen erweisen. Verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Massnahmen.

* Nouriel Roubini ist Chairman von Roubini Global Economics und Professor für Ökonomie an der Stern School of Business der New York University. Aus dem Englischen von Jan Doolan. Copyright: Project Syndicate, 2016.

 

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15.03.2016 10:07
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Das sind die Erwartungen an die SNB

Geldpolitik

Die Schweizer Notenbank steht im Fokus der Beobachter: Am Donnerstag gibt sie ihre nächsten Massnahmen bekannt. Das Öffnen der Geldschleusen durch die EZB hat die Vorzeichen verändert.

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«Keinen Handlungsbedarf»

«Die SNB hat keinen Handlungsbedarf, besonders mit einem Franken bei nun 1,10 Franken zum Euro, sagte Manuel Andersch, Ökonom der Bayern LB, gegenüber Bloomberg. «Da die Wahrscheinlichkeit vorerst für das Ende weiterer Zinssenkungen spricht, hat die EZB nach unserer Einschätzung den Druck von der SNB genommen, die Geldpolitik weiter zu lockern.»

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/schweiz/das-sind-die-erwartungen...

 

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18.01.2016 12:42
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Wieso die SNB neidisch auf die Schweden sein kann

Geldpolitik

Die Schweizerische Nationalbank ist nicht alleine: In mehreren Staaten sind die Leitzinsen negativ. Das Instrument birgt Risiken. Doch in einem Land müssen sich die Notenbanker weniger Sorgen machen.

Vor einem Jahr hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Kampf gegen die Frankenstärke Negativzinsen eingeführt. Seitdem verlieren die Banken ab einem gewissen Betrag Geld, wenn sie ihre Mittel bei der SNB aufbewahren. Aus Sicht der Notenbanker hat sich das Instrument bewährt – es sei mit ein Grund, wieso sich der Franken zum Euro nicht noch stärker aufgewertet hat.

Doch die Währungshüter um SNB-Präsident Thomas Jordan gehen mit Negativzinsen dennoch Risiken ein. Eines sticht heraus: Sparer könnten Geld zunehmend unter der Matratze verstauen, statt es aufs Bankkonto einzuzahlen. Wenn immer mehr Geld in Bar gebunkert wird, verlieren die Negativzinsen an Wirkung.

Schweizer lieben den Tausender

Die Sorge ist naheliegend. Denn Banken zahlen zurzeit nur mickrige Zinsen, und einige Institute wie die Alternative Bank geben die Strafzinsen bereits an normale Kunden weiter. Tatsächlich wird Geld zunehmend gehortet – dies räumt die SNB ein. Banknoten würden in «erheblichem Umfang» als Wertaufbewahrungsmittel verwendet, schreibt sie ihrem letzten Jahresbericht.

Jede zehnte Frankennote ist ein 1000er Schein; diese obwohl kaum jemand mit einem violetten Tausender einkaufen geht. Der bekannte Ökonom Kenneth Rogoff hält diese Schwemme von Tausendernoten für ein grosses Problem für die SNB, wie er im vergangenen Jahr in Zürich verriet. In der Schweiz ist sehr viel Bargeld im Umlauf.

Die Schweden habens besser

Zur Entlastung kann Thomas Jordan auf Kollegen verweisen: Denn die SNB ist mit ihrer bitteren Medizin nicht alleine, auch andere Notenbanken haben Negativzinsen eingeführt.

Prominentes Beispiel ist die schwedische Riksbank. Doch die Schweden haben einen grossen Vorteil gegenüber der SNB: Im nordischen Land ist Bargeld fast ein Relikt aus der Vergangenheit. Viele Schweden zahlen nur per Kreditkarte oder mit einer App. Im Detailhandel wird 95 Prozent vom Umsatz bargeldlos abgewickelt. Und immer mehr Geldautomaten verschwinden. Geld fliesst in Schweden also in erster Linie elektronisch – was die Währungshüter besser schlafen lässt.

Dänemarks «elegante Lösung»

Wenn die SNB noch länger auf die Negativzinsen setzt, sollte der Bundesrat vielleicht Dänemark kopieren: Dort werden selbst Kleinstbeträge von den meisten Konsumenten mit Karte bezahlt – und die Regierung will die Bevölkerung mit neuen Gesetzen vom Bargeld entwöhnen. Dies wäre ganz im Sinne von Starökonom Rogoff: Papiergeld abzuschaffen, ist für ihn «eine sehr einfache und elegante Lösung», damit Notenbanken Negativzinsen einführen können.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/schweiz/wieso-die-snb-neidisch-a...

 

 

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13.01.2016 17:04
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Geldpolitik Wo liegt die optimale Inflation?

Die Europäische Zentralbank zielt geradezu krampfhaft auf eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent. Eine plausible Begründung, warum ausgerechnet diese Rate optimal sein soll, existiert aber nicht.

  • Das oberste Ziel der meisten Zentralbanken ist die Sicherung der Preisstabilität. Ein solides und kalkulierbares Preisgefüge ist nicht nur unerlässlich für das Funktionieren einer Marktwirtschaft. Auch der soziale Friede eines Landes hängt davon ab, dass die Bürger auf die Werthaltigkeit des Geldes zählen können. Nirgendwo sonst hat sich diese Tatsache tiefer ins öffentliche Bewusstsein gebrannt als in Deutschland. Die rasante Geldentwertung etwa zu Zeiten der Weimarer Republik wirkt als nationales Trauma bis heute nach. Es ist daher kein Zufall, dass in Deutschland die Skepsis gegenüber der extrem expansiven Geldpolitik, wie sie seit Ausbruch der Finanzkrise beobachtet werden kann, besonders gross ist. Den offiziellen Beteuerungen, dass dieses Mal alles ganz anders sei und langfristig keine Hyperinflation mehr drohe, traut man denn auch nicht.

    Inflation als Schmiermittel

    Doch was ist Preisstabilität? Eine intuitive und ziemlich tautologisch anmutende Antwort würde lauten, dass sich die Preise stabil entwickeln, also weder steigen noch sinken. In der oft etwas erklärungsbedürftigen Welt der Geldpolitik ist diese Antwort aber allzu naheliegend. So streben die meisten Zentralbanken nicht eine Inflation von 0% an, sondern eine leicht positive Rate. Mit anderen Worten: Nicht jeder Preisanstieg wird zwangsläufig als inflationär und unerwünscht betrachtet. Die Europäische Zentralbank (EZB) beispielsweise verfolgt das Ziel, die Inflationsrate auf mittlere Sicht «unter, aber nahe 2%» zu halten – ein Ansinnen, das ihr seit Jahren nicht recht gelingen will. Auch das amerikanische Fed kommt zum Schluss, dass eine Inflation von 2% auf längere Sicht mit dem dualen Mandat der Preisstabilität und maximalen Beschäftigung am ehesten konsistent ist .

    Warum streben Währungshüter aber eine Inflation von rund 2% an und nicht Preisstabilität im engen Sinn des Wortes? Offenbar betrachten viele Ökonomen ein bescheidenes Mass an Inflation als willkommenes Schmiermittel für das Funktionieren einer Marktwirtschaft. Wer mit einem steten Anstieg der Preise rechnen muss, zeigt sich eher bemüht, sein Geld unter die Leute zu bringen, also zu konsumieren und zu investieren, da er in Zukunft mit höheren Ausgaben rechnen muss. Solches Verhalten wirkt stimulierend auf den Wirtschaftsgang. Bei Deflation hingegen spielt die Anreizwirkung in die umgekehrte Richtung: So lohnt es sich bei anhaltend sinkenden Preisen, geplante Käufe und Investitionen in die Zukunft zu verschieben, weil diese Transaktionen tendenziell immer günstiger werden. Es kommt zu einem Horten von Geld, da man auf diese Weise den Geldwert mehren kann; dies lähmt dann die Wirtschaft.

    Die EZB verweist in ihrer geldpolitischen Strategie auf einen weiteren Vorteil leicht positiver Inflationsraten. So gelte es, zum Schutz gegen Deflationsrisiken für eine ausreichende Sicherheitsmarge zu sorgen. Ein solcher Puffer sei nötig, weil nominale Zinsen nicht unter null fallen könnten und die Zentralbank in einem deflationären Umfeld die Nachfrage nicht länger mit Zinspolitik stimulieren könne. Diese Einschätzung ist zwar insofern nicht ganz korrekt, als der nominale Schlüsselsatz nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Euro-Raum schon längst in einen leicht negativen Bereich gefallen ist. Zutreffend ist aber, dass die Geldpolitik nahe der Nullzinsgrenze (Zero Lower Bound) zusehends wirkungsloser wird. Die letzte Karte ist sozusagen ausgespielt, und zur weiteren Lockerung der monetären Rahmenbedingungen verbleiben nur noch unkonventionelle Massnahmen der Geldpolitik.

    Gut für die Arbeitgeber

    Eine positive Inflationsrate erleichtert daher die Geldpolitik, da sie negative Realzinsen ermöglicht. Liegt der nominale Zins zum Beispiel bei 0% und die Inflation bei 1%, beträgt die reale Verzinsung –1%. Das ist für Sparer zwar unerfreulich, da das Geld an Kaufkraft verliert. Für eine Notenbank kann dies aber vorteilhaft sein, wenn sie – wie in Krisenzeiten bisweilen notwendig – eine stärker stimulierende Geldpolitik betreiben will. Bei Deflation sind solche Stimuli schwierig. Denn bei sinkenden Preisen liegt der Realzins mindestens auf der Höhe der Deflation, da Geld durch blosses Horten an Wert gewinnt. Den Geldpolitikern sind dadurch die Hände gebunden.

    Eine positive Inflation erleichtert aber vor allem auch die preisliche Anpassung einer Volkswirtschaft an eine sich verändernde Marktlage. Das gilt vor allem mit Blick auf den Arbeitsmarkt. So können Arbeitgeber bei Vorhandensein von Teuerung die Reallöhne senken und auf diese Weise die Wettbewerbskraft stärken, ohne die (nach unten zumeist sehr starren) Nominallöhne kürzen zu müssen. Bei sinkenden Preisen sind Reallohnsenkungen demgegenüber fast unmöglich, da sich solche Kürzungen in diesem Fall unmittelbar auf der Lohnabrechnung, wo der nominale Lohn festgehalten ist, bemerkbar machen würden. Diese vor allem psychologisch hohe Hürde wird in Lohnverhandlungen selten je überwunden. Das zeigen auch die jüngsten Lohnabschlüsse in der Schweiz.

    2 Prozent ja – 4 Prozent nein

    Es gibt somit diverse Gründe für einen Puffer gegenüber einer Nullinflation und der gefürchteten Nullzinsgrenze. Wie gross dieser Sicherheitsabstand idealerweise ist, bleibt aber unklar. Olivier Blanchard, früherer Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IMF), plädierte vor einigen Jahren dafür, dass Zentralbanken in normalen Zeiten eine Inflation von gegen 4% anpeilen. Auf diese Weise, so seine Argumentation, könne man den Nominalzins noch weiter weg von der Nullzinsgrenze führen, was den Notenbanken in Krisenzeiten mehr zinspolitischen Spielraum eröffne. Diese Idee stiess bei stabilitätsorientierten Währungsbehörden wie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) oder der Deutschen Bundesbank aber auf heftige Kritik: Deren Präsidenten warnten vor den Folgen für die geldpolitische Glaubwürdigkeit und vor den schwerwiegenden Kosten einer derart hohen Inflation.

    Während somit eine Inflation von 2% selten auf Widerstand stösst, provoziert die Forderung nach einer doppelt so hohen Geldentwertung einen Aufschrei. Das ist mit Blick auf die Tatsache, dass bei 4% Inflation ein Guthaben in einem Jahrzehnt rund einen Drittel an Wert verliert, zwar verständlich. Kommt hinzu, dass sich Notenbanken bei einer derart laxen Definition von «Preisstabilität» stets mit dem Verdacht konfrontiert sähen, als Helfershelfer zu agieren für überschuldete Staaten, die ihre Verbindlichkeiten bei hoher Teuerung bequem abbauen können. Dennoch, weshalb der Kaufkraftverlust bei einer Inflation von 2%, was immerhin einer Verdoppelung des Preisniveaus in 35 Jahren gleichkommt, in Ordnung sein soll, nicht aber bei 4%, bleibt letztlich eine eher willkürliche und ökonomisch wenig stringent zu begründende Grenzziehung.

    Angebliche Messprobleme

    Zur Verteidigung positiver Inflationsraten verweisen Notenbanken nicht nur auf die Notwendigkeit eines Puffers gegenüber der Nullzinsgrenze. Oft betont wird auch die angebliche Überschätzung der Inflation durch Konsumentenpreisindizes. Begründet wird dies mit der Schwierigkeit, qualitative Verbesserungen, zum Beispiel bei Computern, zu berücksichtigen. Gemäss diesem Einwand liegt die Inflation bei einem Laptop, der 30% teurer wird, dessen Rechenleistung aber um 20% steigt, nur bei 10%. Wirklich überzeugend wirken solche Rechenübungen aber nicht. So lassen sich (vom Konsumenten oft ungewollte) Verbesserungen nur schwer quantifizieren, etwa beim Redesign eines Smartphone oder beim farbigen statt schwarz-weissen Deckblatt eines Buches. Zudem müsste man dann konsequenterweise auch allfällige Verschlechterungen der Qualität, etwa zusehends engere Sitze in Flugzeugen, in den Indizes berücksichtigen.

    All diese Relativierungen legen den Schluss nahe, dass eine «optimale» Inflation weder existiert noch berechnet werden kann. Zudem sind sinkende Preise nicht per se eine unerfreuliche Sache. Negativ ist ein Preisrückgang nur dann, wenn er primär auf fehlende Nachfrage zurückzuführen ist. Anders sieht es aus, wenn etwa der Einsatz neuer Technologien zu Produktivitätsfortschritten und tieferen Herstellkosten führt. Der Preisrückgang ist dann angebotsseitig begründet und ein Zeichen des Fortschritts. Ähnlich einzuordnen sind die anhaltend sinkenden Energiepreise, die derzeit vielerorts für tiefe Inflationsraten sorgen. Sie sind aus konjunktureller Sicht zu begrüssen, da das billige Erdöl wie ein Stimulierungsprogramm wirkt. Zentralbanken sollten daher nicht allzu nervös werden ob der notorisch volatilen Energiepreise, sondern durch das vorübergehende Auf und Ab dieser Preise «hindurchschauen».

    Zielkorridor statt Punktziele

    Ein solches Hindurchschauen beherzigen etwa das Fed und die SNB, weshalb diese beiden Währungsbehörden temporär auch tiefe oder gar negative Inflationsraten zu akzeptieren bereit sind. Weniger gelassen agiert die EZB, die hartnäckig an einem faktischen Punktziel von knapp 2% festhält, und dies zu einer Frage der geldpolitischen Glaubwürdigkeit stilisiert. Eine solche Fixierung war bei der Gründung der Euro-Zone noch nicht vorgesehen. Bis Mai 2003 definierte auch die EZB die Preisstabilität als Anstieg des Verbraucherpreisindexes um weniger als 2%. Im Rahmen einer Strategieüberprüfung wurde dieser Korridor aber ersetzt durch das Ziel einer Preissteigerung um nahe 2%. Mit dieser Politikänderung, so die damalige Begründung, sorge man für ausreichenden Schutz gegen Deflationsrisiken und wappne sich gegen Messfehler bei Preisindizes.

    Die Strategieänderung war rückblickend kaum der klügste Entscheid der EZB. Weder lässt sich eine optimale Inflationsrate herleiten, noch ist es einer Zentralbank möglich, die Inflation punktgenau zu steuern. Diese Restriktionen werden durch einen Zielkorridor (zum Beispiel zwischen 0% und 2%) besser berücksichtigt als durch ein faktisches Punktziel. Bei einem Korridor, wie ihn auch die SNB ihrer Definition von Preisstabilität zugrunde legt, hätte die EZB dieser Tage mehr Flexibilität. Angesichts einer Kerninflation (ohne volatile Warengruppen wie Energie und Lebensmittel) von derzeit geradezu idealen 1% könnten sich die Euro-Hüter mehr Gelassenheit leisten und auf den hektischen Aktivismus, wie er seit geraumer Zeit die Politik der EZB charakterisiert, verzichten. Mit der dogmatischen Fixierung auf eine Inflation «unter, aber nahe 2%» verbaut man sich solche Zurückhaltung – ohne im Gegenzug etwas hinzuzugewinnen.

    http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/wo-liegt-die-optimale-in...

     

 

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02.12.2015 14:29
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Fallende Kerninflation macht Draghi Beine

Nach wie vor drücken die Rohölpreise die Teuerung nach unten, die Kerninflation in Europa sinkt. Das macht eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Eurozone wahrscheinlich.

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Zinssenkung möglich

Unter EZB-Beobachtern ist mittlerweile unstrittig, dass die Notenbank an diesem Donnerstag ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Entsprechende Signale hatten ranghohe Notenbanker in den vergangenen Wochen ausgesendet. Grosse Ungewissheit herrscht aber über die konkreten Schritte. Als denkbar gilt eine Ausweitung der im März gestarteten Anleihekäufe. So könnte das monatliche Kaufvolumen von aktuell 60 Milliarden Euro erhöht werden oder das gesamte Kaufprogramm länger laufen gelassen werden. Bisher soll es im September 2016 enden. Auch eine Ausweitung der Käufe auf zusätzliche Wertpapierarten wie Kommunalanleihen gilt als möglich.

Ausserdem könnte die Notenbank eine abermalige Zinssenkung beschliessen. Im Fokus steht der Einlagensatz, der bereits negativ ist und damit wie eine Gebühr auf Bankguthaben bei der EZB wirkt. Diesen Satz könnte die Notenbank weiter ins Negative senken, um die Banken anzuregen, das reichliche Zentralbankgeld nicht zu bunkern, sondern als Kredite in die Wirtschaft weiterzuleiten. Einige Bankvolkswirte halten auch eine Senkung des Hauptleitzinses, der zurzeit bei 0,05 Prozent liegt, für denkbar, möglicherweise auf null Prozent.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/fallende-kerninflation-macht-dra...

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Benjamin Franklin

29.10.2015 09:05
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Fed setzt auf Vernebelungstaktik

Die amerikanische Notenbank belässt den Leitzins unverändert. Es bleibt unklar, ob es dieses Jahr überhaupt noch zu einer Straffung der Geldpolitik kommt.

Das Verwirrspiel geht weiter. Im Zinsentscheid vom Mittwoch bleibt das Federal Reserve bewusst vage, wie es in den kommenden Monaten mit der Geldpolitik weitergehen soll. Entsprechend uneinheitlich ist die Reaktion an Wallstreet.

Seit dem vergangenen Treffen von Mitte September hat die US-Notenbank ihre Einschätzung zur Wirtschaftslage in zwei Punkten geändert. Einerseits heisst es in ihrer Mitteilung nun, dass sich «das Tempo des Jobwachstums verringert hat und die Arbeitslosenrate stabil geblieben ist».

Das ist eine leicht vorsichtigere Haltung, hatte das Fed zuletzt doch von einer weiteren Aufhellung am Stellenmarkt und einer sinkenden Arbeitslosenquote gesprochen. Diese belief sich im September auf 5,1%, während das Stellenwachstum überraschend deutlich auf 142’000 abgenommen hatte.

China bleibt unter Beobachtung

Etwas zuversichtlicher sind die Währungshüter andererseits, was die weltweite Grosswetterlage betrifft. An der letzten Sitzung warnten sie, dass die «jüngsten globalen ökonomischen und finanziellen Entwicklungen die Wirtschaftsaktivität dämpfen könnten und auf kurze Sicht wohl noch mehr Druck auf die Teuerung ausüben werden».

Dieser Passus ist nun vollständig aus dem Statement gestrichen worden. Vor allem die Angst vor einem schweren Konjunktureinbruch in China hat sich an den Finanzmärkten gelegt. Allerdings werde der Fed-Vorsitz «weiterhin die Vorgänge in Übersee überwachen», steht im Communiqué.

Notenbankchefin Janet Yellen und ihre Kollegen lassen sich damit alle Optionen offen. «Um zu bestimmen, ob es an der nächsten Sitzung angebracht ist, den Leitzins zu erhöhen, wird das Komitee Fortschritte mit Blick auf das Ziel von Vollbeschäftigung und 2% Inflation beurteilen», heisst es neu.

Aktienbörsen schliessen fester

An Wallstreet wirft das mehr Fragen als Antworten auf. «Das Statement zur Oktobersitzung spurt unserer Ansicht nach keinen klaren Kurs vor, weder für Dezember noch für 2016», meinen beispielsweise die Ökonomen der Bank Barclays.

Die Reaktion an den Märkten ist denn auch uneinheitlich. Die Börsen in New York gaben unmittelbar nach dem Zinsentscheid nach, zogen dann aber kräftig an. Der Leitindex S&P 500 ging am Mittwoch mit einem Plus von 1,2% auf 2090,35 aus dem Handel. Verglichen mit dem Stand von Anfang Jahr notiert er 1,5% im Plus und hat die Scharte der Korrektur von Ende August praktisch ausgewetzt.

Dollar wertet sich auf

Im Kontrast dazu steht die Reaktion an den Devisenmärkten. Der Dollar verteuerte sich gemessen an den wichtigsten Währungen fast 1% und nahm die Parität zum Franken ins Visier. Zu 0.9936 $/Fr. handelt er auf dem höchsten Stand seit Mitte März. Am Bondmarkt stieg die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen 6 Basispunkte auf 2,09%.

Mit Ausnahme von Jeffrey Lacker, dem Präsidenten der Distriktnotenbank  Richmond, votierten alle stimmberechtigten Mitglieder im Fed-Gremium dafür, die Zinsen unverändert auf null zu belassen. Inzwischen bewegt sich die Federal Funds Rate fast sieben Jahre auf rekordtiefem Niveau.

Bis zum nächsten Treffen von Mitte Dezember werden den Währungshütern zwei weitere Berichte zum Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Wichtige Impulse könnte am Donnerstag zudem die erste Lesung des Bruttoinlandprodukts zum dritten Quartal geben. Gemäss dem Echtzeitindikator der Fed-Distriktnotenbank Atlanta ist die US-Wirtschaft von Juli bis September nur 1,1% expandiert.

http://www.fuw.ch/article/das-fed-setzt-auf-verneblungstaktik/

 

 

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Benjamin Franklin

22.07.2015 11:55
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Elias hat am 11.09.2014 - 12:31 folgendes geschrieben:

Zentralbankchef will tieferen «Kiwi»

Der Neuseeland-Dollar hat am Donnerstag wie von der Zentralbank gewünscht zum US-Dollar kräftig nachgegeben. Der Kiwi rutschte um bis zu 0,7% auf $ 0.8180 und näherte sich damit seinem im Februar erreichten Jahrestief von $ 08052. Zentralbank-Gouverneur Graeme Wheeler hatte in einem Statement mitgeteilt, dass die Notenbank eine weitere deutliche Abwertung erwarte, die durch die Normalisierung der US-Geldpolitik unterstützt werde. Den derzeitigen Wechselkurs hält die Notenbank für «ungerechtfertigt und unhaltbar». Das sei keine neue Einschätzung der Notenbank, sagte eine Analystin der Commerzbank. Der Kiwi habe aber sowieso noch einiges nachzuholen im Vergleich mit den zuletzt sinkenden Rohstoffpreisen.

Die Entscheidung der Notenbank, die Zinsen unverändert bei 3,5% zu belassen, sei erwartet worden, hiess es bei der Commerzbank weiter. Seit März hat die neuseeländische Zentralbank die Zinsen kontinuierlich in vier 25-Basispunkt-Schritten angehoben.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/zentralbankchef-will-tieferen-kiwi-1.18381465

 

 

Devisen: Der Kiwi steht vor dem Zerfall

Die Währungen der rohstoffreichen Länder entwickeln sich schwach. Den als Kiwi bekannten Neuseeland-Dollar trifft es am schlimmsten: Er wird laut Analysten gegenüber dem US-Dollar deutlich verlieren.

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Kiwi im Tief

Die Währungen von Ländern, die Rohstoffe exportieren, stehen unter Druck, nachdem die Preise ihrer Güter gegenüber dem im Jahr 2011 erreichten Höchststand um 45 Prozent abgesackt sind. Um das Wachstum wieder in Gang zu bringen, haben die Notenbanken dieser Länder die Zinsen gesenkt. Weitere  Zinsschnitte stehen bevor, wie marktimplizierte Leitzinssätze zeigen. Bereits am Donnerstag dürfte die Notenbank von Neuseeland den Leitzins zum zweiten Mal in Folge senken, wie diverse Volkswirte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg sagen.

«Wir sehen den Rohstoff-Devisenkomplex eigentlich durchgehend negativ, aber im Hinblick auf den Neuseeland-Dollar sind wir besonders negativ», sagte Ray Attrill, leitender Devisenstratege bei der National Australia Bank (NAB). «Er ist die Nummer 1 auf der Liste unserer Ziele. Ich glaube nicht, dass irgendeine andere Devise auch nur in die Nähe kommt.» Attrill ist laut Bloomberg-Rankings der treffsicherste Prognostiker für den Kiwi.

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http://www.handelszeitung.ch/invest/devisen-der-kiwi-steht-vor-dem-zerfa...

 

 

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Benjamin Franklin

13.06.2015 09:06
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Mugabes "Landreform" war der Start, zu dieser gescheiterten Geldpolitik .

 

 

 

http://derstandard.at/2000017326398/Wertloser-Simbabwe-Dollar-wird-einge...

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Mugabe#Wirtschaftskrise_und_Landreform

 

 

weico

 

11.06.2015 11:41
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Wie der SNB-Entscheid die 1000er-Note boomen lässt

Aus Angst vor den Negativzinsen flüchten Anleger in Bargeld. Die Folge: 1000-Franken-Noten sind heiss begehrt. Für die Nationalbank könnte das problematisch werden.

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Viel Bargeld kann das Finanzsystem destabilisieren

Für die Nationalbank ist ein hoher Umlauf von 1000er-Noten, der wertvollsten Banknote der Welt,  problematisch. Denn ausländische Investoren können damit die negativen Zinsen umgehen – und dennoch in Franken ihr Geld anlegen. Zudem droht bei einer exzessiven Bargeldnachfrage auf Kosten von Kundeneinlagen das Finanzsystem destabilisieren. Denn immerhin werden etwa Kredite durch Einlagen finanziert, so CS-Experte Botteron.

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http://www.bilanz.ch/unternehmen/wie-der-snb-entscheid-die-1000er-note-b...

 

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10.06.2015 14:55
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Geldpolitik: Wie misst man den Wert des Geldes?

Zentralbanken denken in zu engen Bahnen, sagt UBS-Präsident Axel Weber. Das heutige System der reinen Inflationssteuerung ist «mechanistisch» und trägt nicht zur Stabilisierung unseres Geldes bei.

Hauptargument für Inflation Targeting fragwürdig

Das ursprüngliche Ziel der Zentralbanken

Konsumentenpreise reichen als Index nicht

Zentralbanken weisen Verantwortung von sich

Fokus auf Konsumentenpreise ist kontraproduktiv

Kredite, Zinssätze, Wechselkurse

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/ubs-praesident-weber-mehr-spielr...

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09.06.2015 13:39
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Goldbuggy hat am 09.06.2015 - 12:14 folgendes geschrieben:

Ja, sorry Elias, die Konfettis habe ich ganz vergessen in meiner Phrasendrescherei zu erwähnen - werde mich bessern wenn ich wieder mal was bezüglich exzessiver Gelddruckerei schreiben werde

ich wieder mal

ich wieder mal

ich wieder mal

ich wieder mal

ich wieder mal

ich wieder mal

an deiner Stelle würde ich erst mal das Bild ändern. Frauen schreiben anders. Vorallem viel und nicht immer das gleiche.

 

 

 

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Benjamin Franklin

09.06.2015 12:14
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Ja, sorry Elias, die Konfettis habe ich ganz vergessen in meiner Phrasendrescherei zu erwähnen - werde mich bessern wenn ich wieder mal was bezüglich exzessiver Gelddruckerei schreiben werde

Dance 4

09.06.2015 09:12
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Und täglich grüsst das Murmeltier

Goldbuggy hat am 09.06.2015 - 08:48 folgendes geschrieben:

Fiat- Falschgeld ...Ungewaschenen

@Ungewaschener: Deine Konfetti hast du vergessen zu erwähnen.

Willkommen im Club der Phrasendrescher.

 

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Benjamin Franklin

09.06.2015 08:48
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Solange Zentralbanken aus dem Nichts Fiat- Falschgeld in jeder Menge nach eigenem Gutdünken drucken und für Zins an die Ungewaschenen ausleihen können, da die Ungewaschenen keine andere Wahl haben, können sie, die Notenbanken, nicht zugrunde gehen. Die Zentralbanken können erst dann zugrunde gehen, wenn ihnen das Geldruckmonopoly entzogen wird. Aber dagegen wissen sie sich zu wehren, was JFK persönlich hat erfahren müssen. 

08.06.2015 13:19
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Die «Star Trek»-Ökonomie der Zentralbanken

Wir leben in einer neuen Ära. Nennen wir sie die «Star Trek»-Ökonomie: Die Zentralbanken sind, geldpolitisch gesprochen, in Galaxien vorgedrungen, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Nie haben Fed, Bank of England, EZB, Bank of Japan oder die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Bilanz auch nur annähernd in dem Mass aufgebläht, wie sie es im Verlauf der letzten fünf Jahre getan haben.

Wir wissen nicht, was die langfristigen Effekte dieser Geldpolitik sein werden. Wir wollen in diesem Beitrag auch nicht darüber spekulieren.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es aber in den kommenden Jahren geschehen, dass einzelne Zentralbanken auf der Anlageseite ihrer riesigen Bilanzen grosse Verluste erleiden – und dann wird es geschehen, dass das Eigenkapital der betreffenden Zentralbank ausgelöscht wird, die Bilanz also überschuldet ist.

Daher die simple Frage: Ist das ein Problem?

Schauen wir zunächst die aktuelle Bilanz der SNB an. Per Ende April waren die Eckwerte wie folgt:

  • Total Aktiva (Bilanzsumme): 584,2 Milliarden Franken
  • Davon Devisenanlagen: 536,4 Milliarden Franken
  • Eigenkapital: 48,4 Milliarden Franken
  • Eigenkapitalquote (Eigenkapital/Bilanzsumme): 8,3 Prozent

Das ist eine in Relation zur gesamten Bilanzsumme doch recht dünne Eigenkapitaldecke. Verliert die SNB auf ihren Devisenanlagen 9 Prozent – was durchaus denkbar ist –, ist ihr Eigenkapital ausgelöscht. Nur um eine Grössenordnung zu geben: Im Monat Januar, als die SNB die Eurokursuntergrenze aufhob, schrumpfte das Eigenkapital der SNB um 51,4 Milliarden Franken.

Und damit wieder zur Frage: Ist das ein Problem?

Die ökonomisch begründete Antwort: nein.

Aber die politisch begründete Antwort: ja.

Beginnen wir mit dem ökonomischen Teil (den die Ökonomen Stephen Cecchetti und Kermit Schoenholtz in ihrem Blog und der heutige SNB-Präsident Thomas Jordan in einer Rede im September 2011 sehr detailliert dargelegt haben). Ein negatives Eigenkapital ist für eine Zentralbank vorab aus drei Gründen kein Problem:

  1. Die Zentralbank kann nicht illiquid werden
  2. Sie wird rechtlich nicht zu Sanierungsmassnahmen gezwungen
  3. Das Notenmonopol garantiert ihr langfristig Gewinne

Der Reihe nach:

Zum ersten Punkt: Eine Zentralbank ist keine normale Bank. Das Fremdkapital einer normalen Bank besteht aus Depositeneinlagen, kurzfristigen Geldmarktdarlehen, Krediten von anderen Banken sowie aus besicherten und unbesicherten Anleihen. Das Eigenkapital ist der Puffer, der die Fremdkapitalgeber vor Verlusten schützt. Schmilzt nun dieser Puffer, weil die Bank auf der Aktivseite ihrer Bilanz grosse Verluste erleidet, müssen die Gläubiger befürchten, dass die Bank insolvent wird. In diesem Zustand kann ein Teufelskreis beginnen. Kurzfristige Geldgeber erneuern ihre Kredite nicht, Depositäre ziehen ihr Guthaben ab, der Interbankenmarkt schliesst sich für die betreffende Bank: Sie kann ihre Forderungen nicht mehr begleichen und wird illiquid.

Das kann einer Zentralbank nicht passieren. Wieso? Ihr Fremdkapital besteht nicht aus Krediten und Anleihen, sondern in erster Linie aus im Verkehr befindlichen Banknoten und von Sichtguthaben, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten müssen (zusammen ergibt das die Notenbankgeldmenge). Eine Kapitalflucht der Fremdkapitalgeber kann also gar nicht einsetzen, und weil die Zentralbank die Geldmenge bestimmen kann, kann sie gar nie illiquid werden.

Zum zweiten Punkt: Anders als ein normales Unternehmen oder eine normale Bank besteht für die Zentralbank von Gesetzes wegen keine Pflicht zu Sanierungsmassnahmen, wenn das Eigenkapital aufgezehrt ist. Am konkreten Beispiel der SNB: Das Obligationenrecht (OR) beziehungsweise das Schuldbetreibungs- und Konkursrecht (SchKG) finden in Bezug auf die Solvenz der Bilanz keine Anwendung, weil die Nationalbank einen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt.

Zum dritten Punkt: Die Zentralbank besitzt das sogenannte Notenmonopol, sie kann die Notenbankgeldmenge mehr oder weniger nach Belieben ausweiten, ohne darauf Zinskosten bezahlen zu müssen (Bargeld und die Giroguthaben werden nicht verzinst). Im Effekt kann sich die Zentralbank also umsonst finanzieren, kann auf der Aktivseite ihrer Bilanz, zum Beispiel mit Wertschriftenanlagen, aber Gewinne erzielen.

Dieses als Seignorage bezeichnete Notenmonopol verleiht der Zentralbank ein Geschäftsmodell, das ihr auf lange Frist Gewinne garantiert. Ein vorübergehend negatives Eigenkapital kann auf lange Sicht immer wieder mit einbehaltenen Gewinnen korrigiert werden. Der Barwert aller künftigen Seignorage-Einnahmen ist enorm gross, eine Zentralbank kann damit immer glaubhaft aufzeigen, wie sie ihre Bilanz langfristig wieder ins Lot bringt (wer sich für die Berechnung des Wertes der Seignorage interessiert, findet in diesem vom Ökonomen Willem Buiter verfassten Papier eine übersichtliche Herleitung).

Rekapitulieren wir also kurz: Aus rein ökonomischer Sicht ist es kein Problem, wenn eine Zentralbank kein Eigenkapital mehr hat. Sie kann als Institution trotzdem funktionieren und ihre Aufgabe wahrnehmen.

Wie aber sieht es aus politischer Sicht aus?

Die meisten Zentralbanken sind heute zwar formell von der Politik unabhängig, das heisst, sie können ihre Instrumente unabhängig vom kurzfristigen politischen Prozess einsetzen. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass diese Unabhängigkeit, respektive die Trennung von Zentralbank und Finanzministerium, in vielen Fällen noch jung ist: Die US-Notenbank Fed hat ihre Unabhängigkeit vom U.S. Treasury erst Ende der Siebzigerjahre erhalten, die Bank of England sogar erst 1998 (wer sich eingehender mit der Frage der Unabhängigkeit befassen will: Hier ein Interview, das ich kürzlich mit William White, dem früheren Chefökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, führen konnte).

Wieso ist das relevant?

Die Fiskalbehörden haben sich über die Jahre daran gewöhnt, dass sie von ihrer Zentralbank jährlich zum Teil satte Gewinnüberweisungen erhalten. In der Schweiz erhalten Bund und Kantone von der SNB aus ihrer Jahresrechnung 2014 einen Gesamtbetrag von zwei Milliarden Franken. Die US-Notenbank überwies dem Schatzamt in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt 84 Milliarden Dollar pro Jahr.

Das weckt Begehrlichkeiten. Die Politiker und Fiskalbehörden – vorab die kantonalen Finanzämter in der Schweiz, das Schatzamt in den USA, das Finanzministerium in London oder in Tokio – haben sich über die Jahre daran gewöhnt, dass ihre Zentralbank stetig Gewinne überweist.

Erleidet nun eine Zentralbank grosse Verluste – im Fall der SNB auf Devisenreserven, im Fall des Fed, der Bank of Japan und der Bank of England auf ihrem horrend grossen Anleihenportfolio, im Fall der EZB möglicherweise im Zuge eines Zahlungsausfalls von Griechenland –, wird es ihr nicht mehr möglich sein, Gewinne an die Finanzämter zu überweisen.

Und das möglicherweise über Jahre, bis das Eigenkapital wieder geäufnet ist.

Es ist gut vorstellbar, dass in diesem Fall der Druck aus der Politik auf die Zentralbanken enorm zunehmen, ja sogar ihre politische Unabhängigkeit infrage gestellt wird.

Nur schon weil sie einem massiven politischen Druck ausgesetzt würde, kann es einer Zentralbank also nicht egal sein, ob sie Eigenkapital besitzt oder nicht.

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/37221/braucht...

 

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Benjamin Franklin

27.02.2015 09:45
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Dänemarks Notenbank schafft, woran die Schweiz scheiterte

 Geldpolitik

Nach dem Ende der Frankengrenze zweifelten Investoren plötzlich an Dänemarks Euro-Bindung. Nun scheinen die Dänen den Kampf gegen die Spekulanten zu gewinnen – sie hatten es aber leichter als die SNB.

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Dänemarks Notenbanker hatten es einfacher

Damit wird jedoch auch klar, dass der Kampf für Thomas Jordan und seine Mannschaft weitaus schwerer war als für ihre dänischen Kollegen. Im Januar investierte die SNB Dutzende Milliarden Franken am Devisenmarkt. Um den Euro-Mindestkurs beizubehalten, hätte die Nationalbank mit immer höheren Beträgen intervenieren müssen, sagte kurz nach der Aufgabe der Frankengrenze Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg in einem Interview. «Hochgerechnet auf einen Monat hätten wir allein im Januar für rund 100 Milliarden Franken intervenieren müssen.» Milliardenbeträge seien täglich rausgegangen – ohne Aussicht auf ein Ende.

Dänemarks Anbindung zum Euro gilt bereits seit der Einführung der Gemeinschaftswährung 1999. Die dänische Krone ist in einer Spannbreite von 2,25 Prozent um einen Kurs von 7,46 Kronen an den Euro gebunden. Vorher war die Währung 17 Jahre lang an die D-Mark gekettet.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/daenemarks-notenbank-schafft-wor...

 

 

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Benjamin Franklin

20.02.2015 17:17
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Leitungswasser und Champagner

 

Für 1000 Euro kann man überall im Euroraum kaufen, also vom Händler einfordern, was der mit 1000 Euro ausgepreist hat.

Aber alle neunzehn unterschiedlichen Staatspapiere im Nennwert von 1000 Euro, die bei den neunzehn Euro-Emissionsbanken im Eigenkapital stehen und die bei ihnen von den Geschäftsbanken als Pfand für frische Euro eingereicht werden, haben nirgendwo denselben Preis von 1000 Euro. Sie werden weiterhin auf Märkten gehandelt. Der eine Verkäufer gibt sie – wie während der ersten Griechenlandkrise im Mai 2010 – nur für 1200 Euro her (D-Papiere), der andere verschleudert sie für 300 Euro (GR-Papiere). Das liegt daran, dass diejenigen nationalen 1000 Euro-Papiere, die aufgrund ausbleibender Steuereintreibung durch die zuständigen Regierungen als kaum bedienbar gelten, unter permanentem Deflationsdruck stehen.

Wenn nun in einem Land Zentralbanknoten über 1000 Euro gegen ein 1000 Euro-Staatspapier-Pfand zum Marktpreis von 300 Euro emittiert werden, im nächsten jedoch Zentralbanknoten über 1000 Euro gegen ein 1000 Euro-Staatspapier zum Marktpreis von 1200 Euro in Umlauf gebracht werden, müssten sich die unterschiedlichen Besicherungsqualitäten des Geldes auch in unterschiedlichen Preisen (Wechselkursen) des Geldes ausdrücken. Eben das aber wurde im Euro-Raum von vornherein gesetzlich untersagt. Fast alle – der Autor gehörte nicht dazu – haben damals gehofft, dass niemand die Besicherungen von Euro mit Champagner hier, aber mit Leitungswasser dort herausschmecken, die Währung also immer Champagneraroma verbreiten werde.

Seit der Maikrise 2010 wird das Problem zwar immer noch nicht verstanden, aber doch am Symptom kuriert. Das geschieht durch Befüllung von Fonds mit Staatspapieren (Champagner) der besseren Schuldenbediener (mit keineswegs reicheren, dafür aber gehorsameren Steuerzahlern), aus denen die unter Deflationsdruck stehenden Staatspapiere (Leitungswasser) durch Ankäufe, Garantien, Firstverlängerungen etc. wieder nahe an den 1000 Euro-Nennwert herangetrieben werden. In dieser Drehung der Deflation von Staatspapieren Richtung Inflation besteht der Sinn all der Euro-Rettungspakete, deren Namen man ohnehin besser über Google ermittelt als auswendig lernt.

Verschwindet Griechenland aus dem Euro-Raum, fällt eine Leitungswasserquelle weg. Das könnte dazu führen, dass der Euro wieder eher wie Champagner mundet. Der Grexit dürfte aber eher dafür sorgen, dass sich mehr Misstrauen gegen die im Euro bleibenden großen Südländer aufbaut. Bei deren Leitungswassereinspeisung in den Euro geht es nicht mehr um ein irgendwie noch geschmacksneutral zu haltendes Tröpfeln, sondern um Unterspülungen des Euro durch reißende Sturzbäche.

Da die deflationierenden Staatspapiere von 60-Millionen-Völkern aus den bisherigen Volumina der Rettungstöpfe nicht mehr hochgekauft werden können, steht dann eine Währungskrise an, aus denen die Regierungen mit noch bedienbaren Staatspapieren fliehen m ü s s e n. Denn nur so könnten ihre Zentralbanken die eigene Wirtschaft mit einer Währung versorgen, die für den Ankauf der fürs ökonomische Überleben notwendigen Zulieferungen global noch akzeptiert wird.

Würden die Nordländer dagegen plötzlich Riesentöpfe befüllen müssen, um etwa einen FFSF (French Financial Stability Fund) statt nur eines HFSF (Hellenic Financial Stability Fund) zu unterfüttern, ginge auch ihre Schuldenbedienungsfähigkeit verloren. Mit ihren dann ebenfalls deflationierenden Staatstiteln könnten Gummipapiere nicht mehr hart gemacht werden.  Es käme Wasser zu Wasser. Eben deshalb wollen die meisten Beteiligten lieber jetzt noch einmal die Griechenpapiere hochpreisen, damit sie nicht morgen vor der unlösbaren Aufgabe stünden, Vichy-Wasser auf Champagner-Niveau zu heben.

 

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/leitungswasser_und_...

 

N.B...der Konstruktionsfehler des Euros war schon lange bekannt und wurde hier schon oft "durchgekaut". Nur Euro-Träumer glauben noch weiter an einen Erfolg ...  :bye:

 

 

weico

20.02.2015 16:55
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Schuldenstreit: EZB bereitet sich auf griechischen Euro-Austritt vor

 

Noch verhandeln Athen und die Euro-Partner über neue Finanzhilfen. Hinter den Kulissen werden bereits Alternativen durchgespielt: Die EZB bereitet sich nach SPIEGEL-Informationen auf den Ausstieg Griechenlands aus dem Euro vor.

 

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-ezb-bereitet-sich...

 

weico

20.02.2015 10:24
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Währungswettbewerb gegen Schuldenflut

Ruf nach einer Reform des Geldsystems

Die global immer grössere Verschuldung könnte mittelfristig zu einem Kollaps des Geldsystems führen, das befürchten immer mehr bekannte Ökonomen. Als Gegenmittel empfehlen sie Marktgeld und Währungswettbewerb. Noch ist die Gruppe eine Minderheit.

Steuert die Welt auf eine Katastrophe zu: eine neue Währungsreform? Eine solche Sorge scheint zumindest nicht aus der Luft gegriffen zu sein. In den letzten drei Jahrzehnten haben Zentralbanken, allen voran die amerikanische Notenbank (Fed), auf jede Wirtschafts- und Finanzkrise mit einer erheblichen, oft übermässigen Reduktion der Zinsen und einer deutlichen Ausweitung der Geldmenge reagiert. Doch seit der jüngsten Finanzkrise reichen Nullzinsen in den USA, Europa und Japan längst nicht mehr, sondern die Zentralbanken liessen bzw. lassen die elektronischen Notenpressen auf Hochtouren laufen. Doch was passiert, wenn eine neue Rezession aufzieht? Beginnen die «Währungshüter» dann auch damit, Aktien zu kaufen oder tatsächlich per Abwurf aus dem Helikopter Geld unter den Leuten zu verteilen? Inzwischen mehren sich die Stimmen, die vor einem Kollaps des Geldsystems aufgrund einer jahrzehntelangen Schuldenwirtschaft warnen bzw. diesen verhindern wollen.

Aktivgeld statt Passivgeld

Zu den prominentesten Vertretern dieser Ansicht gehören Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank und nun Leiter des Research-Institute beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch, sowie Thorsten Polleit, früherer Chefökonom von Barclays Capital und nun in gleicher Funktion bei der Edelmetall-Handels-Firma Degussa Goldhandel. In ihren Büchern «Die neue Ordnung des Geldes: Warum wir eine Geldreform brauchen» (Mayer) und «Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld» (Polleit zusammen mit Michael von Prollius) weisen die Autoren auf jahrelange Fehlentwicklungen hin.

Mayer befürchtete jüngst im Gespräch mit der NZZ, dass schon die nächste Finanzkrise einen Kollaps des Geldsystems auslösen könnte. Bereits drohe in vielen Ländern eine Phase der finanziellen Repression, schreibt er, die in eine zunehmend bürokratisch-sozialistische Wirtschaftspolitik eingebunden sei. Diese Politik führe zu einer Schwächung des Wachstums, was wiederum eine schnelle Entschuldung verunmögliche. Die Ungeduld darüber könnte dann, verkürzt gesagt, letztlich zu einem Prozess des Übergangs zu offener Inflation führen, an dessen Ende das Vertrauen in das herrschende Papiergeldsystem schwer erschüttert sein dürfte.

Disziplinierende Wirkung

Mayer empfiehlt daher, bereits frühzeitig eine Wandlung vom Passivgeld zum Aktivgeld anzustreben, vor allem für die Euro-Zone. Unter Passivgeld versteht er dabei das derzeit herrschende Papiergeldsystem, in dem der Wert der bunt bedruckten Papierscheine lediglich durch den Staat garantiert wird, die an sich aber einen Wert von quasi null aufweisen. In diesem System könnten Schulden mit aus dem Nichts geschaffenem Geld finanziert werden, was zu privater und öffentlicher Überschuldung einlade. Die Profiteure des Systems seien der Staat, private Schuldner und Banken, weshalb ein Wegkommen davon sehr schwierig sei. In einem Aktivgeldsystem, das sich durch den freien Wettbewerb verschiedener Währungen untereinander herauskristallisieren sollte, könnte Geld nicht mehr mit dem Ziel vermehrt werden, Schulden tragfähig zu machen, was der Verschuldung enge Grenzen setzen würde.

Polleit und von Prollius argumentieren ähnlich und plädieren für freien Währungswettbewerb. Zwangsgeld des Staates begünstige wenige auf Kosten vieler, führe zu Fehlinvestitionen, Spekulationswellen, Boom-and-Bust-Zyklen und Überschuldung einer Volkswirtschaft. Für Politiker sei das System allerdings sehr angenehm, da sie durch die Schuldenwirtschaft das kreditfinanzierte Füllhorn über den Wählern ausschütten könnten, die sich das wiederum gerne gefallen liessen, solange die Konsequenzen in weiter Ferne lägen oder im Dunkeln blieben.

Eine marktwirtschaftliche Geldordnung zeichne sich gegenüber staatlichem Zwangsgeld dagegen durch einige grundlegende Eigenschaften aus: Erstens seien dabei das Angebot und die Nachfrage von Geld vollkommen frei, zweitens gebe es keine Zentralbank, die das Monopol zur Geldproduktion besitze, drittens herrsche Bankfreiheit, und viertens operierten Banken mit einer 100-prozentigen Reserve, sie dürfen also nichts verleihen, was ihnen als jederzeit fällige Sichteinlage anvertraut ist. Währungswettbewerb könnte zu solch gutem Marktgeld führen, da er einen disziplinierenden Druck auf die Zentralbanken ausüben würde, die Kaufkraft der eigenen Währung zu bewahren, und auf die nationalen Regierungen, die Staatsfinanzen auf gesundem Niveau zu halten.

Jüngste Daten zeigen auf, dass es offenbar kein Ende der Schuldenwirtschaft gibt. Laut einer im Februar veröffentlichten Studie von McKinsey ist die globale Verschuldung trotz anderslautender Beteuerungen seit Beginn der Finanzkrise 2007 um 57 Bio. $ auf 199 Bio. $ gestiegen. Gemessen an der weltweiten Wirtschaftskraft, schoss die Verschuldung nochmals um 17 Prozentpunkte nach oben. Berücksichtigt hat das Beratungsunternehmen nicht nur die Schulden von Staaten, sondern auch von Unternehmen und Privathaushalten. Die zunehmende Verschuldung der Weltwirtschaft verlangsame die Konjunkturerholung, erhöhe das Risiko neuer Krisen und mindere die Fähigkeit, Krisen wirksam zu bekämpfen, so lautet das Urteil der Autoren der Studie. Auch andere kritische Ökonomen meinen, dass die Strategie des kreditfinanzierten bzw. klarer gesagt des schuldenfinanzierten Wachstums an seine Grenzen stosse oder das Rad inzwischen sogar überdreht sein könnte.

Neben den genannten Büchern sind in den letzten Monaten noch etliche andere Werke zum Thema erschienen, etwa das reisserisch klingende Buch «Die Geldapokalypse: Der Kollaps des internationalen Geldsystems» von James Rickards oder «Die Vollgeld-Reform: Wie Staatsschulden abgebaut und Finanzkrisen verhindert werden können» von Hans Christoph Binswanger, Joseph Huber und Philippe Mastronardi. Populärer Urvater der Vollgeld-Idee ist der zur neoklassischen Schule zählende Yale-Ökonom Irving Fisher (Buch: «100%-Money»).

Schweizer Vollgeldinitiative

Als Ursache vieler Probleme taxieren die meisten der genannten Autoren die Art und Weise der heutzutage gängigen Geldschöpfung. Diese geschieht nämlich im herrschenden Mindestreservesystem – in dem eine Bank nur einen sehr kleinen Teil der bestehenden Bankguthaben stets verfügbar haben muss, was sie anfällig für Bank-Runs macht – mit einem Hebeleffekt von teilweise fast 100 primär direkt über Geschäftsbanken und nicht mehr über Zentralbanken, weshalb die Anhänger eines Vollgeldsystems in den letzten Jahren Zulauf erhalten haben. In der Schweiz wurde dazu im Juni 2014 die Vollgeldinitiative lanciert. Sie setzt jedoch voll auf die Schweizerische Nationalbank und würde Staatsgeld damit sogar zementieren, was der Idee des Währungswettbewerbs zuwiderläuft.

http://www.nzz.ch/finanzen/devisen-und-rohstoffe/devisen/ruf-nach-einer-...

 

 

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20.02.2015 10:18
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Ideen für ein neues monetäres Regime: Notenbankgeld für alle?

Das Geldsystem steht in der Kritik. Als Reformen werden unter anderem zwei Massnahmen diskutiert: erstens die Möglichkeit, jedermann Zugang zu Einlagen bei der Notenbank zu gewähren; zweitens die Abschaffung von Bargeld. Was ist davon zu halten?

Erfüllen Notenbanken, Geschäftsbanken und andere Finanzintermediäre ihre volkswirtschaftlichen Aufgaben effektiv und effizient? Die Einschätzung zu dieser Frage hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Vor allem der Bankensektor wird seit der Finanzkrise kritischer beurteilt als zuvor. Auf der Basis eines breiten gesellschaftlichen Konsenses werden Finanzinstitute daher zunehmend stärker reguliert. Die Sicherung ihrer Standortvorteile wird politisch nicht mehr gleich stark gewichtet wie noch in früheren Zeiten.

Öffentliches Misstrauen

Auch an der Geldpolitik oder am Geldsystem wird Kritik geübt. Im Euro-Raum haben die Zweifel an der Stabilitätskultur der Europäischen Zentralbank (EZB) neuen Auftrieb erhalten, weil sich die EZB zu einem Programm des «Quantitative Easing» durchgerungen hat. In der Schweiz wurde der Nationalbank bis zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses vorgeworfen, dass sie im Interesse der Exportindustrie unter dem Vorwand der Deflationsbekämpfung unvertretbare Bilanzrisiken eingehe. Diese und ähnliche Kritiken führten zur (letztlich verworfenen) «Goldinitiative», die eine starke Einschränkung der geldpolitischen Flexibilität vorsah. Eine weitere Initiative, die «Vollgeldinitiative», für die seit Monaten Unterschriften gesammelt wird, hinterfragt gar das herrschende Geldsystem und fordert ein Verbot der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken.

In der Wissenschaft und der akademisch geprägten Blogosphäre steht das Geldsystem ebenfalls vermehrt zur Debatte. So hat Kenneth Rogoff, Harvard-Ökonom und Politikberater, in einer Reihe von Beiträgen die Idee wiederbelebt, das Bargeld abzuschaffen. Rogoff argumentiert, ein solcher Schritt löse zwei Probleme: Erstens beseitige er die faktische Zinsuntergrenze von (leicht unter) null, die der Geldpolitik in wichtigen Währungsräumen derzeit Fesseln anlegt. Zweitens erschwere er anonyme Transaktionen und helfe damit im Kampf gegen Steuerhinterziehung und kriminelle Machenschaften.

Rogoffs Vorschlag und ähnliche Vorstösse lassen sich als Kombination zweier grundsätzlicher Massnahmen begreifen, die es getrennt zu beurteilen gilt. Die erste Massnahme bestünde darin, jedermann die Möglichkeit zu geben, Notenbankgeld in elektronischer Form zu halten. Neben den Geschäftsbanken, denen diese Möglichkeit schon heute offensteht und die sie ausgiebig nutzen, könnten dann auch Privatpersonen und Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors Sichteinlagen bei der Zentralbank halten. Den Girokonten der Geschäftsbanken erwüchse dadurch Konkurrenz, sie wären aber weiterhin zulässig. Als zweite Massnahme würde das Bargeld abgeschafft. Was ist von diesen Massnahmen zu halten?

Zugang zu Zentralbankgeld

Eine Liberalisierung des Zugangs zu Zentralbankeinlagen brächte grosse Vorteile. Zum einen würde das Risiko von «Bank-Runs» verringert und die Finanzstabilität gestärkt, wenn Private und Firmen Einlagen bei der Zentralbank halten und diese für den Zahlungsverkehr nutzen könnten. Denn Sichteinlagen bei der Zentralbank stellen Notenbankgeld dar, dies im Gegensatz zu Einlagen bei Geschäftsbanken, die nur Ansprüche auf Notenbankgeld begründen. Ernsthafte Zweifel an der Liquidität und Bonität von Einlagenforderungen gegenüber der Zentralbank dürften daher nicht aufkommen, und «Bank-Runs» infolge von Vertrauenskrisen sollten auf den Sektor der Geschäftsbanken beschränkt bleiben. Damit wäre die Gefahr kleiner, dass Krisen im Finanzsektor die Stabilität des Zahlungsverkehrssystems beeinträchtigen. Entsprechend liesse sich die öffentliche «Versicherung» von Einlagen reduzieren, was zu verringerten Anreizproblemen im Finanzsektor beitragen würde.

Zum anderen würde die Liberalisierung einen störenden Widerspruch zwischen der Geldverfassung und den gesetzlichen Bestimmungen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung auflösen. In vielen Staaten wird die legale Nutzung von Bargeld für spezifische Transaktionen aus steuerlichen Gründen zunehmend eingeschränkt, obwohl es ein gesetzliches Zahlungsmittel ist. Gleichzeitig wird der Einsatz von elektronischem Geld privilegiert oder gar vorgeschrieben. Dem Privatsektor werden das Halten und das Akzeptieren von Sichteinlagen bei Geschäftsbanken somit mehr oder minder aufgedrängt, obwohl diese Einlagen kein gesetzliches Zahlungsmittel darstellen und im Vergleich zum Notenbankgeld grösseren Risiken ausgesetzt sind. Der Wechsel hin zu einem System mit allgemein zugänglichen Zentralbankeinlagen würde diesen unbefriedigenden Zustand beenden.

Heikle Systemumstellung

Die Liberalisierung brächte aber auch Probleme: Eine Verlagerung von Sichteinlagen aus Bilanzen der Geschäftsbanken in jene der Zentralbank würde die Kreditfinanzierung mit diesen Mitteln einschränken und sich somit direkt auf eine Aktivität des Banksektors auswirken. Diese Aktivität ist gesamtwirtschaftlich sinnvoll, wenn sie Privatpersonen und Firmen die Möglichkeit bietet, sich gegen Liquiditätsschocks abzusichern, ohne zu jedem Zeitpunkt hohe Bestände an Notenbankgeld halten zu müssen. Gleichzeitig zieht sie aber auch Kosten nach sich: Wenn viele Einleger ihre Guthaben gleichzeitig auflösen wollen, die Auszahlung von Notenbankgeld verlangen und es zu «Bank-Runs», «Fire-Sales» oder Insolvenzen im Finanzsystem kommt, führt dies zu erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden. Wenn hiergegen Schutzmechanismen wie etwa eine Einlagensicherung errichtet werden, resultieren daraus Fehlanreize und Kosten für die Allgemeinheit. Eine schlüssige Antwort auf die Frage, ob die Vor- oder Nachteile der Kreditfinanzierung mit Sichteinlagen überwiegen, steht noch aus.

Während der eigentlichen Systemumstellung wäre mit weiteren Problemen zu rechnen. Je nachdem, wie gross die Portfolioumschichtungen des Privatsektors im Rahmen des Systemwechsels ausfielen, könnte die Nachfrage nach Notenbankgeld erheblich steigen und diejenige nach Giroguthaben bei den Geschäftsbanken stark fallen. Dies könnte zum Austrocknen der Liquidität im Banksektor führen und «Bank-Runs» begünstigen, sofern die Zentralbank nicht in grossem Mass zusätzliche Liquidität bereitstellen würde. Den Bedarf hierfür verlässlich abzuschätzen, wäre schwierig; sowohl die Finanz- als auch die Preisstabilität wären zusätzlichen Risiken unterworfen.

Daneben wären technische Fragen zu klären, etwa in Bezug auf das Zahlungsverkehrssystem. Derzeit nutzen Banken Clearingsysteme, um sich gegenseitig Guthaben bei der Zentralbank gutzuschreiben oder zu belasten. In einem System mit allgemein zugänglichen Zentralbankeinlagen könnten diese Clearingsysteme auch für Privatpersonen geöffnet oder es könnten parallele Netzwerke des Zahlungsverkehrs aufgebaut werden. Denkbar wäre auch, dass die Geschäftsbanken ausserhalb ihrer Bilanzen Konten in Notenbankgeld für ihre Kunden führen und in deren Auftrag Zahlungen über das Clearingsystem abwickeln würden.

Andere technische Fragen betreffen die Umsetzung der Geldpolitik nach einem Systemwechsel. Sollten Zentralbanken weiterhin Notenbankgeld an Banken verleihen oder auch an das breite Publikum – und zu welchen Zinsen? Oder sollte neues Notenbankgeld durch Transfers an den Staat oder die Bürger in Umlauf gebracht werden, wie dies in ähnlichem Kontext die «Vollgeldinitiative» vorsieht? Diese Fragen sind weder einfach noch eindeutig zu beantworten. Falls der Zugang zu Zentralbankeinlagen liberalisiert würde, böte sich daher ein schrittweises und vorsichtiges Vorgehen an.

Abschaffung von Bargeld

Rogoffs Vorschlag, das Bargeld abzuschaffen, geht über die beschriebene Liberalisierung hinaus und wirft zusätzliche Fragen auf. Die Abschaffung von Noten und Münzen würde Anlegern die Möglichkeit nehmen, negative Zinsen auf Guthaben zu umgehen, indem sie Gelder abheben und in bar halten. Dadurch entfiele die Zinsuntergrenze von (leicht unter) null als Restriktion für die Geldpolitik, und die Zentralbank gewönne an Möglichkeiten, die Konjunktur zu stimulieren oder Kapitalflüsse zu steuern. Doch dies lässt sich auch auf anderem Weg erreichen. So wirkt sich neben geldpolitischen Massnahmen zum Beispiel auch die Steuerpolitik auf den effektiven realen Zinssatz und damit die Konsum- und Investitionsnachfrage aus. Ein mögliches Instrument in diesem Zusammenhang ist der Mehrwertsteuersatz. Eine angekündigte schrittweise Anhebung dieses Satzes (allenfalls begleitet von einer pauschalen Steuerrückerstattung an die Konsumenten) schafft aus Sicht der Verbraucher dieselben Kaufanreize wie eine Senkung des Nominalzinses: Beide Massnahmen führen dazu, dass ein Vorziehen von Käufen attraktiver wird.

Eingeschränkte Privatsphäre

Selbst wenn man aus ordnungspolitischen Gründen auf konjunkturpolitische Steueranreize verzichten und stattdessen die Zinsuntergrenze dauerhaft beseitigen wollte, liesse sich dies ohne Abschaffung des Bargelds bewerkstelligen. Es würde genügen, den Wechselkurs zwischen Zentralbankeinlagen und Bargeld, der momentan bei einem Wert von eins fixiert ist, frei schwanken zu lassen. Bargeld und Zentralbankeinlagen hätten somit nicht mehr automatisch denselben Wert; die Funktionen des Geldes als Zahlungsmittel und Recheneinheit wären entkoppelt.

Eine Abschaffung von Bargeld ist also nicht zwingend nötig, um negative Zinssätze durchsetzen zu können, es sei denn, man fürchtet schädliche Folgen des erwähnten flexiblen Wechselkurses. Darüber hinaus ist sie unter Umständen nicht einmal hinreichend. Denn selbst ohne Bargeld besteht durch das Vorauszahlen von Steuerrechnungen oder das vorzeitige Begleichen anderer Verbindlichkeiten die Möglichkeit, sich einen Zinssatz von mindestens null zu sichern. Um dies zu ändern, müssten Vorauszahlungen von Steuern verboten oder Gebühren unterworfen werden, und Zahlungen im privaten Geschäftsverkehr müssten Rabatte für Spätzahler vorsehen. Ohne derart drastische und ungewöhnliche Schritte bliebe selbst nach Abschaffung des Bargelds eine Form der Zinsuntergrenze bestehen.

Nach Ansicht der Befürworter bestünde ein Vorteil der Abschaffung von Bargeld darin, Steuerhinterziehung und kriminelle Aktivitäten wirkungsvoller bekämpfen zu können. Doch realistischerweise wäre ein solcher Erfolg keineswegs garantiert. Denn wer seine Transaktionen gegenüber dem Staat geheim halten wollte, wäre dazu noch immer in der Lage. Zur Umgehung von Einkommens-, Vermögens- oder progressiven Verbrauchssteuern könnten Strohmänner angeheuert und undurchsichtige rechtliche Strukturen konstruiert werden, mit deren Hilfe sich die Identität der wirtschaftlich Begünstigten verschleiern lässt.

Kriminelle Transaktionen könnten mithilfe solcher Strukturen oder durch «Insourcing» ebenfalls verborgen bleiben. Dabei würden bisher am Markt getätigte Transaktionen durch Vorleistungen innerhalb eines Unternehmens ersetzt. Da der Aufwand für derartige Massnahmen weitgehend fixer Natur ist, würde die Abschaffung von Bargeld zu einer regressiven Belastung von Steuerhinterziehern und Kriminellen führen. Verbrechersyndikate dürften weiterhin im Dunkeln operieren, und für Superreiche bliebe die Hinterziehung finanziell lohnend, während kleinere Steuervergehen seltener würden.

Gleichzeitig würde die Abschaffung des Bargelds zu einer starken Einschränkung der Privatsphäre führen, der selbst durch den Einsatz von Cash-Karten, die anonyme bargeldlose Zahlungen kleiner Beträge erlauben, kaum wirkungsvoll begegnet werden könnte. Die möglichen Konsequenzen eines staatlich kontrollierten «gläsernen Konsumenten» lassen sich kaum überblicken. Selbst wenn sie verstanden und von einer Mehrheit der Bürger akzeptiert würden, sprächen der Schutz von Minderheiten und andere Werte dagegen, Information in diesem Ausmass zwangsweise mit dem Staat zu teilen. Von diesem Grundsatz sollte nur abgewichen werden, wenn ausserordentlich wichtige Gründe es als zwingend erscheinen lassen; wie erläutert, dürfte dies aber nicht der Fall sein.

Risiko neuer Tauschmittel

Eine Abschaffung des Bargelds hätte noch weitaus banaler erscheinende Nachteile. So zeigen Untersuchungen, dass viele Verbraucher ihre Finanzen nicht im Griff haben und die damit verbundenen Probleme gravierender werden, wenn Kreditkarten und elektronische Zahlungsmittel ins Spiel kommen. In einer Welt ohne Bargeld könnte es für Kinder noch schwieriger werden, elementare Konzepte wie das einer Budgetrestriktion zu verstehen oder eine Motivation für private Ersparnisbildung zu entwickeln.

Schliesslich stehen auch die Durchsetzbarkeit einer Abschaffung von Bargeld und somit deren Relevanz infrage. Realistischerweise würde eine solche Abschaffung nicht nur zu einer Zunahme elektronischer Zahlungen führen, sondern auch dazu, dass sich neue Tauschmittel etablieren: Man denke an Bons, Zigaretten oder Bargeld in ausländischer Währung. Dieser Substitutionsprozess liefe dem ursprünglichen Ziel diametral entgegen. Statt die Kontrolle des Staats und der Zentralbank über den Zahlungsverkehr und den Preis des Geldes zu stärken, ginge diese Kontrolle in Teilbereichen verloren.

Dies führt zu einem grundsätzlichen Aspekt: In einer freien Gesellschaft ist das mögliche Ausmass staatlicher Kontrolle über das Geldwesen durch die Bereitschaft der Bürger begrenzt, das staatlich bewirtschaftete Geld zu akzeptieren. Letztlich entscheidet also die Nützlichkeit des Geldes darüber, inwieweit der Staat dieses Geld Beschränkungen unterwerfen kann. Vorschläge zur Änderung des Geldsystems müssen dieser Tatsache stets Rechnung tragen.

Was bleibt als Fazit? Eine Abschaffung von Bargeld ist unverhältnismässig. Mit grosser Wahrscheinlichkeit dürfte sie zudem einzelne Ziele verfehlen. Die Liberalisierung des Zugangs zu Zentralbankeinlagen könnte hingegen den Nutzen des staatlich bewirtschafteten Gelds erhöhen und bestehende Probleme entschärfen. Selbst diejenigen, die weitergehende Reformen des Geldwesens fordern, könnten eine solche Liberalisierung als Zwischenschritt begreifen und ihr vor diesem Hintergrund etwas abgewinnen. Die Einführung von «Zentralbankeinlagen für alle» verdient daher eine ernsthafte Erwägung.

Dirk Niepelt ist Direktor des Studienzentrums Gerzensee (eine Stiftung der Schweizerischen Nationalbank) und Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Bern.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/notenbankgeld-fuer-alle-1.18487078

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

20.02.2015 10:15
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weico hat am 06.02.2015 - 22:44 folgendes geschrieben:

MarcusFabian hat am 06.02.2015 - 17:18 folgendes geschrieben:

Ansonsten: Krugman und Nobelpreis hin oder her: Den Typen kannst Du in der Pfeife rauchen!

..wie die EU und ihr 2012-Friedensnobelpreis ...

Wem Kriege lieber sind, kann ja in den sehr nahen Osten (Ukraine) oder allgemein in den etwas entfernteren Nahen Osten ziehen.

Der Gedanke hinter der Montanunion / EU war, dass wer wirtschaftlich verflechtet ist, keine Kriege führt. Das hat immerhin bis jetzt 70 Jahre lang gut geklappt. Ob das einen Friedensnobelpreis wert ist, kann man Frage stellen.

Die Geschichte kennt nur einen Pfad. Wir wissen nicht, wie es ohne diese böse böse EU aussehen würde.

Ich weiss diese lange Periode ohne Krieg zu schätzen.

 

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06.02.2015 22:44
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MarcusFabian hat am 06.02.2015 - 17:18 folgendes geschrieben:


Ansonsten: Krugman und Nobelpreis hin oder her: Den Typen kannst Du in der Pfeife rauchen!

..wie die EU und ihr 2012-Friedensnobelpreis ... ROFL :bye:

 

 

weico

 

 

 

 

06.02.2015 17:18
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Elias hat am 06.02.2015 - 15:56 folgendes geschrieben:


Ändert sich was, wenn die Fiskalunion kommt?

 

Du sprichst hier einen guten Punkt an: Der Fispalkackt - ähhhh - Fiskalpakt wäre eigentlich eine Voraussetzung für eine gemeinschaftliche Währung gewesen.

Dass man beschlossen hat, trotz unterschiedlicher Steuer-, Renten, Sozial- und Lohnsysteme über 17 Staaten eine gemeinsame Währung einzuführen, war - - - mutig.

Das heisst, dass die EU17-Staaten nun nachträglich Nachbesserungen liefern müssen. Und somit kommen wir in einen Wettlauf zwischen "Raus aus dem Euro" und "Euro nachträglich tragbar machen."

Das bleibt also spannend.

Ansonsten: Krugman und Nobelpreis hin oder her: Den Typen kannst Du in der Pfeife rauchen! Blum 3

06.02.2015 15:56
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Der Euro ist nicht zu retten

Nobelpreisträger Paul Krugman fordert, ein Scheitern des Euro müsse unbedingt verhindert werden – doch er sieht schwarz. Der Starökonom wundert sich auch über die SNB.

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Von heute aus betrachtet, sei die Schaffung des Euro ein Fehler gewesen. «Wenn ich eine Zeitmaschine hätte und in die 90er zurückgehen könnte, würde ich laut rufen: Nein! Tut es nicht.» Man könne den Euro nun aber nicht einfach auflösen, weil das gravierende Konsequenzen für den Wohlstand hätte – und vielleicht sogar Frieden und Demokratie gefährden könnte.

Er glaubt deshalb, dass man auf jeden Fall versuchen sollte, die Einheitswährung zu retten. Doch der streitbare Nobelpreisträger zweifelt, ob das gelingen wird: «Letzten Endes wird der Euro wahrscheinlich nicht zu retten sein», sagte er laut «Focus» am Asian Financial Forum in Hongkong auf Fragen von Journalisten.

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http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Der-Euro-ist-nicht-zu-...

 

Ich wiederhole mich: alles ist möglich. Die Frage ist, wie wahrscheinlich es ist und wann es passiert.

Passiert es in den nächsten 5 Jahren oder erlebe ich es nicht mehr?

Ändert sich was, wenn die Fiskalunion kommt?

 

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30.01.2015 14:23
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Muss Dänemark der SNB folgen?

Auch die dritte Zinssenkung der dänischen Zentralbank in zehn Tagen dürfte nicht ausreichen, um Investoren von Anlagen in Dänemark abzuhalten.

http://www.cash.ch/news/front/muss_daenemark_der_snb_folgen-3288762-449

 

 

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22.01.2015 09:31
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Brasiliens Notenbank hebt überraschend Leitzins an

Die Preise in Brasilien steigen zu stark. Jetzt hat die Notenbank durchgegriffen und den Leitzins überraschend auf 12,25 Prozent angehoben.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/brasiliens-notenbank-hebt-ueberr...

 

Es haben nicht alle Deflation oder Inflation. Die Waren fliessen nicht von A nach B, bis die Preise gleich sind......

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23.12.2014 12:19
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Yellen wird vom schwarzen Schwan gebissen

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Doch die jüngsten Ereignisse am Erdölmarkt haben unter Anlegern das Gefühl eines Black Swan erweckt.

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Die Notenbanken dürften auch diesmal intervenieren. Die Ereignisse von letzter Woche sind Zeugnis davon. Einen Tag vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve sind plötzlich die Währungen von Emerging Markets nach oben geschossen. Mit ihnen haben sich auch die Aktien der betreffenden Länder erholt. Offiziell ist zwar nichts bekannt geworden, doch in Marktkreisen wird angenommen, dass die US-Notenbank Unterstützung geboten hat. Sie dürfte dabei Dollars zur Verfügung gestellt haben, um Liquiditätsengpässe in den Emerging Markets zu überbrücken. Sie kann das mit Kreditgarantien, Devisenswaps und anderen Finanzinstrumenten tun. Solche Massnahmen haben die angenehme Eigenschaft, dass sie dank der Komplexität von aussen kaum geortet werden können. Die Notenbank kann so intervenieren, ohne später von entrüsteten Gesetzgebern zur Rechenschaft gezogen zu werden. Doch die Nervosität ist trotzdem gross an der Wall Street. Während die US-Notenbank bewiesen hat, dass sie Krisen im eigenen Land vermeiden kann, bezweifeln viele ihre Fähigkeit, weltweit als Garant für Stabilität zu dienen.

http://www.nzz.ch/finanzen/yellen-wird-vom-schwarzen-schwan-gebissen-1.1...

 

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18.09.2014 12:37
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Fed-Anleihenkäufe werden eingestellt

Das FED bleibt vorsichtig: Der Leitzins in den USA bleibt tief und erst Ende Oktober wird die Geldschwemme eingestellt. Eine Zinswende wird weiterhin erst Mitte 2015 erwartet.

http://www.20min.ch/finance/news/story/Fed-Anleihenkaeufe-werden-eingest...

 

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11.09.2014 12:31
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Zentralbankchef will tieferen «Kiwi»

Der Neuseeland-Dollar hat am Donnerstag wie von der Zentralbank gewünscht zum US-Dollar kräftig nachgegeben. Der Kiwi rutschte um bis zu 0,7% auf $ 0.8180 und näherte sich damit seinem im Februar erreichten Jahrestief von $ 08052. Zentralbank-Gouverneur Graeme Wheeler hatte in einem Statement mitgeteilt, dass die Notenbank eine weitere deutliche Abwertung erwarte, die durch die Normalisierung der US-Geldpolitik unterstützt werde. Den derzeitigen Wechselkurs hält die Notenbank für «ungerechtfertigt und unhaltbar». Das sei keine neue Einschätzung der Notenbank, sagte eine Analystin der Commerzbank. Der Kiwi habe aber sowieso noch einiges nachzuholen im Vergleich mit den zuletzt sinkenden Rohstoffpreisen.

Die Entscheidung der Notenbank, die Zinsen unverändert bei 3,5% zu belassen, sei erwartet worden, hiess es bei der Commerzbank weiter. Seit März hat die neuseeländische Zentralbank die Zinsen kontinuierlich in vier 25-Basispunkt-Schritten angehoben.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/zentralbankchef-will-tieferen-kiwi-1.18381465

 

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08.09.2014 11:35
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Als Deutschland unter Frankreichs Diktat litt

Die momentane Situation der Eurozone erinnert in vielerlei Hinsicht an die 1930er Jahre. Nur sind die Rollen vertauscht. Heute ist Deutschland dasjenige Land, das von Frankreich rigorose Sparmassnahmen verlangt. Damals war es Frankreich, das die Deutschen belehrte und ihnen Verschwendung vorwarf.

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/35591/als-deu...

 

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