Geldsysteme

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Banken schöpfen 329 Milliarden aus dem Nichts

 

Die Vollgeld-Initiative verlangt, dass nur noch die SNB Geld schöpfen kann. Wie viel Geld wird überhaupt von Geschäftsbanken geschaffen?

Private Banken sollen kein Geld mehr schöpfen: Das ist die Kernforderung der Vollgeld-Initiative. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wäre dann nicht nur für die Schaffung von Bargeld, sondern auch für die elektronische Geldschöpfung allein zuständig. Das von den Banken in der Form von Kreditvergaben bisher geschaffene Buchgeld würde in elektronisches Geld der Nationalbank verwandelt. Die Vorteile aus Sicht der Initianten: Weniger Bankenkrisen und mehr Stabilität für das Finanzsystem sowie eine Entschuldung der Gesellschaft.

Doch wie viel Geld schöpfen die Banken heutzutage tatsächlich selbst? Dieser Frage beantworteten die Initianten am Dienstag an einer Pressekonferenz in Zürich. Sie bezogen sich auf Daten der SNB von 2014, die zeigen: Insgesamt betrug das elektronische Geld der Geschäftsbanken knapp 329 Milliarden Franken.

Anteil der Grossbanken liegt bei knapp 50 Prozent

Dabei wurde ein Anteil von 48 Prozent von den beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS geschaffen, knapp 159 Milliarden Franken. Es folgen die Kantonalbanken (86 Milliarden oder 26 Prozent) sowie die Raiffeisenbanken (gut 17 Milliarden oder circa fünf Prozent). Die restlichen Milliarden entfallen auf andere Banken.

Weiter äusserten sich die Initianten an der Pressekonferenz zum Verhältnis des geschöpften Geldes der Banken gegenüber den Einlagen der Kunden. Bei den Raiffeisenbanken, deren Anteil an der Schöpfung elektronischen Gelds relativ tief ist, sei die Deckung umgekehrt entsprechend gross. Sie betrage ungefähr 90 Prozent. Bei den Kantonalbanken liege der Anteil bei 78 Prozent, bei den Grossbanken sogar nur bei 57 Prozent.

Der pensionierte UBS-Banker und Unterstützer der Initiative Hans Zuberbühler erklärte an der Pressekonferenz: «Für die Raiffeisenbanken beispielsweise würde sich durch eine Umstellung auf Vollgeld kaum etwas ändern.» Die angelegten Spargelder würden schon fast dem Volumen der ausstehenden Kredite entsprechen. Allgemein gelte: Kleine und mittlere Banken würden von Vollgeld profitieren. Die Grossbanken umgekehrt müssten sich stärker um eine Vorfinanzierung von Investitionen bemühen.

Raiffeisen selbst nicht einverstanden

Auf Anfrage von 20 Minuten kritisiert Raiffeisen Schweiz allerdings die Berechnungen. So betrage der Anteil der Raiffeisenbanken an den gesamten Sichteinlagen der Banken inzwischen nicht mehr 5, sondern über 12 Prozent. Oder in absoluten Zahlen: Anstatt auf gut 17 Milliarden beliefen sich die Sichteinlagen inzwischen auf etwa 50 Milliarden Franken.

Die Bank sieht sich selbst im Fall einer Annahme der Initiative auch nicht als Profiteurin. Ein Sprecher sagt zu 20 Minuten, dass eine Systemumstellung auf Vollgeld erhebliche Veränderungen bedeuten würde. Es sei kaum absehbar, wie sich die Struktur der Sichteinlagen nach einer Annahme der Initiative verändern würde und was dies für die Refinanzierung des Kreditgeschäfts bedeuten würde.

Kritik von der Bankiervereinigung

Die Grossbanken UBS und Credit Suisse verweisen für eine Stellungnahme auf die Schweizerische Bankiervereinigung. Der Verband kritisiert die Initiative ebenfalls: «Unser Geldsystem beruht nicht auf der Aufgabe, Geld zu schaffen, sondern einerseits Spareinlagen entgegenzunehmen und andererseits die Wirtschaft und Privatpersonen mit Krediten zu versorgen.»

Gerade in der Schweiz funktioniere das ausgezeichnet, so der Verband. Ein Experiment wie das Vollgeld würde dieses System unabschätzbaren Risiken aussetzen. Aus diesem Grund würden auch Bundesrat, Nationalbank und die gesamte Wirtschaft die Vollgeld-Initiative ablehnen.

 

http://www.20min.ch/finance/news/story/Banken-schoepfen-329-Milliarden-a...

 

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Echo aus dem Ausland auf die Vollgeld-Initiative

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Kritik an der Initiative

Bei «Forbes»-Kommentator Tim Worstall kommt die Initiative indes nicht gut an. Der Ökonom vom Adam-Smith-Institute kritisiert, die Urheber der Vollgeld-Initiative arbeiteten mit Behauptungen, die nicht richtig seien. Die Argumente der Befürworter des Vollgelds, von denen es auch in Grossbritannien einige gibt, widersprächen sich inhaltlich. Deshalb könnten auch die Forderungen nicht richtig sein. Entsprechend lässt Worstall kein gutes Haar an dem Vorstoss.

(moh)

 

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Worum geht es bei der Vollgeld-Initiative?

 Am 10. Juni entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Einführung eines Vollgeld-Systems. Um was geht es genau bei dieser Initiative? cash beantwortet die wichtigsten Fragen und führt eine Online-Umfrage durch.

Der Link zum Artikel: https://www.cash.ch/news/politik/volksabstimmung-worum-geht-es-bei-der-vollgeld-initiative-1170855

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Fed plant neues Zahlungssystem

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) plant ihr eigenes Echtzeit-Zahlungs- und Abwicklungssystem, das rund um die Uhr in Betrieb sein soll. Das Projekt solle 2023 oder 2024 an den Start gehen, teilte die Zentralbank am Montag (Ortszeit) weiter mit.

Der neue Service mit dem Namen FedNow werde neben einem privaten Echtzeit-Zahlungssystem bestehen, das 2017 von einer Gruppe von Grossbanken gegründet worden war. Kleinere Geldhäuser hatten die Fed darum gebeten, ein solches System zu entwickeln.

Die USA haben bereits ein Zahlungsverkehrssystem namens Fedwire, in dem die Differenzen zwischen den regionalen Filialen der Fed ausgeglichen werden. Die Notenbank denkt nach eigenen Angaben zudem darüber nach, den Service auf 24 Stunden täglich auszuweiten.

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Wie realistisch ist die Einführung von Helikoptergeld? *shok*

Ex-SNB-Chef Philipp Hildebrand macht sich stark für die Einführung von Helikoptergeld. Doch sollen Bürger direkt von den Notenbanken Geld erhalten, um die Wirtschaft anzukurbeln? cash hat sich bei Ökonomen umgehört.

Der Euroraum sei wahrscheinlich die erste grosse Volkswirtschaft, die radikale Massnahmen sehen werde, etwa "Geld direkt in die Taschen von Konsumenten oder Unternehmen zu stecken." Das sagte Philipp Hildebrand, Vizechef des Vermögensverwaltungsgiganten Blackrock, jüngst in einem Bloomberg-TV-Interview

Was der ehemalige SNB-Präsident beschreibt, ist sogenanntes Helikoptergeld. Das heisst: Die Notenbank soll nicht mehr über Banken oder Anleihenkäufe Geld in die Wirtschaft pumpen, weil das Geld auf diesem Weg nicht wie gewünscht in der Wirtschaft ankommt. Das Geld soll stattdessen ohne Umwege direkt den Bürgerinnen und Bürgern verteilt werden. Diese geben dann das "geschenkte" Geld aus, treiben damit die Inflation nach oben und bringen die Wirtschaft wieder in Schwung - so die Theorie.

Auch Thomas Mayer, Leiter des Flossbach von Storch Research Institute und ehemaliger Chefökonom der Deutschen Bank, hält das jetzige System für ausgereizt, nachdem es bereits Phasen von Zinssenkungen und quantitativer Lockerungen gegeben habe. In einem Interview mit cash am Februar 2019 sagte er, dass man damit rechnen müsse, dass Helikoptergeld komme.

Dass die bisherigen Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht die erhoffte Wirkung zeigen, sieht man sich dieser Tage an den schwachen Konjunkturdaten: Der europäischen Wirtschaft geht es zunehmend schlechter, Deutschland steht sogar kurz vor einer Rezession. Auch die Inflation kommt nicht wie gewünscht in die Gänge. Im Juli betrug sie für die Eurozone nur noch 1 Prozent. Das liegt deutlich unter der angestrebten Rate von nahe 2 Prozent.

«Extremste geldpolitische Massnahme»

Doch nicht alle Ökonomen glauben, dass die EZB nun auf Helikoptergeld zurückgreifen muss: Bernd Hartmann, Chefstratege der VP Bank, bezeichnet Helikoptergeld gegenüber cash als "die extremste geldpolitische Massnahme". Bereits bei den Wertpapierkäufen habe sich besonders seitens Deutschlands Widerstand gezeigt. Helikoptergeld wäre politisch noch deutlich umstrittener.

Hartmann hält fiskalische Massnahmen wie Konjunkturpakete für wahrscheinlicher. In Deutschland etwa habe sich die Staatsverschuldung seit der Schuldenkrise von über 80 Prozent auf 64 Prozent reduziert. "Der fiskalische Spielraum ist vielerorts vorhanden", so Hartmann. Im Rahmen eines Anleihenkaufprogrammes könne die EZB dann wieder die neu ausgegebenen Papiere aufkaufen und die Schulden so monetarisieren. Dies habe eine zum Helikoptergeld vergleichbare Wirkung, habe aber den Vorteil, dass es deutlich weniger Aufsehen errege und somit mit weniger Widerständen verbunden sei.   

"Zuerst werden weitere Anleihenkäufe im Fokus stehen", sagt auch Adriel Jost, Chefökonom bei Wellershoff & Partners auf cash-Anfrage. Denkbar seien in absehbarer Zeit aber auch Aktienkäufe wie etwa in Japan. Helikoptergeld hingegen sei kurzfristig noch kein Thema. Jost fügt aber an: "Bleibt die EZB im jetzigen Modus, ist mittelfristig eine Einführung durchaus denkbar."

Unsicherheit und Bargeldhortung als Folge?

Würde die Einführung von Helikoptergeld durch die EZB  - was global ein Novum wäre - tatsächlich den gewünschten Effekt erzielen? Kurzfristig könne es funktionieren und die konjunkturelle Stimmung aufhellen, meint Jost. Aber: "Schliesslich ist Helikoptergeld eine unverantwortliche Geldpolitik, welche die langfristigen Auswirkungen nicht beachtet." Eine Rückkehr zu einer restriktiveren Geldpolitik sei dann sehr schwierig.

Skeptiker warnen zudem davor, dass die dadurch erhoffte Wirtschaftsankurbelung gar nicht funktioniere, da die Bürger das Geld sparen würden anstatt es auszugeben. Denn: Wenn auf eine solche drastische Massnahme zurückgegriffen werden muss, ist dies ein Zeichen, dass die Notenbank verzweifelt ist. Das kreiert Unsicherheit und könnte eben zur Geldhortung führen.

Auch die Legalität einer solchen Aktion wird angezweifelt: Es stelle einen Eingriff in die Wirtschafts- und Sozialpolitik dar, was Aufgabe der Regierungen und nicht einer Zentralbank sei. Die Notenbanken hätte dazu kein Mandat, sagte der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bereits vor drei Jahren.

https://www.cash.ch/news/politik/notenbanken-wie-realistisch-ist-die-ein...

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