Seit wann gibt's das Aussonderungsrecht für Depowerte?

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13.08.2010 14:14
#1
Bild des Benutzers nodu
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Seit wann gibt's das Aussonderungsrecht für Depowerte?

Hallo zusammen

Habe eine Frage, seit wann werden Depotwerte ausgesondert im Falle eines Konkurses der Depotbank?

Wurden früher die Aktien im Depot in die Konkursmasse eingerechnet?

Und wie sieht es bei Anlagefonds aus? Die werden ja bei Konkurs der Depotbank gemäss KAG Art. 35 Abgesondert.

Wie sah das früher aus?

Danke für die Antworten und Grüsse

nodu

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02.03.2015 09:40
Bild des Benutzers Elias
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Bankenkonkurs – nur beschränkte Sicherheit

Guthaben bis 100 000 Franken werden privilegiert behandelt. Garantiert sind sie nicht

Ich habe eine Frage zur Sicherheit der Bankguthaben. Ihren Angaben habe ich entnommen, dass Guthaben bis 100 000 Franken privilegiert behandelt werden. Heisst privilegiert, dass solange Geld da ist, diese zuerst zurückbezahlt werden, wenn die Bank aber pleite ist, auch dieses Privileg nichts nützt? E. H.

Die Frage, wie sicher unser Geld auf den Banken ist, beschäftigt nicht nur Sie, sondern eine Reihe von weiteren Leserinnen und Lesern. Jedenfalls erhalte ich zahlreiche Fragen zur Sicherheit von Bankguthaben. Dies ist auch ein Indikator, dass das Vertrauen in die Banken abgenommen hat. Trotzdem stufe ich die Banken in der Schweiz gesamthaft als sicher ein. Jedenfalls sicherer als die Institute im restlichen Europa.

Für eine höhere Sicherheit hierzulande sorgen die von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht deutlich verschärften Eigenkapitalvorschriften. Die Banken müssen erheblich mehr eigenes Kapital hinterlegen und sind weit besser kapitalisiert als noch vor der Finanzkrise von 2008, als die Grossbanken UBS und CS Staatshilfe beziehungsweise eine Finanzspritze aus dem Ausland in Anspruch nehmen mussten.

All diesen Bemühungen zum Trotz bleibt für Sie ein Restrisiko. Wenn Sie hohe Summen über 100 000 Franken auf einem Bankkonto liegen lassen, müssen Sie im schlimmsten Fall mit einem Verlust rechnen. Konkret ist es so, dass bei einem Bankenkonkurs die Einlagen bis zu 100 000 Franken pro Kunde – nicht pro Konto – privilegiert behandelt werden. Wenn im Krisenfall genügend liquide Mittel vorhanden sind, werden diese Einlagen bis zum Maximalbetrag umgehend und ausserhalb des ordentlichen Kollokationsverfahrens ausbezahlt. Ergänzend kommt die Einlagensicherung Esisuisse zum Zug. Doch auch dann sind Kundenguthaben nicht voll garantiert. Die privilegierte Behandlung der Einlagen hat zur Folge, dass diese in die zweite Konkursklasse eingehen. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Sie Ihr Geld zurückerhalten – solange, wie Sie schreiben, überhaupt noch Geld bei der Bank vorhanden ist. Doch Vorsicht: Gemäss Bankengesetz ist der Maximalbetrag der Einlagensicherung auf 6 Milliarden Franken beschränkt. Bei einem Grossbankenzusammenbruch oder dem Konkurs mehrerer Banken würde diese Summe zur Deckung der privilegierten Einlagen kaum ausreichen. Auch darum ist es als Kunde sinnvoll, auf eine gute Eigenkapitalbasis seiner Hausbank zu achten. Wichtig ist das auch bei Vorsorgegeldern: Einlagen bei Bank- und Freizügigkeitsstiftungen sind zwar gesondert und zusätzlich zu den übrigen Bankeinlagen bis zu einem Höchstbetrag von 100 000 Franken privilegiert. Laut Finma werden sie aber nicht zusätzlich von der Einlagensicherung erfasst.

Als Sparer und Privatanleger kann man das Risiko eines Bankenzusammenbruchs senken, indem man nicht sein ganzes Geld nur bei einem Institut deponiert und pro Bank nur maximal 100 000 Franken liquide Mittel parkiert. Wie sonst beim Geldanlegen sollte man auch bei den Bankbeziehungen diversifizieren. Absichern kann man sich zusätzlich, indem man nur beschränkt liquide Mittel hält und den Grossteil des Vermögens in Depotwerte wie Aktien, Fondsanteile oder Anleihen investiert. Denn diese sind ebenso wie Edelmetalle jederzeit im Eigentum des Kunden und werden ausserhalb des Konkursverfahrens vollständig abgesondert und den Kunden herausgegeben.

Quelle Sonntagszeitung 1.3.2015

 

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Der Weise gewinnt mehr Vorteile durch seine Feinde als der Dummkopf durch seine Freunde.
Benjamin Franklin

13.08.2010 19:57
Bild des Benutzers CrashGuru
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Seit wann gibt's das Aussonderungsrecht für Depowerte?

Elias wrote:

http://www.wegelin.ch/download/medien/artikel/0904_AJP_Bankenkonkurs.pdf

Guter Artikel, danke. Werde gleich mal meine Unterlagen betreffend securities lending durchforsten Wink

13.08.2010 14:39
Bild des Benutzers Elias
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Seit wann gibt's das Aussonderungsrecht für Depowerte?

Quote:

Das Bankenkonkursrecht wies jedoch auch nach der Implementierung des Bankengesetzes im Jahre 1934 gravierende Lücken auf. Der vorerwähnte Konkurs der Spar- und Leihkasse Thun führte endlich zu griffigeren gesetzlichen Regelungen im Bankengesetz, welche per 1. Juli 2004 in Kraft traten. Flankierend dazu wurden am 1. August 2005 die Bankenkonkursverordnung und am 1. Januar 2006 Bestimmungen in der Bankenverordnung sowie eine Vereinbarung der Schweizer Banken und Effektenhändler über die Einlagensicherung1 erlassen. Nachfolgend werden diese rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen und ihr Zusammenwirken erläutert.

http://www.wegelin.ch/download/medien/artikel/0904_AJP_Bankenkonkurs.pdf

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