Pauschalsteuer

3 Kommentare / 0 neu
06.01.2013 16:35
#1
Bild des Benutzers Elias
Offline
Kommentare: 16250
Pauschalsteuer

Pauschalsteuer: «Kriegserklärung aus Paris»

 

Frankreich will Franzosen, die in der Schweiz von Pauschalsteuern profitieren, zur Kasse bitten. Die Reaktionen in der Schweiz sind heftig.

Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) bestätigte am Samstag eine entsprechende Meldung der Westschweizer Zeitung "Le Temps". Die Schweiz sei über den französischen Erlass nicht auf offiziellem Wege informiert worden, sondern habe davon durch "Dritte" erfahren, sagte EFD-Sprecher Roland Meier am Samstag der Nachrichtenagentur sda.

Der Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis (FDP) sprach gegenüber dem Westschweizer Radio RTS von einer "Kriegserklärung" aus Paris. Das Vorgehen des Nachbarstaates drohe die Spannungen zwischen den beiden befreundeten Ländern zu verschärfen, sagte Broulis.

Basierend auf Ausgaben

Bislang profitierten viele reiche Franzosen in der Schweiz von Pauschalsteuern. Diese werden nicht auf dem Einkommen oder dem Vermögen erhoben, sondern vor allem anhand der Ausgaben der Betroffenen.

Gemäss per Ende 2010 erhobenen Zahlen kamen hierzulande 5445 Millionäre in den Genuss von Pauschalsteuern. Davon sollen 2000 einen französischen Pass haben.

Besonders viele Pauschalbesteuerte residieren in der Westschweiz. Im Kanton Waadt wird in rund 1400 Fällen eine pauschale Steuer erhoben. Im Wallis sind es mehr als 1100 Fälle, in Genf 690 und in Neuenburg 28.

Die zu bezahlenden Steuern liegen dabei deutlich tiefer als wenn Einkommen und Vermögen bei der Berechnung berücksichtigt würden. In Frankreich mussten keine Steuern bezahlt werden. Die Ausnahme bildeten Einkünfte aus Dividenden. Diese wurden allerdings höchstens zu einem Satz von 15 Prozent statt 30 Prozent besteuert.

Keine "Tolerenz" mehr

Ab jetzt sollen die Pauschalbesteuerten gemäss dem am 26. Dezember vergangenen Jahres im offiziellen Organ der französischen Steuerbehörden (BOFiP) publizierten Dokument in Frankreich dem Fiskus weit mehr Geld abliefern.

Ab 2013 werde Frankreich die "Toleranz" gegenüber Franzosen aufheben, die von ihrem Steuersitz in der Schweiz und den dort erhobenen Pauschalsteuern profitierten, heisst es auf der BOFiP-Informationsseite im Internet nur. Für frühere Jahre gelte noch das bisherige Regime.

Die französische Regierung beruft sich dabei auf Artikel 4 des Doppelbesteuerungsabkommen zwischen beiden Ländern, das 1966 abgeschlossen wurde. In dem Artikel wird festgelegt, wie ein Steuersitz definiert wird. Demnach ist vor allem der Wohnsitz relevant und nicht, wo jemand sein Einkommen erzielt.

Jedoch verbietet das Abkommen Pauschalsteuern. Wörtlich heisst es im Abkommen: "Nicht als im Sinne dieses Artikels in einem Vertragsstaat ansässig gilt: eine natürliche Person, die in diesem Staat nur auf einer pauschalen Grundlage besteuert wird, die nach dem Mietwert der Wohnstätte oder der Wohnstätten bemessen wird, über die sie in diesem Staat verfügt."

Seit 1972 Praxis

Trotz dieses Artikels hatte Frankreich seit 1972 eine Pauschalbesteuerung ihrer Bürger mit Wohnsitz in der Schweiz "toleriert".

Bislang stellten die Schweizer Behörden pauschalbesteuerten Franzosen eine Wohn- und Steuersitzbescheinigung aus, die von Frankreich akzeptiert wurde. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

Regierungsrat Broulis will allerdings an der bisherigen Praxis festhalten und weiterhin Steuersitzbescheinigungen ausstellen, wie er gegenüber dem Westschweizer Radio weiter sagte. Das Vorgehen Frankreichs sorge aber für Unsicherheit. Darunter litten auch die in Frankreich wohnhaften Schweizer Bürger, die vom Abkommen profitierten.

Der jüngste Vorstoss Frankreichs bezüglich der Pauschalbesteuerung erfolgt nur wenige Wochen nach dem Besuch von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in Paris, bei dem sich beide Länder auf einen "strukturierten Dialog" im Steuerstreit geeinigt haben.

Beim Treffen kam auch das bereits ausgehandelte Erbschaftssteuer-Abkommen zur Sprache. Tritt das hierzulande umstrittene Abkommen in Kraft, sollen Erben in Frankreich auch dann nach französischem Recht besteuert werden, wenn der Verstorbene zuletzt in der Schweiz gelebt hat. Der Text wird im ersten Halbjahr 2013 vom Schweizer Parlament behandelt.

Spitzensteuersatz von 75 Prozent

Reiche Steuerflüchtlinge aus Frankreich könnte das Ende der französischen Toleranz gegenüber Pauschalbesteuerten teuer zu stehen kommen. Frankreich möchte für Einkommen ab einer Million Euro einen Spitzensteuersatz vom 75 Prozent erheben.

Eine erste Version des Gesetzes der in Frankreich heiss diskutierten Reichensteuer wurde jedoch Ende Dezember vom Verfassungsgericht gestoppt. Die Regierung hat jedoch bekräftigt, an der Reichensteuer festhalten und eine verbesserte Version des Gesetzes auflegen zu wollen. http://classic.cash.ch/news/top_news/pauschalsteuer_kriegserklaerung_aus...

Aufklappen

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

23.09.2013 13:50
Bild des Benutzers Elias
Offline
Kommentare: 16250
Reiche Ausländer nehmen Reissaus

Vor einem Jahr hat Baselland die Pauschalbesteuerung abgeschafft. Die Hälfte der von der Regeländerung betroffenen reichen Ausländer hat den Kanton verlassen.

Auf den Tag ein Jahr ist es her, dass das Baselbieter Stimmvolk reichen Ausländern die lange Nase gemacht und die Pauschalbesteuerung abgeschafft hat. Der damalige Finanzdirektor Adrian Ballmer (FDP) hatte gewarnt, der finanziell ohnehin schon gebeutelte Kanton verliere mit dem Ja zur Initiative kostbares Steuersubstrat – und lag damit goldrichtig, wie die Zahlen der ­Steuerverwaltung nun zeigen: Von den 16 Steuerzahlern, die am Abstimmungstermin im Baselbiet nach Aufwand – pauschal – besteuert worden sind, hat sich bis heute die Hälfte in einen anderen Kanton oder ins Ausland abgesetzt. «Das ist das, was wir in etwa erwartet haben», sagt Andreas Schorno von der Baselbieter Steuerverwaltung.

Die acht Wegzüge bedeuten für den Kanton Mindereinnahmen von jährlich etwa 750'000 Franken, hat Schorno berechnet. Vor dem Nein zur Pauschal­besteuerung hatten die 16 wohlhabenden, nach Aufwand besteuerten Ausländer dem Kanton jährlich rund 1,3 Millionen Franken abgeliefert. Die Bandbreite pro Steuerpflichtiger lag zwischen 40'000 und gegen 500'000 Franken.

Dass die Abwanderung nun abgeschlossen ist, glaubt Schorno nicht. Er wäre nicht überrascht, wenn es bis Ende Jahr zu einem oder zwei weiteren Wegzügen Pauschalbesteuerter komme.

Die Zahlen bestätigen die Befürchtungen Christoph Busers: Gute Steuerzahler – Kosmopoliten, die ihren offiziellen Wohnsitz nach steuerlicher Attrak­tivität und Lebensqualität festlegen – wandern ab. Mehr noch als am eher geringen Betrag, der dem Fiskus verloren geht, stört sich der Direktor der Wirtschaftskammer Baselland am Zeichen, das mit der Aufhebung der Pauschalsteuer, aber auch mit der Abzocker- und der 1:12-Initiative gesetzt wird:  :ok: Reiche  – sehr gute Steuerzahler – werden aus Neid und Missgunst vertrieben. «Die ­Zeche bezahlen am Schluss der Mittelstand und die KMU.»

Kompensation möglich

«Mit einem Ja zur Initiative hat das Baselbiet nichts zu verlieren», hatte Landrat Ruedi Brassel (SP) vor der Abstimmung erklärt. Und zu dieser Aussage steht er auch heute noch: Von einem wahnsinnigen Verlust könne nun wirklich nicht gesprochen werden. Zudem ist er davon überzeugt, dass sich der ­Negativsaldo mit der Zeit verringert: «Die Villen der Weggezogenen vergammeln nicht, sondern werden von anderen guten Steuerzahlern wieder belegt.»

Es sei nicht auszuschliessen, dass zuvor pauschal Besteuerte ordentlich eingeschätzt mehr an den Fiskus abliefern müssen – und damit allenfalls die Wegzüge teilweise kompensieren, erklärt Schorno. Dies lasse sich aber erst sagen, wenn die Steuererklärungen für 2013 ausgefüllt sind. Im Kanton Zürich, wo die Pauschalbesteuerung 2010 gefallen ist, war dies zunächst der Fall.

Eine Besteuerung nach Aufwand bedeutet für reiche Ausländer nicht automatisch eine tiefere Steuerrechnung. Das wesentliches Privileg der pauschal Besteuerten sei die Vereinfachung der Einschätzung, betont Andreas Schorno; günstiger würden damit wohl nicht alle fahren. Die Zürcher Zahlen bestätigen dies: 55 von den im Kanton Verbliebenen lieferten nach dem Systemwechsel mehr, 47 weniger Steuern ab.

So sei die Frage gestattet, wem mit dem Verzicht auf die Pauschalbesteuerung – einem Wettbewerbsinstrument – gedient ist, ausser dem Gerechtigkeitsempfinden. Brassel sieht durchaus einen handfesten Nutzen: «Es geht um die Verbesserung der Steuermoral.» Die Bereitschaft, die Steuererklärung korrekt auszufüllen und dabei nicht zu tricksen, sei generell höher, wenn Schlupflöcher für Reiche gestopft würden und Gleichbehandlung herrsche.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Reiche-Auslaender-nehmen-Re...

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

06.01.2013 16:40
Bild des Benutzers Elias
Offline
Kommentare: 16250

Im Fall von Frankreich heisst das, dass man die Pauschalsteuer aufhebt. Das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation. Die Kantone bekommen etwas mehr Geld und die hiesigen Franzosen fahren immer noch viel günstiger.

 

 

 

----

Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin