Geldsysteme

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31.05.2010 18:05
#1
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Geldsysteme

Ein Wort vorweg. Es geht in diesem Thread nur um Geldsysteme, nicht um politische.

Es geht also nicht darum - wie einige Leser in der Vergangenheit bei ähnlichen Diskussionen vermutet haben - das kapitalistische System durch ein kommunistisches oder die Demokratie durch Diktatur zu ersetzen

Ich werde nachfolgend in einem ersten Teil beweisen, dass unser aktuelles auf Zins und Zinseszins basiertes Geldsystem nicht ewig weiter laufen kann. Dass es den Systemfehler bereits per Definition in sich trägt, dass in der Vergangenheit ähnliche Systeme eine Lebenserwartung von 40-80 Jahren hatten und dass das System ungerecht ist, indem es Besitz gegenüber Arbeit bevorzugt.

Im zweiten Teil werden wir dann darüber diskutieren, welche Alternativen es gibt, welche Vor- und Nachteile sie haben, wem sie nützen, wem sie schaden und ob sie politisch umsetzbar sind.

Schulden vs. Wirtschaft

Betrachten wir als Einstieg diese Grafik.

Da wäre zum einen die Kurve der Wirtschaftsleistung, die wie jedes natürliche Wachstum einer Sinoide, einer abflachenden Kurve folgt. Die Abflachung gegen Ende ergibt sich aus Sättigung einerseits und den Grenzen der natürlichen Ressourcen andererseits. Man kann zu Recht argumentieren, dass die Wirtschaft über einen überblickbaren Zeitraum von vielleicht 100 Jahren in etwa linear verläuft. Das ändert allerdings nichts an der Aussage, dass die Wirtschaft anfangs, im noch schuldenfreien System stärker steigt als die Geldmenge, die Schulden wächst. Entsprechend herrscht wirtschaftlicher Wohlstand und arbeiten lohnt sich.

Das Problem ist die Kurve der Geldmenge, die zugleich mit Schulden und Vermögen gleichzusetzen ist.

Jegliches Geld wird von der Zentralbank gedruckt und gegen Zinsen an die Banken verliehen.

Nehmen wir am Tag Null eine Geldmenge von 1000 an und einen Zinssatz von 5%, so müssten nach einem Jahr 1050 zurückbezahlt werden. Doch diese 50, die Zinsen existieren ja gar nicht. Ergo muss die Geldmenge um mindestens diese 50 erhöht werden, damit jeder seine Schulden bedienen kann.

Im darauffolgenden Jahr muss die Geldmenge entsprechend mindestens auf 1050*1.05=1102.5 erhöht werden usw.

Bei 5% Zinsen haben wir also eine Verdoppelung nach 14 Jahren, einen Vervierfachung nach 28 Jahren etc.

Der Fluch dieser Zinseszinskurve, der Geldmenge besteht, wie wir in der Grafik schön sehen können darin, dass sie Anfangs unmerklich steigt und erst gegen Ende, so im letzten Drittel, unangenehm wird.

Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass das von der ZB gedruckte Geld = Schuld der Banken gegenüber der ZB ist, dass entsprechend dieses Geld von den Banken als Schuld gegenüber den Banken an Wirtschaft und Private weitergegeben ebenfalls Schuld ist und dass, weil es ja nur Zentralbankgeld = Schuldgeld gibt auch jegliches Geldvermögen einer entsprechenden Schuld gegenübersteht.

Wir können folgerichtig behaupten: Geldmenge = Schulden = Geldvermögen.

Die Zinsen verdammen uns zu ewigem Wirtschaftswachstum. Wir müssen immer mehr und immer schneller produzieren und wissen doch ganz genau, dass wir den Wettlauf gegen die Exponentialfunktion der Zinsen nicht gewinnen können. Das ist mathematisch schlicht unmöglich.

Die einzige Zivilisation, der es gelungen ist, länger als 80 Jahre diesem Wettlauf standzuhalten, war das römische Reich. Allerdings war dazu eine enorme Expansionspolitik notwendig. Man hat Länder erobert, mit deren Gold- und Silberschätzen die römischen Kassen wieder aufgefüllt und hatte somit wieder ein paar Jahre Ruhe. Bis dann der nächste Krieg nötig war, weil die Kassen leer waren.

Kaiser Nero war schlussendlich zu faul oder unfähig, diesen Expansionskurs fortzusetzen. In der Folge ist das römische Reich damals zerfallen.

Notabene ziemlich verarmt. Das gesamte Vermögen Roms gehörte damals noch ganzen 10 Familien.

Durch das Zinssystem werden wir also nach vorne gepeitscht und bekommen dafür - je näher wir uns dem Schnittpunkt der beiden Kurven nähern - immer weniger Gegenleistung für unsere Mühen.

Wer es gerne grafisch mag: Es gibt ein schönes Zeichentrickfilmchen, das am Beispiel einer fremden, ausserirdischen Macht erklärt, wie man sich einen Planeten mit halbintelligenten Lebewesen Untertan machen kann, ohne dass die es merken. Eben, indem man ihnen Geld und Zinsen gibt. Gegen Schluss schuften die armen Kreaturen immer mehr und mehr für ihre Herren und Meister. Denen gehört am Schluss der ganze Planet (also die Ressourcen) während die Menschen nur noch Geld haben.

Sehenswert: http://www.youtube.com/watch?v=tB5nBee2VoU

Die Quintessenz ist, dass das System so ausgelegt ist, dass es gegen Schluss (nach dem Schnittpunkt der Kurven) eine Vermögensverschiebung von Arbeit zu Besitz, von Wirtschaft zu Banken gibt.

Was heisst das?

Zunächst müssen wir uns bewusst werden, dass wir mehr Zinsen bezahlen als wir eigentlich meinen. Auch wer unter uns schuldenfrei ist, bezahlt z.B. über seine Steuern die Schuldzinsen des Staates. Wer sich beim Zahnarzt behandeln lässt, bezahlt über das Honorar auch die Schuldzinsen auf der Praxis und dem Equipement oder wer ein Auto reparieren lässt, Zinsen für die Werkzeuge und Gebäude der Werkstatt.

Die BuBa (Deutsche Bundesbank) hat hierzu für das Jahr 2000 folgende Zahlen veröffentlicht:

(Quelle: http://www.humane-wirtschaft.de/pdf_z/creutz-grafik-59b_zinsbelastungen.pdf )

Schauen wir uns die Grafik mal genau an. Sie ist das Herzstück.

Die deutschen Haushalte haben €1182 Mrd. ausgegeben, dabei €500 Mrd. Zinsen bezahlt und €420 an Zinsen erhalten. Die Differenz von €80 Mrd. stellt entsprechend die Zinseinnahmen der BuBa dar.

Wir können also behaupten: In unseren Ausgaben von 1182 Mrd. stecken 500 Mrd. an Zinsen. Entsprechend zahlen wir (bzw. die Deutschen im Jahr 2000) rund 42% Zinsen in jedem Produkt.

Wenn also die Packung Gummibärchen Fr. 1.- kostet, dann zahlen wir 58 Rp. für die Gummibärchen und 42 Rp. Für die Zinsen von Haribo und all seinen Zulieferern.

Anders ausgedrückt: Gäbe es diese Schulden nicht, könnten wir die Gummibärchen für 58 Rp. Im Laden kaufen.

Kleiner Einschub:

Die Zahl von 42% Zinsanteil ist umstritten. Helmut Creutz rechnet gerundet mit 40%.

Man kann nun einwenden, dass sich diese Zahl aus Deutschland nicht auf die Schweiz übertragen lässt, weil bei uns die Schulden - insbesondere die Staatsschulden - niedriger sind als in Deutschland.

Man kann das Gegenargument anführen, dass die oben erwähnten Zahlen bereits 10 Jahre alt sind und sich auch in der Schweiz die Geldmenge seit 2000 fast verdoppelt hat (von 200 Mrd auf 370 Mrd gemäss SNB).

Schlussendlich ist es aber akademisch, ob man nun mit 42%, 50%, 30% oder 35% Zinsanteil rechnet. Wichtig ist, dass für die meisten Menschen dieser Zinsanteil weit über dem liegt, das sie selbst an Zinsen einnehmen. Faktisch ändert sich also nichts an der Betrachtung.

Also weiter im Text:

Nun kann man argumentieren, dass das Deutsche Volk ja nur (500-420) 80 Mrd. an Zinsen bezahlt hat und das ja nicht so schlimm sei.

Richtig. Nur! Schauen wir jetzt mal, wer die Zinsen bezahlt hat und wer von den Zinseinnahmen profitiert!

Hierzu wird die Bevölkerung in 10 gleich grosse Gruppen nach Einkommen sortiert eingeteilt.

Wir sehen, dass (ganz rechts) die Gruppe der reichsten 10% von diesem System profitiert.

Sie haben über ihren Konsum €33.7 Mrd. an Zinsen bezahlt, jedoch €70.2 Mrd. an Zinserträgen eingenommen.

Bei der zweitreichsten Gruppe halten sich Zinsausgaben und -einnahme die Waage, bei allen anderen ist die Zinslast grösser als der Zinsertrag.

Wir wissen aus der ersten Grafik, dass diese Kurve der Zinslast nun exponentiell steigt und wir den Kreuzpunkt mit der Wirtschaft bereits hinter uns gelassen haben. Die Verlagerung von Vermögen von Arbeit zu Besitz (also von jenen Leuten, die ihr Einkommen über Arbeit erreichen zu jenen, die rein von ihren Zinserträgen leben) wird sich also zunehmend beschleunigen.

Dass diese Verschiebung nicht ohne soziale Spannungen über die Bühne gehen kann, wissen wir aus der Vergangenheit.

Dass beim Fall Roms das gesamte Vermögen auf 10 Familien konzentriert war, habe ich bereits erwähnt.

In Frankreich vor der Revolution von 1789 hatte sich das Vermögen auf 100 Familien konzentriert. Bauern, die ihre Pacht nicht zahlen konnten, verloren ihren Besitz und durften als Leibeigene auf dem eigenen Land weiterarbeiten.

Kurz zusammengefasst: Das Zinssystem ist ungerecht weil es Vermögen von der Arbeit zu den Besitzern verschiebt. Arbeit lohnt nicht mehr. Man wird unmöglich aus der Zinsfalle entkommen können.

Ausserdem zwingt uns dieses System, Raubbau an der Umwelt zu treiben und dem Geld nachzurennen.

Es schafft ausserdem in der Endphase eine enorme Blase der Finanzindustrie, die keiner braucht.

Wir haben derzeit ein System, in dem die Finanzindustrie rund 17 mal so gross ist (in Geld gerechnet) wie die Wirtschaft.

Wir haben ein System, in dem die Finanzindustrie die Wirtschaft dominiert und - wir durften das in den letzten Jahren erleben - eine Krise der Finanzindustrie Auswirkungen auf die Wirtschaft hat.

Geld regiert die Welt. Das ist Fakt - leider. Aber müsste es nicht eher so sein, dass Geld und die Banken ein Dienstleister, ein Diener der Realwirtschaft sind und nicht umgekehrt?

Bevor ich zum zweiten Teil mit Lösungsvorschlägen komme, zunächst einige weiterführende Links.

Das meiste, was ich über Geld und Geldsysteme weiss und oben auch verwendet habe stammt von Bernd Senf und Helmut Creutz.

Links hierzu: http://www.systemfehler.de/creutz.htm

Linksammlung zu Creutz: http://www.humane-wirtschaft.de/htm_z/archiv_texte-01.htm

Lösungsansätze

Wir wissen, dass unser Zinssystem den eigenen Kollaps bereits in sich trägt und nach 40-80 Jahren kollabieren muss. Wir wissen dabei auch, dass dieser Kollaps recht unschön sein kann(Krieg, Revolution, Armut) und dass das System das Volksvermögen von der Arbeit zum Besitz verschiebt.

Wenn also positiver Zins, das Vermögen von Arbeit zu Besitz verschiebt, dann muss logischer Weise negativer Zins das Vermögen von Besitz zu Arbeit verschieben, oder?

Das mag auf den ersten Blick wie eine Binsenwahrheit klingen, hat aber den Vorteil, wahr zu sein. Und nicht nur das, Geldsysteme mit negativem Zins gab es bereits mehrfach und sie hatten den Vorteil, recht erfolgreich zu sein und lange zu halten.

Doch der Reihe nach:

Aus obenstehendem ersten Teil geht hervor, dass ein Zinssystem kollabieren muss. Ergo wäre es von Vorteil, den Zins abzuschaffen.

Nun haben wir allerdings das Problem, dass niemand freiwillig sein erspartes Geld herausrücken und als Kredit zur Verfügung stellen würde, wenn er dafür keine Gebühr, Miete, Zins erhalten würde. Logisch oder?

Ja, es sei denn, auf seinem Geld wird ein negativer Zins erhoben. Sein Geld verliert also laufend an Wert, es sei denn er stellt es zur Verfügung und lässt es "arbeiten".

So etwas kann durchaus funktionieren. Auch 1500 Jahre lang!. Die alten Ägypter unterhielten ein auf Weizen basiertes Geldsystem. Wer Weizen ablieferte bekam Geld in Form beschrifteter Tonscherben.

Da Weizen durch Fäule, Ratten etc. einen natürlichen Schwund von etwa 10% pro Jahr hat, hatte auch dieses "Korngiro"-Geld einen Schwund von 10% pro Jahr.

Wer solches Geld also nach Ablieferung seiner Ernte besass, war bestrebt, es möglichst schnell auszugeben. Somit funktionierte die Wirtschaft und der Geldkreislauf tadellos. "Korngiro" zu horten hätte keinen Sinn gemacht. Nach 10 Jahren wäre es praktisch wertlos gewesen.

Wer auf etwas grösseres sparen wollte, hat entsprechend Gold oder Silber gekauft, die den Werterhalt garantierten. Somit waren Gold und Silber zwar eine zweite Währung, die aber nicht für den täglichen Einkauf verwendet wurden sondern nur dem Werterhalt dienten.

Also auch das gab es - und halten wir den Gedanken mal fest - zwei Währungen, die parallel funktionieren. Eine für Werterhalt und eine als Tauschmittel.

Gescheitert ist das ägyptische Korngiro erst durch den Einmarsch der Römer um 30 n.Chr. , die dann ihr römisches zinsbasiertes Münzgeld einführten.

Es gibt noch weitere Beispiele: Als etwa um 800 Karl der Grosse den Hunnenschatz erobert hatte, wurden Gold und Silber als Zahlungsmittel eingeführt. Sein Nachfolger, König Barbarossa verbot Zinsen und die Kirche bestätigte das. Um zu verhindern, dass nun Geld zurückbehalten wird, drohte die Kirche jedem mit Exkommunition, der sein Geld zurückbehält und nicht als Kredit zur Verfügung stellt.

Zugegeben, Hammer-Methode aber zumindest herrschte die nächsten 700 Jahre vergleichsweise Wohlstand. In dieser Zeit wurden Kölner Dom und Ulmer Münster Gebaut. Die Menschen hatten also soviel Vertrauen in ihre Zukunft, dass sie Bauprojekte von 200 Jahren in Angriff nahmen.

Ab 1500 liess die Kirche dann den Zins wieder zu und die Welt verfiel vom goldenen Mittelalter ins dunkle Mittelalter.

Systeme mit positiven Zinsen müssen über kurz oder lang kollabieren. Massgebend ist natürlich der Zinssatz. Die BuBa hat ausgerechnet, dass eine Zinssenkung von generell 2% €120 Mrd. freisetzt und somit 4 Mio Arbeitsplätze schafft. Insofern ist es vernünftig, dass nun weltweit die Zinsen künstlich gesenkt wurden. Nützen wird es aber dennoch nichts mehr, denn die Schulden sind bereits zu hoch, die Zinskurve im exponentiellen Teil.

Sprechen wir also darüber, wie nach dem Reset des aktuellen, ein neues System aussehen könnte:

Vergleichen wir alt und neu:

Quelle: http://www.humane-wirtschaft.de/pdf_z/creutz_zinsen-verbieten.pdf

Derzeit gilt die linke Treppe: Mit Bargeld Angel verdient man keine Zinsen. Mit Sichtguthaben (B) 1% … mit langfristigen Einlagen (E) 7%.

Ein neues System könnte so aussehen, dass einfach die Treppe nach unten verschoben wird. Bargeld verliert also 6% an Wert pro Jahr, langfristige Einlagen bringen noch einen Zins von 1% pro Jahr.

Natürlich ist die Treppe flexibel. In einem gesättigten Kreditmarkt würde die Zinskurve so um 0 pendeln aber es ist durchaus auch denkbar, dass die Zinsen kurzfristig wieder in den positiven Bereich steigen, wenn es die wirtschaftliche Entwicklung (z.B. neue Technologien) erfordert. Oder dass sie in den negativen Bereich abtaucht.

Beachten wir hierbei aber auch, dass unsere Lebenshaltungskosten entsprechend der jetzigen Zinsbelastung sinken werden. Bei gleichem Verdienst bekommen wir dann die Gummibärchen für 58 Rp. Statt jetzt für Fr. 1.-. Einfach deshalb, weil der Zinsanteil wegfällt.

Von so einem System profitieren alle, die ihr Einkommen durch Arbeit erzielen.

Andererseits wird es aber schwieriger werden, ein arbeitsloses Einkommen rein durch Zinseinnahmen zu finanzieren. Arbeit wird also wieder belohnt, Besitz ohne Arbeit wird bestraft.

Es findet eine Umverteilung von reich zu arm, von Besitz zu Arbeit statt.

Politisch betrachtet ist natürlich damit zu rechnen, dass sich Banken, Reiche und der andere obenschwimmende Abschaum mit Händen und Füssen dagegen wehren werden. Entsprechend die Frage, wie viel Druck von unten nötig ist und wie viel Schmerz wir erdulden wollen, bis wir entsprechende Forderungen durchsetzen.

Natürlich nur, wenn wir die in diesem Essay beschriebene Problematik auch begreifen. Und diesbezüglich dürften wir die Ausnahme sein.

Oder wie Rothschild es formulierte:

Die wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird.

Die grosse Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmassen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.

(Rothschild, 1863)

Nutzen wir also unsere demokratischen Mittel, um den verantwortlichen Politikern Dampf unter dem Hintern zu machen.

Und hoffen wir, dass der Reset ohne Revolution und Krieg über die Bühne geht und wir als Belohnung wenigstens ein nächstes, faires System erschaffen.

Es liegt nur an uns!

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29.12.2015 16:04
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Echo aus dem Ausland auf die Vollgeld-Initiative

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Kritik an der Initiative

Bei «Forbes»-Kommentator Tim Worstall kommt die Initiative indes nicht gut an. Der Ökonom vom Adam-Smith-Institute kritisiert, die Urheber der Vollgeld-Initiative arbeiteten mit Behauptungen, die nicht richtig seien. Die Argumente der Befürworter des Vollgelds, von denen es auch in Grossbritannien einige gibt, widersprächen sich inhaltlich. Deshalb könnten auch die Forderungen nicht richtig sein. Entsprechend lässt Worstall kein gutes Haar an dem Vorstoss.

(moh)

 

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25.12.2015 00:51
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Die so genannte Vollgeld-Initiative ist formell zustande gekommen.

 

Die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ein visionärer, sehr tiefgreifender und daher extrem interessanter Ansatz. .....ein Versuch den Menschen von Existenz- Leistungs- und Produktivitätsdruck zu entlasten. Also im Kern ein ethisch und moralisch sehr positiver Ansatz......natürlich ist die Welt von heute...voll individueller Neurosen, Neid und Missgunst .....noch nicht für einen solchen Schritt bereit.

Die Vollgeld Initiative dagegen ist eine Sachinitiative, deren einziger Sinn es ist, die Kontrolle bestehender Systeme zu verlagern. Das einzige was sich verändert ist der Umstand, dass ich meine Hypothek neu bei Nationalbank und nicht mehr bei der Kantonalbank beantragen muss.....was soll das bringen?......dann arbeiten alle Kreditsachbearbeiter bei der Natibank?......so zu sagen eine Einheitskasse für Kreditnehmer?.....wer unterschreibt einen solchen Unsinn?

...... und die Behauptung, dass Banken so quasi unbeschränkt Kredite gewähren können.....wer einen solchen BullShit erzählt hat 0,0 Sachverstand.....und das bei einer Sachinitiative.......diese Initianten sind Dilettanten von denen sich keiner die Mühe genommen hat, das Schweizerische Gesetz zur Rechnungslegung und zur Eigenmittelunterlegung von Banken in der Schweiz zu lesen.....wahrscheinlich wissen die gar nicht, dass es solche Gesetze gibt......und dies nicht erst seit 2008 sondern seit 1935.....die Bestimmungen sind gut und ausreichend. Das Problem war und ist, dass es im Bankgewerbe keine "Polizei" gab und gibt die die Einhaltung dieser Bestimmungen mit der notwendigen Konsequenz kontrollieren....hätten die Revisionsgesellschaften, diese Lakaien,  vor 2008 ihren Job gemacht, würde Lehmann heute noch Geschäften......dass bei dieser Initiative Öpfel mit Rüebli vermischt werden, zeigt die Inkompetenz der Initianten in dieser Sache....meine Prognose: 80% nein.

Fine-Tuner

 

24.12.2015 14:22
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Vollgeld-Initiative zustande gekommen

Die so genannte Vollgeld-Initiative ist formell zustande gekommen. Die notwendigen Unterschriften wurden von der Bundeskanzlei als gültig erklärt.

http://www.cash.ch/news/front/vollgeldinitiative_zustande_gekommen-34033...

 

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Benjamin Franklin

03.11.2015 13:56
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Antworten zur Vollgeldinitiative

Die Initianten haben 100'000 Unterschriften für das Volksbegehren gesammelt. Worum geht es bei Vollgeld eigentlich, und wie ist die Initiative zu beurteilen?

Am Samstag hat der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) bekannt gegeben, er habe für die eidgenössische Volksinitiative «Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank» 100’000 beglaubigte Unterschriften gesammelt. Sie sollen am 1. Dezember in Bern eingereicht werden, um einen Volksentscheid zu bewirken. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Vollgeldinitiative.

Was will die Initiative erreichen?
Kernpunkt der Vollgeldreform ist, dass der Franken nur noch vom Staat geschaffen wird. Bisher wird elektronisches Geld auf Bankkonten faktisch durch die Geschäftsbanken geschaffen, indem sie Kredite ausgeben. Das soll sich durch Vollgeld ändern.

Was würde mit unserem Geld geschehen?
Gemäss Initiative soll es neben dem Papiergeld auch elektronisches Geld für die Privatkunden geben, das von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) herausgegeben wird. Der Initiativtext sieht dafür eine Änderung des Artikels 99 der Bundesverfassung und einen neuen Artikel 99a vor.

Wieso dürfen private Banken bislang selbst Franken herstellen?
Der Franken ist gesetzliches Zahlungsmittel. Nur Banknoten werden aber direkt durch die Nationalbank herausgegeben. Der Betrag auf einem Bankkonto ist dagegen eine Verbindlichkeit gegenüber der Bank.

Wie schaffen die Banken neues Geld?
Vergibt die Bank einen Kredit, verlängert sie normalerweise ihre Bilanz: Sie schreibt den Kreditbetrag dem Kundenkonto gut (Aktivseite) und nimmt gleichzeitig den Kredit als Forderung in die Bilanz (Passivseite). Damit werden Bankkredite «aus dem Nichts» geschaffen. Näheres zur Geldschöpfung aus der Kreditvergabe finden Sie hier und hier.

Können die Banken unendlich viele Kredite schaffen?
Die Kreditvergabe der Banken ist faktisch durch die Eigenkapitalanforderungen begrenzt. Dagegen spielt die Mindestreserve – der Anteil der Kreditsumme, der bei der Nationalbank hinterlegt werden muss – in der Praxis kaum eine Rolle.

Wie würde verhindert, dass die Banken neue Kredite schaffen und damit Geld schöpfen?
Es wäre ihnen mit der Verfassungsänderung verboten. Das bedeutet, dass eine Bank zuerst Geld von Kunden oder Investoren einsammeln muss, bevor sie Kredite vergeben kann. Die Bankkonten sollen dagegen von der Bilanz der Banken getrennt werden.

Was geschieht dann mit meinem Bankkonto?
Die Konten wären als Einlagen direkt von der Nationalbank garantiert. Damit wäre ein Bankkonto vor einer Bankinsolvenz sicher – denn die Nationalbank kann nicht pleitegehen, da sie selbst Franken herausgibt. Heute gibt es zwar auf Bankkonten eine Einlagensicherung von 100’000 Fr. Über diesem Betrag ist der Kunde aber im Insolvenzfall Gläubiger der Bank.

Ein Schema bringt die Unterschiede zwischen dem bisherigen und dem neuen Geldsystem auf den Punkt:

VollgeldsystemQuelle: FuW

Was für weitere Vorteile verspricht die Vollgeldinitiative?

  • Wenn Banken in Schieflage geraten, wäre der Druck auf den Staat geringer, sie zu retten. Faktisch haben Banken eine Art Versicherung, vom Staat im Notfall gerettet zu werden (implizite Staatsgarantie). Rettungen (Bailouts) könnten viel seltener werden, wenn die Bankkonten von einer Insolvenz nicht betroffen wären. Wer trotzdem einer Bank Geld ausleiht, als Kunde oder als Investor, müsste sich bewusst sein, ein Ausfallrisiko in Kauf zu nehmen.
  • Bisher hängt die Geldversorgung der Volkswirtschaft an der Kreditvergabe der Banken. Sie handeln dabei prozyklisch: In schlechten Zeiten fürchten sie mehr Kreditrisiko und geben weniger neues Geld aus. Das kann Wirtschaftskrisen verschlimmern. Andersherum werden in guten Zeiten mehr Kredite vergeben, und zu viel Sorglosigkeit bei den Banken kann zu Finanzblasen führen.
  • Wenn die SNB direkt Buchgeld schafft, wird sie auch mehr Gewinn einstreichen. Der mögliche zusätzliche Geldschöpfungsgewinn wird von der Vollgeldinitiative auf 5 bis 10 Mrd. Fr. jährlich taxiert. Dieses Geld soll an den Bund und die Kantone fliessen.

Gibt es Studien zur Auswirkung von Vollgeld auf das Wirtschaftssystem? 
Ein Arbeitspapier von Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt zum Schluss, dass der sogenannte Chicago-Plan positive Effekte hätte. Dieser Plan sieht allerdings nicht Vollgeld vor (also kein staatlich garantiertes elektronisches Geld), sondern die Pflicht der Banken, das Geld auf Konten zu 100% bei der Zentralbank zu hinterlegen. Der Effekt sollte aber ähnlich sein: Die Stabilität des Wirtschaftssystems wird gemäss dem Arbeitspapier verbessert, Rezessionen wären weniger schlimm.

Das klingt alles toll. Warum gibt es das Vollgeld nicht schon längst?

  • Es gibt Zweifel an den versprochenen positiven Effekten von Vollgeld. So verweist der wirtschaftsnahe Think Tank Avenir Suisse auf den Aufwand und die Risiken der Umstellung des Finanzsystems. Die Umstellung auf das neue System sei komplex und würde viel Zeit und Aufwand brauchen. Dem könnte das Finanzsystem nervös entgegenblicken: «Der Übergangsprozess könnte Erschütterungen auslösen, die das ganze Projekt in Frage stellen.» Wenn den Banken tatsächlich die Schöpfung von neuen Kontenguthaben verboten wird, wäre ihre Kreditvergabe auf einen kleinen Rest minimiert, «mit erheblichen Unannehmlichkeiten für Anleger und Kreditnachfrager».
  • Ausserdem zweifelt Avenir Suisse, ob die Geldmenge vom Staat tatsächlich besser gesteuert werden kann. Denn die Zentralbank müsste darüber bestimmen, wie viel sie dem Staat gutschreiben will. «Zentralbanken waren noch nie vollkommen unabhängig, und alle Hyperinflationen der Weltgeschichte waren staatlich angeordnete Aktionen zur direkten und indirekten Staatsfinanzierung», rufen die Ökonomen ins Gedächtnis. Sie mahnen, bescheidenere Massnahmen umzusetzen, «ohne die Risiken eines irreversiblen Schadens einzugehen». Auch verfüge die SNB schon jetzt über Instrumente, um die Geldschöpfung der Geschäftsbanken zu begrenzen – «sofern sie dies will».
  • Einleuchtend ist auch das Gegenargument, dass die Banken weiterhin Geld schöpfen könnten, auch wenn ihnen das für Bankkonten verboten würde. So gibt es kurzfristige Bankverbindlichkeiten (z.B. Tagesgeld oder Schuldverschreibungen), die als Near Monies (Fast-Gelder) bezeichnet werden. Wird dies den Finanzinstituten nicht verboten, könnte die Kreditvergabe über die Ausgabe solcher Instrumente weiterlaufen. Wird es ihnen dagegen verboten, müsste das Kreditportfolio radikal schrumpfen und die Kreditvergabe auf weniger effiziente Institutionen ausweichen, erklärt Avenir Suisse.

Steht die Schweiz allein da, oder gibt es ähnliche Pläne in anderen Ländern?
Die Schweiz ist mit ihrer direkten Demokratie sicherlich so nahe an einer Umsetzung wie kein anderes Land. Im März wurde bekannt, dass der isländische Premier eine Studie zu einer Reform des Geldsystems in Auftrag gegeben hat. Von einem Parlamentsabgeordneten verfasst, sieht der Reformvorschlag ein Ende der Geldschöpfung durch Banken vor. Das Hauptargument ist das Ende von Finanzkrisen, die durch übermässige Kreditvergabe ausgelöst werden. Die Diskussion in Island scheint aber erst am Anfang zu stehen.

http://www.fuw.ch/article/vollgeld/

 

 

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Benjamin Franklin

28.09.2015 13:02
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Das grosse Missverständnis ums Geld

Was die meisten Lehrbücher über den Geldkreislauf schreiben, ist falsch. Bis zur Finanzkrise meinte man das ignorieren zu können. Das ist jetzt vorbei.

Für die Schöpfung des Geldes ist die Notenbank zuständig. Die Banken sind blosse Vermittler von Einlagen, die sie als Kredite weiterverleihen. Das ist die kürzeste Fassung dessen, wie in Lehrbüchern das Finanzsystem beschrieben wird.

Die etwas kompliziertere Variante befasst sich mit dem sogenannten Geldschöpfungsmultiplikator, der erklärt, warum die Geldmengen im Publikum um einiges umfassender sind, als das von der Notenbank geschaffene Geld. Die folgende Grafik zeigt das für die Schweiz anhand der Entwicklung des Umfangs der Notenbankgeldmenge und der Geldmenge M2 als Massstab für die Publikumsgeldmenge:

Die Lehrbucherklärung lautet etwas verkürzt so: Die Notenbank stellt den Banken Geld zur Verfügung, das sie selber schöpft. Die Banken können dies für Ausleihungen (Kredite, Hypotheken) nutzen. Diese enden letztlich wieder als Einlagen auf den Konten der Banken (was davon nicht als Bargeld im Publikum verbleibt). Die Einlagen ermöglichen es den Banken, erneut Kredite zu vergeben, allerdings müssen sie eine Mindestreserve zurückbehalten. Das geht so im Sinne einer geometrischen Reihe immer weiter bis wegen der Mindestreserven und der Bargeldhaltung keine Ausleihung mehr möglich ist (hier die entsprechende Formel). Wichtig für unseren Zusammenhang ist bloss, dass in dieser Betrachtung die Notenbanken das Geld schöpfen; die Banken die Geldmenge durch ihre Kreditvergabe zwar vermehren können, aber darin dennoch beschränkt bleiben.

Entscheidend an dieser Betrachtung ist die zentrale Rolle der Notenbank und die eher passive der Banken. Bis zur Finanzkrise hat die Volkswirtschaftslehre letzteren ohnehin eine relativ geringe Rolle zugemessen. Die Sichtweise, dass sie blosse Vermittler von Einlagen für Ausleihungen sind, schien zu funktionieren. Selbst der Multiplikator erforderte keine besondere Betrachtung. Denn der blieb meist mehr oder weniger stabil. Also schien man den Gedankensprung risikolos wagen zu können, dass eben die Notenbanken die Geldmenge in der Wirtschaft bestimmen.

Doch dann brach dieser Zusammenhang radikal zusammen. Die Notenbanken weiteten – wie in der obigen Grafik gezeigt – ihre Geldmenge zwar massiv aus, aber das tatsächliche Geld in der Wirtschaft (etwa gemessen an M2) reagierte immer weniger darauf. Das zeigt der Multiplikator deutlich. Wir teilen hier einfach die M2-Geldmenge durch die Notenbankgeldmenge und sehen so, wie das Publikumsgeld auf eine Mengenausweitung der Notenbank reagiert:

Wie dieser Zusammenhang zeigt, hat die SNB mit ihrer selbst geschaffenen Geldmenge einen immer geringeren Einfluss auf die relevante Geldmenge in der Wirtschaft. Ein ähnliches Bild liesse sich für andere Notenbanken zeigen. Das allein liefert schon einen Hinweis darauf, dass für die Geldschöpfung in der Wirtschaft die Banken eine weit grössere Bedeutung haben als die Notenbanken.

Tatsächlich ist der Einfluss der Banken auf die tatsächliche Geldmengen noch viel grösser – und jener der Notenbanken kleiner – als es selbst die Multiplikatortheorie suggeriert. Denn auch diese geht fälschlicherweise von den Notenbanken als ursprüngliche Geldschöpfungs-Instanz aus. Tatsächlich benötigt das Bankensystem weder Notenbankgeld noch Einlagen, um Kredite zu vergeben. Der tatsächliche Kreislauf ist daher gerade umgekehrt, als ihn die Lehrbücher in der Regel beschreiben: Die Kreditvergabe der Banken ist der ursprüngliche Akt der Geldschöpfung.

Diese Einsicht ist keineswegs neu, doch in den letzten Jahrzehnten bis zur Krise hat es kaum interessiert, von welcher Seite her man die Geldschöpfung betrachtet hat. Seit der Krise ist das Thema wieder hochaktuell und es wurden und werden eine Menge Texte dazu verfasst. Der international wohl meistbeachtete dazu stammt von der Bank of England.

Mit dem Thema befasst hat sich auch der Schweizer Ökonom Mathias Binswanger in seinem ausgezeichneten Buch «Geld aus dem Nichts». So erklärt er dort Schritt für Schritt den Prozess der Geldschöpfung durch das Bankensystem. Auf seine Darstellung greifen wir auch gleich zurück.

Zu klären gibt es aber erst noch die tatsächliche Rolle einer Notenbank. Auch wenn ihr Einfluss für die Geldschöpfung geringer ist, als in den Lehrbüchern aufgeführt, bleibt er aus zwei Gründen dennoch gross:

  • Nur eine Notenbank darf Bargeld schaffen.
  • Die Banken sind verpflichtet, bei der Notenbank Reserven zu halten.

Bargeld und Einlagen der Banken bei der Notenbank machen die Notenbankgeldmenge aus. Um jederzeit Auszahlungen vornehmen zu können, bleiben Banken auf diese Liquiditätsquelle angewiesen. Indem die Notenbank die Bedingungen dafür festlegt (gewöhnlich die Leitzinsen) beeinflusst sie die Kosten, die die Banken selbst für ihre Kredite verlangen. Sind die Zinsen aus diesem Grund höher, fällt die Kredit- und damit die Publikumsgeldmenge geringer aus als bei tieferen Zinsen. Nur über diesen Kanal können Notenbanken die Geldmenge zu beeinflussen versuchen.

Um den tatsächlichen Geldschöpfungsprozess zu verdeutlichen, steht unten eine schematische Darstellung anhand der Bilanzen einer Kredit gebenden Bank, des Kreditnehmers und der Notenbank. Das Beispiel hat Mathias Binswanger konstruiert. Aus seinem Buch stammt auch die Grafik.

Am Anfang steht die Geldschöpfung – die Kreditvergabe  – durch die Bank im Umfang von 120’000 Franken an einen Kunden. 20’000 davon bezieht der Kunde in bar, 100’000 Franken werden seinem Konto gutgeschrieben. Diesen Betrag konnte die Bank ohne irgendeine Vermittlung der Notenbank oder anderer Einleger schaffen. Im Beispiel muss die Bank allerdings von der Notenbank 20’000 Franken Bargeld beziehen, sowie 10 Prozent Reserve auf ihr Konto bei der Notenbank einzahlen. Dafür verkauft die Bank an diese ein Wertpapier für 30’000 Franken. Für diesen Deal mit der Notenbank bezahlt die Bank in der Praxis einen Zins (der Wertpapierverkauf ist meist mit einem späteren Rückkauf verbunden, womit das Wertpapier faktisch als Sicherheit für ein Darlehen der Notenbank dient. Man spricht hier von einem Repo-Geschäft).

Schauen wir uns nun die Bilanzen der Beteiligten an: In der Bilanz der Bank erscheint auf der Aktivseite (linke Seite, Vermögen) der Kredit von 120’000 Franken, plus ihr Guthaben bei der Notenbank von 10’000 Franken, abzüglich dem verkauften Wertpapier. Es bleiben die frisch geschaffenen 100’000 Franken wie auch auf der Passivseite der Bank (rechte Seite, Schuld), wo das Guthaben des Kunden aufgeführt ist.

Auf der Aktivseite der Bilanz des Bankkunden befinden sich sein Bankguthaben von 100’000 Franken und sein Bargeld von 20’000, insgesamt also die 120’000 Franken des Kredits, die auf der Passivseite auch als Schuld gegenüber der Bank aufgeführt sind.

In der Bilanz der Notenbank findet sich auf der Aktivseite das erworbene Wertpapier mit dem Wert von 30’000 Franken – auf der Passivseite die dafür gutgeschriebenen Reserven der Bank von 10’000 und das Bargeld von 20’000 Franken.

Die so geschaffene Notenbankgeldmenge (M0) beträgt daher 30’000 Franken als Folge des Bankkredits. Die Publikumsgeldmenge (hier M1) entspricht der Höhe des Kredits von 120’000 Franken. Der Multiplikator (Publikumsgeld/Notenbankgeld) ist daher hier 120’000 : 30’000 = 4, ausgelöst aber durch die Bank und nicht – wie in der Multiplikatortheorie – durch die Notenbank.

Fazit:

Dass nicht die Notenbanken in erster Linie Geld schöpfen, sondern Banken, hat grosse Konsequenzen, die hier nur angetippt werden können:

  • Die Geldschöpfung durch die Banken ist stark prozyklisch. In Phasen der Euphorie werden mehr Kredite vergeben, was die Geldmenge deutlich ansteigen lässt und Übertreibungen befeuert. In rezessiven Phasen dominiert die Angst, die Kreditvergabe schrumpft, Schulden müssen abgeschrieben werden, die Geldmenge wächst weniger stark oder schrumpft.
  • Die Möglichkeiten der Notenbanken, Gegensteuer geben zu können, beschränken sich hauptsächlich auf den Leitzins. Besonders wenn dieser am Tiefpunkt von null Prozent (oder – wie in der Schweiz – im tiefen negativen Bereich) ankommt, sind die Möglichkeiten stark eingeschränkt. Die Notenbank muss dann indirekt versuchen, auf die Zinsen und die Kreditvergabe einzuwirken, etwa über Anleihenkäufe (Quantitative Easing), der Erfolg solcher Massnahmen ist jedoch sehr ungewiss und umstritten.
  • Immer wieder gab es Vorstösse, das Geldsystem so zu reformieren, dass die entscheidende Rolle der Banken in der Geldschöpfung beendet wird. Ein älterer geht dahin, dass die Banken für alle Depositen 100 Prozent Reserven bei der Notenbank halten müssen (der so genannte Chicago-Plan). Ein weiterer will erreichen, dass nur noch Notenbanken Geld schöpfen können (so genanntes Vollgeld). Details dazu ein andermal (oder im Buch von Mathias Binswanger). Hier nur ganz allgemein: Auch diese Lösungsvorstellungen sind mit eigenen Risiken und Nachteilen für den Geldkreislauf und die Volkswirtschaft verbunden.

http://www.fuw.ch/article/nmtm-das-grosse-missverstaendnis-ums-geld/

 

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19.08.2015 08:52
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Die Welt braucht ein Finanzsystem 2.0

Schuldenkrise, Häuserblase, Rezession: Um die Wirtschaft in ruhige Gewässer zu steuern, braucht das Finanzsystem eine Generalüberholung. Was aber soll sich ändern? Die Ideen unterscheiden sich stark.

Clapping  Wir vertrauen auf Gott, steht auf jeder Dollarnote: «In God we trust». Das Motto mutet überholt an, zumal Friedrich Nietzsche den Schöpfer bereits 1882 philosophisch für tot erklärt hat. Seither kommt Gott als Garant des Geldes eigentlich nicht mehr infrage.

Trotzdem halten die Notendrucker in den USA bis heute am religiösen Spruch fest. Das ist kein Zufall. Denn Geld ist Glaubenssache: Es lebt vom Vertrauen - von der Zuversicht der Leute, die es als Tauschmittel, als Recheneinheit und zur Wertaufbewahrung nutzen. Gott mag tot sein, doch die moderne Gesellschaft hat noch keine Alternative gefunden.

Immer wieder eine Krise

Im Gegenteil. Wer oder was Geld und seinen Wert garantieren soll, ist immer weniger klar. Wiederholt wurde das monetäre System erschüttert. Auch im 21. Jahrhundert blieb es instabil.

Wie schnell das Vertrauen zusammenbrechen kann, hat die Finanzkrise vor Augen geführt. Im Jahr 2007 kamen die Geldströme in den Finanzzentren von einem Tag auf den anderen zum Erliegen. Märkte froren ein, der Handel erlahmte. Geld war plötzlich zum Nullzins verfügbar und blieb für manche Firmen doch Mangelware.

Die Baustellen

Seither taumelt die Welt zwischen Schuldenkrisen, Rezessionen und Immobilienblasen. Staaten und Volkswirtschaften sehen sich mit einer ganzen Reihe von Problemen konfrontiert: Probleme mit Ursprung im Finanzsystem, welche die Entwicklung behindern.

1. Überschiessende Kreditzyklen

Wie viel Geld kommt eigentlich in Umlauf? Die Entscheidung darüber liegt in erster Linie bei den Geschäftsbanken. Sie vergeben Kredite, wenn es ihnen rentabel erscheint, und stornieren sie, wenn Unsicherheit aufkommt.

Die private Geldschöpfung hatte oft überschiessende Konjunkturzyklen zur Folge: Je mehr Geld in die Wirtschaft floss, desto bessere Aussichten schienen Kreditnehmer zu haben – was die Kreditvergabe umso mehr ankurbelte. 

Das Herdenverhalten führte zu Kreditblasen und zum typischen Absturz, wie man ihn 1929 oder 2008 beobachten konnte. Banken reagierten auf erste Bankrotte, indem sie die Geldschöpfung drosselten. Eine Negativspirale aus steigenden Schulden und sinkenden Preisen setzte ein.

2. Riskante Bankgeschäfte

Banken sind fragil. Im heutigen System – dem fraktionalen Reservenbanking – müssen sie nur einen kleinen Teil ihrer Ausleihungen über Reserven bei der Notenbank absichern.

Sie können deshalb leicht in Schieflage geraten. Um Bankenpleiten und volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden, haben Notenbanken und Staaten in der Vergangenheit oft implizite und explizite Garantien ausgesprochen.

Die Garantien hatten jedoch einen unerwünschten Nebeneffekt: Sie verleiteten Banken und deren Manager dazu, höhere Risiken einzugehen. Der Fall UBS lässt grüssen. Hohe Risiken zahlen sich für eine mit Garantien ausgestattete Bank aus. Wenn alles gut läuft, streicht sie Gewinne ein. Wenn es schlecht läuft, übernimmt der Staat einen Teil der Verluste.

3. Hohe Zugangsbarrieren

Die verzerrte Anreizstruktur hat Behörden dazu veranlasst, das Bankenwesen stärker zu regulieren. Basel I, Basel II und Basel III hiessen die internationalen Regelwerke. National existieren zahlreiche weitere Vorschriften.

Die Regulierung soll sicherstellen, dass Banken weniger riskante Geschäfte betreiben. Doch die Eingriffe haben problematische Nebenwirkungen. Erstens können sie dem Publikum eine falsche Sicherheit vorgaukeln, wenn sie der Realität hinterherhinken. Zweitens sind die umfangreichen Regelwerke Barrieren für Banken, die neu in den Markt eintreten wollen. Der Wettbewerb wird zugunsten der Platzhirsche verzerrt.

4. Obskure Schattenbanken

Die Regulierung macht für Banken eine weitere Option attraktiv: Die Kreditvergabe ausserhalb der Bilanz zu organisieren, im sogenannten Schattenbankensystem. Befeuert durch die Digitalisierung hat diese Art, Banking zu betreiben, in den letzten 30 Jahren stark zugenommen.

Vor allem in den USA wurde das Geld- und Kreditwesen zunehmend über spezielle Konstrukte organisiert: Über Ausserbilanzvehikel, die in verbriefte Kredite investierten, die wiederum von Drittparteien garantiert wurden und bei Viertparteien in Bargeld eingetauscht werden konnten. Die kontinuierliche Expansion des Schattenbankensystems hat das Bankenwesen undurchsichtig gemacht und seine Krisenanfälligkeit erhöht.

5. Machtlose Notenbanker

Notenbanken müssen die Wirtschaft mit Geld versorgen und die Preise stabil halten. Beide Aufgaben werden indirekt übers Bankensystem wahrgenommen. Notenbanken setzen den Zins fest, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld leihen können.

Und sie stellen den Banken dieses Geld bei Bedarf zur Verfügung. Das Problem der letzten Jahre: Die Notenbanken konnten ihre Kurzfrist-Gelder gar nicht genug billig hergeben, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Im Weg stand die Nullzinsgrenze. Sie kann nur sehr begrenzt unterschritten werden, ohne dass Wirtschaftsteilnehmer beginnen, Bargeld zu horten.

6. Steigende Vermögenspreise

Notenbanken haben die Rezession seit der Finanzkrise mit Tiefzinsen bekämpft. Die Folge davon war ein Anstieg der Vermögenspreise, allen voran bei Immobilien und Aktien. Viele Börsen sind auf dem Allzeithoch. Davon haben grosse Vermögen übermässig profitiert.

Der Boom birgt auch Risiken für die Finanzstabilität. Immobilienblasen bilden sich. Die Fallhöhe der Aktienkurse wird immer grösser, ein erneuter Crash wird umso gefährlicher. Das Tückische an diesem Spiel ist: Je mehr die Notenbanken versuchen, das Vertrauen auf den Finanzmärkten zu stützen, desto riskanter wird das Verhalten der Marktteilnehmer. Die Notenbanken sind zu Gefangenen der Finanzmärkte geworden.

7. Überschuldete Staaten

Wirklich solide war die Finanzlage vieler Industriestaaten auch vor der Finanzkrise nicht. Seither hat sich die Schuldensituation aber dramatisch verschärft. Der staatliche Sektor wurde faktisch gezwungen, seine Verschuldung hochzufahren.

Einerseits, um fallende Banken zu retten, anderseits, um den Wirtschaftskreislauf zu stützen – ein Kreislauf, der zuvor durch die übereifrige Kreditvergabe der Banken an Privatleute und Unternehmen befeuert worden war.

Während der Privatsektor nun seine Schulden abbaut, ist die öffentliche Hand finanziell zunehmend eingeschränkt. Was sich in Bereichen wie den öffentlichen Investitionen, dem Sozialwesen, aber selbst in der Geopolitik und der globalen Sicherheit auswirkt.

Die Lösungen

Die Krise hat Politik und Zivilgesellschaft aufgerüttelt. Beobachter verschiedenster politischer Couleur kamen 2008 bös auf die Welt.

Sie stellten fest, dass dies nicht der Kapitalismus war, den sie sich vorgestellt hatten. Doch in welche Richtung sollte es nun gehen?

Der Standardweg

Drei mögliche Wege zeichnen sich ab. Einer davon liegt auf der Hand: Der Standardweg. Er beruht auf Anpassungen innerhalb des bestehenden Systems. Man schraubt an den Parametern, baut zusätzliche Tempolimits und Knautschzonen ein.

Banking bleibt, was es ist: Ein dezentraler und selbstständiger, nur indirekt gelenkter Mechanismus der Finanzintermediation. Diesen Weg beschreiten die Staaten unter anderem mit dem Basel-III-Rahmenwerk.

Die Variante Vollgeld

Eine Alternative dazu sind die Vollgeldreform und verwandte Ideen. Sie wollen Geschäftsbanken ihr bisher grösstes Privileg entziehen: Die Vergabe von Kredit und somit die Schöpfung von Geld nach eigenem Gutdünken.

Das bedeutet, dass die Notenbank einen grösseren Stellenwert erhält. Sie kontrolliert die zirkulierende Geldmenge direkt und braucht das Bankensystem nur noch zur Feinverteilung.

Die Free-Banking-Idee

Umgekehrt läuft der Plan im Ideenstrang des Free Banking. Hier entfallen fast alle Regeln, die das Bankgeschäft bisher umgaben. Dafür werden auch sämtliche Garantien ersatzlos gestrichen. Der Markt bestimmt, wie viel Geld zirkuliert, welche Währung verwendet wird, welche Bank überlebt. Die Notenbank wird als Aufsichts-, Konjunktur- und Preisstabilisierungsbehörde überflüssig.

Die Reform des Finanzsystems setzt bei den Banken an - bei der Art und Weise, wie Banking betrieben wird. Doch sie macht dort nicht halt. Im Kern geht es um das Geld selbst: Um seine Homogenität als Tauschmittel, um die Unsicherheit, die man Individuen im Umgang damit zumuten will, um seinen Charakter als öffentliches oder privates Gut.

Letzlich ist es eine Vertrauensfrage

Die Entscheidung für eine Reformvariante ist letztlich auch eine Vertrauensfrage. Wem trauen wir die Bewirtschaftung des Geldes am ehesten zu? Dem Staat beziehungsweise seiner Stellvertreterin, der Notenbank? Dem freien Markt? Oder vertrauen wir doch auf jenes Arrangement, an das wir uns über die letzten 100 bis 200 Jahre gewöhnt haben: der Mischform aus freier Geldwirtschaft unter zentraler Oberaufsicht?

Die Antwort bleibt offen, der Gottesersatz muss noch definiert werden.  Acute«In the Fed we trust» wäre eine Option. Nea «In Bitcoin we trust» aber auch.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/die-welt-braucht-ein-finanzsyste...

 

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11.08.2015 10:20
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Tresore und Tausendernoten boomen

Die Negativzinsen der SNB hinterlassen Spuren beim Anlageverhalten der Sparer: Tresore und Tausendernoten finden reissenden Absatz.

http://www.cash.ch/news/front/tresore_und_tausendernoten_boomen-3356141-449

 

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10.08.2015 11:15
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Die prekäre Geschichte des Geldes

Zukunft des Geldes

Steine, Banknoten, Geldmarktfonds: Je ausgefeilter das Geldsystem wurde, desto schwerere Krisen hat es provoziert.

Zwei Dinge fallen am Geld auf. Erstens: Es ist notorisch anfällig für Krisen. Zweitens: Kaum je­ mand weiss, woher es eigentlich kommt – niemand macht sich Gedanken über seine Entstehung, kaum einer fragt im Alltag, wie das Geld eigentlich funktioniert. 
Die beiden Feststellungen hängen zusammen, wie Queen Elizabeth vor sieben Jahren er­fuhr. Britanniens Königin war an der London School of Economics zu Besuch.

Sie stellte den dortigen Wissenschaftlern eine einfache Frage: Warum hatte keiner der hochdekorierten Ökonomen den Kollaps der Finanzwelt im Jahr 2008 kommen sehen?

Selbstverständlichkeit des Systems

Die triviale Antwort: Es lag an der Selbstverständlichkeit des Systems. Dass der Bankomat Geldnoten ausspuckt, dass Hauskäufer Hypotheken erhalten, dass Hypotheken verpackt und weiterverkauft werden – all dies war den Akademikern völlig normal vorgekommen. Das System hatte so reibungslos funktioniert, dass die Unwägbarkeiten des Geldes selbst an Englands renommiertester Wirtschaftsuniversität schlicht vergessen gegangen waren. Unwägbarkeiten wie: Wird das Geld als Zahlungsmittel akzeptiert? Wird es seinen gestrigen Wert auch morgen noch haben? Ist es sicher?

Die Philosophen von Yap

Einfache Gesellschaften verwendeten Muscheln, seltene Steine oder Schmuck als Geld. Auf Yap, einer Pazifikinsel 1400 Kilometer östlich der Philippinen, hat sich bis heute eine einzigartige Lösung für den Warenaustausch gehalten. Das traditionelle Geld besteht dort aus «Rai»: Mannshohen, in der Mitte durchbohrten Kalksteinscheiben.

Durch das Loch in der Mitte wird ein Baum­ stamm gesteckt, sodass zwei Männer einen Rai schultern können. Allerdings – das ist das Spezielle am Steingeld auf Yap – ist der physische Transport oft gar nicht nötig. Manche Steine stehen Jahrzehnte im selben Garten. Die gemein­same Erinnerung an eine Transaktion genügt den Inselbewohnern. Zur Gedächtnisstütze über längere Zeit dienen im Rai eingeritzte Zeichen.

Geld beruht auf gegenseitiger Anerkennung, auf Vertrauen. Auf dem kleinen Yap muss dieses Vertrauen besonders gross gewesen sein. So gross, dass selbst Steine noch als Vermögen anerkannt wurden, die bereits vor «zwei oder drei Generationen» versehentlich ins Meer gefallen waren, wie der amerikanische Abenteurer William Furness im Jahr 1903 berichtete. Mit ihrem Steingeld überwanden die Yapesen die elementaren Hürden der Tauschwirtschaft. Sie schufen Geld: Ein System gegenseitiger Versprechen und Schuldanerkennungen.

Achillesferse des Geldes

Dieses Geld ist ein prekäres Medium. Denn: Nicht immer werden Schulden zurückgezahlt. Dies hatten nicht nur die Wissenschaftler der London School of Economics vergessen, sondern auch die meisten Kunden der Northern Rock. Diese 1,4 Millionen Menschen hatten Grossbritanniens achtgrösste Bank stets für ein solides Geldhaus gehalten. Eines, das Geld verleiht, Geld herumschickt, Geld aufbewahrt.

Umso grösser war die Überraschung, als Northern Rock plötzlich Mühe hatte, diese vermeintich simplen Tätigkeiten auszuführen. Die Bank hatte sich verspekuliert, keiner wollte mehr ihr Geld leihen. Der Tag, an dem dies offensichtlich wurde, war der 14. September 2007. Es war der Tag des Bank Run: Unvermittelt standen Tau­ sende vor den Filialen von Northern Rock an, um ihr Geld abzuheben. Sie hatten Angst, dass andere ihnen zuvorkommen würden und plötzlich keine Scheine mehr da wären. Geld ist riskant: Darauf verweist das Phänomen des Bank Run, das manche auch Achilles­ ferse des Finanzsystems nennen. Doch warum blenden wir dies im Alltag konsequent aus?

Zauber der Transformation

Die Antwort darauf lautet: Es sind die Banken. Sie sorgen mit ihrer Tätigkeit dafür, dass wir Kre­ dite nicht mehr als das ansehen, was sie eigentlich sind – nämlich risikobehaftete und illiquide Investments –, sondern dass wir diese Kredite als praktisches und vermeintlich auch sicheres Geld an andere Leute weiterreichen können.

Die Zauberwörter heissen: Risikotransformation, Losgrössentransformation, Fristentrans­ formation. Risikotransformation bedeutet: Ein Kredit geht nicht an einen Schuldner, sondern wird auf viele Investments diversifiziert. Losgrössentransformation bedeutet: Jemand zahlt X Franken ein, jemand anders erhält unabhängig davon Y Franken Kredit. Fristentransformation bedeutet: Geld, das jederzeit verfügbar ist, finanziert langfristige Projekte.

Als Papier zu Gold wurde

Die Perfektion dieser heute selbstverständlichen Techniken hat Jahrhunderte gedauert. Den Anfang machten italienische Kaufleute. Um den Handel über grosse Distanzen zu vereinfachen, erfanden sie im Mittelalter eine neue Art von Geld: Die Banknote. Das früheste derartige Papier datiert von 1368. Ausgestellt hatte es die Florentiner Familie Tornaquinci über ihre Bankiers.

Als Scheck diente die Banknote ursprünglich genau einem Zweck: Dem Verkäufer eine Zusicherung zu geben, dass er die Ware nicht umsonst hergegeben hatte, sondern von der Bank des Käufers dereinst Gold im gleichen Wert erhalten würde. Bald fanden die mittelalterlichen Händler aber eine weitere Verwendung für die Papiere: Sie gaben die Noten an Dritte weiter.

Praktisches Papiergeld

Das Papiergeld erwies sich als praktisch. Es zirkulierte auf Märkten und Messen von Lyon bis Venedig, sporadisch verrechneten die einflussreichen Kaufleute ihre gegenseitigen Schulden. Die neue Erfindung erlaubte es erstmals, Kredite zwischen Privatpersonen in allgemein akzeptiertes Geld umzuwandeln – etwas, das mit den gebräuchlichen Gold­, Silber­ und Kupfermünzen zuvor nicht möglich gewesen war.

Dass wir die beiden Geldformen heute als gleichwertige Substitute verwenden, liegt nicht ohne Weiteres auf der Hand. Sondern es ist das Resultat einer weiteren Erfindung der frühen Neuzeit: Der unabhängigen Notenbank.

Die Notenbank war die Antwort der entstehenden Demokratien auf zwei Schwierigkeiten: auf die Handhabung der Münzpresse durch Herrscher, die immer wieder den Edelmetallgehalt ihrer Währung abändern mussten, und auf das Misstrauen der gewöhnlichen Leute gegenüber den Noten der Bankiersfamilien. Metallgeld war unhandlich, Papiergeld verdächtig.

Die Monopolherrschaft

Diese Probleme löste die neue Institution, deren Prototyp bis heute an der Londoner Threadneedle Street steht: Die Bank of England. Mit privatem Kapital 1694 gegründet, erhielt sie von der Krone eine wichtige Aufgabe: Dem Staat als Bank zu dienen. Im Gegenzug gewährte der König den Financiers ein grosses Privileg. Die Bank erhielt das exklusive Recht zur Ausgabe von Banknoten.

Das Monopol existiert noch immer. Und das ist kein Zufall: Notenbanken stehen bis heute an der Basis unseres Geldsystems. Das Geld, das diese Institute ausgeben, geniesst staatliche Legitimität. Es dient den Geschäftsbanken als Währung, um ihre gegenseitigen Verbindlichkeiten abzurechnen. Auf Englisch heisst dieses Geld deshalb auch «outside money»: Geld, das ausserhalb des Bankensystems existiert. Dies im Gegensatz zu «inside money», jenem Geld, das Geschäftsbanken in Eigenregie produzieren. Früher mit Tinte und Federstrich, heute per Tastendruck auf dem Bankencomputer.

Hierarchie steht Kopf

«Outside money» bildet die Basis für «inside money», doch im Alltag steht die Hierarchie auf dem Kopf. Zwischen 85 und 90 Prozent unseres flüssigen Vermögens, das wir im Alltag als «Geld» bezeichnen, besteht aus Einlagen bei den Geschäftsbanken, also im Grunde genommen aus privatem Buchgeld. Nur den kleinsten Teil unseres Geldes halten wir in staatlichem Bargeld.

Die Tatsache, dass wir beide Geldformen den­ noch als gleichwertig ansehen, ist die wohl beeindruckendste Errungenschaft des Finanzwesens überhaupt. Doch sie ist auch die gefährlichste. Denn sie verleitet Banken zur Spekulation und zwingt den Staat dazu, den Finanzhäusern um­ fangreiche Garantien abzugeben.

Schaffung der Federal Reserve

Einer, der um dieses Dilemma wusste, war Benjamin Strong, der erste Gouverneur der 1914 gegründeten Federal Reserve Bank of New York. Strong hatte miterlebt, wie die Finanzwelt um die Jahrhundertwende wiederholt von Krisen heimgesucht worden war. 1907 brachte ein Bank Run sogar das drittgrösste Institut der USA zu Fall, die Knickerbocker Trust Company.

Um das Auf und Ab zu beenden, setzte sich Strong damals für die Schaffung der Federal Reserve ein. Die Notenbank sollte als Kreditgeber der letzten Instanz fungieren, der Banken im Krisenfall unbeschränkt mit Liquidität versorgt: Dann, wenn die Geld­ und Kreditschöpfung im Bankensystem, die sich über die Zeit nach und nach aufgebaut hat, auf einen Schlag in sich zusammenfällt.

Falsche Sicherheiten

Zum selben Zweck wurde später die Federal Deposit Insurance Company geschaffen, eine Versicherung für private Bankeinlagen. Auch die Schweiz kennt einen solchen Mechanismus, der Bankguthaben bis zu 100 000 Franken schützt. Die Kehrseite dieser Sicherungen: Sie animieren Banken zum Eingehen grösserer Risiken. Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts schien dies kein Problem – man glaubte, die Banken regulatorisch im Griff zu haben. Der Trugschluss offenbarte sich in der jüngsten Finanzkrise.

Ursprung dieser Krise ist der finanzielle Big Bang der 1980er­Jahre. Die Wirtschaft boomte, Vorschriften wurden gelockert. Der Computer hielt Einzug in die Bankenwelt. Eine völlig neue Art der Geldschöpfung entstand: ausserhalb der Bankbilanz übers kaum regulierte Schattenbankensystem mit seinen Geldmarktfonds, Kreditverbriefungen, Ausfallversicherungen und anderen neuen Finanztechniken. Das neue Geld basierte auf Wertpapieren, die zwar keine Dollars waren, aber fixe Nennwerte in Dollar hatten – und über Nacht auch gegen Dollars eingetauscht werden konnten.

Prekäre Eigenschaften

Die Finanzkrise machte deutlich, dass dieses Geld dieselben prekären Eigenschaften hat wie andere Geldformen auch. Zweifel darüber, welche Banken noch solvent waren, lösten 2007 eine Verkaufspanik aus. Das über Jahre aufgebaute Vertrauen ins verschachtelte Kreditgeld löste sich plötzlich in Luft auf. Geld zu schöpfen schien jetzt nicht mehr profitabel, sondern ein Verlustgeschäft.

Das abrupte Ende des Kreditzyklus veranlasste Notenbanken und Regierungen weltweit zum Handeln. Es drohte eine Unterversorgung der Realwirtschaft, ein Zusammenbruch des Zahlungsverkehrs. Umfangreiche Liquiditäts­ und Staatsgarantien wurden nötig, um das System zu stabilisieren. Die Geschichte des Geldes ist ernüchternd. Die moderne Gesellschaft sieht sich mit denselben Fragen konfrontiert wie einst die Bewohner von Yap. Ist ihr Geld sicher? Wird es auch morgen noch da sein? Die Fragen bleiben ungeklärt – trotz den unheimlichen Anstrengungen, die im Lauf der Jahrhunderte unternommen wurden, um das System zu stärken.

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/die-prekaere-geschichte-des-geld...

 

 

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18.06.2015 17:06
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Griechen plündern ihre Bankkonten

Mit der wachsenden Pleitegefahr für Griechenland hat sich der Abfluss von Kundengeldern bei den Banken des Landes zuletzt dramatisch beschleunigt.

In den ersten drei Tagen der Woche seien von Kunden Einlagen von insgesamt rund zwei Milliarden Euro abgehoben worden, erfuhr Reuters am Donnerstag aus Bankenkreisen in der griechischen Hauptstadt. Damit habe sich das Tempo der täglichen Abhebungen verdreifacht. Bevor die Expertengespräche zur Beilegung des Schuldenstreits am Wochenende abgebrochen wurden, waren pro Tag zwischen 200 und 300 Millionen Euro von Bankkunden abgehoben worden.

Die Abhebungen im Zeitraum von Montag bis Mittwoch entsprechen einem Anteil von rund 1,5 Prozent der gesamten Guthaben von privaten und Firmenkunden bei griechischen Geldinstituten. Diese beliefen sich Ende April auf 133,6 Milliarden Euro.

Zwischen Oktober und April hat die anhaltende Griechenland-Krise die Geldhäuser des Landes rund 30 Milliarden Euro an Kundeneinlagen gekostet.

http://www.cash.ch/news/front/griechen_pluendern_ihre_bankkonten-3336727...

 

Das sieht man wieder Mal, was der Euro für gewisse Menschen für einen Wert hat.

 

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08.06.2015 11:32
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Lehren aus der Geschichte: «Grexit» muss kein Desaster sein

Seit 1945 ist es weltweit zu über 70 Austritten aus Währungsunionen gekommen. In den meisten Fällen führte dies zu einer Ankurbelung des Wachstums.

http://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/grexit-muss-kein-desaste...

 

Die Schweiz war vom 23. Dezember 1865 faktisch bis 1914 und formal bis zum 31. Dezember 1926 Mitglied der Lateinischen Münzunion
http://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_M%C3%BCnzunion

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05.06.2015 17:13
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Fine-Tuner hat am 04.06.2015 - 15:21 folgendes geschrieben:

Würde der Kanton Zürich den Bund der Kantone verlassen und eine eigene (Bananen)Republik gründen, ...

... dann müsste Zürich seinen Beamtenapparat aufbauen, um die neu hinzugekommenen staatlichen Aufgaben zu erledigen, die nun in Bern liegen. Ministerien, Sicherheit, eigene Währung etc. etc.
Wie viel dann vom Überschuss Zürichs noch übrig bliebe ... ?

05.06.2015 17:09
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Warum Ecuador seine eigene Währung aufgeben musste

 

Ecuador wurde durch Erdölfunde schlagartig reich. Allerdings hielt dieser Wohlstand nur für kurze Zeit. Mit dem Land und der Währung ging es bergab. Die Regierung sah nur noch eine Möglichkeit.

....

Als rettende Maßnahme beschloss die Regierung schließlich die Dollarisierung: Die eigene Währung wurde abgeschafft und durch den US-Dollar ersetzt.

 

.....

 

http://www.welt.de/finanzen/article141989782/Warum-Ecuador-seine-eigene-...

 

weico

05.06.2015 16:53
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Die Willensnation wird vom freien Menschen gebildet, der sich selbstbestimmt der Nation anschließt. Eine Willensnation kann vom Staat nicht verordnet, sondern nur gefördert werden, indem er nicht die Macht der Zentrale stärkt, sondern die Bürgergesellschaft pflegt. Sie entsteht aufgrund des freien Willens souveräner Bürger von unten nach oben, wenn diese bereit sind, in hohem Maße Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen und die Gemeindeautonomie sowie die föderalstaatliche Hoheit zu respektieren. Die Entwicklung einer solchen politischen Kultur braucht eine lange Zeit des Heranwachsens.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Willensnation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Franken

 

 

 

 

weico

05.06.2015 11:53
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Staatenbund

historisch

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Staatenbund

 

Mit dem Geldsysteme-Thread hat auch das nichts zu tun.

 

 

 

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04.06.2015 17:42
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Fine-Tuner hat am 04.06.2015 - 15:21 folgendes geschrieben:

...die Starken tragen die Schwachen....daran bemisst sich nun mal die Qualität einer jeden Gemeinschaft....der Schweizerischen wie auch der Europäischen.

Fiine-Tuner

..die Schweiz ist eine WillensNATION...die EU ist nur ein StaatenVERBUND.

Darum hat die EU (und die Gemeinschaftswährung..) schlicht eine deutlich schwächere Qualität...als die Schweiz/Franken.     Angel 

 

weico

04.06.2015 15:21
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weico hat am 28.05.2015 - 18:32 folgendes geschrieben:

Fine-Tuner hat am 28.05.2015 - 02:52 folgendes geschrieben:

genauso wird sich auch der € entwickeln, weil Europa Substanz hat.

..der Euro zum CHF, geht den gleichen Weg wie die DM. Runter...!

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Mark#Au.C3.9Fenwert_der_Deutschen_...

 

Würde Deutschland den EURO verlassen...ginge der EURO den gleichen Weg wie die Lira,Peseta..usw

 

 

weico

 

 

 

 

Würde der Kanton Zürich den Bund der Kantone verlassen und eine eigene (Bananen)Republik gründen, was er theoretisch könnte (und wäre bei Weitem nicht der kleinste Staat Europas)...

....ginge der CHF den Bach ab und Kantone wie Jura, Glarus, Uri, Wallis, Graubünden etc. etc. müssten ihre Gemeinderechnung beim Konkursrichter deponieren....oder die Steuern verzehnfachen...

...die Starken tragen die Schwachen....daran bemisst sich nun mal die Qualität einer jeden Gemeinschaft....der Schweizerischen wie auch der Europäischen.

Fiine-Tuner

29.05.2015 11:11
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«Wir haben zu viele schlechte Schulden»

Schulden sind das wahre Übel für die Wirtschaft, sagt der Makroökonom Daniel Stelter. Im Interview erklärt er, wieso das Vollgeld dennoch nicht die ultimative Lösung ist.

..

Genau das fordern Befürworter von Vollgeld. In der Schweiz werden aktuell Unterschriften für eine entsprechende Initiative gesammelt. Würden Sie dafür stimmen?
Ich bin in dieser Frage hin- und hergerissen. Vollgeld ermöglicht einen Schuldenschnitt durch die Hintertür. Für mich wäre es die eleganteste Art und Weise, die Schulden zu bereinigen. Denn anders als bei einem normalen Schuldenschnitt, bei dem die Gläubiger alles verlieren, verliert beim Vollgeld niemand. Das hat eine Simulation durch den Internationalen Währungsfonds gezeigt. Die Notenbanken würden für die Staatsschulden aufkommen.

..

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/europa/wir-haben-zu-viele-schlec...

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28.05.2015 18:32
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Fine-Tuner hat am 28.05.2015 - 02:52 folgendes geschrieben:

genauso wird sich auch der € entwickeln, weil Europa Substanz hat.

..der Euro zum CHF, geht den gleichen Weg wie die DM. Runter...!

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Mark#Au.C3.9Fenwert_der_Deutschen_...

 

Würde Deutschland den EURO verlassen...ginge der EURO den gleichen Weg wie die Lira,Peseta..usw

 

 

weico

 

 

 

 

28.05.2015 09:55
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Goldbuggy hat am 28.05.2015 - 09:25 folgendes geschrieben:

Und zur Erfolgsgeschichte Europas - die hat nur funktioniert da....

dank der Montan-Union. Die war die Grundlage für die EU. Und seither gab es auf dem Gebiet der EU (nicht Europa) keinen Krieg mehr.

Manche wissen das nicht zu schätzen.

 

Eben in nano erschienen:

Blindgänger

Gefährliche Kriegshinterlassenschaft im Boden: Zigtausende gefährliche Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen seit Jahrzehnten im Boden. Wie viele der Sprengkörper nicht explodierten, ist unbekannt.

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=46942

 

 

Vergessene Gefahr: Zeitzünderbomben

Fast siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs liegen nach Einschätzung von Experten immer noch rund 100.000 Tonnen Bomben und Munitionsreste in Deutschland unter der Erde.

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/ex...

 

 

Die Zeitzünderbomben wurden damals darum abgeworfen, damit die Industrieanlagen nicht so schnell repariert werden konnten. Keiner hat sich in die Nähe getraut.

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

28.05.2015 09:25
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Fine-Tuner hat am 28.05.2015 - 02:52 folgendes geschrieben:

(...) genauso wird sich auch der € entwickeln, weil Europa Substanz hat.....Europa (und dabei meine ich das Territoriale und nicht das politische Europa) ist eine 5'000 jährige Erfolgsgeschichte, die  erst begonnen hat......

Fine-Tuner

Eine sehr sehr gewagte Hypothese, die an bodenlose Spekulation mit einem gewissen schwarzen Humor grenzt. Na ja lassen wirs. Anscheinend deutet jeder die Zeichen der Zeit anders. Und zur Erfolgsgeschichte Europas - die hat nur funktioniert da x europäische Staaten andere Länder der Welt Jahrhunderte lang beklaut und ausgebeutet haben, ähnlich dem, was heutzutage das Establishment, vorwiegend dem amerikanischen, treibt. Das hat sich aber grundlegend verändert. Jetzt wird Europa zur Kasse gebeten. 

28.05.2015 02:52
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Bei einigen fehlt der Rück-, Aus-, Weit- und Durchblick völlig.

Noch vor 170 Jahren gab es auf heutigem Schweizer Boden rund 48 Währungen...nebst dem Zürcher Thaler, den Basler Dukaten oder den Schwyzer Batzen Dutzende weitere.....wer von Genf nach St. Gallen wollte musste 24 mal Zoll bezahlen.... anlässlich der Gründung des heutigen Bundesstaates 1848 wurden alle Währungen aufgehoben und der CHF eingeführt.... es dauerte Jahre bis die Akzeptanz für diese Zoll- und Währungsunion im Volk und den Ständen vorhanden war.....seither hat sich der CHF entsprechend der Substanz der schweizerischen Volkswirtschaft zu einer pickleharten Währung entwickelt.....genauso wird sich auch der € entwickeln, weil Europa Substanz hat.....Europa (und dabei meine ich das Territoriale und nicht das politische Europa) ist eine 5'000 jährige Erfolgsgeschichte, die  erst begonnen hat......

Fine-Tuner

26.05.2015 14:29
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In England ist Bargeld nicht mehr hip

Ökonomen sagen Bargeld den Kampf an. Es sei Zeitverschwendung. In England ist man – anders als hierzulande – ganz dieser Meinung.

http://www.20min.ch/finance/news/story/In-England-ist-Bargeld-nicht-mehr...

 

Es ist wie bei z.B. beim Thema Inflation. Es dauert bei einigen hier im Forum wieder länger bis sie merken, dass sie einen Trend verpennen.

 

Snickers, wenn's mal wieder länger dauert
Der Bauer hat gesagt
https://www.youtube.com/watch?v=rbdGbmLkOtI

 

und täglich grüsst das Murmeltier....

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26.05.2015 13:01
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Goldbuggy hat am 26.05.2015 - 12:40 folgendes geschrieben:

Elias, du hast scheinbar noch nicht ganz begriffen, dass der Frankenkurs keinesfalls gegenüber den Fremdwährungen EUR oder USD künstlich gesteuert werden soll. Ungefähr wie in den 70er und 80er Jahren, wo alle Konfettiwährungen des Typs Lira, DM, Ptas, Drachmen, USD etc. mehr oder weniger schnell dem Schweizer Franken gegenüber an Wert verloren haben und sich die Schweizer Industrie immer in nützlicher Frist hat anpassen können. Studiere mal die Kurse dieser Währungen dem CHF gegenüber ca. vom Jahr 1970 an, damit du wenigstens ein bisschen Übersicht erhältst. 

Dazu habe ich auch schon mehrfach gepostet. Auch z.B. zu Lira und Scala-Mobile.

Ich wiederhole mich zum x-ten Mal: Baden-Württemberg alleine ist schon wichtiger als die USA als Handelspartner mit 20%. Zusammen mit Bayern machen sie mehr als 30% des CH-Aussenhandels aus.

 

Also nochmals der gleiche copy-paste. Spart Zeit, da du es auch jetzt wieder nicht verstehen wirst.

Die Geschichte der schweizerischen Währungspolitik seit Freigabe des Wechselkurses 1973 zeigt, dass die Nationalbank immer wieder extreme Aufwertungen bekämpfte. 1978 setzte sie zum Beispiel mit einer umfangreichen Devisenintervention durch, dass der Yes 3  CHF/DM-Kurs nicht unter die Marke von 80 Rappen pro DM fiel. Falls sich der Schweizer Franken noch einmal massiv aufwerten sollte, müsste die SNB wieder intervenieren. Aber wegen der missglückten Intervention vom Frühjahr 2010 hat sie keinen Spielraum mehr. Einmal mehr kann man nur hoffen, dass die Eurozone-Länder die Krise bald entschärfen.

PS: Wer mehr über die Unberechenbarkeit des Wechselkurses erfahren möchte, dem sei ein gut lesbarer wissenschaftlicher Aufsatz von Kenneth Rogoff aus dem Jahr 1996 empfohlen.

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/3910/der-unbe...

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26.05.2015 12:46
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http://www.finanzen.ch/rohstoffe/goldpreis/EURO

 

Hier der Chart EUR / Gold seit 1999 - es ist nicht der Goldwert gestiegen, es ist der EUR Wert gefallen. Ähnlich wie die aneinander gekoppelten Konfettiwährungen. 

26.05.2015 12:40
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Elias, du hast scheinbar noch nicht ganz begriffen, dass der Frankenkurs keinesfalls gegenüber den Fremdwährungen EUR oder USD künstlich gesteuert werden soll. Ungefähr wie in den 70er und 80er Jahren, wo alle Konfettiwährungen des Typs Lira, DM, Ptas, Drachmen, USD etc. mehr oder weniger schnell dem Schweizer Franken gegenüber an Wert verloren haben und sich die Schweizer Industrie immer in nützlicher Frist hat anpassen können. Studiere mal die Kurse dieser Währungen dem CHF gegenüber ca. vom Jahr 1970 an, damit du wenigstens ein bisschen Übersicht erhältst. 

26.05.2015 11:10
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Goldbuggy hat am 26.05.2015 - 08:00 folgendes geschrieben:

Fine Tuner, was passierte als die SNB aufgehört hat den Euro zu stützen? Wer hat da an Flughöhe verloren? Aber als Witz ist dein Beitrag eigentlich ganz gut, lachen ist ja bekanntlich gesund 

Nur traurig dass die SNB diese Konfettiwährung weiter stützt und uns so unsere Renten dezimiert. Aber was würden für für unsere unfähigen Brüsseler Genossen nicht alles tun, gell. 

Dein Beitrag läuft ebenfalls unter der Rubrik "Witz des Jahres".

In allen Zeitungen steht seit Jahren, dass die EZB (auch auf langjährigen Wunsch der FED) den Euro schwächen soll/muss/will.
Die SNB wollte ebenfalls den Franken schwächen.
Gegenüber Euro und Dollar

Und deine unfähigen Rettet-Unser-Gold-Genossen wollten eben erst den Franken ja noch stärker machen und deinen bejammerten Pensionskassengelder in Gefahr bringen.

 

N.B. ich hänge weder am Euro noch am Dollar. Es sind Währungen und ihr Zustand ist so wie er ist. Für beide Währungen wird nun seit bald 10 Jahren der Untergang hier im Cash-Forum vorsausgesagt. Ich nehme solche Postings und deren Verfasser schon lange nicht mehr ernst. Dauernd der selbe Müll.

 

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Benjamin Franklin

26.05.2015 08:00
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Fine Tuner, was passierte als die SNB aufgehört hat den Euro zu stützen? Wer hat da an Flughöhe verloren? Aber als Witz ist dein Beitrag eigentlich ganz gut, lachen ist ja bekanntlich gesund 

ROFL

Nur traurig dass die SNB diese Konfettiwährung weiter stützt und uns so unsere Renten dezimiert. Aber was würden für für unsere unfähigen Brüsseler Genossen nicht alles tun, gell. 

25.05.2015 16:37
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Fine-Tuner hat am 25.05.2015 - 15:42 folgendes geschrieben:

 

Der € ist eine der bedeutendsten Errungenschaften des europäischen Kontinent seit der Romanisierung durch die Römer vor 2000 Jahren. Er gibt dem  Kontinent die notwendige Durchschlagskraft und Bedeutung die er verdient.

ROFL

Von Beginn an,ist der EURO ein absoluter Konstruktionsfehler.

Wenige  merkten es schon zum Voraus,Einige merken es Jetzt und die grosse,naive Masse... wird es sicherlich noch (be)merken . Biggrin

 

 

weico

25.05.2015 15:42
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Phönix aus der Asche

Krass tiefes Niveau. .....Nonsens über Nonsens... wo lernt man solchen Shit...hoffentlich nicht in der Schule.

Der € ist eine der bedeutendsten Errungenschaften des europäischen Kontinent seit der Romanisierung durch die Römer vor 2000 Jahren. Er gibt dem  Kontinent die notwendige Durchschlagskraft und Bedeutung die er verdient. Europa war, ist und wird weiterhin weltweiter Taktgeber in allen relevanten Fragen des menschlichen Lebens sein. Aufgeblähte Retorten wie die USA, China, Brasilien, Russland etc. etc. spielen in einer ganz anderen Liga. Wo ist da Substanz?

Wer die Bedeutung des € auf den aktuellen Tageskurs reduziert, degradiert sich selber zum ignoranten Erbsenzähler. Ihnen fehlt einfach die notwendige Flughöhe um über den nächsten Hügel zu sehen.

jmho

Fine-Tuner

24.05.2015 18:29
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Was der Euro "wert" ist, sah man ja schön in der kurzen Zeitspanne, wo die SNB die Konfettiwährung zu stützen aufgehört hat. Wären nicht sofort bei 1.05 weitere Stützmassnahmen erfolgt, wäre der Euro jetzt schon nur eine tragik- komödiante Geschichte als Beweis Brüssels absoluter politischer und wirtschaftlicher Unfähigkeit und Ignoranz. 

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