Projekt Dark Sky / Lichtverschmutzung

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23.08.2013 11:51
#1
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Projekt Dark Sky / Lichtverschmutzung

Wer von euch hat die Milchstrasse von blossem Auge mal gesehen?

Unsere Grosseltern konnten das noch tun.

 

Die Auswirkungen der Lichtverschmutzung sind vielfältig

Betroffen sind viele. Die Tierwelt, die Pflanzen, die Menschen

http://www.darksky.ch/index.php?id=75

 

 

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

23.08.2013 11:55
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Mit dem Gesetz gegen unnötige Lichtemissionen

Die Lichtverschmutzung schadet Mensch und Natur. Der Bund prüft eine gesetzliche Regelung gegen unnötige Lichtemissionen. Architekten und Ingenieure sind bereits aktiv geworden und haben eine Norm aufgestellt.

Der August ist der Monat der Sternschnuppen. Dank der Perseiden geht ein Sternschnuppen-Schauer über der Erde nieder. Doch die Freude daran wird getrübt. Künstliches Licht erhellt den Himmel an vielen Orten so stark, dass das nächtliche Spektakel nur mit Mühe zu beobachten ist – wenn überhaupt. Gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) haben die gegen oben gerichteten Lichtemissionen in der Schweiz in den letzten 20 Jahren um rund 70 Prozent zugenommen. Natürlich dunkle Gebiete werden immer seltener.

Frankreich löscht das Licht

Die Folgen der Lichtverschmutzung gehen weit über den Frust der Astronomen hinaus. Künstliches Licht kann den Schlaf-wach-Rhythmus des Menschen stören, was sich negativ auf dessen Gesundheit auswirkt. Erheblich sind auch die Folgen für Tiere: Wegen künstlicher Lichtquellen geht eine hohe Anzahl an Insekten und Vögeln zugrunde. Bei bedrohten Arten müsse laut Bafu gar ein Rückgang oder das Aussterben von kleinen, isolierten Populationen befürchtet werden. Zudem ist die Beleuchtung des Himmels auch schlicht eine Energieverschwendung.

Frankreich hat soeben auf die neue Umweltbelastung durch Lichtverschmutzung reagiert. Landesweit gilt seit dem 1. Juli «Licht aus»: Die Innenbeleuchtung in Büro- und Geschäftsgebäuden muss spätestens eine Stunde nach Arbeitsschluss abgestellt werden, Schaufenster dürfen zwischen 1 und 7 Uhr nicht beleuchtet werden, und Gebäudefassaden dürfen erst nach Sonnenuntergang und längstens bis 1 Uhr morgens bestrahlt werden. Das französische Umweltministerium rühmt sich, damit in Europa eine Pionierrolle im Kampf gegen die Lichtverschmutzung einzunehmen. Ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung kennt aber seit 2007 zum Beispiel auch Slowenien.

In der Schweiz gibt es auf nationaler Ebene keine vergleichbare Regelung. Laut Alexander Reichenbach vom Bafu sei eine solche auch nicht vorgesehen. Zurzeit werde aber geprüft, ob in die Natur- und Heimatschutzverordnung eine Bestimmung zur Regelung von Lichtemissionen aufgenommen werden soll. Eine gesetzliche Grundnorm ist vorhanden: Gemäss Umweltschutzgesetz sollen nämlich nicht nur Luftverunreinigungen, Lärm und Erschütterungen, sondern auch Strahlen bei der Quelle begrenzt werden. Und im Sinne der Vorsorge sollen Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden könnten, frühzeitig begrenzt werden. In den kommenden drei bis vier Jahren will der Bundesrat seine an die Kantone gerichteten «Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen» von 2005 überarbeiten sowie quantitative Richtwerte für die Beurteilung der Schädlichkeit von Lichtemissionen aufstellen.

 

Vor einer quantitativen Regulierung warnt ein Spezialist für Lichtverschmutzung. René L. Kobler, Architekt und Umweltingenieur an der Fachhochschule Nordwestschweiz, hat massgeblich an einer neuen Norm des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) mitgewirkt. Die SIA-Norm 491 zur «Vermeidung unnötiger Lichtemissionen im Aussenraum» ist seit diesem Frühling in Kraft. Sie richtet sich an Bauherren, Eigentümer, Planer, Anlagenbetreiber und Behörden.

Man habe im Fachkreis lange darüber diskutiert, ob man Grenzwerte einführen solle, sagt Kobler. Schliesslich habe man davon abgesehen. Aufgrund der vielfältigen Anwendungen von Kunstlicht wäre dies sehr kompliziert und schwierig gewesen. In Nordrhein-Westfalen habe man eine Licht-Richtlinie mit Grenzwerten eingeführt – «und der Schuss ist nach hinten losgegangen», sagt Kobler. So habe man die von Beleuchtungsanlagen verursachten Immissionswerte für Wohnungsfenster auf 1 Lux festgelegt. Wen nun 0,9 Lux vom Schlafen abhielten, könne sich nicht mehr beklagen. Und 1 Lux ist ziemlich hell: fünfmal heller, als der Vollmond ins Schlafzimmer strahlt.

Beitrag zur Energiewende

Die SIA-Norm baue auf den gesunden Menschenverstand, sagt Kobler. Grundsätzlich gilt: Das Licht im Aussenraum soll man nur einschalten, wenn man es braucht und wenn es eine Wirkung erzeugt. «Es soll so dunkel wie möglich sein», sagt Kobler. Empfohlen werde, wenn möglich das Licht zwischen 22 und 6 Uhr abzuschalten; eine analoge Bestimmung gelte ja auch für den Lärm. Selbstverständlich müsse das Sicherheitsbedürfnis der Menschen – zum Beispiel auf den Strassen – befriedigt sein. Es bestehe aber kein menschliches Bedürfnis, den Himmel oder Gartenzwerge zu beleuchten. Da Licht billig sei, hinterfragten zu wenige dessen Verschwendung, sagt Kobler. Der Markt biete bereits jetzt Strassenlaternen an, die das Licht gegen den Himmel abschirmten. So verwendet zum Beispiel die Bündner Gemeinde Igis seit 2011 für ihr gesamtes Strassennetz moderne LED-Laternen.

In der Schweiz sind Kantone und Gemeinden bestrebt, die Lichtverschmutzung einzudämmen. In Luzern etwa schreibt das Kunstlichtreglement der Stadt Luzern Grenzwerte für Beleuchtungsstärke und Leuchtdichte bei Schaufenstern, Leucht- und Dachreklamen vor. Und einige Kantone kennen Bewilligungspflichten für Reklamebeleuchtungen. 2010 ergab aber eine Umfrage des Bafu, dass eine Mehrheit der Kantone Vorgaben des Bundes für den Umgang mit Lichtverschmutzung wünscht. Diesem Wunsch will der Bund nachkommen. Auch erhofft er sich, dass dank der neuen SIA-Norm das Thema «Lichtverschmutzung» in den Berufsgruppen, die den grössten Einfluss auf Beleuchtungen haben, bekannter wird und die vorgeschlagenen Massnahmen zur Verringerung unnötiger Lichtemissionen vermehrt ergriffen werden, wie Reichenbach vom Bafu meint.

Vielleicht nimmt sich in den nächsten Jahren auch die Forschung der Lichtverschmutzung verstärkt an. Projekte dazu seien innerhalb der Nationalen Forschungsprogramme «Energiewende» und «Steuerungsmöglichkeiten des Endenergieverbrauchs» möglich, sagt Claudine Dolt vom Staatssekretariat für Bildung. Bis Mitte Oktober müssten die Projektskizzen eingereicht werden.

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/mit-dem-gesetz-gegen-unnoetige-lichtem...

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