Geldpolitik

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Elias
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Die glücklosen Notenbanken

Erwartungsmanagement, bzw. «Forward Guidance» ist das Mittel, mit dem die Notenbanken ihre Machtlosigkeit überwinden wollen. Sie scheitern, weil sie nicht «glaubwürdig unverantwortlich» sind.

Den Anfang hat Ben Bernanke gemacht. Fast genau vor einem Jahr, am 13. September hat er, bzw. das «Federal Open Market Committee» – das Führungsgremium der US-Notenbank (Fed) unter seiner Leitung bekannt gemacht, der Leitzins werde nicht erhöht, so lange sich die Wirtschaftslage nicht deutlich verbessere, weshalb er wahrscheinlich bis 2015 im gegenwärtigen Bereich von 0 bis 0,25 Prozent bleiben werde. Im Dezember wurden die Währungshüter dann konkreter: Der Leitzins werde nicht erhöht, solange die Arbeitslosigkeit in den USA nicht mindestens die Quote von 6,5 Prozent unterschritten habe. Dieses Festlegen für die Zukunft bezeichnen die Notenbanker als «Forward Guidance».

Auf besondere Beachtung in der Erklärung vom September ist der Entscheid gestossen, ab sofort monatlich für 85 Milliarden Dollar neue Anleihen zu kaufen (verbriefte Hypothekarpapiere und Staatsanleihen). Das war der Start von «Quantitative Easing 3», nach ähnlichen Programmen zuvor.

Sieben Fragen stellen sich: 1. Was hatten diese Massnahmen der US-Notenbank für einen Sinn? 2. Haben sie ihr Ziel erreicht? 3. Wie macht es die EZB? 4. Warum überhaupt «Forward Guidance»? 5. Wieso funktioniert  das Erwartungsmanagement so schlecht? 6. Was lehrt die Geschichte? Und zum Abschluss: 7. Welche Notenbank kann es am besten? Machen wir uns an die Antworten:

1. «Forward Guidance» und Anleihenkäufe

Die beiden Massnahmen der US-Notenbank – die Käufe und das Versprechen, die Zinsen auch in nächster Zukunft auf Tiefstwerten zu belassen – sind eng miteinander verknüpft. Die Wertpapierkäufe allein können die Anleihenkurse nicht steuern und damit auch das langfristige Zinsniveau nicht effektiv tief halten oder senken, wenn die Ansicht vorherrscht, das Fed werde demnächst die Zinsen erhöhen. Dann wäre es kein gutes Geschäft, Anleihen zu laufend höheren Kursen zu kaufen (was eine geringere Rendite, bzw. einen tieferen Zins bedeutet). Die Käufer müssten bei einer anstehenden Leitzinserhöhung des Fed mit sinkenden Kursen rechnen. Wie der «Economist» in diesem Artikel deutlich gemacht hat, sind die Käufe des Fed im Vergleich zu den gesamten ausstehenden Anleihen nicht nur gering, sie beeinflussen das Handelsverhalten ihrer Besitzer kaum.

2. Das Scheitern

Der geringe Einfluss der Anleihenkäufe auf Kurse bzw. Renditen/Zinsen zeigt sich besonders eindrücklich an der jüngsten Entwicklung: Als ab Mai dieses Jahres deutlich wurde, dass das Fed demnächst für weniger als 85 Milliarden Dollar monatlich Anleihen kaufen will – von Verkauf war nie die Rede – sind die Kurse dieser Anleihen regelrecht eingebrochen, wie sich das spiegelbildlich deutlich am Renditeverlauf der 10-jährigen US-Staatsanleihen zeigt und damit am langfristigen Zinsniveau. Hier die Grafik aus der Fred-Datenbank des Fed von St. Louis:

Renditen USA

Kurz: Das Fed hat alles getan, um die Zinsen tief zu halten: Sie verspricht bis heute, die Leitzinsen tief zu halten und kauft in grossen Mengen Staatsanleihen und dennoch sind deren Kurse eingebrochen und das Zinsniveau ist deutlich angestiegen. Nichts könnte deutlicher das Scheitern der US-Notenbank in ihrem Erwartungsmanagement verdeutlichen.

3. «Forward Guidance» à la EZB

Trotzdem hat sich ab dem Sommer auch die Europäische Zentralbank der neuen Strategie angeschlossen: Auch sie hat sich seit dem Juli einer Art von «Forward Guidance» verschrieben. Die Selbstfestlegung für die Zukunft geht in  ihrem Fall sehr viel weniger weit als im Fall der US-Notenbank. EZB-Chef Mario Draghi hat an seiner Presskonferenz am 4. Juli erklärt, die EZB erwarte, dass der Leitzins für eine ausgedehnte Zeit auf dem gegenwärtigen oder einem tiefen Niveau bleibe. Diese «Selbstfestlegung» ist den Journalisten denn auch kaum aufgefallen. Draghi musste sie in der Fragerunde noch einmal vorlesen.

Beim Versuch, die Marktzinsen tief zu halten, ist auch die EZB gescheitert. Die Forward-Sätze des Kurzfristzinssatzes Eonia - die heute schon gehandelten Kurzfrist-Zinssätze künftiger Zeitpunkte - sind nach der Erklärung angestiegen. An den Märkten ist man also auch nach der Erklärung der EZB von einem steigenden Kurzfristzins ausgegangen. Besonders deutlich angestiegen sind auch die Langfristzinsen, gemessen an der Rendite deutscher Staatsanleihen, dem üblichen Massstab dafür.

4. Das einzige verbliebene Instrument

Wieso versuchen Notenbanken überhaupt, sich für die Zukunft festzulegen? Das war hier auch schon Thema. Die wichtigsten Punkte in aller Kürze: Wenn die Leitzinsen sich bereits auf Tiefstwerten befinden und eine Liquiditätsfalle vorherrscht, ist Geldpolitik kein geeignetes Instrument zur Beeinflussung der Konjunktur. Daher ist - anders als in gewöhnlichen Konjunkturkrisen - in der aktuellen Lage die Geldpolitik nicht das geeignete Mittel, um aus der Krise herauszufinden. Das wären jetzt Anschub-Investitionen durch den Staat. Ganz genau auf diese Ausgangslage hat sich die Analyse von John Maynard Keynes bezogen.

Eine Notenbank kann den nominalen Leitzins – ihr wichtigstes Instrument – nicht unter Null senken. Und auf die relevanten Langfristzinsen kann sie nur Einfluss nehmen, wenn sie glaubhaft machen kann, dass der von ihr beeinflussbare Kurzfristzins auf lange Sicht tief bleibt. Wenn die Geldpolitik auch in Zeiten von Leitzinsen bei Null und einer Liquiditätsfalle eine Rolle spielen soll, dann muss ihr das gelingen.

Wenn eine Notenbank  glaubhaft  machen kann, dass sie auch bei einer Verbesserung der Wirtschaftslage die Zinsen tief lässt und eine höhere Teuerung in Kauf nimmt, dann steigen heute schon die Inflationerwartungen. Auf diese Weise könnte die Notenbank die aktuellen Realzinsen senken und die Last der hohen privaten und öffentlichen Verschuldung mildern, da diese real ebenfalls abnehmen. Denn die Kaufkraft und damit der Wert des geschuldeten Zinses, bzw. der Schulden nimmt ab. Beide Effekte geben der Wirtschaft über steigende Investitionen und Mehrkonsum Schub.

5. Das Problem der erworbenen Glaubwürdigkeit

Glaubwürdig Inflation zu schüren bedeutet aber, dass die Notenbanken «glaubwürdig verantwortungslos» sein müssten, wie es der Ökonom Gauti Eggertson schon vor zehn Jahren formuliert hat.

Hier steht ihnen ihr eigener historischer Erfolg im Weg: Seit den 1970er Jahren ist es den Notenbanken gelungen, die Glaubwürdigkeit für eine stabile und tiefe Inflation zu erlangen. So konnten sie auch erreichen, dass sich die Inflationserwartungen entsprechend stabilisiert haben und Lohn-Preis-Spiralen nach den 1970ern Jahren kaum mehr aufgetreten sind. Hier mehr zu den Gründen dafür.

6. Roosevelts erfolgreicher geldpolitischer Schock

Im April hat die einstige ökonomische Chefberaterin der Obama Administration Christina Romer in einer Rede mit Blick auf die Geschichte klar gemacht, dass das Erwartungsmanagement der Notenbanken nur dann funktionieren könne, wenn sie sich und ihre Politik radikal neu positionieren. Es brauche einen «Regime Shift».

Als gelungenes Beispiel für einen solchen «Shifts» verweist Romer auf die grosse Depression und insbesondere auf die Aufgabe des Goldstandards im Jahr 1933 durch den frisch gewählten Franklin D. Roosevelt. Die USA hatten keinen Mangel an Goldreserven, weshalb diese Entscheidung nicht – wie im Beispiel Grossbritanniens – deshalb erfolgt ist. Roosevelt war überzeugt, dass die Notenbank auf die Notenpresse zurückgreifen muss, um die Deflation zu beenden und eine Inflation zu generieren.

Das stand auch damals im Widerspruch zur gängigen Lehrmeinung der Ökonomen. Im ohnehin sehr lesenswerten Buch «Die Herren des Geldes» beschreibt Autor Liaquat Ahamed, wie sämtliche führenden Mitarbeiter des Finanzministeriums und der Notenbank damals von Roosevelts Plänen geschockt waren und ihn davon abzuhalten versuchten. Allerdings ohne Erfolg. Der neue Präsident setzte gezielt auf Inflation und leitete damit den «Regime Shift» ein.  Das folgende Propaganda-Video für mehr Inflation verdeutlicht das eindrücklich:

Roosevelts Politik erwies sich als voller Erfolg: Die Deflationserwartung im ersten Drittel des Jahres 1933 verwandelte sich bis zum letzten Drittel des gleichen Jahres in eine Inflationserwartung von 6 Prozent.

Das ist umso eindrücklicher, als damals auch das Bankensystem vor dem Kollaps stand. Die erste der beiden folgenden Grafiken aus Romers Rede zeigt den Wandel der Deflations-/Inflationserwartungen, die zweite die Entwicklung der Industrieproduktion. Sie macht klar, dass das Ende der Deflationserwartungen und die damit verbundenen sinkenden Realzinsen sich sofort auch positiv auf die Realwirtschaft ausgewirkt haben.

Inflation 30er

Manufactoring

7. Die japanische Ausnahme

Einen «Regime Shift» hat keine der erwähnten Notenbanken vollzogen, deshalb funktioniert das Erwartungsmanagement auch so schlecht. Bisher hat nur eine Notenbank damit Erfolg: Die Bank of Japan. Auf das Beispiel weist auch Christina Romer in ihrem Vortrag hin. Wir erinnern uns: Seit der japanische Premier Shinzo Abe als Gouverneur der Notenbank Haruhiko Kuroda zu installieren vermochte, tut diese tatsächlich fast alles, um «glaubwürdig unverantwortlich» zu sein. Die jüngsten Zahlen zur Konjunkturverlauf der japanischen Wirtschaft lassen die Politik bisher immerhin als Erfolg erscheinen.

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/33041/die-glu...

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Elias
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Trilemma des Wechselkursregimes

Das Trilemma des Wechselkursregimes beschreibt einen der Zielkonflikte, dem ein Staat bei seinen wechselkurspolitischen Entscheidungen ausgesetzt ist. Entwickelt wurde das Impossible Trinity-Modell (deutsch: Unmöglichkeit der Dreieinigkeit) von John Marcus Fleming im Jahre 1962 und Robert Alexander Mundell im Jahre 1963 jeweils unabhängig voneinander. Das Modell lässt sich vereinfacht als Dreieck zusammenfassen, wobei die Eckpunkte des Dreiecks die drei wechselkurspolitischen Ziele Wechselkursstabilität, geldpolitische Autonomie und freie Kapitalbewegung darstellen. Im Trilemma gilt es als maximal möglich zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen. Alle drei Ziele gleichzeitig zu erreichen gilt als unmöglich.

"Trilemma des Wechselkursregimes" (in Anlehnung an Krugmann, Internationale Wirtschaft, 2009)

 

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So wenig Arbeitslose wie vor zwei Jahren in USA

In den USA ist die Arbeitslosenquote im November überraschend auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gesunken. Sie fiel von 7,3 Prozent im Vormonat auf 7,0 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Das ist der tiefste Stand seit November 2011. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 7,2 Prozent gerechnet. Die US-Wirtschaft schuf auch mehr Arbeitsplätze als erwartet. Die Beschäftigtenzahl ausserhalb der Landwirtschaft stieg zum Vormonat um 203'000 Stellen.

Experten setzten Beschäftigungsaufbau herab

Ökonomen hatten mit einem geringeren Zuwachs um 185'000 Stellen gerechnet. Allerdings wurde der Beschäftigungsaufbau für Oktober von 204'000 leicht auf 200'000 nach unten gesetzt.

Die Notenbank Fed hatte in ihrem jüngsten Konjunkturbericht bereits Aufwärtstendenzen festgestellt. Die Arbeitsmarktdaten stehen besonders im Fokus, da die Fed ihre Konjunkturhilfen bei einer nachhaltigen Erholung drosseln will.

Wird Fed-Politik nun angepasst?

Sie pumpt derzeit Monat für Monat mit dem Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren 85 Mrd. Dollar in die Wirtschaft. Experten rätseln, wann der Zeitpunkt für ein Eindämmen der Geldflut kommt, die die Börsen rund um den Globus angetrieben hat.

Die nächste Möglichkeit dazu ergibt sich am 18. Dezember, wenn der für die Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss zu seiner nächsten Zinssitzung zusammenkommt. Die meisten Experten rechnen jedoch damit, dass die Notenbank um den scheidenden Fed-Chef Ben Bernanke die Konjunkturhilfen erst Anfang des nächsten Jahres drosseln wird.

http://www.20min.ch/finance/news/story/So-wenig-Arbeitslose-wie-vor-zwei...

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MarcusFabian
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Elias hat am 08.12.2013 - 19:26 folgendes geschrieben:

In den USA ist die Arbeitslosenquote im November überraschend auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gesunken. Sie fiel von 7,3 Prozent im Vormonat auf 7,0 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte.

... und da ich ein Freund von Bildern bin, hier der Chart dazu:

 

Soweit die gute Nachricht.

Die schlechte ist, dass die Beschäftigungsquote gesunken ist:

Beschäftigungsquote (Labour participation rate) ist der Anteil der 16-65 jährigen, die effektiv arbeiten.

Interpretationsmöglichkeiten:

Negative Interpretation: Die Arbeitslosenquote ist deshalb gesunken, weil es viele Arbeitslose gibt, die es aufgegeben haben, aktiv nach Arbeit zu suchen. Die fallen aus der Arbeitslosenquote raus. Man findet sie aber in der sinkenden Beschäftigungsquote.

Positive Interpretation: Die Beschäftigungsquote ist gesunken, weil sich die Verdienstmöglichkeiten verbessert haben. Somit scheiden Frauen im arbeitsfähigen Alter freiwillig aus dem Berufsleben aus und widmen sich der Familie, weil das Einkommen des Mannes ausreicht.

 

Elias
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Produktion in der Eurozone bricht überraschend ein

Weitere Lockerung der Geldpolitik?

Damit gerät die EZB wieder stärker ins Blickfeld, die erst im November ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt hatte. «Die heutigen Daten dürften die Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik seitens der EZB anfeuern», sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

Er geht davon aus, dass die Zentralbank den Geschäftsbanken erneut billiges Geld zukommen lässt – allerdings unter Auflagen. Möglich ist, dass nur diejenigen Banken in den Genuss der Geldspritze kommen, die den Unternehmen ihres Landes mehr Kredite geben. Das könnte Investitionen und damit die Konjunktur ankurbeln.

Die grössten Produktionsrückgänge meldeten Irland (–11,6 Prozent), Malta (–7,4) und die Niederlande (–3,5). In Deutschland schrumpfte die Produktion um 1,2 Prozent. Das deutsche Wirtschaftsministerium rechnet deshalb «allenfalls mit einem moderaten Wachstum» im vierten Quartal. Da die Wirtschaft mit wenig Schwung ins neue Jahr starten dürfte, senkte das RWI-Institut seine Wachstumsprognose für 2014 von 1,9 auf 1,5 Prozent.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Produktion-in-der-Euro...

 

Das dürfte den Euro gegenüber dem Dollar schwächen

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Tapering

Lange erwarteten viele Marktbeobachter, dass die Fed ihre Billiggeldpolitik bis 2015, 2016 oder noch länger fortsetzen werde. Doch bessere US-Konjunkturdaten haben nun einen Meinungsumschwung bewirkt. Immer mehr Marktbeobachter gehen nun von einem Tapering-Start im Verlaufe des nächsten Jahres aus - oft wird der März 2014 genannt.

 

http://www.cash.ch/news/front/tapering_im_2013_das_meinen_cashleser-3153...

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Das sagen Ökonomen zum Fed-Entscheid

Die US-Notenbank drosselt überraschend schon ab Januar ihre milliardenschweren Konjunkturhilfen. Was Experten zum allmählichen Eindämmen der Geldschwemme meinen.

Wie die Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend mitteilte, wird das Ankaufprogramm für Staatsanleihen und Immobilienpapiere zunächst um zehn Milliarden auf 75 Milliarden Dollar pro Monat verkleinert. Ökonomen sagten dazu:

 

CHRISTIAN SCHULZ, BERENBERG BANK:

"Der Schlüssel ist der Inflationsausblick. Da die Inflationsrate bis in das Jahr 2016 hinein unter der Zielmarke von zwei Prozent bleiben dürfte, könnten die Zinsen noch für eine sehr lange Zeit sehr niedrig bleiben."

 

CHRISTIANE VON BERG, BAYERNLB:

"Auf Grundlage des Statements der Fed bleiben wir bei unserer bisherigen Prognose zum Ausstieg der Fed aus ihrer expansiven Geldpolitik. Wir erwarten weiterhin das Ende des Taperings im vierten Quartal, welches konsistent mit den Aussagen Bernankes zur schrittweisen Reduzierung der Anleiheankäufe ist. Secret  Zudem erwarten wir die erste Leitzinsanhebung unverändert Mitte 2015. Trotz der Tapering-Ankündigung für Januar waren die Ergebnisse der heutigen Sitzung weniger überraschend als auf den ersten Blick gedacht."

http://www.cash.ch/news/top_news/das_sagen_oekonomen_zum_fedentscheid-31...

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weico
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"Auf  den  Finanzmärkten  geschlagenen  Gefechte,  Schlachten  und  Feldzüge  heißen  nicht  Krieg,  sondern  Krise.  Die  Ergebnisse  beider  aber  ähneln  sich  so  wie  ein  Ei  dem  anderen."

 

 

..treffend von Stadermann beschrieben,wass gerade auf den Finanzmärkten/"Finanzpolitik" geschieht bzw. schon IMMER  geschah...

 

Manuskriptauszüge aus seinem neusten Buch..

 

(Dies ist eine vorläufige Fassung, Auslassungen und Fehlstellen sind gegenüber der Endfassung wahrscheinlich. Bitte nicht oder nur nach Rücksprache hiernach zitieren.)

 

Vorwort zum Manuskript

http://www.unser-geld.com/app/download/9449306/Viele+Retter+Vorwort.pdf

 

 

Europas Finanzkriege
 

http://www.unser-geld.com/app/download/9497463/Finanzkrieg.pdf

 

 

 

 

weico

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Die EZB in Lauerstellung

Die Europäische Zentralbank ist zum Handeln bereit. Doch die Leitzinsen änderte am Donnerstag weder sie noch die Bank of England.

Die Deflationsangst fliegt mit

Draghi erinnerte denn daran, dass das Mandat der EZB die Preisstabilität in beide Richtungen umfasst – eine Präzisierung, die zwar unnötig, da offensichtlich, aber dennoch bezeichnend war, da sie aufzeigt, wie sehr das Deflationsrisiko den EZB-Rat derzeit beschäftigt, obwohl er stets darum bemüht ist, die Gefahr sinkender Preise herunterzuspielen

Gesunde Banken als Ziel

Trotz dem betonten Willen, falls nötig alle Instrumente einzusetzen, liess sich Draghi nicht in die Karten schauen, welche Mittel damit konkret gemeint sind. Er nannte aber zwei Bedingungen, unter denen sich die EZB zum Handeln gezwungen sähe: erstens, falls die kurzfristigen Zinssätze am Geldmarkt «ungerechtfertigt» anstiegen, und zweitens, falls die Inflationsprognosen abermals nach unten korrigiert würden. Die konkrete Wahl der Instrumente hängt laut Draghi auch davon ab, welche der beiden Bedingungen erfüllt ist.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/die-ezb-in-lauerstellung...

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Fed-Falken fordern rascheren Ausstieg

In der US-Notenbank wächst der Druck, die Konjunkturhilfen zurückzufahren. Zwei der in diesem Jahr stimmberechtigten Geldpolitiker forderten einen rascheren Ausstieg aus dem Anleihe-Kaufprogramm der Fed.

Im vergangenen Monat hatte die Fed beschlossen, das Volumen ihrer Wertpapierkäufe ab Januar um zehn auf 75 Milliarden Dollar monatlich zu reduzieren. Der Chef der Notenbank von Dallas, Richard Fisher, sagte am Dienstag, ihm wäre eine Drosselung um 20 Milliarden Dollar lieber gewesen.

Er kündigte an, sein Stimmrecht so einzusetzen, dass die Wertpapierkäufe "zum frühesten praktikablen Zeitpunkt" vollständig eingestellt werden könnten. Selbst wenn dadurch die Aktienmärkte ins Straucheln geraten sollten, würde er an dieser Haltung festhalten. Auch der Präsident der Fed von Philadelphia, Charles Plosser, sagte, dass er ein rascheres Tempo beim Rückzug aus dem Anleihe-Kaufprogramm bevorzugen würde.

Fisher und Plosser haben den Ruf, sogenannte Falken zu sein, die vor allem die Erhaltung der Preiswertstabilität als ihre wichtigste Aufgabe ansehen. Die künftige Fed-Präsidentin Janet Yellen gilt dagegen im Fachjargon der Notenbankerwelt als "Taube" - also als Verfechterin einer geldpolitischen Linie, die ein Durchbrechen der angepeilten Inflationsmarke von zwei Prozent durchaus in Kauf nimmt, wenn zugleich Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit winken.

http://www.cash.ch/news/top_news/fedfalken_fordern_rascheren_ausstieg-31...

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EZB verstärkt Niedrigzinsversprechen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Bekenntnis zu anhaltend niedrigen Leitzinsen bekräftigt und verstärkt.

Der EZB-Rat weise "mit Nachdruck" darauf hin, dass der lockere geldpolitische Kurs so lange wie erforderlich beibehalten werde, heisst es im Monatsbericht der Notenbank vom Donnerstag. Das Versprechen niedriger Zinsen wurde "ausdrücklich" bekräftigt. Demnach werden die Leitzinsen für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Formulierungen im Anschluss an die jüngste Zinssitzung am vergangenen Donnerstag vorgetragen. Beobachter sahen darin eine Art verbaler Lockerung der Geldpolitik, der konkrete Schritte folgen könnten. Auf Nachfrage hatte Draghi zwei Szenarien genannt, die die EZB zu einer noch expansiveren Geldpolitik bewegen könnten: Ein sich verschlechternder Inflationsausblick und eine ungewollte Straffung an den Interbankenmärkten, etwa infolge steigender Geldmarktzinsen.

http://www.cash.ch/news/front/ezb_verstaerkt_niedrigzinsversprechen-3162...

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Türkische Notenbank schlägt Alarm wegen Kursverfall der Lira

Die türkische Zentralbank hat erstmals seit rund zweieinhalb Jahren eine Sondersitzung einberufen.

Bei der Sondersitzung sollen «die jüngsten Entwicklungen bewertet und die notwendigen Schritte für den Erhalt stabiler Preise eingeleitet werden». Experten gehen davon aus, dass der Leitzins kräftig angehoben wird. Derzeit liegt der Zinssatz bei 4,5 Prozent.

In Alarmbereitschaft versetzt wurden die Notenbanker vom jüngsten Kursrutsch der Lira. Sie fiel zum Dollar auf einen Kurs von 2,39 und damit ein Rekordtief. Aus Furcht vor einer raschen Straffung der US-Geldpolitik und einem erlahmenden Aufschwung der Weltwirtschaft ziehen sich Anleger momentan aus der Türkei und anderen Schwellenländern zurück.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Tuerkische-Notenbank-s...

 

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Zickzackkurs in Argentinien

Die Regierung Kirchner macht eine Kehrtwende und erlaubt den Devisenkauf – allerdings weiterhin unter staatlicher Kontrolle.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschafts-und-finanzportal/zickzackkurs-i...

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Indische Zentralbank erhöht Zinsen überraschend

Als Reaktion auf eine anziehende Teuerung hat die indische Zentralbank die Leitzinsen erhöht. Ziel ist es, die Inflationsrate von derzeit fast 10% bis 2016 auf 6% zu drücken.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschafts-und-finanzportal/indische-zentr...

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BIZ sieht Probleme mit neuer Geldpolitik

Die Notenbanken in den USA und Grossbritannien setzen auf Forward Guidance: Der Markt soll noch lange mit Niedrigzinsen rechnen. Das könnte aber die Instabilität der Märkte verstärken.

 

Die Zentralbanken der grossen Industrieländer haben es nicht einfach. Sie wollen immer noch die Wirtschaft unterstützen, um den Schaden der Finanzkrise und der folgenden Rezession zu überwinden. Weil die Leitzinsen nahe null sind, können sie nicht einfach weiter gesenkt werden. Eine Methode, geldpolitisch trotzdem aktiv zu sein, ist die quantitative Lockerung: Die Notenbank kauft Anleihen und senkt damit den langfristigen Zins. Mervyn King, der ehemalige Gouverneur der Bank of England, nannte es die «konventionelle unkonventionelle» Geldpolitik.

Richtig «unkonventionell unkonventionell» wird es laut King jedoch bei der Forward Guidance. Hierbei soll die Zinserwartung langfristig tief gehalten werden, indem die Zentralbank entweder eine feste Zeitvorgabe ins Spiel bringt oder die Zinsen erst nach Erreichen bestimmter Bedingungen erhöhen will.

Unbekanntes Gewässer

Mit der Forward Guidance trauen sich die Notenbanken also in unbekanntes Gewässer. In ihrem neusten Quartalsbericht beschäftigt sich nun die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, oft die «Zentralbank der Zentralbanken» genannt, speziell mit dieser neuen Politikoption. Die BIZ hat die lockere Geldpolitik schon in der Vergangenheit kritisch betrachtet, besonders bei den Folgen für die Schwellenländer. Nun sieht sie auch die Forward Guidance als nicht unproblematisch.

Schon seit den Neunzigerjahren versuchen die Notenbanken, ihre Erwartungen für den Zinsverlauf der Öffentlichkeit zu kommunizieren. So hat das Fed mit Schlüsselwörtern in offiziellen Stellungnahmen mehr oder weniger deutlich mitgeteilt, wie es die Konjunktur sieht – und damit auch, wie sich die Zinsen entwickeln werden. Viele Notenbanken stellen auch eigene Zins- und Konjunkturprognosen auf und beeinflussen damit die Erwartungen von Anlegern.

Was die neue Geldpolitik bringt

Das Ziel der Forward Guidance besteht gemäss Definition der BIZ darin, den «beabsichtigten Verlauf des Leitzinses zu klären». Damit können zwei positive Ergebnisse erreicht werden:

  • Die Wirtschaft könnte zusätzlich stimuliert werden, wenn damit die Erwartungen des zukünftigen Zinses gesenkt werden.
  • Die Unsicherheit über die Zinsentwicklung könnte verringert werden. Damit könnte auch die Risikoprämie abnehmen.

Klar ist, dass die Erklärung der Notenbank vom Markt als glaubwürdige Verpflichtung gesehen werden muss. Doch wie stark kann sich eine Zentralbank dazu verpflichten, den Leitzins in Zukunft nicht zu erhöhen? Manche sagen, dass die Notenbanken sich verpflichten müssen, die Zinsen länger niedrig zu halten, als sie es normalerweise tun würden. Selbst Ökonomen beim Fed haben im November durchgespielt, wie es sich auswirken würde, wenn die Forward Guidance nicht mehr durch die Inflationsobergrenze beschränkt wäre.

Frage der Glaubwürdig der Notenbanken

Falls sich die Zentralbank verpflichtet, ihre Geldpolitik länger als normal locker zu halten, gibt es ein Problem: Die Zentralbank hätte in Zukunft einen Anreiz, ihr «Versprechen» nicht mehr zu erfüllen. Denn wenn zum Beispiel das Arbeitslosigkeitsziel erreicht ist und die Wirtschaft läuft, könnte sie sich gezwungen sehen, die Zinsen zu erhöhen, um eine Überhitzung zu verhindern. Eine Notenbank müsste also künftige Flexibilität aufgeben, wenn sie sich an ein Ziel bindet, das ihrer normalen Geldpolitik widerspricht. Selbst wenn sich eine Notenbank dazu entschliesst, könnten die Märkte so etwas für unglaubwürdig halten.

Was die Sache noch kompliziert: Die geldpolitischen Entscheidungen werden per Abstimmung in einem Komitee getroffen. Auseinandergehende Meinungen der Ausschussmitglieder und Nichteinheitlichkeit könnten die Öffentlichkeit davon abhalten, eine Verpflichtung für die Zukunft als glaubwürdig und bindend anzuerkennen.

Wie Forward Guidance aussieht

Drei Formen der Foward Guidance werden unterschieden:

  1. Rein qualitativ: Es werden keine genauen Zahlen genannt, wie lange oder unter welchen Bedingungen die Zentralbank den Zins niedrig halten will. So sprach das Fed 2009 von «aussergewöhnlich niedrigen Zinsen für eine längere Periode».
  2. Nach dem Kalender: Die Zinsen sollen für einen spezifischen Zeitraum niedrig gehalten werden. Das machte das Fed ab August 2011 («mindestens bis Mitte 2013»). Im  November 2012 erklärte es dann, dass die Zinsen noch mindestens bis Mitte 2015 niedrig bleiben sollen.
  3. Nach einem Schwellenwert: Hier werden genau definierte Grenzwerte genannt, ab denen eine Zinserhöhung möglich wäre. Das Fed spezifizierte im Dezember 2012 sein Ziel von 6,5% für die Arbeitslosenrate. Über dieser Marke will es die Zinsen nahe null halten.

Im Juli 2013 folgte die EZB dem Fed mit einer Forward Guidance. So sollen die Niedrigzinsen für «eine längere Periode» bestehen bleiben.

Der bisherige Effekt der Forward Guidance

In den Finanzmärkten lässt sich laut den BIZ-Forschern ablesen, dass die Zinserwartungen durch die neue Geldpolitik tatsächlich nach unten gedrückt werden konnten. Aber da viele Erklärungen zur Forward Guidance gleichzeitig mit Anleihenkäufen kommuniziert wurden, ist der Effekt schwer zu isolieren.

Neben niedrigen Zinsen wurde tatsächlich auch die Volatilität der Zinserwartungen gesenkt – zumindest für das folgende Jahr. Aber den Erklärungen der Zentralbanker wird weniger getraut, wenn es um den Zweijahres- oder den Fünfjahreszeitraum geht.

Für den kurzfristigen Zins hatten Konjunkturdaten – wie etwa die neu geschaffenen Stellen in den USA – weniger Auswirkungen, nachdem die Forward Guidance eingeführt worden war. Also konnte die Notenbank den Markt kurzfristig überzeugen, dass die Zinsen niedrig bleiben. Bei den langfristigen US-Anleihen sieht es anders aus: Dort haben die neuen Stellen einen grösseren Einfluss, da sie die Erwartungen des langfristigen Zinsverlaufs stärker beeinflussen.

Risiken durch die neue Geldpolitik

Die BIZ-Autoren sehen durch die Forward Guidance zwei grosse Problemfelder auf die Zentralbanken zukommen.

Reputationsrisiko: Die neue Geldpolitik könnte sich als zu kompliziert für die Öffentlichkeit erweisen. Falls die Bedingungen für die Forward Guidance nicht klar genug sind, könnte der Markt dann enttäuscht reagieren, wenn etwa die Zinsen früher als erwartet steigen. Auch wenn sich die Erklärungen der Notenbank zu oft ändern, könnte dies die Glaubwürdigkeit beeinträchtigen. Kritisch könnte es werden, wenn man der Zentralbank nicht mehr traut, dass sie die Preisstabilität als oberstes Gebot aufrechterhalten will. Hier ist wohl besonders die EZB betroffen, die gemäss ihrem Mandat bei der Geldpolitik nicht auf das Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosigkeit achten darf.

Scharfe Reaktion auf Tapering-ÄngstezoomQuelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Risiko für die Finanzstabilität: Die BIZ sieht die Gefahr, dass sich «ungesunde Ungleichgewichte» im Finanzmarkt aufbauen. Wenn die Notenbanken sich zu sehr um negative Auswirkungen auf die Finanzmärkte kümmern, könnten die Marktteilnehmer zu viel Risiko eingehen. Die Überlegung dahinter: Die Zinsen werden auf lange Zeit niedrig bleiben, da die Notenbank den Märkten nicht schaden will – selbst wenn die Konjunktur wieder angezogen hat. Je mehr die Anleger aber solche ungesunden Risiken eingehen, desto grösser wäre dann die Zentralbank unter Druck, die Geldpolitik locker zu halten.

Auch reagieren Märkte scharf, wenn sich die Erwartungen für die Notenbankpolitik ändern. Die Ängste um die Verringerung der Anleihenkäufe durch das Fed (Tapering)  im vergangenen Jahr haben dies gemäss den Autoren gezeigt (vgl. Grafik rechts). Als der Markt im Mai  zur Überzeugung kam, dass das Fed bald mit dem Tapering und danach mit Zinserhöhungen Ernst machen könnte, wurden besonders die Schwellenländer stark getroffen.

Nur für Nullzinsumfeld?

Die BIZ-Autoren sind sich unschlüssig, ob die Forward Guidance nur für das jetzige Nullzinsumfeld gebraucht wird – und ob sie verschwindet, wenn sich die Wirtschaft normalisiert. Gegen eine berechenbare Geldpolitik hat wohl niemand etwas einzuwenden, andererseits werden sich die Zentralbanken nur ungern ihrer Flexibilität berauben lassen.

Ganz versteckt hat die BIZ das Finanzmarktrisiko der lockeren Geldpolitik wieder ins Spiel gebracht. Die Niedrigzinsen sollen ja gerade die Risikonahme fördern, um die Konjunktur anzukurbeln. Doch wenn sich die Risikobereitschaft nicht auf fundamentale Faktoren stützt, sondern auf die lockere Geldpolitik, kann sich eine Notenbank in eine Falle manövrieren. Das Fed sieht beispielsweise keine Blasengefahr am Aktienmarkt. Falls es unrecht hat und die Finanzmärkte die Realwirtschaft wieder durch zu viel Risikobereitschaft in Bedrängnis bringen, müsste es nochmals tief in die Trickkiste greifen, um die Wirtschaft zu stimulieren. Dann wären die Zentralbanken noch für lange Zeit mit der «unkonventionellen unkonventionellen» Geldpolitik beschäftigt.

http://www.fuw.ch/article/biz-forward-guidance/

 

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Bank of Japan hält an Geldpolitik fest

Die japanischen Währungshüter beschlossen am Dienstag einstimmig, weiterhin jährlich Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen. Auf die Devisenmärkte zeigte der Entscheid wenig Einfluss.

http://www.fuw.ch/article/bank-of-japan-halt-an-geldpolitik-fest/

 

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OECD rät weiter zu lockerer Geldpolitik

Die OECD spricht sich für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik in der Euro-Zone aus. Mit Ausnahme Deutschlands hinke der Währungsraum der wirtschaftlichen Erholung in den übrigen Industrieländern hinterher.

http://www.cash.ch/news/front/oecd_raet_weiter_zu_lockerer_geldpolitik-3...

 

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Neuseeland wagt die Zinswende

Neuseeland wird am Donnerstag als erster Industriestaat in diesem Zyklus den Leitzins erhöhen. Das erwarten zumindest die Finanzmärkte. Sie sehen diesem Schritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 98% entgegen. Die übrigen Zentralbanken versichern, die Zinsen so lange wie möglich rekordtief zu halten (z. B. Schweizerische Nationalbank, Bank of Japan, Europäische Zentralbank), oder wissen noch nicht, wie sie die wachsende Notwendigkeit einer Zinswende kommunizieren sollen (Bank of England und US Federal Reserve). Währenddessen scheinen für die Reserve Bank of New Zealand die Würfel gefallen zu sein.

http://www.fuw.ch/article/neuseeland-wagt-die-zinswende/

 

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Fed bremst Ausschüttung der Banken

Die US-Notenbank fordert die Banken auf, mehr Kapital einzubehalten und weniger Dividende auszuzahlen. Insbesondere die Pläne der Citigroup wurden zurückgebunden.

http://www.fuw.ch/article/fed-bremst-ausschuttung-der-banken/

 

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Wiederholen die Notenbanken alte Fehler?

Die Notenbanken der USA und Grossbritanniens haben zuletzt neue geldpolitische Ziele definiert. Die Commerzbank befürchtet nun, dass sich alte Fehler wiederholen.

An seiner jüngsten Tagung gab der Offenmarktausschuss der US-Notenbank überraschend bekannt, sich bei der Geldpolitik nicht mehr länger an der Arbeitslosenquote zu orientieren. In Zukunft wollen die Entscheidungsträger zu einem traditionellen Ansatz zurückkehren, bei dem sie aus einer Mehrzahl von Indikatoren den Auslastungsgrad der eigenen Wirtschaft herauslesen wollen. Damit folgt die US-Notenbank dem Vorbild der Bank of England. Auch sie verschreibt sich mit ihren geldpolitischen Zielen nicht mehr ausschliesslich dem Arbeitsmarkt.

In einem Kommentar finden die beiden für die Commerzbank tätigen Verfasser allerdings keine guten Worte für die neuen Zielsetzungen der beiden Notenbanken. Es liege zwar auf der Hand, dass die Inflationsgefahren vom Auslastungsgrad der Wirtschaft abhängig seien. Dieses an sich schlüssige Konzept lasse sich in der Praxis allerdings nur schwer umsetzen.

Bremst die US-Notenbank einmal mehr zu spät?

Den Strategen zufolge stösst das Konzept schnell auf das Problem, dass es sich letztlich auf eine Gesamtschau der wesentlichen Einflussfaktoren stützen muss. Und dann werde das Vorgehen der Notenbanken schnell einmal intransparent.

Die besten Absichten würden nichts nützen, wenn die Informationsbasis, auf der geldpolitische Entscheidungen getroffen werden, unzuverlässig sei. Genau dieses Problem hätten die Zentralbanken in der Vergangenheit mit dem Auslastungsgrad gehabt.

Gerade die US-Notenbank habe den Auslastungsgrad der Wirtschaft in der Vergangenheit unterschätzt. Schon in den Siebzigerjahren habe das zu einer zu expansiven Geldpolitik und zu einer "grossen Inflation" mit zweistelligen Teuerungsraten geführt.

Fehler nach der Dotcom-Blase

Als zweites prominentes Beispiel nennen die Strategen die Zeit nach dem Platzen der Technologieblase im Jahre 2001. Damals habe die US-Notenbank zwar nicht mit derart grossen Fehlern wie 25 Jahre zuvor zu kämpfen gehabt. Dennoch seien die Deflationsgefahren merklich überschätzt worden, was den Boom bei den Immobilien befeuert und zu einem beispiellosen Anstieg der Häuserpreise geführt habe.

Bei der Commerzbank befürchtet man nun, dass sich die Geschichte wiederholen könnte und die US-Notenbank wieder einmal zu spät auf einen restriktiveren geldpolitischen Kurs übergehen könnte.

http://www.cash.ch/news/top_news/wiederholen_die_notenbanken_alte_fehler...

 

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Fed-Chefin bekräftigt lockere US-Geldpolitik

Fed-Chefin Janet Yellen bekräftigte die Neuorientierung der US-Geldpolitik. Der Arbeitsmarkt sei nicht länger allein ausschlaggebend. Damit dämpfte Yellen die Erwartungen auf eine Zinsanhebung.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/fed-chefin-bekraeftigt-lockere-u...

 

 

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EZB - mit allen Mitteln gegen Niedrig-Inflation

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bereit, im Kampf gegen den mickrigen Preisauftrieb schwere geldpolitische Geschütze aufzufahren.

"Der EZB-Rat hat sich - einstimmig - verpflichtet, sowohl konventionelle als auch unkonventionelle Instrumente einzusetzen, um den Risiken einer zu lang anhaltenden Phase niedriger Inflation wirksam entgegenzutreten", bekräftigte Notenbankchef Mario Draghi am Donnerstag bei einer Rede in Amsterdam.

Draghi machte klar, dass der EZB-Rat hinsichtlich des Schutzes vor Inflation und Deflation gleichermassen aktiv sei. Eine Verschlechterung der Inflationsaussichten würde ein breit angelegtes Programm zum Ankauf von Vermögenswerten erfordern. Deflation bezeichnet einen umfassenden Preisverfall, der die Konjunktur ausbremst, weil Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise Ausgaben scheuen.

Derzeit kämpfen fünf der 18 Euroländer mit Deflation.

http://www.cash.ch/news/front/ezb_mit_allen_mitteln_gegen_niedriginflati...

 

 

(pro memoriam: Alle werden das selbe haben)

 

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MarcusFabian
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Elias hat am 24.04.2014 - 11:42 folgendes geschrieben:


Derzeit kämpfen fünf der 18 Euroländer mit Deflation.

Gibt es auch nur ein einziges Euroland mit Deflation?

Und wenn ja: Gehen da die Bürger auf die Strasse, weil Lebensmittle, Benzin und Krankenkassenprämien billiger geworden sind?

Bitte um Link! Biggrin

 

 

Elias
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MarcusFabian hat am 24.04.2014 - 19:56 folgendes geschrieben:

Elias hat am 24.04.2014 - 11:42 folgendes geschrieben:

Derzeit kämpfen fünf der 18 Euroländer mit Deflation.

Gibt es auch nur ein einziges Euroland mit Deflation?

Und wenn ja: Gehen da die Bürger auf die Strasse, weil Lebensmittle, Benzin und Krankenkassenprämien billiger geworden sind?

Bitte um Link! smiley

Sweden has become the first country in northern Europe to slide into serious deflation, prompting a blistering attack on the Riksbank’s monetary policies by the world’s leading deflation expert.

http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/10774013/Eight-EU-states-in...

Wie schon mehrfach gepostet: es gibt gute und schlechte Deflation.

Link: Es gibt Bürger (ja sogar Cash-Forums-Mitglieder) , die über die Zusammensetzung der bfs-Warenkörbe jammern. Nichts kann man ihnen recht machen, alles wollen sie besser wissen.

Derweil mache ich mir einen Spass daraus, unsere persönliche negative Teuerung weiter nach unten zu schrauben.

 

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Draghis wichtigste Inflationsdaten

Die vermutlich wichtigste geldpolitische Entscheidung in den bislang zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit hängt für Mario Draghi von einer einzelnen Konjunkturzahl ab. Sie wird am Mittwoch bekannt gegeben.

Sollte sich die Inflation der Eurozone am 30. April entgegen der Erwartung in einer Umfrage nicht erhöht haben, wird sich der EZB-Präsident vermehrt Rufen nach einem negativen Einlagensatz und dem Einsatz unkonventioneller geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen (QE) gegenüber sehen. Die nächste Möglichkeit dazu böte dann die Ratssitzung am 8. Mai in Brüssel.

Die 37 von Bloomberg befragten Ökonomen rechnen in einer Bloomberg-Umfrage allerdings mit einer Preissteigerung zum Vorjahresmonat von 0,8 Prozent nach 0,5 Prozent im März. Wird dieser prognostizierte Wert unterschritten, bestünde für die Notenbank Handlungsbedarf, denn die bislang geltende Haltung der EZB geht von einer mit der wirtschaftlichen Erholung wieder in Richtung Normalwerte strebenden Preissteigerungsrate aus.

Draghi hat sich überdies zunehmend handlungsentschlossen geäußert, falls sich diese Entwicklung nicht wie prognostiziert vollziehen sollte. Dabei war die Rede vom Ankauf breitgefasster Vermögenswerte durch die EZB, falls sich mittelfristig die Preisentwicklung weiter abschwächen sollte.

Experten zweifeln nicht an dieser Entschlossenheit. “Sollte die Inflation zum Vormonat nicht zulegen, dann ist Schluss mit der abwartenden Haltung”, sagt der leitende Ökonom Richard Barwell von der Royal Bank of Scotland in London voraus. Er rechne allerdings mit einer anziehenden Teuerung: “Die EZB wird, wenn die Daten es ermöglichen, weiter auf Zeit spielen”.

Erster Schritt: Kürzung des Refi-Satzes

In der Umfrage genannte Schätzungen für die Inflationsrate im April reichten von 0,7 bis 0,9 Prozent. Seit Oktober liegt der Wert unter einem Prozent und damit geradezu schmerzhaft deutlich unter dem Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent. Im März wurde überdies der niedrigste Wert seit mehr als vier Jahren gemessen.

Sollten die Inflationsdaten die Prognosen verfehlen, so rechnet Crédit Agricole CIB insbesondere mit einem weiter sinkenden Leitzinssatz. Der maßgebliche Hauptrefinanzierungssatz könnte vom Rekordtief von 0,25 Prozent weiter gesenkt werden. Der Einlagensatz liegt bereits seit Juli 2012 bei Null.

“Bleibt die Inflation im April unter den Erwartungen, dann steigen die Chancen für ein vorzeitiges Handeln der EZB im Mai”, sagt Ökonom Frederik Ducrozet von Crédit Agricole in Paris. Erster Schritt werde dann die Kürzung des Refi-Satzes, möglicherweise flankiert von einer Liquiditätsmaßnahme. Quantitative Lockerungen sind laut Ducrozet erst zu erwarten, wenn die Inflation hartnäckig stabil und ohne Aussicht auf eine Erholung sei.

Andere Indikatoren zeichnen in dieser Woche voraussichtlich ein gemischtes Bild der Eurozone. Darunter das Verbrauchervertrauen und die Arbeitslosenquote am 2. Mai. Während die Indizes zum Verbrauchervertrauen zuletzt die höchsten Werte seit Juli 2011 lieferten, wird die Arbeitslosigkeit in der Eurozone laut einer Bloomberg-Umfrage weiterhin schmerzhaft hoch und nahe eines Rekordwertes von 11,9 Prozent erwartet.

Tiefe der zurückliegenden Krise

“Stärkeres Wirtschaftswachstum wirkt sich nicht unmittelbar in stärkerer Inflation aus.

Das liegt an der Tiefe der zurückliegenden Krise”, sagt Ökonom Johannes Gareis von Natixis in Frankfurt. Der Zielwert der EZB werde auf absehbare Zeit voraussichtlich eher unterschritten als übertroffen werden.

Zuletzt bei der Sitzung am 3. April hatte die EZB ihre Geldpolitik unangetastet gelassen. Der Zeitpunkt der Osterferien und Schwankungen bei den Energiepreisen könnten im Laufe dieses Monats für eine höhere Inflation sorgen, hatte Draghi anschließend vor Journalisten in Frankfurt festgestellt.

Dass die EZB der US-Notenbank Federal Reserve und der Bank of England folgen könnte und mit dem massiven Kauf von Staatsanleihen ihre Geldpolitik weiter unkonventionell lockert, kann als eher unwahrscheinlich gelten. Der EZB ist die direkte Staatsfinanzierung durch ihr Mandat verboten.

“Wir bleiben bei unserer Haltung, dass ein breit angelegtes QE-Programm erst im Falle einer massiven Eintrübung des mittelfristigen Ausblicks erfolgen würde”, hieß es von Ökonom Anatoli Annenkov von der Société Générale in London. Entscheidend sei, ob sich in den Daten dieser Woche die Sicht einer nur zeitweise schwachen Inflationsentwicklung bestätige

http://www.cash.ch/news/top_news/draghis_wichtigste_inflationsdaten-3198...

 

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Elias hat am 29.04.2014 - 11:48 folgendes geschrieben:


Sweden has become the first country in northern Europe to slide into serious deflation, prompting a blistering attack on the Riksbank’s monetary policies by the world’s leading deflation expert.

http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/10774013/Eight-EU-states-in...

Wie schon mehrfach gepostet: es gibt gute und schlechte Deflation.

Ich gehe mal davon aus, dass die Deflation in Schweden zur "guten Deflation" zählt. Ansonsten hättest Du wohl Links und Bilder aufgebrachter Schweden gebracht, die gegen günstigere Preise auf die Strasse ziehen Wink

Aber die Rede war ja von 18 Ländern. Also bleiben noch 17, in denen die Bürger wegen der erhöhten Kaufkraft ihrer Löhne auf die Strasse gehen könnten, um die "schlechte Deflation" zu bekämpfen.

Also such brav weiter Smile

 

Link: Es gibt Bürger (ja sogar Cash-Forums-Mitglieder) , die über die Zusammensetzung der bfs-Warenkörbe jammern.

 

Nö, da jammert niemand drüber. Diese Warenkörbe (egal aus welchem Land) sind ein Witz, über den man wahlweise weinen oder lachen kann.

 

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MarcusFabian hat am 29.04.2014 - 19:32 folgendes geschrieben:

Also such brav weiter smiley

 


Nö, da jammert niemand drüber. Diese Warenkörbe (egal aus welchem Land) sind ein Witz, über den man wahlweise weinen oder lachen kann.

 

Ich habe nicht gesucht. Was würde es ändern, wenn ich noch mehr Kandidaten posten würde? Weder bei Inflation noch bei Deflation gehen die Leute auf die Strasse. Es geht auch niemand zum Bauern, um Gold zu raspeln.

 

jammern, witz, lachen, weinen: nenne es meckern, stänkern oder besser-wissern oder wie du willst.

Weisst du wenigstens heute, warum die Krankenkasse nicht im Warenkorb drin ist?

 

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Elias hat am 29.04.2014 - 21:27 folgendes geschrieben:

Weder bei Inflation noch bei Deflation gehen die Leute auf die Strasse.

Kommt immer auf das Volk und den Leidensdruck an.


Aber grundsätzlich ist plausibel, was Du schreibst: Es gibt ja bei Infla/Defla in den seltensten Fällen einen bestimmten Verantwortlichen für die Preisbewegung. Es wird kaum jemand die Regierung oder die Zentralbank dafür verantwortlich machen, wenn die Brötchen heute doppelt so viel kosten wie vor einem Monat.

Auf was ich aber hinaus will: Wenn die Brötchen weniger kosten, gehen die Leute höchstens auf die Strasse, um beim nächsten Bäcker einzukaufen Wink

 

Weisst du wenigstens heute, warum die Krankenkasse nicht im Warenkorb drin ist?

 

Nein, erzähl mal!

 

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MarcusFabian hat am 30.04.2014 - 11:37 folgendes geschrieben:

Elias hat am 29.04.2014 - 21:27 folgendes geschrieben:




Weisst du wenigstens heute, warum die Krankenkasse nicht im Warenkorb drin ist?

 

Nein, erzähl mal!

Den Link dazu hatte ich auch schon mehrfach gepostet. Man findet es auf der bfs-Seite, wenn man sich wirklich dafür interessiert.

 

Die Brötchen sind bei der Deflation der unwichtige Teil. Problematisch wird es, wenn absehbar ist, dass langlebige und/oder teuere Güter billiger werden.  Diese Anschaffungen werden herausgeschoben, was erst zu Lagerbeständen führt und in der Folge zu weiter sinkenden Preisen.

 

Das Problem verschärft sich, wenn es zu sinkender Bevölkerung kommt.

Putin & Erdogan propagieren die 3-Kind-Ehe. Das müsste einem doch hellhörig machen. Tut es aber scheinbar nicht.

 

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Ich numeriere mal:

Elias hat am 30.04.2014 - 11:52 folgendes geschrieben:


 

1.) Problematisch wird es, wenn absehbar ist, dass langlebige und/oder teuere Güter billiger werden.  Diese Anschaffungen werden herausgeschoben, was erst zu Lagerbeständen führt und in der Folge zu weiter sinkenden Preisen.

 

2.) Das Problem verschärft sich, wenn es zu sinkender Bevölkerung kommt.


 

1.) Aus Sicht des Konsumenten sind sinkende Preise erwünscht und von Vorteil für den Kunden: Niemand wird auf den Kauf eines  Handys oder eines TV verzichten, wenn er weiss, dass er in einem Jahr mehr Leistung für weniger Geld bekommt.

Einig sind wir uns wohl auch in dem Punkt, dass Konsumgüter des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Energie) im Preis unelastisch sind. Sprich: Ich warte nicht einen Monat auf günstigeres Brot und ich tanke auch jetzt, wenn ich in einem Jahr einen niedrigere Benzinpreise erwarte.

Bei unelastischen Gütern wie Wasser, KK-Beiträgen, Energie, habe ich als Konsument also keine Wahl, egal, ob die Preise steigen oder fallen. Wobei mir grundsätzlich sinkende Preise sympathischer sind.

Alles was ich obengeschrieben habe, gilt für die Konsumgüterindustrie!

Bei der Investitionsgüterindustrie - da gebe ich Dir Recht - sieht es anders aus, denn hier sind die Preise elastisch.


Einige Beispiele:
Autos, Möbel ... also aus Sicht des Konsumenten Anschaffungen, die sich meist einige Monate bis Jahre hinauszögern lassen, wo also kein unmittelbarer Bedarf und somit auch kein Kaufzwang besteht.
Weiterhin Maschinen, Immobilien und andere Investitionsgüter.

Frage: Wer sind die Kunden der Investitionsgüterindustrie?
Antwort: Die Konsumgüterindustrie und die Transferindustrie (= Staat)

Fassen wir mal den Regelkreislauf der drei Industrien zusammen und definieren:
K = Konsumgüterindustrie
I = Investitionsgüterindustrie
T = Transferindustrie (darunter fallen die Beamten, die vom Staat Lohn beziehen, Rentner, Invalide, Sozialhilfeempfänger etc.)

K generiert sein Einkommen durch Verkauf seiner Produkte an die Konsumenten. Also unter anderem an das eigene Personal. Sprich: Jeder Bürger, der für K, I oder T arbeitet, konsumiert und erzeugt somit ein Einkommen in K.
 

I generiert sein Einkommen im Wesentlichen aus Grossaufträgen von K und T. Ausgaben sind wiederum Investionen (Einkommen von anderen Firmen der Investitionsgüterindustrie) sowie Löhne (--> K) und Steuern und Abgaben (--> T)

T wiederum generiert sein Einkommen aus Steuern von I und K und Ausgaben an Mitarbeiter, die wiederum ihr Geld zum grössten Teil verkonsumieren (--> K). Und natürlich zahlen die Beamten Steuern, also fliesst ein Teil von T-->T

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Wenn nun die Preise generell fallen, passiert folgendes:
Die Konsumenten sind durchs Band weg glücklich - siehe oben - und kaufen weiterhin in mindestens gleichem Ausmass ein.
K hat nun ein Problem, weil die Einnahmen sinken (=die verkauften Mengen bleiben zwar konstant aber in Währung gerechnet wird weniger erlöst), die Ausgaben an Löhnen aber konstant bleiben. Ergo dürfte hier als Auswirkung der Deflation der Druck entstehen, Löhne zu senken bzw. Mitarbeiter zu entlassen.

I bekommt nun ebenfalls ein Problem, weil wegen der Rationalisierungsmassnahmen von K die Aufträge zurückgehen und somit die Einnahmen sinken. Auch hier entsteht entsprechend Druck auf die Löhne.

T bekommt wegen sinkender Steuereinnahmen von K und I nur theoretisch ein Problem. Schliesslich kann T beliebig die Löcher mit neuen Staatsanleihen füllen. T wird also keinesfalls seine Ausgaben einschränken. Im Gegenteil. T wird wahrscheinlich sogar seine Investitionen erhöhen, um I zu unterstützen, sodass I weiterhin seine Mitarbeiter halten und bezahlen kann, die ja - und hier schliesst sich der Kreis - K mit ihrem Konsum finanzieren.

Kern der problematischen Deflation ist also I, die Investitionsgüterindustrie. Gelingt es, die Löhne in K und I konstant zu halten, ist und bleibt alles in Butter. Kommt es allerdings zu Lohnkürzungen oder Entlassungen, beginnt sich eine Abwärtsspirale zu drehen, die wirtschaftlich tödlich enden kann.

 

2) Unser kapitalistisches System ist auf Wirtschaftswachstum ausgelegt und davon abhängig (==> Lederstücke).

Eigentlich unlogisch, denn wenn die Bevölkerung um 10% sinkt, müssen logischer Weise auch 10% weniger Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Sprich: Eine Schrumpfung der Wirtschaft um eben solche 10% müsste pro Einwohner gesehen ein Nullsummenspiel sein.

Konkret: Wenn es 10% weniger Leute gibt, die Brötchen essen, braucht es auch 10% weniger Bäckereien, Müller, Bauern.... wie gesagt ein Nullsummenspiel.

Das Problem liegt darin, dass unser Geldsystem mit dieser Situation nicht umgehen kann, denn die 10% der schliessenden Bäckereien haben Kredite laufen, die dann entsprechend abgeschrieben werden müssen. Das wiederum ist nicht möglich, weil Banken ja systemrelevant sind und gerettet werden müssen (aka. der Staat haftet für faule Kredite, die die Banken in den Büchern haben).

Somit haben wir zwar in der Realität nur noch 90% der Einwohner, Bäckereien, Müller und Bauern aber nach wie vor 100% der Schulden. Und genau das kann nicht aufgehen, denn nun muss jeder Bürger 11% mehr an Zinsen bezahlen. Und die wiederum kann er nicht erarbeiten bzw. müsste sie sich "vom Munde absparen", weniger Brötchen konsumieren und somit mehr Bäcker, Müller, Bauern in den Ruin treiben. Ein Teufelskreis!

Streng genommen müsste deshalb die Geldmenge parallel zur sinkenden Einwohner- und Firmen-Zahl auch schrumpfen dürfen.  Aber genau das sieht unser Kreditbasiertes Fiat-Money-System nicht vor!

 

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