Geldwäsche mit Silbermünze aus Österreich

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02.07.2009 09:24
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Geldwäsche mit Silbermünze aus Österreich

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Eine neue Silbermünze aus Österreich ist der Geheimtipp bei deutschen Anlegern: Mit ihr lassen sich große Mengen Schwarzgeld über die Grenze schaffen - der Zoll muss tatenlos zusehen. Die Nachfrage boomt, die Prägeanstalt kommt mit der Herstellung kaum hinterher.

München - Das Objekt der Begierde hat einen Durchmesser von 37 Millimetern, besteht aus 999er Feinsilber und zeigt auf der Vorderseite eine Orgel, die Prägung des Herkunftslands, der "Republik Österreich", und den Nennwert der Münze: 1,50 Euro; auf der Rückseite die Aufschrift "Wiener Philharmoniker Silber" sowie ein paar Instrumente des weltberühmten Orchesters.

Das Prägestück, unter Numismatikern inzwischen als "Silber Philharmoniker" bekannt, hat das Potential, den ohnehin leicht entflammbaren Zorn des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück heraufzubeschwören. Denn die Unze Silber ist der Geheimtipp deutscher Anleger, die unauffällig ihr nicht ordentlich versteuertes Geld nach Hause transferieren wollen.

In weiser Voraussicht auf die Folgen von Bankencrash, Aktienabsturz und auf den steigenden Wert von Edelmetall hatte das Land Österreich Anfang2008 die neue Münze aufgelegt. Sie dient ausdrücklich der Geldanlage, nicht als Sammlerstück. Marketingsprecher Bernhard Urban von der Prägeanstalt Münze Österreich Aktiengesellschaft nennt sie in aller Bescheidenheit "einzigartig" in Europa. Zur Erfolgsgeschichte gehört, dass die Silber-Philharmoniker als gesetzliches Zahlungsmittel im Wert von 1,50 Euro gelten, mit dem man auch einen großen Braunen oder die Zeche im Beisl berappen könnte. Was allerdings dumm wäre, denn das exklusive Geldstück ist - schwankend je nach Silberpreis - rund11 bis 14 Euro wert und kostet am Bankschalter auch etwa so viel.

Genau diese Differenz zwischen Nennwert und Marktpreis macht die Münze im internationalen Geldverkehr zu einem hochinteressanten Objekt. Sie hebelt auf verblüffende Weise die bundesdeutschen Einfuhrbestimmungen für Bargeld aus. Wer von Österreich nach Deutschland reist, darf 10.000 Euro bei sich tragen, ohne dass er die Barschaft im Fall einer Kontrolle durch Zollfahnder deklarieren muss. Ergo kann jeder mehr als 6000 Philharmoniker-Münzen über die Grenze schaffen, ohne dass ihm sofort Steinbrücks Truppen ins Gehege kommen - mithin pro Einreise über 110.000 Euro aus seinen verborgenen Schätzen in Österreich heimholen.

Unbestritten nutzen viele Deutsche die diskreten Konten der österreichischen Geldhäuser. Klar ist aber auch, dass das strikte Bankgeheimnis schon bald ein Ende haben wird. Noch behaupten die bayerischen Zollfahnder, das Phänomen gar nicht bemerkt zu haben. Doch in Österreich habe sich der Philharmoniker bereits "zum absoluten Renner" entwickelt, wie der Münzexperte Urban stolz erklärt, vor allem Deutsche griffen gern zu.

So auch ein Unternehmer aus dem Raum München, dem der raffinierte kleine Grenzverkehr von Freunden aus dem Yachtclub verraten wurde. Seither macht der Münztrick unter vermögenden Bayern, die Ersparnisse im Nachbarland gebunkert haben, die Runde. Weil in Chatrooms der Münzsammler alle möglichen Wege der Steuerersparnis ausgetauscht werden, möchte etwa die Deutsche Bundesbank das Thema ungern publik machen. Die Problematik ist den obersten Bankern durchaus bewusst.

Das Bundesfinanzministerium reagiert mit dem Hinweis, die einfallsreichen Sparer sollten sich nicht zu sicher fühlen. Denn Zöllner könnten auch bei Münzen Verdacht hegen und diesen weiterleiten. Beschlagnahmen dürfen sie die Silberlinge bis zu 10.000 Euro Nennwert dennoch nicht.

"Wir wollen ein Vakuum füllen"

In Österreich kommt man mittlerweile mit dem Prägen nicht mehr nach. Wer bei der Oberbank im Salzburger Land das klingende Silber kaufen will, muss bis zu vier Wochen warten. Dass die Philharmoniker breitere Kreise als die üblichen Münzsammler ansprechen, ergibt sich schon aus der grandiosen Fehlkalkulation der Herausgeber: Hatte die Prägeanstalt im Februar2008 mit dem Verkauf von drei, höchstens fünf Millionen Geldstücken gerechnet, so waren Ende des Jahres fast acht Millionen unter die Leute gebracht. Und2009 sind schon fast fünf Millionen Stück erworben oder bestellt worden.

Natürlich weist Urban weit von sich, dass der Philharmoniker Steuerflüchtigen das Leben erleichtern soll. Das sei sicher nicht das Motiv für die Prägung des Silberstücks gewesen, sagt er. Sehr wohl habe man aber erkannt, dass Anleger auf Edelmetall setzen, in diesen unruhigen Zeiten. "Wir wollten ein Vakuum füllen, das die Banken nun hinterlassen haben." Soll heißen: Wenn immer weniger Kunden ihrem Anlageberater bei der Hausbank vertrauen, dränge sich der Wiener Philharmoniker als Alternative geradezu auf.

Wie viele Deutsche die Münze als Vermögensanlage kaufen und wie viele sie für den pekuniären Grenzverkehr nutzen, wird wohl nie zu ermitteln sein. Fest steht: Die Deutsche Bundesbank nimmt am Silberboom nicht teil. Die Bundesbürger halten sich bei inländischen Münzkäufen derzeit eher zurück, deutsche Gedenkmünzen eignen sich nur zum Sammeln, nicht zum Schmuggeln. Silberprägungen entwickeln sich deshalb langsam zum Ladenhüter. Die österreichische Idee, in schlechten Zeiten statt Sammlerstücken ein pfiffiges Anlagemodell zu prägen, kommt für die Bundesbank nun wohl zu spät.

quelle: spiegel-online

Die Österreicher machen den Schweizern wohl einiges vor. Steinbrück wird sich freuen Wink

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