Geldsysteme

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MarcusFabian
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Bullish hat am 23.08.2013 - 15:51 folgendes geschrieben:


@weico und ich haben NIE davon gesprochen "dass Gelder weitergegeben werden", schon gar nicht Gelder von der Notenbank via Bankensystem aus irgend einer obskuren "Geldmenge", sondern immer davon, dass das Geld nur per Kreditgeschäfte, die Bankkunden bei Banken nachfragen, entstehen kann und dass diese immer ein Eingriffsrecht ins Eigentum des Gläubigers durch den Geldempfänger erlauben.

 

Soweit bin ich durchaus mit Dir und weico einverstanden. Aber halten wir fest, das gilt für private Schuldner und Unternehmen. Wobei sich auch hier die Frage stellt, in wie weit all die Subprime-Kredite tatsächlich durch Sachwerte gedeckt sind.

Was ist mit Krediten an den Staat? Frei nach weico sind die durch die Fähigkeit des Staates gedeckt, Steuern zu erheben. Also steht hier zumindest kein verpfändbares Eigentum dem Kredit gegenüber.

Betrachten wir es global: Die Geldmenge hat sich seit 2008 in etwa verdoppelt, ist also um rund 30 Billionen Dollar gestiegen.

Somit müsste es 2008 unbesichertes Eigentum im Wert von 30 Billionen Dollar gegeben haben, das mittlerweile verpfändet ist, um diese Geldmenge überhaupt entstehen zu lassen. Ist das Deiner Meinung nach gegeben???

 

weico
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MarcusFabian hat am 24.08.2013 - 12:27 folgendes geschrieben:


Was ist mit Krediten an den Staat? Frei nach weico sind die durch die Fähigkeit des Staates gedeckt, Steuern zu erheben. Also steht hier zumindest kein verpfändbares Eigentum dem Kredit gegenüber.

...ob verpfändbares Eigentum vorhanden ist,entscheidet sich beim:

In der Schweiz werden pro Jahr mehr als zwei Millionen Betreibungen eingeleitet. Es werden im Durchschnitt jährlich zirka 22 % aller Einwohner betrieben. Die Totalsumme aller Betreibungen übersteigt jedes Jahr den Betrag von einer Milliarde Franken. Ungefähr ein Drittel aller Betreibungen sind für Steuerforderungen von Bund (vor allem Mehrwertsteuer), Kantonen und Gemeinden.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Betreibung

 

 

 

weico

 

MarcusFabian
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Du behauptest also, man könne den Staat betreiben?
Ist das Deine Aussage?

weico
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MarcusFabian hat am 24.08.2013 - 15:21 folgendes geschrieben:

Du behauptest also, man könne den Staat betreiben?
Ist das Deine Aussage?

NEIN.

Der Staat kann seine Steuerpflichtigen betreiben,um seine Steuerhoheit durchzusetzten. Es ging mir um die Sicherheiten der Staatsanleihen.

MarcusFabian hat am 20.08.2013 - 22:14 folgendes geschrieben:


Aber gegen den Staat als Kreditnehmer? Der Staat hinterlegt für seine Staatsanleihen keinerlei Sicherheiten.

 

MarcusFabian hat am 24.08.2013 - 12:27 folgendes geschrieben:

 

Was ist mit Krediten an den Staat? Frei nach weico sind die durch die Fähigkeit des Staates gedeckt, Steuern zu erheben. Also steht hier zumindest kein verpfändbares Eigentum dem Kredit gegenüber.

 

 

Bei einem Staat,der die Macht hat,sieht es so aus:

http://www.eigentumsoekonomik.de/docs/AP-2-Enghofer-Knospe-formatiert.pdf

 

Aus dem Link:

"Dem Staat wird eine theoretisch unendliche „Lebensdauer“ unterstellt, die ihm aufgrund der Be-
steuerungshoheit  eine  nahezu  grenzenlose  Verschuldung  ermöglicht.  Die  Solidität  des  Wirt-
schaftssystems  beruht  aber  auf  der  Erfüllung  der  eingegangen  Schuldkontrakte  zum  Fälligkeits-
termin. Der sonst so essentielle Anreiz zur Deckung der Schulden ist beim Staat aber nicht vor-
handen, eben weil er „ewig“ prolongieren – also fällige Schulden mit neuen ablösen – kann und
genau das aus Anreizinkompatibilitäten auch tut.
Außerdem stellt der Staat ja gerade das Machtmonopol, welches für den Schutz der Eigentums-
rechte unerlässlich ist und die Leistungserstellung durch die Haftung der privaten Akteure durch
die  Zwangsvollstreckung  ins  Vermögen  sicherstellt.  Diese  Zwangsvollstreckung  bei  Nicht-
Erfüllung der Schulden zum Fälligkeitstermin ist nun aber gerade durch das beim Staat befindli-
che Machtmonopol in diesen gar nicht möglich. "

 

Die daraus folgende exponentielle Staatsverschuldung bringt mehrere negative Effekte mit sich:
Inflation,  Instabilität  und  Verzerrung  und  Verdrängung  der  Marktprozesse.  „Ewig“  prolongierte
Schulden führen zu Inflation, weil das damit entstandene 73  (Anrecht auf) Geld für die Zeitdauer
des Schuldverhältnisses nicht verschwindet und dann bei Fälligkeit des Schuldtitels mit neuem –
und zwar um den fälligen Sollzins mehr – (Anrechten auf) Geld abgelöst wird. Wobei weder für
die  ursprüngliche  noch  für  die  anschließende  Verschuldung  eine  marktliche  Leistung  erzeugt
werden muss, da diese ja nicht getilgt, sondern nur prolongiert wird.

Die Staatsschulden sind eben darum als die schlechteste Schuldenform in einer Eigentumsgesell
schaft
und müssten institutionell – etwa durch harte Verfassungsgrundsätze – deutlich stärker und
zwingender beschränkt, bestenfalls jedoch vollständig ausgeschlossen werden. "

 

Fazit:

Wenn Staaten die Anleihen eines anderen Staates falsch einschätzen...bzw. die Sicherheiten dieser Kredite vernachlässigen wird es schwierig.Dann gibt's die (historisch schon oft vorgekommenen) "Lösungen", .......:

 

-die eigene Dummheit eingestehen und (teil)verzichten,"prologieren"  usw.

-mit "sanfter Gewalt" seine wirtschaftliche  Stärke ausspielen usw.

-mit militärischen Mitteln (Krieg) sich das vermeintliche zurückholen usw.

 

 

... mit ihren unangenehmen Nebeneffekten..

 

 

weico

 

 

 

 

MarcusFabian
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Also jetzt mal konkret:

Die Amis haben bei den Chinesen rund eine Billion Dollar Schulden.
Was machen die Chinesen jetzt, um diese Schulden einzutreiben?
Den Staat betreiben? Seine Steuerpflichtigen? Kriegen sie dafür Alaska oder General Electric oder Microsoft?

Wie stellst Du Dir das konkret vor?

 

weico
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MarcusFabian hat am 24.08.2013 - 18:07 folgendes geschrieben:

.........                                                                                                                                                                        Die Amis haben bei den Chinesen rund eine Billion Dollar Schulden.
Was machen die Chinesen jetzt, um diese Schulden einzutreiben?                                                             .........                                                                                                                                                                     Wie stellst Du Dir das konkret vor?

Solange die Symbiose zwischen den BEIDEN wunderbar funktioniert (Chimerica) und sie damit BEIDE zufrieden sind (bzw. ihre Vorteile darin sehen) ,geht ja alles wunderbar.BEIDE werden wohl ihre wirtschaftliche- und politisch/strategische usw. Gründe für diese Symbiose haben.

 

Auch China hat aber am Schluss,zur Schuldeneintreibung, nur die Möglichkeit...

 

... der schon aufgezählten Punkte:

-die eigene Dummheit eingestehen und (teil)verzichten,"prologieren"  usw.

-mit "sanfter Gewalt" seine wirtschaftliche  Stärke ausspielen usw.

-mit militärischen Mitteln (Krieg) sich das vermeintliche zurückholen usw.

 

 

P:S: ...gefährlich (Krieg) wird es eigentlich immer erst dann,wenn die eigenen inneren Probleme  (siehe Link)

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/13902/die-ent...

 

...durch "nationale Gröfaz-Politik" verdrängt wir und dann ein "Schuldiger her muss".Krieg zwischen Beiden, halte ich aber als relativ ausgeschlossen.

 

 

weico

 

 

 

 

 

 

Elias
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Inflation in der Geisterwelt macht Hongkong Sorgen

Im Geistermonat  :bye: verbrennt die chinesische Bevölkerung traditionell Geld für ihre Verstorbenen. Doch nun macht sich ein irdisches Problem in der Unterwelt breit: die Inflation.

http://www.20min.ch/panorama/news/story/Inflation-in-der-Geisterwelt-mac...

 

Wenn Geld verbrennt wird, verschwindet es im Nichts.

 

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sime
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"In Zeiten, wo die Lüge die ganze Welt beherrscht, ist die Wahrheit zu sagen ein revolutionärer Akt."

George Orwell

 

Noch besser ist, dass es Leute gibt, die den Mut haben, für eine höhere Sache als für sich selbst einzutreten und dafür zu kämpfen, die ungerechte Unordnung zurück in einen für alle gerechteren Zustand zu bringen, auch wenn man dabei selbst sich in grosse Schwierigkeiten und persönliches Unglück bringt. Es ist eine Sache, aus einem alle betreffenden Unglück sein persönliches Glück zu finden und eine andere, aus einem alle betreffenden Unglück sich selber Unglück zuzufügen, um für ein alle betreffendes Glück zu kämpfen.

 

http://www.youtube.com/watch?v=EiQAwZ4mt8A

weico
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   Prof. Heinsohn über die Geldschöpfung der Geschäftsbanken

 

 

http://www.malik-management.com/de/pdf/heinsohn-malik-blog-antworten/mal...

 

weico

MarcusFabian
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Ein ganz interessantes Interview, das Dirk Müller am 9. September bei ORF3 gegeben hat.

Es geht - back to the roots - darum, wie Schulden und Vermögen gegeneinander verrechnet werden können. Die üblichen Protagonisten, wie wir sie hier bisher diskutiert haben:

1. Abzug von Vermögen der Reichen durch erhöhte Vermögenssteuern, Erbschaftssteuern, Einkommenssteuern
2. "Weg-Inflationierung" der Schulden durch negative Realzinsen.
3. Schuldenschnitt, Währungsreform.

Dirk Müller bringt eine Variante 4 zur Sprache, die sich zusammenfassen lässt als "Das Geld so einsetzen, dass die Schulden abgebaut werden.".
Auf den ersten Blick klingt das ganz interessant und auch plausibel. Ich stelle es mal zur Diskussion:

Es beginnt ab Minute 40:50 (+ etwa 10-15 Minuten).
Einstiegspunkt Minute 35 also Kurzzusammenfassung der Punkte 1-3

http://www.youtube.com/watch?v=alwzbiuiHzk&feature=player_detailpage#t=2143

Meinungen bitte?

 

 

Elias
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Deutschlands Infrastruktur spaltet das Land

Kaputte Autobahnen, marode Brücken und ein völlig überlastetes Schienennetz: Deutschlands Infrastruktur zerfällt. Doch während sich im Westen immer mehr Baustellen auftun, verbinden im Osten modern ausgebaute Strassen bisweilen Dörfer mit weniger als 500 Einwohnern.

http://www.srf.ch/news/international/deutschland-waehlt/deutschlands-inf...

 

 

Es fehlt eine Billion Euro für Straßen, Stromnetz & Kinder

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/aufschwung/deutschland-fehlt-eine-bil...

 

 

Deutschland kann vorerst keine Schulden abbauen. Die Infrastruktur der USA ist noch maroder.

Der Frosch muss irgend wann springen, sonst ......

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Elias
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Vollgeld statt Giralgeld

 Das Ende der monetären Fata Morgana

Wenn ein Bankkunde sein Konto überzieht, entsteht neues Geld: Giralgeld. Denn die Geldschöpfung wird nicht von Regierungen oder Zentralbanken kontrolliert - sie liegt in den Händen der privaten Banken. Dieses System sorgt für Spekulationsblasen, sagt der Wirtschaftssoziologe Joseph Huber im Interview mit n-tv.de. "In der Krise, wenn Geld am dringendsten benötigt wird, vernichten die Banken Geld eher als dass sie genügend neues herausgeben." Huber fordert eine Geldreform: Die Geldschöpfung soll wieder alleinige Aufgabe der Zentralbanken werden. Das würde auch das Problem der ausufernden Staatsschulden lösen.

n-tv.de: Herr Huber, sprechen wir über Schulden. Was passiert, wenn ich bei einer Bank einen Kredit aufnehme? Wo kommt das Geld her?

Joseph Huber: Das Geld entsteht durch Bucheintrag. Auf der Passivseite der Bilanz wird das Geldguthaben auf dem Girokonto des Kunden eingetragen, als Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kunden. Auf der Aktivseite wird eine Forderung gegen den Kunden auf Rückzahlung des Kredits eingetragen. Soweit Sie dann davon etwas bar abheben, braucht die Bank dafür Bargeld. Soweit Sie das Geld bargeldlos wohin überweisen, braucht die Bank dafür unbare Reserven auf ihrem Zentralbankkonto. Beides muss die Bank sich bei der Zentralbank leihen - aber nur zu einem geringen Teil.

Warum nur zu einem geringen Teil?

Das kommt daher, dass alle Auszahlungen im System Einzahlungen in das System sind. Je größer eine Bank ist, desto eher werden Abflüsse zeitnah ausgeglichen durch Zuflüsse. So kann auf einer relativ geringen Basis an Bargeld und Zentralbankreserven ein Vielfaches davon, aktuell das Zwölffache, als Giralgeld per Bankenkredit geschöpft werden.

Warum das Zwölffache?

Das entspricht dem statistischen Mengenverhältnis zwischen Bargeld und den unbaren Überschussreserven der Banken bei der Zentralbank einerseits und dem Giralgeld andererseits - dieses Verhältnis liegt bei 1:12.

Was ist Giralgeld?

Giralgeld sind die Guthaben auf Girokonten, die wir als Zahlungsmittel benutzen. Es ist das Geld, das durch Bankenkredit, zum Beispiel durch Überziehungskredit, entsteht.

Wie ist es, wenn ein Staat einen Kredit aufnimmt? Entsteht auch dann neues Geld?

Ja, genauso wie bei der Kreditvergabe an privat. Staatsanleihen werden mit neu geschaffenem Giralgeld der Banken bezahlt oder indem Anleger die Anleihen mit verfügbaren Guthaben aufkaufen. Letzteres läuft, bilanziell gesprochen, auf eine Art von Passivatausch hinaus, bei dem Bankenverbindlichkeiten, zum Beispiel Sparguthaben, zu Staatsschulden werden. In diesem Fall werden die Staatsanleihen also mit früher schon geschaffenem Giralgeld bezahlt, das nicht anderweitig benutzt wird oder als Einlage stillgelegt worden war und nun durch die öffentliche Schuldenaufnahme wieder als zirkulierendes Giralgeld aktiviert wird.

Durch ständige Verschuldung entsteht also ständig neues Geld. Warum haben wir dann keine permanente Inflation?

Aber wir haben permanente Inflation. Jahr für Jahr zwei Prozent höhere Verbraucherpreise gelten heute als Zielgröße. Dass die Inflation in den meisten Industrieländern zurückliegend kaum höher als 2 bis 4 Prozent war, liegt an relativ gesättigten Konsumgütermärkten und an Billigimporten aus Schwellenländern, bei vorläufig noch preiswert verfügbaren Ressourcen. Das kann sich nach der aktuellen Krise auch wieder ändern.

Entsteht Giralgeld aus dem Nichts?

Modernes Geld entsteht grundsätzlich "aus dem Nichts", sei es nun per Bankenkredit oder per Zentralbankkredit. Aber der Floskel "aus dem Nichts" haftet das Vorurteil an, so ein frei geschöpftes Geld sei doch durch nichts "gedeckt" und eigentlich nichts wert. Die Deckung des Geldes liegt aber nicht in seinem eigenen Warenwert, sondern besteht in der Kaufkraft des Geldes, und die besteht im fortlaufend erstellten realen Wirtschaftsprodukt.

Also alles in Ordnung?

Im Gegenteil. Im Giralgeldregime der Banken ist die Geldschöpfung außer Kontrolle geraten. Überschüssiges Geld fließt heute vor allem an die Finanzmärkte und erzeugt dort Assetpreis-Inflation, sprich: unreelle Spekulationsblasen samt den nachfolgenden realen Zusammenbrüchen. Konjunktur- und Börsenzyklen werden so in zerstörerische Extreme getrieben, und in der Krise, wenn Geld am dringendsten benötigt wird, vernichten die Banken Geld eher als dass sie genügend neues herausgeben.

Wie kann man dem abhelfen?

Wenn Geld frei geschöpft wird, muss es eine autorisierte öffentliche Instanz mit zurechenbarer Verantwortung geben, unter deren Kontrolle die Geldschöpfung und die Geldmengensteuerung steht. Das ist eine Frage von Verfassungsrang. Heute haben die Banken der Zentralbank die Kontrolle über das Geld faktisch aus der Hand genommen. Die Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs über Girokonten hat das mit sich gebracht. Das muss wieder korrigiert werden, wie sinngemäß schon einmal vor hundert Jahren, als das gesetzliche Banknotenmonopol auf diesem Gebiet für die nötige Ordnung sorgte.

Sie haben ein Konzept entwickelt, das die Umwandlung von Giralgeld in "Vollgeld" vorsieht, um die Geldschöpfung durch Banken zu unterbinden. Was ist Vollgeld?

Vollgeld steht für "vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel". Bargeld, also Münzen und Banknoten, sowie das unbare Zentralbankgeld, das zwischen Banken fließt, stellen heute bereits Vollgeld dar, nicht aber das Giralgeld, das im allgemeinen Zahlungsverkehr des Publikums fließt. In einer Vollgeldordnung würde das Giralgeld vollständig durch unbares Zentralbankgeld ersetzt und von allen Wirtschaftsteilnehmern benutzt.

Eine Vollgeldreform hätte auch Vorteile für die öffentlichen Haushalte.

Den öffentlichen Kassen käme der laufende Geldschöpfungsgewinn in vollem Umfang zugute. Nach heutigen Maßstäben wären das in Deutschland zuletzt 30 bis 60 Milliarden Euro pro Jahr gewesen. Der größte Clou aber ist der: Im Zuge einer solchen Reform würde der Bestand an altem Giralgeld nach und nach durch neues Vollgeld ersetzt. Das würde erlauben, wofür ich heute sonst keine reelle Chance mehr sehe, nämlich, einen großen Teil der Staatsschulden ohne Heulen und Zähneklappern abzubauen, zudem, Staatsquote und Steuern ein Stück weit zu senken.

Wie würde die Kreditvergabe innerhalb Ihres Vollgeld-Konzeptes funktionieren?

Genauso wie heute, nur mit einem wesentlichen Unterschied: Jeder Kredit wäre vollständig in Vollgeld zu finanzieren und könnte nicht mehr "multipel" in Form von Banken-Giralgeld in die Bilanz gezaubert werden. Das würde die Habenzinsen der Bankkunden verbessern und die unverdienten Zinsextragewinne der Banken aus der Giralgeldschöpfung abschmelzen, heute in Deutschland doch schätzungsweise in einer Größenordnung um etwa 20 Milliarden Euro. Eine Kapitalverknappung würde nicht eintreten, weil die Zentralbank stets so viel Geld in Umlauf geben kann wie benötigt wird.

Sie sagen, nur auf der Grundlage einer stabilen Geldordnung könne es eine stabile Finanzwirtschaft geben. Kann nicht auch die Kontrolle von Finanzgeschäften oder eine Steuer auf Finanzaktivitäten für mehr Stabilität sorgen?

Eine Steuer auf Finanzgeschäfte bringt dem Finanzminister zusätzliche Einnahmen. Soweit das die Staatsquote noch erhöht, wäre es negativ zu bewerten. Sonst ändert sich am bestehenden System nichts und es wird in der Finanzwirtschaft folglich so weitergehen wie zuvor. Auch eine höhere Eigenkapitaldecke der Banken und eine Kreditbremse in Form eines maximal erlaubten Volumens ausstehender Kredite gemessen am Eigenkapital wird nur einen geringen Zügelungseffekt haben. Eine Antwort auf die Aufhebelung spekulativer Geldanlagen per Kredit ist das ohnehin nicht. Es dient mehr der Legitimation der Banken und der Aufsichtsbehörden. Die Kosten der höheren Eigenkapitaldecke werden dann uns, den Geldbenutzern, in Form höherer Kreditzinsen oder noch geringerer Habenzinsen präsentiert.

Soll das heißen, man sollte von einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte Abstand nehmen?

Es kommt nicht darauf an, viel und immer mehr zu regeln, sondern möglichst wenig, das aber ordnungspolitisch richtig, im Sinne einer gesetzlichen Verfasstheit der Märkte.

Sie sagen, unser heutiges System fördere die überbordende Staatsverschuldung.

Unter normalen Umständen hat der Staat immer Kredit. Schließlich hat der Staat laufende Steuereinnahmen, und das Gewaltmonopol, um Steuern einzutreiben. Regierungen, das muss man historisch leider feststellen, egal ob feudal, demokratisch oder diktatorisch, neigen auf Dauer zur Zerrüttung der Staatsfinanzen, sei es aus Prunksucht, oder wegen Rüstung und Krieg, oder heute wegen der aus dem Ruder gelaufenen Sozialhaushalte bei zu geringer Erwerbsbasis. In der parlamentarischen Demokratie liegt die Ursache dafür vor allem im Wählerklientelismus der Parteien, ebenso im Lobbyismus verschiedenster Interessengruppen. Alle wollen Geld vom Staat. Die Herrschaft der etablierten Parteien gründet darauf, dass die Staatsquote hoch ist und alle in vielfacher Weise von öffentlichen Zuwendungen und Vergünstigungen abhängig geworden sind.

Welche Rolle spielt das Wirtschaftswachstum? Ist ein Wachstum möglich, das eine permanent steigende Verschuldung trägt?

Politisch und sozial gesehen stellt Wirtschaftswachstum eine Wohlstandsverheißung dar. Sie ruft steigende, und oft auch übersteigerte Erwartungen hervor. Mehrverschuldung im Maße des realen Wirtschaftswachstums wäre unproblematisch und ist zur Finanzierung des Wachstums auch erforderlich. In der Regel aber steigt die Verschuldung überproportional und wird damit latent bis offen zur Überschuldung, im Übrigen nicht nur beim Staat, sondern auch als Verschuldung der Unternehmen und Privathaushalte. Natürlich weiß jeder, dass das auf Dauer nicht haltbar ist. Aber man versucht dem eigenen kurzsichtigen Vorteil zuliebe, die Bereinigung der Situation so lange wie nur irgend möglich hinauszuschieben - durch fortgesetzte Noch-mehr-Verschuldung, oder durch Verlustabwälzung auf Kosten von Gläubigern oder des Staates.

  1. Ist das ein Spiel ohne Ende? Oder wohin führt das?

Die fortgesetzte Überschuldung führt zunächst dazu, dass die Bankengewinne und generell die Vermögenseinkünfte auf Kosten der Arbeitseinkünfte überproportional ansteigen. Was auf der Passivseite als Schulden erscheint, das sind auf der Aktivseite verzinsliche Vermögen, genauer gesagt Geldforderungen. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Quote der Vermögenseinkommen im Verhältnis zu den Arbeitseinkommen bei unter 20 Prozent des Nationaleinkommens. Jetzt hat sich das in Richtung 30 Prozent verschoben. Die Quote der Arbeitseinkommen ist entsprechend gesunken. Das ist gravierend. Wird es nicht korrigiert, wird dies infolge relativ sinkender Massenkaufkraft die suboptimale Binnenentwicklung der Realwirtschaft weiter verschlechtern, unter anderem in Form einer noch massiveren Nichterwerbstätigkeit und prekären Beschäftigung mit einem hohen Maß an Erwerbseinkommensarmut. Soziale Unruhen und unwägbare politische Umbrüche sind da vorprogrammiert, und zwar dann, wenn der Staat keinen billigen Kredit mehr bekommt und die Zinslasten der öffentlichen Haushalte ein als skandalös empfundenes Ausmaß erreichen.

Ist überhaupt denkbar, dass die Banken den Machtverlust hinnehmen würden, der die Folge einer Vollgeld-Reform wäre? Denn eine Rendite von 25 Prozent wäre dann wohl kaum noch möglich.

Eine Reform der Geldschöpfung ist dann machbar, wenn bei den politischen Eliten führender Industrienationen der Wille dazu vorhanden ist. Abgesehen davon lässt sich eine Kapitalrendite von 25 Prozent ohnedies nur vorübergehend erzielen, bei einer Mischung aus spezifischen Wachstumsschüben, Assetpreis-Inflation durch überschießende Giralgeldschöpfung und Ausbeutung in Form von stagnierenden bis sinkenden Erwerbseinkommen. Geld arbeitet nun einmal nicht. Alle Renditen genauso wie alle Steuern müssen aus dem laufenden realen Wirtschaftsprodukt bezahlt werden. Wer da etwas anderes sieht, hat eine monetäre Fata Morgana.

http://www.n-tv.de/politik/dossier/Das-Ende-der-monetaeren-Fata-Morgana-...

 

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Elias
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Wie ein einziger Mann die Währung seines Landes ruinieren konnte

Wenn ein Land in eine Krise schlittert, sind normalerweise viele Kräfte am Werk. So etwa auch bei der jüngsten US-Finanzkrise: Es waren nicht nur die Hypothekarbanken oder die Investmentbanken, sondern auch die Aufsichtsbehörden und Ratingagenturen, die für den Schlamassel verantwortlich waren.

Es gibt aber auch Fälle, in denen einzelne Personen besonders viel Schaden anrichten können. Natürlich werden sie getragen von einem Umfeld, das zu lange zuschaut oder gar nicht erst merkt, was für ein Spiel gespielt wird. Aber es bleibt dabei: Die Entscheidungen dieser Einzelpersonen haben weitreichende Konsequenzen.

Das eindrücklichste Beispiel für die Macht von Einzelpersonen ist vermutlich die schwedische Währungskrise von 1931. Jedenfalls ist mir kein anderer Fall bekannt, wo ein einziger Mann die Währung seines Landes ruinieren konnte. Allenfalls lassen sich die jüngsten Bankenkrisen Irlands, Islands und Zyperns auf einen kleinen Personenkreis in Politik und Wirtschaft zurückführen. Aber ein einzelner Mann?

Im schwedischen Beispiel war es Ivar Kreuger. Heute kennt ihn kaum einer mehr, aber in den späten 1920er-Jahren war er einer der bekanntesten Wirtschaftskapitäne der Welt. Die Aktien und Obligationen seiner Unternehmen befanden sich im Portfolio jedes grösseren Investors, auch bei Schweizer Grossunternehmen. 1929 war er auf dem Cover von «Time».

Kreuger begann seine Karriere als lokaler Bauingenieur, hatte dann aber den grossen Traum, die globale Zündholzproduktion zu kontrollieren. Der Ausgangspunkt war der schwedische Markt, in dem er bald eine beherrschende Stellung einnahm.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Kreuger die Idee, den finanzschwachen Ländern Kredite im Austausch gegen ein Zündholzmonopol zu geben. Nach und nach übernahm er einen Markt nach dem andern. 1929 gelang es ihm sogar, einen Vertrag mit der deutschen Regierung abzuschliessen. Zu diesem Zeitpunkt dominierte er etwa zwei Drittel der Weltproduktion.

Finanziert wurde die Expansion mit Aktienemissionen, die für die Anleger hohe Renditen abwarfen. Kreuger entwickelte immer wieder neue Ideen. Ende der 1920er-Jahre führte er auch an der Zürcher Börse drei Emissionen durch. Das Publikum überzeichnete sie jedes Mal.

Doch dann kam alles anders. 1930 trockneten die Kapitalmärkte aus. Kreuger brauchte dringend Geld, um seine Verpflichtungen einzuhalten. So wandte er sich an seine alten Geschäftspartner in Schweden, insbesondere an den Chef einer grossen schwedischen Geschäftsbank (Skandinaviska Kreditaktiebolag). Er wurde nicht im Stich gelassen. Die Bank nahm im Ausland kurzfristige Gelder auf, um Kreuger langfristige Kredite zu geben.

Folgende Grafik zeigt, wie durch die Kreditvergabe an Kreuger die kurzfristige Nettoverschuldung des Bankensystems gegenüber dem Ausland wuchs (gestrichelte Linie).

Präsentation1

Es brauchte nur noch einen grösseren Unfall und schon würde das Ganze zusammenbrechen. Diese Krise kam im Juni/Juli 1931. Eine Kettenreaktion kam in Gang:

  • Deutschland erklärte sich für zahlungsunfähig.
  • Die Anleger wurden nervös und zogen ihr kurzfristiges Geld vom schwedischen Bankensystem ab.
  • Die schwedischen Banken holten bei der Zentralbank die notwendigen Devisen, um den Verlust auszugleichen.
  • Die Devisenreserven der Zentralbank schmolzen wie der Schnee an der Sonne (durchgezogene Linie). Von Juni bis September 1931 gingen sie um 200 Millionen Kronen zurück.

Wenn eine Zentralbank in so hohem Tempo Devisenreserven verliert, kann sie nichts anderes tun, als die Währung abzuwerten. Am 27. September 1931 war es so weit: Schweden verliess den Goldstandard und gab den Wechselkurs frei.

Im Frühling 1932, als die Gläubiger immer skeptischer wurden, nahm sich Ivar Kreuger in Paris das Leben. Die Nachricht erschütterte die Welt. Die «New York Times» brachte die Nachricht gross auf der Titelseite: «THE MATCH KING IS DEAD»

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/33865/wie-ein...

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Bundesbank fordert Gleichbehandlung für Staatsanleihen

  Um den Teufelskreis aus maroden Staatsfinanzen und faulen Bankbilanzen zu durchbrechen muss die Vorzugsbehandlung von Staatsanleihen aus Sicht der Bundesbank beendet werden, damit offenkundig werde, dass auch Staaten zahlungsunfähig werden können.

usw.....

 

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fruehaufsteher/auch-staaten-gehen-...

 

weico

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Heinsohn's Kommentare ...passend zu diesem Thread:

 

https://blog.malik-management.com/heinsohn-antworten/

 

 

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IfW-Präsident fürchtet System-Crash

Für die internationale Konjunktur bestehen nach Ansicht des IfW-Präsidenten und Ökonomen Dennis Snower grosse Risiken.

Dies liege zum einen an der extrem expansiven Geldpolitik, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft der Nachrichtenagentur dpa. Zudem sei die Möglichkeit einer weiteren Finanzkrise nicht gebannt, weil die Anreize bei den systemrelevanten Finanzinstitutionen nicht geändert worden seien.

Wegen der hohen Staatsverschuldung könne das System zusammenbrechen. Aus Sicht Snowers ist Europas Finanzpolitik zu wenig nachhaltig und transparent. Er sage für 2014 keinen Einbruch voraus, aber die Unsicherheit sei gross.

http://www.cash.ch/news/front/ifwpraesident_fuerchtet_systemcrash-315699...

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 Grauer Kapitalmarkt: Ökokonzern Prokon droht Anlegern mit Insolvenz

Von Christian Kirchner

Top-Rendite durch Öko-Produkte - mit diesem Versprechen hat Prokon mehr als eine Milliarde Euro eingesammelt. Jetzt droht das Windenergieunternehmen seinen Anlegern mit der Insolvenz noch im Januar. Es sei denn, die verzichten vorübergehend auf ihr Geld.

 

"Grund für den finanziellen Engpass sind offenbar Anleger, die Prokon den Rücken kehren. "Wir müssen (…) deutlich machen, dass uns die vielen überstürzten Kündigungen in eine sehr ernste Bedrängnis bringen", teilt Prokon in dem auf den 10. Januar datierten Rundschreiben mit. Bereits 2013 hätten Anleger rund 130 Millionen Euro zurückgefordert. Weitere Kündigungen in Höhe von 150 Millionen Euro seien bis Mitte Februar fällig. "Es ist absehbar, dass wir die Zahlungen in dieser Höhe nicht fristgerecht leisten können", schreibt Prokon."


http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/prokon-droht-anlegern-mit-i...

 

 

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Argentiniens Verzweiflungstat Die argentinische Regierung kämpft gegen den stärksten Währungszerfall der letzten zwölf Jahre. Die angekündigten Massnahmen wirken laut Ökonomen nur kurzfristig – bestenfalls.

 

Überraschend hat die argentinische Regierung gestern angekündigt, ab Montag die Devisenkontrollen zu lockern. Die Massnahmen gaben Kabinettschef Jorge Capitanich und Wirtschaftsminister Axel Kiciloff bei einer Pressekonferenz bekannt. Ökonomen werten den Entscheid als Verzweiflungstat und als Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage im südamerikanischen Land rapide verschlechtert. Von Mittwoch auf Donnerstag war der argentinische Peso nach offiziellem Wechselkurs gegenüber dem amerikanischen Dollar zeitweise um 20 Prozent eingebrochen, was die Zentralbank zu Stützungskäufen im Umfang von 100 Millionen Dollar veranlasste. Noch nie seit dem Staatsbankrott 2002 hatte die einheimische Währung binnen so kurzer Zeit derart dramatisch an Wert verloren. Auf dem Schwarzmarkt kostete der Dollar kurzfristig gar über 13 argentinische Pesos, 63 Prozent mehr als gemäss offiziellem Kurs.

Die Jahresinflation übersteigt in Argentinien 25 Prozent, und das Vertrauen der Bevölkerung in die eigene Währung ist aufgrund traumatischer Erfahrungen in der Vergangenheit gering. Deshalb horten viele ihre Ersparnisse am liebsten in Dollar. Kurz nach ihrer Wiederwahl im Oktober 2011 begann Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, den drohenden Zerfall der einheimischen Währung durch Devisenkontrollen zu bekämpfen. Wer Dollar kaufen wollte, brauchte eine Bewilligung des Steueramtes, welche die Behörde nach undurchsichtigen Kriterien erteilte und oft ohne Begründung verweigerte. Da die Hürden für den Erwerb von Devisen ständig höher wurden, blieb der Bevölkerung nichts anderes übrig, als sich auf dem Schwarzmarkt einzudecken. Der so genannte Parallelkurs liegt heute dreimal höher als im Oktober 2011, während der offizielle Dollarkurs allein seit Jahresbeginn um 34 Prozent gestiegen ist. Die Devisenreserven der Zentralbank sind seit 2011 von 48 Milliarden Dollar auf 29 Milliarden geschmolzen, dem tiefsten Wert seit acht Jahren.

Importeure verkaufen nichts mehr

Um den Run auf Schwarzmarkt-Dollars zu bremsen, soll ab Montag der Erwerb von legalen Devisen für Privatpersonen erleichtert werden. Eine Bewilligung des Steueramtes braucht es aber nach wie vor. Ausserdem sinkt die Gebühr, welche die Regierung beim Kauf von Flugtickets oder bei der Bezahlung per Kreditkarte im Ausland erhebt, von 35 auf 20 Prozent. Die Massnahme wird den ohnehin bedrohlich tiefen Devisenbestand der Zentralbank weiter sinken lassen. Ausserdem befürchten Experten, dass die Computersysteme der Steuerbehörde unter dem Ansturm der an Dollar interessierten Kundschaft zusammenbrechen könnten. Die Währungsturbulenzen haben einige Importeure veranlasst, den Verkauf ihrer Produkte vorläufig auszusetzen. Im Moment sei es schlicht unmöglich, einen Preis in argentinischen Pesos festzulegen. Die Massnahme betrifft vor allem Autos, Medizinalgeräte und elektronische Haushaltsgeräte.

Die Mehrheit der Ökonomen ist sich einig, dass die gestern angekündigten Massnahmen bestenfalls kurzfristig wirken. Um Währungszerfall und Devisenschwund zu stoppen, müsste die Regierung Argentiniens das ökonomische Grundübel bekämpfen: Die Inflation. Dies bedingt allerdings, zunächst einmal deren Höhe anzuerkennen. Stattdessen wird das statistische Amt seit Jahren angewiesen, die Teuerung durch statistische Tricks und Manipulationen des Warenkorbs auf die Hälfte hinunterzurechnen. Ohne drastische Zügelung der expansiven staatlichen Ausgabenpolitik, die das Budgetdefizit auf 6 Prozent des Bruttoinlandproduktes hochgetrieben hat, ist die Inflation wohl nicht mehr in den Griff zu bekommen. Die sich gegenwärtig vollziehende Abwertung des argentinischen Pesos wird sie wegen der Verteuerung von Importgütern zunächst sogar noch anheizen.

«Das Konsumfest ist zu Ende»

«Solange Eigentumsrechte missachtet und die Spielregeln immer wieder willkürlich geändert werden, solange Unsicherheit herrscht, welche Massnahme die Regierung morgen trifft, ist es unmöglich, das Misstrauen in den argentinischen Peso zu überwinden», schreibt ein Kommentator der angesehenen Zeitung «La Nación.»

 

Die massiven Währungsturbulenzen in Argentinien wirkten sich vor allem auf den spanischen Börsenindex Ibex aus, in dem mehrere im südamerikanischen Land tätigen Konzerne schwergewichtig quotiert sind – etwa die Bank Santander oder das Telekomunternehmen Telefónica. Der Ibex verlor gestern 3.6%.

Neben dem argentinischen Peso stehen auch andere Währungen sowie Aktien von Schwellenländern unter Druck, was gestern an den Weltbörsen zu teilweise deutlichen Kursverlusten führte. Die Entwicklung setzte bereits im vergangenen Sommer ein, als die Marktteilnehmer erwarteten, die amerikanische Zentralbank werde ihre Käufe von Staatsanleihen zurückfahren. Die Aussicht auf höhere Zinsen liess damals Kapital von den aufstrebenden Märkten in die Vereinigten Staaten fliessen. Laut einer Analyse der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» haben die gestrigen Einbrüche allerdings weniger mit steigenden Langfristzinsen zu tun, als vielmehr mit der abnehmenden Risikotoleranz der Investoren.

 

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Argent...

 

Eindrücklich auch das VÖLLIGE scheitern dieser Währung:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e7/Fall_in_value_of_the_Argentine_currency_-_Wertverfall_der_argentinischen_W%C3%A4hrung_1935_-_2005.png/640px-Fall_in_value_of_the_Argentine_currency_-_Wertverfall_der_argentinischen_W%C3%A4hrung_1935_-_2005.png

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/ba/Exchange_rate_Wechselkurs_USDollar_arg_Peso_31_01_1935_bis_06_02_2006.png/640px-Exchange_rate_Wechselkurs_USDollar_arg_Peso_31_01_1935_bis_06_02_2006.png

 

 

Nur eine Kurve steigt beständig an...die Bevölkerung... :bye:

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7a/Population_of_Argentina_1869_to_2015.png/640px-Population_of_Argentina_1869_to_2015.png

 

P.S: ..jetzt wird die wachsende  Masse sicherlich wieder vertieft ,durch Politik und Medien, auf die "Falkland-Wiedergewinnung" fokussiert werden...sind ja mittlerweile ,seit dem letzten Krieg, auch 12 Millionen mehr  :evil:

 

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Ukrainische Sparer räumen Milliarden von Konten ab

 

Die Banken in der Ukraine haben in der vergangenen Woche 7 Prozent ihrer Spareinlagen verloren. Allein an den drei Tagen, an denen auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan in Kiew die Straßenschlachten eskalierten, zogen Sparer umgerechnet 2,3 Milliarden Euro von ihren Bankkonten ab. Dies hat Zentralbankpräsident Stepan Kubiv am Mittwoch zugegeben.

 

Kubiv ist ein Parlamentsabgeordneter der Partei von Julia Timoschenko und zuletzt einer der „Kommandanten“ auf dem Maidan gewesen. Von 2000 bis 2008 war er Vorstandsvorsitzender der Kredobank, die zur polnischen Bank PKO gehört. Seit Montag ist der 51 Jahre alte Kubiv, der von Beobachtern in Kiew als fähig und besonnen beschrieben wird, neuer Präsident der ukrainischen Zentralbank und damit für die Finanzstabilität zuständig. Er prüfe jetzt weitere Maßnahmen, um das Geldabheben zu begrenzen, sagte Kubiv am Mittwoch. Tatsächlich muss ihn eine große Sorge umtreiben: Wenn zu viele Menschen gleichzeitig an ihr Geld auf dem Bankkonto wollen, kann das gesamte Bankensystem zusammen brechen. Zumal sich in den östlichen Gebieten der Ukraine in Richtung der russischen Grenze die Lage am Mittwoch weiter zuspitzte, weil Russlands Präsident Wladimir Putin seine Armee in Alarmbereitschaft versetzte.

Verschärfte Devisenkontrollen

Schon unter alter Führung hat die ukrainische Nationalbank mit verschärften Devisenkontrollen den Kapitalabzug zu dämpfen versucht. Seit zweieinhalb Wochen dürfen Privatleute nur noch für umgerechnet 50.000 ukrainische Griwna (rund 4000 Euro) ausländische Devisen erwerben. Außerdem setzte die Zentralbank nach Schätzungen von Goldman Sachs allein im Februar 6 Milliarden Dollar ein, um die heimische Währung zu stützen. Doch inzwischen sind ihre gesamten Devisenreserven wohl auf weniger als 15 Milliarden Dollar geschmolzen. Nun nähert sich der offizielle Kurs der Griwna rapide den seit Monaten deutlich niedrigeren Schwarzmarktkursen an. Allein am Mittwoch verlor die Griwna nach offiziellen Kursen von Bloomberg und Reuters, die allerdings deutlich voneinander abwichen, rund 5 Prozent. Seit einem Monat hat die Griwna 16 Prozent an Wert verloren. Auch diese dramatischen Kursverluste deuten darauf hin, dass Geld aus dem Land gebracht wird.

Nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch am Wochenende hat die Übergangsregierung den Bedarf an Finanzhilfen auf 35 Milliarden Dollar beziffert, sonst werde die Ukraine zahlungsunfähig. Die meisten internationalen Anleger haben darauf gelassen reagiert. Sie gehen offenbar davon aus, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Union der Ukraine schon helfen werden. Dabei wird die Auslandsverschuldung oft unterschätzt. Nach Daten der britischen Bank Barclays hatte die Ukraine zum Jahresende 2013 fast 59 Milliarden Dollar an Fremdwährungsverschuldung. Der Großteil entfällt mit 40 Milliarden Dollar auf private Unternehmen, gefolgt von Banken mit 13 Milliarden Dollar. Der Staat ist „nur“ mit 6,5Milliarden Dollar verschuldet.

Viele Gläubiger halten es für wahrscheinlich, dass die öffentliche Auslandsverschuldung weiter mit Zins und Rückzahlung geleistet werden kann. So stieg zum Beispiel der Kurs für die ukrainische Dollar-Staatsanleihe mit Fälligkeit im Jahr 2023 von 85 Prozent am Freitag am Montag deutlich auf 90 Prozent. Am Mittwoch gab Bloomberg einen Kurs von 87Prozent an. Dies entspricht einer Jahresrendite von 9,5 Prozent. Harwig Wild, Devisenfachmann des Bankhauses Metzler, glaubt aber nicht, dass selbst bei internationaler Hilfe für die Ukraine deren private Gläubiger völlig ungeschoren davon kommen. Gerade zu Wochenbeginn seien die ukrainischen Anleihegläubiger zu euphorisch gewesen. „Die Wahrscheinlichkeit hat deutlich zugenommen, dass sie einer Umstrukturierung, womöglich einem Schuldenschnitt, werden zustimmen müssen“, sagt Wild.

Spürbar sind die Turbulenzen in der Ukraine auch für Russland. Auf dem Devisenmarkt hat der russische Rubel seit Jahresanfang zum Dollar um 8 Prozent abgewertet. Nun ist er so billig wie zuletzt im Jahr 2009. Dennoch ist fraglich, ob Russland genügend Interessen hat, um sich an Finanzhilfen für die Ukraine zu beteiligen. Die russische Zentralbank hat im Dezember mitgeteilt, russische Banken seien mit weniger als einem Prozent der Bilanzsumme in der Ukraine engagiert. Die Rating-Agentur Moody’s schätzt, dass die vier Institute Gazprombank, VEB, Sberbank und VTB zusammen zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar an Krediten in der Ukraine ausstehen haben.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/kollaps-droht-u...

 

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«Der Dollar ist nicht stärker, den Euro gibt es noch»

Inflation

Das Jahr hat den Anlegern bisher recht unangenehme Zeiten beschert. Die Liste der scheinbar absehbaren Selbstverständlichkeiten, die sich dann doch nicht materialisiert haben, ist lang.

Keine Alternative? Von wegen.

Das scheint sich an der Börse gerade wieder zu bewahrheiten: Der Jahresanfang hat viele Finanzmarktteilnehmer auf dem falschen Fuss erwischt. Diesmal sind es aber keine Wirtschaftsnachrichten oder überraschenden politischen Ereignisse, die dafür verantwortlich sind. Verantwortlich ist ausschliesslich Tina.

Tina?

Tina steht für den Schlachtruf der Perma-Bullen am Aktienmarkt: «There is no alternative!» Gemeint ist, dass es zur ­Aktie keine Alternative gäbe. Pustekuchen. Wo sonst der Januar-Effekt die Aktienkurse in die Höhe treibt, ist dieses Jahr Wundenlecken angesagt. Im Schnitt der letzten 90 Jahre konnte der US-Aktienmarkt im ersten Monat des Jahres 6 Prozent zulegen. In ­diesem Jahr ist er um knapp 4 Prozent ­ge­fallen.

Der Dollar wurde nicht stärker, den Euro gibt es noch

Auch die Zinsen sind nicht weiter ge­stiegen, wie alle angesichts des begonnenen «Tapering» der US-Notenbank Fed ­gemeint haben. Der Dollar ist nicht stärker geworden. Den Euro gibt es immer noch. Die Liste der von den Finanzmarktakteuren akzeptierten Selbstverständlichkeiten, die sich dann doch nicht materialisiert haben, ist lang.

Ganz offensichtlich ist das, was alle sagen, kein so guter Leitfaden für die zukünftige Entwicklung. Fast ist man versucht zu überlegen, was denn wohl das hartnäckigste Vorurteil der Börsianer ist, um dann das Gegenteil davon zu erwarten. Kandidaten gibt es dafür eine ganze Reihe. Das aber wohl wichtigste Thema scheint allerdings die Inflation zu sein. Die ist ja bekanntlich kein Thema. Oder?

Volkseinkommen drei Prozent unter ihrem Potenzial

Tatsächlich liegen die Inflationsraten in den Industrienationen praktisch durchs Band in dem Bereich, den man als Preisstabilität bezeichnen würde. In der Schweiz steigen die Konsumentenpreise gerade mal um 0,1 Prozent über das Jahr, in der Euro-Zone um 0,9, in den USA um 1,5, in Japan um 1,6 und in Gross­britannien um 2 Prozent. Das sind allesamt ­tiefe Zahlen, die niemandem Sorge machen müssen. Noch immer gibt es war­nende Stimmen, die sogar von Deflation sprechen.

Aber sind die Zahlen wirklich so niedrig? Gemeint ist nicht die von vielen vermutete Verzerrung der offiziellen Inflationssta­tistiken. Wer offenen Auges durch das Leben geht, sieht, dass die Preise zumindest des gehobenen Bedarfs fleissig steigen. ­Gemeint ist die Frage, ob angesichts der Wirtschaftslage die Inflationsraten wirklich niedrig sind. Vergessen wir nicht, dass viele Industrienationen noch mit den Spät­­folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen haben. So berechnet der internationale Währungsfonds, dass die Volkseinkommen der entwickelten Länder immer noch volle 3 Prozent unter ihrem Potenzial liegen. Das war zuletzt in der Weltrezession von 1982/83 der Fall.

Abnahme der Inflation

Historisch betrachtet haben solche Si­tuationen der Unterauslastung der volkswirtschaftlichen Kapazitäten regelmässig zu einer deutlichen Abnahme der Inflation geführt. Als Faustregel mag gelten, dass 1 Prozent Produktion unter dem Potenzial zu einer Abnahme der Inflation um 0,5 Prozent geführt hat. Mit anderen Worten, die Inflation müsste heute also viel tiefer liegen, als sie es eigentlich ist. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften bei 1,4 Prozent, was lediglich einen Rückgang von 0,6 Prozentpunkten ausmacht und nicht die erwarteten 1,5 Prozentpunkte. Tut sich da etwas?

Als Begründung für die hartnäckigen Inflationsraten kann man sicher anführen, dass trotz weltwirtschaftlicher Schwäche in den letzten beiden Jahren die Inflations­raten in den Schwellenländern hartnäckig bei über 6 Prozent verharrt sind. In einigen wichtigen Schwellenländern sehen wir insbesondere bei den Löhnen für gelernte Arbeit noch deutlich höhere Zuwachsraten. Vielleicht sind das die ersten Anzeichen, dass die disinflationären Effekte der Globalisierung langsam auslaufen.

Wie dem auch sei, es ist nicht leicht zu begründen, dass die Inflationsraten nur ­unwesentlich unterhalb der jeweiligen Definition der betrachteten Zentralbanken für Preisstabilität liegen. Oder liegt das an der seit der Finanzkrise äusserst expansiven Geldpolitik der Notenbanken selbst? Für jemanden, der mit der eng an der Geldmengenentwicklung orientierten Geld­politik der Deutschen Bundesbank gross geworden ist, ist die augenblickliche Gelassenheit der Beobachter angesichts der ­explosionsartigen Aufblähung der Zentralbankbilanzen nicht wirklich nachvoll­ziehbar.

Realität und historische Erfahrung klaffen auseinander

Dass eine Verfünffachung der Notenbankgeldmenge in den USA, in Grossbritannien und in der Schweiz keinen Effekt auf die zukünftige Inflationsentwicklung haben sollte, erscheint doch unglaubwürdig. Und doch sind die Finanzmärkte an diesem Thema der Tiefenentspannung nahe. So weisen die an den Renditen für infla­tionsgeschützte Staatsanleihen ablesbaren Inflationserwartungen der Marktteilnehmer Werte auf, die weit unter den historischen Durchschnittsinflationsraten der jeweiligen Länder liegen.

In den USA rechnen die Börsianer gerade einmal mit einer Inflationsrate von knapp über 2 Prozent im Schnitt der kommenden zehn Jahre. Das wäre beinahe ein halber Prozentpunkt unter dem Schnitt der letzten zehn Jahre, in denen ja immerhin die grösste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise stattgefunden hat. Ein halbes Prozent weniger Inflation, nach der wahrscheinlich grössten geldpolitischen Expansion der Weltgeschichte?

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/der-dollar-ist-nicht-staerker-de...

 

 

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Die wirtschaftlichen Vorteile des Vollgeldes

Die wirtschaftlichen Vorteile des Vollgeldes

Die aktuelle Vollgeld-Initiative in der Schweiz hat berühmte Vorgänger. Die Grundidee stammt von Frederick Soddy, der 1921 den Chemienobelpreis erhielt, sich aber nicht nur mit naturwissenschaftlichen, sondern auch mit ökonomischen Fragestellungen beschäftigte und hierzu zwei Monographien veröffentlichte. Darin forderte er, das staatliche Geldmonopol wiederherzustellen, indem die Kreditgeldschöpfung der Geschäftsbanken ausgeschaltet wird.

Soddys Ideen wurden nach der Grossen Depression von führenden US-Ökonomen aufgegriffen und 1933 in einem Memorandum an den damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt zu Politikempfehlungen weiterentwickelt. In diesem Memorandum fordern die Verfasser, das Mindestreserve-System abzuschaffen und durch ein Vollreserve-System zu ersetzen. Dies bedeutet, dass alle Sichteinlagen durch eine Mindestreserve in Höhe von 100 Prozent gedeckt sein müssen. Damit sollte die Kreditgeldschöpfung der privaten Geschäftsbanken unterbunden und das staatliche Monopol der Geldschöpfung wiederhergestellt werden.

Der Chicago-Plan

Da ein Grossteil der Ökonomen, die dieses Memorandum unterzeichneten an der Universität von Chicago lehrten, wurden diese Forderungen als Chicago-Plan bekannt. Der Chicago-Plan spielte zwar eine wichtige Rolle bei der Bankengesetzgebung, letztendlich scheiterte aber eine Umsetzung der Vollreserve-Forderung am Widerstand der Bankbranche.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Finanzkrise und der Vollgeld-Initiative gewinnt der Chicago-Plan wieder an Aktualität. Jaromir Benes und Michael Kumhof vom Internationalen Währungsfond (IWF) haben die makroökonomischen Auswirkungen der Umsetzung des Chicago-Planes anhand eines wissenschaftlichen Modells für die USA untersucht und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen.

Bei ihrer Analyse zeigen sie zunächst, welche Freiheiten Geschäftsbanken bei der Geldschöpfung haben. Entgegen der vorherrschenden Lehrbuchmeinung sind Banken laut Benes und Kumhof keine Finanzintermediäre in dem Sinne, dass sie zunächst von Sparern Kundeneinlagen bekommen und diese dann in Form von Krediten an Investoren weitergeben. Vielmehr verläuft der Prozess in umgekehrter Reihenfolge. Zuerst vergeben die Banken Kredite und schaffen damit Giralgeld, das dann anschliessend auf den Konten ihrer Kunden als Einlage erscheint. Damit liegt die Geldschöpfung weitestgehend in den Händen der Geschäftsbanken. Der Einfluss der Nationalbank ist begrenzt.

Zurück zum Staatsmonopol

Der Chicago-Plan sieht nun vor, das staatliche Geldschöpfungsmonopol wiederherzustellen. Die Kreditvergabe der Geschäftsbanken quasi aus dem „Nichts“ soll abgeschafft werden und alle Bankguthaben müssen durch eine Anhebung der Mindestreserveverpflichtung auf 100 Prozent voll gedeckt sein. Damit werden die Geschäftsbanken wieder zu echten Finanzintermediären, die zuerst Vollgeldeinlagen anwerben müssen, bevor sie diese Einlagen als Kredite verleihen können.

Dieses Vollgeld-System hat laut Benes und Kumhof sechs wesentliche Vorteile:

Erstens können durch das staatliche Geldschöpfungsmonopol Kreditzyklen viel besser kontrolliert und damit letztendlich vermieden werden.

Zweitens wird die Gefahr eines sogenannten Bank Runs eliminiert, da die Bankguthaben unabhängig von Kreditrisiken und damit sicher werden.

Drittens würde die öffentliche Verschuldung erheblich sinken, wenn die Nationalbank zumindest Teile der Reserveeinlagen, die sie von den Geschäftsbanken erhält, an den Staat weitergibt, der diese Einnahmen dann zum Schuldenabbau verwendet.

Viertens würde analog die private Verschuldung sinken, wenn die Nationalbank Teile ihrer Einnahmen in Form einer „Bürgerdividende“ an die Bevölkerung mit der Auflage ausbezahlt, diese Mittel zuvorderst für die Kredittilgung zu verwenden.

Fünftens wird das Bruttosozialprodukt gesteigert, weil durch den Abbau öffentlicher und privater Schulden das Zinsniveau sinkt, weil durch die staatlichen Erträge aus der Geldschöpfung die Steuern gesenkt werden können und weil weniger Ressourcen für die Kreditüberwachung erforderlich sind. Benes und Kumhof schätzen, dass die Wirtschaftsleistung der USA hierdurch langfristig um annähernd 10 Prozent gesteigert werden könnte.

Sechstens werden sogenannte Liquiditätsfallen vermieden, weil die Notenbank die verfügbare Geldmenge direkt ausweiten kann, ohne dabei auf die Bereitschaft der Geschäftsbanken, Kredite zu vergeben, angewiesen zu sein, und weil die Notenbank die Volkswirtschaft im Vollgeld-System auch durch negative Zinsen ankurbeln kann und somit in ihren Möglichkeiten durch keine effektive Zinsuntergrenze eingeschränkt ist.

Aufgrund dieser potenziellen Vorteile verdient die Vollgeld-Initiative mehr Unterstützung.

http://www.cash.ch/news/topnews/die_wirtschaftlichen_vorteile_des_vollge...

 

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Allgemein als Tatsache anerkannt.

MarcusFabian hat am 31.08.2010 - 11:10 folgendes geschrieben:

Dass unser Geldsystem ein eingebautes, systembedingtes Verfalldatum hat, ist allgemein als Tatsache anerkannt. Die Frage ist lediglich, wann das System kollabieren wird. Wir sind ziemlich am Ende der Exponentialkurve und das System kann bereits 2010 kollabieren. Vielleicht aber auch 2012 oder erst 2015.

pro memoriam

 

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Auf Eis gelegte Diskussion mit Elias: "Geld aus dem Nichts":

"Loans create money", Bank of England:

http://www.zerohedge.com/contributed/2014-03-20/bank-england-admits-loan...

Zentrale Aussage:

Banks DO, In Fact, Create Money Out of Thin Air

Was aber auch hier in den Bilanzen fehlt und worum sich die ganze Regulation (Basel) dreht: EIGENKAPITAL. Ohne Eigenkapital der Bank keine Kredite und somit keine Depositen. Aber auch der Kreditnehmer benötigt Eigenkapital (z.B. Haus als Sicherheit, dessen vermuteter Marktpreis den benötigten Kredit übersteigt) und fehlt dieses, dann schlägt dies sich in den Kreditbedingungen nieder (z.B. höherer Zins), weil dann die Bank mehr eigenes Eigenkapital riskiert.

Lass ich mal so stehen.

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Bullish hat am 20.03.2014 - 22:38 folgendes geschrieben:


Lass ich mal so stehen.

 

..ist wohl auch besser so.

 

Sonst kommen nur die "Geld-aus-dem_Nichts-Spinner" und "Lederlappen-Utopisten" wieder aus ihren Löchern..  SecretDirol

 

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Bargeld verboten!

 

Von Beat Kappeler

 

Geld soll zur blossen digitalen Spur werden. Und doch können kontrollierende Staaten nicht verhindern, dass die Bürger zuletzt in reale Werte fliehen, in die Untergrundwirtschaft, in den Tausch, in Goldklauseln in den Verträgen. Sie halten sich an den Wahlspruch der 68er: Rebellion ist berechtigt. 

Mit mehr als 1000 Euro bar zu zahlen, ist in Westeuropa schon weitherum verboten. Bargeld soll den elektronisierten Zahlungen weichen. Ein grosses Projekt der Machthaber und Notenbanken vollzieht sich, alles Geld muss einsehbar, kontrollierbar, besteuerbar und amputierbar werden. In der Schweiz solle Bargeld bei Zahlungen erst ab 100 000 Franken verboten werden, schlägt die Finanzministerin vor. Demgegenüber muss sich jeder EU-Bürger nicht nur beim Verlassen der EU, sondern auch beim Überschreiten der staatlichen Grenzen innerhalb der EU selbst anzeigen, wenn er mehr als 10 000 Euro in bar mitführt. Auch der schweizerische Bundesrat kann dank einer seiner neuen Verordnungen bereits die Bürger mit mehr als 10 000 Franken in bar an der Grenze kontrollieren. Noch aber gilt Art. 3,2 im Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel: «Schweizerische Banknoten müssen von jeder Person unbeschränkt an Zahlung genommen werden.» Erste Ritzungen dieses Gesetzes pflegen bereits manche Banken, welche die Allgemeinen Geschäftsbedingungen still und leise dahin änderten, dass sie «Barauszahlungen nach freiem Ermessen ablehnen».

Doch nehmen wir den grösseren Rahmen in den Blick. König Krösus von Lydien liess im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erstmals Goldklümpchen mit seinem Siegel versehen und schuf damit Geld, das nicht mehr nur Ware war, sondern das allgemeine Dritte. Geld wurde damit als standardisierter Wert gegenüber allen anderen Waren oder Diensten getauscht. Der Bürger konnte damit auch Werte abstrakt aufbewahren, ohne an eine Gegenpartei gebunden zu sein. Seit ab 1971 das Geld bloss noch Papier ist, bleibt als Gegenpartei nur die Bürgerschaft insgesamt, solange die Bürger diese Geldzeichen annehmen. Was ist der Wert solchen Papiers? Der heute wieder entdeckte Ökonom Ludwig von Mises gab eine verblüffende Definition: Die Kaufkraft des Geldes für die Bürger ist das, was ihre alltägliche Erfahrung als dessen Kaufkraft nahelegt. Das scheint ein logischer Zirkelschluss zu sein. Stimmt. Doch genau dies ist richtig beim Papiergeld, denn es hat keinen materiellen Anker mehr, es ist selbstreferentiell. Nur wenn mein Nächster dieses Geld annimmt, hat es Wert, und wenn er wegen Misstrauen oder Inflation immer mehr davon für einen Kartoffelsack will, dann senken die Bürger den Wert des Geldes einvernehmlich unter sich. Das ist die letzte Anarchie der Freiheit, der Markt dringt durch alle Ritzen. Doch genau diesen freien Austausch sollen die Bargeldverbote und Mitnahmeverbote verhindern. Die obrigkeitliche Macht will wissen, was die Geldbenutzer so treiben.

Elektronische Fesseln

Das Geld soll zum blossen Elektronenhäufchen werden, wie die Aktien und Obligationen. Noch in den 1980er Jahren konnte man Obligationen, Aktien im Schliessfach lagern, die Coupons jährlich oben am Schalter bar kassieren und weglaufen. Doch wegen der immateriellen Speicherung im Neverland kann man das Geld, die Wertpapiere nicht mehr als Schatz bei sich halten, sondern alle Halter werden vollständig abhängig von allerlei Gegenparteien – von Kartenfirmen, von Banken und ihrer neulich schwankenden Solidität, von inflationierenden, kontrollierenden, amputierenden Staaten.

Die staatlichen Kontrollen nehmen zwei Wege. Einmal kann der Staat den Bürger auf dem Territorium sozusagen einsperren, mit Kapitalverkehrsverboten oder -beschränkungen. Als Frankreichs Linke 1983 mit ihrer falschen Politik auflief, verbot sie den Franzosen, mehr als damalige 2000 Francs (etwa 500 Schweizer Franken) über die Grenze zu transferieren. Importeure mussten für Devisenzuteilungen im Ministerium anstehen. Die Weimarer Republik erliess 1931 eine «Reichsfluchtsteuer» von 25 Prozent, eine nackte Beschlagnahmung. Heute sind solche Fesseln elektronisch perfekt zu handhaben. Wir erinnern uns: Vor einem Jahr wurden alle Transaktionen der Bankeinlagen aus Zypern verboten und kontrolliert. Dies und die allgemeine Obergrenze für Bargeld bei nationalen Grenzübertritten von 10 000 Euro sind beschämende Neuheiten: Die Kapitalverkehrskontrollen gelten jetzt sogar innerhalb eines Währungsgebiets, des Euroraums, und nicht bloss wie früher gegenüber anderen Währungsräumen.

Zweitens können elektronisch gespeicherte Einlagen bequemstens amputiert werden. Wiederum in unserer Zeit hat dies bereits in Zypern 2013 stattgefunden. Zuerst wollten die höchsten westlichen Finanzautoritäten, Weltwährungsfonds, EZB, EU-Kommission, Bundesfinanzminister, sogar die kleinen Bankeinlagen amputieren, entgegen dem 2008 feierlich für die ganze EU versprochenen Einlagenschutz. Nach weltweiter Konsternation beschnitt man nur oberhalb von 100 000 Euro. Dennoch war auch das ein Fanal. Der jährliche Bericht «Fiscal Monitor» des Weltwährungsfonds erwog Ende 2013 eine «Abgabe» von 10 Prozent auf allen Vermögen Europas, um die Schuldenkrise im Euroraum auf einen Schlag zu lösen. Anfangs Februar 2014 wärmte die Bundesbank diese Idee wieder auf. Ausserdem phantasieren Notenbanken und Experten in den USA und Europa von negativen Zinsen, die den Banken für ihre Konten bei der Notenbank verrechnet und um welche dann auch die Einlagen der Bürger reduziert würden – ohne mögliche Flucht ins Bargeld. Die schöne Begründung: wegen der fehlenden Kreditgewährung müsse man Geld zwangsweise in Kredite und Ausgaben pumpen. In Wahrheit unterbleiben Kredite im überschuldeten Westen, weil die Arbeitsmärkte, die Gütermärkte verkorkst und die Staaten halb bankrott sind. Die anderen Begründungen für Bargeldverbote sind wie immer: Sicherheit, Kriminalität, Geldwäscherei, Steuervergehen. Die Politiker spielen seit je Sicherheit gegen Freiheit aus – und kriminalisieren alle Bürger, ohne es zu merken.

Enteignung per Knopfdruck

Vorreiter ist Schweden. Sicherheit und Praktikabilität spielen für die Schweden eine so grosse Rolle, dass sie freiwillig aus dem Bargeld flüchten, mit etwas Nachhilfe ihrer Banken. Diese haben in drei Vierteln ihrer Filialen die Bargeldausgabe beendet. Der bargeldlose Zahlungsverkehr wird allseits bejubelt, denn so gebe es weniger Diebstähle und Banküberfälle. Sehr praktisch. Ein Lobbyist der Kreditkartenfirmen machte jüngst gar hygienische Gründe für den Vorteil des bargeldlosen Zahlungsverkehrs geltend. Er hat die Bakterien auf einer Schweizer Banknote gezählt und kam auf 32 400 Stück. Sofort abschaffen. Damit hätten die Bakterien ihr erstes grosses Opfer gefunden – die Bargeldfreiheit.

Solch kleinlichen Überlegungen muss man die Phantasie des Schrecklichen gegenüberstellen. Einerseits die noch nicht lange zurückliegenden Amputationen, die schon wieder vergessen scheinen, andererseits das, was die heute in die Enge getriebenen Notenbanken und Schuldenstaaten mit den Notstandsklauseln in Demokratien anrichten können. Weimar, Zypern und Frankreich wurden schon erwähnt. Für Frankreich kann man auch die Zwangsanleihe anfügen, welche die bankrotte Mitterrand-Regierung 1983 eintrieb. Jacques Delors, Finanzminister und späterer EU-Kommissionspräsident, erhob von jedem, der mehr als 5000 Francs Steuern zahlte, nochmals 10 Prozent dazu als Anleihe an den Staat. Italiens Lira geriet in eine schwere Krise – da amputierte die Regierung in der Nacht vom 9. Juli 1992 alle Bankkonten um insgesamt 5,7 Milliarden Euro heutigen Werts und reichte das Gesetz zwei Tage später rückwirkend nach. 6 Promille der Konten wurden zugunsten des Staats abgebucht. Mit den elektronisch vollständig den Regierungen ausgelieferten Bürgerkonten kann dies heute alles ad hoc und maximal effizient per Knopfdruck geschehen, zusätzlich auch die negative Verzinsung, also generelle Amputation, es können nach Belieben Transaktionssteuern erhoben, erhöht und verallgemeinert werden.

Die neu in Europa ausgegebenen Staatsanleihen tragen alle die «Collective Action Clause», wonach bei Zahlungsschwierigkeiten eines Staates eine Mehrheit der Gläubiger reicht, um die anderen ebenfalls zum Schuldenschnitt zu verpflichten. Der Schnitt erfolgt elektronisch. Die Notenbanken können ad hoc Tiefzinsen auf Staatspapieren vorschreiben, wie in den USA 1940 bis 1951, und die Rückzahlung der Schuldverschreibungen könnte für Griechenland, wie man diskutiert, jederzeit um 50 Jahre aufgeschoben werden. Zimbabwes Banknoten tragen Verfallsdaten, auch dies ist eine Beschränkung des Bargeldes, die in Europa freilich noch zu entdecken bleibt. Kann sich Frankreich nicht zu schmerzhaften Reformen durchringen und will es partout im Euro bleiben, kann es die Abflüsse wie unter Mitterrand und heute in Zypern mit Kapitalexportverboten stoppen. Die Polizei ist Herr der Lage. Sogenannt demokratische Regierungen haben in der Not nie gezögert, die Banken, die Börsen zu schliessen, dann in aller Ruhe zu amputieren, oder privaten Goldbesitz zu verbieten. Letzteres vollzogen die USA 1933, Britannien im Jahre 1962.

Das Arsenal des Schreckens ist gross: haltlose Gelddruckerei, Kapitalkontrollen, Bargeldverbote und Amputationen. Die westlichen Behörden spielen bereits heute mit der Bereitschaft der Bürger, allgemeine Gegenpartei fürs Papiergeld zu sein. Und doch – auch das lehrt die Geschichte – können sie nicht verhindern, dass die Bürger zuletzt in reale Werte fliehen, in die Untergrundwirtschaft, in den Tausch, in Goldklauseln in den Verträgen. Das Hawala, das Clearing aus arabischen Gesellschaften, kommt überall auf: Ich habe ein Guthaben bei einer Zeitung in London, ein englischer Exporteur beliefert meinen Bekannten in Bonn mit englischem Tweed, der erlässt mir ein Darlehen, ich erlaube der Londoner Zeitung per SMS übers Festnetz, für den Exporteur ein Inserat zu schalten. So reagieren Bürger abseits vom Staat, abseits von Transaktionskosten, unter verbotenem Bargeld. Sie holen sich ihre Freiheit zurück. Sie halten sich an den Wahlspruch der 68er: Rebellion ist berechtigt.

 

http://www.schweizermonat.ch/artikel/bargeld-verboten

 

weico

 

weico
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   Der stabile Euro und seine Feinde

 

von Prof. Dr. Hans-J. Stadermann

 

"Der stabile Euro und seine Feinde" wird im Mai 2014 bei Metropolis, Marburg erscheinen.

Die sogenannte Eurokrise wird darin als Etappe eines seit dem Ersten Weltkrieg zwischen  Kontinentaleuropa und den Finanzzentren London und New York tobenden Finanzkrieges beschrieben.

Ca. 400 Seiten

29,80 Euro

 

Herrlich,wie treffend das Vorwort ......"Wirtschaft und Handel"  als eigentlichen "Finanzkrieg" beschreibt.  :

 http://www.unser-geld.com/app/download/13170348/Stabiloauszug.pdf

 

 

weico

sime
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weico hat am 02.04.2014 - 21:18 folgendes geschrieben:

Bargeld verboten!

 

Von Beat Kappeler



http://www.schweizermonat.ch/artikel/bargeld-verboten

 

weico

 

 

Sehr interessanter Beitrag. Dem kann ich noch das Lastenausgleichsgesetz der Deutschen nach der WR von 1948 beifügen als Mahnmal für das Kommende. Das hing natürlich mit dem Marshall-Plan zusammen. Das Geld für den Wiederaufbau gab es nicht umsonst von den Wallstreet-Bankster. Ja, und wenn die Re-GIER-ungen alles noch rückwirkend und quasi vermögensbildend durch Abzahlung ähnlich einer Lebensversicherung anpreisen, dann ist auch Kapitalflucht nicht möglich. Dann noch lieber wie die Portugiesen. Luxusautos verlosen an jene, welche die Steuererklärung ausfüllen, um Anreize zu schaffen. Biggrin

http://www.focus.de/finanzen/banken/groesste-enteignung-aller-zeiten-son...

 

Hier noch ein interessantes Interview mit A. Popp, leider schon aus dem Jahr 2011. Die mögliche Zwangshypothek.

 

https://www.youtube.com/watch?v=Vs5ZlJk8m3M

Hawala klingt gar nicht schlecht, wer sagt denn wir können vom Orient nichts lernen?

 

 

Elias
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Bullish hat am 20.03.2014 - 22:38 folgendes geschrieben:

Auf Eis gelegte Diskussion mit Elias: "Geld aus dem Nichts":

 

Aber auch der Kreditnehmer benötigt Eigenkapital (z.B. Haus als Sicherheit, dessen vermuteter Marktpreis den benötigten Kredit übersteigt) und fehlt dieses, dann schlägt dies sich in den Kreditbedingungen nieder (z.B. höherer Zins), weil dann die Bank mehr eigenes Eigenkapital riskiert.

Lass ich mal so stehen.

 

Und weil das so ist, kann eine Bank nicht pleite gehen, weil ja alles durch eigenes kapital gedeckt ist.

Die Bank braucht also auch kein Fremdkapital. Auch die Notenbanken müssen nie aushelfen und der Einlegerschutz von 100'000 ist unnötig. Das Geld ist immer vorhanden.

Spätestens wenn die Sicherheit einer Naturkatastrophe zum Opfer fällt und im Nichts verschwindet, müsste es einem dämmern.

Ich lass das auch mal so stehen

 

Oder möchte sich noch jemand zu Schattenbanken äussern?

 

 

 

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

weico
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sime hat am 02.04.2014 - 23:29 folgendes geschrieben:

Das Geld für den Wiederaufbau gab es nicht umsonst von den Wallstreet-Bankster.

..der Unterlege/Verlierer bezahlt eben Mehrfach. Secret

Nur schon die langfristigen Gewinne der USA,aus der "Operation Overcast/ Paperclip", waren X-fach grösser als die "Marshall-Hilfe" an Deutschland.. :angel:

 

weico

 

 

 

sime
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weico hat am 03.04.2014 - 18:57 folgendes geschrieben:

sime hat am 02.04.2014 - 23:29 folgendes geschrieben:

Das Geld für den Wiederaufbau gab es nicht umsonst von den Wallstreet-Bankster.

..der Unterlege/Verlierer bezahlt eben Mehrfach. smiley

Nur schon die langfristigen Gewinne der USA,aus der "Operation Overcast/ Paperclip", waren X-fach grösser als die "Marshall-Hilfe" an Deutschland.. smiley

 

weico

 

 

 

 

.. zehntausende gestohlene Patente. Man sollte auch immer darauf achten, dass Waffen für Kinder nicht zugänglich sind, Japan kann ein Lied singen.

 

Sehr lesenswert...

 

http://eamb-ydrohoos.blogspot.com/2014/02/ragnarok.html

 

 

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