Langfristiger Ausblick auf die Märkte

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MarcusFabian
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Vorwort

Ich erhalte ab und zu private Nachrichten von Lesern, die danach fragen, welche Risiken und Chancen ich für die nächsten paar Jahre sehe.

Ich halte es für sinnvoll, diese Anfragen in einem eigens dafür geschaffenen Thread zu beantworten. Somit kommt die Antwort nicht einem sondern hunderten von Lesern zu Gute.

Um den Thread "sauber" zu halten gebe folgende Rahmenbedingungen vor:

Wir diskutieren ausschliesslich langfristige Bewegungen der Märkte, Zinsen, Rohstoffe und Währungen. Sowie politische und wirtschaftliche Einflüsse.

Der Zeitrahmen liegt bei 1 Jahr aufwärts in der Regel 5-10 Jahre.

Ich möchte keine Einzeltitel diskutieren und auch keine Anfragen lesen, wie ich xy in der nächsten Woche sehe. Dafür gibt es andere Threads.

Kondratieff

Nickolai Kondratieff war eine russischer Ökonom, der in den 1920er Jahren die Wirtschaft und deren Zyklen bis zurück ins Jahr 1789 analysierte und dabei auf interessante Rhytmen zwischen Hausse und Baisse, Inflation und Deflation aufmerksam wurde.

Diese Rhytmen wurden bekannt unter dem Namen "Kondratieff Zyklen".

Jeder Zyklus dauert etwa 50-60 Jahre und wird wie in der Natur in vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter aufgeteilt.

Jeder Zyklus hat seine eigenen Investment-Chancen und -Risiken. So ist es für einen Langfristinvestor lebenswichtig zu wissen, in welchem Zyklus der Wirtschaft er sich momentan befindet.

Was ist das richtige Investment? Aktien? Obligationen? Gold? Rohstoffe?

Besonders schwierig wird's beim Wechsel der Jahreszeiten: Was die letzten 10 Jahre das richtige Investment war, wird für die nächsten 10 Jahre das falsche sein. Wird der Investor den Umstieg rechtzeitig schaffen?

Grund genug also, sich die vier Jahreszeiten des Kondratieff-Zykus etwas genauer anzuschauen.

Frühling (1949-1966)

Der Frost des Winters hat unter den Firmen gewütet und tüchtig aufgeräumt. Nur die besten und stärksten haben überlebt. Schulden wurden abgebaut. Geldgeber (Banken, wie auch Anleger) sind nach dem strengen Winter verunsichert und vergeben kaum Kredite.

Die Wirtschaft muss sich also selbst helfen und Investitionen mit Eigenmitteln und aus Gewinnen finanzieren. Die Aktien sind extrem billig. KGV von 6-8 sind die Regel, die Dividendenrenditen liegen bei 8-10% aber keiner will die Aktien kaufen, obschon jetzt der ideale Zeitpunkt wäre, um langfristige Investments aufzubauen.

Nun, die überlebenden Unternehmen haben den Vorteil, dass der Markt recht ausgetrocknet ist. Nachfrage ist da und Konkurrenz ist zum grossen Teil Pleite gegangen. Die Wirtschaft steigt anfangs langsam und stetig an. Neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Langsam kehrt das Vertrauen in die Wirtschaft zurück. Es herrscht Frühlingsstimmung. Man gönnt sich wieder Luxus und die Börsenkurse steigen und steigen.

Die Kreditvergabe wird immer lockerer. Investitionen können nun getätigt werden und neue Firmen schiessen aus dem Boden. Zinsen und Inflation steigen.

Bestes Investment: Aktien

Sommer (1967-1982)

Immer neue Investitionen, neue Schulden (auch im Privatsektor) werden aufgebaut. Es herrscht Aufbruchstimmung. Die Inflation erreicht zweistellige Bereiche. Aktien sind bereits so teuer geworden, dass sich die Kurse kaum noch bewegen. Zwar liegen die Renditen von Aktien immer noch bei stolzen 8-12% aber die Inflation erreicht noch höhere Werte.

In dieser Situation macht es keinen Sinn, in Aktien oder Obligationen zu investieren. Die Inflation frisst die Gewinne mehr als weg.

Profitabel sind Rohstoffe und Gold, da alle Langfrist-Anleger nach einer Anlage suchen, die zumindest werterhaltend ist.

Beispiel aus den 70er Jahren: Gold kostete 1970 $50/oz und 1982 zeitweise bis $850/oz.

Wir erinnern uns auch an die Erdölkrise von 1973 und die autofreien Sonntage. Die boomende Wirtschaft benötigt mehr und schneller Rohstoffe als die Produzenten in der Lage sind zu liefern.

Beste Investments: Gold und Rohstoffe

Herbst (1982-2000)

Aus der Rohstoffknappheit der 70er Jahr wurden die Konsequenzen gezogen und zeigen nun Wirkung. So wurden einerseits neue Ölquellen erschlossen, um der ständig steigenden Nachfrage gerecht zu werden und andererseits sparsamere Autos produziert. 1985 sank der Ölpreis wieder auf das Niveau der 60er Jahre.

Dies gilt analog für alle Rohstoffe.

Politisch ist der Herbst geprägt durch den Kampf gegen die Inflation. Zinsen und Teuerung sinken wieder in den niedrigen einstelligen Bereich (2-4%). Dadurch werden Aktien und Obligationen wieder interessant und erleben einen Boom.

Rohstoffe und Gold hingegen werden billig. Das Horten von Gold bringt keine Rendite. Ganz im Gegensatz zum boomenden Aktienmarkt.

Die niedrigen Zinsen erlauben weitere Investitionen. Neue Firmen werden gegründet und dank der niedrigen Schuldzinsen verschulden sich auch Privathaushalte immer mehr. Die Schulden wachsen ins Unermessliche. Dies wird aber nicht als Gefahr erkannt, da ja die Aktien schneller steigen als die Schulden.

Vermehrt werden deshalb auch Aktien auf Schulden gekauft. Wer könnte dem auch widersprechen? Macht es nicht Sinn, Für einen Kredit 6% Zinsen zu zahlen, wenn man mit Aktien 40% Gewinn einstreichen kann?

Der Aktienmarkt überhitzt mehr und mehr. Aktien sind extrem überbewertet, werden aber weiterhin höher und höher getrieben.

Beste Investments: Aktien und Obligationen

Schlussendlich kommt es wie es kommen muss: Börsencrash! Über Nacht ist der Winter da.

Winter (2000- 201?)

Die Aufgabe des Winters besteht in der Bereinigung. Rezessionen, Konkurse, Platzen von Blasen und faulen Krediten prägen das Bild dieser düsteren Jahre.

Wer Aktien auf Kredit gekauft hatte, muss nun zwangsverkaufen und steht mit Schulden da. Schulden müssen bezahlt werden, der Konsum wird entsprechend eingeschränkt.

Dies führt dazu, dass die Wirtschaft weniger Gewinne erwirtschaftet und Arbeitsplätze streicht, was den Teufelskreis weiter verstärkt. Abspecken ist angesagt. Bei Firmen wie den Privaten.

Wer das nicht mehr kann, geht Konkurs.

Für Kreditgeber wie Banken aber auch Investoren (Obligationen und Aktien sind schliesslich auch Kredite) brechen ebenfalls schwierige Zeiten an. Sie müssen viele faule Kredite abschreiben bzw. Kursverluste hinnehmen, können aber andererseits ihr Risiko auch nicht absichern, da die Zinsen und Dividenden zu niedrig sind. Wer in dieser Situation noch Geld übrig hat, wird es in Gold anlegen, das im Winter einen neuen Boom erfährt.

Die Krise an den Finanzmärkten führt den Menschen vor Augen, dass Papier häufig nichts anderes ist als eben dieses: wertloses Papier.

Aktien, Obligationen, Hypothekarverträge, Schuldscheine werden über Nacht wertlos. Auch Papiergeld als solches wird mit mehr und mehr Misstrauen betrachtet. Man besinnt sich auf die wahren Werte: Gold und Rohstoffe.

Währungskrisen und -reformen fallen immer in den Winter des Kondratieff-Zyklus.

Wegen dieser Unsicherheiten, werden Kredite nur noch dann gewährt, wenn sich der Gläubiger durch hohe Zinsen gegen die Risiken wie Zahlungsunfähigkeit oder Währungsverlust ausreichend abgesichert glaubt. "Entweder Du gibst mir mindestens xx% Zinsen oder Du kannst den Kredit vergessen und ich kaufe Gold"

In der zweiten Winterhälfte werden deshalb die Zinsen am langen Ende sehr stark ansteigen.

Beste Investments: Gold, nach Anstieg der Zinsen auch Obligationen

Irgendwann ist auch der strengste Winter vorbei, sind alle Altlasten bereinigt, die Schulden abgebaut, überlebens-unfähige Firmen pleite gegangen und die Börsen liegen am Boden.

Die Aktienbewertungen liegen auf historisch niedrigem Niveau, die Überlebenden sind allesamt seriöse und unterbewertete Firmen aber keiner will noch Aktien kaufen.

Investoren, insbesondere Kleinanleger, wurde 10 Jahre lang in regelmässigen Abständen durch Scheinrallys dazu bewegt, ihre sauer verdienten Ersparnisse in Aktien zu investieren, die vielleicht noch 1 Monat lang stiegen, nur um danach neue Mehrjahres-Tiefs zu markieren. Am Ende des Winters hat auch der hinterste und letzte Kleinanleger das Vertrauen in die Börse verloren, die Nase gestrichen voll und schwört sich hoch und heilig, nie mehr an der Börse zu investieren.

Schade eigentlich, denn genau jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, um im grossen Stil in die Märkte einzusteigen. Jetzt, nur jetzt kriegt man die Perlen für ein Butterbrot.

Die Börsen liegen am Boden, der Tiefpunkt ist erreicht und es geht langsam wieder aufwärts. Ein neuer Frühling ist da, der Zyklus beginnt von vorne.

Handeln im Kondratieff

Zugegeben, es ist schwierig, den Wechsel der Jahreszeit zu erkennen. Sind wir noch im Winter oder schon im Frühling? Wo ist die Grenze zwischen Sommer und Herbst?

In der Regel erkennt man dies erst Jahre zu spät. Den Frühling beispielsweise erst, wenn die Kurse über 1-2 Jahre stetig nach oben gelaufen sind.

Einzig den Winter erkennt man sehr deutlich, denn der Herbst endet mit einem Crash.

Umso unverständlicher ist, weshalb so viele Kleinanleger trotz Winterzeit immer noch das genau falsche tun, nämlich langfristig in Aktien zu investieren und den Goldbullen zu verschlafen.

Zugegeben, wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wir haben vielleicht 10 Jahre lang die positive Erfahrung gemacht, dass Aktien immer steigen und Rückschläge nur kurzfristig sind. Nun kurzfristig den Umstieg von Aktien in Gold zu wagen dürfte wohl in erster Linie ein psychologisches Problem sein.

Das hängt sicher auch damit zusammen, dass ein Kondratieff-Zyklus mit 50-60 Jahren so lange dauert, dass kaum ein Investor einen ganzen Zyklus aktiv an der Börse miterlebt. Wären die Zyklen kürzer - zum Beispiel ein Jahr - kämen wir damit sehr gut zurecht und wären alle Top-Spekulanten:

Ersetzen wir einmal Börsenkurse durch Temperaturen und nehmen wir an, wir könnten auf steigende Temperaturen spekulieren, wie mit Aktien. Wohl jeder von uns würde in einer kalten Januar-Nacht Temperatur-Aktien kaufen und Ende Juli zur Mittagszeit wieder verkaufen. Dabei wären uns die Eisheiligen oder die Hundstage ziemlich schnuppe, denn wir wären uns ganz sicher, dass es Ende Juli wärmer ist als im Januar und wir dann unsere Aktien an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit veräussern könnten.

Schliesslich hat jeder von uns, diesen Temperatur-Zyklus namens "Jahr" bereits zig mal erlebt und somit haben wird die langfristigen Verläufe wie auch die kurzfristigen Rückschläge sehr gut im Griff.

Jeder von uns wäre aber auch so intelligent, seine Temperatur-Aktien im Juli, spätestens August zu verkaufen. Niemand käme auf die Idee, sie bis zum Oktober oder gar Dezember zu halten.

Nun gut, ein Kondratieff-Zyklus dauert 50-60 mal länger. Ein Monat Kondratieff entspricht 4-1/2 Jahren und ich behaupte mal, dass die meisten Kleinanleger höchstens 1-2 Kondratieff-Monate erlebt haben.

Entsprechend verhalten wir uns auch: Wir steigen vielleicht im Juli in die Börse ein, nachdem wir erkannt haben, dass seit März die Temperaturen gestiegen sind und die Zeitungen von einer kommenden Hitzewelle sprechen. Der August erreicht noch höhere Temperaturen und gibt uns mit unserer Entscheidung Recht. Die ersten kalten Tage des Septembers nutzen wir dazu, günstig Temperatur-Aktien nachzukaufen, im Oktober beschliessen wir, unsere Verluste auszusitzen aber spätestens im Dezember werfen wir das Handtuch.

Wir betrachten das Kondratieff-Jahr durch die Lupe einer Fliege, die im natürlichen Jahr durch den ersten Frost völlig überrascht und tödlich getroffen wird.

Zugegeben, wir konnten nie einen ganzen Kondratieff-Zyklus persönlich durchleben. Genau so wenig, wie eine Fliege mehr als ein Jahr überleben kann. Aber im Gegensatz zur Fliege können wir lesen, die Geschichte verstehen und in unsere Erfahrung einfliessen lassen.

Machen wir doch Gebrauch von dieser Fähigkeit und nutzen wir sie zu unserem Vorteil.

... (Fortsetzung folgt) ...

MarcusFabian
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Inflation und Dow Jones

Wir müssen uns zunächst darüber klar werden, dass es zwei Möglichkeiten gibt wie Aktien an Wert verlieren können:

Sinkende Kurse und Inflation.

Betrachten wir mal diesen Langfrist-Chart des Dow Jones. nominal in Dollar:

Wohl jeder von uns kennt den spektalulären Crash von 1929 bis 1932.

Selbst auf diesem Chart gut erkennbar.

Viel weniger sichtbar ist der Bärenmarkt in den Jahren 1967-1981 als der Dow in einem langweiligen Seitwärtstrend insgesamt 6 mal die Marke von 1000 Punkten über- und dann wieder unterschritt.

Die über 40 jährigen mögen sich vielleicht noch an die hohe Inflation damals erinnern als die Konsumentenpreise zeitweise 10-14% pro Jahr gestiegen sind.

Wenn wir den Dow langfristig inflationsbereinigt aufzeichnen, wird die Entwertung der 70er Jahre erst richtig sichtbar. Real hat der Dow während dieses Bärenmarktes etwa 50% seines Wertes eingebüsst:

Hier sieht man die Entwertung des Dow zwischen 1967 und 1981 recht eindrücklich. Man sieht ebenfalls, dass sich der Dow in einem langfristigen Aufwärtstrend befindet, dessen Spitzen jeweils etwa 34 Jahre (Kondratieff-Zyklus) auseinander liegen: 1929, 1966, 2000.

Hier derselbe Chart etwas spektakulärer Wink

Wäre alles seinen gewohnten Gang gegangen, hätte im Jahr 2000 der nächste Bärenmarkt beginnen müssen. Und anfangs sah es ja auch danach aus.

Zumindest bis zum November 2002 als Greenspan und Heli-Ben beschlossen, den Markt mit billigem Geld zu fluten und damit die geplatzte Dot-Com-Blase durch eine neue und noch um einiges grössere Immobilienblase ersetzten.

Die Wirtschaft und die Konsumenten nahmen diese frischen Blüten gerne an, konsumierten frisch fröhlich weiter und kauften was das Zeugs hielt. Dummer Weise lief dieser Konsum auf Pump und so ist es abzusehen, dass der Bärenmarkt doch noch kommt. Zugegeben, 8 Jahre später als erwartet aber er kommt.

Vielleicht wird uns die Geschichte später lehren, dass es unter dem Strich keine gute Idee war, die Märkte mit Liquidität zu fluten und auf Teufel-komm-raus im Jahr 2001 die Rezession mit neuem Geld zuzuschütten. Denn nun ist der Fehlbetrag höher als 2001. Entsprechend muss auch mehr korrigiert werden!

Auf Sicht der nächsten 10 Jahre stellt sich nun natürlich die Frage, wie die kommende Korrektur vonstatten gehen wird.

Werden die Börsen sinken, so wie 1929 oder werden sie seitwärts tendieren und die Entschuldung findet über Inflation und Geldentwertung statt?

Schlussendlich spielt das keine Rolle. Es läuft nämlich auf dasselbe hinaus. Auf eine Korrektur der Märkte auf zuerst faire und danach zu billige Werte. Vom derzeitigen KGV von 17-21 auf faire 14 und danach auf 5-6.

Vielleicht hat der Bärenmarkt ja auch schon 2000 begonnen und keiner hat's bisher gemerkt: In Hartwärhung gerechnet ist der Dow nämlich genau auf dem Weg der Korrektur:

Wie handeln wir das nun?

Ganz einfach! Wir kaufen Gold und Rohstoffe bis der Bärenmarkt abgeschlossen ist. Das werden wir erkennen, wenn der BLICK in einem Artikel den Gold-Kauf empfiehlt weil die $3000-Marke durchbrochen wurde und von Aktien abrät weil Aktien in den letzen x Jahren nur Verlust und schmerz gebracht haben.

Dann ist es Zeit, sich von Gold zu trennen und günstig Aktien aufzukaufen, die keiner haben will.

Der besagte Artikel im Blick könnte in etwa so ähnlich lauten wie jeder aus der Business week vom August 1979

Der Tod der Aktien

„Die Massen haben sich bereits vor langer Zeit aus dem Aktienmarkt zurückgezogen. Sie sind in alternative Investments mit höherer Verzinsung und damit größerem Schutz vor Inflation eingestiegen. Jetzt haben auch Pensionsfunds die Erlaubnis erhalten, Aktien und Anleihen zugunsten von Immobilien, Futures, Gold und sogar Diamanten fallen zu lassen. Der Tod der Aktien sieht nach einem beinahe permanenten Zustand aus; irgendwann umkehrbar, aber nicht in der nahen Zukunft.“

„Bis jetzt war die Flucht der Institutionen aus den Finanzmärkten eher moderat. Aber es besteht die Gefahr, dass sie sich in einen reißenden Strom verwandelt, falls der diesjährige 60%ige Anstieg des Öl-Preises eine tiefe Rezession auslöst, während die Inflation gen Himmel schießt.“

„In der Tat haben die Aktienmärkte nach einer Untersuchung der Salomon Bros. seit 1968 einen enttäuschenden Return von 3,1% geliefert, der Consumer Price Index (CPI) ist dagegen um 6,5% gestiegen. Gold konnte um unglaubliche jährliche 19,4% zulegen, Diamanten um 11,8% und der Preis von Einfamilienhäusern um 9,6%.“

Heute wissen wir: 2 Jahre nach Erscheinen dieses Artikels begann der grösste Bullenmarkt aller Zeiten!

Yankee
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Super Posting

Na das ist doch mal ein Posting.

Super Recherche! Ist eindrücklich zu lesen.

wenns wirklich so kommen sollte, dann bin ich wohl ein Depp mit nem Aktienfondssparplan....!

Gold ist kitschig, Platin glänzt nicht genug, aber Silber, es strahlt und ist elegant, kühl und sportlich...

fritz.
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Super, MarcusFabian, Du bist unser Bester. Unglaublich wieviel Zeit Du aufwenden musst, um all diese Infos zusammenzutragen und dann noch so treffend zu interpretieren.

Eigentlich solltest Du von Cash einen Lohn bekommen, die machen ja auch Kohle mit der Werbung auf der Webseite (obwohl ich die alle weggeklickt habe Wink ), dieses Forum wäre ohne Dich höchstens die Hälfte wert.

Besten Dank

fritz

MarcusFabian
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Besten Dank für die Komplimente. Es macht Freude, wenn es Euch soviel Spass macht, meine Essays zu lesen wie es mir macht, sie zu schreiben Lol

Wenn ich den Kursverlauf des Dow Jones absichtlich in Gold und nicht in Dollar (oder Franken, oder Euro) ausdrücke, dann ist das nur zum Teil Provokation. Schlussendlich geht es nämlich um die Frage, der Bewertung: Was ist eine Währung? Was ist Geld?

Aber zunächst noch eine Anmerkung zum Chart:

Der Dow kostet derzeit $13'300, eine Unze Gold kostet $800. Wir haben also ein Verhältnis von 16.625:1

Damit haben sich Gold und Dow bereits ein gutes Stück angenähert: Schliesslich lag das Verhältnis im Jahr 2000 mal bei 43.7:1.

Ich erwarte, dass sich die Kurve erst bei einem Verhältnis von 4:1 wieder nach oben wendet. Sprich: neuer Bärenmarkt für Gold und neuer Bullenmarkt für Aktien. Das lässt sich so auch ganz grob aus dem Chart herauslesen. Es ist die untere Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrend.

Nach heutiger Schätzung wäre etwa ein Verhältnis Dow=$10'000 zu Gold=$2'500 realistisch.

Etwa bei diesem Verhältnis sollten wir uns langsam Gedanken machen, Gold gegen Aktien zu verkaufen.

Die effektiven Preise und Kurse lassen sich natürlich nicht voraussagen. Denn ich habe soeben zwei Sünden begangen. Welche?

1. Ich habe den Dow in Dollar bewertet.

2. Ich habe Gold in Dollar bewertet.

Es stellt sich nämlich die ketzerische Frage, ob es in ein paar Jahren den Dollar in seiner jetzigen Form noch geben wird bzw. wie viel er dann noch Wert ist? Wer nicht in Gold rechnen mag: Wie viele Brote kann ich mir heute für $10'000 kaufen und wie viele werden es in 3 Jahren noch sein?

Damit wäre ich beim Thema: Was ist Geld?

Ich behaupte, dass 99.99% der Menschen gar nicht bis ins Detail wissen, was Geld überhaupt ist. Mich selbst eingeschlossen. Aber soweit wollen wir auch gar nicht gehen. (Wer weitergehende Lektüre sucht: http://www.geldreform.de/ Die Bücher von Creutz und Senf sind zu empfehlen).

Geld hat zwei Funktionen: Tauschmittel und Wertaufbewarungsmittel.

Die Funktion des Tauschmittels ist uns allen aus dem Alltag bekannt.

Als Wertaufbewahrungsmittel wird Geld aber kaum noch verwendet. Wer hat schon Geld unter der Matraze? Niemand. Und warum nicht? Weil wir alle wissen, dass Geld an Wert verliert. Das nennt sich Teuerung oder fälschlich auch "Inflation".

Wer Geld hat und es für spätere Zeiten sparen will, muss es anlegen. Im einfachsten Fall auf einem Sparbuch mit einem geringen Zins, der in etwa den Wertverlust, die Teuerung ausgleichen soll.

Das war nicht immer so: Zu Zeiten des Goldstandards gab es keine Teuerung. Man konnte also bequem Geld oder Gold unter die Matratze legen und das Geld hatte nach 100 Jahren immer noch dieselbe Kaufkraft (Kriegszeiten ausgenommen).

Unser Geld ist also dazu verdammt, sich zu vermehren. Wir möchten Zinsen auf dem Ersparten. Zinsen kriegen wir aber nur, wenn sich jemand entsprechend unseren Ersparnissen verschuldet. Er muss nun die Zinsen und Zinseszinsen erarbeiten.

Er muss also durch Produktivitätssteigerung oder Rationalisierung dafür sorgen, dass er unter dem Strich mehr Geld erwirtschaftet als er auf Kredit aufgenommen hat.

Globaler ausgedrückt: Das Wirtschaftswachstum muss mindestens so hoch sein wie die Zinsen, die aus Schulden erwachsen. Ist dies nicht der Fall, gibt's Zahlungsausfälle und Krisen.

Da auf Schulden nicht nur Zinsen sondern auch Zinseszinsen und Zinseszinseszinsen ... erwachsen, steigen die Schulden irgendwann stärker als die Wirtschaft. Es kommt dann zu einem Missverhältnis zwischen Leistung und Schuldzinsen. Die Reichen (Gläubiger) werden immer reicher und den Armen reicht die Arbeitsleistung nicht mehr aus, um die Zinsen ihrer Schuld zu tilgen.

Ein Kredit- und Schuldensystem wie wir es derzeit haben muss also irgendwann kollabieren.

Also, nochmals im Schnelldurchlauf:

* Erspartes muss Zinsen bringen sonst lohnt es sich nicht, zu sparen

* Die Zinsen müssen durch Schulden erarbeitet werden.

* Schulden steigen mit den Zinsen

* Damit steigt die Geldmenge, die wiederum ins Kreditsystem fliesst und somit wachsen die Schulden.

* Das Geld versammelt sich bei einigen wenigen Reichen.

Nun gibt es logischer Weise zwei gegensätzliche Interessen. Jene, die Geld haben, fordern möglichst hohe Zinsen und eine höchstmögliche Stabilität des Geldes.

Jene die Schulden haben sehen es am liebsten, wenn die Zinsen niedrig und die Teuerung hoch ist.

Extrembeispiel: Die türkische Lira hatte in den 20 Jahren vor der Währungsreform 2006 eine Inflation von 19'000'000%.

Im Jahr 1985 konnte man für 1 Mio Lira ein Haus mit Pool kaufen. Im Jahr 2005 gab es für 1 Mio Lira nur noch zwei Espressi im Basar in Istanbul.

Wer also vor 20 Jahren 1 Mio Lira aufgenommen hat, musste selbst bei einem Zinssatz von 10% nur 6.7 Mio Lira zurückzahlen. Ein gutes Geschäft.

Gegenbeispiel: Im Jahr 1979 wurde 30 jährige US T-Bonds zu 13% Zins ausgegeben. Diese Bonds werden 2009 zur Rückzahlung fällig.

Wer damals so schlau war diese Bonds zu kaufen, hat einen enormen realen Gewinn gemacht. Denn seit 1979 ist die Teuerung in den tiefen zweistelligen Bereich gefallen. Eine $1000 Staatsanleihe wird 2009 rund $39'000 einbringen.

Halten wir also fest: Zwei Faktoren sind wichtig, ob sich Investoren glücklich fühlen: Teuerung und Zinsen.

Gemäss FED-Modell (genauer "FED stock valuation model" FSVM, entwickelt von Ed Yardeni im Auftrag der Deutschen Bank) sollten die Renditen immer etwa 1% über der Teuerung liegen. Wir sprechen dann von einem "realen Zinssatz" von 1%.

Wenn nicht, sind die Investoren nicht mehr bereit, ihr Geld als Kredit zu vergeben und schichten lieber in Gold um.

Offiziell haben wir derzeit Renditen von 4.5%, denen eine Teuerung von 3.3% gegenübersteht.

Auch in der Türkei liesse sich gut investieren, wenn die Teuerung 80% beträgt und dafür 85% Zinsen rausspringen.

Wenn wir dies alles nun kombinieren und die Währung ins Spiel bringen, so wird klar, dass ein Schweizer einem Türken keinen Kredit in türkischen Lira zu 5 % geben wird. Denn in gleichem Verhältnis wie die Teuerung in der Türkei höher ist als die Teuerung der Schweiz wird sich auch der Schweizer Franken gegenüber der türkischen Lira verteuern. Ein schlechtes Geschäft für einen Schweizer.

Von daher überrascht es nicht, dass kaum ein investor bereit ist, einem Land einen Kredit in der Landeswährung des Schuldnerlandes zu geben. Die Kredite, die Mexico und Argentinien aufnehmen lauten deshalb in Dollar, nicht in Pesos.

Das ist auch vernünftig so, denn andernfalls könnten die Mexikaner sich einfach aus den Schulden drucken. Das hat das Deutsche Reich übrigens 1923 so gemacht: Dessen Reparationsschulden lauteten in Reichsmark. Entsprechend war die Schuld mittels Druckerpresse innert kurzer Zeit getilgt. Allerdings zum Preis einer Hyperinflation.

Zum Glück haben unsere Regierungen und Staatsbanken etwas aus diesem Debakel gelernt und vergeben nur noch Kredite in harten Währungen.

Doch halt! Gibt es nicht doch noch eine Bananenrepublik, die hoch verschuldet ist aber die Schulden in einer Währung hat, die sie selbst drucken kann?

Ja, gibt es. Die USA!

Zugegeben, die USA sind keine Bananenrepublik aber hoch verschuldet. Die gesamte Schuldenlast liegt derzeit bei 450% des BSP oder $59.1 Billionen (http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_public_debt). Bei einem Zinssatz von 5% bedeutet das, dass etwa 22% des BSP rein für die Schuldentilgung aufgewendet werden müsste. Dass dies gelingen könnte ist unmöglich. Schon alleine deshalb, weil ja die USA immer noch mehr verbrauchen als sie selbst produzieren können. Die Schuldenlast erhöht sich jedes Jahr um weitere $600 Mrd oder 4.5% des BSP. Somit müssten die Bürger der USA erstens 4.5% weniger ausgeben, um eine ausgeglichene Bilanz zu erhalten und weitere 22% weniger, um die Zinsen zu bezahlen.

Ihr erinnert Euch, was ich weiter oben geschrieben habe? Die Schuldenblase bläht sich auf, bis der Schuldner nicht einmal mehr die Zinsen zahlen kann. Dann kollabiert das System

Wären die USA eine Bananenrepublik mit Schulden in einer fremden, harten Währung und weniger wichtig für die Weltwirtschaft, wäre jetzt wohl der Zeitpunkt Staatsbankrott anzumelden. Die Gläubiger dürften sich dann um die verbliebenen Knochen streiten.

Aber Amerika wäre nicht Amerika, wenn es nicht einen bequemen Ausweg aus der Krise finden würde. Und die lautet: Entschuldung durch Inflation der Währung!

Spielt es eine Rolle für die Amerikaner, wenn der Ölpreis steigt? Nein, eigentlich nicht. Denn solange Öl in Dollars bezahlt wird, kriegen die Amis ihr Öl praktisch gratis. Sie müssen nur die entsprechende Menge an Dollarnoten drucken. Es wäre zu erwarten, dass die Öl-Produzenten eines Tages aufmucken und die Bezahlung ihres Öls in Euros oder Gold verlangen. Das ist sogar zweimal geschehen:

Der erste war Saddam Hussein, der Euros statt Dollars verlangte. Auf dem Chart ist das sehr deutlich zu erkennen. Es war Ende 2000 und markierte den Tiefpunkt des Euro gegenüber dem Dollar. Mit dieser ungeheuerlichen Frechheit dem Euro den vorzug vor dem Dollar zu geben hat Saddam eine bis heute anhaltende Euro-Rally (oder Dollar-Baisse) eingeläutet. Plötzlich war der Euro salonfähig.

Dass die USA über diesen Sieg des Euros nicht glücklich waren, kann sich jeder denken. Und was die USA mit Saddam angestellt haben, brauche ich wohl niemandem zu erzählen.

Der zweite war Hugo Chavez (Venezuela). Der lebt zwar noch aber drei Wochen nach der Forderung nach Euros hat die CIA vergeblich versucht, ihn zu liquidieren.

Seither herrscht begründete Angst bei den OPEC Staaten, die grösste Militärmacht der Welt herauszufordern.

Es gibt also de-facto keine Macht der Welt, die verhindern kann, dass die Amis sich wie blöd aus den Schulden drucken.

Was allerdings die Gläubigernationen tun können und auch tun ist, dass sie ihre nationalen Währungen in selbem Masse drucken (inflationieren) wie die Amerikaner. Die Chinesen sind in dieser Beziehung noch am ehrlichsten, denn sie haben ihren Remimbi direkt an den Dollar geknüpft. Aber EZB, BoE und BoJ drucken Euros, Pfund und Yen in fast gleichem Ausmass wie die Amerikaner. Und da wir Schweizer vom Export in die EU abhängen, tun wir dasselbe, um Parität gegenüber dem Euro zu halten.

Als Kleinanleger merken wir das gar nicht, denn wir bewerten ja alles um uns herum in einer Währung. Und wenn alle Währungen gleichzeitig sinken, kriegt das keiner mit. Das ist wie wenn wir uns auf einem Schiff befinden und die anderen Schiffe betrachten. Wir merken nicht, wenn der Pegel des Sees sinkt oder steigt. Schliesslich sehen wir ja alle Schiffe auf derselben Höhe. Wir müssten schon das Ufer oder einen Felsen im See betrachten, um zu erkennen, dass der Pegel sinkt.

So einen Felsen gibt es. Und er heisst "Gold". Gold hat neben seiner Funktion als Schmuck nämlich noch eine andere Funktion: Es ist eine Währung! Es ist die älteste Währung der Menschheit. Gold wird seit 5000 Jahren als Währung benutzt. Und bis vor kurzem - historisch betrachtet - waren auch Papierwährungen nichts anderes als eine leicht zu transportierenden Version des Goldes. Der Dollar - so wie wir ihn heute kennen - existiert erst seit 1971. Damals wurde die Bindung zum Gold aufgehoben. Die USA mussten nämlich Geld drucken, um den Vietnam-Krieg zu finanzieren.

Gold ist unbeliebt bei allen Geldinstituten, denn es zeigt gnadenlos die Entwertung des fiat-moneys, des ungedeckten und auf reinem Vertrauen basierenden Geldes, auf. Gold ist die einzige Währung, die nicht von irgend einem Regierungschef, Finanzminister oder Notenbankpräsidenten "produziert" werden kann. Gold ist der Fels in der Brandung, an dem sich alle anderen Währungen messen lassen müssen.

Die Inflation (= Ausweitung der Geldmenge) liegt derzeit bei 17.9% beim Dollar. Vielleicht 12-15% in Euro und Yen und über 18% beim Schweizer Franken. Um etwa diesen Prozentsatz werden unsere Vermögen (und Schulden) pro Jahr schleichend entwertet. Wir merken das nur nicht, weil diese Inflation noch nicht voll auf die Konsumentenpreise durchgeschlagen hat. Aber wenn das so weiter geht, dann frage ich mich, was meine Pensionskassengelder in 20 Jahren noch Wert sind. Was werde ich mir kaufen können? Kriegt man für eine Million dann noch ein noch eine Villa mit Pool oder nur noch zwei Espressi im Gfeller am Bärenplatz?

Ich rechne nicht mit türkischen Verhältnissen aber damit, dass sich die Inflation demnächst auch auf den Konsumentenpreis durchsetzt. Bei der aktuellen Verschuldungslage ist es unwahrscheinlich, dass die Kreditzinsen weit steigen können. Ergo werden wir gemäss obenstehendem FED-Modell einen negativen Realzins haben. Die Teuerung wird höher sein als die Renditen, Investieren lohnt sich nicht mehr und die Investoren werden in Gold und Silber fliehen.

Da diese Märkte sehr klein sind (der Globale Silbermarkt hat etwa 1% des Gewichts des SMI) werden bald alle Gold- uns Silberbestände aufgekauft sein. Ähnlich wie vor 20 Jahren werden dann auch Diamanten und Kunstwerke aller Art als investition stark nachgefragt sein.

In den letzten Tagen war in diesem Forum oft zu lesen, dass der SMI derzeit wieder soviel Wert ist wie am 1. Januar 2007.

Nun wissen wir, dass er es eben nicht ist. Er ist auch nicht 3% weniger Wert (Abzug der offiziellen Teuerung). Er ist - wie dieser Chart aufzeigt - stärker gesunken als wir erkennen, wenn wir den SMI nur in seiner sinkenden Währung, dem Franken, betrachten.

(SMI in GOLD)

Und die Konsequenzen? Im Moment sind nur etwa 3% der Investoren überhaupt in Gold (auch -Minen) investiert. Während der 70er Jahre stieg der Anteil auf 30%. Die Vermutung liegt nahe, dass es auch in den nächsten Jahren so kommen wird, dass mehr und mehr Menschen die wahre Inflation erkennen und ihre Sparguthaben mit Gold-Anlagen in Sicherheit bringen wollen.

Im Moment gibt es noch genügend Gold und Silber zu kaufen. Wir können also abwarten und zusehen, wie unsere Sparvermögen nominal steigen aber real den Bach runtergehen. Oder bereits jetzt einen Teil unseres sauer Ersparten in der einzig harten Währung anlegen, die vom kommenden Bärenmarkt profitieren wird.

Es ist unsere freie Entscheidung.

marabu
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Deine Worte erinnern mich an Marc Faber vor einigen Monaten! Gerade jetzt legt (legte? :roll: ) Gold eine kurze Verschnaufpause ein.

Viele erfahrene Spezialisten im Alter 50plus Lol stossen ins gleiche Horn, vor allem was die amerikanische Geldpolitik anbelangt.

arunachala
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

... ebenfalls vielen dank für die doch recht kritischen anmerkungen zum ganzen spiel mit zins und zinseszins und dem daraus erwachsenden zwang zum wachstum.

mich würde interessieren, ob du, marcus fabian die theorien von silvio gesell und das experiment von wörgl kennst und was du dazu meinst ...

seid schlang wie die klugen und schlug wie die klangen. (kasimir 487)

MarcusFabian
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

arunachala wrote:

.... die theorien von silvio gesell und das experiment von wörgl kennst und was du dazu meinst ...

Nein kenne ich nicht. Mal schnell gegoogelt und was ich auf Wiki gelesen habe, erinnert frappant an WIR.

Soweit ist das auch ok. Es ist aber ein Geld als reines Tauschmittel und explizit nicht zur Wertaufbewahrung geeignet. Diese Funktion können auch Steine und Muscheln erfüllen. Solange das "Geld" selten genug ist und nicht einfach kopiert werden kann ist's ok.

Das Problem ist die Disziplin der ausgebenden "Nationalbank". in diesem Fall die Gemeinde Wörgl. Wäre das Experiment weiter gelaufen und das Geld hätte an Vertrauen gewonnen, wäre die Gemeinde unweigerlich eines Tages in die Versuchung zu kommen, einfach mehr "Freigeld" zu drucken, um z.B. eine Brücke zu finanzieren oder Schulden zu bezahlen. Und genau das wäre dann der Anfang vom Untergang gewesen.

Im Schnitt haben reine fiat-money Systeme eine Lebensdauer von etwa 30 Jahre. Der Dollar ist 36 Jahre alt und wurde in den letzten seither um etwa 97% entwertet.

Die letzten 3% schaffen wir auch noch Wink

P.S.: 1971 war das Verhältnis Dollarmenge zu Gold = 35 zu 1

heute etwa 200'000 zu 1

Jiannis
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Vielen dank MarcusFabian für diesen ausführlichen essay. Gerade für mich als newbie (vor einem Jahr aus dem Studium und will schon mit dem erspartem zocken bzw. auf die fresse fallen Lol ).

Ich muss aber ehrlich sagen kann nicht so gut durchschauen in welchem zyklus dieses Models wir uns befinden. Also "Sommer" oder "Frühling" haben wir sicher nicht. Jetzt meine frage:

Wieso gab es denn von 2003 bis heute so eine starke börsen index steigerung??? Wir sind ja im "Herbst" oder "Winter" zyklus!!

Jenu isch ja auch nur eine theorie.....und ich noch recht unerfahren aber bereit aus fehlern von andern zu lernen Biggrin

Ahhh und habe viel nachgelesen wegen dieser Inflation....im Juni 2007 hatte Simbabwe mit 3714% Jahresinflation die höchste Inflationsrate der Welt. Vielleicht will dort jemand gleich dann investieren oder?? Biggrin

schönen abend

...wir sind in Kondratieff Winter. Länder gehen bankrott, (Papier)-Währungen werden wertlos, Schulden müssen abgebaut werden....

fritz.
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Jiannis wrote:

Wieso gab es denn von 2003 bis heute so eine starke börsen index steigerung??? Wir sind ja im "Herbst" oder "Winter" zyklus!!

Schliesse mich bei dieser Frage an. Warum sind wir im Winter mit allen Börsen auf dem Allzeithoch? Weil es ein "falsches" Hoch ist, mit geliehenem Geld?

Gruss

fritz

chuecheib
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fritz wrote:

Jiannis wrote:
Wieso gab es denn von 2003 bis heute so eine starke börsen index steigerung??? Wir sind ja im "Herbst" oder "Winter" zyklus!!

Schliesse mich bei dieser Frage an. Warum sind wir im Winter mit allen Börsen auf dem Allzeithoch? Weil es ein "falsches" Hoch ist, mit geliehenem Geld?

Gruss

fritz

wie marcus oben beschrieben hat war/ ist das Allzeithoch der Börsen auf eine Erhöhung der Geldmenge zurückzuführen die die "Bananenrepublik" USA in die märkte pumpt. Hätten die USA nicht so stark Geld gedruckt wäre wohl eine Abschwächung der Märkte 2003 nicht verhinderbar gewesen. Oben im Chart wurde ja sehr schön gezeigt, dass die Märkte schon am verlieren sind (zumindest Inflationsbereinigt)

START! Time to play the Game !!!!!

MarcusFabian
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Jiannis wrote:

Wieso gab es denn von 2003 bis heute so eine starke börsen index steigerung??? Wir sind ja im "Herbst" oder "Winter" zyklus!!

Es ist genau so wie es Fritz beantwortet hat. Es war keine Hausse, wie sie - nach einer Rezession - aus neu erwachter Kaufkraft entsteht sondern eine Liquiditätsgetriebene Hausse.

Dass es nach der Dot-Com-Blase dringend eine Korrektuur brauchte ist und war jedem klar. Es wurden zu viele Firmen gegründet, die nichts sinnvolles produzierten.

Ich mag mich erinnern, dass ich im Jahr 1999 in einem Artikel gelesen habe, dass Amazon eine höhere Börsenkapitalisierung hat als Boeing. Ist das gerechtfertigt? Boing produziert immerhin seit 40 Jahren erfolgreich Flugzeuge und beschäftigt Tausende von Menschen. Warum soll Amazon.com mehr Wert sein?

Ein guter Indikator für die Bewertung einer Firma ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Ein KGV von 15 besagt, dass Du - wenn Du eine Aktie kaufst - 15 Jahre warten musst, bis der Gewinn, den die Firma pro Aktie erzielt hat - den Wert der Aktie einholt.

Beispiel: Eine Aktie kostet Fr. 80 und die Firma macht pro Aktie Fr. 4.- Gewinn. Das entspricht einem KGV von 20 oder einer Rendite von 5%.

Im langfristigen Schnitt liegt das KGV im Dow Jones bei 14.5, was einer Rendite von 7% entspricht. Wenn das KGV darüber liegt, gilt eine Aktie als zu teuer. Ab einem KGV von 21 spricht man sogar von einer Blase.

Entsprechend gilt eine Aktie mit einem KGV von zum Beispiel 10 als billig und unterbewertet. Warren Buffet hat sich auf solche Aktien spezialisiert.

Vor dem Crash 1929 stieg das KGV kurzfristig bis auf 30. Kein Wunder also, dass die Kurse implodierten.

Wer das KGV längerfristig beobachtete konnte sehr gut die Gefahr sehen, die von der Hausse um 2000 ausging. KGV's von über 34 deuteten darauf hin, dass Aktien hoffnungslos überbewertet waren und eine scharfe Korrektur erfolgen musste.

Schlussendlich gibt es nämlich nur zwei Möglichkeiten, wie eine Firma das KGV ihrer Aktien senken kann.

1. Der Kurs der Aktie korrigiert: Wenn eine Aktie $100 kostet, die Firma aber nur $3 Gewinn pro Aktie macht (KGV = 33) dann muss die Aktie auf 45 fallen, damit die Aktie mit einem KGV von 15 fair bewertet ist.

2. Die Firma steigert den Gewinn. In diesem Beispiel müsste sie den Gewinn von $3 auf $7 steigern - also mehr als verdoppeln - um in den fairen Bereich zu kommen.

Einige Firmen haben es tatsächlich geschafft, ihre Gewinne zu vervielfachen. Microsoft, Cisco und Intel zum Beispiel. Die waren alle Anfang der 80er Jahre mit KGV's um die 80 hoffnungslos überteuert. Dennoch hat sich der Einstieg bei diesen Firmen schlussendlich gelohnt weil die Gewinne enorm gestiegen sind.

Wenn allerdings das KGV bei etablierten, konservativen Firmen wie den Mitgliedern des Dow oder SP500 so hoch liegt, dann kann etwas nicht stimmen.

Aus dem Chart geht hervor, dass nach einer Übertreibung die Korrektur mit anschliessender Unter- Treibung folgt. Aktien werden in der schlechten Stimmung des Bärenmarktes bis auf ein KGV von 5-6 runtergeprügelt. Das entspricht vom jetzigen Niveau von 17 aus einem Kursverlust von etwa 70%!

Zurück zur Rezession.

In einer Rezession sterben Firmen, die nicht überlebensfähig sind. Das ist tragisch für die Betroffenen und deren Mitarbeiter hat aber andererseits den Vorteil, dass die Überlebenden weniger Konkurrenz haben und sich ihr Marktanteil um die zurückgelassenen Kunden ihrer verstorbenen Konkurrenten erhöht.

In einer Rezession herrscht bei den Konsumenten Angst vor der ungewissen Zukunft, Angst den Job zu verlieren. Man wird den Gürtel enger schnallen. Man wird sich nicht wie vielleicht nötig, ein neues Auto kaufen, sondern die alte Karre noch weiter fahren. Statt dessen wird man Schulden möglichst schnell zurückzahlen und sogar anfangen vermehrt zu sparen.

Am Ende der Rezession stehen die überlebenden Unternehmen und Privaten dann besser da als zuvor. Die Privaten sind ihre Schulden los. Die Unternehmen ebenso und ihr Marktanteil hat sich vergrössert.

Nicht nur das: Die Konsumenten haben einen enormen Nachholbedarf. Denn jetzt muss die alte Karre wirklich ersetzt werden.

Wir können das mit der nachfolgenden Grafik sehr schön nachvollziehen. Wir sehen, wie während der Rezession die Autoverkäufe eingebrochen und nach der Rezession nach oben geschossen sind, was auf entsprechenden Nachholbedarf hinweist.

Ganz anders im Jahre 2001. Wir sehen auf der Graifk bei Punkt 5, dass die Autoverkäufe ins Minus abzudriften drohten.

Das war der Moment, wo Greenspan die Geldschleusen öffnete, um eine Rezession zu verhindern. Autofirmen boten damals ihre Autos mit 0% Leasing an und die Leute griffen zu. Die billigen Zinsen sorgten für niedrigere Hypothekarzinsen. Mehr und mehr Leute konnten sich nun ein Haus leisten und taten dies auch. Die Bauindustrie boomte und im Schlepptau auch alle anderen Unternehmen, die von billigen Zinsen und der neuen Kauflust der Konsumenten profitierten. Greenspan hat bewiesen, dass er mit genügend billigem Geld die Rezession verhindert hat und wurde allgemein als "Maestro" der Märkte gefeiert.

Was allerdings unerwähnt blieb ist die Tatsache, dass dieser Boom eben auf Schulden aufgebaut war. Die Rezession war nicht aufgehoben sondern nur aufgeschoben. Und tatsächlich brechen die Autoverkäufe seit Juni 06 (Punkt 6) wieder ein und deuten somit eine kommende Rezession an.

Der ursprüngliche Grund für eine Rezession - nämlich zu teure Märkte und zuviele marrode Firmen - besteht immer noch, wiegt sogar schwerer als je zuvor. Denn jetzt ist die Sparquote - das Kissen auf das man in einer Rezession fällt - niedriger als je zuvor:

Demgegenüber hat aber die Verschuldung gegenüber 2001 weiter zugenommen:

Wenn wir uns oben nochmals den Chart mit den Autoverkäufen anschauen, sehen wir, dass gegenüber allen vorangegangenen Rezessionen 2001 kein Nachholbedarf aufgebaut wurde. Die Autoverkäufe gingen nicht zurück, stiegen aber nach "Ende der Rezession" auch nicht an. Warum auch? Jetzt hat ja jeder sein Auto mit 0%-Finanzierung. Und die Karren laufen noch ein paar Jahre.

Hier übrigens die Zunahme der Autokredite:

Was haben wir also jetzt?

Greenspan konnte die Rezession 2001 verhindern. Die Welt bezahlt dafür aber einen hohen Preis in Form noch höherer Missstände als 2001.

Wir können deshalb getrost davon ausgehen, dass die nun folgende Rezession schlimmer werden wird als es die Rezession 2001 geworden wäre.

Vielleicht gelingt es ja Heli-Ben, die Gelddruckerei nochmals in die Märkte zu bringen und die Konjunktur noch ein weiteres mal aus einer Rezession zu drucken. Nur was soll dann das Zugpferd sein? Häuser und Autos sind ausgelutscht. Und werden die US-Konsumenten bereit sein, sich noch weiter zu verschulden?

Und selbst wenn: Wird das Ausland noch weiterhin bereit sein, den US-Schuldenberg mit $1.4 Mrd pro Tag zu finanzieren?

Derzeit fliessen 80% des weltweiten Sparkapitals zwecks Schuldenfinanzierung in die USA. Bei höchstens 100% ist rein physisch Schluss.

Die USA sind ein Land, das seit etwa 1995 weniger produziert als es verbraucht:

Warum haben die USA ein so starkes Wirtschaftswachstum?

Wir müssen uns bewusst sein, dass das Geld, das Greenspan gedruckt hat eins-zu-eins ins Bruttosozialprodukt eingerechnet wird.

Wenn man - wie ich - den Fehler macht, dies nicht akzeptieren zu wollen und die Neuschulden vom BSP abzieht, kommt man zum Schluss, dass die offiziellen Wirtschafts-Wachstums Zahlen der USA übertrieben sind.

Fiktives Rechenbeispiel:

Produktion sinkt von 100 auf 95 --> -5%

Geldmenge steigt von 1000 auf 1100 -> +10%

Total 1100 auf 1195 --> +8.6%

Dürfen wir bei diesen Zahlen also behaupten, die Wirtschaft sei um 8.6% gestiegen?

Offiziell, ja. Meiner Meinung nach, nein.

Jiannis
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Ich glaube MarcusFabian die amis werden schon die lösung finden das sind gängster!! Die muss man nicht unterschätzen! Und USA als "Bananen-Rebuplik" zu beschreiben ist ehh blauaugig....der export floriert im moment bei ihnen. Ich würde mir eher mal überlegen was die Europär jetzt genau mit ihrem hohem Euro machen...sind die wieder mal am schlafen??

schönen abend

...wir sind in Kondratieff Winter. Länder gehen bankrott, (Papier)-Währungen werden wertlos, Schulden müssen abgebaut werden....

MarcusFabian
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Quote:

Was sollen die Europäer Deiner Meinung nach gegen den hohen Euro unternehmen? Ebenfalls vermehrt Geld drucken?

Übrigens, Jiannis, als ob Du's geahnt hättest: Heute kam die Intervention der EZB:

Pünktlich um 8 Uhr. Zu erkennen am senkrechten Strich nach unten.

Frage: Was genau ist jetzt gewonnen?

hugo
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7er Jahre sind schwache Aktienjahre

Vielleicht gibt es auch andere einfachere Zyklen.

7er Jahre sind schwache Aktienjahre

Die verflixten Siebener-Jahre

Ich habe erstmal vor etwa einem Jahr von diesem 7er Jahre Zyklus im Buch von "Die richtige Aktie zur richtigen Zeit, Larry Williams" efahren.

MarcusFabian
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

... und dann gäbe es da noch die 4-Jahres Zyklen, die sich nach den US-Präsidentschaftswahlen richten.

http://www.cyclesman.com/4-year_cycle.htm

MarcusFabian
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Erdölfakturierung

In den letzten Tagen häufen sich Meldungen, dass sich einige OPEC Staaten ernsthaft überlegen, die Erdölfakturierung auf Euro/Yen umzustellen oder zumindest auch diese Währungen zu akzeptieren.

Venezuela und Iran wollten das Thema Dollarschwäche bei der OPEC-Konferenz dieses Wochenende zur Diskussion stellen. Das Anliegen wurde aber von Saudi-Arabien - dem Handlanger Amerikas - abgeschmettert.

Jetzt kommt es dennoch zur Sprache. Die Arabischen Emirate (der Dirham ist an den Dollar gekoppelt) diskutieren offen, den Dirham an einen neuen Währungskorb zu binden (Dollar, Euro, Yen), um die Inflation und Geldentwertung im Lande einzudämmen. Entsprechend kommt auch hier das Thema Erdölfakturierung wieder aufs Parkett.

Interessant dabei: Kaum jemand scheint die Bedeutung zu erkennen, die eine Umstellung der Erdölfakturierung haben würde.

Dabei ist dies wohl die heisseste Nachricht seit Beginn der Subprime-Krise im August 2007!!!

Doch der Reihe nach:

Der US-Dollar ist bekanntlich die Welt-Leitwährung. Während der Zeit von Bretton-Woods (1945-1971) war der Dollar an Gold gekoppelt und alle wichtigen Währungen der Welt koppelten sich wiederum an den Dollar. Dies garantierte stabile Wechselkurse und ermöglichte somit ein stabiles Wirtschaftswachstum und sicheren internationalen Handel.

Mit der Ablösung des Dollars von Gold (Nixon: 1971) begann der Dollar naturgemäss einen steilen Sinkflug, der die Wirtschaftskrise 1973 auslöste.

1973 gelang der US-Regierung dann allerdings ein höchst genialer Schachzug: Sie (Henry Kissinger) vereinbarte ein Abkommen mit Saudi Arabien, Erdöl exklusiv in US-Dollars zu fakturieren. 1975 schlossen sich die anderen OPEC-Staaten diesem Abkommen an. Als Gegenleistung für das Exklusivrecht des Dollars garantierte die USA den OPEC-Staaten, dass diese US-Treasury Bonds (also Staatsanleihen) für die Dollars kaufen konnten. Dies war die Geburtsstunde des Petrodollars

Was hatte dies nun für Konsequenzen für die Weltwirtschaft?

Nun, ganz erhebliche! Alle Industrieländer (mit Ausnahme Russlands) sind von Erdölimporten abhängig. Da aber Erdöl nur mit Dollar bezahlt werden kann, ist jedes Land gezwungen, einen Aussenhandelsüberschuss in Dollar zu erwirtschaften. Wenn die Schweiz also Uhren nach China verkauft, dann wird der Handel nicht in Schweizer Franken oder Renminbi abgewickelt sondern es fliessen US-Dollars, denn schliesslich braucht die Schweiz Dollars, um Öl kaufen zu können.

Somit ist verständlich, dass 60% des Welthandels mit US-Dollars abgewickelt werden. Für jeden Dollar, der in den USA intern benötigt wird, existieren 3.1 Dollar im Rest der Welt.

Aufgrund dieser Konstellation halten die meisten Länder auch einen Grossteil ihres Staatsschatzes in Dollar. Es ist somit also nicht nur im Interesse der USA sondern der ganzen Welt, dass der Dollar möglichst stabil bleibt.

Aus Sicht der USA ist dieses Petrodollar-Monopol ein wahrer Segen! Denn im Gegensatz zu allen anderen Nationen dieser Welt müssen sie keine Waren oder Dienstleistungen produzieren, um Dollars zu kriegen. Nein, sie können das Zeugs einfach drucken!!!

Anders ausgedrückt: Amerika kann Erdöl fast gratis importieren. Dies ist auch die Erklärung dafür, dass die USA den weltweit höchsten Lebensstandard haben. Sie brauchen sich keine Sorgen um benzinfressende Autos zu machen und sie können problemlos auf Kosten der Welt auf Pump leben. Aussenhandelsüberschuss ist für die USA kein Thema. Im Gegenteil Amerika verschuldet sich gegenüber der Welt mit über $500 Mia pro Jahr.

Wie oben erwähnt: Für jeden Dollar, den die Amis in Form von Gütern produzieren, können sie 3.1 Dollar zusätzlich drucken und verkonsumieren. Die Rest-Welt wird ihnen die Dollars aus der Hand reissen, weil sie Öl braucht!

Das Privileg, Weltleitwährung zu sein bedeutet also, auf Kosten der Rest-Welt zusätzlich konsumieren zu dürfen. Das ist wie eine globale Steuer, die die USA der Welt aufbürden.

Stellen wir uns nun vor, was passieren würde, wenn die OPEC-Länder ihre Erdölfakturierung auf Euro umstellen würde:

In einem ersten Schritt würden all die Länder, die derzeit ihren Staatsschatz in Dollar halten, die Dollars gegen Euro umtauschen. Ein Absturz des Dollars und Anstieg des Euros wäre die unmittelbare Folge.

Die USA wären nun gezwungen, nicht nur eine ausgeglichene Aussenhandelsbilanz zu erwirtschaften sondern darüber hinaus einen Überschuss in Euro in Höhe ihrer jährlichen Erdöl-Importe. Und dies bei rapide fallendem Dollar-Kurs!

Ein unmögliches Unterfangen.

Selbst wenn die Erdölfakturierung nur gelockert würde (man also in Dollar, Euro und Yen bezahlen könnte), würde dies den Dollar bereits ins Grab treiben, denn die im Umlauf befindliche Dollar-Menge müsste mindestens halbiert werden.

Das würde konkret bedeuten, dass die USA eben nicht mehr $3.1 für jeden im eigenen Lande produzierten Dollar ausgeben könnten sondern nur noch $1.60. Oder sogar noch weniger. Denn wer will schon Staatsreserven in einer Währung halten, die regelmässig um die 10-15% pro Jahr an Wert verliert?

Rein logisch – und auch für den Durchschnittsamerikaner verständlich und nachvollziehbar – wäre es durchaus sinnvoll, wenn Länder wie beispielsweise der Iran ihre Erdölfakturierung auf Euro umstellen würden. Schliesslich bezieht der Iran 70% seiner Güter aus Europa. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass die USA äusserst sensibel auf derartige Intentionen reagieren:

• Einen Monat nachdem Hugo Chavez (Venezuela) die Erdölfakturierung von Dollar auf Euro umgestellt hatte, hat die CIA gegen ihn einen Mordanschlag verübt. Zufall?

• Der erste, der sein Erdöl gegen Euro verkaufte war Saddam Hussein indem er das "Oil for food program" der Uno kurzerhand von Dollar in Euro abrechnen liess. Damals stand der Euro bei 0.84 Dollar. Das war der absolute Tiefpunkt. Hat Saddam nur den Tiefpunkt erwischt oder durch seine Aktion dem Euro zum Aufschwung bzw. dem Dollar zum Niedergang verholfen? Auf alle Fälle hat der Irak durch diesen Schachzug enorme Währungsgewinne realisieren können. Genützt hat's wenig, die Amis sind dennoch einmarschiert.

• Iran hat etwa im Mai 2003 angekündigt, Erdöl auch in Euro abzurechnen. Tage darauf stand der Iran ganz oben auf der Abschussliste der Amis. (= Axis of evil)

Sowohl Deutschland als auch Frankreich haben von Anfang an gegen den Petrodollar rebelliert. Doch keines dieser Länder alleine konnte mit seiner Währung gegen den Dollar antreten. Erst die Vereinigung beider - und weiterer europäischer - Währungen zum Euro hat eine Marktmacht hervorgebracht, die dem Dollar die Stirn bieten konnte und dies mittlerweile auch mit steigendem Erfolg tut.

Mit einer Freigabe der Erdölfakturierung auf alle wichtigen Währungen dieser Erde (Dollar, Euro, Yen, Kanadische Dollar, Schweizer Franken, Schwedische Kronen) würde der Dollar über Nacht sehr stark an Gewicht und Wert einbüssen. Denn schliesslich unterliegt auch er dem Regelsystem von Angebot und Nachfrage.

Verlierer wären die USA. Gewinner jene Länder, deren Währung Öl bezahlen kann.

Das passt den USA natürlich nicht in den Kram. Aber es wäre für den regierenden Proleten-Cowboy unmöglich, das amerikansiche Volk davon zu überzeugen, gegen die Emirate oder Saudi-Arabien in den Krieg zu ziehen, weil die auf einmal auch Euros für ihr Öl akzeptieren. Das würde John Dow von der Strasse einfach nicht kapieren.

Eine freie Erdölfakturierung würde die USA in den Abgrund reissen und all ihre Bomben und Kanonen könnten ihnen nicht dabei helfen, die Krise abzuwenden.

Dabei ist es doch so einfach: Es braucht nur eine Unterschrift der jeweiligen Ölminister der OPEC-Staaten um den Dollar und die USA zu stürzen.

Und das macht die Geschichte irgendwie auch sexy: Die Feder ist stärker als das Schwert Wink

weico
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Re: Erdölfakturierung

MarcusFabian wrote:

Jetzt kommt es dennoch zur Sprache. Die Arabischen Emirate (der Dirham ist an den Dollar gekoppelt) diskutieren offen, den Dirham an einen neuen Währungskorb zu binden (Dollar, Euro, Yen), um die Inflation und Geldentwertung im Lande einzudämmen. Entsprechend kommt auch hier das Thema Erdölfakturierung wieder aufs Parkett.

Interessant dabei: Kaum jemand scheint die Bedeutung zu erkennen, die eine Umstellung der Erdölfakturierung haben würde.

Dabei ist dies wohl die heisseste Nachricht seit Beginn der Subprime-Krise im August 2007!!!

[/b] Wink

..wie marcusfabian in seiner schönen Ausführung richtig schreibt,wird dieser heissen Nachricht ,leider auch von den Medien, viel zuwenig beachtung geschenkt.

Wie Ich im Dollar-Thread geschrieben habe,sollte man dabei ,in nächster Zeit,vorallem das Datum 3+4 Dezember im Auge haben.

Das die freie Erdölfaktuierung sich durchsetzten wird,ist wohl keine Frage mehr . :!:

Die Frage lautet nur noch WANN... Wink

weico

Yankee
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dollarverfall

nimmt mich Wunder, was dann der CIA und George W. gegen so ein Vorgehen tun wollen.

Dann hätte es Präsident Bush wirklich geschafft seine achsogeliebte USA in nur 8 Jahren in den Boden zu wirtschaften!

Der Dollar heute übrigens auf einem Rekordtief von 1.10 Fr. !!

@marcusfabian: woher hast du immer all diese sehr informativen Artikel?! Kann gar nicht genug davon kriegen...weiter so, super Recherche... Biggrin

Gold ist kitschig, Platin glänzt nicht genug, aber Silber, es strahlt und ist elegant, kühl und sportlich...

Jiannis
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Hey MarcusFarbian super essay wieder einmal.... SmileSmile

Mich macht aber immer noch etwas nervös: Was machen alle diese länder wo jetzt mit Dollar öl kaufen wenn es eine umstellung wird geben mit den vorigen $$$$$$. Du schreibst die werden dann in Euro umgetauscht...ehhh kennst du jemand der das den macht???

nur ein gedankenspiel...

...wir sind in Kondratieff Winter. Länder gehen bankrott, (Papier)-Währungen werden wertlos, Schulden müssen abgebaut werden....

MarcusFabian
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Re: dollarverfall

Yankee wrote:

@marcusfabian: woher hast du immer all diese sehr informativen Artikel?!

Selber geschrieben. Teilweise (z.B. Erdölfakturierung) hab' ich aus meinen eigenen Postings der Jahre 2003 und 2004 abgeschrieben. Z.B.

http://www.stock-channel.net/stock-board/showthread.php3?p=540149&highlight=Norwegen#post540149

Interessant ist, dass ich - wenn ich heute über das Platzen der Immobilienblase schreibe - nicht mehr als Spinner abgetan werde. Vor 4 Jahren war das noch anders Wink

MarcusFabian
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Jiannis wrote:

Was machen alle diese länder wo jetzt mit Dollar öl kaufen wenn es eine umstellung wird geben mit den vorigen $$$$$$. Du schreibst die werden dann in Euro umgetauscht...ehhh kennst du jemand der das den macht???

Es gibt einige Lönder, die bereits damit begonnen haben, ihre Dollar-Bestände in Euro und andere Währungen zu tauschen. Russland ist ein Beispiel. Indien, Vietnam.

Auch China möchte seine Dollar-Bestände zumindest nicht weiter aufbauen. Saudi Arabien und die Emirate denken daran, ihre Währung vom Dollar zu entkoppeln.

Zuviele Länder sitzen auf zuvielen Dollars, die sie in stabilere Währungen (oder Rohstoffe) umtauschen wollen.

Hauptsache dieser Umtausch erfolgt leise, sanft und ohne eine Verkaufspanik auszulösen. Denn wenn alle geleichzeitig all ihre Dollars auf den Markt schmeissen, wird's einen Dollar-Crash geben und der nützt niemandem.

Im Endeffekt ist sich aber jeder Dollar-Besitzer bewusst, dass er mit seinen Dollars real Geld verliert weil die Entwertung um einigen höher ist als beispielsweise die Renditen auf Obligationen von etwa 5%.

weico
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MarcusFabian wrote:

Es gibt einige Lönder, die bereits damit begonnen haben, ihre Dollar-Bestände in Euro und andere Währungen zu tauschen. Russland ist ein Beispiel. Indien, Vietnam.

Auch China möchte seine Dollar-Bestände zumindest nicht weiter aufbauen. Saudi Arabien und die Emirate denken daran, ihre Währung vom Dollar zu entkoppeln.

Zuviele Länder sitzen auf zuvielen Dollars, die sie in stabilere Währungen (oder Rohstoffe) umtauschen wollen.

Exakt !

Nur schon um Ihrer eigenen Inflation gegenzuwirken ,werden diese Länder Ihre Dollaranbindung schneller fallen lassen als mancher US-Politiker denkt .

Kuwait hat es ja bereits erfolgreich "hinter-sich-gebracht"... Lol

http://www.welt.de/welt_print/article1380258/Auch_Golfstaaten_planen_die...

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marcusfabian's schöne Beiträge, findet man jetzt auch schon bei anderen Webseiten wieder Biggrin ...

wenigstens mit quellenangabe. 8)

http://www.hartgeld.com/filesadmin/pdf/Weck-ProstMahlzeit.pdf

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MarcusFabian
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Dir richtige Zeit von Aktien und Gold

Hab' hier ein paar schöne Charts geklaut auf http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=5925

Die meisten von uns haben ihre Börsenerfahrungen in den Jahren ab 1981 aufgebaut. Und was haben wir gelernt?

Zwei Dinge. Nämlich, dass Aktien langfristig steigen und Gold langfristig sinkt:

Für die Generation unserer Väter sah' die Sache anders aus: Sie haben in den Jahren 1967 bis 1981 gelernt, dass Aktien nicht rentieren (Netto haben sie in dieser Zeit sogar 50% an Wert eingebüsst), dass aber Edelmetalle der Renner sind:

Und jene, die erst in diesem Jahrtausend mit Börselen begonnen haben, können sich vor lauter Bullenmärkten gar nicht entscheiden:

weico
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Einen lesenswerten Link (ziemlich lange und ausführlich..),über den von MarcusFabian angesprochenen Kondratieff-Zyklus und über die "Aussichten von einem (DIESEM..?!) Kondratieff-Winter... Wink

http://www.thelongwaveanalyst.ca/pdf/07_12_04_News.pdf

weico

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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

Danke MarcusFabian, nur habe ich anhand der Charts bemerkt, dass der Goldpreis zwischen zirka 700-200 schwankt :?:

Vermögen strukturieren und sich möglichst für die unplanbaren Marktereignissen vorbereiten.

MarcusFabian
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Revinco wrote:

nur habe ich anhand der Charts bemerkt, dass der Goldpreis zwischen zirka 700-200 schwankt :?:

Du bewertest also Gold in Dollar? Ist das richtig?

Zum einen: Die $840, die Gold zum bisherigen Höchststand 1981 kostete, betragen etwa 2270 heutige Dollar. Da liegen also als Minimalziel noch 100% vom jetzigen Stand drin.

Vor 1971 kann man Gold kaum mit Dollar bewerten, denn der Dollar war ja - wie alle Währungen damals - an Gold gekoppelt.

Vielleicht soviel: Vor 100 Jahren sagte man "Der Anzug eines feinen Gentlemans kostet 1oz Gold". So betrachtet hat Gold immer noch denselben Wert.

MarcusFabian
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Vergangenheit und Zukunft

Ich habe in den vorangegangenen Essays versucht zu erklären, dass sich die Wirtschaft in langfristigen Kondratieff-Zyklen von etwa 50 Jahren bewegt.

Jeder dieser Zyklen basiert auf einer Basisinnovation.

Basisinnovationen haben zwei Eigenschaften:

1. Sie lösen ein bisheriges Problem der Menschheit

2. Sie werden von jedem gebraucht.

Die Umsatzzahlen einer Basisinnovation entspricht einer S-Kurve: Am Anfang ein sehr langsamer Anstieg (weil sich die Massen am Anfang gar nicht vorstellen können, dass man dieses neumodische Teufelszeug brauchen kann). Die Kurve steigt dann immer schneller und steiler an bis sie eine fast-Senkrechte erreicht. Gegen Ende des Zyklus flacht sie dann ab und steigt am Schluss zwar noch weiter aber immer langsamer.

Diese S-Kurve können wir überall beobachten. Egal, ob es sich um gebaute Eisenbahn-Kilometer, Umsätze von Handys oder von Autos handelt.

Aktien sind nicht tot und werden es nie sein. Aber wenn in vielleicht 10 Jahren Rohstoffe ihren Höhepunkt und Aktien ihren Tiefpunkt erreicht haben und es an der Zeit ist, die Gewinne aus Rohstoffen in Aktien umzuschichten, interessiert es uns brennend, welche Aktien man im 6. Kondratieff kaufen soll.

Darauf komme ich später. Nur eines vorweg: Es werden nicht die Renner der 80er Jahre sein.

Um dies zu verstehen, müssen wir uns geistig mal durch die vergangenen 5 Kondratieff-Zyklen denken, um Parallelen zu entdecken und daraus die gewinnbringendsten Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Fangen wir also an!

Der Mensch schafft neue Erfindungen, die teilweise das Potential zur Basisinovation haben und in der Wirtschaft einen ungeheuren Boom auslösen, weil sie die Produktivität drastisch erhöhen.

1. Kondratieff: Dampfmaschine

So geschehen mit der Dampfmaschine, die James Watt im Auftrag der Britischen Industrie erfand. Dank besserer Pumpen konnten Kohlebergwerke billiger und tiefer das Wasser aus den Schächten pumpen und somit mehr Kohle fördern. Dank dieser Kohle konnte mehr Eisen geschmolzen werden, was dieser Industrie erhebliche Impulse gab. Noch wichtiger: Dank Dampfmaschinen konnten Textilfabriken gebaut werden, die 20 mal effizienter als ein Handwebstuhl waren. Die britische Industrie war damit den deutschen und französischen Webern haushoch überlegen, da sie diese Basisinnovation am besten nutzte. Lag der Anteil der Textilindustrie Grossbritaniens um 1770 noch bei 2.6% des BIP, stieg er bis 1801 auf 17%.

Die Roheisen-Produktion stieg von 60'000 Tonnen 1780 auf 224'400 Tonnen (1806) und 322'500 Tonnen 1811.

Der Höhepunkt wurde 1815 erreicht. Die Dampfmaschinen wurden zwar noch laufend verbessert aber diese Verbesserungen sorgten nicht mehr für ein wesentlich höheres Produktivitätswachstum. Zwei Probleme verhinderten ein weiteres Wachstum:

Der Transport, denn die enormen Mengen an Textilien und Eisen mussten effizient zu den Kunden transportiert werden und das ging mit Ochsenkarren auf schlammigen Wegen nicht sonderlich gut.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit (Landwirtschaft) fehlten Fabrikarbeiter. Es ist das eine, eine neue Technologie zu entwickeln aber das andere, die Gesellschaftliche Struktur an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Kurz: Arbeitslose Bauern davon zu überzeugen, Fabrikarbeiter zu werden und ihren Hof aufzugeben.

Die Stagnation führte zur Krise von 1820-1830 und konnte erst mit der Lösung des Transportproblems behoben werden.

2. Kondratieff: Die Eisenbahn

Die Eisenbahn - obschon bereits seit 1825 die erste Linie existierte - wurde erst ab 1830 in grossem Stil eingeführt. Dank der erhöhten Kohle- und Eisenproduktion aus dem 1. Kondratieff stand nun genügend Eisen zur Verfügung. Das Transportproblem wurde gelöst und erst jetzt konnten die Textilfabriken ihre Kapazitäten voll aussschöpfen. Dank Eisen-Bahn und Eisen-Schiffen konnte die Produktion weltweit vertrieben werden.

Reisezeiten schmolzen. Die Reise von New York nach Chicago verkürzte sich von 3 Wochen auf drei Tage. Die Rinder aus Texas und Montana konnten nun zu den Schlachthöfen in Chicago und den hungrigen Menschen der Ostküste transportiert werden. Industrie und Städte konnten getrennt werden.

1846 verschlang die Eisenbahnindustrie 50% des britischen Investitionskapitals.

Allenthalben wurden neue Eisenbahngesellschaften gegründet.

Etwa um 1873 war die Spitze erreicht und die profitablen Strecken waren gebaut. Es gab nun enorme Überkapazitäten. Neue Eisenbahnlinien konnten höchstens noch kleinere Ortschaften verbinden, waren also weniger profitabel.

Es kam wie es kommen musste: Zunächst ein enormer Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen Gesellschaften. Man unterbot die Preise, hatte aber andererseits wegen der unprofitableren Strecken weniger Gewinne. Die meisten Firmen gingen Pleite und es kam zur Krise der "Gründerjahre" ab 1873-1890

Der Eisenbahnboom wurde durch Privatkapital finanziert. Da bis 1873 die Kurse von Eisenbahngesellschaften enorm stiegen, investierten immer mehr und mehr Leute in deren Aktien. Im Schnitt wurden 1871/72 in Frankreich pro Tag eine neue Firma an der Börse kotiert.

Die Zuwanderung vom Land in die Städte beschleunigt sich. Die Bevölkerung Berlins wächst von 500'000 (1870) auf 900'000 (1873). Entsprechend steigen die Mietpreise.

Geld steht in Übermass zur Verfügung, die Zinsen sinken ins Nichts. Am Höhepunkt des Zyklus lässt sich mit Eisenbahnen aber kaum noch etwas verdienen. Das Geld sucht sich neue Investitionsmöglichkeiten. Doch wohin mit dem Geld?

Wie immer, wenn sich mit Staatsanleihen oder der etablierten Industrie nichts mehr verdienen lässt, fliesst das Geld einerseits in Rohstoffe andererseits in neue spekulative Unternehmen, die hohe Gewinne versprechen. Die Aktien dieser Firmen stiegen, obschon diese neuen Unternehmen keine Gewinne auswiesen. Um 1870 investierten gar Dienstboten und Arbeiter ihre Spargroschen in diese dubiosen Firmen der New-Economy. Die Aktien sind hoffnungslos überbewertet steigen aber immer weiter.

Der Crash kommt am 7. Februar 1873 als Gerüchte um Bilanzfälschungen um die Pommersche Centralbahn bekannt werden. Auch aus den USA werden Unregelmässigkeiten bekannt. Die Aktien sinken ins Bodenlose, und zwar quebeet durch alle Branchen. 61 Banken, 116 Industrieunternehmen und 4 Eisenbahngesellschaften gehen konkurs. Die Anleger verlieren ihr Geld.

Die erste grosse Spekulationsblase ist geplatzt. 1876 liegen die Kurse im Schnitt 50% unter jenen von Anfang 1873.

Wie nach jedem Crash will niemand mehr investieren. Die Leute bleiben auf ihern Geldern sitzen. Man spricht von "Käuferstreik", der Konsum geht zurück und die Industrie muss ihre Preise senken um konkurrenzfähig zu bleiben.

Nochmals: Was war der Auslöser der Krise? Der springende Punkt ist, dass neue Eisenbahnlinien keine Produktivitätssteigerung mehr brachten. Es war eine klassische Strukturkrise. Es dauerte immer länger, zusätzliche Eisenbahnkilometer zu amortisieren. Die Gewinne sanken entsprechend, die Wachstumskurve flacht sich ab.

3. Kondratieff: Elektrischer Strom, Stahl, Chemie, Massenproduktion

Die Dampfmaschine hatte den Nachteil, dass sich nur sehr reiche Industrielle eine Maschine leisten konnten. ausserdem war sie laut, störanfällig und musste praktisch ununterbrochen betrieben werden. In der Regel gab es eine einzige Dampfmaschine pro Fabrik und die einzelnen Maschinen wurden über ein Werk von Riemen und Hebeln angetrieben. Für kleine Handwerksbetriebe war so eine Maschine unerschwinglich.

Abhilfe schaffte hier der Elektromotor. Presslufthämmer vereinfachen den Kohleabbau. Dank elektrischer Hochöfen lassen sich höhere Temperaturen erreichen, Eisen wird durch den viel zäheren Stahl ersetzt. Katalytische Prozesse ermöglichen die Geburtsstunde der chemischen Industrie.

Motorenkraft ist nun tragbar geworden und überall verfügbar wohin ein Kabel gezogen werden kann.

Elektrisch betriebene Maschinen sind effizienter als Dampfmaschinen und steigern die Produktivität.

Glühbirnen machen in Fabrikhallen die Nacht zum Tag.

Eine neue Elektroindustrie stellt Produkte her, von denen man vorher nichtmal geträumt hat. Das Telefon zum Beispiel, elektrische Strassenbahnen, Glühbirnen und Elektrizität in jedem Haushalt.

Die chemische Industrie ist nun in der Lage Aluminium, Kupfer, Farben, Zement, Chlor, Glas, Papier und Keramik in grossen Mengen billig herzustellen.

Die Elektrifizierung der Privathaushalte ist etwa 1922 abgeschlossen.

Entwicklungen fördern sich gegenseitig: Dank Strom und Elektrolyse ist die Produktion von Kupfer möglich, was wiederum für Kabel verwendet wird und somit die Ausbreitung der Stromindustrie fördert.

Die Welt-Kupferproduktion stieg von 130'000 Tonnen (1875) auf 525'000 Tonnen (1900); Der Stahl-Output Deutschlands von 0.7 auf 18.9 Mio Tonnen zwischen 1880 und 1913.

Startpunkt des dritten Kondratieff geben Thomas Alva Edison (Glühbirne), Emil Rathenau (Gründer von AEG) und Werner von Siemens (Elektrolyse, Kabelisolation, Dynamo).

Der Boom beginnt um das Jahr 1900 so richtig und erreicht seinen Höhepunkt in Europa etwa um 1922.

1920 sind 50% der amerikanischen Betriebe elektrifiziert, 1930 bereits 90%. Die S-Kurve der möglichen Produktivitätssteigerung erreicht langsam ihren Zenit.

Mit Elektro- und Chemiefirmen ist immer weniger Geld zu verdienen. Die Produktivität wächst nicht mehr im selben Tempo wie bisher. Das Spekulationskapital sucht sich andere Wege und landet - wie schon 1873 - in Aktien, die eine enorme Preissteigerung erfahren. US-Banken ziehen im Sommer 1928 Gelder aus Europa ab, um sie in die US-Finanzmärkte zu investieren. Vermehrt kaufen auch Kleinanleger Aktien - vermehrt auch auf Kredit - um am Boom teilzuhaben.

Die Wirtschaft schrumpft allerdings bereits vor dem Crash vom Oktober 1929. Die US-Automobilproduktion geht von 622'000 Stück im März 1929 auf 416'000 im September 1929 zurück (Nach dem Crash übrigens 92'000 Autos im Dezember 1929).

Die US-Notenbank ist 1928/29 in der Zwickmühle: Soll sie die Zinsen anheben um die Spekulationsblase an den Aktienmärkten abzulassen oder die Zinsen senken, um der Industrie billigere Kredite zu ermöglichen?

Aber andererseits: Billigere Kredite würden auch den Spekulanten zugute kommen, die dann vermehrt Aktien auf Kredit kaufen würden.

Das FED entscheidet sich für ersteres und hebt die Zinsen in vier Schritten bis August 1929 von 3.5% auf 6.0% an.

Am 15. Oktober 1929 prognostiziert Yale-Professor Irving Fisher: "Die Kurse haben ein dauerhaft hohes Niveau erreicht. Ich erwarte, dass die Kurse in wenigen Monaten ein gutes Stück höher als heute stehen werden.".

Am 28. und 29.Oktober 1929 folgt der Crash. Der Dow Jones verliert darauf hin 40% und es dauert bis 1954 um dieses Niveau wieder zu erreichen.

Merke: Die Wirtschaft begann bereits vor dem Crash von 1929 zu lahmen. In Europa nach 1922, in den USA ab 1928. Der Crash von 1929 ist also nicht Auslöser sondern Folge der sich abschwächenden Wirtschaft.

4. Kondratieff: Automobil

Eisenbahnen halten nicht vor der eigenen Haustüre oder der Laderampe des Geschäftspartners. Autos schon.

Um 1900 rechnete man die Verkäufe der Autos hoch und kam zur Schlussfolgerung, dass in Deutschland nie mehr als 40'000 Autos fahren würden. Damals war ein Automobil ein Luxusgut, das sich nur die Reichsten leisten konnten. Jedes Auto benötigte einen eigenen Ingenieur für die Wartung.

Eine Kombination von Innovationen aus dem dritten Kondratieff verhalf dem Auto zum Durchbruch: Bessere Verbrennungsmotoren, Benzin dank Raffinierung, Synthetisches Gummi, Fliessbandproduktion.

Die Automobilindustrie wurde der grösste Abnehmer von Glas, Stahl und Gummi.

Dank Fliessbandproduktion wurden die Preise günstiger, die Qualität verbessert.

Nun konnte sich fast jede Familie ein Auto leisten. Die individuelle Mobilität hatte auch gesellschaftliche Auswirkungen. Dank Auto musste man nun nicht mehr in der Nähe des Arbeitsplatzes oder der Geschäfte wohnen sondern konnte in die gesündere Umgebung aufs Land ziehen. Was die Automilindustrie den Menschen an individueller Freiheit gab, nahm sie ihnen allerdings andererseits in der Arbeitswelt wieder weg, denn die Fliessband-Arbeiter mussten sich dem Takt der Maschinen unterordnen.

Das Auto löste auch einen Boom in der Baubranche aus: Kopfsteinpflaster und Feldwege wurden durch glatte Strassen und Autobahnen ersetzt. Autos und Lastwagen konkurrenzierten mit der Eisenbahn und ermöglichten die Feinverteilung von Menschen und Gütern von Haustür zu Haustür.

Der Boom begann 1966/67 zu stottern als die Strassen weitestgehend gebaut und diejenigen, die es sich leisten konten, mit Autos versorgt waren. Es gab entsprechend weniger Neuanschaffungen, die Automobilindustrie konnte nunmehr nur noch alte Autos ersetzen.

Die Börse erreichte ihren Höhepunkt im Januar 1967.

Die Krise begann 1973 mit dem Öl-Schock.

Die Regierungen gaben mehr Geld aus, um den Konsum aufrecht zu erhalten aber die Menschen begannen zu sparen. Im Gegensatz zum Gründerboom von 1871/72 oder den "goldenen Jahren" vor 1929 investierten die Anleger ihr Geld nicht in spekulative Aktientitel sondern sparten es. Entsprechend wurden Kredite immer teurer und die Zinsen stiegen.

"Inflation" war das grosse Thema zwischen 1973 und 1982. Die Renditen von Anleihen stiegen bis 14.5%, was allerdings dank der Inflationsrate von knapp über 12% nur geringe Renditen versprach.

Die Welt ist komplex geworden, hat sich vernetzt. Ganze Industriezweige und Branchen hängen voneinander ab und müssen miteinander interagieren. Gemäss dem Schweizerischen kaufmännischen Verband benötigt eine Sekretärin 30 Minuten im Schnitt, um einen Brief zu schreiben. Und wird die Satzstellung im Brief verändert, muss sie den Brief neu schreiben.

Ganze Heerscharen von Lagerverwaltern versuchen, ihre Lagerbestände mittels Karteikarten zu verwalten und den Überblick zu behalten.

Das Wissen der Menschheit steigt exponentiell. Die zunehmende Flut an Informationen muss verarbeitet werden aber hier stellen die vorhandenen Mittel ein Hindernis dar, das überwunden werden muss.

Die Stunde der Informationstechnologie ist geboren.

5. Kondratieff: Informationstechnnologie, Computer

Der Computer ermöglichte es, diese Informationsflut zu beherrschen. Lager konnten abgebaut werden, da man nun weniger Sicherheitsreserven halten musste und stetig den Überblick über Bestände hatte. Eine Sekretärin musste nicht jeden Brief neu tippen sondern konnte den gespeicherten schnell editieren und neu ausdrucken.

Noch 1966 hatte IBM geschätzt, dass der Weltweite Bedarf an Computern um 6 Stück liegen würde. Weit gefehlt: Heute haben wir rund 750 Mio Computer weltweit. Die Prozessoren in Digitalkameras, Handys oder dem Gameboy gar nicht mitgerechnet.

Während die USA in den 60er Jahren noch 60% ihres BIP mit der Produktion von Automobilen verdienten, waren es 2000 die Computerindustrie und Software, die 60% des BIP generierten. (wenn auch hedonistisch).

Auf den Boom der Computer in den Firmen folgte der Boom der Personal-Computer ab 1985, der Vernetzung innerhalb der Firmen (Novell-Netzwerke ab 1987) und schlussendlich der Boom der globalen Vernetzung durch das WWW ab etwa 1995.

Weitere Entwicklungen folgten auf dem Fuss. So die individuelle Telefonie, das Handy. 2000 wurden weltweit 465 Millionen Handys verkauft.

Doch auch der Boom der Computer begann zu stagnieren. Die Produktivitätssteigerung von der Karteikarte zum PC war enorm. Jene vom DOS-Rechner zu Windows nicht mehr ganz so enorm.

Im Klartext: Die Sekretärin konnte die Arbeitszeit zum Schreiben einse Briefes von der Schreibmaschine zum PC von 30 auf vielleicht 10 Minuten verkürzen. Mit einem Windows-Rechner ist diese Zeit jedoch gleich geblieben. Die Möglichkeit, Grafiken und Formatierungen einzuführen bringt höchstens Kosmetik, nicht viel mehr.

Ähnlich der Boom beim Handy: Die Möglichkeit, jederzeit und überall telefonisch erreichbar zu sein bringt eine wesentliche Verbesserung des Informationsflusses und somit eine reale Produktivitätssteigerung. Die Verbesserung, nun auch Bilder verschicken zu können, Musik, Bilder und Videos aufzunehmen ist eine Spielerei. Sicherlich eine Verbesserung gegenüber den Handys von 1997 aber keine wesentliche Produktivitätssteigerung.

Insofern haben wir um 2000/01 wieder einen Sättigungsgrad erreicht bei dem zusätzliche Verbesserungen kein nennenswertes Produktivitätswachstum mehr auslösen.

Wer sich einen PC leisten kann, hat einen, und auch ein Handy (oder zwei oder drei).

Die Kurve der verkauften Handys erreichte 2000 mit den erwähnten 465 Mio den Höhepunkt. Bereits 2001 lag die Zahl 20% niedriger. Die Kurve flacht sich ab.

Da mit der klassischen Computertechnologie seit dem Mini-Crash 2000/01 kein Blumentopf mehr zu gewinnen war (IBM, Nortel, Lucent, Microsoft, cisco, Nokia) suchte sich das Kapital ab 2002/03 wieder ein neues Spielfeld. Es findet dies einerseits in den Stars von gestern, andererseits aber auch in neuen, spekulativen Unternehmungen.

Es ist dabei menschlich verständlich, dass man sich Investitionen sucht, die sich in der Vergangenheit (der letzten 10 Jahre) bewährt haben. Hätte man 1980 für $1'000 Cisco-Aktien gekäuft, hätte man die - nach allen Splits - 2000 für rund $825'000 verkaufen können.

Microsoft und Nokia hatten eine ähnliche Performance. Doch ist es sinnvoll, jetzt (2008) in die Stars von gestern zu investieren?

Wäre es sinnvoll gewesen, nach der Ölkrise 1973 in Automobilfirmen zu investieren? 1875 in Eisenbahnen? 1820 in Dampfmaschinen?

---

Zusammenfassung

Die Welt verändert sich. Neue Technologien bestimmen jeweils die Zukunft und Erfindungen ergänzen und fördern sich.

Zunächst ist festzuhalten, dass Basisinnovationen immer eine gewisse Zeit brauchen, um als solche erkannt zu werden bzw. in Massenproduktion zu kommen:

:arrow: Die Eisenbahn wurde bereits vor 1825 erfunden, konnte aber erst ab 1835 einen Boom auslösen.

:arrow: Elektrizität war bereits 1880 bekannt aber der Boom setzte erst 1900 ein.

:arrow: Computer gibt es seit 1947 aber erst seit 1982 wurden sie zum Massenprodukt

:arrow: Automobile gab es bereits vor 1910 aber sie wurden erst ab 1950 zum Massentransportmittel.

:arrow: Das Internet (Arpa-net) gibt es seit den 60er Jahren aber erst seit 1995 ist es ein "Muss" für die breiten Massen.

Die Lehre aus der Vergangenheit lässt sich wie folgt abstrahieren:

:arrow: Die Wirtschaft stagniert und es kommt zur Krise, weil es gewisse Hindernisse gibt, die eine Expansion verhindern.

:arrow: Eine Basisinnovation löst die anstehenden Probleme und löst den nächsten Aufschwung-Zyklus aus.

:arrow: Die Wirtschaft boomt. Arbeitnehmer setzen Lohnerhöhungen und niedrigere Arbeitszeiten durch.

:arrow: Die Basisinovation erreicht eine Sättigung.

:arrow: Weiterentwicklungen und Verbesserungen lösen nur noch eine immer geringer werdende Produktivitätssteigerung aus.

:arrow: Inzwischen sind es zu viele Firmen, die von dieser Basisinnovation profitieren wollen. Es besteht nun ein Überangebot und der Konkurrenzdruck wächst. Die Preise geraten unter Druck, müssen gesenkt werden, die Gewinne der Unternehmen schmelzen.

:arrow: Die Firmen reagieren auf den Preisdruck durch Rationalisierung und erhöhte Produktion. Damit verschlimmern sie das Überangebot.

:arrow: Die während des Aufschwungs erhöhten Löhne sind nun ein Klotz am Bein Löhne müssen nun gekürzt oder Arbeitnehmer entlassen werden. Die Firmen reduzieren ihre Produktion, viele gehen in Konkurs.

Aus Sicht der Arbeitnehmer:

Während des Aufschwungs ist ihre Arbeitskraft gefragt. Sie haben gute Karten, Forderungen durchzusetzen. Das Blatt wendet sich im Abschwung.

Aus Sicht der Börsen:

Zu Beginn des Aufschwunges sind Kredite rar und teuer. Aktien sind billig und Firmen zahlen sehr hohe Dividenden. Mit den Investitionen lässt sich leicht Geld verdienen. Einerseits durch die hohe Dividende und andererseits durch die stetig steigenden Kurse der Aktien.

Im Abwärtstrend sucht sich das Kapital neue Investitionsmöglichkeiten. Die sind aber schwer zu finden, da die Aktien bereits zu teuer und die Dividende entsprechend niedrig ist. Investiert wird zunächst in Spekulations-Aktien, die wegen des hohen Kaufdruckes zunächst auch stark ansteigen. Das lockt in der Schlussphase auch die Kleinanleger aufs Parkett. Wegen der niedrigen Zinsen werden vermehrt Aktien auf Kredit gekauft.

Diese Aktienhausse ist aber rein liquiditätsgetrieben, weil den Investitionen keine nennenswerten Produktivitätssteigerungen gegenüberstehen. Es kommt zum Crash, die Anleger werden sehr restriktiv bei Investitionen. Entsprechend steigen Zinsen und Inflation worauf die Anleger den Werterhalt ihres Kapitals in Rohstoffen und Edelmetallen suchen.

Es ist weniger Geld im Umlauf und es wird weniger konsumiert. Das Ergebnis ist eine Rezession, die ihrerseits Arbeitsplatz-Verlustängste schafft. Also wird noch weniger ausgegeben und vermehrt gespart.

In der Folge gehen viele schwache Firmen in Konkurs, was für die überlebenden gesunden Firmen allerdings den Vorteil hat, dass ihr Marktanteil steigt.

Am Ende des Abschwungs greift eine neue Basisinnovation, die die vorhandenen Hindernisse aus dem Weg schafft. Die überlebenden Firmen greifen diese Innovation auf, setzen sie um und ein neuer Zyklus beginnt.

Wohl dem, der zu diesem Zeitpunkt noch etwas Cash in der Kasse hat und für ein Butterbrot die billigen Aktien jener Firmen kauft, die im neuen Zyklus die nächste Basisinnovation umsetzen!

Irrtümer

Es wird beispielsweise von Volkswirtschaftlern moniert, die Eisenbahn hätte gar keinen so grossen Einfluss auf die Wirtschaft gehabt. Schliesslich hätte dieser Industriezweig nur mit 3% des BIP zu Buche geschlagen.

Wer dies behauptet, vergisst, dass die Eisenbahn in erster Linie die anderen Wirtschaftszweige beflügelt hat. Dabei geht es eben nicht um die Zulieferer von Eisen, Stahl, Waggons, Lokomotiven oder das Personal der Bahnbetriebe sondern um den logistischen Vorteil, den die Eisenbahn z.B. der Landwirtschaft gegeben hat, nun ihre Güter schnell und billig in die Städte zu transportieren.

Es ist ebenso falsch anzunehmen, dass der Crash von 1929 die Depression ausgelöst hat. Der Abschwung hat bereits früher begonnen.

Auch Kriege können die Zyklen nur kurz und keinesfalls nachhaltig beeinflussen. Der erste Weltkrieg wird für die Krise nach 1922 verantwortlich gemacht, der zweite Weltkrieg für das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre. Wieso soll ein Krieg einmal eine Depression und ein anderes mal ein Wirtschaftswunder auslösen?

Die Zukunft

Mit diesem Wissen im Gepäck können wir uns nun die Frage stellen, auf welche Industriezweige man in 10 Jahren in den nächsten Aufschwung hinein investieren soll, um möglichst stark vom Boom zu profitieren.

Eines dürfte klar geworden sein: Die Rennpferde der 1980er/1990er Jahre Computer, Telekommunikation, Informatik werden es nicht sein.

Doch was dann?

Die Antwort darauf kenne ich auch nicht. Aber wenn wir uns die Erfahrungen der Vergangenheit zu Nutze machen, können wir vielleicht gemeinsam herausfinden, welche Basisinnovation den 6. Kondratieff bestimmen wird.

Wir wissen nämlich, dass jede Basisinnovation jeweils ein Hinderniss der vorangegangenen aus dem Weg geräumt, ein unlösbares Problem gelöst hat.

Also stellen wir uns die Frage, welche unlösbaren Probleme uns heute plagen.

Was mir hier als erstes in den Sinn kommt, ist das Thema Gesundheit: Die Menschen werden zwar immer älter aber nicht gesünder. Aktuell dürfte jeder heute lebende Mensch etwa folgende Chancen haben zu sterben:

40% Alzheimer

40% Herz- oder Hirnschlag

20% Krebs innert eines Jahres und diverses.

Alzheimer zum Beispiel ist eine schleichende Krankheit, die sich im Schnitt über 9 Jahre hinzieht von denen der Patient die letzten 3-5 Jahre als Pflegefall 2 gesunde Menschen im arbeitsfähigen Alter absorbiert.

Die Kosten des Gesundheits- und Rentenwesens nehmen beunruhigende Ausmasse an. Die Wartelisten in Alters- und Pflegeheimen steigt und damit die Belastung der immer dünner werdenden Schicht der arbeitenden Jahrgänge, die für die Kinder und Alten sorgen müssen.

Wenn es eine Technologie gäbe, die nicht die Lebenserwartung erhöht sondern die Gesundheit im Alter verbessert, so wäre dies sicherlich ein Kandidat für den nächsten Kondratieff.

Ich formuliere mal das Ziel so: Bis 80 Jahre gesund und munter und dann sterben innert 3 Wochen.

So eine Lösung traue ich in erster Linie Biotech- und Nanotech Firmen zu.

Vielleicht tragen auch Pflegeroboter dazu bei, das Personal in Spitälern und Altersheimen zu entlasten und im Gesundheitswesen Geld zu sparen.

Energie ist derzeit noch kein akutes Problem (Öl gibt's noch genügend und Sparpotential ist vorhanden) aber kalte Fusion wäre sicherlich auch der Renner.

Nun, wir wissen aus Erfahrung, dass nicht jede geniale neue Technologie automatisch zum Träger eines neuen Wirtschaftsaufschwungs wird (Gentech, Atomphysik, Weltraumforschung). Also ist Vorsicht angebracht. Aber Energie ist ein Problem, das noch auf uns zukommen wird. Man denke nur an den ständig steigenden Energie-Hunger Indiens und Chinas.

Hinzu kommt die ständig wachsende Weltbevölkerung. Und das führt zum Problem der Ökologie

Was also wird der Boom ab 2015 sein? Gesundheit, Energie, Ökologie?

Ich persönlich tippe auf Gesundheit.

Energie und Ökologie werden die Renner der nächsten Jahre sein. Wenn die Rohstoffpreise weiter steigen, wird Recycling zum lohnenden Geschäftszweig.

Mit steigenden Energiekosten werden sogar die Amerikaner einsehen, dass man beim Auto und der Klimaanlage auch mit weniger auskommt.

Damin werden uns Innovationen im Bereich Energie und Ökologie eine Dämpfung im Abschwung bringen, ein neues Wirtschaftswunder können sie aber nicht auslösen.

Konzentrieren wir uns deshalb auf's Thema Gesundheit:

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Ein Gesunder hat viele Probleme, ein Kranker hat nur eines."

Unser Problem wir also sein, aus den vielen neugegründeten Biotech und Nanotech-Firmen jene herauszupicken, die tatsächlich etwas brauchbares auf die Beine stellen. Dies können nämlich die neuen Microsofts und Ciscos der nächsten Generation sein.

Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass höchstens eine von 10 Firmen auch tatsächlich in die Gewinnzone kommen wird. Die anderen werden Konkurs gehen!

Auch dies eine Erfahrung aus dem Informatik-Zeitalter: Wir wünschen uns heute, wir hätten in Microsoft investiert. Was, wenn wir in Schneider, Gemstar, Atari oder Commodore investiert hätten?

Vielleicht wird es aber auch so sein, dass die innovativen Biotech-Firmen von den grossen Konzernen geschluckt werden, sobald sich ein Erfolg abzeichnet. Dann wären Novartis, Roche & Co. die Kandidaten für die Zukunft.

Das ist vielleicht sogar die wahrscheinlichere Variante. Denn eine Software-Firma kann man in einer Garage gründen. Eine Biotech-Firma hingegen nicht.

Beobachten wir also, was sich auf dem Gesundheitssektor so tut. Es eilt aber nicht. Denn zunächst mal müssen die Übertreibungen der letzten 10 Jahre abgebaut werden. Überangebote, Schulden, Preise von Immobilien und Aktien etc. und das wird dauern.

Bereiten wir uns aber rechtzeitig darauf vor, welche Aktien wir dereinst für unsere Goldbarren kaufen werden. Wink

fritz.
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Langfristiger Ausblick auf die Märkte

MarcusFabian mal wieder in Bestform, und das mitten in der Nacht. Danke fuer die interessante Tipperei.

Gruss

fritz

weico
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Re: Vergangenheit und Zukunft

MarcusFabian wrote:

Unser Problem wir also sein, aus den vielen neugegründeten Biotech und Nanotech-Firmen jene herauszupicken, die tatsächlich etwas brauchbares auf die Beine stellen. Dies können nämlich die neuen Microsofts und Ciscos der nächsten Generation sein.

Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass höchstens eine von 10 Firmen auch tatsächlich in die Gewinnzone kommen wird. Die anderen werden Konkurs gehen!

Auch dies eine Erfahrung aus dem Informatik-Zeitalter: Wir wünschen uns heute, wir hätten in Microsoft investiert. Was, wenn wir in Schneider, Gemstar, Atari oder Commodore investiert hätten?

Vielleicht wird es aber auch so sein, dass die innovativen Biotech-Firmen von den grossen Konzernen geschluckt werden, sobald sich ein Erfolg abzeichnet. Dann wären Novartis, Roche & Co. die Kandidaten für die Zukunft.

Das ist vielleicht sogar die wahrscheinlichere Variante. Denn eine Software-Firma kann man in einer Garage gründen. Eine Biotech-Firma hingegen nicht.

Beobachten wir also, was sich auf dem Gesundheitssektor so tut. Es eilt aber nicht. Denn zunächst mal müssen die Übertreibungen der letzten 10 Jahre abgebaut werden. Überangebote, Schulden, Preise von Immobilien und Aktien etc. und das wird dauern.

Bereiten wir uns aber rechtzeitig darauf vor, welche Aktien wir dereinst für unsere Goldbarren kaufen werden. Wink

....und Silberbarren.. 8)

Interessant diese Kondratieff-Zyklen ! Nur persönlich würde Ich ein Stockpicking unterlassen (zu viele "aufstrebende" Firmen mit "boomenden" Ideen..) und einen Index/ETF kaufen. Wink

Persönlich warte Ich aber nicht 10 Jahre,da das globale und wirtschafliche Umfeld und die Möglichkeiten der Finanz-und Staatenbünde "regulierend" auf die Krise und Ihrer Auswüchse einzuwirken, viel grösser ist als zu Kondratieff's Zeiten.

P.S: ...man sollte immer damit rechnen,dass der Staat in Sachen Goldpreis auch "regulierend" eingreifen könnte,falls der Marktpreis dem Staat "gefährlich" erscheint.Der Staat gibt dann plötzlich vor,wieviel dann unsere Goldbarren (vielleicht ja auch jegliches Edelmetall..) dann "Wert" haben.

Alles schon mal dagewesen:

http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/artikel.php?storyid=4128

weico

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