Kräfteumverteilung auf den Finanzmärkten dank Globalisierung

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27.05.2007 12:11
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Kräfteumverteilung auf den Finanzmärkten dank Globalisierung

Hier noch eine interessanter Artikel aus der NZZ vom Sonntag bezüglich staatlicher Investments der Asiaten...

Werden sich die internationalen Anleger dann noch viel mehr von Wallstreet abgenabelt haben als heute? Wird der politische Einfluss der USA signifikant schwächer sein? Meiner Meinung nach ja! Das aktuelle Gerangel um den Nachfolger von Wolfowitz (...muss es auch in Zukunft ein Yankee sein?) sind meiner Meinung nach ein Zeichen dieses Wandels ebenso wie das nationalistische, selbstbewusste Auftreten des heutigen Russlands unter Putin. Schliesslich gehören sie zu den Kreditgebern von Morgen.

Armes Amerika! Und bushy Bush hat diesen Trendwechsel noch akzeleriert...

Aus NZZ am Sonntag, 27.5.07

Quote:

Wer hat Angst vor staatlichen Investmentfonds?

China, Dubai, Russland: Reiche Länder treten neu als Investoren auf - nicht immer bloss nach marktwirtschaftlichen Kriterien

Bis 2015 könnte das Volumen staatlicher Investmentfonds von heute 2500 Milliarden auf 12 000 Milliarden Dollar steigen. Das wird die Kurse an den Finanzmärkten beeinflussen.

Katharina Fehr

China ist die Fabrik der Welt. Das soll sich ändern. Die Chinesen wollen nun in der Liga der grössten globalen Firmen mitspielen. Bisher haben vor allem die Energiegiganten wie CNOOC und Petrochina im Ausland zugekauft. Doch nun wird die Palette breiter. Auch chinesische Industrieunternehmen erwerben Auslandbeteiligungen, und vor wenigen Tagen hat eine chinesische Firma im deutschen Mecklenburg-Vorpommern einen ganzen Flughafen gekauft. Bereits fürchten sich Europas Bankiers vor den chinesischen Finanzgiganten, die, an der Börsenkapitalisierung gemessen, mit den grössten der Welt mithalten können.

Vor diesem Hintergrund hat die Nachricht aufhorchen lassen, die chinesische Notenbank werde einen Fonds gründen, um einen Teil ihrer gigantischen Währungsreserven - mit 1200 Mrd. $ die höchsten der Welt - renditeträchtiger anzulegen. Das bedeutet, dass sie das Geld nicht mehr nur in langweiligen Staatsanleihen - vornehmlich in den USA - parkieren will, sondern das Geld in den Aktienmarkt und in direkte Beteiligungen fliessen lässt. In einem ersten Schritt hat China - ein kommunistischer Staat! - für 3 Mrd. $ einen 10%-Anteil am wohl kapitalistischsten Unternehmen der Welt erworben, dem Private-Equity-Haus Blackstone.

Dieser neue staatliche Investmentfonds, der rund 300 Mrd. $ umfassen soll, wäre in der Lage, fast jedes Unternehmen auf dem Globus zu kaufen. Das schürt Ängste, der Fonds könne möglicherweise nicht nur Renditeziele verfolgen, sondern auch Regierungsinteressen erfüllen, seien sie politischer oder wirtschaftlicher Natur. Schliesslich hat erst vor wenigen Monaten der staatliche Investmentfonds Singapurs, Temasek, mit seiner Investition in die thailändische Telekomfirma Shin zum Sturz von Thailands Regierungschef Thaksin Shinawatra beigetragen. Stephen Jen, Währungsanalyst der Investmentbank Morgan Stanley, glaubt, dass solche staatlichen Fonds versuchen könnten, über Firmenkäufe an ausländisches Know-how zu kommen. «Hightech-Firmen und ausländische Banken könnten das primäre Ziel dieser Fonds sein», schrieb er Anfang Mai. China ist sich dieser Problematik bewusst und betont, man werde bei Blackstone auf das Stimmrecht verzichten.

Die Sovereign Wealth Funds, wie die staatlichen Investmentfonds im Jargon heissen, gewinnen stark an Bedeutung. Heute dürften die rund 25 Länder, die eine solche Institution kennen, schätzungsweise rund 2500 Mrd. $ verwalten. Das ist nicht ganz die Hälfte der weltweiten Notenbankreserven und fast doppelt so viel, wie die gesamte Hedge-Fund-Branche verwaltet. Damit lassen sich Kurse bewegen. Auch wenn niemand weiss, wo diese verschwiegenen Fonds investieren, ist George Magnus, Chefökonom der UBS in London, überzeugt, dass die Fonds der Ölstaaten die Aktienkurse in Ländern wie Malaysia, Indonesien oder China nach oben getrieben haben und in diesen Ländern zu den grössten Investoren gehören.

Die ölexportierenden Staaten waren auch die Ersten, welche solche Fonds gegründet haben. Bereits 30 Jahre Erfahrung haben die Vereinigten Arabischen Emirate mit ihrem Adia-Fund. Nach Schätzungen von Morgan Stanley ist er mit 875 Mrd. $ auch der grösste der Welt. Russland, das seine Reserven aus dem Ölgeschäft bisher vor allem im Geldmarkt angelegt hat, kündigte kürzlich an, seinen Fonds zweizuteilen, um eine bessere Rendite zu erwirtschaften.

Das grösste Wachstum dürfte in den nächsten Jahren aber aus den asiatischen Ländern kommen. Neben Chinas Fonds über 300 Mrd. $ will beispielsweise Korea das Volumen seines Fonds verdoppeln, Taiwan und Japan diskutieren darüber. Jen schätzt, dass alle staatlichen Investmentfonds zusammen jährlich um 500 Mrd. $ wachsen werden und 2015 ein Volumen von rund 12 000 Mrd. $ erreichen. Eine gigantische Summe. Zum Vergleich: Die weltweite Börsenkapitalisierung beträgt heute rund 50 000 Mrd. $. «Der Aufbau von solchen staatlichen Investmentfonds ist für die Finanzmärkte in den nächsten Jahren eine der dramatischsten Entwicklungen», sagt Magnus.

Kurzfristig rechnet der UBS-Ökonom zwar nicht damit, dass der Boom der staatlichen Fonds zu starken Verschiebungen an den Finanzmärkten führen wird. «Doch über die längere Frist wird dies zu einer Bewegung weg von liquiden Titeln wie Staatsanleihen und Devisen hin zu Aktien, Hedge-Funds, direkten Beteiligungen oder Rohstoffen führen», erklärt Magnus. Einzelne Hedge-Funds haben sich bereits für dieses Szenario positioniert. Sie suchen Mitarbeiter, welche die staatlichen Fonds beobachten, um dann in ihrem Windschatten von Kursavancen zu profitieren.

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